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Der dunkle Fluss

Informationen zum Buch

Ein großer Roman über die Schönheit und Grausamkeit Afrikas

Benjamin und seine Brüder leben in der Nähe eines gefährlichen Flusses. Als ihr Vater die Familie verlassen muss, verstoßen sie gegen sein Verbot, sich dem Gewässer zu nähern. Die Fische, die sie dort fangen, sind Dämonen.

Ein faszinierendes Familiendrama und eine sprachmächtige Fabel über das Schicksal Nigerias. Von Afrikas neuem großem Erzähler.

»Knisternd vor Lebendigkeit, beladen von Vergänglichkeit, schwindelerregend sowohl im Stil als auch in der elementaren Kraft seiner Geschichte. Nur wenige Romane verdienen das Prädikat ›mythisch‹ – Chigozie Obiomas ›Der dunkle Fluss‹ gehört mit Sicherheit dazu. Ein wahrhaft großartiges Debüt.« Eleanor Catton (Booker-Preis 2013)

»Jeder Satz versetzt einem einen präzisen, tief empfundenen Schlag. Besser geht es nicht. Diesen Namen muss man sich merken.« Alexandra Fuller, Autorin von Unter afrikanischer Sonne

Die Schritte eines Einzelnen verursachen noch keine Panik.

Ibo-Sprichwort

Ich schwimme nicht darin

Ich trinke nicht daraus

Mein Vater schwimmt nicht darin

Meine Mutter trinkt nicht daraus

Meine Brüder schwimmen nicht darin

Meine Schwestern trinken nicht daraus

Sein Wasser verdirbt die Seele

Seine Ufer plagen den Geist

Es ist ein dunkler Fluss, ein langer, dunkler Fluss

Der Niger.

Ibo-Kinderreim

FISCHER

Wir waren Fischer.

Meine Brüder und ich wurden im Januar 1996 Fischer, nachdem unser Vater aus Akure weggezogen war, einer Stadt im Südwesten Nigerias, wo wir unser ganzes Leben zusammen verbracht hatten. Sein Arbeitgeber, die nigerianische Zentralbank, hatte ihn Anfang November des vorigen Jahres nach Yola versetzt, das im Norden lag, einen Kamelritt von mehr als tausend Kilometern entfernt. Ich erinnere mich noch an den Abend, als Vater mit dem Brief nach Hause kam, es war ein Freitag. An jenem Freitagabend und auch den ganzen Samstag lang berieten sich Vater und Mutter flüsternd wie Schreinpriester. Am Sonntagmorgen dann war Mutter nicht mehr dieselbe. Sie lief wie eine nasse Maus mit abgewandtem Blick durchs Haus. An diesem Tag ging sie nicht in die Kirche, sondern blieb zu Hause und wusch und bügelte mit undurchdringlicher, finsterer Miene Vaters Sachen. Keiner von beiden sagte ein Wort zu uns, und wir stellten keine Fragen. Meine Brüder Ikenna, Boja, Obembe und ich glaubten, dass Vater und Mutter so etwas wie die Herzkammern des Hauses waren und sie Stillschweigen bewahrten wie das Herz das Blut. Also bohrten wir besser nicht nach. An Tagen wie diesen verzichteten wir darauf, im Wohnzimmer fernzusehen. Wir saßen in unseren Zimmern, lernten oder taten, als lernten wir, verunsichert, aber ohne Fragen zu stellen. Stattdessen streckten wir unsere Fühler nach jedem nur erdenklichen Hinweis aus.

Gegen Einbruch der Dämmerung fielen dann die ersten Informationsbrocken aus Mutters Selbstgesprächen wie winzige Federn aus einem reich gefiederten Vogel: »Was ist das für ein Job, der einen Mann davon abhält, seine Söhne großzuziehen? Selbst wenn ich sieben Hände hätte, wie soll ich mich allein um die Kinder kümmern?«

Obwohl diese brennenden Fragen an niemand Spezielles gerichtet waren, waren sie sicherlich für Vaters Ohren bestimmt. Er saß allein im Wohnzimmersessel, das Gesicht hinter einer Ausgabe seiner Lieblingszeitung The Guardian verborgen, halb lesend, halb Mutter lauschend. Und obwohl er alles mitbekam, stellte er sich jedes Mal taub, solange das, was er als »feige Worte« bezeichnete, nicht direkt an ihn gerichtet war. Er widmete sich einfach weiter seiner Lektüre und schimpfte oder freute sich zwischendurch über etwas, das er gerade gelesen hatte: »Wenn es einen Funken Gerechtigkeit auf der Welt gibt, wird Abachas Frau, diese Hexe, bald um ihren Mann trauern.« »Wow, Fela ist ein Gott! Meine Güte!« »Reuben Abati sollte gefeuert werden!« Nur um den Eindruck zu erwecken, dass Mutters Klagen vergeblich waren und niemand sie beachtete.

Bevor wir an diesem Abend schlafen gingen, hatte Ikenna, der fast fünfzehn war und auf dessen Meinung wir uns meist verließen, die Vermutung geäußert, Vater würde versetzt. Boja, der ein Jahr jünger war und nicht als ahnungslos dastehen wollte, hatte behauptet, Vater würde wahrscheinlich ins Ausland gehen, in die »westliche Welt«, wie wir oft befürchteten. Obembe, mit seinen elf Jahren zwei Jahre älter als ich, hatte keine Meinung dazu. Genauso wenig wie ich. Aber wir wurden nicht lange auf die Folter gespannt.

Die Antwort kam am nächsten Morgen, als Vater plötzlich in Obembes und meinem Zimmer stand. Er legte die Brille auf den Tisch, eine Geste, mit der er um unsere Aufmerksamkeit bat. »Ich werde von jetzt an in Yola leben, und ich will nicht, dass ihr eurer Mutter Ärger macht.« Bei diesen Worten verzog er das Gesicht, so wie er es immer tat, wenn er uns Angst einjagen wollte. Er sprach langsam, dunkler und lauter als sonst, so dass sich jedes Wort tief in unseren Köpfen einnistete. Damit er, sollten wir ihm nicht gehorchen, uns mit nur einem kurzen Satz eindrücklich an diesen Moment erinnern konnte: »Was habe ich euch gesagt?«

»Ich werde sie regelmäßig anrufen, und sollte mir etwas zu Ohren kommen«, er hob warnend den Zeigefinger, »ich meine, irgendwelche Schandtaten, dann werdet ihr euer blaues Wunder erleben.«

Er sagte das mit so viel Nachdruck, dass die Adern an beiden Schläfen hervortraten. Einmal ausgesprochen, war eine solche Drohung meistens das letzte Wort. Er holte zwei Zwanzig-Naira-Scheine aus der Jackentasche und ließ sie auf unseren Schreibtisch fallen.

»Für euch beide«, sagte er und ging hinaus.

Während Obembe und ich noch auf dem Bett saßen und versuchten, uns einen Reim auf das alles zu machen, hörten wir Mutter vor dem Haus mit ihm sprechen, so laut, als wäre er schon weit weg.

