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Der Weg der Wandlung

Ramona Loriz

Der Weg der Wandlung

Vom geborenen Mädchen zum gelebten Jungen

Eine wahre Geschichte

Wir sind nicht immer das, was wir scheinen zu sein.

Wir sind das, was wir fühlen zu sein.

Mögen viele den Mut haben, ihr Fühlen zu leben.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Wie alles begann

Bis zum 2. Geburtstag war alles rosa

Ein Rebell von Anfang an

Der Weg beginnt

Die ersten Schritte

Der langersehnte Termin

Endlich Endokrinologie

Therapeutensuche und Therapeutenfindung

Der Rückschlag

Namensänderung und Personenstandsänderung

Jetzt geht alles einfacher?

Die Hormontherapie beginnt

Mastektomie und Hysterektomie

Die Reise zur OP

Der Tag der OP

Die weiteren Tage nach der OP

Starke Nerven für das „Danach“

Anhang - Sichtweisen

Die Anträge (Beispieltexte)

Nachwort: Ein kurzer Appell an Eltern und Verwandte.

Danksagungen

Über die Autorin

Vorwort

Es gibt Menschen, die einem sehr am Herzen liegen, einem so nah sind, wie man sich selbst.

Wenn diese Personen zudem eine besondere Lebensgeschichte haben und Sie mitreißen in ihre emotionalen Wogen und Erlebnisse, dann geht es Ihnen genauso wie mir.

Dieses Buch ist nicht wissenschaftlich und enthält keine Studien.

Durch die einfache Erzählung der wahren Geschichte von Ryan und Hannah, wobei die Namen abgeändert wurden, besteht die Möglichkeit, sich als Eltern von transidenten Kindern und Jugendlichen wiederzufinden, zu identifizieren, die ein oder anderen Tipps herauszufinden, zu schmunzeln, sich nicht alleine zu fühlen, Motivation zu erhalten, sich seine eigenen Gedanken zu dem Thema Transidentität zu machen und einfach nur Freude beim Lesen zu haben.

Doch nicht nur die Eltern, sondern auch transidente Kinder und Jugendliche selbst, Großeltern, Verwandte, Freunde, Bekannte und alle Interessierten zum Thema Transidentität sind herzlich zu dieser Lektüre eingeladen, um sich über einen möglichen "Weg der Wandlung" in das andere Geschlecht zu informieren.

Gerade wenn Eltern sehr junger Kinder und Teenager eine "Andersartigkeit" bei ihrem Kind feststellen, sind sie oft sehr unsicher und denken "das wächst sich heraus, das ist nur eine Phase“. Ebenso finden sie keine oder nur spärliche Unterstützung, da auch Mediziner, Psychologen sowie das soziale Umfeld unsicher sind und den jungen Kindern und Teenagern wenig bis keinen Glauben schenken.

Auch wenn sich unsere Gesellschaft zu mehr Toleranz entwickelt hat, entsprechen heranwachsende Transjungen und Transmädchen nicht den „Normen“, welche in dem Wort „Normalität“ enthalten sind. Und schon beginnen Schwierigkeiten.

Denn wer nicht in das Schema der gesellschaftlichen Normen und somit der Normalität passt, stellt eine Herausforderung für sein Umfeld dar. Das Umfeld zeigt zuerst Widerstand, weil es nicht im „normal gewohnten Rahmen“ handeln kann und bereitet somit den transidenten Kindern und Jugendlichen auf der emotionalen Ebene Unverständnis und oft Ablehnung.

Durch dieses Buch möchte ich auf einfache Weise für mehr Verständnis und Annahme dieser jungen Transgender sensibilisieren und ihnen sowie ihrem Umfeld Mut machen, sich allen Herausforderungen mit Selbstvertrauen zu stellen.

Wer Lösungen sucht, der wird sie finden.

Wie alles begann

"Gute Nacht Süße", flüsterte Hannah ihrer Tochter ins Ohr, um sich bei ihr, wie jeden Abend, für die Nacht zu verabschieden. Als sie ihr liebevoll den Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn drücken wollte, fing Lea an zu weinen und vergrub ihr hübsches Gesicht tief in ihrem Kissen. Die Bettdecke zog sie über ihren Kopf, so dass nur noch ihre dunkelbraunen, verträumten, aber aktuell sehr verweinten Augen sowie ihre sogar im Bett noch hochgegeelten kurzen schwarzen Haare hervorguckten.

"Was ist los mit Dir mein Schatz?", fragte Hannah, setzte sich auf die Bettkante und streichelte ihrer Tochter mitfühlend über ihren Haarschopf. "Unser Tag war doch schön, ist denn etwas vorgefallen? Erzähl es mir.“ Hannah war aufgefallen, dass Lea sich schon seit einigen Wochen von ihr und auch dem Rest der Familie zurückzog, wenig redete und völlig verträumt in ihrer Welt war. "Pubertät", dachte Hannah, "die üblichen Phasen eben, ganz typisch, mal wütend, mal beleidigt, mal anhänglich, mal traurig, mal überschwänglich lustig."

