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Der, der sieht

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© 2016 Steffen Unger

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback: 978-3-7345-5901-3
Hardcover: 978-3-7345-5902-0
e-Book: 978-3-7345-5903-7

Illustrationen: Steffen Unger, mit Material von Morguefile, gemäß der Lizenz:
https://morguefile.com/terms#license

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung

Inhalt

1. Wie an Fäden hängend

2. Endlich kam

3. Wie viel Zeit verging

4. Nachdem nun

5. Als sich

6. Es war bereits

7. Die Tage

8. Es wurde

9. Es schien

10. Der Raum

11. Fast widerwillig

12. Wenn man

13. Als das

14. Ehe er

15. Wie nicht

16. An die

17. Es blieb

18. Als der

19. Die Reise

20. Es war

21. Während die

22. Inzwischen

23. Das Leben

24. Die Befragung

25. Erst als

26. Obwohl die

27. Wie die

28. Die nächsten

29. Am Abend

30. Als hätte

31. Die Operation

32. Bis auf

33. Beim Verlassen

34. Im Vorraum

35. Die Musterung,

36. Die Berichte

37. Die Zeit

38. Zuerst verlief

39. Die Nacht

40. Das Universum

41. Nun war

42. Der Report

43. Die Spannung

44. Der neue

45. Die drei

46. Als sich

47. Die Nacht

48. Die Untersuchung

49. Das Projekt

50. Drei Stunden

51. Als die

52. Es dauerte

53. Die Prozedur

54. Die Situation

55. Der Vorfall

56. Wie nicht

57. Es stimmte

58. Die Idee

59. Der Schlaf

60. In größter

61. Das erste

62. Der nächste

63. Nun war

64. Die Menschen

65. Als der

66. Es dauerte

67. Noch während

68. Im Lager

69. Der Auftritt

70. Wieder saßen

71. Für die

72. Einige Augenblicke

73. Sie hatten

74. Irgendwie schien

75. Wie gelähmt

76. Die Erinnerung

77. Diesmal konnten

78. Mitten in

79. Es wehte

Teil 1

 

1. Wie an Fäden hängend ...

... öffneten sich seine Augenlider. Er stoppte die Bewegung, sobald sie mehr als einen kleinen Spalt frei gab. Seltsam, er hatte Licht, blendende Helligkeit erwartet. Kein Gleißen stach ihm in die Augen, vielmehr schien sich seine Umgebung in sanfter, rötlich brauner Dämmerung verstecken zu wollen.

Behutsam erweiterte er den Schlitz, bis sich das Bild klärte. Er befand sich in einem kleinen, funktionell eingerichteten Raum. Das Schummerlicht schien, von einem um das ganze Zimmer verlaufenden Sims unterhalb der Decke aus, diese zu erhellen. In Begleitung der passenden Gesellschaft hätte er möglicherweise von "anheimelnd" oder "gemütlich" gesprochen. Aber er war allein.

Er blickte zur Seite, um sich zu orientieren. Ein leichtes Unwohlsein meldete sich. Das Bild verschwamm, blich zu einem undefinierbaren Fleck aus.

Finsternis.

Es war nicht zu sagen, wie viel Zeit vergangen war, bevor er das Bewusstsein wiedererlangte. Diesmal fehlte das Gefühl der Unfreiwilligkeit beim Öffnen der Augen. Ganz bewusst bewegte er die Lider nach oben und erfasste sein Umfeld konzentriert, sobald er etwas sehen konnte. Das war nicht der Raum, in dem er sich beim ersten Erwachen befunden hatte.

Erst jetzt nahm er den lauen Windhauch wahr, der sein Gesicht berührte. Er lag rücklings auf einer ... wie nannte man das? Grüne Halme bildeten die Unterlage für seinen ausgestreckten Körper. Er kannte das Gefühl, den frischen Duft. Über sich sah er ein Gebilde. Es war bräunlich grau, schien eine raue Oberfläche zu haben. Weiter oben befand sich eine Menge platter grüner Scheiben, die im Wind leise raschelten. Auch das erschien ihm bekannt. Es hatte den Namen ...

Schweiß trat ihm auf die Stirn, so angestrengt durchforstete er sein Gedächtnis. Endlich rutschte ihm ein Lautgebilde auf die Zunge, das sich richtig anfühlte.

"Baum", hauchte er. Aber wie hieß das grüne Zeug unter seinem Rücken? Noch im Liegen tastete er mit beiden Händen nach den kühlen Stängeln, den lang gestreckten Blättern.

"Gr ...", setzte er an, aber die Erkenntnis blieb aus. Was war das? Tief im Innern wusste er, dass er das Wort früher problemlos benutzt hatte. Was war geschehen?

Leise stöhnend versuchte er, sich zu erheben. Die Arme zitterten bei dem Versuch, den Oberkörper aufzurichten. Geschafft! Der Schweiß hatte sich auf seiner Stirn gesammelt und rann nun über die Schläfen in seine Augen. Das schmerzte. Aus einem Reflex heraus hob er einen Arm, um sich die Flüssigkeit aus den Augen zu wischen. Der Oberkörper rutschte, seiner Stütze beraubt, zur Seite und schlug auf dem …

"GRAS!", schrie er, bevor sein Kopf auf dem Boden auftraf.

Finsternis.

Ein dumpfer Schmerz drängte sich in sein Bewusstsein. Jetzt dauerte es eine Weile, ehe er es erneut wagte, diesmal nur das linke Lid zu heben. Er saß auf einem Stuhl, sein Oberkörper ruhte auf einer Holzplatte, auf der er auch den Kopf, zur Seite gedreht, abgelegt haben musste. Ein flaches Brett mit Knöpfen drückte gegen seine Schläfe.

Langsam hob und drehte er den Kopf, richtete sich -Stück für Stück - auf. Das Brett entpuppte sich als eine flache Tastatur, die vor einem ziemlich großen Monitor lag. Wie in Zeitlupe bewegte er Augen und später auch den Oberkörper, während er seine Umgebung zu ergründen suchte. Wieder dieses Gefühl der Vertrautheit. War das alles ein Deja Vu? Das konnte er, wollte er nicht glauben. Es fühlte sich so ... bekannt ... an.

Mit beiden Armen stützte er sich auf den Lehnen des Stuhls ab und drückte seinen Körper in die Senkrechte. Das funktionierte unerwartet gut. Dennoch verschnaufte er für einige Augenblicke, ehe er einen winzigen Schritt versuchte. Unkontrollierbare Spasmen ließen seine Beine zucken. Die Knie knickten ein. Er stürzte zu Boden. Noch im Fall glaubte er zu sehen, wie sich in der Wand eine Öffnung bildete.

Finsternis.

Wie oft er erwachte und wieder die Besinnung verlor, konnte er später nicht erinnern. Die einzelnen Episoden verschmolzen zu einem grau-bunten Brei, waren nicht mehr von einander zu unterscheiden. Im Laufe der Zeit schwanden die Erinnerungen, wie ein Traum, der am Morgen verblasst.

2. Endlich kam ...

... der Moment, in dem das "Erwachen" sich anfühlte, als sei die lange Reihe der Erlebnisse nun beendet und er dürfe in sein Leben zurück kehren. Unklar blieb nur, was das eigentlich war, "sein Leben". Er hatte keine Erinnerungen daran, keine Kindheitsreminiszenzen, keine Gesichter, die vor dem inneren Auge auftauchten, nichts.

