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Der beste Sex der Welt

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1. KAPITEL

„Toller Sex besteht nicht nur aus überwältigenden Orgasmen und Feuerwerk.“

Offensichtlich nicht, dachte Marissa Sturgess.

Sie lehnte sich auf ihrem Drehsessel zurück und kritzelte genervt auf ihrem Notizblock herum, während sie Francine Phillips zuhörte, der Klinikärztin aus dem berühmten Baxter and Jackson Research Institute, die zu dem Team der Softwarefirma Pegasus sprach, das sich um den großen Konferenztisch versammelt hatte. Das Pegasus-Team bestand aus den zwei verbliebenen Mitgliedern der Marketingabteilung – eines davon war Marissa –, einem Systemanalytiker, vier Programmierern und dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Pegasus, Judd Thompson.

Ginge es bei gutem Sex nur um exzellente Technik, hätte Marissa an diesem Morgen keinen Brief auf ihrem Küchentisch von ihrem Freund Steve vorgefunden, einem Investmentbanker, der ihre dreimonatige Beziehung beendete.

Sie sei viel zu verbissen und verkrampft, wie er sich ausdrückte. Besonders im Bett. Er brauche jemanden, der unbekümmerter, spontaner und amüsanter war.

Na schön. Offenbar war sie so verbissen, dass Steve es vorgezogen hatte, schriftlich mit ihr Schluss zu machen.

Dieser Feigling lief einfach davon und nahm ihr die Chance, seine Vorwürfe zu widerlegen.

„Unsere ausgedehnten Forschungen mit glücklich verheirateten Paaren haben uns gezeigt, dass zu gutem Sex nicht nur Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Aufrichtigkeit gehören, sondern vor allem …“ Francine machte eine Pause, als warte sie auf einen Trommelwirbel.

Marissa vertrieb die Gedanken an Steven J. Thortonberry und konzentrierte sich auf das Thema. Man musste nach vorn schauen, statt sich mit Gejammer über die Niederlage aufzuhalten. Außerdem machte ihr weniger der Verlust Steves zu schaffen als sein Vorwurf, sie sei im Bett zu angespannt.

„Du verhältst dich beim Sex, als ginge es um eine Firmenübernahme“, hatte er des Öfteren geklagt. „Kannst du dich nicht mal entspannen und den Augenblick genießen?“

Nein, das konnte sie eben nicht. Als einziges Kind von Brigadegeneral Dwight. D. Sturgess hatte sie gelernt, immer hundertzwanzig Prozent zu geben, auch beim Sex. Ihre Mutter war gestorben, als Marissa noch ein Baby war. Seitdem war sie mit ihrem Vater allein gewesen. In jungen Jahren hatte Marissa entdeckt, dass sie sich den Respekt ihres Vaters am leichtesten sicherte, wenn sie überall die Beste war.

Dieser Ehrgeiz hatte ihr im Berufsleben sehr geholfen. Im Privatleben jedoch …

Und jetzt stand diese grauhaarige, großmütterliche Frau hinter dem Pult am Kopf des Konferenztisches und referierte über die Grundlagen von gutem Sex. „Zu wirklich erfüllendem Sex gehört auch immer eine Portion Ausgelassenheit.“ Francine zeigte mit ihrem Laserpointer auf den Plasmabildschirm, auf dem eine lachende Frau auf einer Schaukel zu sehen war. Ein ebenfalls über das ganze Gesicht strahlender Mann gab ihr Schwung.

„Ausgelassenheit?“, wiederholte Dash Peterson, der andere Mitarbeiter aus dem Marketing.

„Spaß, Unbeschwertheit, Humor“, ergänzte Francine Phillips.

Dash zwinkerte Marissa anzüglich zu. Der Mann war ein absoluter Widerling, der sich einbildete, Marissa begehre ihn ebenso wie er sie. Außerdem war er ihr Hauptkonkurrent im Kampf um eine Beförderung. Unglücklicherweise war er nicht bloß ein Ärgernis, sondern auch verdammt gut in seinem Job.

