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Der aufrecht gebückte Mensch

Vorabinformation

Dieses Buch ist kein Ratgeber zum Glücklichsein, erhebt keinerlei Anspruch auf „die ultimative Lösung aller Probleme“für dieses eine, wunderbare geliehene Leben, auf einem einzigartigen Planeten, in diesem riesigen Universum, dessen Verantwortung wir nur allzu leicht auf sehr fragwürdige Mitmenschen um uns herum, übertragen.

Der Autor:

Der 1962 in Köln geborene Autor Wolfgang Paul lebte über 25 Jahre in seiner Heimatstadt Köln bevor er seine Frau Ute kennenlernte und einen weiteren Großteil seines Lebens im schönen grünen Wuppertal verbrachte.

Aktuell lebt das Ehepaar in Wermelskirchen, der jetzigen Wahlheimat des Autors.

Der Autor ist seit 33 Jahren mit seiner Frau Ute verheiratet und sie haben einen gemeinsamen, erwachsenen Sohn.

Die Hobbies des Autors sind neben dem Schreiben, das Erlernen von Sprachen und Sport.

Die Familie steht jedoch für den Autor im Mittelpunkt.

Kontaktadressen des Autors:

https://autor-wolfgang-paul.jimdofree.com/wolfgang.paul-autor@web.de

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort

Sind unsere einstigen Ideale denn wirklich alle havariert? Diese Menschen um uns herum, sie lösen Begeisterung und Kopfschütteln aus. Sie sind Gut und Böse. In beiden Richtungen teilweise extrem.

Mir lag dieses Thema wohl schon immer am Herzen. Und aus eigener Erfahrung, die zwangsläufig nicht immer verletzungsfrei ablief - weder im physischen, noch im psychischen Teil jener Erlebnisse - kann ich das zwiespältige Verhalten nur einmal mehr bestätigen. Minderwertigkeitskomplexe wechseln sich mit Selbstsicherheit ab, Unsicherheiten mit Selbstgefälligkeit. Ein ständiger Widerspruch in sich.

Wir leben auf einem Planeten, auf dem die Menschen nur Mieter einer geliehenen Zeit und erst recht eines geliehenen Lebens sind. Sind wir uns dessen immer vollumfänglich bewusst?

Wir kommen nicht umhin, uns für dieses Leben relevante, persönliche Werte zusammenzustellen und die Konsequenzen für unser Handeln zu übernehmen. Für jede Aktion. Immer. Tatsache ist, dass wir diese uns eigenen, individuellen Werte oft vorschnell als eine erweiterte Anforderung an unsere Mitmenschen stellen. Wir setzen voraus, dass sie denselben Werten folgen. So gleich wir alle sind, so wenig verstehen wir uns. Da ist selbst eine gemeinsame Sprache keine Lösung.

Wir vergessen allzu leicht, dass auch sie, diese Personen um uns herum, ihren Anforderungskatalog längst beschrieben haben - wir uns also in einem wechselseitigen Kontext unserer Handlungen befinden.

Unsere eigenen Maßstäbe sind zumeist die, die wir rigide durchzusetzen versuchen. Erst mitten in diesem Prozess bemerken wir, dass wir unser Umfeld miteinbeziehen müssen, um Kollateralschäden zu vermeiden. Schäden, die zwangsläufig entstehen, sobald wir unsere Handlungen stur durchziehen wollen.

Aber Leben kann einfach sein. Wir wissen das, verfallen aber so schnell in alte Muster, dass wir oftmals nicht schlecht über uns selbst staunen. Wer ist dieser Mensch und warum tut er das gerade? Wir halten uns selbst den Spiegel vor. Aber wir sehen uns nicht!

Nun ist es aber genau dieser Spiegel, in dem uns andere sehen. In ihm erkennen nur die „Weisen Dechiffrierer“ den eigentlichen Menschen. Sie sind in der Lage, unsere menschliche Komplexität in einen einfachen Fokus zu bringen und essentielle Fragen zu beantworten: Warum verhalten wir uns merkwürdig, ja manchmal geradezu absurd? Warum sind wir ein so guter Mensch? Warum werden wir zum Mörder? Warum jagen wir einer Glückseligkeitsformel nach, die wir längst gefunden haben müssten? Unser Wesen machen so viele Unstimmigkeiten aus, dass wir manchmal an uns selbst zweifeln. Sogar verzweifeln. Nicht nur unser Partner, unsere Partnerin, unser Freund oder unsere Freundin, ja nicht nur unsere Familie ist in der Lage, uns zu sehen, wie wir wirklich sind. Hier lassen wir uns fallen und öffnen uns. Hier zeigen wir den wahren Menschen. Es sind all diese Personen, die uns auf unserer verzweifelten Suche genau das geben, wonach wir suchen: ein wenig Anerkennung, Liebe und Wärme.

Nichts davon wäre als unmöglich zu bezeichnen, da wir durchaus bereit sind, dasselbe zu leisten. Erst durch diese greifbare Möglichkeit, etwas von all diesen Dingen abzubekommen, schaffen wir uns die Grundlage eines vielleicht entspannten Lebens. Diese wenigen Dinge vermögen es, die Lücke unserer inneren Minderwertigkeit mit Akzeptanz, bis hin zum Selbstwert eines jeden Einzelnen, zu füllen. Werte, die uns am Ende großmachen.

