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Der schwarze Eisbär

Thriller

In Kopenhagen stirbt ein leitender Mitarbeiter des Klima- und Energieministeriums durch einen mysteriösen Autounfall. Die dänische Polizei stellt im Verlauf der Untersuchungen fest, dass es sich möglicherweise um Mord handelt.

Die Ermittlungen von Kommissars Knud Nyrup und seiner Kollegin Clara Andersen führen unter anderem zu einer amerikanischen Firma, die weltweit nach Öl und Erdgas sucht und dieses im Erfolgsfall fördert und vermarktet. Wie sich herausstellt, war der verunglückte Ministeriumsangestellte als Bereichsleiter für die höchst umstrittene Genehmigung der Bohrrechte und die Zuteilung einer Förderlizenz in Grönland zuständig, die diesem Unternehmen zugesprochen wurden, was in den Medien sehr kontrovers zwischen Umweltaktivisten, Politikern und Vertreten der Industrie diskutiert worden war.

Auf der Suche nach Motiven und Hintergründen kommt Nyrup kriminellen Machenschaften auf die Spur. Ob diese Erkenntnisse jedoch eine mögliche Katastrophe in der Arktis verhindern können, ist ungewiss …

Prolog

Am 15. Juli 2013 begann in Kopenhagen die Weltenergiekonferenz. Wieder einmal schaute die Öffentlichkeit auf die Regierungsvertreter aus über 200 Staaten in der Hoffnung, dass der globale Ausstoß der Treibhausgase reduziert und somit die Erderwärmung gestoppt würde.

Die Wissenschaftler erläuterten, dass im 20. Jahrhundert die globale Durchschnittstemperatur der Erde bereits um etwa 0,7 Grad und somit der Meeresspiegel um etwa 17 Zentimeter gestiegen sei. Nach Berechnungen von verschiedenen Universitäten könnte der Meeresspiegel bereits bis zum Jahr 2100 auf annähernd zwei Meter und bei einem Abschmelzen des gesamten Grönlandeises um insgesamt sieben Meter ansteigen.

Am frühen Nachmittag desselben Tages waren in den Straßen der dänischen Hauptstadt die Sirenen von Polizei- und Notarztwagen zu hören. Als die Ordnungs- und Rettungskräfte an dem Ort eintrafen, an dem sich ein Verkehrsunfall ereignet hatte, bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick. Der Notarzt stellte wenig später den Tod des Autofahrers fest. Dem ersten Anschein nach handelte es sich um einen gewöhnlichen Verkehrsunfall. Am Unfallfahrzeug, einem Volvo, wurden jedoch auf der linken Karosserieseite ungewöhnliche Deformationen gefunden, die sich nicht erklären ließen.

Als die zuständigen Kommissare, der erfahrene 44-jährige Knud Nyrup sowie seine attraktive, 33 Jahre junge Kollegin Clara Andersen am Unfallort eintrafen, wurden Sie von einem Verkehrspolizisten empfangen, der den Vorfall bereits aufgenommen hatte:

»Es handelt sich bei dem Toten um den 48 Jahre alten Ole Seeberg. Laut vorläufigem ärztlichem Befund ist der Tod wahrscheinlich durch Genickbruch eingetreten. Das offizielle Ergebnis wird jedoch erst nach der Obduktion vorliegen.«

Nyrup und Andersen betrachteten Ole Seeberg, der noch immer blutbefleckt im Unfallwagen saß.

»Wir wurden telefonisch über Spuren am Unfallfahrzeug unterrichtet, die auf eine mögliche Kollision mit einem anderen Auto oder auf ein Abdrängen des Volvos hindeuten würden. Können Sie uns diese Beschädigungen zeigen und hat die Spurensicherung bereits erste verwertbare Erkenntnisse gewonnen?«, erkundigte sich Nyrup bei dem stämmigen Verkehrspolizisten.

»Folgen sie mir bitte!«, sagte dieser und ging voraus.

Die Kommissare sahen sich die eingebeulte Seite des weißen Volvos an und erkannten rasch, dass die frischen Dellen und schwarzen Schleifspuren am Fahrzeug sehr wahrscheinlich durch Fremdeinwirkung herbeigeführt wurden.

»Die schlangenlinienförmigen Bremspuren auf dem Asphalt zeigen, dass der Wagen außer Kontrolle geriet und die Fahrt schließlich an dem Verkehrspfeiler hier endete. Gibt es Augenzeugen oder eventuell Überwachungskameras, die das Geschehen aufgezeichnet haben?« wollte Clara Andersen wissen.