Marissa ignorierte ihn und richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf Francine. Baxter and Jackson machten dreißig Prozent des Gesamtumsatzes von Pegasus aus, und da vorzeitige Wehen die bisherige Marketingleiterin gezwungen hatte, ihren Posten drei Wochen früher als geplant zu verlassen, war der Etat des Sex-Instituts plötzlich wieder zu haben. Wer das schaffte, hatte ausgezeichnete Chancen, der nächste Marketingleiter zu werden.

Marissa wollte diesen Posten um jeden Preis. Und was sie sich vornahm, bekam sie normalerweise auch.

Sie trug das Haar kinnlang – ein Bob war elegant und leicht zu pflegen. Eine Stunde am Tag verbrachte sie im Fitnessstudio, um ihre schlanke Figur zu behalten. Sie war keine strahlende Schönheit, hatte aber hübsche Wangenknochen und pflegte ihr Gesicht mit diversen Cremes und Packungen.

Und sie trug maßgeschneiderte Kostüme und sexy Lederpumps.

Sieh her, Dad. Ich bin ein Gewinnertyp.

Marissa war entschlossen, die renommierteste Marketingleiterin der Ostküste zu werden.

„Könnten Sie bitte diese Sache mit der Ausgelassenheit näher erläutern, Francine? Ich möchte ganz sicher sein, dass ich Ihrer Projektidee gerecht werde.“ Dash lächelte die Ärztin so breit an, dass alle vier Grübchen auf seinen Wangen erschienen.

Marissas angewiderter Blick verriet ihm, was sie von seiner schmierigen Kriecherei hielt.

„Selbstverständlich, Dash. Unsere Studien haben gezeigt, dass Spaß der Schlüssel zu langfristigem, monogamen Sex ist. Sie wären überrascht, wie viele Paare sich unbewusst nach spontanen, impulsiven Sexspielen sehnen.“

Was für ein Hokuspokus, dachte Marissa. Fangen spielen im Schlafzimmer hielt eine Ehe ebenso wenig zusammen wie Weihnachtstraditionen. Was eine Ehe erfolgreich machte, waren harte Arbeit, Hingabe und dass man sich den Problemen stellte. Ihrer Ansicht nach vereinfachte das Forschungsprojekt von Baxter and Jackson Beziehungen zu sehr. Aber sie waren die Kunden, und Marissa wurde nicht für ihre persönliche Meinung bezahlt.

„Sehr aufschlussreich“, bemerkte Dash. „Ihre Theorie erklärt, weshalb Marissa Probleme damit hat, einen Mann zu halten. Sie hat nämlich nicht die leiseste Ahnung, wie man Spaß hat.“

Wenn Steve sie nicht verlassen hätte, hätten Dashs Worte Marissa wie üblich kalt gelassen. Aber heute hätte sie ihn am liebsten gewürgt.

Judd Thompson, der am anderen Ende des Konferenztisches saß, räusperte sich. Er war Mitte fünfzig, sah aber zehn Jahre jünger aus und war der beste Computerfachmann weit und breit.

Judd erwartete viel von seinen Angestellten, doch war er nicht so fordernd wie ihr Vater.

Marissa war begierig, von ihm gelobt zu werden. Wenn Judd mit ihr zufrieden war, war sie auch zufrieden.

„Können wir diesen Kleinkrieg für einen Moment unterbrechen, damit Francine uns ihre Vorstellungen weiter erläutern kann?“

Marissa nickte, nahm Haltung an und mied Dashs Blick.

