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Kreuzfahrt-Ratgeber

DER AUTOR

Der Autor des cruisetricks.de Kreuzfahrt-Ratgebers, Franz Neumeier, hat vor einigen Jahren seine bereits lange Zeit nebenberuflich gepflegte Passion zum Hauptberuf gemacht: Er warf als ehemaliger Chefredakteur mehrere renommierter Computerzeitschriften den Nerven aufreibenden Redaktionsalltag über Bord und machte sich als Reise-Journalist selbständig, spezialisiert auf Kreuzfahrten.

Über 60 Kreuzfahrtschiffe kennt der Autor aus eigener Erfahrung, von ganz kleinen Schiffen wie dem Expeditionsschiff Sea Spirit und dem Großsegler Star Flyer bis hin zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt, der Allure of the Seas und Oasis of the Seas mit über 6.000 Passagieren. Er fuhr durch den Panama-Kanal, in die Arktis, Antarktis und nach Alaska ebenso wie zu den stark frequentierten Kreuzfahrtzielen im Mittelmeer und in der Karibik und verbringt pro Jahr über drei Monate auf See.

Franz Neumeier ist Inhaber und Chefredakteur der Kreuzfahrt-Website www.cruisetricks.de und schreibt regelmäßig für den Reiseteil großer deutscher Tageszeitungen und Zeitschriften. Er arbeitet zudem als Autor für den renommierten „Kreuzfahrt Guide“.

INHALTSVERZEICHNIS

Die zehn größten Kreuzfahrt-Vorurteile

Die perfekte Kreuzfahrt planen

Die Traumroute

Welches Schiff, welche Reederei

Tipps für Allein-Reisende

Die beste Reisezeit

Kreuzfahrt buchen: direkt, online, Reisebüro?

Wann buchen?

Mit Kindern auf Kreuzfahrt

Vor der Kreuzfahrt organisieren

Online-Check-in

Landausflüge vorab buchen

Getränkepakete reservieren

Shows, Restaurant-Reservierung

Packtipps: Was sollte in den Koffer?

Was für eine Kreuzfahrt besser zu Hause bleibt

Tipps zum Reisegepäck

Anreise & Einschiffung

Anreise mit dem PKW

Günstige Kombi: Hotel plus Parkplatz

Bus-Anreise

Bahn, Schlafwagen

Einschiffung

Bordkonto

Aussteigen

Dress-Code und Etikette

Jeans im Restaurant?

Wird der Dress-Code erzwungen?

Casual, smart casual, formal …

Zusätzliches Gewicht vermeiden

Hafenstopps und Landausflüge

Organisiert oder individuell?

Türkische Teppiche, marokkanische Apotheken

Alternative: an Bord bleiben

Liege- und Abfahrtszeiten

Essen an Bord

Tischzeiten

Nebenkosten

Getränke und Getränkepakete

Trinkgeld & Servicegebühren

Spezialitätenrestaurants

Telefonieren

Internet

Landausflüge

Spa-Behandlungen

Anreise und Transfer zum Schiff

Treibstoffzuschlag

„All inclusive“ – was ist wirklich inklusive?

Richtig versichert auf Kreuzfahrt

Nicht versicherbar: Wetter, Flugverspätungen

Auslandskrankenversicherung

Krankenrücktransport versichern

Reiserücktritt- und Reiseabbruch-Versicherung

Hausrat-Versicherung gegen Einbruchdiebstahl

Reisegepäck versichern?

Gesundheit und Arzt an Bord

Schlank und fit bleiben

Was tun bei Problemen an Bord?