Diesmal öffneten sich die Augen schnell und gierig. Es war ihm, als sei die endlose Wiederkehr solcher Augenblicke nur geschehen, um ihn auf genau diesen vorzubereiten. Er überprüfte seine Wahrnehmungen, seinen Körper, das Bewusstsein. Es gab keinen Schmerz, keine Dumpfheit, noch nicht einmal ein Kribbeln.

"Gut", sagte er laut und erschrak ein wenig vor dem Donnerhall der eigenen Stimme. Die Liege, auf der sein Körper ruhte, war angenehm warm und nicht zu weich. Er gab sich einen Ruck und setzte sich schwungvoll auf. Dann prüfte er sein Körpergefühl. Alles in Ordnung. Es stellte sich kein Zittern oder Schwindel ein, vielmehr schien seine gesamte Muskulatur gut vorbereitet und sogar begierig zu sein, sich allem zu stellen, was jetzt geschehen mochte.

Er ließ die Beine hinab gleiten und dann baumeln, als säße er an einem Bootssteg und kühlte die Füße im frischen Wasser. Ein seltsames Bild, fand er. Er entsann sich nicht, so etwas jemals getan zu haben. Er entspannte die Arme, die er seitlich auf die Liegefläche gestützt hatte, um gegen eine erneute Ohnmacht gefeit zu sein. Diesmal war er fit. Er streckte sich wohlig brummend aus und schaute sich im Raum um.

Ja, ein geschlossener Raum war es, in dessen Mitte seine Liege stand. An den Wänden sah er Tische und Schränke stehen, die ein Wort in seinem Bewusstsein hervor brachten: "Labor". Die Wand zu seiner Rechten wurde von einer ziemlich breiten Tür unterbrochen, an deren Seite sich ein kleiner Schirm befand, unter dem er einige Bedienelemente auszumachen glaubte. Dieser Raum erschien ihm nicht vertraut, lockte vielmehr: "Erkunde mich!"

Er glitt von seiner Liege und versuchte einige zaghafte Schritte zu gehen. Es klappte unerwartet gut. Dennoch hielt er sich immer in Griffweite der Tische und Arbeitsplatten, als er sich der Tür näherte. Der Apparat neben der Tür schien tatsächlich eine Art Kommunikationseinrichtung zu sein. Die Knöpfe unter dem kleinen Monitor waren mit Symbolen beschriftet, deren Bedeutung sich schnell erschloss. "Öffnen", murmelte er, während er die passende Taste betätigte.

Ein ohrenbetäubender Lärm erhob sich. Er fuhr zusammen, rutschte - Hände an den Ohren - an der Wand herab, hockte sich auf den Boden.

Plötzlich verstummte der Alarm. Der Monitor erhellte sich und eine kratzende Stimme erklang: „Hallo, hier ist...", ein plötzlich einsetzendes Knacken und Rauschen verhinderte, dass er den Rest verstand.

"Gibt ... blem?", entnahm er den Störgeräuschen. Er hielt den Atem an, wagte nicht, sich zu rühren. Sein Herz schlug so heftig, dass er für einen Moment befürchtete, man könne es im Raum hören.Wie altes Öl tropften die Sekunden dahin, schienen sich zu einer kleinen Ewigkeit dehnen zu wollen.

"...nbar wieder ... Defekt", erklang es aus dem Rauschen, dann erlosch das Display. Es war höchste Zeit, denn die Lungen hatten bereits begonnen, zu brennen. Der ganze Körper schrie nach Sauerstoff.

Er saugte so viel Luft ein, dass er sich wie ein Fesselballon fühlte, bereit zum Aufschweben. "Pffffffffffff", ließ er die angestaute Atmosphäre entweichen. Das tat gut. Er nahm noch einige weitere tiefe Atemzüge, ehe er sich langsam aufrichtete. Es musste also eine Zugangskontrolle geben, die von Menschen überwacht wurde. Was hatte die Wächter alarmiert? Er wandte sich wieder den Bedienelementen zu. Nichts deutete auf eine Kontrolleinrichtung hin. Kein Fingerabdruck- oder Retinascanner war auszumachen und es gab kein Karten- oder Kombinationsschloss.

Er hockte sich wieder unterhalb des Terminals hin und überlegte. Vielleicht ließ sich irgendetwas hier als Werkzeug benutzen, mit dem er den Durchgang frei bekäme? Sein Blick schweifte erneut durch den Raum. Tatsächlich, in der rechten hinteren Ecke schien ein sich eine Art Werkbank zu befinden. Er erhob sich und schlenderte hinüber. Aber was ihn erwartete, ließ ihn leise stöhnen.

Dort lagen einige elektronische Geräte, die er noch nie gesehen hatte. Nicht der kleinste Hinweis zeigte sich, wozu das alles gebraucht wurde. Plötzlich erfasste ihn eine Art Schwindel. Alles schien sich um ihn zu drehen und er griff hastig nach der Kante des Arbeitstisches. Schwer atmend stützte er sich ab. Sein Blick klärte sich, aber was er sah hatte mit dem bisher wahrgenommenen Labor nichts zu tun.

Er schien sich in einer Lehrwerkstatt zu befinden, gemeinsam mit vielen anderen Personen, die er aber nicht klar sehen konnte. Eigentlich war es eher ein unbestimmtes Gefühl, das ihm suggerierte, er sei Teil einer Menschenmenge. Den Ausbilder hingegen sah er klar und deutlich und vernahm auch die Worte, die der grauhaarige Mann an die "Klasse" (wenn es etwas derartiges war) richtete: "Das hier ist ein Layeroskop." Er griff eines der unbekannten Geräte und hielt es hoch über seinen Kopf.

"Es funktioniert nach dem Prinzip eines aktiven Terahertz - Scanners. Es wird also ein Terahertz Strahl abgestrahlt und die Reflexionsabweichungen ausgewertet." Er richtete das Gerät auf die Wand und auf dem kleinen Bildschirm bildete sich ein Muster.

Als der Instruktor einige Knöpfe drückte, wurde die Anzeige schärfer und man konnte deutlich die in der Wand verlaufenden Leitungen und Geräte erkennen.

"Mit Hilfe dieser Kontrollen", der Lehrer deutete auf die entsprechenden Tasten, "kann man die Scantiefe anpassen. Die Erfassungsgrenze liegt bei unserem Gerät etwa 2 Meter entfernt, abhängig vom gescannten Material." Er legte das Gerät ab und nahm ein anderes zur Hand.

"Hier haben wir das Gegenstück, einen Resonator. Er basiert auf der Schwingungsresonanz. Was man damit tut, werden wir gleich sehen." Er richtete die Oberkante des Gerätes auf die Wand. Ein Zielkreuz erschien auf dem Display. Mit einigen schnellen Tastendrücken konfigurierte der Instruktor das Gerät und betätigte dann den größten der Knöpfe.

Zuerst geschah nichts, dann bildete sich an der Wand eine rechteckige Fuge im Putz. Keine Sekunde später klappte der umrissene Wandbereich heraus und an dem nun sichtbaren Kabel baumelte ein Apparat, der dort eingebaut gewesen war.

"Die benötigten Frequenzen ermittelt der Resonator selbst." Die Umgebung begann unvermittelt zu wabern, wirbelte wild herum und diesmal war der Beobachter zu überrascht, um sich festzuhalten. Er stürzte hin, schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf.

Wieder umfing ihn die Finsternis.

3. Wie viel Zeit verging ...

... bis er wieder zu sich kam, konnte er nicht sagen. Der Kopfschmerz, der seinen Schädel förmlich zu zertreiben schien, hingegen war sehr präsent. Er stöhnte und öffnete mühsam die Augen. Lichter tanzten in seinem Hirn und es dauerte eine Weile, ehe er die Umgebung wieder klar genug wahr nahm, um sich zu orientieren.

