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Der Wickerbach und seine Zuflüsse

Mein Buch ist allen Menschen gewidmet, die sich um die Wiederherstellung und Verbesserung der einheimischen Gewässer und ihrer Umgebung redlich bemühen.

Ernst Kluge

Der Wickerbach
und seine Zuflüsse

Porträt eines Gewässersystems
in Wiesbaden und im Main-Taunus-Kreis

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Inhaltsverzeichnis

1 Wissenswertes über das Wickerbachsystem

2 Zur Entwicklung der Landschaft des Wickerbachgebiets

2.1 Vom Tertiär bis zum Ende der letzten Eiszeit

2.2 Vom Ende der letzten Eiszeit bis zur Gegenwart

3 Mühlen am Wickerbach und Klingenbach

3.1 Konflikte um die Wasserrechte der Obermühle (Traisermühle) in Flörsheim

4 Wassergewinnung im Einzugsgebiet des Wickerbachsystems

4.1 Die historische Trinkwassergewinnung von Naurod

4.2 Die historische Trinkwassergewinnung von Breckenheim

4.3 Die historische und aktuelle Trinkwassergewinnung von Wildsachsen und Bremthal

4.4 Die historische Trinkwassergewinnung von Auringen und Medenbach

4.5 Die historische Trinkwassergewinnung von Delkenheim und ihre neue Nutzung für landwirtschaftliche Beregnung

4.6 Brauchwasser aus dem Wickerbach: Wasserrechte für Paul´s Bauernhof in Wallau

5 Einleitungen in die Bäche des Wickerbachsystems

5.1 Zur Geschichte der Kanalisation und Abwasserreinigung in Wiesbaden

5.2 Kanalisationen und Abwasserreinigungsanlagen im Einzugsgebiet des Wickerbachs

5.3 Auswirkungen der Kanalentlastungsanlage in Naurod auf den ökologischen Zustand des Wickerbachs

6 Gewässerpflege, Verkehrssicherung und Gewässerrenaturierung

6.1 Pflege und Verkehrssicherung der Gewässergrundstücke

6.2 Projekte zur Renaturierung des Wickerbachsystems

7 Tümpel, Teiche und Kiesseen

7.1 Die Teiche am Thierbach

8 Quellenangaben

Vorbemerkung

Ursprünglich sollte dieses Buch ein Fotobuch mit Fotografien vom Wickerbach, seinen Zuflüssen und der umgebenden Landschaft werden. Auch eine Einführung mit einem Umfang von ca. 20 Seiten war geplant. Es ist anders gekommen: Viel interessantes Material war zu berücksichtigen und so wurde aus dem Textvorspann ein eigenes Buch, illustriert mit 273 Fotografien und 6 Kartenausschnitten.

Das zuerst geplante Fotobuch folgt demnächst als zweiter Band.

1 Wissenswertes über das Wickerbachsystem

Quellen

Der namensgebende Quelllauf entspringt im Buchenmischwald im Distrikt "Köpfchen" auf 390 Meter Höhe über Normalnull (ü. NN.) in der Gemarkung Naurod von Wiesbaden (Abb. 14). Die häufig anzutreffende Angabe der Quellhöhe mit 330 m gilt für eine Teichanlage, aus deren Abfluss der Wickerbach zu entstehen scheint (Abb. 21). In Wirklichkeit wird die Schüttung der Wickerbachquelle größtenteils von einer ehemaligen Trinkwassergewinnungsanlage (Abb. 16, 17 & 19) aufgenommen, von der das Wasser über eine unterirdische Leitung entlang der Gewässertrasse der Teichanlage zufließt. Eine zweite Quelle hat der Wickerbach in Naurod oberhalb der Dörrwiese. Ihr Abfluss wird ebenfalls von einer ehemaligen Trinkwassergewinnungsanlage gesammelt (Abb. 20, 23 & 24) und über eine Rohrleitung in besagte Teichanlage eingeleitet (1 - 5). Die gefasste Rudolf-Dietz-Quelle (ca. 390 m ü. NN.) nordöstlich des Kellerkopfs ist die dritte Wickerbachquelle. Ihre geringe Schüttung versickert im Wald (Abb. 18).

Gewässerlauf des Wickerbachs

Die Länge des Gewässerlaufs von der Quelle am Köpfchen in Naurod bis zur Mündung in den Main im Stadtteil Keramag-Falkenberg von Flörsheim auf 83 Meter ü. NN. beträgt ca. 24 Kilometer. Dabei überwindet der Wickerbach eine Höhendifferenz von 302 Metern. Ursprünglich machte der Wickerbach oberhalb der heutigen Mündung eine Linkskurve und floss tangential zum Main entgegen dessen Fließrichtung. Um den Betrieb der Hopfenmühle, der letzten Mühle vor der Mündung, zu optimieren, wurde der Lauf des Wickerbachs 1836 in südwestlicher Richtung verlegt (6).

Von der Einmündung des Medenbachs in der Gemarkung Breckenheim bis zur Mündung in den Main wurde der Wickerbach im dreistufigen Eingruppierungssystem des Wasserrechts als Fließgewässer 2. Ordnung eingestuft. Oberhalb der Medenbach-Mündung ist der Wickerbach ein Gewässer 3. Ordnung, das gilt auch für alle anderen Bestandteile des Gewässersystems.