Sicherheit am Schiff und an Land

Tipps für Raucher und Nichtraucher

Seegang, Seekrankheit, Stabilisatoren

Heiraten an Bord

Glossar & Kreuzfahrt-Wörterbuch

Stichwortverzeichnis

Celebrity Eclipse, Braemar in St. Lucia

Die zehn größten Kreuzfahrt-Vorurteile

„Auf Kreuzfahrt gehen doch nur alte Leute, da muss ich ständig Anzug und Krawatte tragen und außerdem ist es auf so einem Schiff viel zu eng mit diesen Menschenmassen.“ Leute, die so über Kreuzfahrten denken, verpassen eine der schönsten Urlaubs-Formen, weil sie sich von Vorurteilen und verbreiteten Irrtümern blenden lassen.

Hauptursache für diese Missverständnisse: Kreuzfahrer, die sich vor der Buchung nicht ausreichend informieren, sondern einfach nehmen, was ihnen gerade bei Discountern oder in der TV-Werbung entgegen springt. Auch unerfahrene Reisebüros, die mangels Sachkenntnis ihre Kunden falsch beraten und für den jeweiligen Kunden unpassende Schiffe buchen, befeuern solche Vorurteile.

TIPP: Gerade wer zum ersten Mal auf Kreuzfahrt gehen will, sollte sich ein Reisebüro suchen, bei dem die Berater selbst bereits Erfahrung mit eigenen Seereisen bei mehreren verschiedenen Reedereien gesammelt haben und eine möglichst breite Palette deutscher und internationaler Reedereien im Angebot haben. Testen Sie ein Reisebüro, bevor Sie buchen: Will der Berater ihnen sofort irgendeine Reise verkaufen, sind sie falsch. Ohne ausführliches Gespräch, in dem der Berater Ihre individuellen Urlaubsgewohnheiten, Vorlieben und Bedürfnisse ermittelt, ist es purer Zufall, ob Sie auf einem Schiff landen, dass ihnen auch wirklich liegt.

„Auf Kreuzfahrten trifft man vor allem Rentner“

Es gibt tatsächlich Schiffe, auf die das zutrifft. Doch je moderner und größer das Schiff, desto jünger ist gewöhnlich das Publikum. Auch Familien mit Kindern sind inzwischen eine der wichtigsten Zielgruppen der Reedereien. Der Altersdurchschnitt beispielsweise bei Norwegian Cruise Line, Royal Caribbean International, MSC und Costa liegt deutlich unter 50. Außerhalb von Schulferienzeiten sowie auf längeren Fahrtrouten ist der Altersdurchschnitt gewöhnlich höher, weil Berufstätige und Familien zu diesen Zeiten keinen Urlaub machen können beziehungsweise keine Zeit für eine 14- oder gar 21tägige Kreuzfahrt haben.

Positiv betrachtet: Eine Kreuzfahrt mit eher älterem Publikum ist sehr entspannend und muss auch für jüngere Kreuzfahrer keineswegs nervig sein – vorausgesetzt man sucht im Urlaub nach Ruhe. Lärm auf den Kabinengängen nach zehn Uhr abends ist hier ebenfalls eher selten.

„Auf Kreuzfahrtschiffen geht es sehr steif zu“

Richtig ist, dass es auf manchen Schiffen eher förmlich zugeht und zum Abendessen Abendkleid und Anzug erwartet werden. Das ist aber eher die Ausnahme. Die meisten Kreuzfahrtschiffe haben heutzutage eine eher legere Atmosphäre, wo bestenfalls ein oder zweimal ein Galadinner mit zumindest etwas feinerer Kleidung stattfindet, dem man aber ausweichen kann, indem man an diesen Abenden im Buffet-Restaurant statt im Hauptrestaurant isst. Auf anderen Schiffen geht es noch legerer und komplett ohne Galadinner, etwa Norwegian Cruise Line. Bei AIDA gibt es – mit Ausnahme der Spezialitätenrestaurants – gar kein Restaurant mit Bedienung, sondern ausschließlich legere Buffets.