Es sind die Menschen selbst, die uns aufbauen oder auch zerstören können.

Haben wir einmal das scheinbare Glück erreicht, sind wir dennoch immer auf dem Sprung, sind misstrauisch - weil wir vermuten, dass da doch irgendwas faul sein muss an diesem scheinbaren Glück. Wir suchen förmlich nach irgendetwas, was da auf uns noch zukommen könnte und uns dieses kurze, so flüchtige Glück wieder wegnimmt. Unser Misstrauen überwiegt selbst in Glücksmomenten. Schon deshalb scheint eine Formel des Glücks einen extrem großen Divisor mit sich zu bringen. Dabei ist Glück eigentlich so einfach, wie es sich darstellt - genau wie der Sinn des Lebens, dessen Hinterfragung eine unserer Hauptbeschäftigungen zu sein scheint.

Leider vermag auch niemand die für Sie ultimative Lösung zu vermitteln, noch wird jemand einen Anspruch auf eine Lösung dieses Problems erheben.

Sehr wohl aber denke ich, Ihnen einen neuen, anderen Ansatz liefern zu können, eine veränderte Sichtweise der Dinge. Eine neue Möglichkeit, uns, den Menschen, neu zu betrachten. Und wer weiß: Vielleicht finden Sie den ein oder anderen Schlüssel für das Schloss einer Türe, die Sie schon lange öffnen wollten.

Denn Menschsein erhebt bei Weitem nicht den von uns künstlich erzeugten hohen Anspruch. Mit ein wenig Selbstreflektion stellen wir fest, dass viele Probleme von uns selbst erzeugt und damit in unser virtuelles Gepäck gelegt wurden - durch unnötig hohe Ansprüche. Wie schon die Gruppe Silbermond in einem ihrer Liedtexte sang, „reist es sich besser mit leichtem Gepäck.“

Die Frage, die uns am Ende bleibt: Warum werfen wir unser unnötiges Gepäck nicht einfach ab und begeben uns endlich auf eine Reise, uns selbst besser verstehen zu lernen?

Wir, die Menschen auf diesem Planeten,

Wir haben versagt,

in allen Bereichen unseres Lebens

und in all unseren Bemühungen.

Das jüngste Gericht wird kommen,

und wir haben uns vor diesem

für unser untätiges

Handeln auf Erden zu rechtfertigen

ebenso

für all unsere unterlassenen Hilfeleistungen.

Und nur ein jüngstes Gericht allein

wird entscheiden, ob es Gnade walten lässt

oder uns für unser Tun sühnen lassen wird.

Auf ewig!

Denn wir haben versagt

Wolfgang Paul

(der Autor dieses Buches)

Prolog

Der Mensch. Ein Wesen, so widersprüchlich wie es nur sein kann. Vom Einzeller bis zum Mehrzeller in nur ein paar Millionen Jahren. Was auf der Zeitschiene der Entstehung des Universums wahrhaftig nur eine kurze Zeitepoche darstellt. Und doch bleibt es bei einem unausgereiften Produkt - bis zum heutigen Tag. Wir befinden uns lediglich in einem vollkommen unausgereiften Zwischenstand, auf dessen nächsten Entwicklungssprung wir noch zu warten haben. Denn den jetzigen Zustand kann man weder als ausgereift bezeichnen, noch wäre die Bezeichnung „intelligenteste Spezies im Universum“ als eine wirklich vertretbare, gar haltbare, These anzusehen. Schaut man genau hin, dann erkennen wir nur allzu leicht: Wir sind nicht nur fehlbare Wesen, sondern auch noch innerlich zerrissen. Hin- und hergerissen zwischen dem hohen Anspruch an uns selbst und dem eines eventuell im Hintergrund agierenden Erschaffers. Dazu die allgegenwärtige Frage nach dem Sinn unserer derzeitigen, auf diesem Planeten existenten Lebensform. Diese Frage nach dem Sinn des Lebens begleitet uns unablässig in unserer nur allzu kurzen Zeit auf dieser einen, geliehenen Welt. Mit dieser ständigen Unsicherheit einhergehend fühlen wir einen beinahe physischen Schmerz, verbunden mit der Sehnsucht, endlich eine Antwort auf diese Frage zu erhalten. Gefangen in diesem Dilemma, erkennen wir leider nicht, dass wir längst anfingen, unsere eigene Geschichte zu schreiben.

Nicht nur in dem Moment, als uns Leben in unsere körperliche Proteinstruktur eingehaucht wurde, sondern vor allem dann, wenn all unser Handeln erlebbare Konsequenzen mit sich bringt. Für uns und alle Beteiligten auf diesem Planeten. Denn Ursache und Wirkung stehen immer in einem untrennbaren Zusammenhang.