Zuflüsse zum Wickerbach

Die Hauptzuflüsse zum Wickerbach hinsichtlich Fließweg und Abfluss sind der Klingenbach (8,7 km), der bis zur Einmündung des Hollerbachs in Wildsachsen Seyenbach heißt, und der Medenbach (7,25 km). Weitere Zuflüsse heißen Läusbach, Aubach, Alsbach, Querbach, Auslage, Nordenstädter Bach und Landgraben. Die wichtigsten Zuflüsse zum Klingenbach sind der Hollerbach, Lotzenbach und Rohrgraben, die bedeutsamsten Zuflüsse zum Medenbach kommen aus den nordöstlichen Seitentälern Bornwiese und Pfingstwiese, sie sind in den Karten namenlos. Darüber hinaus wurden im Wickerbachsystem mehr als 35 Quellbäche und kleinere, z. T. temporäre Fließgewässer kartiert, die in den Kartenwerken ebenfalls ohne Namen geblieben sind. Die Gesamtlänge aller Fließgewässer des Systems beträgt ca. 84 km (7).

Innerhalb der geschlossenen Bebauung sind die Gewässerbetten und -ufer mehr oder weniger stark geschädigt: Durch Verrohrungen in Naurod und Medenbach, den Ausbau mit Rasengittersteinen in Breckenheim, Ablagerungen von Gartenabfällen an den innerörtlichen Uferstrecken, Verbau vieler Uferbereiche mit Mauern, Holz, Schrott, Müll, Klohäuschen und Hütten durch die Anlieger.

Verrohrte (verdolte) Gewässerabschnitte

Neben den vom Köpfchen und von der Dörrwiese herkommenden Quellbächen sind weitere Gewässerabschnitte des Wickerbachs und Läusbachs in Naurod, der untere Rohrgraben in Breckenheim, der Zulauf zum Klingenbach aus der Prügelwiese in Breckenheim, ein Abschnitt des Medenbachs in Medenbach, der untere Abschnitt des Fließgewässers „In der Hohl“ in Wildsachsen und das letzte Stück des Ablaufgrabens der Kiesteiche in Massenheim verrohrt. Verrohrt sind darüber hinaus zahlreiche namenlose Quellzuläufe in den Innen- und Außenbereichen zu den Bächen.

Stillgewässer

Im Einzugsgebiet des Wickerbachs gibt es mindestens 71 Stillgewässer sehr unterschiedlicher Größe und ökologischer Relevanz. Abgesehen von einigen Quelltümpeln im Wald sind sie nicht natürlichen Ursprungs, sondern angelegt. Die größten Wasserflächen besitzen die Kies- und Kalksandstein-Abbauteiche in Delkenheim, Massenheim und Flörsheim (insgesamt über. 220.000 m²), gefolgt von den großen Teichen am Thierbach in der Gemarkung Langenhain. Der zahlenmäßig große Rest verteilt sich auf Rückhalteteiche für Niederschläge von Verkehrsanlagen, aus 2 bis 3 Teichen bestehende Teichanlagen, Einzelteiche, Aufstauungen und Tümpel im Forst (7).

Einzugsgebiet

Am Einzugsgebiet des Wickerbachs mit einer Fläche von rund 65 km² sind die Ortsbezirke Naurod, Auringen, Kloppenheim, Medenbach, Breckenheim, Delkenheim und Nordenstadt der Landeshauptstadt Wiesbaden (kreisfreie Stadt) beteiligt. Zum Main-Taunus-Kreis zählt der Ortsbezirk Bremthal der Stadt Eppstein, die Ortsbezirke Wildsachsen, Langenhain und Wallau der Stadt Hofheim/Ts., der Ortsbezirk Massenheim der Stadt Hochheim und die Ortsbezirke Wicker und Keramag-Falkenberg der Stadt Flörsheim. Mit einer Ausdehnung kleiner als 100 km² wird das Wickerbachsystem zu den kleinen Gewässersystemen gerechnet.

Naturraum

Die Quellen des Wickerbachs entspringen am Südrand des Taunuskamms, die Quellbäche durchqueren von Norden nach Süden den teilweise von Laubmischwäldern bewachsenen und anderenteils landwirtschaftlich genutzten Vortaunus (Höhenlage ca. 350 bis 160 m ü. NN.). Südlich von Breckenheim schließt sich das intensiv landwirtschaftlich genutzte Main-Taunus-Vorland an, das sich bis zur Mainaue erstreckt (Höhenlage 160 bis 100 m ü. NN.). Anschließend erreicht der Wickerbach die Main-Aue, die Bestandteil der Untermainebene ist.

Die Ergiebigkeit der Niederschläge ist im Jahresmittel am Taunuskamm mit ca. 700 mm am größten, in südlicher Richtung fallen die Niederschläge bis auf 550 bis 650 mm in der Untermainebene ab.

Siedlungen

Mit Ausnahme der Quellbereiche an den nach Süden abfallenden Taunushängen ist das Einzugsgebiet des Wickerbachs im Taunusvorland seit der Jungsteinsteinzeit von Kelten, Germanen und Römern besiedeltes und ackerbaulich genutztes Kulturland.

Der Wickerbach durchfließt Naurod und Delkenheim (Ortsteile von Wiesbaden), Wallau (Ortsteil von Hofheim/Ts.) und Keramag-Falkenberg (Ortsteil von Flörsheim). Der Seyenbach bzw. Klingenbach quert Wildsachsen (Ortsteil von Hofheim/Ts.) und Breckenheim (Ortsteil von Wiesbaden). Der Medenbach fließt durch die Ortslage von Medenbach (Ortsteil von Wiesbaden). Die Bevölkerungsdichte im Wickerbachsystem beträgt ca. 458 Einwohner pro km².