Er befand sich wieder in dem Laboratorium, lag verkrümmt vor dem Arbeitstisch. Mit einiger Anstrengung zog er sich hoch, stützte sich auf der Arbeitsplatte ab und griff nach dem Layeroskop. Wieder brandete der Kopfschmerz auf und trübte den Blick.

Als sich seine Wahrnehmung wieder normalisiert hatte, ergriff er noch den Resonator, wandte sich der gegenüberliegenden Wand zu und wankte erneut zum Terminal hinüber. Er richtete den Scanner auf die Tür. Ein verschwommenes Muster erschien auf dem Display. Vorsichtig hantierte er an der Justierung und hatte nach einigen Augenblicken das Bild so korrigiert, dass er einen Überblick gewinnen konnte. Schnell betätigte er die mit 'FREEZE' beschriftete Taste und das Bild erstarrte.

Nun war die Zeit für den Resonator gekommen. Er fasste ihn mit der anderen Hand und zielte, ständig das Monitorbild des Scanners kontrollierend, auf das Terminal. Einen Moment lang kniff er die Augen zusammen, als er abdrückte. Das Terminal kippte aus der Wand und gab den Blick auf die Anschlüsse frei.

Voller Spannung begann er, die Steckerleiste zu untersuchen. Im käsigen Licht der Leuchtstofflampen erkannte er bei genauem Hinsehen, dass neben den Anschlüssen die gleichen Symbole eingeprägt waren, wie man sie auf dem Bedienpanel sah. Unglücklicherweise gab es zu dem 'Öffnen' - Knopf zwei Anschlüsse. Wieder verfiel er ins Grübeln. Was, wenn er den falschen Anschluss kappte?

Sein Blick fiel auf das Layeroskop. Das brachte ihn auf eine Idee. Er richtete das Gerät erneut auf die Wand und lachte kurz auf, bevor der stechende Schmerz ihn verstummen ließ.

Auf dem Display zeigte sich ganz deutlich, welcher der beiden Anschlüsse den Öffnungsmechanismus steuerte und welches Kabel nach der anderen Seite in die Wand hinein führte. Er zog den Stecker der Überwachungsleitung aus ihrer Buchse. Nichts geschah.

Wieder betätigte er die 'Öffnen' Taste. Ein Summen ertönte und die Tür schob sich auf der anderen Seite in die Wand hinein. Vorsichtig trat er an die Öffnung heran, lugte in beide Richtungen, ehe er in den Gang hinaus trat. Niemand hielt sich dort auf, was ihn zu ein paar zaghaften Schritten ermutigte.

Er hielt inne. Dann machte er kehrt, durchquerte den Durchgang erneut und begann, in dem Raum, den er bei sich 'das Labor' nannte, nach einem Behältnis für die Geräte zu suchen. Die wollte er unbedingt mitnehmen.

Nach einigem Kramen fand er auch tatsächlich eine Art Tasche, die man an einem Gurt umhängen konnte. Das war perfekt, denn so würde er beide Hände frei haben.

Diesmal verließ er das Labor endgültig. Im Gang wandte er sich um und schaute, ob es vielleicht an der äußeren Wand einen Knopf zum Schließen der Zugangstür gab.

Nichts. Also beschloss er, sich nicht weiter um das Verwischen seiner Spuren zu kümmern und lief los. Als er die nächste Abzweigung erreichte, ertönte hinter ihm ein bekanntes Summen und die Schiebetür schloss sich.

"Sehr gut", sprach er zu sich selbst, während er vorsichtig, aber entschlossen vorwärts schritt.

Die Struktur des Gebäudes, in dem er sich befand, ähnelte der einer Forschungseinrichtung oder Klinik. Zu beiden Seiten des Ganges sah man genau solche Zugänge, wie er ihn durchquert hatte. Er erkundete die Etage, benutzte hier und da das Layeroskop. Aber selbst mit der maximalen Reichweite konnte er in den Zimmern, die er passierte, keine anderen Menschen entdecken. Alles war wie ausgestorben.

Eine der Türen zu öffnen wagte er nicht, weil das möglicherweise einen Alarm auslösen würde. Und ein weiteres Terminal aus der Wand brechen mochte er nicht, um keine weiteren Spuren zu hinterlassen. Er lief schweigend umher, 'layeroskopierte' verschiedene Einrichtungen und versuchte, einen Lift, ein Treppenhaus oder einen Ausgang zu finden.

Zum Glück verfügte das Display des Layeroskops über eine Zeitanzeige, sodass er einen ungefähren Überblick über die Dauer seiner Wanderung gewann. Als ungefähr anderthalb Stunden vergangen waren, fiel ihm plötzlich an einer Tür eine kleine Gravur auf: 'F03041'. Er rannte zum nächsten Eingang und fand: 'F03043'.

"Aha!", entfuhr es ihm. Er wandte sich zur schräg gegenüberliegenden Tür und las: "F03042". Genau das hatte er erwartet. Die Räume auf der linken Seite des Ganges trugen ungerade Nummern, während die geraden der rechten Seite zugeordnet war.

Er nahm seinen Erkundungsgang wieder auf. Die Spannung verkrampfte seine Nackenmuskeln. Immer öfter blieb er stehen und rieb sich die schmerzende Stelle.

Und nun meldete sich zu allem Unglück auch noch der Verdauungstrakt. Hätte er sich doch nur die Tür 'seines' Labors gekennzeichnet! Die konnte er unerkannt öffnen.

Da kam ihm eine Idee. Wenn er mit dem Layeroskop die Wand zu seiner Linken abtastete, musste er irgendwann auf das entfernte Terminal stoßen. So würde er das Labor wiedererkennen, alles andere würde sich dann schon finden. Immer wieder den kleinen Monitor prüfend, damit im Wechsel die Umgebung beobachtend und mit wachsendem Druckgefühl kämpfend, eilte er durch die Gänge.

Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, bevor er mit einem großen Aufatmen die Umrisse der Terminalfassung neben der Tür erkannte. Er öffnete den Eingang und eilte hinein. Wo gab es ein Gefäß?

Für die Suche nach einer Toilette blieb keine Zeit.Neben seiner Liege erkannte er einen Abfallbehälter, der wohl normalerweise für gebrauchtes Verbandszeug benutzt wurde. Er drückte den Dekkel beiseite, öffnete seine Hose und entleerte sich.

Dann schloss er den Eimer und sah sich um. Sollte er das Labor zu seiner Basis erklären? Das erschien ihm durchaus sinnvoll. Er legte die Tasche auf einem kleinen Hocker neben der Liege ab und ging zur Werkbank im Hintergrund.

Vom anderen Ende des Raumes her ertönte das Summen der schließenden Tür.

4. Nachdem nun ...

... die körperlichen Bedürfnisse befriedigt waren, nahm er sich doch noch die Zeit, den Raum genauer zu erkunden. In der linken Ecke des hinteren Teils entdeckte er eine schmale Tür, die sich problemlos öffnen ließ. Sie führte in eine Art Vorratsraum, in dem auf wandhohen Regalen irgendwelche Chemikalien lagerten. An der linken Seite des Lagers befand sich eine Tür mit der vertrauten Aufschrift 'WC'.