"Mama, ich bin kein Mädchen", platzte es plötzlich aus Lea heraus, "ich bin ein Junge, der in einem Mädchenkörper gefangen ist. Das ist so schlimm. Du weißt gar nicht, was ich fühle. Es fühlt sich so falsch an. Keiner versteht das. Ich bin Junge und kann es nicht wirklich leben. Ich will keinen Mädchenkörper mehr haben. Ich habe mich schon die ganze Zeit, seitdem ich lebe, falsch gefühlt. Ich wusste nie warum. Ich habe am Wochenende, als ich bei Papa war, eine Dokumentation über einen Transjungen im Fernsehen gesehen. Danach wurde es mir ganz klar. Das bin ich. So fühle ich. Jetzt weiß ich, warum ich mich falsch fühle. Es muss sich alles verändern Mama." Während sie das sagte, weinte sie unentwegt und schluchzte so laut und verkrampft, dass sich ihre Gesichtshaut tief dunkelrot verfärbte.

Hannah war zunächst sprachlos, mit solch einer Erklärung hätte sie heute Abend nicht gerechnet. Sie versuchte, ihre Tochter zu beruhigen, einfach nur durch ihr stummes Verständnis, denn Worte fielen ihr in diesem Moment nicht ein, die passend hätten sein können. Hannah wunderte sich nur über ein so intensives und konkretes Bewusstsein, denn Lea war gerade mal 11 Jahre alt. Die klaren Worte, die entladenden Emotionen.

Leas Wunsch, Junge zu sein, fühlte sich ernst gemeint an, keine vorübergehende Phase, keine Pubertät, keine Spielerei.

Leas komplettes Verhalten und ihre äußere Erscheinung waren schon seit dem Kindergarten entsprechend männlich. Für Hannah war ihre Tochter immer ein kleiner Wildfang, eben wie ein Junge, doch sie dachte, es "wächst sich noch heraus".

Dieser Abend mit dieser klaren, unumstößlichen Ansage Leas war der Anfang ihres Weges, welcher unbewusst schon begann, als sie zur Welt kam.

Bis zum 2. Geburtstag war alles rosa

"Es ist ein gesundes Mädchen", teilte die Frauenärztin Hannah telefonisch mit. Das heißersehnte Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung lag vor. Hannah war schon 37 Jahre alt, als sie zum zweiten Mal schwanger wurde. Wieder ein Wunschkind. So perfekt. Diese Mitteilung sollte die kleine Familie in Harmonie vervollständigen. Wie im Bilderbuch, Sohn und Tochter. Hannah freute sich so sehr über die Botschaft eines gesunden Mädchens. Wie schon in der ersten Schwangerschaft hegte und pflegte sie den "Inhalt ihres Bauches" und war sehr stolz darauf. Ihr machte es außerordentlich Spaß lauter "Mädchenkram" und rosa Babyklamotten einzukaufen. Da sie zu der Zeit beruflich viel in verschiedenen Städten unterwegs war, nutzte sie jede Mittagspause, um zahlreiche Kinderläden aufzusuchen und "rosa einzukaufen".

Lea kam acht Tage nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Hannahs Wehen begannen wie so meist in der Nacht. Doch als sie mit ihrem Mann ins Krankenhaus fuhr, hörte der "Spuk" zunächst wieder auf. So als ob sich der kleine Mensch in ihrem Bauch noch einmal umentscheiden wollte. Oder nochmals überlegte "will ich überhaupt in die Welt?" Allerdings musste Hannah zur Kontrolle im Krankenhaus bleiben, da das Fruchtwasser nicht ganz in Ordnung war. Nach etwa zehn Stunden hat sich der kleine Mensch dann wohl doch entschieden. Die Wehen begannen erneut und danach verlief alles im Eiltempo. Zwei Stunden und sie war endlich da. Lea war klein, zart, so zerbrechlich. Ein ruhiges, ausgeglichenes Neugeborenes. Die ganze Nacht nach ihrer Geburt lag sie links an der Herzensseite in Hannahs Arm und schlief ganz zufrieden. Nur ab und zu ein leises Glucksen und Aufstoßen, um sich bemerkbar zu machen und Hannah mitzuteilen "Ich bin jetzt da". Als am kommenden Tag bei einer Untersuchung das erste Mal Blut aus Leas kleiner Ferse gezapft wurde, fühlte es sich für Hannah wie Folter an. Sie hatte die bitterlich weinende Lea fest an ihre Brust gedrückt während die Ärzte das Blut fast vergeblich aus dieser kleinen etwas blau unterlaufenen Ferse zu quetschten versuchten. Hannah hatte das tiefe Bedürfnis, alles dafür zu tun, dieses kleine Wesen besonders gut zu schützen. Damals konnten beide noch nicht ahnen, wie viele Blutabnahmen und ärztliche Gesellschaft ihnen noch bevorstanden.