Gewässertyp und Fischregion

Nach dem Bewertungssystem der Europäischen Wasserrahmen-Richtlinie (EU-WRRL) wurde der Gewässertyp des Wickerbachs als "feinmaterialreicher, karbonatischer Mittelgebirgsbach" (Typ 6) klassifiziert (8 & 9). Die höheren Lagen des Einzugsgebiets sind durch metamorphe Gesteine wie Serizitgneis, Phyllit und Quarzit geprägt und neigen, daher neigen die Quellen und Oberläufe, verstärkt durch den sauren Regen, zur Versauerung. Aus den Taunusgesteinen besteht überwiegend das Geschiebe (in Fließrichtung transportiertes Gestein) in den Bachbetten. Die Böden in den Talmulden unterhalb der Gipfellagen sind großenteils Löss- und Lösslehm-Ablagerungen. Aus dem Löss und Lösslehm nehmen die Bäche Kalk-Mineralien auf, dadurch verschiebt sich der in den Quellenläufen leicht saure pH-Wert in den alkalischen Bereich.

Als dominante Fischregion (Fischregion mit längstem Streckenanteil im Hauptgewässer) wird vom Land Hessen für den Wickerbach die "obere Forellenregion" angegeben (8 & 9).

Naturschutzgebiete

Der Wickerbach durchfließt in der Gemarkung Kloppenheim das "Naturschutzgebiet Wickerbachtal bei Kloppenheim" und in den Gemarkungen Wicker und Flörsheim das Naturschutzgebiet "Wickerbachaue von Flörsheim und Hochheim" (strukturreiche Hecken- und Gebüschvegetation, Teile des ehemaligen Abbaus Am Geisenberg, Sandrasen und Trespen-Halbtrockenrasen am Geisberg) sowie das 2012 ausgewiesene Flora-Fauna-Habitat-(FFH-) Gebiet "Falkenberg und Geisberg" bei Flörsheim. Die teilweise unter Naturschutz stehenden "Massenheimer Kiesgruben" zählen zum Einzugsgebiet des Wickerbachs.

Überschwemmungsgebiete

Entlang des Wickerbachs und seiner Zuflüsse sind eine Reihe kleinerer, gewässerbegleitender Überschwemmungsgebiete ausgewiesen (Verordnung vom 01. Januar 2004). Die Grenzen gelten für 100-jährige Hochwasserereignisse (10 & 11).

Aktive Trinkwasserbrunnen und Trinkwasserschutzgebiete

Die Trinkwassergewinnung in Bremthal (Brunnen 1 und 2 am Seyenbach) und Wildsachsen (Brunnen 1 bis 4) reduziert den Abfluss im Seyenbach und Hollerbach. Der obere Seyenbach und mehrere Zuflüsse werden annähernd ganzjährig ausgetrocknet. Die Trinkwasserschutzgebiete erstrecken sich auf die Einzugsgebiete des Seyenbachs und Hollerbachs (12 & 13).

Eine weitere, ohne gründliche hydrologische Untersuchungen schwer zu quantifizierende Beeinflussung, geht von der Wasserentnahme durch den vom Wasserversorgungsunternehmen Hessenwasser GmbH & Co. KG, Groß-Gerau, betriebenen Tiefstollen Kellerskopf in Wiesbaden aus.

Ehemalige Trinkwassergewinnungsanlagen

In der Gemarkung Naurod legen 2 ehemalige Trinkwasserstollen am Köpfchen und oberhalb der Dörrwiese die Wickerbachquellen trocken. Das Stollenwasser wird über unterirdische Leitungen einer Teichanlage zugeführt. 4 Sickergalerien trocknen die beiden Läusbachquellen aus. Ein Flachstollen mit Sickergalerie legt die Quelle des Aubach-Flutgrabens trocken (15, 1417 & 18 - 19).

In Breckenheim trocknen 4 alte Brunnen in einem Quellgebiet den Abschnitt eines Zuflusses zum Rohrgraben aus.

Die Tiefbrunnen in Auringen (Wellinger) und Medenbach (Brunnen 4) werden von Hessenwasser nicht mehr zur Trinkwasserversorgung genutzt. Der Brunnen Wellinger dient jetzt als Notbrunnen für Katastrophenfälle, über den Brunnen 4 wurde nicht entschieden (20).

Grundwasserförderung für landwirtschaftliche und gartenbauliche Bewässerung

Die 3 Brunnen der ehemaligen Trinkwassergewinnungsanlage Delkenheim wurden von der Jugendwerkstatt Mechtildshausen für die Beregnung gartenbaulicher und landwirtschaftlicher Flächen übernommen (21 - 23).

In Wallau unterhält Paul´s Bauernhof 3 Brunnen in der Nähe des Wickerbachs für die gartenbauliche und landwirtschaftliche Bewässerung (24).

Bachwasserentnahme für landwirtschaftliche und gartenbauliche Bewässerung

In Wallau und Delkenheim werden am Wickerbach 4 Entnahmestellen von Paul´s Bauernhof genutzt (24). Wasser zum Gießen, Beregnen und diverse andere Zwecke wird auch, zulässig oder ordnungswidrig, von vielen Gewässeranliegern und Hinterliegern entnommen und genutzt.

Abwassereinleitungen und Einleitungen aus Dränagen

An 26 Stellen wird bei Stark- oder Dauerregen Mischwasser aus den Kanalisationen des Abwasserverbands Main-Taunus, der Entsorgungsbetriebe Wiesbaden (ELW), der Stadtwerke Hochheim und des Abwasserverbands Flörsheim in den Wickerbach, den Klingenbach, den Medenbach und den Landgraben eingeleitet (25 - 27). Das gereinigte Abwasser aus den Kläranlagen Wildsachsen und Flörsheim fließt in den Klingenbach bzw. den Wickerbach kurz vor dessen Mündung (28).