Er ging zurück, um den missbrauchten Abfallbehälter zu holen. Den entleerte er ins Becken und reinigte ihn dann an einem der Labortische, der über eine Wasserleitung verfügte. Wenn er es schaffen sollte, Lebensmittel aufzutreiben, gäbe dieses Labor einen brauchbaren Stützpunkt ab, entschied er. Bei dieser Betrachtung stellte sich die Frage, wann er überhaupt zum letzten Mal gegessen hatte.

Er versuchte, sich zu erinnern, landete aber immer wieder nur in einem dunkel bunten Bilderbrei. Mit einem Schulterzucken gab er seine Bemühungen auf. Darum würde er sich zu gegebener Zeit kümmern. Im Augenblick fühlte er noch keinen Hunger.

Er ergriff erneut seine Tasche und öffnete die Tür. Im nächsten Moment stutzte er. Waren das Schritte? Was nun? Die Tür ließ sich nicht manuell schließen, wer immer den Gang entlang käme, musste bemerken, dass hier etwas nicht stimmte. Ließe sich der Resonator vielleicht als Waffe ...? Seine Gedanken rasten. Letztendlich entschied er, sich Klarheit verschaffen zu müssen. Er lugte nach draußen, zuerst nach Links.

"Hallo", ertönte eine sanfte Männerstimme von Rechts. Er fuhr herum und hob den Resonator. Vor ihm stand ein Hüne, der ob der aggressiven Reaktion seines Gegenübers sichtlich schockiert war. Der Gigant wich ein paar Schritte zurück.

"Langsam, Mann", sagte der Fremde, "ich tu dir nichts. Außerdem funktioniert der Resonator nicht gegen Lebewesen. Schaltet sich einfach ab. Aber du musst dich nicht verteidigen." Beide Männer entspannten sich ein wenig.

"Wo bin ich, wer bist du?"

"Immer mit der Ruhe! Du bist hier auf dem Raumschiff 'Exozoon', auf dem Weg zum vierten Planeten des Aldebaran. Wir hatten eine Havarie, bei der ein Teil der Terraforming-Datenbank und einige Petabyte historischer und technischer Daten verloren gegangen sind. Zum Glück hat weder die Steuerung noch der Antrieb Schaden genommen.

Und was mich angeht, so bin ich Burt2145 - 3L5 oder kurz 145L5. Ich bin in Zyklus 3 geboren und für Leitungsebene 5 vorgesehen. Das heißt, dass ich nach unserer Ankunft einen Erkundungstrupp leiten werde.

Aber wie steht es mit dir? Darf ich dein Implantat checken?"

"Was für ein Implantat?" "Das V17 - Implantat, das der Inkubator jedem einpflanzt. Du musst ja irgendwann geboren sein. Und ich denke nicht, dass Du schon beim Abflug an Bord warst."

"Wieso nicht? Ich hätte mich ja einschleichen können."

145L5 lachte laut auf. "Dann wärst du jetzt mindestens 150 Jahre alt. Der Start erfolgte vor 127 Jahren und du siehst kaum älter aus, als ... sagen wir Zyklus 6. Hör zu, wir müssen nicht hier auf dem Gang stehen. Hast du Hunger? Wir könnten ins Vitarium gehen, da kann man bequem sitzen und das Essen ist auch nicht übel."

Der Redefluss des riesigen Mannes stockte. "Entschuldige, wenn ich nerve, aber was ist nun mit dem Implantat?"

"Wo soll denn das sein?" "Keine Sorge, es tut nicht weh. Es befindet sich normalerweise im Nacken, wo es am wenigsten stört. Man kann es", er kramte in seiner Jackentasche und zog einen flachen Gegenstand hervor, "mit dieser Karte auslesen."

145L5 hielt eine kleine Scheckkarte über die linke Schulter seines Gegenübers, schaute darauf und erstarrte kurz. Dann schüttelte er den Kopf.

"Was ist? Kein Implantat gefunden?" "Doch, doch. Aber die Daten sind seltsam." Er überreichte das Kärtchen.

Da stand:

Yann2142 - X0X0 - 11BU/HDBtech_pb12-77

"Was bedeutet das?" "Das kann ich dir nicht sagen. Es ist ... eigenartig. Unsere Daten sind eigentlich folgendermaßen strukturiert: Name und Jahr der Auswahl des Erbguts, Bindestrich, Geburtszyklus des Inkubators, geplanter Einsatz - etwa 'L', wie bei mir - und Hierarchieebene. Danach gibt es normalerweise nur noch einen kurzen Code für eventuelle gesundheitliche Prädispositionen. So etwas wie bei dir habe ich noch nie gesehen.

Aber wenigstens kennen wir nun deinen Namen: 'Yann'." "Yann, also", wiederholte der Unbekannte und steckte den Resonator ein. "Eigentlich 'Yann1242'. Aber das Kürzel ist eigentlich noch netter: 'Xoxo'." 145L5 verstummte, dann lachte er erneut auf.

"'Soso', wie findest du das?"

"Yann ist mir lieber. Aber wenn es dir Freude macht …" "Lass uns zum Vitarium gehen!"

"Meinetwegen." Wie alte Bekannte schritten die beiden Männer den Gang entlang. An dessen Ende wandte sich 145L5 nach links und öffnete eine Tür. Dahinter befand sich ein kleiner Vorraum, an dessen Rückwand ein Lift auf Passagiere wartete.

Sie betraten die Kabine und die Tür schloss sich mit einem leisen Zischen.

5. Als sich ...

... die Tür des Aufzuges wieder öffnete, sah sich Yann einer ganzen Gruppe von Menschen gegenüber. Eine junge, kräftig gebaute Frau trat vor und fragte:

"Wen bringst du uns denn hier mit, 145L5?" Der Angesprochene grinste ein wenig verschämt. "Das ist Yann Soso. Er ist ein Zyklus Null ..."

Ein Tumult brach los. Alle riefen durcheinander, jeder wollte zuerst seine Frage stellen, wollte möglichst nah an das 'Wundertier' heran gelangen.

Die Frau hob die Hand, woraufhin das Stimmenchaos abebbte. Sie trat näher und sah dem Neuankömmling in die Augen.

"Ich bin Insa2147 - 5L2. Du kannst mich Insa nennen oder 5L2. Es gibt gegenwärtig keine weitere Person diese Namens oder dieser Designation."

Yann hatte die Vorgänge wie unbeteiligt wahrgenommen. Unter Menschen zu sein, das war ihm neu und gleichzeitig irgendwie vertraut. Er blinzelte und nickte bedächtig. In seinem Hinterkopf tanzten die verwaschenen Fetzen der Erinnerung, aber keine schaffte es, sich aus dem Wirbel zu lösen.

"Danke für den Empfang", sagte er, "aber bitte erwartet keine Erklärungen. Ich wusste bis vor ein paar Minuten weder wo , noch wer ich bin. Keine Ahnung von Raumschiffen und Implantaten, Inkubatoren und Geburtszyklen."

145L5 legte ihm seine Hand auf die Schulter und sagte: "Kein Problem. Schau dich in Ruhe bei uns um. Wenn du dich eingelebt hast, werden wir sehen, was wir über deine Herkunft und Bestimmung herausfinden können. Ich würde Insa bitten, sich um dich zu kümmern. Sie ist eine L2 und hat deshalb Zugriff auf fast alle Informationen und Schiffssysteme." Insa nickte und stellte sich auf der anderen Seite neben Yann.

"Und ihr alle sollt versuchen, Yann das Einleben hier so einfach wie möglich zu machen. Je eher er wirklich zu uns gehört, um so früher können wir versuchen, die Antworten auf eure vielen Fragen zu finden." Sie nahm den verunsicherten Neuling bei der Hand und ging mit ihm durch die sich lichtenden Reihen der Schaulustigen.