„Danke, Judd“, sagte Francine. „Was wir von Pegasus wollen, ist eine andere Software als die, die Sie für uns in der Vergangenheit entwickelt haben. Wir sind an einem virtuellen Videospiel interessiert, das Paare, deren Liebesleben fade geworden ist, zu Sexspielen anregt. Und unseren Patienten soll es helfen, sich gehen zu lassen und Spaß zu haben.“

„Aber wir entwickeln keine Videospiele“, meldete sich einer der Programmierer zu Wort. „Gerade bei Virtual-Reality-Spielen sind ganz andere Fähigkeiten erforderlich.“

„Da finden wir sicher eine Lösung“, sagte Marissa. „Ich bin bereit, alles zu tun, damit Baxter and Jackson zufrieden ist.“

„Ich kenne einen freiberuflichen Designer“, verkündete Dash.

„Uns schwebt bereits ein ganz bestimmter Designer vor“, erklärte Francine. „Beau Thibbedeaux. Ich nehme an, Sie alle kennen seine Arbeit.“

Ein ehrfürchtiges Raunen ging durch den Raum. Jeder in der Softwareindustrie hatte schon von Beau Thibbedeaux gehört, dem wohl besten Videospieldesigner.

Dash, Judd, die Leute von der Systemkoordination und die vier Programmierer tauschten Blicke. Marissa kannte nicht die ganze Geschichte des Skandals um Beau Thibbedeaux, aber anscheinend war sie bemerkenswert. Der Mann war der Star der größten Videospielfirma des Landes gewesen. Als kreatives Genie bejubelt, war er seiner Zeit weit voraus. Aus den Gerüchten hatte Marissa herausgehört, dass er es hasste, gedrängt oder unter Druck gesetzt zu werden.

Den Gerüchten zufolge war er mit einem sehr einflussreichen, sehr ungeduldigen Auftraggeber aus Übersee in Konflikt geraten. Beau hatte sich von einem Moment auf den anderen zurückgezogen.

Marissa würde lieber sterben, als ihren Arbeitgeber zu enttäuschen, egal wie schwierig das Projekt oder der Kunde wäre.

„Beau ist nicht mehr im Geschäft“, erklärte Judd, doch seiner Miene entnahm Marissa, dass er liebend gern derjenige wäre, der Thibbedeaux nach Manhattan zurücklockte.

„Ich habe gehört, dass er wie ein Einsiedler lebt“, fügte ein anderer Programmierer hinzu.

„Er hat sich vor über zwei Jahren zur Ruhe gesetzt“, sagte Dash. „Angeblich besitzt er ein Restaurant oder eine Bar in New Orleans.“

„Wir hatten gehofft, Pegasus könnte ihn aus dem Ruhestand zurückholen.“ Francine schaute in die Runde.

„Es gibt noch jede Menge anderer fähiger Designer“, sagte Judd. „Jack Firestein, Ashley Henning oder Blair Downey, um nur einige zu nennen.“

„Aber keiner von denen besitzt Beaus Gespür für echten Spaß. Wir haben seine Videospiele ausprobiert. Er ist genau der, den wir wollen.“

„Ich habe einmal mit Beau zusammengearbeitet. Er ist absolut unzuverlässig und stur. Er wird nicht zurückkommen“, sagte Dash.

„Ich bedaure, dass Sie das sagen.“ Francines Miene spiegelte ihre Enttäuschung wider. „Wenn Pegasus das nicht für uns leisten kann, gibt es vielleicht einen anderen Softwareentwickler, der das ermöglicht.“

Aha, allmählich wurde die Sache interessant. Wieso bestand Francine auf Thibbedeaux?

„Seien Sie vernünftig, Francine“, versuchte Judd sie zu besänftigen. „Wenn der Mann im Ruhestand ist, können wir nichts machen.“

„Wir wollen Thibbedeaux.“ Francine verschränkte die Arme vor der Brust. Sie würde nicht nachgeben.

Judds und Marissas Blicke trafen sich. Sie kannte diesen Blick, der sagte: Sind Sie nicht meine Trumpfkarte? Das machte sie stolz.

Lass dir deine Chance nicht entgehen.

Marissa stand auf. „Ich kann es schaffen“, verkündete sie, ohne groß nachzudenken.

Francine strahlte. „Das ist die Einstellung, die ich mir wünsche.“

Marissa hatte die Oberhand, und sie wusste es. Francine wollte Thibbedeaux unbedingt.