Wir alle und jeder Einzelne suchen zum Ausgleich einer inhärenten Minderwertigkeit nach der ultimativen Formel der Glückseligkeit, um den Mangel unserer Fehlbarkeit überwinden zu können - und diesem irdischen Leben einen Sinn zu geben. Warum? Weil wir eigentlich nicht wirklich wissen, wie „Leben“ geht. Bis heute suchen wir nach einer Art Gebrauchsanweisung. Denn die hat man einfach vergessen, uns auf unserem kurzen irdischen Weg mit ins Marschgepäck zu legen.

Wir suchen verzweifelt nach der einen ultimativen Formel zur Glückseligkeit, die aber oftmals näherzuliegen scheint, als wir es wahrhaben wollen. Denn wir sind skeptisch. Von Haus aus. Einer langanhaltenden Phase der Glückseligkeit zu vertrauen, liegt uns nicht. Das wäre verdächtig. Wir hoffen auf das Gute, erwarten aber vielmehr das „Schlechte“. Und bisher hat uns Nichts und Niemand eine Verlässlichkeitsgarantie bieten können, noch eine Gewährleistung versprochen - für dieses diffizile kleine Stück Leben. Aber in uns brodelt es.

So müssen wir erkennen, dass wir uns in einem riesengroßen Dilemma befinden. Ein ständiger innerer Konflikt, den wir kaum in der Lage sind, zu bewältigen. So sehr wir uns auch bemühen. Wir streben nach Besserem, nach dem Guten in uns – und finden lediglich ein mörderisches Erbe, das in uns schlummert. So sehr wir uns auch dagegen wehren, wir müssen uns eingestehen, dass es wohl kein anderes Wesen in diesem Universum gibt, das solch einer Polarität zwischen Gut und Böse ausgesetzt ist.

Natürlich versuchen wir, dieser Polarität zu entgehen. Doch statt ihr zu entkommen, verlaufen wir uns mehr und mehr. An einem Mangel an Zeit kann es nicht gelegen haben. Schließlich standen uns insgesamt Milliarden Jahre zu. Ein Zeitkontingent, das durchaus genügt hätte, uns aus allen Fesseln fehlgeleiteter Entscheidungen zu befreien. Zumal die Anfänge durchaus sehr vielversprechend aussahen - nicht weniger unsere einstigen moralischethischen Werte. Anfänglich verfolgten wir unsere guten, moralisch vertretbaren Ziele beharrlich und unbeugsam.

Doch entlang unserer langen Evolutionskette scheinen uns all diese Grundprinzipien eines moralisch-ethischen Anspruchs abhandengekommen zu sein. Jegliches Charisma und unsere einstige Gradlinigkeit scheinen aus unserer Genkodierung verschwunden. Aus dem einst aufrechten Menschen ist der neuzeitlich sozialisierte, letztlich werteverbogene Mensch geworden. Das Wir musste dem Ich weichen. Aus dem vormals introvertierten Ich trat der heutige Egomane hervor - und verteidigt nur allzu überdeutlich seine Rolle. Dass er dabei das „Wir“ dafür opferte, den Grundpfeiler ganzer Generationen, ist für diesen Neuzeitmenschen absolut belanglos.

Nun steht einzig und allein dieses menschliche Wesen im Mittelpunkt. Ein Geschöpf, das den Fokus schon seit Jahrtausenden immer wieder so gewaltsam auf sich zieht, um seiner latenten Minderwertigkeit endlich entkommen zu können und nicht im Sumpf der Allgemeinheit unterzugehen - und das mit einer unsäglichen Lautheit, mit all seiner verzweifelten Kraft, die ihm zur Verfügung steht.

Dieser Mensch ist es, in seiner ganzen einzigartigen Lebensform, der wie kein anderes Wesen in diesem Universum je so vollkommen unvollkommen sein wird.

So wie der Säugling in seinen

Bewegungen

das Gefühl der Unzulänglichkeit verrät,

das unausgesetzte Streben

nach Vervollkommnung und

nach Lösung der Lebensanforderungen,

so ist die Geschichte der Menschheit

als die Geschichte des

Minderwertigkeitsgefühls

und seiner Lösungsversuche anzusehen.

Alfred Adler (1870-1937), österreichischer Arzt und Tiefenpsychologe, Begründer der Individualpsychologie

Urknall oder handwerkliche Kunst?

Wenn man wirklich der Urknalltheorie folgen will, muss man nicht nur davon ausgehen, dass der hierdurch entstandene Raum sich durch eine reine Zufälligkeit ergeben hat, sondern auch, dass ein Leben in einem solch großen, gar unendlichen Universum sich als reiner Zufall entpuppt. Vermutlich trafen schlicht alle nötigen Voraussetzungen, die zur Erschaffung einer Lebensform notwendig sind, zu einem einmaligen, unwiederbringlichen Zeitpunkt zusammen. Einen Zeitpunkt, den niemand exakt zu bestimmen weiß. Dennoch: Die Wissenschaft lässt keinen Zweifel daran, dass - auf den Punkt genau - alle notwendigen Ingredienzien, in exakt der benötigten Menge, vorhanden gewesen sein müssen. Dass infolgedessen nicht nur ein Weltall von schier unfassbarer Weite entstanden sein soll, sondern zudem noch ein anfänglich primitiver Organismus, dem heutigen Menschen - so viel Zufälligkeit kommt uns dann doch unheimlich vor. In den Jahrmillionen einer sich ständig verändernden Welt, eines sich ewig ausdehnenden Universums, haben wir alle organischen Phasen durchlaufen. Bis hin zum Menschen selbst. Ob es dabei nur ein „Keim“ war, der dazu führte, dass eine bloße Zelle sich über Jahrmillionen so veränderte, dass ein Lebewesen daraus geschaffen wurde, mag abstrakt klingen – ist aber auch nicht widerlegbar.