Sie durchquerten eine Art kleinen Marktplatz, lenkten ihre Schritte nach links und landeten wenig später in einer engen Gasse. Hier legte Insa ihre Hand auf ein kleines Rechteck, das kurz auf blitzte, worauf sich die Tür öffnete, neben der sich der Schloss-Automat befand.

"Komm herein", sagte Insa und schob Yann sanft vor sich her, in das Gebäude hinein. Er stand in einem geräumigen Zimmer, an dessen Wänden wiederum Türen, sicher in andere Räume, weiterführten. Das musste eine 'Wohnung' sein.

"Fühl dich wie zu ... ", setzte Insa an, verstummte aber und lächelte ihn an, "Mach es dir gemütlich!" "Danke", entgegnete Yann, "Entschuldige, ich bin einfach unbeholfen. Alles ist neu für mich."

Seine Gastgeberin bat ihn, auf einer bequemen Couch Platz zu nehmen und verschwand hinter einer der zahlreichen Türen. Nach einigen Augenblicken kehrte sie zurück und servierte leichtes Gebäck und ein goldgelb perlendes Getränk.

"Das ist ein erfrischendes Mixgetränk", erklärte sie und stellte ihr Tablett auf einem niedrigen Tisch ab. "Ich bin momentan die Leitungsperson der höchsten Stufe", sagte sie, "L1 hat, bis zu unserer Ankunft und dem Beginn der Besiedlung, der Zentralrechner inne." Sie zögerte kurz, ehe sie zu ihrer dringendsten Frage kam: "Darf ich bitte dein Implantat auslesen?"

"Tu dir keinen Zwang an", grinste Yann und bot ihr seine Schulter dar. Auch Insa zeigte sich überrascht, lachte dann aber hell auf.

"Jetzt weiß ich, warum 145L5 dich 'Soso' genannt hat. Eine nette Idee, finde ich, zumal diese Angaben ja in unsere normale Nomenklatur nicht hinein passen." Dann wurde sie wieder ernst: "Am liebsten würde ich L1 bitten, diese Daten zu analysieren. Hättest du etwas dagegen?"

"Keineswegs", beteuerte Yann, "Ich möchte mich ja selbst auch gern besser kennen lernen." "Danke", hauchte Insa und legte das Kärtchen auf eine matte Fläche am Rand der Tischplatte.

"Darf ich mich neben dich setzen?", fragte sie, nahm aber gleichzeitig schon Platz, wohl sein Einverständnis als gegeben annehmend. Yann rutschte ein wenig zur Seite. Körperliche Nähe war er nicht gewohnt. Dennoch verging keine Stunde, bis sich die Stimmung entspannt und Insa ihren Gast in die Grundstruktur der Gesellschaft eingewiesen hatte, die die 'Exozoon' bewohnte. Es gab nicht viele Regeln, die Gemeinschaft entsprach eher einer weit verzweigten Familie.

Aber auch Yann hatte eine Menge Fragen. "145L5 hat mir erzählt, dass wir uns in einem Raumschiff befinden. Aber hier sind wir in einer Kleinstadt, wenn ich mich nicht täusche. Wer steuert das Schiff, wer repariert es?"

"L1", kam prompt die Antwort, "Eigentlich ist das ganze System eher ein durch den Raum fliegender Computer. Du hast ja schon einen winzigen Teil der wissenschaftlichen Abteilung gesehen. Ein weiterer Teil dient der Aufzucht der Passagiere. Dort findet sich der Inkubator, der uns alle geboren hat. Ihm schließen sich die Baby - und Kinderbereiche an. Sind die Kleinen alt genug, ziehen sie in das 'Dorf der Bildung' um, dem Schul- und Studienbereich. Hier werden die jungen Menschen auf die Übernahme ihrer geplanten Position in der Gesellschaft vorbereitet. Auch diese Aufgabe erfüllt L1."

Yann nickte und musste gähnen. "Oh, was bin ich nur für eine Gastgeberin", sagte Insa, "du bist sicher müde und würdest lieber ein bisschen ausruhen. Und was mache ich? Ich versuche, dir die ganze Welt in einem Atemzug zu erklären." Sie führte ihn durch eine der anderen Türen, hinter der sich ein gemütlicher kleiner Wohn- und Schlafraum befand.

Im angrenzenden Badezimmer nahm Yann ein Bad in einer mit prickelndem Wasser gefüllten Wanne. Dann legte er sich auf die breite Liege, die an der rechten Wand auf ihn wartete und war binnen Minuten eingeschlafen. Er schlief traumlos und erholsam.

Fernab, in einem entlegenen Teil von L1 wurde ein Programm gestartet ...

6. Es war bereits ...

... heller Tag, als Yann die Augen aufschlug. Moment! Auf seiner Tour zu Insas Haus war ihm gar nicht aufgefallen, wie das Licht abgenommen hatte, bis nur noch ein bläulicher Schimmer geblieben war. Offenbar gab es hier einen Tag / Nacht Rhythmus. Das ergab einen Sinn.

Er setzte sich auf und streckte die Arme in die Höhe. Im Raum war es angenehm frisch, aber immer noch warm genug, um ein Frösteln zu vermeiden. Er erhob sich und begab sich unter die Dusche.

"Na, du Schlafmütze", begrüßte ihn Insa, als er, noch immer nackt, aus dem Badezimmer trat.

"Huch!", erwiderte er, "An dich hatte ich gar nicht gedacht. Entschuldige, dass ich mir nicht etwas angezogen habe". Sie lachte. "Das ist hier kein Problem. Wenn du wölltest, könntest du auch nackt auf die Straße gehen. Wir haben kein Nacktheits - Tabu. Allerdings habe ich deine Montur in die Quarantäne gegeben, dafür findest du im Schrank in deinem Zimmer eine Auswahl von Kleidungsstücken, wie man sie hier zu tragen pflegt. Wenn du willst, kannst du aber genauso gut mit mir gemeinsam essen."

Das schien ihm ein guter Gedanke zu sein. Er ließ sich auf einen der Stühle fallen und labte sich an Obst, frischem Brot, Fisch und Honig. Der Kaffee, der in einer gläsernen Kanne vor sich hin dampfte, war besonders wohlschmeckend.

"Sehr lecker", lobte er, was Insa zu einem erneuten Lachen veranlasste. "Alles synthetisch", kicherte sie. Ihre Augen blitzten schelmisch.

Nachdem sie ihr Frühstück beendet hatten, kleidete Insa ihren Gast nach der 'Exozoonischen Mode' neu ein und gab sich erst zufrieden, als er auch den kleinen silberfarbigen Stern über der linken Augenbraue trug.

"So", schnaufte sie, "Jetzt bist du einer von uns". Yann antwortete nicht. Er betrachtete sein Spiegelbild, noch immer ein wenig skeptisch, ob all des Zierkrams, der zu seiner Garderobe gehörte. Da gab es Spangen und Epauletten, große Knöpfe, kleine Häkchen, …

Er war verunsichert. Zwar hatte er gestern nicht besonders darauf geachtet, aber er meinte, niemanden in solch stutzerhaftem Aufzug gesehen zu haben. 145L5 hatte ganz sicher nichts vergleichbares getragen. Doch es blieb ihm keine Zeit für weitere Grübeleien, denn Insa riss die Eingangstür auf und wedelte mit dem Arm: "Bitte sehr, der Herr!"