Viele ursprünglich feuchte Auenbereiche und zu den Bächen abfallende Hänge sind dräniert, das Dränage-Wasser wird meist unter der Wasseroberfläche in die Bachbetten abgeschlagen. Aus den Dränagen in gartenbaulich oder ackerbaulich genutzten Bereichen gelangen Düngemittel und Pflanzenbehandlungsmittel (Pestizide) in die Bäche.

Gewässereigentümer, Gewässerpflege und Gewässerrenaturierung

Eigentümer der Fließgewässerbetten (des bei mittlerem Abfluss von Wasser bedecktem Geländestreifens) und - soweit ausgewiesen - der Gewässerparzellen (Uferstreifen wechselnder Breite) sind in der Regel die jeweiligen Gemeinden. Im Falle des Wickerbachsystems sind das Wiesbaden (Naurod, Auringen, Kloppenheim, Igstadt, Delkenheim, Nordenstadt, Breckenheim, Medenbach), Eppstein (Bremthal), Hofheim/Ts. (Wildsachsen, Langenhain, Wallau), Hochheim (Massenheim) und Flörsheim (Wicker, Keramag-Falkenberg). Die Verkehrssicherung (einschließlich der Gewässerparzellen mit ihrem Gehölzbestand), die Gewässerunterhaltung bzw. Gewässerpflege und die Gewässerrenaturierung obliegen dem Gewässereigentümer (29 & 30). Kleinere Renaturierungsmaßnahmen können im Rahmen der Gewässerpflege erfolgen, größere (Bau-) Maßnahmen müssen aufwändig von der oberen Wasserbehörde genehmigt werden. Auf Antrag kann der Gewässereigentümer für im Programm zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtline vorgesehene Maßnahmen Fördermittel in Höhe bis zu ca. 75% der förderfähigen Kosten erhalten. Der bürokratische Aufwand für Genehmigungs- und Fördermittelanträge ist allerdings enorm und angesichts der schlechten Personalsituation der Stadtverwaltungen eher kontraproduktiv.

Verpachtete Fließgewässerabschnitte und Stillgewässer

Der Angelsportverein 1937 Hochheim hat neben seinen eigentlichen Vereinsgewässern, die zum Einzugsgebiet des Käsbachs zählenden Kiesgruben Silbersee und Schlund, den Abschnitt des Wickerbachs von Wallau bis Massenheim als Fischereigewässer gepachtet. Die Kollegen vom Angelsportverein Gutfang Flörsheim halten neben dem Dyckerhoff-Kiessee in der Flörsheimer Gemarkung Die Kelb, einen Mainabschnitt, und den Wickerbach in Wicker und Flörsheim als Fischereipachtgewässer.

Angelsportvereine sind Pächter der Teiche am Hauptlauf des Thierbachs vom Landesbetrieb Hessenforst (31). Der Golfclub Main-Taunus-Wiesbaden besitzt ein ausgedehntes Gelände mit Grundwasserseen (ehemaligen Kiesgruben) in Massenheim und Delkenheim.

Abflussermittlung und Abflussmessung

Der Wasserabfluss im Wickerbach und seinen Zuflüssen wird durch eine Reihe von Trinkwasser- und Brauchwassergewinnungsanlagen reduziert. Nur aus der Kläranlage von Wildsachsen fließt gereinigtes Abwasser zurück in den Klingenbach. Alle anderen Abwasserströme werden aus den Ortsbezirken den Großklärwerken von Wiesbaden und Flörsheim zugeleitet (Trockenwetterabfluss von insgesamt ca. 1,45 Mio. m³), das gereinigte Abwasser des Hauptklärwerks von Wiesbaden gelangt über eine Leitung in den Rhein, das gereinigte Abwasser aus der Anlage in Flörsheim fließt kurz vor seiner Mündung in den Main in den Wickerbach.

Die rechnerische Ermittlung der Abflussmenge des Wickerbachs an der Mündung in den Main ergibt bei Zugrundelegung der Abflussspende Mq (ermittelt aus Einzugsgebietsgröße, Niederschlagsmenge und Evaporation (Verdunstung) folgende Werte (11):

Abflussspende Mq:

5,4 l/s km² 19,44 m³/h km² 466,56 m³/d km²

Durchschnittliche Abflussmenge MQ (langjähriger Durchschnitt)

350,9 l/s 1.264 m³/h30.326 m³/d11,069 Mio. m³/a

Der mittlere Niedrigwasserabfluss (MNQ) wird grundsätzlich durch Abflussmessungen ermittelt.

Mittlere Niedrigwasser-Abflussmenge MNQ:

75 l/s 270 m³/h6.480 m³/d2.365.200 m³/a

Der für den Wickerbach angegebene Wert resultiert aus Messungen am Schwarzbach im Main-Taunus-Kreis und wurde nie durch Messungen am Wickerbach überprüft. Besonderheiten im Einzugsgebiet wie die Wassergewinnungen und die Herausleitung des Abwassers (0,56 Mio. m³/a Trockenwetterabfluss gelangen zum Hauptklärwerk Wiesbaden) blieben unberücksichtigt.

Eine vom städtischen Umweltamt Wiesbaden bereits an der Wickerbachbrücke in der Wilhelm-Dietz-Straße in Delkenheim installierte Messstation wurde wieder aufgegeben, bevor ausreichend Daten gesammelt werden konnten (32).

Physikalische und chemische Gewässergüte

In den Jahren 2003 bis 2006 führte die Stadt Wiesbaden in den kommunalen Fließgewässern, darunter die Wiesbadener Abschnitte des Wickerbachsystems, vierteljährlich physikalische und chemische Gewässeruntersuchungen durch. Die Probenahmestellen befanden sich im Alsbach, Aubach, Medenbach und Klingenbach jeweils kurz vor der Mündung in den Wickerbach. Der Wickerbach wurde unterhalb von Wallau und unterhalb von Delkenheim beprobt. Die physikalischen Parameter bestimmten die Probenehmer vor Ort, die chemische Analytik erfolgte im kommunalen Umweltlabor.