Würde man chemisch-biologische Prozesse betrachten, wäre es auch denkbar, dass die Flüsse, Seen und Meere – also sämtliche Flüssigkeitsträger - sowie die darin befindlichen pflanzlich-organischen Verunreinigungen die Basis einer Materie darstellten, die im Zusammenspiel mit dem Sonnenlicht einen katalytischen Vorschubimpuls bekam. Eine erste entscheidende Initialzündung zum Start in eine spätere Lebensstruktur. Worin die Ursache auch liegen mag - Die vergangene Zeit, die vielen Millionen Jahre, mussten notwendig gewesen sein, um die Lebensform „Mensch“ zu erschaffen.

Ob hinter all dem eine Planung steckte, die voraussetzen würde, dass ein Wesen im Hintergrund agiert, wird uns jedoch ewig ein Rätsel bleiben.

Was aber nur allzu verständlich ist: Das neu geborene Menschlein, mit dem ihm zu eigen stehenden Verstand, muss mehr als überfordert gewesen sein. Wie soll man das auch verstehen? Dieses unendliche Universum. So groß, dass es der menschliche Verstand nicht erfassen kann. Und auch was der Begriff „unendlich“ in seiner schieren Unvorstellbarkeit vermitteln soll, ist dem Menschen bis zum heutigen Tage ein Rätsel. Zu viele Interpretationsmöglichkeiten. So unendlich groß das Universum auch sein mag, der menschliche Verstand dagegen ist beschränkt. Geradezu ein hoffnungsloses Unterfangen, all jene Informationen, die einem so früh zuteilwurden, zu verarbeiten.

Man könnte sogar sagen, dass es auf unserem Weg zu allerlei Fehlinterpretationen gekommen ist. Denn, kaum ein Selbstbewusstsein erlangt, haben wir dem uns innewohnenden Forscherdrang nachgegeben, um unsere Umgebung zu erkunden.

So, wie es auch Kleinkinder tun, sobald sie in der Lage sind, mit ersten Bewegungen ihre Welt zu entdecken. Dennoch ist es alles in allem verständlich, dass der Mensch sich, mit all seinen verbündeten Artgenossen, heftigst dagegen wehrte anzuerkennen, dass seine Erde auf der er lebt, rund sei. Eine weitere, versteckte Andeutung der Unendlichkeit des ihn umgebenden Raums? Sollte nun aber das Universum eine solch mächtige Größe haben und der Mensch im Vergleich so winzig sein, muss es für den Menschen doch irgendeinen Ausgleich geben. Oder?

Wie sollten wir sonst in der Lage sein, zu erfassen, was auf und außerhalb unserer Erde vorgeht.

Und es gibt ihn, diesen Ausgleich: unsere innere Datenverarbeitungszentrale – das Gehirn. Leider scheinen wir aber im Inneren manchmal genauso gespalten zu sein, wie unser Gehirn in zwei Hälfen geteilt ist. Dennoch: Hier sitzt unsere vermeintliche Intelligenz. Ein immens großer, organischer Datenspeicher, der alles Erlebte zu ordnen versucht. Von der Geburt bis zum Tod. Zwei Hälften, die zur Verfügung stehen, um alle Eindrücke in Bildern und in gesprochener Sprache für immer und ewig abzuspeichern. Selbst Sinneseindrücke wie Gefühle oder Gerüche, die mit einem bestimmten Erlebnis auf ewig verknüpft sind, lassen sich auf diesem einzigartigen, organischen Datenspeicher ablegen.

Die Frage nach einer kapazitiven Speicherknappheit konnte bisher nicht geklärt werden. Sollte sich vielleicht mit diesem organischen Speicher die Entschlüsselung jener Unendlichkeit finden lassen, um einen endgültigen Beweis zu erhalten, dass jede Unendlichkeit am Ende doch eine Begrenzung erfährt?

Bis zur Klärung dieser Frage werden wohl noch viele, viele Jahre vergehen. Jahre, die dazu dienen sollten, weitere tiefgreifende Analysen über uns als Menschen und unsere Umgebung durchzuführen, um zu rational haltbaren Erkenntnissen zu gelangen. Zwischenzeitlich sind aber wir selbst es, die unser Denkvermögen vielleicht auch mal in vollem Umfang nutzen sollten. Doch unsere individuelle Ausstattung leidet bis heute an ihrer offensichtlichen Mangelhaftigkeit.