»Eme, denk dran, deine Jungs werden jetzt ohne dich großwerden müssen«, rief sie. »Ich sag’s ja nur.«

Vater startete seinen Peugeot 504. Obembe und ich eilten aus dem Zimmer, aber er fuhr bereits durch das Tor und war weg.

Immer, wenn ich über unsere Geschichte nachdenke, darüber, dass wir nie wieder als die Familie zusammenlebten, die wir immer gewesen waren, wünschte ich – noch heute, zwei Jahrzehnte später –, er wäre damals nicht gegangen, er hätte dieses Versetzungsschreiben nie erhalten. Bevor der Brief kam, war alles in Ordnung gewesen: Vater fuhr jeden Morgen zur Arbeit, und Mutter, die einen Stand auf dem Markt hatte, wo sie frische Lebensmittel verkaufte, kümmerte sich um mich und meine fünf Geschwister. Alles ging seinen natürlichen Gang. Wir dachten nicht an gestern. Zeit spielte keine Rolle damals. In Trockenzeiten hingen tagsüber die Wolken am Himmel, die Luft war voller Staub, und die Sonne schien bis in den Abend hinein. Während der Regenzeit, wenn der sintflutartige Regen sich sechs ununterbrochene Monate lang in pulsierenden Gewitterstürmen entlud, sah es aus, als malte eine Hand unscharfe Bilder in den Himmel. Da alles einem bekannten, klaren Muster folgte, war kein Tag der Erinnerung wert, es zählte allein die Gegenwart und die absehbare Zukunft. Einblicke in die Zukunft kamen meist wie eine Lokomotive auf den Schienen der Hoffnung daher, mit schwarzer Kohle im Herzen und einem elefantösen Tuten. Manchmal erschien sie einem in Träumen oder Fantastereien wie ein Flüstern im Kopf – Ich werde später mal Pilot oder Präsident von Nigeria, ein reicher Mann, mit eigenem Helikopter –, denn die Zukunft war das, was wir aus ihr machten, eine leere Leinwand, auf die sich alles Mögliche projizieren ließ. Das alles war vorbei, als Vater wegzog.

Von nun an lebte er in Yola. Das grüne Telefon, auf dem bis dahin vor allem Mr. Bayo angerufen hatte, Vaters Jugendfreund, der in Kanada lebte, war die einzige Möglichkeit, ihn zu erreichen. Mutter wartete ungeduldig auf seine Anrufe und kreuzte die Tage, an denen sie telefonierten, auf dem Kalender in ihrem Zimmer an. Wenn Vater sich einmal nicht planmäßig meldete und Mutters Geduld erschöpft war, nachdem sie bis nach Mitternacht gewartet hatte, löste sie den Knoten an ihrer Wrappa, holte den zerknitterten Zettel hervor, auf den sie seine Telefonnummer gekritzelt hatte, und wählte sie immer wieder, bis er ranging. Wenn wir noch wach waren, hingen wir um sie herum, lauschten Vaters Stimme und drängten sie, ihn dazu zu bringen, uns mit in die neue Stadt zu nehmen. Doch Vater weigerte sich beharrlich. Yola, erklärte er, sei eine extrem unsichere Stadt, in der es immer schon großangelegte Gewaltaktionen vor allem gegen Angehörige unseres Volkes – der Ibo – gegeben habe. Wir ließen trotzdem nicht locker, bis im März die religiösen Unruhen blutig ausbrachen. Als Vater endlich ans Telefon ging, berichtete er – während man im Hintergrund vereinzelte Schüsse hörte –, wie er nur knapp dem Tod entkommen war, als die Randalierer seinen Bezirk angriffen, und dass im Haus gegenüber eine ganze Familie niedergemetzelt wurde. »Kleine Kinder, abgeschlachtet wie Hühner!«, hatte er gesagt und die Worte »kleine Kinder« auf eine Weise betont, dass kein vernünftiger Mensch es gewagt hätte, ihn noch mal darauf anzusprechen, uns zu sich zu holen.

Vater machte es sich zur Gewohnheit, uns jedes zweite Wochenende in seinem Peugeot 504 zu besuchen. Und so freuten wir uns auf die Samstage, wenn er draußen vor dem Tor hupte, und eilten ihm entgegen, um zu sehen, was er uns diesmal mitgebracht hatte. Während wir uns langsam daran gewöhnten, ihn nur noch alle paar Wochen zu sehen, veränderte sich etwas. Seine hünenhafte, Anstand und Besonnenheit ausstrahlende Gestalt schrumpfte nach und nach auf die Größe einer Erbse. Die von ihm etablierten Richtlinien – Selbstbeherrschung, Gehorsam, Fleiß und die obligatorische Siesta –, die lange Zeit unseren Alltag bestimmten, weichten immer mehr auf. Ein Schleier legte sich über seine scharfen Augen, die, wie wir glaubten, jedes noch so kleine Vergehen bemerkten. Im dritten Monat dann brach sein langer Arm, der oftmals warnend die Peitsche geschwungen hatte, ab wie ein müder Ast. Und wir rissen uns los.

Wir stellten die Bücher ins Regal und machten uns auf, die Welt zu erkunden. Wir wagten uns auf den öffentlichen Fußballplatz, wo die meisten Jungs aus der Nachbarschaft jeden Nachmittag spielten. Ein Rudel Wölfe, das uns nicht gerade willkommen hieß. Obwohl wir keinen von ihnen kannten, bis auf Kayode, der ein paar Straßen weiter wohnte, wussten sie genau, wer wir waren und sogar, wie unsere Eltern hießen. Sie verhöhnten uns und nannten uns trotz Ikennas atemberaubender Dribbelkünste und Obembes Glanzparaden »Amateure«. Außerdem hänselten sie uns, weil unser Vater für die Zentralbank arbeitete und ein reicher Mann sei und wir deswegen privilegiert seien. Sie dachten sich einen Spitznamen für ihn aus: Baba Onile, nach der Hauptfigur in einer bekannten Yoruba-Soap, einem Mann mit sechs Frauen und einundzwanzig Kindern. Vaters Wunsch, viele Kinder zu haben, war bei uns im Viertel zur Legende geworden. Zudem war es der Yoruba-Name der Gottesanbeterin, dieses hässlichen grünen Insekts. Eine solche Beleidigung konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen. Ikenna, dem bewusst war, dass wir in der Unterzahl waren und im Kampf unterlegen wären, bat sie mehrmals, wie es sich für ein christliches Kind geziemte, unsere Eltern nicht weiter zu beleidigen, sie hätten ihnen schließlich nichts getan. Aber sie hörten nicht auf, bis Ikenna sich eines Tages nicht mehr beherrschen konnte und einem von ihnen eine Kopfnuss verpasste. Reflexartig trat ihm sein Gegner in den Bauch und stürzte sich auf ihn. Für kurze Zeit wirbelten ihre Füße über das sandige Spielfeld, bis der Junge Ikenna zu Boden schleuderte und ihm eine Handvoll Sand ins Gesicht warf. Die übrigen Kinder jubelten und halfen ihm auf, und ihre Stimmen verschmolzen zu einem Siegeschor. Mit dem Gefühl, vernichtend geschlagen worden zu sein, kehrten wir an jenem Abend nach Hause zurück und ließen uns nie wieder dort blicken.