Festgestellt wurden u.a. erhöhte Nitrat- und Ortho-Phosphat-Konzentrationen im Aubach, Klingenbach, Medenbach und Wickerbach, deutliche Hinweise auf Düngemittel-Einleitungen aus der Landwirtschaft (Abschwemmungen bei Niederschlägen, Einleitungen aus den zahlreichen landwirtschaftlichen Dränagen), auf Emissionen aus der Kläranlage Wildsachen am Klingenbach (unzureichend gereinigtes Abwasser) und den Entlastungsanlagen der Mischwasserkanalisationen entlang der Bäche (33).

Beeinträchtigend auf den Abfluss in den Bächen und die Wasserqualität wirken sich auch größere Wasserflächen von Teichen und Grundwasserseen im Einzugsgebiet durch Aufwärmung, Verdunstungsverluste und die Alkalisierung des Wassers bei sommerlich erhöhten Wassertemperaturen (Bikarbonat-Atmung der Wasserpflanzen) aus.

Physikalische und chemische Untersuchungen können nur zum Zeitpunkt der Probenahme vorhandene Belastungen der Fließgewässer erfassen. Im Gegensatz dazu ermöglichen biologische Untersuchungen Aussagen über längerfristig wirkende Faktoren.

Biologische Gewässergüte und ökologischer Zustand

Im Auftrag des Umweltdezernats der Landeshauptstadt Wiesbaden führte ERPELDING 1988 bis 1989 erstmals eine Limnofaunistische Grundlagenerhebung und Gewässergütekartierung der Fließgewässer in Wiesbaden, darunter des Alsbachs, Aubachs, Klingenbachs, Medenbachs, Nordenstädter Bachs, Thierbachs und Wickerbachs, durch (34). Auf Grund vielfältiger Veränderungen an den Bächen des Wickerbachsystems ist das Gutachten veraltet.

Im Frühjahr 2011 unternahm SCHWARZ im Auftrag des kommunalen Umweltamtes die Bestimmung der biologischen Gewässergüte und des ökologischen Zustands der Wiesbadener Fließgewässer einschließlich des Wickerbachsystems innerhalb der Stadtkreisgrenzen von Wiesbaden. Die Entnahme und Bearbeitung der Proben erfolgte nach dem Methodischen Handbuch Fließgewässerbewertung und die Auswertung der Ergebnisse nach dem Bewertungsverfahren PERLODES (35) für die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Die Ergebnisse von 5 Probenahme-Orten im Wickerbachsystem wurden 2011 im Umweltbericht Nr. 21 der Landeshauptstadt Wiesbaden veröffentlicht. Dem Alsbach und Aubach wird ein uneingeschränkt naturnaher Zustand attestiert. Die geringe Besiedlung mit sensitiven Arten im Medenbach und Klingenbach führte bei der Qualitätsklasse Ephemeroptera-Plecoptera-Trichoptera (EPT, Eintagsfliegen-Steinfliegen-Köcherfliegen-Wert) zur Bewertung "mäßig" bei sonst guten Werten. Dagegen war der Zustand des Wickerbachs nach den meisten Kriterien als "mäßig" einzustufen. Die geringe Besiedlung mit sensitiven Wasserorganismen ist auf die oben bereits genannten Faktoren zurückzuführen (36).

Vergleichbare physikalische, chemische und biologische Untersuchungen wurden in den Gewässerstrecken im Main-Taunus-Kreis bisher nicht durchgeführt.

Eine aktuelle Aufnahme des physikalischen, chemischen und biologischen Zustands des gesamten Wickerbachsystems steht aus.

Wassermühlen

Am Wickerbach sind 21 und am Klingenbach 2 Standorte von Wassermühlen dokumentiert. Von 15 Mühlen blieben Gebäude und mitunter Abschnitte der Mühlkanäle, wenn auch ohne Funktion, erhalten. Nur der Obermühle (Traisermühle) in Flörsheim wird über den historischen Mühlkanal fast der gesamte Abfluss des Wickerbachs zur Elektrizitätserzeugung zugeführt (6, 37 & 38), wodurch der Wickerbach auf 900 m Länge im Sommer fast trockenfällt.

Herkunft des Namens "Wickerbach

Nach PETRAN-BELSCHNER 1990 ist die Bezeichnung "Wickerbach" für das Hauptgewässer des Wickerbachsystems relativ neu. 1843 beschrieb C.D. Vogel in seiner "Geschichte des Herzogthums Nassau" den Medenbach als Hauptlauf des Gewässersystems, der von Naurod herkommende Bachlauf wird als "waschbach" bezeichnet, ein Wickerbach ist unbekannt. Auf einer Karte des Geometers Aug. Fischer von 1819 kreuzt der Fuhrweg von Massenheim nach Wallau den "unglücksbach". Zwei Jahrhunderte früher zeichnete Wilhelm Dilich in den "Landtafeln hessischer Ämter zwischen Rhein und Weser" in Naurod den "Auringer Bach" ein, der sich mit dem von Medenbach herunterkommenden "cappsbach" (vermutlich nach Kohlfeldern so benannt) vereinigt, der im Oberlauf zwei Quellbäche, den "bieberbach" und den "hasenbach" hat.

Den Namen "Wicker" führt Petran-Belschner auf das germanische "Wikro" mit dem Verbalstamm "wik-" (biegen, weichen) zurück, für das sie eine noch ältere Sprachwurzel, das baltische "Vikra" annimmt. Der Wickerbach ist dann der Bach, der beim Ort Wicker eine auffällige Biegung macht (39).