Denn wir leben nicht allein von dem uns gegebenen Bewusstsein, uns selbst zu erkennen - wir sind darüber hinaus leider in hohem Maße von Minderwertigkeitsgefühlen geprägt. Dazu mischt sich zuweilen eine grenzenlose Selbstüberschätzung, die uns ebenso in unser Marschgepäck gelegt worden ist. Wie an einer nicht zu kurierenden Krankheit leiden wir bis heute an all diesen Symptomen. Chance auf Heilung? Wohl kaum. So sehr sich Forscher bemühen, alle irdischen Krankheiten vollständig kurieren zu können, so wird es ihnen doch niemals gelingen, Minderwertigkeit und Selbstüberschätzung komplett verschwinden zu lassen. Beides ist zu tief in uns verankert, vielleicht sogar versteckt in unserer Genkodierung, die bisher niemand auch nur annähernd entschlüsseln konnte. Sehr wohl stellt sich aber die Frage, zu welchem Zeitpunkt des Rezeptes „Mensch“ diese wirklich sehr ungünstigen Zutaten dieser Charaktereigenschaften hinzugefügt wurden. Oder ist vielleicht einfach nur vom ursprünglichen Rezept abgewichen worden? Einmal mehr stellt sich hier die Frage, wer der Koch war, der so lange an unseren Zellstrukturen köchelte. Aufgrund der enorm langen Zeit, die unsere Erschaffung in Anspruch nahm, ließ er vermutlich schlichtweg „den Topf mit all den menschlichen Zutaten, zu lange auf dem Feuer stehen.“

Hier muss etwas schiefgelaufen sein. Denn die vormals saubere, sorgfältig geplante menschliche Struktur erhielt irgendwo auf dieser langen Strecke einen faden Beigeschmack.

Wir alle, so sagt es die Wissenschaft, starteten mal Amphibien in dieser Welt, sogar Kiemen sollen wir gehabt haben, schließlich lebten wir ja mal im Wasser. Jeder, der einmal unter Wasser getaucht ist, weiß, dass von dieser Eigenschaft leider nicht das Mindeste übriggeblieben ist. Dabei wäre eine Eigenschaft wie diese heute von großem Nutzen für uns: Wir hätten sie zum Beispiel dazu einsetzten können, nach sämtlichem Plastikmüll in den Weltmeeren zu tauchen. Diese einzigartige Welt damit von dem wieder zu befreien, was wir ihr angetan haben.

Der Mensch selbst, nachdem er sein amphibisches Leben hinter sich gelassen hatte und diese wundervolle irdische Welt auf zwei Beinen betreten hatte, erkannte schnell, dass er nun den ehemaligen einfachen Zellstrukturen überlegen war. Nicht nur, dass er sich von den anderen niedrigen Lebensformen auf diesem Planeten unterschied - auch ahnte er recht früh, dass er schnellstmöglich seinen Besitzanspruch an sein Territorium geltend machen musste. Hier zeigten sich schon erste Anzeichen großer Besitzverlustängste in frühestem Stadium. Und es ist Fakt, dass uns diese Besitzverlustangst bis heute gut erhalten geblieben ist. Man kennt sie nur allzu gut. Sie beschränkt sich nicht etwa auf Ländergrenzen, sondern betrifft vielmehr sogar noch privatterritoriale Abgrenzungen. Man ahnte anscheinend schon recht früh, dass es nicht bloß bei einigen wenigen unserer Artgenossen bleiben würde. Diese territoriale Verteidigung entspringt aber nur einer der Ängste, die unsere Vorfahren begleitet haben mögen.

So kamen im Laufe der Zeit, in der die Menschen auf der Erde verweilten, eine Vielzahl von weiteren Ängsten hinzu. Und je weiter sich der Mensch physisch und psychisch auch weiterentwickelt haben mochte, bei jeder dieser Entwicklungsphasen blieb etwas auf der Strecke: ein Teil unseres rationalen Verstandes! Bei einem derart hohen Evolutionstempo konnte er anscheinend nicht mithalten. Statt einer proportionalen Entwicklung von Mensch und Umgebung, ging auf diesem langen Weg wohl einiges verloren, was wir bis heute nicht mehr aufholen konnten.

Der Mensch als Individuum stellte fest, dass für all seine weiteren Pläne möglichst viele Verbündete hinzugezogen werden mussten. Und gleichzeitig entspricht unserem Urtrieb, die engsten Verbündeten zu schützen und sie auch ausreichend versorgen zu wollen. Das muss sich schon im frühen Schutz seines engsten Kreises manifestiert haben. Denn die kleinste gemeinsame Einheit war die Familie. Sie war der Dreh- und Angelpunkt für viele weitere Planungen, deren Grundlage eine ausreichende Sicherheitslage war. Und Vertrauen, war einer der Grundlagen dieser festen Verbindung.

Diese Tatsache muss ein entscheidender Faktor in der Prägung unseres sozialen Bewusstseins gewesen sein. Aber zu irgendeinem Zeitpunkt in der Bildung des familiären Sozialgefüges und einem damit verbundenen logischen Sachverstand muss es zu einer zusätzlichen Fehlentwicklung der Sozialkompetenz gekommen sein.

Ich habe dich zum Fressen gern!

Wer in einer Welt der Stärkeren wen frisst, scheint einer seit ewigen Zeiten unausgesprochenen und klaren Regelung zu folgen. Fast so, als sei sie von der Natur vorgegeben worden. Es ist ein Rhythmus der Natur, der das Überleben aller Arten auf diesem so einzigartigen blauen Planeten absichert. Dafür sorgt, ihren Fortbestand zu gewährleisten. Fressen und gefressen werden. Ganz einfach.