Danach hatten wir keine Lust mehr rauszugehen. Auf meine Anregung hin flehten wir Mutter an, uns die Mortal-Kombat-Konsole wiederzugeben, die Vater im Jahr zuvor einkassiert hatte, nachdem Boja – der in der Schule immer als Klassenerster galt – mit der Warnung »Versetzungsgefahr« nach Hause kam. Bei Ikenna war es nicht besser, er war 16. von 40 und hatte ein persönliches Begleitschreiben von Mrs. Bukky, seiner Lehrerin, dabei. Als Vater den Brief vorlas, bekam er einen solchen Wutanfall, dass ich nur die Worte »Herrgott noch mal!« verstand, die er wie einen Refrain wiederholte. Er konfiszierte das Spiel, was bedeutete, dass wir nie wieder vor Erregung herumwirbeln und johlen würden, wenn der unsichtbare Kommentator den Befehl »Finish him« gab und ein Sprite den anderen besiegte, indem er ihn entweder hoch in die Luft kickte oder zu einem bizarren Haufen aus Knochen und Blut zerstückelte, woraufhin auf dem Bildschirm in flammenden Stroboskopbuchstaben das Wort »Fatality!« erschien. Einmal kam Obembe – noch während er sich gerade erleichterte – aus der Toilette angelaufen, nur um im amerikanischen Akzent des Sprechers mitzugrölen: »Das war tödlich!« Später entdeckte Mutter seine Exkrete auf dem Teppich und bestrafte sie ihn.

Frustriert suchten wir schließlich doch noch nach einer körperlichen Betätigung für die Zeit nach der Schule, jetzt, wo wir frei waren. Also trommelten wir die Kinder aus der direkten Umgebung zusammen und spielten mit ihnen Fußball auf dem Feld hinter unserem Grundstück. Neben Kayode war diesmal auch unser Nachbar Igbafe dabei, außerdem sein Cousin Tobi – der halb taub war und unsere Stimmbänder strapazierte, indem er jedes Mal fragte Jo, kini o nso?, Bitte, was hast du gesagt? Tobi hatte riesige Ohren, die so gar nicht zu seinem Körper passten. Er wirkte selten beleidigt – vielleicht, weil er so schlecht hörte und wir eher flüsterten –, wenn wir ihn Eleti Ehoro, der mit den Hasenohren, nannten. Wir rannten kreuz und quer übers Feld, in billigen Trikots und T-Shirts, auf die wir unsere Spielernamen gedruckt hatten. Wir spielten und schossen wie die Irren, so dass der Ball regelmäßig bei den Nachbarn landete und wir zusehen mussten, wie wir ihn wiederbekamen. Häufig kamen wir gerade noch rechtzeitig, um mit anzusehen, wie ein Nachbar den Ball zerfetzte und unserem Flehen, ihn uns zurückzugeben, keinerlei Beachtung schenkte. Dann legten wir jedes Mal zusammen und kauften einen neuen, bis auf Kayode, der keinen einzigen Kobo aufbringen konnte. Er trug meist zerrissene Shorts und lebte mit seinen relativ alten Eltern, den Oberhäuptern der kleinen Christ Apostolic Church, in einem zweistöckigen Rohbau. Da er kein Geld beitragen konnte, betete er für jeden Ball und bat Gott, ihn nicht zu den Nachbarn fliegen zu lassen.

Eines Tages kauften wir einen schönen neuen weißen mit dem Logo der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta. Nachdem Kayode sein Gebet aufgesagt hatte, legten wir los, und nach einer knappen Stunde gab Boja einen Schuss ab, der den Ball auf das eingezäunte Grundstück eines Arztes trug, wo er krachend durch ein Fenster schlug und zwei Tauben aus dem Schlaf schreckte, die sich flatternd vom Dach in die Luft erhoben. Wir warteten in sicherer Entfernung, um gegebenenfalls die Flucht ergreifen zu können. Schließlich pirschten Ikenna und Boja sich an, während Kayode niederkniete und Gott um Hilfe bat. Kaum hatten sie das Grundstück erreicht, kam der Arzt, der anscheinend nur auf sie gewartet hatte, aus dem Haus gerannt, so dass wir alle Hals über Kopf die Flucht ergriffen. Als wir abends keuchend und schwitzend nach Hause kamen, hatten wir fürs Erste die Nase vom Fußball voll.

*

In der Woche darauf kam Ikenna von der Schule und platzte mit einer neuen Idee heraus, und so wurden wir Fischer. Es war Ende Januar, denn ich erinnere mich, dass wir am Wochenende Bojas vierzehnten Geburtstag mit selbstgebackenem Kuchen und Softdrinks gefeiert hatten. Sein Geburtstag leitete den »Altersgenossen-Monat« ein, einen Zeitraum von mehreren Wochen, in denen er genauso alt war wie Ikenna, der am 10. April Geburtstag hatte. Solomon, sein Klassenkamerad, hatte ihm vom Fischen vorgeschwärmt, es sei ein tolles Erlebnis und außerdem einträglich, da man die Fische verkaufen konnte. Was Ikenna ebenfalls daran faszinierte, war der Gedanke an eine mögliche Auferstehung des Yoyodon. In dem Aquarium, das früher neben dem Fernseher gestanden hatte, gab es einen wunderschönen Diskusfisch, der in diversen Farben schillerte – Braun, Violett und auch Hellgrün. Vater nannte ihn Yoyodon, denn ungefähr so klang es, als Obembe versuchte, seinen wissenschaftlichen Namen, Symphysodon, auszusprechen. Nachdem Ikenna und Boja die Fische in einem Akt der Barmherzigkeit aus ihrem »schmutzigen Wasser« befreit und es durch sauberes Trinkwasser ersetzt hatten, nahm Vater uns das Aquarium weg.

Als Solomon Ikenna vom Fischen erzählte, schwor er sich, einen neuen Yoyodon zu fangen. Am nächsten Tag zogen Boja und er los und kauften sich jeder eine Angel. Von da an liefen sie jeden Tag nach der Schule den langen, verschlungenen Pfad entlang bis an die Ufer des Omi-Ala, vorbei an einem Gelände hinter unserem Grundstück, auf dem eine Rotte Schweine hauste und es in der Regenzeit schrecklich stank. Sie wurden von Solomon und anderen Jungs aus der Straße begleitet und kehrten mit Eimern voller Fische zurück. Obembe und ich waren begeistert von den kleinen bunten Tieren, aber Ikenna wollte uns erst nicht dabeihaben. Bis er eines Tages sagte: »Kommt mit, wir zeigen euch, wie man fischt!«, also kamen wir mit.