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Abb. 1: Wickerbach in Wallau (07.09.2016)

2 Zur Entwicklung der Landschaft des Wickerbachgebiets

2.1 Vom Tertiär bis zum Ende der letzten Eiszeit (40)

Vor ca. 50 Mio. Jahren begann der Rheingraben einzubrechen, gleichzeitig mit der Hebung des Taunus, bestehend aus rund 400 Mio. alten, sehr festen Gesteinen. Zur selben Zeit setzte, wenn auch in geringerem Maß, die Senkung des Taunusvorlandes ein, das mit dem nördlichsten Teil des Rheingrabens durch Verwerfungen vom Hauptsenkungsfeld des Rheingrabens getrennt ist und eine eigenständige tektonische Scholle bildet. Die Wasserläufe der benachbarten Mittelgebirge transportieren den Abtragungsschutt aus Kies, Sand und Ton in das Senkungsgebiet und lagerten es als Lockergestein ab.

In die Senkungszone drang vor ca. 30 Mio. Jahren das Meer ein und bedeckte den Oberrheingraben, das Taunusvorland und die tieferen Teile des Taunus. Vor ca. 20 Mio. Jahren ging die Verbindung des Rheingrabens zum Meer verloren und es entstand ein tropisches Binnenmeer, das langsam aussüßte. Es bildeten sich Ablagerungen von Kalksteinen und Mergel, z.B. Cyrenen-Mergel mit Muscheln und Braunkohlen mit subtropischen und tropischen Pflanzenresten. Häufige Funde gut gerundeter Blöcke werden als Hinweis auf die Einwirkung des Meeres (Brandungsblöcke) gedeutet (Abb. 1). Sie erlauben eine partielle Rekonstruktion der Landoberfläche des Taunus (nicht des Taunusvorlands), wie sie zu jener Zeit bestanden haben mag. Die damalige Oberfläche zeichnete sich demnach bereits durch große Höhenunterschiede und teilweise steile Talhänge aus, die Voraussetzung für die Bildung tiefer Täler waren, bevor das Gelände im Meer versank.

Vortaunus und Taunus unterscheiden sich hinsichtlich der Gesteine. Der Taunus besteht aus 350 bis 400 Mio. Jahre alten Quarziten, Tonschiefern und Sandsteinen. Der Vortaunus setzt sich aus 250 Mio. Jahren alten aus Quarzit-Konglomeraten (groben Gerölls) des Rotliegenden neben schieferartigen Gesteinen (Phylliten) zusammen. Das Rotliegende ist ein Abtragungsprodukt der älteren Taunusgesteine, die sich in einer Nordost-Südwest verlaufenden Senke parallel zum Taunuskamm gesammelt haben. An vielen Stellen ist es überdeckt von mächtigen Verwitterungsdecken aus den Zeiten des feucht-warmen Tropenklimas. Durch Einwirkung der Fließgewässer entstanden im Taunusvorland steile Talhänge, da das Rotliegende gegen Verwitterung und Abtragung sehr stabil ist. Bei höherem Anteil weicherer Schiefertone entstanden dagegen flachere Talquerschnitte.

Vor 30 bis 20 Mio. Jahren füllte sich das Mainzer Beckens mit Akkumulationen. Das Meer kam und ging und kehrte mehrmals für mehrere Mio. Jahre zurück. Die vormarine Oberfläche des Taunusvorlandes liegt unter mächtigen Meeresablagerungen begraben. Beim letzten Einbruch des Meeres teilte der Oberrheingraben das Gebiet in einen absinkenden Teil im Osten und einen relativ angehobenen im Westen. Marxheim und Diedenbergen wurden nicht mehr überflutet, weiter im Westen, in einem abgesenkten Streifen zwischen Wallau, Delkenheim und Nordenstadt, finden sich noch Reste jüngerer Meeresablagerungen. Der Kies- und Sandabbau in Delkenheim und Massenheim, der einige Kiesseen hinterlassen hat, bediente sich aus diesem Vorkommen.

Vom Erdzeitalter des Tertiär wird das nachfolgende Quartär, das Erdzeitalter des Wechsels von Kalt- und wärmeren Zwischeneiszeiten abgegrenzt, das vor ca. 2 Mio. Jahren einsetzte. In den Kaltzeiten kam es zur kräftigen Schuttbildung im Taunus, die zur Aufschüttung breiter Schuttebenen im Taunusvorland führte. Auf dem Taunuskamm (z.B. auf der Platte) bildeten sich aus den basenarmen Quarziten podsolige Böden mit niedrigem pH-Wert. In den warmen Zwischenphasen tieften sich die Wasserläufe in den Untergrund ein.

Das Taunusvorland lag nun, abgesehen von den Talböden, trocken und bot ideale Voraussetzungen für die Ablagerung des Kaltzeitprodukts "Löss", ein mehlartiges, schluffreiches Substrat, ausgeweht aus den nach der Frühjahrsschneeschmelze im Sommer und Herbst trocken liegenden, zu dieser Zeit sehr breiten Kiesbetten des Mains und vor allem des kalkreichen Rheins. Die Hauptmasse blieb im Taunusvorland insbesondere in den Leelagen liegen, wo bessere Sedimentationsbedingungen als in den feuchteren, höheren Lagen herrschten. Dort bildeten sich fruchtbare Verwitterungsböden (Parabraunerden). Zu geringeren Lössablagerungen kam es im hochgelegen Taunus, durch Abspülung sind dort nur spärliche Lössdecken erhalten. Steilere, westexponierte Hänge sind oft lössfrei, die dort vorhandenen nährstoffarmen, ertragsarmen Kiesböden sind bei Überdüngung besonders schadstoffgefährdet. Durch Auswaschung von Kalk ist das Grundwasser unter den Lösslagen hart, d.h. es weist einen hohen pH-Wert auf ("Lösshärte" des Grundwassers). Lössdecken verringern die Quantität der Grundwassererneuerung, da in ihnen wenig durchlässige Horizonte aus wärmeren Klimaphasen entwickelt sind.