Aus der Klinik zu Hause angekommen wurde dann alles "Rosa" verwendet, was sich angesammelt hatte. Hannah genoss es, zu Hause zu sein, bei ihrer perfekten kleinen Familie. Sie plante, ihre Elternzeit länger auszuweiten, als damals bei ihrem erstgeborenen Sohn, um mehr für die Kinder da zu sein. Als sie mit der im Kinderwagen schlafenden Lea einen Spaziergang machte, klingelte ihr Handy. Eine fremde Nummer. Hannah meldete sich höflich. Am anderen Ende der Leitung erklang eine fremde, nette, männliche Stimme: "Guten Tag, Sie haben sich vor einem Jahr bei uns beworben. Ist Ihr Interesse noch aktuell?" Hannah stutzte und überlegte, was vor einem Jahr gewesen sein könnte. Da bestand noch keine Schwangerschaft. Oh ja, natürlich. Sie hatte sich bei einer großen Firma für den Außendienst beworben. "Selbstverständlich, natürlich…", antwortete sie. Es begann eine Unterhaltung und am Ende, wie ferngesteuert, sagte sie einem Termin zu einem Bewerbungsgespräch zu.

Dabei war sie sich gar nicht sicher, es waren ja gerade erstmal zwei Monate nach der Geburt Leas vergangen und sie wollte doch längere Elternzeit beanspruchen. Außerdem hatte sie mit dem Jobangebot nach so langer Zeit schon gar nicht mehr gerechnet.

Es folgten einige Überlegungen und Gespräche mit ihrem Mann, danach das Bewerbungsgespräch, in dem Hannah sofort eine Zusage erhielt und so entschieden sie sich beide der lieben Finanzen wegen, dass Hannah ihren Job wiederaufnehmen und ihr Ehemann in die Hausmannrolle wechseln sollte.

Hannah brach es das Herz. Bald schon musste sie zur Schulung anreisen und nicht nur Lea in ihren jungen Babyjahren, sondern auch ihren älteren Sohn missen.

Hannah war motiviert, da es sich bei der Firma um ein renommiertes, weltbekanntes Unternehmen handelte. Ein Neuanfang und viel mehr Geld, was dafür sorgen sollte, dass es der kleinen perfekten Familie finanziell gut ging. Trotz des in Aussicht gestellten materiellen Wohlergehens plagte sie ihr Gewissen jeden Tag, der sie von ihren Kindern trennte. Ihr kamen die Tränen, als ihr Mann ihr erzählte, dass ihn Lea in den ersten Nächten der siebenwöchigen Abwesenheit Hannahs nur ansah und lange wartete, bis sie aus ihrem Fläschchen trank. So, als ob sie ihn mit Blicken fragen wollte: "Wer bist Du denn? Wo ist das vertraute Gesicht? Wo ist meine Mama?"

Doch was blieb Hannah übrig, als ihre Gefühle zu unterdrücken und sich jede Woche auf das Wochenende zu freuen, an dem sie ihre Kinder in die Arme schließen konnte.

Die Zeit verging und Lea wurde älter. Schon mit zweieinhalb Jahren drängte sie darauf, mit ihrem Bruder den Kindergarten zu besuchen, der sich übrigens direkt gegenüber dem Haus der kleinen Familie befand. Während andere Kinder, die so jung zum Kindergarten gingen, weinten und ihre Eltern lieber festhielten, schien es Lea sehr zu gefallen "außer Haus zu sein". Die Begleitung ihres großen Bruders machte die Sache sicher leichter, doch sie war charakterlich auch sehr aufgeschlossen, kontaktfreudig, gesellig und fand schnell Freunde. Genau, Freunde, keine Freundinnen. Lea, zwar rosa gekleidet, spielte lieber mit Jungs als mit Mädchen. Hannah dachte, es läge daran, dass sie einen großen Bruder hatte. Es also eine Art Gewohnheit war, mit Jungs zu spielen.

Lea liebte es, mit ihren „Kumpels“ und ihrem älteren Bruder mit dem Bobby Car die Einbahnstraße vor ihrem Haus in die verkehrte Richtung herunterzusausen. Es war eine verkehrsberuhigte Zone, doch ging die Straße dermaßen steil bergab, dass Hannah nicht hinsehen konnte. Zum Glück ging dabei immer alles gut. Und Hannah ließ es zu, weil Verbote spannend waren und gerne gebrochen wurden. Fahrrad, Lego, Polizei, Feuerwehr und eigentlich alles, womit sich Jungs beschäftigen, zog Lea dem Spielzeug für Mädchen vor. Den Puppenwagen und die darin liegende, ebenfalls rosa bekleidete Puppe, welche ein Geschenk ihrer Patentante war, stellte sie in die Ecke und die Puppe musste sich von Lea die Haare schneiden lassen. Kurze Haare, wie ein Junge. Ein Puppen-Mädchen lehnte Lea ab.

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Viel Spaß!



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