„Wir werden mehr Geld brauchen“, wagte Marissa sich vorsichtig vor, stolz auf ihre eigene Unverfrorenheit. „Diese Arbeit geht über das hinaus, was wir gewöhnlich für Baxter and Jackson machen, daher liegt der Preis auch fünfundzwanzig Prozent über unserem sonstigen Honorar.“

„Fünfzehn.“

„Zwanzig“, feilschte Marissa weiter. „Plus Reisespesen.“ Sie sah, wie Judd den Wortwechsel aufmerksam verfolgte, ein breites Grinsen auf seinem Gesicht. Seine Anerkennung spornte sie an.

„Können Sie mir zusichern, dass Sie Thibbedeaux bekommen?“, wollte Francine wissen.

„Hundertprozentig. Sie haben mein Wort.“

Judd stand auf. „Würden Sie uns bitte für einen Moment entschuldigen?“

„Selbstverständlich“, erwiderte Francine und hob den Zeigefinger. „Aber ich verlasse mich darauf, dass Marissa sich an ihr Versprechen hält.“

Kaum war die Tür hinter Francine zugefallen, lachte Dash verächtlich.

„Was ist denn so lustig?“, fragte Marissa finster und legte die Hände auf die Hüften.

„Du bist erledigt.“

„Halt einfach den Mund.“

„Ich sehe dich schon auf deinen schicken Manolo Blahniks und in deinem hübschen schwarzen Minikleid durch die Sümpfe Loui­sianas staksen, bei dem Versuch, einen Mann umzustimmen, der störrischer als ein Pitbull ist. Der wird nie in die Stadt zurückkehren, die er hasst.“

„Übertreibst du da nicht ein bisschen?“ Marissa sammelte ihre Unterlagen ein. Dash war nur neidisch, weil sie ihm zuvorgekommen war.

„Und vergiss nicht, dass du Thibbedeaux dazu bringen musst, ein Sex-Videospiel zu entwickeln.“ Er lachte schon wieder. „Ich kenne Beau. Das wird nicht passieren. Wenn du kleinlaut wieder hier auftauchst, werde ich der neue Marketingleiter und damit dein Vorgesetzter sein.“

Dash wusste genau, wie er sie nervös machen konnte, doch falls er glaubte, sie damit einschüchtern zu können, hatte er sich getäuscht. „Du bist ja bloß beleidigt, weil ich vor dir den Mut hatte, mich auf dieses Projekt einzulassen.“

Judd lachte. „Jetzt hat sie’s Ihnen aber gegeben, Peterson.“

„Nein, ich versuche sie nur davor zu bewahren, sich zu blamieren. Ich kenne Thibbedeaux, sie nicht. Aber wenn sie unbedingt dumm dastehen will, werde ich sie nicht aufhalten“, erklärte Dash mit einer wegwerfenden Handbewegung.

Marissa sah zu Judd. „Bekomme ich den Etat von Baxter and Jackson?“

„Sie haben ausgezeichnet verhandelt, Marissa. Ich bin stolz auf Sie“, sagte ihr Boss.

Sie saugte sein Lob gierig auf.

Aber Judd war noch nicht fertig. „Trotzdem hat Dash recht. Es wird nicht leicht werden, Thibbedeaux an Bord zu holen. Der Mann ist ein Exzentriker.“

„Sie glauben nicht, dass ich mit ihm fertigwerde? Ich habe auch meinen Charme, Judd.“ Sie klimperte mit den Wimpern.

„Ihren Sex-Appeal stelle ich gar nicht infrage. Aber Thibbedeaux ist unberechenbar. Es ist besser, jetzt einen Rückzieher zu machen, als zu versagen. Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können.“

„Wenn ich es nicht versuche, verlieren wir Baxter and Jackson als Kunden.“ Marissa liebte Herausforderungen, und diese war einfach zu verlockend. Das und die Vorstellung, es Dash zu zeigen. „Ich garantiere Ihnen Thibbedeaux, wenn Sie mir den Posten des Marketingleiters zusichern.“

„Abgemacht“, sagte Judd.