Sie traten in die Gasse hinaus und liefen zum Marktplatz, auf dem bereits ein reges Treiben herrschte. Jetzt erst betrachtete Yann seine Umgebung eingehender.

Tatsächlich! Seine Tracht unterschied sich in ihrem Prunk nicht von denen der Passanten, Händler und Schausteller. Er entspannte sich. Es dauerte nicht lange, bis er begann , Gefallen an dieser Mode zu finden. Da tauchte ein Gedanke in seinem Kopf auf.

"Sag bitte", wandte er sich an Insa, die in einem pompösen Kleid neben ihm her lief, "Warum betreibt ihr so einen Modekult, wenn ihr dazu bestimmt seid, einen Planeten zu besiedeln?" Wieder dieses Blitzen in ihren Augen, begleitet von einem herzlichen Lachen. "Komm", sagte sie, ergriff seine Hand und lief geschwind über den Markt, an dessen anderem Ende sie eine große stählerne Tür öffnete.

Sie gingen hindurch und landeten in einem langen Gang, nicht unähnlich dem, in dem Yann sich gestern aufgehalten hatte. Insa leitete ihn und öffnete im Vorbeigehen die eine oder andere Tür. Dahinter sahen sie Menschen, die ganz normale Arbeitskleidung, oft auch spezielle Labormäntel oder Hosen trugen. Insa ließ seine Hand los und tänzelte vor ihm her, dem Ende des Ganges entgegen.

Dort angekommen gab sie an einem Terminal einen Zeichencode ein und passierte den sich öffnenden Durchgang, noch ehe die Tür ganz in die Wand hinein gefahren war.

Sie blieb so abrupt stehen, dass Yann von hinten auf sie aufprallte. Er fing sich ab und meinte: "Das war aber ganz schön plötzlich!" Insa strahlte ihn an und sagte: "Nichts passiert. Aber entschuldige meinen Überschwang, er hat mehrere Gründe.

Zuerst einmal habe ich jetzt meine Erholungsphase. Das heißt, dass ich in den nächsten zwei, vielleicht auch drei Wochen frei bin, zu tun, was mir gefällt. Auch deshalb habe ich mich als Begleiterin für dich beworben. Außerdem …"

"Beworben?", unterbrach Yann sie, "Gab es denn mehrere potentielle Begleiter? "Ja und nein. Es gibt immer Tätigkeiten, die - außerhalb des normalen Arbeitsumfeldes notwendig sind. Manchmal sind das eher unerfreuliche Dinge, meist aber sehr nette. Wenn man gern etwas tun möchte, in seiner Freizeit, dann bewirbt man sich bei L1. Man kann den Aufgabenbereich, aber nicht die spezielle Aufgabe wählen. Ich habe mich als Begleiterin für Neuankömmlinge beworben, weil ich es spannend finde, neuen Mitgliedern der Gesellschaft behilflich zu sein, in deren Eingewöhnungszeit."

"Gibt es denn viele von meiner Art?" "Nein. Von deiner Art gibt es nur dich. Aber es kommen ständig frisch ausgebildete Neulinge aus dem Bildungsdorf an. Die sind zwar dann wissenschaftlich, technisch und überhaupt sehr gebildet, aber sie finden sich in der Masse unserer Einwohner meist kaum zurecht. Deshalb begleiten wir sie eine Weile."

Insa gab sich einen Ruck und lief weiter. In diesem Gang hörte man ein dumpfes Rumoren. Als sie eine der wenigen großen Türen öffnete schlug ihnen Maschinenlärm mit solcher Wucht entgegen, dass Yann aufschrie und sofort die Hände nach oben riss, um seine Ohren zu bedecken. Selbst der Marktplatz, mit seinen vielen Menschen, erschien hiergegen wie eine Oase der Stille. Insa deutete auf die Arbeiter. Sie trugen Overalls, die sie fast wie Astronauten aussehen ließen. Sie hantierten an Automatensteuerungen, aber wenn etwas de-justiert schien, dann traten sie an die Stelle heran und betätigten Schalter und Knöpfe, um den Fehler zu beheben.

Das Ganze wirkte wie die komplexe Choreografie eines Tanzes - des Tanzes, der unaufhörlich seinen Lauf nahm.

Sie traten zurück in den ersten Flur und begaben sich auf den Rückweg. Als sie auf dem Marktplatz anlangten, war die Temperatur beträchtlich gestiegen. Nun wurde die vielschichtige Robe unbequem.

"Mir ist heiß", beschwerte sich Yann, "Kann man irgendwas von der Uniform ablegen?" "Wie ich schon sagte", erklärte Insa, "prinzipiell alles."

Das nahm er als Signal. Er entledigte sich des schweren Mantels, den er seiner Begleiterin wortlos überließ. Wenige Augenblicke später stand er in Pluderhosen, mit freiem Oberkörper und ohne Schuhe auf dem Markt.

Insa lächelte ihn an."Wirst du die Sachen später noch brauchen?" "Nein, ich denke nicht." Insa nickte und warf alles in einen der Kästen, die am Straßenrand standen. Es ertönte ein Zischen, dann ein Rumpeln. Anschließend war von dem Kleidungsbündel nichts mehr geblieben.

"Recycling", sagte sie knapp, "alles, was dich umgibt, wird recycelt. Immer und immer wieder. Gut möglich, dass unser Abendessen Elemente von deiner Kleidung enthalten wird." Sie kicherte, als sie Yanns Gesichtsausdruck sah, der zwischen Faszination und Schrecken wechselte.

"Natürlich gibt es kein Knopf - Ragout. Die Dinge werden atomisiert. Danach werden aus den gewonnenen Elementen neue synthetisiert. Das ist eine der Arten, wie man uns auf die Landung vorbereitet."

"Wann wird die Landung stattfinden?" Wieder kicherte Insa. "Das war, was ich erzählen wollte, als du mich unterbrochen hast. L1 rechnet damit, dass wir in 6 Wochen ankommen werden."

Yann erstarrte. Das ließ ihm sehr wenig Zeit, sich hier einzuleben. Und was noch schlimmer war, war, dass er keine Ahnung von irgendwas hatte. Keinen Beruf, keine Bildung.

In seinem Gehirn gab es nur dieses dunkel bunte Wabern hunderter oder gar tausender Episoden aus seiner Anfangszeit.

7. Die Tage ...

... gewannen nach und nach ihren eigenen Rhythmus. Yann besuchte verschiedene Einrichtungen, traf die wichtigsten Personen und sollte sich in dieser Woche für sein eigenes Aufgabengebiet entscheiden. Das war schwer, denn ihm fehlte jede Ausbildung, ja, selbst die Vorstellung von einer Teilnahme an Schule oder Studium. Wabern, Schlaglichter ohne erkennbaren Zusammenhang, Einzelbilder, in Millisekunden wieder verblasst, das war sein Gedächtnis.

Arum2135 - 8P3, ein junger Mann, dem er in der örtlichen Taverne begegnet war, und mit dem er zahllose Pints geleert hatte (ungezählt hauptsächlich wegen der Wirkung des enthaltenen Alkohols), brachte ihn auf eine verlockende Idee. "War'm bewirbsch' du dich nich als Ass'stent bei, bei, bei el ainss?"

"Arumm, main Froind, dassiss g ... g ... arkaine sschlech'e Idee", erwiderte Yann schwerzüngig, "ich ... werd mor'n glaich mit, mit ... der Chefin ... red'n ...".

Neben der Zahl der geleerten Pints waren am nächsten Morgen ziemlich viele Dinge aus Yanns Kopf verschwunden oder bis zur Unkenntlichkeit verzerrt worden. Und das war irgendwie komisch, denn dem Gefühl nach hätte dieser genug Raum für ganze Bibliotheken.

