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Der gelehrige Liebhaber

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich
der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

1. KAPITEL

Jede Frau erinnert sich noch genau an den Tag, als sie ihre Jungfräulichkeit verlor. Aber wie viele können sich an den Augenblick erinnern, als sie zum ersten Mal ihr Herz verloren? Mir passierte es an einem sonnigen Nachmittag im Juni 1886. Der Mann tauchte in der Tür meines abgeschiedenen Wintergartens auf, als hätte die Erde ihn aus derselben fruchtbaren Wurzel hervorgebracht wie die schwellenden Früchte meiner Speisekürbispflanzen.

Obwohl Schnitt und Stoff seiner Kleidung einen gewissen Wohlstand ausstrahlten, waren seine Gesichtszüge von einer Derbheit, die man normalerweise mit der arbeitenden Klasse verband. Die Linie seines Kiefers – der fast zu eckig war, um ihn aristokratisch zu nennen – schien besonders deplatziert zu wirken, wie sie sich gegen den gestärkten Kragen seines Hemdes drückte.

Schon seine Größe hätte ihn in einer Menschenmenge herausragen lassen. Mit breiten Schultern, einer kräftigen Brust und langen Beinen füllte er den Türrahmen fast vollständig aus. Und doch waren da das zerzauste, blonde Haar und die braunen Augen, in denen ein Lachen blitzte, und die ihn weicher machten. Tatsächlich war er eine beeindruckende Erscheinung. Die späte Frühlingssonne umschmeichelte ihn.

Grüßend neigte er den Kopf. „Euer Gnaden.“

Ich stellte die Cattleya beiseite, die ich gerade umtopfte. „Wenn Ihr mich sehen wollt, sprecht bitte an der Eingangstür vor und gebt meinem Butler Eure Karte.“

„Das ist die übliche Vorgehensweise, ja.“ Er lächelte. „Würde das Euer Interesse wecken?“

„Höchstwahrscheinlich nicht.“ Tatsächlich ignorierte ich häufig derartige Annäherungsversuche. Die meisten Menschen, die mich aufsuchten, taten dies aus Neugier oder weil sie etwas suchten, um den Klatsch über die verrufene Herzoginnenwitwe anzuheizen. Das Leben auf dem Lande konnte schrecklich eintönig werden, auch wenn man sich ständig auf Hauspartys herumtrieb. Ein paar Pikanterien über diese Metze – was war nur in den Duke of Millford gefahren, überhaupt so eine Frau zu heiraten? – konnten da schon helfen, die langen Abende zu überstehen.

„Dann habe ich recht?“, fragte er.

„Ich verstehe nicht?“

„Ihr hättet mich nicht empfangen, wenn ich vorgesprochen und meine Karte abgegeben hätte.“

„Ich glaube auch nicht, dass ich Euch jetzt sehen will“, erwiderte ich. „Ich nehme an, Ihr findet den Weg nach draußen.“

Der Fremde ging nicht, sondern griff stattdessen in die Tasche seiner Jacke und zog eine Visitenkarte heraus. Er hielt sie mir hin und betrat den Wintergarten. Vor der Bank, auf der ich saß und arbeitete, blieb er stehen. Ich streckte die Hand aus und nahm seine Karte. Meine Finger hinterließen vom Kompost Schmutzflecken auf dem Pergament.

„Mr. Arthur Chatman“, las ich laut.

„Stets zu Diensten, Madam.“

„An welche Art Dienste habt Ihr gedacht?“ Du lieber Himmel, würde ich denn nie lernen, meine Zunge im Zaum zu halten? Das war genau die Art Bemerkung, die mir diesen Ruf eingebracht hatte. Ich gab nichts drauf, was jemand der höheren Gesellschaft von mir dachte, aber das Summen und die Seitenblicke begannen mich langsam zu nerven.

Arthur Chatman wirkte nicht im Geringsten beunruhigt, obwohl er noch sehr jung und, wie ich vermutete, recht unschuldig war. Er schien kaum das Mannesalter erreicht zu haben und war ungefähr ein Dutzend Jahre jünger als ich mit meinen fünfunddreißig. Er stammelte nicht und wandte auch nicht den Blick ab, sondern schaute mich unverwandt an, als würde er über meine Frage nachdenken.