Und so liefen wir alle zusammen zum Fluss, angeführt von Solomon, Ikenna und Boja, die ihre Angeln in Lumpen und alten Wrappas versteckten. Wir anderen – Kayode, Igbafe, Tobi, Obembe und ich – trugen Rucksäcke mit Anglerkleidung, Nylontaschen mit Regenwürmern und toten Kakerlaken, die wir als Köder benutzten, und leere Getränkedosen, in denen wir die Fische und Kaulquappen aufbewahrten. Zusammen wateten wir durch Brennnesseln, die uns gegen die nackten Beine schlugen und weiße Quaddeln auf der Haut hinterließen. Das passte zu dem seltsamen botanischen Namen für das Gras, das bei uns in der Gegend wuchs, Esan, das Yoruba-Wort für Vergeltung oder Rache. Wir liefen im Gänsemarsch hindurch, und wenn das Gras hinter uns lag, rannten wir wie die Verrückten in Richtung Fluss. Dann stellten Solomon, Ikenna und Boja sich ans Ufer und hielten ihre Angeln ins Wasser, so dass die Köder darin verschwanden. Aber obwohl sie es machten wie die Männer früher, die den Fluss von klein auf kannten, fingen sie meist nur ein paar handgroße Stints, manchmal auch braunen Cod, oder, noch seltener, einen Tilapia. Bei uns anderen bestand das Fischen darin, mit Getränkedosen Kaulquappen aus dem Wasser zu schaufeln. Ich fand die Kaulquappen toll, das Glitschige, die übergroßen Köpfe und ihre Unförmigkeit, wie die Miniatur eines Wals. Gespannt beobachtete ich, wie sie an der Wasseroberfläche hingen, und meine Finger färbten sich schwarz, wenn ich die grau glänzende Schicht von ihrer Haut abrieb. Manchmal sammelten wir auch Muscheln oder Gehäuse von toten Gliederfüßlern auf. Oder Schneckenhäuser in Form von Urtieren, Zähne, die, wie wir glaubten, aus längst vergangenen Zeiten stammten und, wie Boja vehement behauptete, einem Dinosaurier gehört hatten, weswegen er sie mit nach Hause nahm, ein Stück Haut einer Kobra, die sich direkt am Fluss gehäutet hatte, und alles, was wir sonst noch interessant fanden.

Nur einmal fingen wir einen Fisch, der groß genug war, um ihn zu verkaufen, ich erinnere mich oft an diesen Tag. Solomon hatte ein Riesending aus dem Wasser gezogen, den größten, den wir je im Omi-Ala gesehen hatten. Ikenna und Solomon brachten ihn auf den Markt und kamen nach einer guten halben Stunde mit fünfzehn Naira zurück. Außer uns vor Freude liefen meine Brüder und ich mit unseren sechs Naira Anteil nach Hause. Von nun an wollten wir mit größerem Ernst an die Sache herangehen und schmiedeten bis spät in die Nacht Pläne.

Mit ungewohntem Eifer machten wir uns ans Werk, als würden wir von einer jubelnden Menge am Ufer angefeuert. Uns störten weder der Geruch des Brackwassers noch die geflügelten Insekten, die jeden Abend in Trauben am Ufer schwirrten. Jeden Tag zogen wir in Lumpen gekleidet mit rostigen Dosen, toten Insekten und Würmern los. Denn trotz aller Schikanen und der dürftigen Erträge bereitete uns das Fischen große Freude.

Wenn ich heute zurückblicke, was ich häufiger tue, seit ich eigene Kinder habe, wird mir klar, dass an einem dieser Tage auf dem Weg zum Fluss sich unser Leben und unsere Welt veränderten. Dies war der Ort, an dem die Zeit plötzlich eine Rolle spielte, an diesem dunklen Fluss, als wir Fischer wurden.

DER DUNKLE FLUSS

Der Omi-Ala war ein grausamer Fluss.

Lange Zeit war er von den Bewohnern Akures vergessen worden, wie eine Mutter, die von ihren Kindern verlassen wird. Früher einmal war er ein klarer Fluss gewesen, der die ersten Siedler mit Fisch und sauberem Trinkwasser versorgte. Wie viele andere Flüsse in Afrika hielten die Menschen den Omi-Ala für einen Gott und beteten ihn an. Sie errichteten Gedenkstätten in seinem Namen und bemühten sich um die Gunst und den Rat Yemayás, Oshas, von Meerjungfrauen und anderen Wassergeistern und Göttern. Das änderte sich, als die Kolonialisten aus Europa kamen und die Bibel einführten und die zu Christen bekehrten Anhänger Omi-Alas sich von ihm abwendeten und ihn fortan als Wiege des Bösen betrachteten.

Und so wurde er zur Quelle düsterer Gerüchte. Unter anderem hieß es, an seinen Ufern würden seltsame Rituale begangen. Die Rede war von Leichen, Tierkadavern und anderen Opfergaben, die auf dem Fluss trieben oder an seinen Ufern lagen. Schließlich hatte man Anfang letzten Jahres die verstümmelte Leiche einer Frau entdeckt, ganz in der Nähe der Stelle, wo wir fischten. Ihr waren lebenswichtige Organe entfernt worden. Als man die Überreste entdeckte, verhängte der Stadtrat eine nächtliche Sperre über den Fluss, und bald schon ließ sich niemand mehr dort blicken. Über die Jahre hatten die Vorfälle sich gemehrt und den Namen Omi-Ala befleckt, so dass allein seine Erwähnung Abscheu hervorrief. Wenig hilfreich war auch, dass sich in der Nähe eine Sekte von zweifelhaftem Ruf angesiedelt hatte. Die Anhänger der Himmlischen Kirche, auch Kirche des Weißen Gewandes genannt, beteten zu Wassergeistern und liefen barfuß. Wir wussten, dass unsere Eltern uns schwer bestrafen würden, sollten sie jemals dahinterkommen, dass wir zum Fluss gingen. Trotzdem machten wir uns keine Gedanken darüber, bis eine Erdnussverkäuferin aus der Nachbarschaft uns auf dem Weg dorthin entdeckte und Mutter davon berichtete. Das war Ende Februar, und wir waren seit fast sechs Wochen am Fischen. An diesem Tag hatte Solomon einen großen Fisch geangelt. Wir sprangen auf, sahen zu, wie er sich am Haken wand, und stimmten das Fischerlied an, das Solomon sich ausgedacht hatte und das wir immer in Momenten wie diesen sangen.

Es war die abgewandelte Version eines bekannten Liedes, gesungen von der ehebrecherischen Frau von Pastor Ishawuru – der Hauptfigur der in Akure damals beliebtesten christlichen Fernsehserie The Ultimate Power –, nachdem sie für ihre Sünde verbannt worden war. Solomon hatte zwar die Idee dazu gehabt, aber die Vorschläge für den Text kamen eigentlich von uns allen. Boja zum Beispiel änderte Wir haben dich erwischt in Die Fischer haben dich erwischt um. Wir ersetzten die Kraft Gottes, sie vor den Versuchungen des Teufels zu bewahren, durch unsere Kraft, einen Fisch zu fangen und nicht entwischen zu lassen. Wir hatten so viel Spaß mit dem Lied, dass wir es manchmal sogar zu Hause oder in der Schule summten.

Bi otiwu o ki o jo, Tanz so viel du willst,
ki o ja, kämpfe so viel du musst.
Ati mu o, Wir haben dich erwischt,
o male lọmọ. du kannst uns nicht entkommen.
She bi ati mu o? Haben wir dich nicht erwischt?
O male le lọmọ o. Du wirst auf keinen Fall entkommen.
Awa, Apẹja, ti mu o. Wir, die Fischer, haben dich erwischt,
haben dich erwischt.
Awa, Apẹja, Die Fischer haben dich erwischt,
ti mu o, o male lọmọ o. du kannst uns nicht entkommen.