Ja! In Gedanken führte Marissa einen Freudentanz auf. Sie wusste schon, wie sie ihren Sieg über Dash feiern würde. In den letzten Wochen hatte sie mit einem Paar silberblauer Jimmy-Choo-Slingpumps zu sechshundert Dollar geliebäugelt. Jetzt, wo sie die Beförderung praktisch in der Tasche hatte, konnte sie sich diesen Einkauf leisten.

Dash fing sie nach dem Meeting auf dem Flur ab. „Hast du Lust, die Sache noch ein bisschen interessanter zu machen?“

„Was schwebt dir denn vor?“, fragte Marissa misstrauisch.

„Ich wette fünfhundert Dollar, dass du Thibbedeaux nicht bekommst.“

Marissa starrte ihren Konkurrenten an.

„Ich wette, du musst mit ihm schlafen, um zu bekommen, was du willst.“

„Du bist ein solcher Mistkerl, weißt du das? Ich brauche mich nicht auf dein Niveau hinabzubegeben. Ich kann Beau Thibbedeaux auch ohne Sex als Lockmittel dazu bringen, den Job anzunehmen.“

„Tausend Dollar, dass du es nicht schaffst.“ Er hielt ihr die Hand hin.

Was soll’s, dachte sie. Sie hatte ja gerade bewiesen, dass sie besser verhandeln konnte als Dash.

„Abgemacht“, sagte sie und schlug ein.

2. KAPITEL

„Wann hattest du zum letzten Mal Sex?“, fragte Remy Thibbedeaux seinen älteren Halbbruder und stillen Teilhaber Beau.

Remy wischte den Tresen und stellte für die Happy Hour frische Erdnüsse hin. Die Tür stand offen, und einige Touristen schlenderten vorbei. In ein paar Wochen würden die Straßen voller Menschen sein, um Mardi Gras zu feiern, den Karneval in New Orleans.

Doch an diesem Nachmittag war das kleine Lokal in der Bourbon Street leer bis auf die beiden Brüder und Leroy Champlain, einen blinden Jazzmusiker, der an einem der hinteren Tische ein Nickerchen hielt und die Sonne genoss, die durch die geputzten Fenster hereinfiel. Beaus pingeliger Bruder hielt das Lokal sauberer als einen Operationssaal, was eine ziemliche Leistung war, wenn man bedachte, wie alt es war.

Beau saß kippelnd auf einem der Rohrstühle, seine New-York-Yankees-Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen, und trank einen Schluck Bier. „Das geht dich nichts an.“

„Ich mache mir Sorgen um dich, Beau. Du hängst trübsinnig herum und hast nichts zu tun.“

„Ich bin nicht trübsinnig“, widersprach er. „Und ich hänge nicht herum, sondern denke über meine Möglichkeiten nach.“

„Es ist über achtzehn Monate her, seit du mit Angeline Schluss gemacht hast.“

„Ich habe nicht mit ihr Schluss gemacht, sondern sie mit mir.“

„Weil du ihr keinen Heiratsantrag gemacht hast.“

„Ein Mann lässt sich nicht gern drängen.“

Remy schnaubte verächtlich. „Ihr wart fünf Jahre zusammen. Ich kann verstehen, dass sie endlich heiraten wollte.“

„Mich hat nicht die Ehe abgeschreckt. Angeline und ich passen einfach nicht zusammen.“

„Fehlt es dir manchmal?“, fragte Remy nach einer Weile.

„Was?“

„Videospiele zu entwickeln.“

„Das mache ich noch immer.“

„Aber nicht für Geld“, sagte Remy. „Anspruchsvolle Computerspiele für meine Kinder zu entwerfen zählt nicht.“

„Etwas für Geld zu tun bedeutet doch nur, dass man sich verkauft.“

„So spricht der reiche Mann.“

„Fang nicht schon wieder damit an.“ Beau hob mahnend den Zeigefinger. Der einzige immer wiederkehrende Streitpunkt zwischen ihnen war Beaus Mutter.