Aber das Prinzip des Stärkeren, der den Schwächeren frisst, kann nicht allein der Tierwelt abgeschaut worden sein. Vielmehr musste der Mensch in diesem frühen Stadium seiner anfänglichen Evolutionsstufe noch offen für alle „Vorschläge“ gewesen sein, die der Erhaltung seiner Spezies dienten. Nur so erklärt es sich, dass er sich immer angepassteren Methoden bediente, die sich nicht nur dafür eigneten seine Mahlzeiten zu sichern, sondern auch dazu, sich später zusätzlich seiner unliebsamen Kontrahenten zu entledigen. Beides ließ sich mühelos miteinander verbinden.

Demnach diente der ursprüngliche Jagdtrieb zugleich der Erhaltung der eigenen Rasse. Die Jagd sollte die Grundversorgung für einen selbst und für den eigenen Clan sicherstellen. Dieser Trieb glich noch der Auslebung einer unstillbaren Gier, die die entscheidende Motivationsgrundlage war, zu jagen. Nicht blind, sondern, um den rangniedrigeren Artgenossen zu töten und das eigene Überleben zu sichern. Die Gier danach, zu töten, ist, trotz aller moralischen und ethischen Vorsätze des Neuzeitmenschen, aber geblieben.

Aller vermeintlichen Intelligenz und aller hohen sozialen Ansprüche zu trotz – diese uns innewohnende Gier wurde nicht im Mindesten in der Art unterdrückt, als dass sie heutzutage keine weitere Bedrohung für menschliche Artgenossen darstellen würde.

Denn schon eine vor Jahrtausenden überlieferte, biblische Menschheitsgeschichte, die über einen Brudermord berichtet, lässt ahnen, dass es mit dem Menschen nicht gut ausgehen kann: Kain erschlug seinen Bruder Abel. Hierbei handelt es sich nicht alleine um eine historische Erzählung, die schonungslos darüber berichtet, was zu diesem Anlass geführt hat. Nein - denn der Anlass war kein geringerer als die fehlende Anerkennung, nach der sich Kain offensichtlich so sehr sehnte. Und die fehlte ihm von seinen Eltern. Und heute, Jahrtausende später, wissen wir, dass für den modernen Menschen weitaus geringere Motive ausreichen, um eine Gewalttat oder gar einen Mord zu begehen. In der Akte „Mensch“ kann es sich, was das betrifft, nur um eine fehlgeleitete Evolutionsstufe handeln. Und je mehr Menschen im Spiel sind, desto undurchsichtiger erscheinen uns deren individuelle Grundprinzipien, die von einst guten Intentionen immer wieder abzuweichen scheinen.

Die massenhafte Zunahme an Menschen und die damit verbundene Spaltung in die verschiedensten Sippen, Clans und ganze Völkerstämme unterlag am Anfang wohl noch annähernd ähnlichen Bedingungen - die für alle in gleichem Maße galten. Die Entwicklung der verschiedenen Völker aber ist, wie wir heute wissen, in drastisch unterschiedlichen Richtungen gelaufen.

Eine der Höchstleistungen unseres Gedankengutes muss sich im weiteren Entwicklungsprozess, als ein Derivat oder Abkömmling, deutlich abgespalten haben: der Glaube.

Man mag sich heute natürlich gut vorstellen können, dass der Glaube an eine höhere Macht den Ängsten des Menschen damals einen einigermaßen ausreichenden Schutz geboten haben mag. Denn weder der Verstand, noch alle weiteren mit auf den Weg gegebenen Faktoren vermochten diesen dringend benötigten Schutz am Ende zu gewährleisten. Auch die Gemeinschaft, die das Individuum umgab, war kein Garant für einen 100%igen Schutz. Wir haben instinktiv sehr früh gemerkt, dass uns Niemand dabei helfen kann, uns überhaupt ausreichend zu schützen. Einigen dieser Ängste konnte der Nährboden entzogen werden. Andere haben sich verstärkt.

Es muss dem frühzeitigen Erkennen dieser Umstände geschuldet sein, dass wir uns, mit all unseren Schwächen, niemals komplett aus diesen Angstzuständen befreien können. Die enorme Angst aber, sich allein im unendlichen Raum zu befinden - an sich eine Vermessenheit, bei all diesen unzähligen Planeten um uns herum - konnte nur mit dem Glauben in Schranken gehalten werden.

Der Glaube! Eine imaginäre Form, eine uns ewig willkommene, nicht sichtbare, nie versiegende Quelle einer unausgesprochenen Hoffnung. Er scheint Motivator und wärmende Sonne zugleich zu sein. Und ist damit genauso wenig zu lokalisieren wie unsere Seele. Und doch muss er irgendwie da tief in uns sein. Es ist zu hoffen, dass Neurologen seinen Ursprung irgendwann ergründen mögen. Vielleicht ergäben sich infolgedessen vollkommen neue Potentiale. Es ist vorstellbar, dass der Neurologe den Glauben erst einmal durch einen Filter schicken würde, um ihn zu bereinigen.