„Kreuzfahrt auf großen Schiffen ist Massenabfertigung“

Eine Kreuzfahrt ist nichts für freiheitsliebende Rucksacktouristen. Aber wer sich beispielsweise auf einer Städtereise wohlfühlt, wird auch Kreuzfahren mögen. Besonders die neuen Megaschiffe wie die Oasis of the Seas bieten eine enorme Vielfalt an Unterhaltung und Erholung, die Passagiere konzentrieren sich nie auf einen Fleck am Schiff, sodass man mit seltenen Ausnahmesituationen nie das Gefühl hat, das Schiff sei voll oder gar überfüllt. Interessanterweise wirken kleinere Schiffe oft voller als große, weil sie ein weniger differenziertes Programm anbieten und sich die Passagiere daher auf wenige Angebote konzentrieren. Beispiel: die abendliche Show im Theater.

Übrigens: Sie werden überrascht sein, wie flexibel die Besatzung auch auf sehr großen Schiffen auf Sonderwünsche regiert. Natürlich lässt sich nicht immer alles realisieren, aber fragen lohnt allemal.

„Auf den großen Schiffen merkt man nicht einmal mehr, dass man auf See ist“

Die Größe des Schiffs hat relativ wenig damit zu tun, ob man an Bord ein Seereise-Erlebnis hat oder nicht. Vielmehr ist die Schiffsarchitektur entscheidend, wie viel Bezug man während der Kreuzfahrt zum Meer behält. Es gibt große Schiffe, auf denen man das Meer fast ständig im Blick hat – etwa die Vision- und Radiance-Class-Schiffe von Royal Caribbean – und es gibt Schiffe, die bewusst eher nach innen gewandt konstruiert sind, wie etwa die Norwegian Epic. Der Trend auf neuen Mega-Schiffen geht dahin, den Bezug zum Meer wieder deutlich hervorzuheben, etwa durch breite Promenaden-Decks wie bei der Costa Diadema oder den Breakaway-Class-Schiffen von Norwegian Cruise Line.

Weder ein starker Meer-Bezug noch die Fokussierung auf die Innenbereiche auf einem Kreuzfahrtschiff ist per se „gut“ oder „schlecht“. Es gibt einfach unterschiedliche Schiffstypen, sodass jeder Passagier auswählen kann, was ihm am meisten behagt.

„Je größer das Schiff, desto weniger wird man seekrank“

Richtig ist, dass größere Schiffe meistens weniger stark auf Seegang reagieren als kleinere. Dafür sind die Bewegungen aber langgezogener und Windböen führen auf Schiffen mit größerer Angriffsfläche zu stärkeren abrupten Bewegungen. Die genaue Ursache für Seekrankheit ist nach wie vor nicht ganz klar, langgezogene Schiffsbewegungen scheinen aber tendenziell eher Seekrankheit auszulösen als kürzere.

Auf Schiffen jenseits der 3.000 Passagieren dürfte daher kein nennenswerter Unterschied bestehen. Entscheidend ist vor allem persönliche Veranlagung und die aktuelle Tagesverfassung des Körpers. Wer empfindlich ist, meidet Fahrgebiete mit bekanntermaßen unruhiger See (Nordsee, Atlantik) und weicht auf Mittelmeer (im Sommer) und Karibik (im Winter) aus.

„Auf einer Kreuzfahrt finde ich als Single einen Partner“

Auch wenn es in Fernseh-Serien gelegentlich so wirkt: Auf einer Kreuzfahrt findet man gewöhnlich nicht den Partner fürs Leben. Es gibt allerdings Kreuzfahrten, bei denen die Chancen höher stehen als bei anderen. Vermeiden sollte man Fahrten über Feiertage und zu Schulferienzeiten. Auf diesen Kreuzfahrten sind besonders viele Familien an Bord, die Preise sind relativ hoch und damit für Singles mit Einzelzimmerzuschlag noch teurer. Interessanter sind dagegen Kreuzfahrten, bei denen besonders günstige Single-Tarife angeboten werden.