Francesca Gregoretti Thibbedeaux MacTavish Girbaldi stammte aus einer reichen Familie und hatte einen Hang zur Dramatik. Sie konnte ihren Stammbaum zurückverfolgen bis zu Christoph Columbus und glaubte, dass ihr das Leben dementsprechend etwas schuldete.

Sie lernte Beaus Vater mit sechzehn kennen, während einer Amerikareise mit einem Arbeitsvisum als Model. Sie erlag Charles Thibbedeaux’ Charme und er ihrer Schönheit, ohne zu wissen, dass Francesca aus einer der reichsten Familien Europas stammte. Als Francesca schwanger wurde, heiratete Charles sie pflichtbewusst vor einem Friedensrichter und zog mit diesem schicksalhaften Schritt den Zorn des mächtigen Gregoretti-Clans auf sich. Damit bereitete er die Bühne für das Schlachtfeld, auf dem sich Beaus Kindheit abspielte.

Er machte alles durch mit seiner Mutter. Die Scheidung, Familienstreitigkeiten, die nächste Scheidung, die vielen Liebhaber, weitere Scheidungen. Aber am schmerzlichsten waren die langen Trennungen von seinem Vater und seinen beiden Halbgeschwistern.

Francescas kleine Dramen spielten sich vor luxuriösen Kulissen überall auf der Welt ab. In einem Chalet in den Schweizer Alpen. In einer Villa in Italien. In einem Schloss in Schottland. In der Concorde. Auf der Jacht eines griechischen Reeders. Im Orientexpress. Von Las Vegas nach New York oder Hongkong zog Beau mit Francesca von einer menschlichen Katastrophe zur nächsten.

Er dachte nicht gern an die Vergangenheit.

„Du brauchst ein Ziel im Leben.“ Remy warf sich das weiße Handtuch über die Schulter und setzte sich Beau gegenüber. „Du lässt dich treiben.“

„Ich warte.“

„Worauf?“

„Das werde ich wissen, wenn ich es gefunden habe“, lautete Beaus Antwort.

In diesem Moment war das Klappern hoher Absätze auf Beton zu hören, und ein Hauch teuren Parfüms veranlasste Beau, zur Tür zu sehen.

Eine attraktive Blondine kam mit der Kraft eines Orkans hereingerauscht. Beau kannte diesen Typ. Er hatte solche Frauen jeden Tag auf den Straßen New Yorks gesehen. Sie waren ernsthaft und entschlossen. Hart. Erfolgsorientiert. Ichbezogen. Er hatte sie beobachtet und bemitleidet.

Es gab in ihrem Leben keine Verbundenheit mit etwas wirklich Bedeutungsvollem. Alles drehte sich nur um Geld, Status und Image.

Sie schien Mitte zwanzig zu sein, also ein paar Jahre jünger als er mit seinen neunundzwanzig. Ihr Make-up war perfekt. Sie trug ein dezentes, aber teures langärmeliges Kleid aus blauer Seide, in einem klassischen Schnitt, der von anspruchsvollen Geschäftsfrauen bevorzugt wurde, die einen professionellen Eindruck vermitteln wollen, ohne ihre Weiblichkeit zu verbergen. Unter den einen Arm hatte sie eine schmale schwarze Aktenmappe geklemmt, in der anderen Hand trug sie eine kleine blaue Handtasche, passend zu ihrem Kleid.

Das einzige Detail, das sich abhob, waren ihre ausgefallenen Schuhe. Es handelte sich um silberblaue Stilettopumps, völlig ungeeignet, um im French Quarter umherzuschlendern, aber hervorragend, um ihre tollen Beine zur Geltung zu bringen.

Ihr Gesicht war eher faszinierend als klassisch schön. Sie hatte nicht die Figur dieser magersüchtigen Models, und das gefiel Beau.

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