Yann hatte sich unter der Bettdecke verkrochen, um dem Lärm und dem grellen Licht zu entgehen, die von allen Seiten auf ihn ein zu stürmen schienen. Er versuchte, noch ein wenig Schlaf zu finden.

"He, Trunkenbold!", rief Insa und riss ihm die Decke weg, "Raus mit Dir! Berwen2141 - 7P1 wartet."

"Aaah!", stöhnte Yann, "So hell - und schreie bitte nicht so laut, sonst platzt mir der Kopf". Insa kicherte und lief hinaus. Irgendwie schaffte es der 'Trunkenbold', ins Bad zu gelangen und obendrein noch, die Grundhygiene zu gewährleisten. Nur eine Rasur unterließ er lieber, wegen der Verletzungsgefahr.

Während des Ankleidevorgangs drängte sich eine Art Erinnerungsfragment in sein Bewusstsein zurück. Was war das nur? Es hing mit seiner Aufgabenwahl zusammen, mit Arum und …

"L1!", rief er und hielt sich im nächsten Moment den Kopf, der von der eigenen Stimme dröhnte. Insa kam gelaufen. "Hast Du gerufen?" "Nein, aber danke, dass Du gleich kommst. Ich habe gestern einen Mann kennengelernt …"

Insa betrachtete ihn mit großen Augen und holte Luft. "Nicht so", grinste Yann, "einen ... Bekannten, eben". "Ach so", erwiderte sie, "ich wollte mich schon wundern".

"Also, wir haben uns so unterhalten und da meinte er, ich solle mich doch als Assistent bei L1 bewerben. Gibt es denn so etwas?" Insa schaute ihn einige Augenblicke lang schweigend an. Dann trat sie an ihren Arbeitstisch und betätigte einen Knopf, der Yann bisher nie aufgefallen war. Aus dem Tisch fuhr eine durchsichtige Platte, offenbar ein Monitor.

"Anfrage, Klasse P2, Yann2142 - X0X0", hörte er Insas Stimme sagen, "Request Position AL0".'Dong!', ein heller Glockenton erklang und auf dem Display erschienen mehrere Fenster. Insa studierte die Angaben und nickte versonnen. Dann winkte sie Yann, näher heran zu kommen.Der folgte prompt und als er vor dem Tisch stand, sah er auf dem Schirm folgendes:

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"Was bedeutet das?", wollte er wissen. "Das bedeutet, dass L1 nicht nur zustimmt, sondern sogar schon alles komplett geplant hat." "Ja, aber was genau bedeutet es? Mentales Training, Kontakter, L0, …" "Du wirst es sehen. Aber keine Angst, man wird dich nicht quälen."

Yann war aufgeregt. Allzu gern hätte er Insa mit seinen Fragen bedrängt, aber er sagte sich immer wieder, dass sie ihm auch ohne sein Drängen sagen würde, was er wissen musste. Jetzt war jedenfalls erst einmal Berwen2141 - 7P1 wichtig, wer immer das sein mochte.

Er kleidete sich an und frühstückte mit einem erstaunlichen Appetit. Die Aufregung ließ ihn seinen Kater vergessen. "Kontakter, L0", murmelte er mit vollem Munde.

Berwen2141 - 7P1 war ein junges Mädchen, zumindest wirkte sie so. Ihr wirkliches Alter war nicht zu ergründen, denn sie sah nicht nur jugendlich aus, sondern hatte auch ein aufgeschlossenes und energisches Naturell, das man einer älteren Frau so nicht zutrauen würde. Sie war Produktionsleiterin im Lebensmittelwerk, das all die leckeren Sachen synthetisierte, die Yann so mochte. Sie führte ihre Gäste durch die automatischen Fabrikanlagen. Nur hier und da sah man einen Menschen Proben nehmen, zur Qualitätskontrolle.

Kaum hatten sich die Besucher verabschiedet, erstarrte Insa kurz und schien zu lauschen. Nach einigen Sekunden wandte sie sich Yann zu und sagte: "Wir müssen zum Gesundheitszentrum. L1 hat die Vorbereitung auf deinen Kurs angeordnet, die noch heute durchgeführt werden soll."

"Oh", bemerkte Yann, "jetzt scheint es ja ziemlich eilig zu sein, mit meiner Integration ins Arbeitsleben". "Sieht so aus", grinste Insa, nahm ihn bei der Hand und schlenderte mit ihm zu einer großen Tür. Auch diese wurde mittels eines Zeichencodes frei gegeben und öffnete die Passage zum medizinischen Bereich.

Yann wurde gebeten, seine Kleidung abzulegen. Anschließend platzierte man ihn auf einem Stuhl, der ihn, auf einem Luftkissen schwebend, von einer Untersuchung zur anderen transportierte. Mit diesen Verrichtungen ging der Rest des Tages vorbei. Erst am späten Nachmittag sank der Transportstuhl im Aufnahmebereich zu Boden und gab seinen Insassen frei.

An der Wand erhellte sich ein rechteckiger Bereich. Es erschienen Angaben über die Testergebnisse, die in gemächlichem Tempo aufwärts scrollten. Als der letzte Eintrag erreicht war, tauchte die Ankündigung auf: 'Beginn mentales Training: 13765-0900, Raum MB117.

Insa, die ihn in dem Raum erwartet hatte, erklärte: "Das ist morgen, 9 Uhr. Der Raum ist Teil dieses Komplexes. Ich bringe dich hin."

Yann nickte. Wieder baute sich dieses Spannungsgefühl in ihm auf, aber er schüttelte sich leicht und sagte: "Na schön. Ich möchte erst einmal entspannen. Wollen wir einen Abstecher in die Taverne machen?" Insa verzog das Gesicht. "Aber bitte nicht wieder einen Vollrausch", kicherte sie. Dann schlenderten sie, immer noch Hand in Hand, davon.

8. Es wurde ...

... ein sehr netter Abend. In der Taverne trafen die beiden einige von Insas Freunden und Bekannten und bald entfaltete sich eine freundlich - vertraute Atmosphäre. Man scherzte und unterhielt sich, dennoch blieb der Alkohollevel auf einem moderaten Niveau.

Als sie die Taverne verließen, ertönte ein Geräusch, als schlüge jemand gleichmäßig an einen Gong. Yann blieb stehen. "Was ist das?" Insa lachte hell auf. "Das ist das Mitternachtsläuten", erklärte sie, "Irgendwie hängt es mit uralten Traditionen zusammen. Ich glaube, mich zu entsinnen, dass es in früheren Zeiten einen Beruf gab, der sich 'Nachtwächter' nannte. Das waren Männer, die mit einer Lampe und einem Blasinstrument durch die Siedlungen gingen und die Nacht bewachten." Wieder lachte sie.

"Die Nacht be ...", auch Yann musste nun grinsen, "Was sollte der Nacht denn geschehen?" "Ich glaube, es ging eher darum, dass diese Leute als eine Art Alarmanlage funktionierten. Sie bewachten also nicht die Nacht, sondern die Siedlung und die Menschen, denke ich. Man nannte es wohl nur so, weil die Wächter ihren Dienst eben in der Nacht versahen."

"Gut möglich", pflichtete Yann bei. Er versuchte, seinem Gedächtnis Informationen zu entlocken, landete aber wieder einmal im grau-bunten Wabern."

Als sie am Morgen erwachten, blinkte das Display auf Insas Schreibtisch. Sie lief, noch nackt, sofort hinüber und studierte die Anzeige.