»Bedauerlicherweise nicht, aber wir stehen gegenwärtig noch am Anfang der Ermittlungen. Herr Seeberg hatte übrigens neben seinem Führerschein noch einen Dienstausweis bei sich. Demzufolge arbeitete er im dänischen Klima- und Energieministerium«, antwortete der Beamte.

Andersen hob leicht die Augenbrauen und ließ sich den Ausweis aushändigen.

»Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, muss durch die gerichtliche Autopsie geklärt werden. Da sich bislang noch keine Augenzeugen gemeldet haben, ist eventuell ein Aufruf über die Presse in Erwägung zu ziehen«, sagte der engagierte Polizist.

»Ausgezeichnete Idee und gute Arbeit!«, meinte Nyrup anerkennend.

Andersen wandte sich mit einem charmanten Lächeln an den Beamten: »Könnten Sie uns nach Aufnahme aller Spuren und Beweise den Unfallbericht sobald als möglich zur Verfügung stellen?«

»Natürlich!«

Nachdem sie den vermutlichen Hergang der Ereignisse rekonstruiert hatten, fuhren Nyrup und Andersen auf direktem Wege zum Klima- und Energieministerium ins Zentrum von Kopenhagen.

2. Kapitel

Kopenhagen

Die Sonne ging gerade am Horizont unter, als Nyrup und Andersen bei den Seebergs klingelten. Sarah Seeberg öffnete die Tür.

»Frau Seeberg, wir sind von der Polizei. Können wir Sie einen Moment sprechen?«, erkundigte sich Nyrup mit dem Polizeiausweis in der Hand.

»Worum geht`s?«

»Um Ihren Mann. Er hatte einen Autounfall! Dürften wir bitte einen kurzen Moment hereinkommen?«

»Natürlich! Wie geht es Ole?«

Wortlos betraten Andersen und Nyrup das Wohnhaus.

Als sie im stilvoll eingerichteten Wohnzimmer auf den Ledersofas Platz genommen hatten, überbrachte Nyrup die Todesnachricht. Augenblicklich brach Sarah Seeberg geschockt und in Tränen aufgelöst zusammen.

Nach einer Weile strich die sonst so coole Clara Andersen der weinenden Sarah Seeberg mit der Handfläche über den Rücken.

»Wo ist Ole jetzt?«, fragte Sarah Seeberg schließlich schluchzend.

»Gegenwärtig befindet er sich für einige Untersuchungen in der Gerichtsmedizin. Wir geben Ihnen so schnell wie möglich Bescheid, wann und wo Sie Ihren Mann sehen können.«

»Wieso ist er in der Gerichtsmedizin?«, wollte Sarah Seeberg wissen.

»Wir haben an der linken Fahrzeugseite Beschädigungen vorgefunden, die entweder nicht ursächlich etwas mit dem Unfall zu tun haben oder durch Dritte herbeigeführt wurden. Haben sie Kenntnisse von diesen erst jüngst entstandenen Schäden?«, erkundigte sich Nyrup.

»Nein, ich weiß nichts von Beschädigungen an unserem Auto. Ole hätte mir davon erzählt. Gibt es denn noch weitere Unfallbeteiligte?«

»Um ganz offen zu sprechen: Die bisherigen Spuren und Ihre Aussage lassen vermuten, dass noch ein Auto in den Unfall verwickelt war und wir gegenwärtig eine Fahrerflucht oder andere Begleitumstände nicht ausschließen können.«

»Was meinen sie mit anderen Begleitumständen?«

»Falls sich der Unfall nicht rein zufällig ereignet hat, wäre auch noch Vorsatz eine mögliche Option. Wir ermitteln in Zweifelsfällen daher routinemäßig in mehrere Richtungen.«

Nach einem kleinen Moment faste Nyrup nach: »Da wir jetzt schon über die verschiedenen Ermittlungsansätze gesprochen haben … könnten sie uns auch die Frage beantworten, ob ihr Mann möglicherweise Menschen in seinem Umfeld hatte, die ihn nicht besonders mochten oder die man gar als Feinde bezeichnen könnte?«

Sarah Seeberg spürte die Spannung, die in dieser Frage lag. »Nein, Ole ist kein Mensch der Konflikte schürt, im Gegenteil, er versuchte stets angemessen zu handeln und war eher deeskalierend. Mit feinseligen oder stressigen Situationen kann … konnte mein Mann normalerweise relativ souverän umgehen. In letzter Zeit hatte ich jedoch den Eindruck, dass er im beruflichen Bereich von einigen Leuten bedrängt wurde Entscheidungen zu treffen, die seiner inneren Überzeugung widersprachen. Ole hat immer versucht seine Arbeit von der Familie fernzuhalten, aber diese amerikanische Firma, OCEAN ENERGY, hat ihm schon einige Kopfschmerzen bereitet. Nun ja, aber als feindselig würde ich diese Menschen nicht bezeichnen.«

Dieser Spur sollten wir jedenfalls weiter nachgehen, dachte Nyrup.