Zwar zögerlich aber immer häufiger gibt es inzwischen auf neuen Kreuzfahrtschiffen auch Einzelkabinen. Mehr dazu im Kapitel „Tipps für Alleinreisende“.

„Eine Kreuzfahrt ist nur etwas für Reiche“

Natürlich gibt es Kreuzfahrten, für die man pro Person und Nacht gleich mal 6.000 Euro hinlegt – meist sind sie das sogar wert. Doch die großen Massenmarkt-Schiffe bewegen sich auf einem Preisniveau, das einen Vergleich mit einem halbwegs ordentlichen Urlaub an Land nicht scheuen braucht. Erwischt man ein besonders günstiges Sonderangebot, fährt man auch mal für nur 500 Euro eine Woche im Mittelmeer, plus Nebenkosten, die man bei einem Landurlaub aber auch hätte. Mit genauer Recherche und guter Beratung im Reisebüro findet sich auch für eine eher kleine Urlaubskasse eine passende Kreuzfahrt. Berücksichtigen sollte man bei Preisvergleichen auch, dass bei Kreuzfahrten Vollverpflegung und ein meist sehr gutes Unterhaltungsprogramm im Preis inklusive ist. Mit Extrem-Angeboten á la 300 Euro Türkei „all inklusive“ mit Flug können Kreuzfahrten allerdings nicht konkurrieren.

„Auf Kreuzfahrt wird man mit den Nebenkosten abgezockt“

Aus schwer erklärlichen Gründen erwarten manche Kreuzfahrer, dass auf einem Kreuzfahrtschiff absolut alles inklusive ist. Dabei fallen auch bei einem Urlaub an Land ganz normale Nebenkosten an, über die man sich dort keineswegs beschwert: Ausflüge, Trinkgelder, Getränke, Souvenirs.

Allerdings sollte man sich vor der Buchung genau informieren, welche Nebenkosten zum Reisepreis potenziell noch hinzukommen. Trinkgelder sind beispielsweise auf den meisten Schiffen Pflicht oder dringend empfohlen. Getränke sind manchmal komplett inklusive, manchmal zu den Mahlzeiten, gelegentlich aber auch separat zu bezahlen. Viele weitere Nebenkosten kann man dagegen vermeiden, wenn man sparsam ist, beispielsweise Spa-Behandlungen oder Internet-Zugang.

Ob man beispielsweise die Getränkepreise an Bord als teuer empfindet, ist vor allem eine Frage der Perspektive: Wer Großstadtpreise gewohnt ist, wird die Preise am Schiff meist als fair bis günstig empfinden. Legt man dagegen Preise aus ländlicheren Gegenden oder gar – unfairerweise – die Preise der Getränke aus dem Supermarkt-Regal an, wirken die Preise an Bord recht hoch.

„Auf Kreuzfahrtschiffen bricht doch ständig der Noro-Virus aus“

Fakt ist: Es gibt wesentlich größere Gesundheitsrisiken im Urlaub als Noro und ähnliche Magen-Darm-Erkrankungen. Durch sehr hohe Hygienestandards sind Noro-Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen statistisch sogar deutlich seltener als an Land. Da Noro-Ausbrüche in den USA jedoch gemeldet und veröffentlicht werden müssen, entsteht durch die Medienberichterstattung der falsche Eindruck, dass auf Schiffen eine besondere Noro-Gefahr bestünde. Das deutlich größere Gesundheitsrisiko auf einer Kreuzfahrt ist jedenfalls der gemeine Sonnenbrand.

„Die Kreuzfahrt wurde in Deutschland erfunden“

Obwohl wir Deutsche fest davon überzeugt sind: Erfunden wurde die Kreuzfahrt genau genommen nicht hierzulande. Zwar schickte Albert Ballin, damals Vorstandsmitglied der HAPAG, 1891 erstmals ein deutsches Passagierschiff auf Luxus-Vergnügungsfahrt.