„Ich habe gehofft, Ihr erlaubt mir, Euch um einen Gefallen zu bitten“, sagte er.

„Es gibt nichts, das ich für Euch tun kann“, erwiderte ich. „Nach dem Tod meines Mannes muss die Königin nicht mal mehr so tun, als würde sie mich weiterhin tolerieren.“

Er lachte. „Ich will nicht an den Hof. Wir können das, was ich möchte, gerne hier tun.“

Ich hob eine Augenbraue auf eine Weise, die unter normalen Umständen die Ängstlichen dazu brachte, den Schwanz einzuziehen und wegzulaufen. Chatman blieb.

„Ich glaube, Ihr werdet fasziniert sein“, fuhr er fort.

„Tatsächlich?“ Ich legte seine Karte auf den niedrigen Tisch vor mir und wischte meine Hände an der Schürze ab. „Lasst uns ein Stück spazieren gehen, und Ihr könnt Euer Bestes geben, mich zu faszinieren.“

Er bot mir den Arm, aber ich ging an ihm vorbei und führte ihn nach draußen. Unsere Schritte knirschten auf dem Kiesweg. Wir durchquerten den Gemüsegarten und steuerten den Rasen an. Er legte die Hände hinter seinen Rücken und schloss zu mir auf. Doch er machte keine Anstalten, mich zu berühren.

„Um welchen Gefallen wollt Ihr mich bitten, Mr. Chatman?“, fragte ich.

„Ihr habt einen … ähm … interessanten Ruf, Lady Millford.“

Ich blieb stehen. „Möchtet Ihr, dass ich Euch ohrfeige und fortschicke?“

„Ich hoffe nicht. Lasst mich wenigstens etwas tun, dass ich es verdiene, geohrfeigt zu werden.“

Er war ein frecher Welpe, so viel musste ich ihm zugute halten. „Fahrt fort. Ich habe in der vergangenen Woche noch niemandem eine ernstliche Verletzung zugefügt.“

„Soweit ich weiß, habt Ihr nichts getan, das nicht auch ein Mann nach dem Tod seiner Frau tun würde. Aber die Gesellschaft sieht das ein bisschen anders.“

„Man sollte die Gesellschaft aufknüpfen.“

Er lächelte. „So sehe ich das auch.“

Ich wandte mich ab und ging weiter. „Ihr wollt also der Gesellschaft eine Lehre erteilen?“

„Ich will, dass Ihr mir eine Lehre erteilt“, sagte er. „Ich will, dass Ihr mich lehrt, wie man fickt.“

Bei diesen Worten blieb ich nicht einfach stehen, nein. Ich stolperte über meine eigenen Füße und wäre fast gefallen. Blitzschnell umfasste er meinen Ellbogen mit seiner großen Hand und stützte mich. Die Berührung fühlte sich gleichermaßen beruhigend wie unangenehm an. Eine Mischung aus Zärtlichkeit und Stärke, die mich unweigerlich daran erinnerte, dass er so viel größer war als ich. Trotzdem konnte ich mit einem Ruf eine beliebige Anzahl meiner Diener herbeirufen, um ihn zu überwältigen, falls ich mich von ihm bedroht fühlte. Ihn zu lehren, wie man fickte, könnte um ein Vielfaches gefährlicher sein.

„Ich habe Euch schockiert“, sagte er.

Ficken ist nicht gerade ein Wort, das in vielen höfischen Gesprächen ausgesprochen wird.“

„Ich hätte auch sagen können, dass ich mir von Euch wünsche, mich darin zu unterweisen, eine Frau zu lieben“, sagte er. „Aber das ist nicht dasselbe, stimmt’s?“

„Dann bleiben wir beim Ficken, ja?“ Lieber Himmel, ich schien nicht mehr Herrin meiner Sinne zu sein. Ich stand in meinem eigenen Garten und redete mit dem perfekten Fremden übers Ficken. Ein sehr anziehender Fremder, das musste ich zugeben. Er wurde mit jeder Minute anziehender.

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