Wären die Neurologen schon so weit, hätten sie mit der Angst des Menschen sofort eine Anschlussaufgabe zu bewältigen, mit dessen Lösung und Klärung sich bisweilen die Psychologie auseinandersetzt.

Der über uns wachende Schöpfer, sollte es ihn geben, wäre vielleicht der einzige, der uns sagen könnte, dass die von uns ins Leben gerufene Angst eher eine große Illusion ist. Dennoch muss man zugeben, dass die Vorstellung einer schieren Unendlichkeit des Raumes tatsächlich ein unangenehmes Gefühl erzeugen kann. Und die Möglichkeit von intelligentem Leben, das sich über uns stellen könnte, so wie wir die Einzeller heute im Vergleich zu unserer Entwicklung betrachten, sollte diese tiefe Angst eher noch verstärken. Eine hochentwickelte, intelligente Lebensform aber würde wohl nur milde über diese irdisch fehlgeleitete und nur mangelhaft entwickelte Menschheit lächeln. Denn, so unausgereift und vollkommen seiner gespaltenen Persönlichkeit unterworfen, ist dieser nur halbfertige Mensch sein eigener größter Feind. Dazu noch in ewiger innerer Zerrissenheit lebend!

In einer Art nicht ausbalanciertem Gefühlschaos befindet sich dieses menschliche Wesen in einer ewigen Schleife der Selbstfindung, um aus seiner Minderwertigkeit eines Tages heraustreten zu können. die es zu ergründen gilt. Dieses schier unfassbar große Weltall um uns herum, dessen Unendlichkeit wir auch nach vielen Jahrtausenden nicht mal annähernd begreifen können, ist allein schon Grund dafür, die Existenz einer hochentwickelten Lebensform anzunehmen. Sie existiert! So sicher, wie es uns Menschen auf diesem Planeten Erde gibt. Dass wir sie bisher nicht gesehen haben, ist bei weitem kein Beweis dafür, dass sie nicht existiert. Dennoch wären wir in unserem jetzigen geistigen Zustand nicht auf solch hohen Besuch eingerichtet.

Was hätten wir denn einem solchen Gast auch überhaupt zu bieten, sollte er in naher Zukunft an unsere irdische Tür klopfen?

Hinzu kommt, dass Spielfilme wie „Independence Day“, „Alien“ oder andere dieser Machart uns leider nur eine eindeutige Botschaft vermitteln: Die Außerirdischen sind uns nicht gut gesonnen. In kaum einem Film sehen wir, dass eine außerirdische Figur uns helfen würde oder einen Freund der Menschheit darstellen könnte. Einzige Ausnahme ist da der freundliche kleine E.T, Hauptfigur aus gleichnamigem Film von 1982 , der bewusst publikumsfreundlich in Szene gesetzt wird. Aber selbst er erkannte: Auf dem Planeten Erde kann man nicht bleiben. Vermutlich liegt es aber nicht mal im Interesse eines potentiellen Besuchers, sich mit der primitiven Einfachheit unseres Entwicklungsstandes auseinanderzusetzen. Denn, verglichen mit der Zeit des existierenden Raumes und in Relation zu dem Bestehen unserer Geschichte, existieren wir gerade einmal ein paar Sekunden. Es ist vorstellbar, ja naheliegend, dass anderes Leben in diesem riesigen Raum - als sogenannte superintelligente Lebensformen - schon Minuten oder gar Stunden, Monate, vielleicht sogar Jahre existiert. Geht man von dieser Annahme aus, kann man sich die Überlegenheit dieser Lebensform nicht mal annähernd ausmalen. Ebenso kann es nicht in deren Interesse liegen, sich einen ewigen Nachhilfeschüler ans Bein zu binden. Denn wir hinken im Stoff ordentlich hinterher.

Das Universum besteht, neben Materie, ebenso aus einer Antimaterie - behaupten Forscher. Zudem soll es sein Pendant in einer Art Spiegeluniversum gefunden haben. Wenn schon das materialisierte Universum unendlich ist, dürfte das Spiegelbild der Antimaterie folglich ebenso unendlich sein.

Aber wie soll ein menschliches Wesen eine zweifache Unendlichkeit überhaupt begreifen, wenn es nicht einmal eine einfache Unendlichkeit verarbeiten kann? Das Verstehen dieser Raummaße wird sich auch in den nächsten Jahren, Jahrhunderten oder gar Jahrtausende unserer Entwicklung nur unzureichend verbessern. Uns bereitet schließlich schon die bloße Vorstellung einer vierten Dimension arge Kopfschmerzen. Wenn wir jemals in der Lage sein sollten, alle sieben Sinne nicht nur gleichzeitig zu beanspruchen, sondern auch in der Lage wären, uns weitere multiple Dimensionen vorzustellen, würden wir nicht automatisch selbst zur superintelligenten Lebensform in diesem Universum oder im Pendant des Spiegeluniversums zählen?