Der Begriff „Kreuzfahrt“ war damals noch nicht geläufig. Aber die ersten Kreuzfahrten machten wohl Engländer und Norweger. Bereits 1882 begann der für Kreuzfahrten umgebaute Dampfer Ceylon erfolgreiche Norwegen- und Mittelmeerfahrten für seinen britischen Eigner John Clark. Sie war damit das erste dauerhaft für Kreuzfahrten eingesetzte Schiff der Welt. 1885 machte die britische Domino ihre ersten Nordlandfahrten, die bis 1890 jährlich wiederholt wurden. 1887 stellte eine schottische Reederei einen eigens für Kreuzfahrten bestellten Neubau in Dienst, die Sunniva, die somit als der erste Kreuzfahrtschiff-Neubau gelten muss (Quelle: Arnold Kludas „Vergnügungsreisen zur See“, Band 1).

Von amerikanischen Reedereien hört man gerne, dass die moderne Kreuzfahrt in Miami erfunden worden. Richtig ist, das Miami der größte Kreuzfahrthafen der Welt ist, und das schon ziemlich lange. Die Stadt gilt als Welthauptstadt der Kreuzfahrt. Die Karibik mit Miami als Abfahrtshafen war das erste wirklich wichtige Revier für die moderne Kreuzfahrt. Für dieses Geschäft wurden auch erstmals in nennenswertem Umfang Schiffe ausschließlich und speziell für den Kreuzfahrt-Betrieb gebaut. Aber das fand erst Mitte des 20. Jahrhunderts statt, als die Kreuzfahrt schon längt eine etablierte Urlaubsform darstellte.

MSC Divina in Venedig

Die perfekte Kreuzfahrt planen

Der Kreuzfahrtmarkt ist so vielfältig, dass jeder das individuell passende Schiff, die richtige Reederei, die richtige Fahrtroute findet. Die Herausforderung dabei ist, sich auch wirklich für die richtige Kreuzfahrt zu entscheiden und vor allem für Erst-Kreuzfahrer ein gutes Reisebüro zu finden, das dabei hilft.

Denn die perfekte Kreuzfahrt ist letztlich eine Kombination aus Fahrtroute, Schiffstyp, Kreuzfahrtgesellschaft und Preis. Der Zeitaufwand für die individuelle Suche lohnt sich. Auf ein Reisebüro sollte man sich dabei nur verlassen, wenn der Berater dort verschiedene Schiffstypen und Kreuzfahrtgesellschaften aus eigener Anschauung kennt.

Hilfreich sind Diskussionsforen und Reisebewertungsportale im Internet. Beiträge mit pauschalen Aussagen wie „Das Essen auf Schiff X war schrecklich“ und „Schiff Y war ganz toll“ sind dort allerdings genau so häufig wie nutzlos. Sachliche Beschreibungen von Essen, Service, Schiff und Landausflügen lassen dagegen schnell Rückschlüsse zu, ob ein Schiff zu den eigenen Vorstellungen passt. Gute Websites zu diesem Thema sind kreuzfahrtentreff.de, die Bewertungen bei holidaycheck.de und die englischsprachigen Foren bei boards.cruisecritic.com. Viele Kreuzfahrt-Tipps und Details zu Schiffen finden sich auch auf www.cruisetricks.de, der Website des Autors und sehr detaillierte Reiseberichte und Schiffsbeschreibungen gibt es auf www.cruisediary.de von Carmen Winkler, die ebenfalls intensiv an der Entstehung dieses Buches mitgearbeitet hat.

Die Traumroute

Ob Massentourismus in der Karibik oder einsame Strände in der Südsee, gediegene Atlantik-Überquerung oder klassische Panama-Kanal-Durchfahrt, ob einmal rund um Australien oder Spitzbergen-Umrundung in arktischen Gewässern – Kreuzfahrtschiffe fahren überall, wo es schiffbare Wasserwege gibt.