"Hmmm", brummelte sie, "wir müssen uns beeilen. Das Training soll heute schon beginnen, 9:15 Uhr, aber nicht im Medi-Trakt, sondern im Psycovivarium. Das ist interessant. Ich kenne niemanden, der dort schon einmal war."

Yann pfiff kurz, eine Handlung, die ihn selbst überraschte. Woher hatte er diese Fähigkeit? Die Antwort verbarg sich irgendwo im bunten Nebel.

"Muss ja wirklich eilig sein, mich auf Vordermann zu bringen", merkte er an. "Das kann man wohl sagen. Du wirst für die Zeit des Trainings dort bleiben und keinen Kontakt zur Außenwelt haben." "Dann war das praktisch gestern eine kleine Abschiedsparty?" "Vielleicht." Insa lächelte ihn an.

Sie machten sich frisch und frühstückten ausgiebig, bevor sie sich auf den Weg machten. Als sie den Marktplatz überquerten, hatte Yann das Gefühl, er sauge alle Eindrücke besonders gierig auf, als müsse er befürchten, nicht zurück zu kehren. Er schüttelte bei diesem Gedanken den Kopf. Wo sollte er denn hin, in einem Raumschiff?

Der Durchgang zum Psycovivarium wäre ihm nicht aufgefallen. Er verkroch sich förmlich in einer abgelegenen Ecke des Platzes, Verdeckt von aufgestapelten Waren und einigen kleinen Verkaufsständen.

"Lege bitte deine Hand hier her!", bat Insa. Er tat wie geheißen und sie tippte einen Zeichencode in das Terminal. Die Tür schob sich in die Wand hinein.

"So", sagte Insa, "nun muss ich gehen. Ich werde auf dich warten." Yann umarmte und küsste sie, ohne weiter darüber nachzudenken. Sie erwiderte den Kuss, schob ihn aber dann von sich. "So war das eigentlich nicht gemeint." Er errötete und sagte verschämt: "Entschuldige, ich weiß nicht, warum ich es getan habe." Insa lachte schon wieder. "Nicht so schlimm. Gib uns ein bisschen Zeit - wenn du zurück bist …" Sie wandte sich um und ging davon, ohne zurück zu schauen.

Yann war verwirrt. Er kannte die Konventionen in der Gesellschaft hier nicht. Wieder schüttelte er den Kopf und ging durch die Tür, die sich fast lautlos hinter ihm schloss.

An der linken Wand befand sich ein Monitor - Terminal, wie er es schon im Forschungstrakt gesehen hatte. Das Display erhellte sich und ein leiser Gong ertönte.

'Bitte begib dich zu Raum PV017A!' Yann war sich nicht sicher, ob er die Anweisung nur gelesen hatte oder ob er sie auch gehört hatte. "Seltsam", sagte er zu sich selbst und lief auf die erste Tür zu, die auf der linken Seite zu erkennen war.

'PV001D', stand am Rahmen. Er überlegte. 001, das ließ vermuten, dass sich die Räume mit ungeraden Nummern links befanden. Die nächste Tür befand sich rechts. 'PV002D' lautete ihre Bezeichnung. Jetzt schien alles klar zu sein.

Gemächlich schlenderte er den Korridor entlang und kontrollierte die Nummerierung der Eingänge, die nach links führten. Wie vermutet, landete er nach einigen Minuten an der Tür, die die Kennzeichnung 'PV017D' trug.

"Nun", sagte er laut, "fast gefunden". Er legte die Hand auf das Terminal. 'Bitte begib dich zu Raum PV017A!', leuchtete es auf dem Display. Und diesmal war er sicher, dass er es auch gehört hatte. Ein kleines bisschen fühlte er sich wie die berühmte Ratte im Labyrinth. Auch deshalb ging er etwas widerwillig weiter und landete bei Raum 'PV017V'.

"Sehr witzig." Seine Stimme hallte nicht, in dem langen Gang. Irgendetwas schluckte den Schall. Was blieb ihm, als seine Wanderung fortzusetzen?

Endlich! Raum 'PV017A'. Er platzierte seine Hand auf dem Scannerfeld. Das Summen der Tür erschien ihm fast ein bisschen vertraut.

Er trat ein und sah sich um. Kaum war er zwei Schritte weit in den Raum gegangen, schloss sich die Tür und es klickte verdächtig, so als raste ein Verschlussmechanismus ein. Yann machte kehrt und legte seine Hand auf das innere Scannerfeld. Nichts geschah. "Na toll." Er musste grinsen, als er sich bewusst wurde, dass hier kein Gesprächspartner auf ihn wartete. Zumindest keiner, den er erkennen konnte …

Jetzt nahm er sich die Zeit, die Umgebung genauer zu untersuchen. Da schien es nicht viel zu geben, was einer näheren Betrachtung wert war. In der Mitte des Raumes befand sich ein Arbeitstisch, ähnlich dem Insas. Ein einfacher Stuhl stand davor. Neben dem Tisch sah er eine Art Tafel, die ein mehrfarbiges Muster zierte. Er trat näher und erkannte, dass die vermeintliche Dekoration ein System von Schaltflächen war, die, was ihn sehr verwunderte, jeglicher Beschriftung mangelten.

"Nimm Platz!", ertönte unvermittelt eine Stimme. Yann war so überrascht, dass er sich einfach auf den Stuhl plumpsen ließ und sich umsah. Das war doch Insas Stimme!

"Ich bin deine Trainingseinheit. Du kannst mir einen Namen deiner Wahl geben. Auf diesen werde ich dann reagieren. Wundere dich nicht über den Klang meiner Phono-Modulatoren, er wurde einer Person angeglichen, der du vertraust. Das sollte dir den Umgang mit mir erleichtern. Wenn du es nicht angenehm findest, werde ich die Stimme anpassen."

"Nein nein!", beeilte Yann sich, zu bestätigen, "Das ist nicht nötig. Sehr rücksichtsvoll von dir. Ich habe auch schon eine Idee, den Namen betreffend. Ich würde dich gern 'Asni' nennen," "Ist das dein finaler Vorschlag?" "Ja."

"Bestätige: ASNI. Lass uns mit der Introduktion beginnen. Sicher hast du dich schon gewundert, wieso es den Raum mit der Nummerierung PV017 in mehreren Varianten gibt. Das ist schnell erklärt. Dieser Raum hier ist der Aufnahme / Analyse Raum, daher das 'A'. Der Raum mit dem Buchstaben 'V' dient der Vorbereitung, das heißt, der Hygiene, körperlichen Ertüchtigung, aber auch der Entspannung. 'PV017D', das ist der Diagnoseraum, in dem die Fortschritte ermittelt werden. Hier findet später auch die Prüfung statt. Einen Raum hast du noch nicht entdeckt. 'PV017T' ..."

"Der Trainingsraum, nehme ich an", fiel Yann der Stimme ins Wort. "Korrekt. Du hast das System erkannt."

"Was bedeutet die Tafel?" "Das ist die Steuerungseinheit. Je nach Fortschritt werden entsprechende Schaltflächen aktiviert. Du kannst dann aus mehreren Angeboten wählen, wie du dein Training fortsetzen möchtest. Es gibt allerdings eine Regel. Du musst an jedem Tag mindestens zwei Einheiten schaffen. Das ist notwendig, weil die Zeit ein wenig knapp wird. Wir werden das Ziel voraussichtlich in drei Wochen erreicht haben. Bis dahin muss deine Vorbereitung abgeschlossen sein.&

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