Allein der Gedanke daran überfordert uns eklatant. Und noch mehr: Er schürt weitere, enorme Unsicherheiten und Ängste, die jedem Psychiater eine sichere und langjährige Einnahmequelle garantieren würden. Der Mensch in seiner heutigen Entwicklungsstufe hat sich einfach mit seiner noch unbestätigten Zwischenexistenz abzufinden. Unbestätigt in dem Sinne, als dass wir stets davon ausgehen, eine perfektionierte Spezies zu sein. Egal, wie man ihn, diesen Menschen, auch betrachten möge - er erscheint damit einmal mehr wie ein unausgereiftes Konstrukt seines unsichtbaren Vaters. Was soll man auch erwarten?

Schließlich sind wir das Resultat eines Urknalls, der die Entstehung eines schier nicht enden wollenden Universums, inklusive seines Spiegeluniversums und einer nicht mehr zählbaren Anzahl von Welten möglich machte. Aber die Entwicklung von einem Einzeller hin zu einem Mehrzeller soll nur einer bloßen Zufälligkeit unterliegen? Und am Ende zu einer komplexen, mehr oder weniger intelligenten Lebensform ausreifen?

Oder ist es vielmehr dem Zynismus einer überirdischen Intelligenz geschuldet, die dem Menschen zwar den Verstand gab, diesen aber nur in einer unterdimensionierten Form bereitstellte?

Um es auf die Spitze zu treiben, soll sie dieser menschlichen Kreatur eine Denkaufgabe mit auf den Weg gegeben haben, dessen Lösung für dieses Wesen niemals möglich sein wird? Bisher ist sicher davon auszugehen, dass wir weder in der Lage sein werden, unser gesamtes Umfeld jemals im vollen Ausmaß zu begreifen, noch den Sinn unseres kurzen irdischen Lebens je zu ergründen.

Im ewigen Widerspruch unseres menschlichen Seins gefangen, bleibt es am Ende nur bei einer fehlgeleiteten Interpretation unserer selbst. Wir sind nicht nur der Herrscher einer geliehenen, endlichen Welt. Ganz im Gegenteil: Wir, die Menschen, sehen vielmehr unsere Hauptaufgabe darin, den geopferten Sohn Gottes auf seinem Platz zu ersetzen - wenn nicht sogar diesen Gott selbst. So zumindest verhalten wir uns - religiöser Anspruch hin oder her. Wir scheinen zuweilen zu glauben, dass wir über allem stehen. Im genkodierten Handgepäck begleitet uns, neben einem hohen Maß an Minderwertigkeitsgefühlen, zudem noch jede Menge Selbstüberschätzung. Die vermag manchmal, in einigen schwierigen Fällen, gar zur Selbstgefälligkeit ausarten. Das alles scheint uns eine ultimative Überzeugungs- und Handlungsfähigkeit zu verleihen, die alles andere in Frage stellt - außer natürlich uns selbst.

Zwar ist der Mensch sich längst darüber bewusst, dass er nur dieses eine wertvolle und knappe Leben hat. Aber auch nach Jahrtausenden körperlicher sowie damit verbundener geistiger Entwicklung beschäftigt er sich vornehmlich mit Originärem, wie schon Jahrtausende zuvor: der Verteidigung seiner territorialen Grenzansprüche und dem inhärenten Jagdtrieb.

Heutzutage ist die Jagd an sich nicht mehr notwendig, da die Versorgungskette ausreichend gewährleistet ist. Der heutige Verbraucher sieht keine Notwendigkeit mehr auf die Jagd zu gehen – er geht schlichtweg in den Supermarkt. Trotzdem ist der Jagdtrieb geblieben. Was sich zwischenzeitlich geändert hat, ist die Motivation.

Die reichhaltigen Angebote, die uns als Verbraucher in Hochglanzprospekten erreichen, haben im günstigsten Fall unseren Jagdtrieb verkümmern lassen. Aber er ist noch da. Er hat sich voll und ganz auf die Erbeutung einen bunten, lustigen Gegenstand mit einem aufgedruckten Zahlenwert gerichtet: Geld.

Das ist nichts weiter als ein Fetzen Papier oder etwas Metall, das zu runden netten Münzen verarbeitet wurde - oder eben zu hübschen bunten Papierzetteln, die einen symbolischen Wert für sich beanspruchen. War die Jagd auf Tiere als echte Beute noch Überlebensgarant unserer Spezies, erscheint die Jagd nach Geld anfänglich noch eher harmlos. Konnten unsere Vorfahren sich an ihrer erlegten Beute noch wirklich erfreuen – schließlich war die Nahrungsversorgung erst mal gewährleistet - so ist die Jagd nach Geld niemals zu Ende. Dabei nehmen die Jäger zumeist in Kauf, alles aus dem Weg zu räumen, was ihnen im Weg steht. Je höher der vermeintlich mit einem Versprechen behaftete Wert auf dem Papierzettel, desto weiter sinken moralische, ethische Wertvorstellungen. Und das in einer Gesellschaft, die sich aus vielen hunderten von Generationen immer wieder neu formierte, um aus ihren Fehlern zu lernen. Was als Vermächtnis früherer Entwicklungsstufen bleibt, ist eine rekrutierte Gesellschaftsform, die sich in den bunten Zetteln eine eigene Gottheit geschaffen hat.

Einen Glauben an etwas, das an die alten Götter nicht im Geringsten heranzureichen vermag.

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