Alle größeren Schiffe haben jeweils für einige Monate einen festen Heimathafen, von dem aus sie Rundfahrten im jeweiligen Fahrgebiet unternehmen. Dieselbe Fahrtroute ist also fast immer zu mehreren Terminen möglich und wer terminlich flexibel ist, fährt oft deutlich billiger. Kleinere Schiffe fahren meist wechselnde Routen oder etappenweise Weltreisen.

Große Kreuzfahrtschiffe sind eher auf den touristisch sehr gut erschlossenen Routen unterwegs, schon weil sie in den Häfen eine entsprechend aufwändige Logistik benötigen, um die vielen Passagiere schnell aus- und wieder einzuschiffen.

Kleine Schiffe laufen exotischere beziehungsweise weniger überlaufene Häfen an und bleiben oft auch über Nacht in einem Hafen oder legen erst spät abends ab. Die großen und preisgünstigeren Kreuzfahrtschiffe sind dagegen spätestens um 18 Uhr wieder unterwegs. Der Grund: Nur auf See dürfen die umsatzstarken Shops und Spielkasinos an Bord öffnen.

TIPP: Achten Sie bei der Auswahl der konkreten Kreuzfahrt auf die Liegezeiten des jeweiligen Schiffs in den Häfen. Auf manchen Kreuzfahrten sind die Zeiten so knapp bemessen, dass Sie fast zwangsläufig die oft teuren, an Bord angebotenen Ausflüge buchen müssen, weil die Zeit für individuelle Landgänge nicht ausreicht. Die angegebenen Liegezeiten sind immer Brutto-Zeiten. Das heißt, Sie können das Schiff in der Regel etwa 45 Minuten nach der Ankunft verlassen und müssen allerspätestens 30 Minuten vor Abfahrt wieder an Bord sein.

Wer vor allem das Schifffahren als solches genießen will, wählt eine Route mit vielen Seetagen und wenigen Hafenstopps – beispielsweise eine Transatlantik-Route oder eine so genannte Repositionierungsfahrt, bei der ein Schiff am jeweiligen Saison-Ende von einem Fahrgebiet ins Nächste wechselt, beispielsweise von Mittelmeer ins Rote Meer oder aus dem Nordland zu den Kanaren. Hauptzeit für Transatlantikreisen ist Frühjahr und Herbst, wenn die Schiffe von der Wintersaison aus der Karibik oder von Brasilien nach Europa fahren oder nach der Sommersaison in Europa zurück in wärmere Regionen gehen. Kürzere Repositionierungsfahrten finden beispielsweise von der mexikanischen Riviera nach Alaska oder von Dubai ins Mittelmeer statt.

Welches Schiff, welche Reederei

Auch wenn es zunächst nicht auf den ersten Blick einleuchtet: Die Auswahl der richtigen Reederei und anschließend des richtigen Schiffs ist essenziell. Denn auch wenn sich viele Schiffe im Äußeren und in der Ausstattung ähneln, bedient doch jede Kreuzfahrtgesellschaft unterschiedliche Zielgruppen. In der Regel haben Reedereien intern einen einheitlichen Standard und eine ähnliche Zielgruppe auf allen ihren Schiffen, deshalb ist die Reederei der erste Orientierungspunkt, bevor man sich ein konkretes Schiff aussucht – oder wahlweise die Fahrtroute wählt und dann auf das Schiff der gefundenen Reederei geht, das auf dieser Route fährt.

Denn was nützt die schönste Fahrtroute, wenn das Essen nicht schmeckt, die Tischgenossen beim Abendessen nerven und das Unterhaltungsprogramm an Bord so gar nicht den eigenen Geschmack trifft? Deutsche Schlager statt Broadwayshow, oder umgekehrt? Streichquartett statt Blues, oder umgekehrt? Was, wenn man sich auf einem zu großen Schiff verloren oder auf einem zu kleinen Schiff eingezwängt fühlt?