Sarah Seeberg wischte sich eine Träne von der Wange und putzte sich die Nase. »Könnten Sie mich jetzt bitte alleine lassen? Meine Kinder kommen gleich von einer Geburtstagsfeier nach Hause und ich möchte ihnen das ohne Ihre Anwesenheit beibringen.«

»Frau Seeberg, wir möchten Ihnen nochmals unser Beileid aussprechen und uns bedanken, dass Sie sich angesichts der Umstände für uns Zeit genommen haben.«

An der Haustür verabschiedete sich Nyrup noch mit einem beherzten Händedruck von Sarah Seeberg.

3. Kapitel

Kopenhagen, 16. Juli

Die Geschäftsstelle von Greenpeace in Kopenhagen befand sich in der Bredgade 20. Mit dem Ziel, die Kontaktperson des verstorbenen Ole Seeberg ausfindig zu machen, fuhr Nyrup am Tag nach dem Autounfall, ohne Anmeldung, um zehn Uhr hin.

Einige Aktivisten planten offensichtlich gerade eine neue Kampagne. Nachdem sich Kommissar Nyrup vorgestellt hatte, fühlen sich die drei männlichen Anwesenden in ihren Vorbereitungen offenkundig ein wenig gestört.

»Ich suche eine Mitarbeiterin von Greenpeace. Sie ist Dänin, Mitte 30, schlank, etwa 1,70 groß und hat rötliche gefärbte Strähnen in den Haaren«, sagte Nyrup.

»Weshalb suchen Sie denn diese Frau?«, erkundigte sich einer der drei Männer.

»Sie hatte kürzlich Kontakt zu Ole Seeberg, einem Mitarbeiter des dänischen Klima- und Energieministeriums. Wir glauben, dass Sie uns bei einer polizeilichen Ermittlung helfen kann.«

»Ihre Beschreibung passt auf Anna Lundbye. Eigentlich müsste sie schon längst da sein, da sie uns helfen wollte. Ah, Sie haben Glück – da kommt sie gerade.«

Nyrup ging auf Anna Lundbye zu und hielt ihr seinen Dienstausweis hin. »Können wir uns irgendwo ungestört unterhalten? Es geht um Ole Seeberg.«

»Folgen Sie mir bitte!«, sagte Anna und schritt zügig auf den Nachbarraum zu.

»Kannten Sie Ole Seeberg?«, begann Nyrup seine Befragung, kaum dass die Tür hinter Ihnen geschlossen war..

»Wieso kannten?«

»Herr Seeberg hatte gestern einen tödlichen Autounfall. Der Jyland-Posten hat heute einen Kurzbericht über den Unfall gebracht«, erzählte Nyrup und legte ein Exemplar der Tageszeitung auf den Tisch.

Annas Blick verharrte eine kleine Ewigkeit bei dem Unfallbericht.

»Ja, wir haben uns einige Male getroffen«, begann sie zögerlich.

»Worum ging es bei Ihren Treffen?«, wollte Nyrup wissen.

»Kann ich davon ausgehen, dass Sie die Informationen vertraulich behandeln?«

»Das hängt natürlich von den Gegebenheiten ab, aber ich versichere Ihnen, dass ich sehr sorgsam mit den Informationen umgehen werde. Sollten Sie jedoch Kenntnisse haben, die zur Aufklärung einer Straftat dienen, sind Sie verpflichtet uns diese mitzuteilen, um sich nicht selbst strafbar zu machen«, antwortete Nyrup.

Anna Lundbye verzog leicht ihre Mundwinkel und nickte dabei fast unmerklich. »Ich traf Ole Seeberg das erste Mal vor vier Wochen. Er erzählte mir, dass er von einem ausländischen Unternehmen für die Ausweitung der Explorationstätigkeiten in der Arktis unter Druck gesetzt werde. Da ihm die Ansichten und Standpunkte von Greenpeace zu diesen Aktivitäten bekannt waren, wollte er mit unserer Hilfe und der Medien, also einer stärkeren öffentlichen Aufmerksamkeit, für die regionalen Interessen und wohl auch für sich eine bessere Position erhalten. Sein erklärtes Ziel war, auf Basis der Erkenntnisse und gewonnenen Erfahrungen aus den jetzigen Bohrtätigkeiten zunächst sorgfältige Auswertungen mit wohldurchdachten Schlussfolgerungen vorzunehmen, um anschließend die strategische Entwicklung der Region mit einem Höchstmaß an Sicherheit fortzuführen. Bei all diesen Tätigkeiten war ihm der nachhaltige Naturschutz in der Arktis sehr wichtig.«