Vor ca. 500.000 Jahren begann die Verlagerung der nördlichsten Grenze des Senkungsgebiets südwärts bis nahe zum heutigen Mainlauf. Die Ausbildung von Tälern im Senkungsgebiet ließ an den Talhängen ältere Flusskiese zurück, ausgeprägte Schotterabfolgen finden sich nur an den Westhängen, sie fehlen oft an den Osthängen, eine typische kaltzeitliche Asymmetrie. Offensichtlich sind die Täler mit Nord-Süd-Erstreckung im Eiszeitalter von West nach Ost gewandert, wahrscheinlich auf Grund vorherrschende Westwinde, die die Wasserläufe an die Osthänge drängten, außerdem erhielten die nach Westen exponierten Osthänge die höchste Sonneneinstrahlung mit der Folge, dass die Schneeschmelze dort nach dem Winter früher einsetzte und die Erosion begünstigte (Darstellung nach SEMMEL 2004).

2.2 Vom Ende der letzten Eiszeit bis zur Gegenwart (41)

Die letzte Eiszeit hatte ihren Höhepunkt vor etwa 21.000 Jahren und ging vor etwa 10.000 Jahren zu Ende. Die einsetzende Klimaerwärmung war die Grundlage für die Rückkehr der Wälder nach Mitteleuropa. Birken und Kiefern wanderten in die während der Eiszeit baumlose Tundra ein, auf sie folgte von Westen her die Besiedlung der Mittelgebirge mit Haselsträuchern, von ihren Refugien südlich der Alpen breitete sich die Fichte in die Hochlagen der Mittelgebirge aus. Die Bergulme bekam vor 9.000 bis 8.000 Jahren am Alpenrand und in manchen Mittelgebirgen große Bedeutung, wo sie neben Reinbeständen mit Eiche, Linde, Bergahorn und Esche Mischbestände bildete. Die Großherbivoren Mammut, Nashorn und Riesenhirsch waren zu diesem Zeitpunkt von den steinzeitlichen Jägern bereits ausgerottet oder dem Klimawandel zum Opfer gefallen. In den dichter werdenden Wäldern fanden Rentiere und andere große Säugetiere des offenen Graslandes nicht mehr genügend Nahrung. Sie zogen sich nach Norden zurück, wo der Wald noch nicht geschlossen war und die Tundra erhalten blieb. Die von der Jagd lebenden steinzeitlichen Bewohner Mitteleuropas waren gezwungen, sich umzustellen. Manche folgten dem Wild in die Tundra, andere passten ihre Jagdtechniken an die veränderte Situation an, sie legten Lichtungen im dichten Wald mit besserem Futterangebot an und lockten das Wild wie Wisent, Auerochse, Wildpferd, Reh, Rothirsch, Elch und Wildschwein dorthin, wo es leichter zu erlegen war. In der Folge wurden die dichten von Ulmen dominierte Wälder durch lichtere Wälder mit der Eiche als Hauptart abgelöst.

Im Nahen und mittleren Osten lernten die Menschen vor 6.500 Jahren als Erste Tiere und Pflanzen zu domestizieren, aus Jägern und Sammlern wurden Viehzüchtern und Ackerbauern. Die neolithische (jungsteinzeitliche) Kultur verbreitete sich entlang der Flüsse von Kleinasien nach Westen und erreichte vor 4.500 Jahren Mitteleuropa. Die ältesten mitteleuropäischen Ackerbauern fanden die günstigsten Stellen für die Anlage von Feldern in den Löss-Landschaften mit ihren steinfreien, fruchtbaren Böden, insbesondere an den flacheren Westhängen. Sie gründeten ihre Siedlungen fast immer am halben Hang, also nicht im sandigen und steinigen Talgrund, nicht auf den trockeneren Hochflächen zwischen den Tälern und in nicht zu großer Entfernung vom Wasser.

Die Siedlungen dieser vorgeschichtlichen Epoche hatten meist nur für einige Jahrzehnte Bestand, danach wurden sie aufgegeben und in der Nähe neu gegründet. Im Laufe des Neolithikums wurde in den Siedlungsgebieten fast überall einmal der Wald gerodet und kehrte danach auf die Flächen zurück. Dabei änderte sich das Artenspektrum auf den Sukzessionsflächen, nach den Birken als Erstbesiedlern folgten neben Eichen, Ulmen, Eschen, Linden, Hasel nun auch Buchen (präziser: die Rotbuche, wegen des rötlichen Holzes), die bis dahin in höheren Lagen verbreitet waren. Die Ausbreitung des Buchenwaldes ist eine direkte Folge der neolithischen Siedlungsweise (42).

Die etwa quadratischen Felder ("Blöcke") auf gerodeten Flächen wurden mit einem primitiven Pflug, dem Ard oder Haken, kreuz und quer aufgerissen. Schon die ersten Rodungen änderten das Abflussverhalten in den Oberläufen der Bäche hin zu größeren Hochwasserspitzen und beschleunigten das Einschneiden in den Untergrund, die Entstehung von Terrassenkanten, die Bildung von Mäandern, die Umformung der bis dahin v-förmigen Täler in Kastentäler durch die Wiederablagerung abgeschwemmten Auelehms und die Entstehung von Auewäldern mit Schwarzerlen als vorherrschender Baumart auf den feuchten, nun auch fruchtbareren Talböden.