Nachdem Solomon an jenem Abend seinen Fisch gefangen hatte, sangen wir das Lied so laut, dass ein älterer Mann, ein Priester der Himmlischen Kirche, barfuß an den Fluss gelaufen kam, lautlos wie ein Phantom. Als wir den Fluss für uns entdeckt hatten und dort auch die Kirche, schlossen wir sie gleich in unsere Abenteuer mit ein. Wir beobachteten die Gläubigen durch die offenen Mahagonifenster des kleinen Gemeindesaals, dessen blaue Farbe abblätterte, und äfften ihre wilden Bewegungen und Tänze nach. Nur Ikenna fand das respektlos, es handele sich schließlich um einen Gottesdienst.

Ich sah den Mann als Erster kommen. Boja, der am anderen Ufer stand, ließ seine Angel fallen und kletterte an Land. Der Teil des Flusses, an dem wir fischten, war auf beiden Seiten von Büschen gesäumt, man sah das Wasser erst, wenn man über den ausgetretenen Pfad kam, der von der Straße aus durch den Busch führte. Als der Alte zwei von Fliegen umschwirrte Dosen entdeckte, die wir in den Sand gesteckt hatten, blieb er stehen. Er warf einen Blick hinein und wandte sich dann kopfschüttelnd ab.

»Was ist das?«, fragte er auf Yoruba. »Warum brüllt ihr hier rum wie ein Haufen Betrunkener? Wisst ihr nicht, dass da drüben das Haus Gottes steht?« Er zeigte in Richtung Kirche. »Habt ihr keinen Respekt vor Gott, hm?«

Man hatte uns beigebracht, dass es unhöflich war, einem älteren Menschen auf eine solche Frage etwas zu entgegnen, obwohl wir ohne weiteres eine Antwort parat gehabt hätten. Statt also zu antworten, entschuldigte Solomon sich.

»Tut uns leid, Baba«, sagte er und rieb sich die Handflächen. »Kommt nicht wieder vor.«

»Was fischt ihr denn hier?«, fragte der alte Mann, ohne auf Solomon einzugehen, und zeigte auf den Fluss, dessen Wasser jetzt dunkelgrau war. »Kaulquappen, Stinte, oder was? Warum geht ihr nicht nach Hause?« Er blinzelte, sein Blick wanderte von einem zum anderen. Igbafe unterdrückte ein Lachen, woraufhin Ikenna ihm leise »Idiot« zuraunte, zu spät.

»Findest du das lustig?«, fragte der Mann und sah Igbafe an. »Na ja, mir tun nur deine Eltern leid. Ich bin sicher, sie haben keine Ahnung, dass du hierherkommst, und werden auch nicht begeistert sein, es zu erfahren. Wisst ihr nicht, dass das verboten ist? Ja, ja, die jungen Leute.« Er sah sich noch mal verwundert um und sagte dann: »Ob ihr jetzt geht oder nicht, brüllt jedenfalls nicht mehr so laut rum. Habt ihr gehört?«

Kopfschüttelnd und mit einem langen Seufzer drehte der Priester sich um und ging. Wir brachen in Gelächter aus und machten uns über sein weißes Gewand lustig, das ihm um den dünnen Körper flatterte und in dem er aussah wie ein Kind in einem zu großen Mantel. Wir lachten, weil ihm der Anblick von Fischen und Kaulquappen Angst zu machen schien (so hatte es zumindest ausgesehen) und weil wir uns seinen Mundgeruch vorstellten (obwohl keiner von uns ihm nah genug gekommen war, um seinen Atem zu riechen).

»Der Typ hat mich an Iya Olode erinnert«, sagte Kayode. Er trug eine Dose mit Fischen und Kaulquappen, die jetzt leicht schräg stand, so dass er die Hand drauflegen musste, damit sie nicht überschwappte. Seine Nase lief, was er nicht zu merken schien, denn das milchig weiße Sekret hing ihm aus beiden Nasenlöchern. »Die Verrückte, die ständig tanzend durch die Straßen läuft und die mal auf dem Oja-Oba weggejagt wurde, weil sie sich mitten auf dem Markt neben einen Fleischstand gehockt und da hingeschissen haben soll.«

Wir lachten und lachten, bis wir bemerkten, dass Ikenna, der kein einziges Wort gesagt hatte, seit der Priester aufgetaucht war, ein ganzes Stück weiter, wo verwelktes Esangras in den Fluss hing, aus dem Wasser stieg. Wir sahen ihm zu, wie er seine Anglerkleidung auszog und sich abtrocknete.

»Ike, was machst du da?«, fragte Solomon.

»Ich gehe nach Hause«, erwiderte Ikenna knapp, als hätte er die Frage erwartet. »Ich will lernen. Ich bin Schüler und kein Fischer.«

»Jetzt?«, fragte Solomon. »Ist es nicht noch ein bisschen früh? Wir haben doch …«

Solomon beendete seinen Satz nicht, er hatte verstanden. Ikennas schwindendes Interesse am Fischen hatte sich schon in der Woche zuvor angedeutet. Wir hatten ihn regelrecht überreden müssen mitzukommen. Und so stellte jetzt auch niemand seinen Beschluss in Frage. Boja, Obembe und ich – die wir keine Wahl hatten, als Ikenna zu folgen, da wir uns stets nach ihm richteten – zogen uns ebenfalls für den Heimweg um. Obembe wickelte die Angelruten in eine abgetragene Wrappa, die wir Mutter gestohlen hatten. Ich sammelte die Dosen und die kleine Plastiktüte ein, in der die übrig gebliebenen Würmer zappelten und langsam eingingen.

»Wollt ihr wirklich los?«, fragte Kayode, als wir hinter Ikenna herliefen, der keine große Lust zu haben schien, auf uns, seine Brüder, zu warten.

»Warum geht ihr denn jetzt alle?«, rief Solomon uns hinterher. »Nur wegen dem Priester oder wegen der Geschichte mit Abulu neulich? Hab ich nicht gesagt, ihr sollt weitergehen? Hab ich nicht gesagt, dass ihr ihm nicht zuhören sollt? Dass der Kerl ein bösartiger Irrer ist?«

Keiner von uns antwortete, wir drehten uns nicht mal um. Wir liefen einfach weiter, Ikenna voran, in der Hand die schwarze Plastiktüte mit den Anglershorts. Die Angel hatte er am Ufer liegen lassen, aber Boja hatte sie mitgenommen und zusammen mit seiner eingewickelt.