»Glaubten Sie ihm?«

»Nach anfänglicher Skepsis und einem weiteren inoffiziellen Treffen habe ich ihm schließlich vertraut. Scheinbar gab es auch schon Drohungen, die gegen ihn beziehungsweise seine Familie gerichtet waren.«

»Warum hat er sich nicht an die Polizei gewandt?«

»Ohne Beweise wird von den Behörden in der Regel doch nichts unternommen und gegen Personen beziehungsweise Firmen aus dem Ausland ist ein solches Anliegen nahezu aussichtslos, oder?«

»Wahrscheinlich haben Sie recht«, musste Nyrup zustimmen.

»Herr Seeberg hat Greenpeace also Information zukommen lassen, die wir für unsere Zwecke und Aktionen sehr gut nutzen konnten und die in der Presse entsprechen Gehör fanden.«

»Hat er Ihnen Personen- oder Firmen genannt, von denen er bedroht wurde?«

»Nein. Namen von Personen sind nicht gefallen und eine konkrete Beschuldigung, von welchem Unternehmen dieser Druck ausgeübt wird, hat Herr Seeberg ebenfalls nicht geäußert. – Er sprach mitunter besorgt, vielleicht auch ein wenig verängstigt. Im Vertrauen erzählte er mir, dass es auch Verantwortliche auf einer Offshoreplattform in der Arktis gibt, die zur Durchführung ihrer zeitlich knappen Vorhaben einen rüden Umgangston pflegen. Er ging zwar davon aus, dass alle Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, aber sicher schien er sich nicht zu sein. Ein unbequemer Supervisor auf besagter Bohranlage soll zehn Tage nach Beginn der Arbeiten verschwunden und durch eine neue leitende Aufsichtsperson ersetzt worden sein. Das kam ihm merkwürdig vor. Es hieß sogar, dass der Mann möglicherweise im Meer ertrunken sei. – Da Herr Seeberg von Ausweitung der Explorationstätigkeiten in der Arktis sprach, vermute ich aufgrund der äußeren Rahmenbedingungen und Informationen, dass eigentlich nur zwei in diesem Gebiet operierenden Unternehmen infrage kommen: Zum einen eine russische Firma und zum anderen die amerikanische Firma OCEAN ENERGY, von der im Rahmen des Genehmigungsverfahrens in den Medien berichtet wurde.«

Knud Nyrups Mobiltelefon klingelte.

Er verließ den Raum und nahm das Gespräch entgegen. Dann hörte er seiner Kollegin Clara Andersen aufmerksam zu. »Das heißt, Ole Seeberg wurde möglicherweise ermordet«, fasste er anschließend das Ermittlungsergebnis zusammen.

Nach Beendigung des Telefonats kehrte Nyrup zu Anna Lundbye zurück. »Haben sie vielen Dank für die offenen Worte. Ich muss jetzt gehen. Falls sich noch weitere Fragen ergeben, würde ich mich später noch einmal an sie wenden«, sagte Nyrup eilig und entschwand.

4. Kapitel

Kopenhagen

Im Kommissariat genoss Knud Nyrup um die Mittagzeit eine Tasse Westminster Darjeeling Tee. Clara Andersen saß ihm auf der anderen Seite des Tisches gegenüber.

»Ole Seeberg hatte weder Alkohol noch Betäubungsmittel im Blut. Die Fraktur des Genicks und die Hämatome stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Aufprall des Volvos gegen den Pfeiler …«, las Andersen laut aus dem Obduktionsbericht vor. »Eine am Unfallort sichergestellte Haarschuppe, an der sich ein kurzes brünettes Haar befand, wurde mit der DNA von Ole Seeberg verglichen, allerdings konnte keine Übereinstimmung festgestellt werden.«

»Wo hat man diese Haarschuppe gefunden?« hakte Nyrup nach.

Andersen sah wieder in den Obduktionsbericht und suchte nach der Information. »In einer Hemdfalte auf der Brustseite des Toten.«

»Interessant! Wir sollten überprüfen, ob die genetische Information zu Frau Seeberg, einem anderen Familienmitglied oder einer Person gehört, mit der Ole Seeberg an diesem Tag Kontakt hatte. Zudem sollten wir einen Vergleich mit unserer DNA-Analyse-Datenbank durchführen.«

»Okay!

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