Etwa 1800 v. Chr. begann die Bronzezeit, nach dem neuen Werkstoff Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zinn, benannt. Bronze ist erheblich härter als reines Kupfer. Aus ihr ließen sich nun Äxte herstellen, mit denen man leichter Wälder roden konnte als bis dahin mit Steinbeilen. Verbesserte Ackerbaumethoden, wie z.B. der Anbau neuer Getreidearten, hatten eine Intensivierung der Agrarwirtschaft zur Folge, aber auch ein rascheres Nachlassen der Bodenfruchtbarkeit. Mit dem Fruchtwechsel von Winter- und Sommergetreide versuchte man dem entgegenzuhalten. In dieser Zeit wurden große Grabhügelfelder auf gerodeten Flächen angelegt, die später oft wieder von Wald bedeckt wurden und daher bis heute erhalten geblieben sind.

Vorgeschichtliche und frühgeschichtliche Bodendenkmäler und Funde im Gebiet des Wickerbachsystems

Reste einer sg. Freilandstation aus der Zeit des Höhepunkts der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren wurden auf einem Acker in der Gemarkung Igstadt gefunden (Ausgrabungen der Universität Mainz 1992). Weitere Funde alt- und mittelsteinzeitliche Hinterlassenschaften aus der Zeit der Jäger- und Sammlerkulturen gab es in Massenheim und Wicker.

Funde aus den Epochen der neolithischen, bronzezeitlichen und eisenzeitlichen Bauernkulturen sind dagegen zahlreich (WURM K. 1975) (43).

Hügelgräber dieser Kulturen, geöffnete und ungeöffnete, gibt es zahlreich in den Wäldern der Gemarkungen von Naurod, Auringen, Breckenheim und Wallau. Angelegt wurden sie einst am Rand von Siedlungen und Verkehrswegen. Es ist anzunehmen, dass Gräber auch in den ständig landwirtschaftlich genutzten Bereichen bestanden, aber im Lauf der Zeit eingeebnet wurden.

Die Bestandaufnahme durch WIELAND A., 2009, (44) hat gezeigt, dass in der Zeit der römischen Civitas Matticorum entlang des Wickerbachs, Klingenbachs und Medenbachs mindestens 22 römische landwirtschaftliche Anwesen (Villae rusticae) bestanden.

Die zweite Phase des Neolithikums, die wegen der einsetzenden Verwendung von Kupfer auch als Kupferzeit bezeichnet wird, war durch einen zunehmenden Bevölkerungsdruck geprägt. Nach und nach ging man dazu über extremere Siedellagen zu wählen, z.B. an Böschungsfüßen, unmittelbar unterhalb oder oberhalb von Steilhängen und auf Höhenrücken. Die Umformung der Natur-Landschaft in eine Kultur-Landschaft beschleunigte sich. Vor 4.000 Jahren gab es in den Lössgebieten keine großen Urwälder mehr. In den Wäldern breitete sich die Buche weiter aus, die Sammlung von Laubheu als Viehfutter von Eschen, Ulmen und Linden trug weiter zum Rückgang von Ulmen und Linden bei, während die Eschen davon nicht beeinträchtigt wurden.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. setzte mit einer Reihe technischer Innovationen ein neues Zeitalter ein. Die Eisen-Technologie verbreitete sich, mit verbesserten Geräten aus Eisen (eiserne Teile an Pflügen) konnten neue Flächen für den Ackerbau nutzbar gemacht werden. Neue Kulturpflanzen wurden bekannt, die Viehhaltung wurde intensiviert, man lernte Fleisch mit Salz zu konservieren, das in Salzstollen abgebaut und von Händlern verbreitet wurde.

Im Römischen Reich südlich der Alpen wuchs die Bevölkerung. Die Versorgung mit Getreide wurde zunehmend durch Fernhandel gedeckt. Das Interesse richtete sich nun auf für die Getreideproduktion geeignete Gebiete an der Peripherie des Imperiums. Am Ende einer Phase des bilateralen Kontakts stand die Eingliederung eines großen Gebietes nördlich der Alpen in das Riesenreich. Um das Jahr 85 n. Chr. errichtete der römische Kaiser Domitian die Provinzen Germania superior und Germania inferior. Der Sitz des Statthalters von Germania superior war Mogontiacum, das heutige Mainz. Außerhalb der von der Kolonialmacht Rom gegründeten städtischen Zentren änderte sich die Wirtschaftsweise der Landbevölkerung nicht grundsätzlich. Allerdings musste ein beträchtlicher Teil der Ernte an die Kastell- und Stadtbevölkerung abgegeben werden, daher bestand ein Zwang zur weiteren Optimierung der Bodenbearbeitungsmethoden und Erntetechniken zur Erhöhung der Erträge. Die Römer überzogen das unterworfene Land mit einem eigenen System von Agrarbetrieben, den Villen, in der Anlage vergleichbar einem heutigen Aussiedlerhof. Walnuss und Esskastanie wurden in vielen römisch besetzten Gebieten gepflanzt und verwilderten in die Umgebung.

Fundorte aus der Zeit 4.500 v. Chr. bis 400 n. Chr. im Wickerbachgebiet
Kultur Zeit Fundorte (Gemarkung)
Michelberger Kultur 4.500 - 3550 Delkenheim
Becherkultur 2.600 - 2.200 Delkenheim
Bronzezeit 2.200 - 800 Breckenheim, Naurod
Urnenfelderzeit 1.300 - 800 Delkenheim, Nordenstadt, Wicker, Flörsheim

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