»Lass sie gehen«, hörte ich Igbafe sagen. »Wir brauchen sie nicht, wir kommen auch alleine klar.«

Die anderen machten sich über uns lustig, bis sie irgendwann nicht mehr zu hören waren und wir schweigend den Pfad entlang liefen. Ich fragte mich, was in Ikenna gefahren war. Manchmal verstand ich ihn nicht. Ich war darauf angewiesen, dass Obembe es mir erklärte. Nach der Begegnung mit Abulu in der Woche davor hatte Obembe mir eine Geschichte erzählt, die, wie er meinte, schuld an Ikennas plötzlichem Sinneswandel war. Ich dachte gerade darüber nach, als Boja plötzlich rief: »Oh, Mist, Ikenna, sieh mal, Mama Iyabo!« Auf einer Bank vor der Kirche saß die Erdnussverkäuferin, im Gespräch mit dem Priester, der eben noch am Fluss gewesen war. Aber Bojas Warnung kam zu spät, die Frau hatte uns bereits gesehen.

»Ah, Ike«, rief sie, als wir schweigend wie ein Trupp Gefangener vorbeitrotteten. »Was habt ihr denn hier zu suchen?«

»Nichts!«, erwiderte Ikenna und beschleunigte seine Schritte.

Sie war aufgestanden, eine Frau wie ein Tiger, die Arme erhoben, als wollte sie sich auf uns stürzen.

»Und was hast du da in der Hand? Ikenna, Ikenna! Ich rede mit dir.«

Ohne sie zu beachten, eilte Ikenna weiter, und wir folgten ihm auf dem Fuße. Wir bogen hinter einem Grundstück ab. Kaum waren wir außer Sichtweite, drehte Ikenna sich um und sagte: »Und, habt ihr gesehen? Seht ihr, was ihr in eurer Dummheit angerichtet habt? Hab ich nicht gesagt, dass wir nicht mehr an diesen verdammten Fluss gehen dürfen? Aber auf mich hört ja keiner.« Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen: »Sie wird es bestimmt Mama erzählen. Wollen wir wetten?«

Niemand reagierte. »Na?«, sagte er. »Jetzt gehen euch die Augen auf, was? Ich werdet schon sehen.« Ich bekam Angst. Was, wenn sie es wirklich Mutter verraten würde? Die Frau war ihre Freundin, eine Witwe, deren Mann in Sierra Leone im Kampf für die Truppen der Afrikanischen Union gefallen war. Neben dem wenigen Geld, das sie mit seiner Familie teilen musste, hatte er ihr zwei unterernährte Söhne in Ikennas Alter und ein Meer von Nöten hinterlassen, was Mutter dazu veranlasste, ihr von Zeit zu Zeit unter die Arme zu greifen. Mama Iyabo würde sich mit Sicherheit revanchieren und ihr berichten, dass sie uns am dunklen Fluss erwischt hatte. Der Gedanke machte uns schwer zu schaffen.

*

Am nächsten Tag gingen wir nach der Schule nicht an den Fluss. Stattdessen saßen wir in unseren Zimmern und warteten darauf, dass Mutter nach Hause kam. Solomon und die anderen hatten gehofft, wir würden wie immer zu ihnen stoßen, aber nach einer Weile gaben sie es auf und machten sich auf den Weg zu uns. Ikenna erklärte ihnen, es sei das Beste, wenn auch sie mit der Fischerei aufhörten. Da Solomon nichts davon wissen wollte, bot Ikenna ihm seine Angel an. Solomon wandte sich lachend ab, als könnten ihm all die Gefahren nichts anhaben, die Ikenna zufolge am Omi-Ala lauerten. Ikenna schüttelte mitleidig den Kopf und sah ihnen nach. Offenbar wollten sie sich nicht von ihrem Irrweg abbringen lassen.

Als Mutter an diesem Nachmittag früher als sonst nach Hause kam, war sofort klar, dass sie Bescheid wusste. Sie war tief bestürzt darüber, die ganze Zeit nichts mitbekommen zu haben, obwohl wir doch unter einem Dach lebten. Sicher, wir hatten unser Tun lange verheimlicht, denn wir kannten ja die sagenumwobenen Geschichten, die man sich vom Omi-Ala erzählte. Wir versuchten, den Gestank der toten Fische und Kaulquappen zu überdecken, die, obwohl wir sie in Flusswasser aufbewahrten, selten bis zum nächsten Tag überlebten. Wenn wir von der Schule kamen, roch es jeden Tag nach totem Fisch. Dann warfen wir die Behälter samt Inhalt in den Müll hinterm Haus und ärgerten uns, weil die leeren Dosen Mangelware waren.

Auch die vielen Wunden und Verletzungen, die wir uns auf unseren Touren holten, verbargen wir vor ihr. Einmal hatte Mutter sich bei Ikenna beschwert, weil er Obembe gehauen hatte, nachdem er ihn im Badezimmer das Fischerlied hatte singen hören, und Obembe hatte ihn prompt verteidigt und gesagt, er habe ihn beleidigt und die Schläge seien deswegen verdient gewesen. Ikenna hatte ihn gewarnt, wenn er das Lied noch einmal singe, nähme er ihn nie wieder mit an den Fluss. Diese Drohung, nicht die Prügel, hatte Obembe zum Weinen gebracht. Auch als Boja in der zweiten Woche mit dem Zeh in eine Krebsschere geraten und seine Sandale voller Blut war, logen wir Mutter an, er habe sich beim Fußballspielen verletzt. In Wirklichkeit musste Solomon ihm die Schere aus dem Fleisch ziehen, während wir anderen, außer Ikenna, wegsahen. Und vor lauter Angst, Boja könne verbluten, obwohl Solomon ihm das Gegenteil versicherte, geriet Ikenna so außer sich, dass er den Krebs zertrümmerte. Es schmerzte Mutter, dass wir es solange vor ihr hatten geheimhalten können – mehr als sechs Wochen lang, obwohl wir behaupteten, es seien nur drei gewesen – und sie nicht den geringsten Verdacht geschöpft hatte.

Schwer getroffen tigerte sie an jenem Abend durchs Haus. Zur Strafe bekamen wir kein Abendessen.

»Von mir bekommt ihr nichts. Ihr habt es nicht verdient«, sagte sie, während sie mit zittrigen Händen von der Küche ins Schlafzimmer und zurück lief. »Esst von mir aus euren Fisch, bis ihr platzt.«

Sie schloss die Küchentür und verriegelte sie, damit wir uns nichts zu essen holen konnten, wenn sie ins Bett gegangen war. Noch bis spät in die Nacht hielt sie ihre Monologe, und jedes Wort aus ihrem Mund, jedes Geräusch, drang wie ein giftiger Pfeil in unsere Köpfe.