Klären Sie ganz persönlich für sich, welches Kreuzfahrterlebnis Sie möchten. Dabei helfen folgende Fragen:

Suchen Sie Kontakt oder bleiben Sie lieber für sich?

Je mehr Passagiere an Bord sind, desto weniger kommen Sie in Kontakt mit anderen Passagieren. Umgekehrt treffen Sie auf kleinen Schiffen immer wieder auf dieselben Leute, persönliche Gespräche und Kontakte ergeben sich daraus viel schneller.

Gibt es fürs Abendessen eine Tischordnung mit festen Plätzen, ergeben sich zwangsläufig Gespräche mit den Tischgenossen, denn meist gibt es in den Restaurants viele große Tische. Bei freier Platzwahl haben Sie sogar jeden Tag andere Tischgenossen, wenn kein kleiner Tisch frei ist. Wer diese Art von Kontakten als unangenehm empfindet, geht ins Buffet-Restaurant, verpasst dann aber auch besondere Anlässe wie das Captain’s Dinner.

Auch das Publikum an Bord spielt bei der Auswahl der Reederei und des Schiffs eine Rolle. Amerikaner sind sehr kontaktfreudig, aber unverbindlicher. Ein kurzer Smalltalk hier und da, eventuell auch ein gemeinsamer Landausflug sind schnell drin. Wir Deutsche neigen dagegen manchmal zu Kletten-Verhalten. Einmal ein nettes Gespräch an Bord kann dazu führen, dass man den Betreffenden die gesamte restliche Kreuzfahrt nicht mehr loswird. Hier sollte man sich für die Variante entscheiden, die einem persönlich sympathisch ist.

Muss die Bordsprache Deutsch sein?

Vor allem Kreuzfahrtneulinge machen sich oft unnötig Sorgen über die Bordsprache Englisch bei den international ausgerichteten, italienischen oder amerikanischen Reedereien. Erfahrungsgemäß reicht selbst eingerostetes Schulenglisch vollkommen für die Verständigung an Bord. Schließlich ist Englisch für die meisten aus Osteuropa und Asien stammenden Besatzungsmitglieder ebenfalls nicht die Muttersprache. Sie sind auf einfache Verständigung auch ohne die perfekte Grammatik bestens eingestellt.

Dafür gibt es bei den internationalen Reedereien die größte Vielfalt an Schiffen, sodass die vermeintliche Sprachbarriere nicht allein ausschlaggebend sein sollte bei der Auswahl der Kreuzfahrtgesellschaft.

Auf den meisten Schiffen findet man übrigens deutsche Gästebetreuer an der Rezeption, die bei unüberwindlichen Sprachproblemen aushelfen können. Auch Speisekarten und wichtige Informationsblätter sind oft auf Deutsch vorhanden.

Soll die Bordsprache auf jeden Fall Deutsch sein, ist die Auswahl auf relativ wenige Reedereien und Schiffe beschränkt: AIDA, TUI Cruises, Phoenix Reisen, Transocean und Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Plantours, FTI Cruises, Hansa Touristik.

Speziell italienisches Flair bieten MSC und Costa. Auf diesen Schiffen ist alles mehrsprachig, nicht jedes Crew-Mitglied spricht aber automatisch auch Deutsch. Ein wenig Englisch hilft auch hier oft weiter, Italienisch ebenfalls.

Welches Niveau erwartet man von seinem Traumschiff?

Bei den meisten Reedereien gelten Qualitäts-Standards flottenweit. Hat man sich grundsätzlich für eine Reederei entschieden, ist der wichtigere Teil geschafft. Bei der Auswahl des Schiffs spielen dann lediglich noch Faktoren wie Größe, Freizeitangebot und natürlich die Fahrtroute eine Rolle.

TIPP: Lassen Sie sich von der Werbung nicht blenden. Kreuzfahrten werden selbst bei günstigen Massenmarkt-Reedereien als „Luxus“ bezeichnet und mit mindestens vier, meist fünf Sternen angepriesen. Mit Fünf-Sterne-Standard von deutschen Hotels an Land ist das aber nicht unbedingt vergleichbar und vor allem gibt es keinen einheitlichen Standard, über den sich die selbst gemachten Sterne-Bewertungen der Reedereien miteinander vergleichen ließen.

Ein guter Orientierungspunkt ist der Katalog-Preis, denn der sagt bei Kreuzfahrten sehr viel über Niveau und Service-Qualität aus. Durch die große Konkurrenz kalkulieren Reedereien sehr knapp, sodass höhere Preise ihren Grund haben – beispielsweise in höherwertigen Rohstoffen beim Essen, besser ausgebildetem und zahlenmäßig mehr Personal pro Passagier. Kleinere Schiffe sind relativ gesehen teurer im Unterhalt als große. Ältere Schiffe haben höhere Betriebskosten als neuere.

Die folgende Klassifizierung soll einen ersten Anhaltspunkt geben, allerdings gibt es hier viele Ausnahmen und Besonderheiten einzelner Reedereien oder Schiffe, sodass die Übersicht nur als grobe Orientierung dienen sollte.

Mittelklasse: Kleinere, ältere Schiffe bieten das klassische Schiffsgefühl sowie lockere und familiäre Atmosphäre mit eher einfachem Unterhaltungsprogramm und gut bürgerlichem Essen, abgestimmt auf das typische Publikum im Rentenalter. Bordsprache ist meist Deutsch, die Preise sind im Vergleich zu Massenmarkt-Schiffen (Komfort- und Premium-Klasse) verhältnismäßig hoch. Reedereien: Phoenix, Plantours, Transocean, FTI Cruises, Hansa Touristik.

Komfort-Klasse: Moderne Schiffe mit rund 1.800 bis hin zu 6.000 Passagieren verfügen über ein sehr großes Freizeitangebot an Bord, große Pool-, Fitness- und Wellness-/Spa-Bereiche, umfangreiche Kinderbetreuung, Abendunterhaltung im Theater auf hohem Niveau. Sie bieten mehrere Restaurants, von denen einige nicht im Kreuzfahrtpreis inklusive sind. Reedereien: MSC und Costa (preisgünstig mit italienischem Flair, mehrsprachig), TUI Cruises und AIDA (rein deutschsprachig) sowie Carnival Cruise Line, Royal Caribbean International und Norwegian Cruise Line (internationales Publikum, englischsprachig).

Premium: Schiffe mit gehobenem Anspruch sind meist etwas kleiner als in der Komfort-Klasse, verfügen aber über ein ähnlich umfangreiches Freizeitangebot und oft auch Kinderbetreuung. Sie bieten insgesamt einen spürbar höheren Standard beim Service, Essen und Unterhaltung. Die Atmosphäre ist meist leger-elegant. Reedereien: Celebrity Cruises, Holland America Line, Princess Cruises, Disney Cruise Line, Cunard Line.

Premium Plus: Einige wenige Schiffe liegen im Niveau etwas oberhalb der Premium-Klasse, sind etwas größer als Luxus-Schiffe, aber nicht ganz so exquisit. Sie stellen einen legeren und angenehmen Kompromiss zwischen Premium- und Luxus-Klasse dar. Reedereien: Azamara Club Cruises, Oceania Cruises.

Luxusklasse: Vergleichbar mit Spitzenhotels an Land bieten diese eher kleinen Schiffe mit unter 1.000 Passagieren ein exzellentes Verhältnis Passagiere/Crewmitglieder von mehr als 2:1 bis hin zu fast 1:1. Reedereien: Silversea Cruises, Crystal Cruises, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten (Europa, Europa 2), Regent Seven Seas Cruises, Seabourn.

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