»Ich werde Eme erzählen, was ihr getan habt. Ich bin sicher, wenn er das hört, lässt er alles stehen und liegen und kommt zurück. Ich kenne ihn, ich kenne Eme. Ihr. Werdet. Sehen.« Sie schnippte mit den Fingern und schnäuzte sich kurz darauf in den Zipfel ihrer Wrappa. »Denkt ihr, ich würde aufhören zu existieren, wenn euch etwas passiert oder einer von euch im Fluss ertrunken wäre? Ich höre nicht auf zu leben, nur weil ihr euch unbedingt etwas antun wollt. Nein. Anya nke nākwa nna-ya emò, Nke nēleda kwa in.a nne-ya nti, Ugolo-o.ma nke ndagwurugwu gāghuputa ya, Umu-ugo gēri kwa ya. Ein Auge, das den Vater verspottet und die alte Mutter verachtet, das hacken die Raben am Bach aus, und die Geier werden es fressen.«

Mutter beendete den Abend mit diesem Absatz aus dem Buch der Sprüche – dem furchterregendsten aus der ganzen Bibel. Wahrscheinlich war es die Art, wie sie die Worte aussprach – auf Ibo und voller Bosheit –, weshalb sie so vernichtend klangen. Alles andere sagte Mutter auf Englisch, obwohl unsere Eltern sonst auf Ibo mit uns kommunizierten, während wir Brüder unter uns Yoruba sprachen. Englisch war in Nigeria zwar offizielle Amtssprache, wurde aber nur benutzt, wenn man sich nicht gut kannte. Unter Freunden oder Verwandten konnte man damit schnell für Unfrieden sorgen. Unsere Eltern sprachen also selten Englisch, nur in Momenten wie diesen, wenn es darum ging, einem den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Darin waren sie gut, und so erreichte Mutter auch diesmal ihr Ziel. Ihre Worte, »ertrunken«, »alles«, »existieren«, »antun«, klangen hart, bedacht, wütend und anklagend, sie hingen noch lange im Raum und quälten uns.

DER ADLER

Vater war ein Adler.

Der mächtige Vogel, der sein Nest hoch über den anderen baute, wo er über seine Jungen wachte wie ein König über seinen Thron. Wäre er nicht aus Akure weggegangen, dann wäre auch nicht all dieses Unheil über unser Zuhause hereingebrochen, so dachten die meisten.

Vater war ein außergewöhnlicher Mann. Als alle von Geburtenregelung redeten, träumte er – das Einzelkind, das bei seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen war und sich nach Geschwistern gesehnt hatte – von einem Haus voller Kinder, einem ganzen Clan aus seinem Fleisch und Blut. Dieser Traum brachte ihm in der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Nigeria der 90er Jahre viel Spott ein, aber er schmetterte die Angriffe ab, als wären es Moskitos. Er entwarf einen Plan für unsere Zukunft – eine Landkarte seiner Träume. Ikenna sollte Mediziner werden, wobei Vater sich später, nachdem Ikenna schon in frühen Jahren eine enorme Faszination für Flugzeuge entwickelt hatte und es in Enugu, Makurdi und Onitsha Flugschulen gab, doch für Pilot entschied. Boja sollte Anwalt werden und Obembe so etwas wie ein Hausarzt. Obwohl ich mich für den Beruf des Veterinärs entschieden hatte und im Wald oder im Zoo arbeiten wollte, jedenfalls irgendetwas mit Tieren, beschloss Vater, ich solle Professor werden. David, unser jüngerer Bruder, der gerade mal drei war, als Vater nach Yola zog, sollte Ingenieur werden. Für unsere einjährige Schwester Nkem war nichts geplant. Bei Frauen sei das nicht nötig, meinte Vater.

Obwohl wir von Anfang an wussten, dass Fischen nicht auf der Liste stand, machten wir uns damals keine Gedanken darüber. Erst an dem Abend, als Mutter drohte, Vater davon zu erzählen. Ihrer Meinung nach waren daran böse Geister schuld, die man uns mit der Peitsche austreiben müsse. Sie wusste, dass wir es lieber gehabt hätten, wenn die Sonne auf die Erde gefallen und sie mitsamt uns verbrannt wäre, als Vaters »blaues Wunder« auf unserem Hintern zu spüren. Wir hätten wohl vergessen, dass unser Vater kein Mann war, der seinen Fuß in einen anderen Schuh setzte, nur weil seiner nass war. Eher würde er barfuß laufen.

Als sie am nächsten Tag, einem Samstag, mit David und Nkem zu ihrem Marktstand ging, machten wir uns daran, alle Beweismittel zu beseitigen. Boja versteckte seine Angelruten unter den verrosteten Dachblechen – Überbleibsel vom Hausbau im Jahr 1974 –, die sich neben Mutters Tomatenbeet stapelten. Ikenna zerstörte seine und warf die Einzelteile auf den Müllhaufen hinter der Mauer.

Am Wochenende darauf kam Vater zu Besuch. Am Abend davor sprachen Obembe und ich ein Notgebet. Vielleicht konnte Gott Vaters Herz erweichen und ihn davon abbringen, uns auszupeitschen. Zusammen knieten wir auf dem Boden und beteten: »Herr Jesu, wenn du sagst, dass du uns liebst – Ikenna, Boja, Ben und mich«, fing Obembe an, »dann lass nicht zu, dass Vater herkommt. Bitte, Herr, mach, dass er in Yola bleibt. Hör mich an: Ist dir klar, wie brutal er uns auspeitschen wird? Weißt du das? Er hat Lederpeitschen, Kobokos, die hat er dem Mallam abgekauft – die tun weh, und zwar richtig! Hör mal, Herr, wenn du zulässt, dass er herkommt und uns auspeitscht, dann gehen wir nicht mehr in die Sonntagsschule, und wir singen und klatschen auch nie mehr in der Kirche! Amen.«

»Amen«, sprach ich ihm nach.

Als Vater dann nachmittags wie immer am Tor hupte und unter Beifall aufs Grundstück fuhr, gingen meine Brüder und ich nicht nach draußen, um ihn zu begrüßen. Ikenna hatte vorgeschlagen, dass wir auf dem Zimmer bleiben und uns schlafend stellen, da wir ihn womöglich noch mehr verärgerten, wenn wir einfach so taten, als wäre nichts gewesen. Also saßen wir in Ikennas Zimmer, horchten auf Vaters Schritte und warteten darauf, dass Mutter mit ihrem Bericht begann, denn Mutter war eine ausdauernde Erzählerin. Jedes Mal, wenn Vater nach Hause kam, saß sie bei ihm auf dem großen Sessel im Wohnzimmer und erzählte ihm in allen Einzelheiten, wie es uns während seiner Abwesenheit zu Hause ergangen war – sie berichtete von häuslichen Bedürfnissen und wie sie gestillt wurden, von wem sie sich etwas geliehen hatte, von unseren Zeugnissen, von der Kirche. Besonders hob sie unsere Missetaten hervor, die untragbar seien und für die er uns bestrafen müsse.

Ich weiß noch, wie sie sich einmal zwei Abende lang über ein Paar aus der Gemeinde ausließ, das ein Baby bekommen hatte, das soundso viel Kilo wog und so weiter. Sie erzählte vom Diakon, der am Sonntag davor auf dem Podium gefurzt hatte, und beschrieb, wie die Mikrofone das peinliche Geräusch verstärkt hätten. Mir gefiel besonders die Geschichte von einem Räuber, der bei uns in der Gegend gelyncht wurde. Wie der Mob den flüchtenden Dieb mit einem Steinhagel zu Fall gebracht und ihm einen Autoreifen um den Hals gelegt hatte. Es sei ihr ein Rätsel, woher die Leute so schnell das Benzin hatten, jedenfalls habe er innerhalb von wenigen Minuten in Flammen gestanden. Sowohl ich als auch Vater hörten gespannt zu, als sie beschrieb, wie das Feuer den Dieb verschlang, wie an den behaarten Stellen die Flammen loderten – besonders im Schambereich – und er langsam verbrannte. Mutter beschrieb das Feuer, das den Dieb wie eine Aureole umgab, und seinen durchdringenden Schrei in so lebhaften Details, dass das Bild des brennenden Mannes mir für lange Zeit im Gedächtnis blieb. Ikenna meinte, aus Mutter hätte eine großartige Historikerin werden können, wenn sie zur Schule gegangen wäre. Er hatte recht: Sie ließ kaum etwas aus, das in Vaters Abwesenheit geschah, sie erzählte ihm einfach alles.

Zuerst sprachen sie über Nebensächliches: Vaters Arbeit, seine Meinung zum Fall des Naira unter der »infamen Politik der derzeitigen Administration«. Obwohl meine Brüder und ich uns immer gewünscht hatten, über Vaters Vokabular zu verfügen, ärgerten wir uns manchmal darüber, manchmal schien es aber auch unerlässlich, zum Beispiel, wenn er über Politik redete, was auf Ibo nicht ging, weil es keine Worte dafür gab. »Aministation«, wie ich es damals verstand, war so ein Ausdruck. Die Zentralbank war dem Untergang geweiht, aber was ihn an jenem Tag am meisten beschäftigte, war der Tod von Nnamdi Azikiwe, Nigerias erstem Präsidenten, den Vater verehrte. Zik, wie er genannt wurde, war in der Woche zuvor in einem Krankenhaus in Enugu gestorben. Vater war aufgebracht. Er schimpfte über die schlechte medizinische Versorgung im Land, über Abacha, den Diktator, und über die Marginalisierung der Ibo in Nigeria, bis irgendwann das Essen auf dem Tisch stand. Kaum schob er den ersten Happen in den Mund, ergriff Mutter das Wort. Ob er wisse, dass die Lehrer in der Vorschule, in die Nkem jetzt ging, alle ganz vernarrt in sie seien? Und als er fragte, »Ezi okwu – ist das wahr?«, schilderte sie ihm haargenau, wie es der kleinen Nkem bisher ergangen war. Dann wollte er wissen, was mit dem Oba sei, dem König von Akure. Also berichtete sie ihm vom Kampf des Obas mit dem Militärgouverneur. Sie redete weiter und weiter, bis sie, als wir überhaupt nicht damit rechneten, plötzlich sagte: »Dim, mein Mann, es gibt etwas, worüber ich mit dir sprechen muss.«

»Ich bin ganz Ohr«, erwiderte Vater.

»Dim, deine Söhne Ikenna, Boja, Obembe und Benjamin haben etwas sehr, sehr Schlimmes getan, etwas unvorstellbar Schlimmes.«

»Was haben sie getan?«, fragte Vater. Das Klackern des Bestecks auf dem Teller wurde lauter.

»Heh, okay, Dim. Du kennst doch Mama Iyabo, Yusufs Frau, die Erdnüsse verkauft …«

»Ja, kenne ich, und jetzt erzähl schon, was haben sie gemacht, meine Liebe?« Vater nannte einen gern »mein Lieber« oder »meine Liebe«, wenn jemand ihm auf die Nerven ging. »Ehen, die Frau hat dem alten Priester von der Himmlischen Kirche in der Nähe vom Omi-Ala Erdnüsse verkauft, da kamen die Jungs plötzlich den Pfad zum Fluss entlang. Sie hat sie sofort erkannt und ihnen zugerufen, aber sie haben sie ignoriert. Als sie dem Priester erklärte, dass sie die Jungen kannte, erzählte er ihr, dass sie schon seit einiger Zeit dort fischten und er sie mehrmals gewarnt hätte, sie aber nicht auf ihn gehört hätten. Und weißt du was?« Mutter schlug die Hände zusammen. »Es waren deine Söhne: Ikenna, Boja, Obembe und Benjamin.«

Es folgte Schweigen, während Vater jeweils starr in eine Richtung blickte – zu Boden, an die Decke, auf den Vorhang, wie um zu fragen, ob sie bezeugen konnten, was er da eben Ungeheuerliches gehört hatte. Solange ließ ich den Blick durchs Zimmer schweifen, von Bojas Fußballtrikot neben der Tür zur Garderobe und zum Kalender an der Wand. Wir nannten ihn den M.K.O.-Kalender, weil wir vier zusammen mit dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten M.K.O. Abiola darauf zu sehen waren. Dann entdeckte ich eine totgeschlagene Kakerlake, die auf dem abgewetzten gelben Teppich klebte. Ich erinnerte mich, wie wir nach dem Videospiel gesucht hatten, das Vater vor uns versteckt hatte und das uns wahrscheinlich vom Fischen abgehalten hätte. Während Mutter mit den Kleinen draußen war, hatten wir das Schlafzimmer unserer Eltern durchkämmt, es aber nirgends gefunden – weder in Vaters Schrank noch in einer der unzähligen Schubladen ihrer Kommoden. Schließlich holten wir Vaters alte Metallkiste herunter, die Großmutter ihm gekauft hatte, als er 1966 das erste Mal nach Lagos ging. Ikenna war sicher, dass es da drin war. Wir trugen das schwere Stück in Ikennas und Bojas Zimmer. Boja probierte geduldig alle Schlüssel aus, bis irgendwann knarrend der Deckel aufsprang. Auf dem Weg war eine Kakerlake aus der Kiste gekrabbelt, über das rostige Metall geflitzt und weggeflogen. Als Ikenna die Kiste öffnete, war im Handumdrehen das ganze Zimmer voll von den dunkelroten Viechern. Eine saß auf der Jalousie, eine kroch kopfüber die Schranktür hinunter und eine andere in Obembes Turnschuh. Mit einem Aufschrei trampelten wir fast eine halbe Stunde lang auf Tausenden von Kakerlaken herum. Nachdem wir das Zimmer gefegt hatten und Obembe sich wieder aufs Bett gesetzt hatte, sah ich zu seinen Füßen die Überreste der Insekten: ein vereinzeltes Hinterbein, einen plattgedrückten Kopf, abgetrennte Flügel, teilweise sogar zwischen seinen Zehen, und gelben Brei, aus den Brustpanzern gequetscht. Unter seinem linken Fuß lag noch ein ganzes Insekt, platt wie ein Blatt Papier, die Flügel ausgebreitet.

Meine Gedanken, die sich eben noch drehten wie eine Münze, kamen abrupt zum Stillstand, als Vater mit ungewohnt ruhiger Stimme sagte: »Adaku, du willst mir also allen Ernstes erzählen, dass diese Frau meine Söhne – Ikenna, Bojanonimeokpu, Obembe und Benjamin – am Fluss gesehen hat, dem dunklen, verbotenen Fluss, an dem schon der eine oder andere Erwachsene verschwunden ist?«

»Allerdings, Dim, es waren deine Söhne, die sie gesehen hat«, antwortete sie auf Englisch, denn auch Vater hatte plötzlich angefangen, Englisch zu sprechen, und war bei den letzten Silben mit der Stimme hochgegangen.

»Herrgott noch mal!«, schrie Vater und wiederholte die Worte in rascher Folge, so dass die einzelnen Silben wie kurze Schläge auf eine Metallplatte klangen.

»Was macht er?«

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