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Der Tod wohnt nebenan

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. 1
  5. 2
  6. 3
  7. 4
  8. 5
  9. 6
  10. 7
  11. 8
  12. 9
  13. 10
  14. 11
  15. 12
  16. 13
  17. 14
  18. 15
  19. 16
  20. 17
  21. 18
  22. 19
  23. 20
  24. 21
  25. 22
  26. 23
  27. 24
  28. 25
  29. 26
  30. 27
  31. 28
  32. 29
  33. 30
  34. 31
  35. 32
  36. 33
  37. 34
  38. 35
  39. 36
  40. 37
  41. 38
  42. 39
  43. 40
  44. 41
  45. 42
  46. 43
  47. 44
  48. 45

Francisco González Ledesma

DER TOD
WOHNT
NEBENAN

Roman

Übersetzung aus dem Spanischen
von Sabine Giersberg

1

Gut.

Der Mann, der sterben wird, ist schon da.

Er hegt keinen Verdacht. Er ist verzückt von dem alten Ort, der ihn an längst vergangene Zeiten erinnert.

»Sieh dir nur den Stuck an der Decke an«, flüstert seine Begleiterin, »Handarbeit, so etwas macht heute keiner mehr. Und diese Jugendstilfenster mit dem Glasschliff. Und die dunklen Stellen an der Wand, da hingen früher die Spiegel.«

Der Todgeweihte schaut und schaut, und die Stimme begleitet ihn. Er geht nicht oft ins Museum, doch die Stimme hört sich an wie die einer Museumsführerin. »Und erst das Badezimmer. Die Armaturen sind nicht mehr da, aber auf wundersame Weise ist ein einziges Manises-Becken noch vollständig erhalten.«

Der Todgeweihte schöpft immer noch keinen Verdacht.

Bis er den Handschuh zwischen den Fingern aufblitzen sieht, fein wie der einer Frau und flink wie der eines Magiers. ›Warum braucht man hier Handschuhe?‹, mag er sich fragen, ›bei der Hitze …‹

Dann die Pistole.

Eine 38er.

Der Mann, der sterben wird, weiß das, er kennt sich aus mit Waffen. Entgeistert starrt er den metallisch glänzenden Gegenstand an. Im ersten Moment denkt er, es handele sich um einen Scherz. Er versucht sogar zu lachen.

»Was hat das zu bedeuten?«

»Auf die Knie, Dreckskerl.«

Der Mann, der sterben wird, hat jetzt keineswegs mehr das Gefühl, es handele sich um einen Scherz, und obwohl er immer noch nicht ganz begreift, sagt ihm sein Instinkt, dass es besser ist zu gehorchen. So würde er Zeit gewinnen. Er könnte auch versuchen, sich auf die fünf Schritte entfernte Pistole zu stürzen, aber dann würde die Zeit nicht mal mehr für die Letzte Ölung reichen. Er kniet nieder und murmelt mit weit aufgerissenen Augen: »Was ist das hier? Die Generalprobe für ein Fest?«

Man sieht in der Tat lange, festlich gedeckte Tische. Glänzende Flaschen. Sogar ein leichtes Glitzern auf dem Geschirr von Manises, das ein Verwandter von Präsident Azaña gestiftet hat.

»Auf die Knie. Ich will dich auf allen vieren kriechen sehen.«

Die Stimme hört sich plötzlich metallisch an, dunkel. Kaum zu glauben, dass sie aus diesem Raum kommt. Der Mann, der sterben wird, weiß plötzlich, blitzartig, dass seine letzte Sekunde gekommen ist. Aber das ist auch das Einzige, was er weiß. Er versucht aufzustehen.

Dann die Kugel. Nur eine einzige, ein professioneller Schuss. Sein Kopf wird nach hinten geschleudert, als sollte er abreißen. Der Körper fällt zu Boden.

Was der Mann, der stirbt, in diesem Moment begreift, nutzt ihm nichts mehr.

2

Die Tische bogen sich unter Sandwiches mit Chorizo, Käse, Salchichón, billigem Landschinken und marinierten Sardinen, die man an einem Sonntagnachmittag in der Hafeneinfahrt gefangen hatte. Es gab Cariñena-Wein, galicischen Trester für die Hartgesottenen, Wasser und ein ganzes Sortiment an fettarmen Joghurts für die Mütter, die Diät machen mussten, damit sie in die winzigen Wohnungen passten, in denen sie jetzt hausten.

Es sollte so etwas wie das letzte Abendmahl sein.

Und zu diesem Mahl hatte der Nachbarschaftsverein des Viertels aufwändig geladen.

Auf geht’s, Nachbarn, lasst uns gemeinsam die Straße überqueren, denn es naht die letzte Stunde, hob der Präsident an.

Wir alle wissen, was dieses alte Haus mitgemacht hat. Das Haus hat alles überlebt, meine Freunde, die Tragische Woche, die Bomben des Bürgerkriegs, die Armut und den Zerfall. Doch die Spekulanten wird es nicht überleben. Denn heute, meine lieben Freunde, ist das Grundstück mehr wert als die Wohnungen darauf – und natürlich auch als die Bewohner und ihre Seelen. Da können auch die »Richter für die Demokratie« und die »Ärzte ohne Grenzen« nichts ausrichten. Das Gebäude wird abgerissen und ein anderes, höheres, im Namen der Größe der Stadt gebaut. Denn ihr müsst wissen, heute leben wir im reichen Barcelona des 21. Jahrhunderts.

Nachbarn, wir treffen uns alle in der ersten Etage.

Wir haben die erste Etage gewählt, nicht nur weil sie für die Arthrosegeplagten gut zu erreichen ist, sondern weil sie am besten erhalten ist und man dort garantiert nicht einbricht. Das ist kein Zufall, meine lieben Freunde, so wie nichts in diesem Leben Zufall ist: Die Mieterin, Señora Ruth, hat die Wohnung so gut in Schuss gehalten, weil sich darin ein Salon befand, in dem vier Mädchen im Negligé heimlichen Besuch von Herren erhielten, die Münze für Münze zusammengespart hatten, um ihrem Laster frönen zu können. Etwas von dieser Atmosphäre ist noch vorhanden, und ich werde euch vor dem Abriss noch ein letztes Mal die Türen öffnen.

Die Bewohner traten ein und sahen alles.

Die Balkone.

Die Stuckornamente oben an den Wänden.

Die Türen, auf die jemand etwas gekritzelt hatte.

Den bunt bestückten Tisch.

Die feierlich in einer Reihe aufgestellten Flaschen.

Und den Toten.

3

»Na schön, schauen wir mal, wer der Tote ist.«

Das sagte Comisario Monterde, der Herr Hauptkommissar, während er sich eine Montecristo Edmundo anzündete, die letzte des Monats. Mittlerweile brauchte man ja fast schon eine Genehmigung der NATO, wenn man Zigarren kaufen wollte. Er zog den Aschenbecher zu sich heran, sog genüsslich den Rauch ein und las die Aussage, die sein Assistent ihm übergeben hatte.

Wer der Tote ist?

Obwohl es schon viele Jahre her ist, es dürfte 1975 gewesen sein, ist er im Viertel kein Unbekannter. Viel weiß ich nicht über ihn, nur dass er Omedes hieß, nichts gelernt hatte und ein übler Geselle war.

Er schlug sogar seine Mutter, verbrachte seine Kindheit in der Besserungsanstalt, die frühe Jugend im Gefängnis und später lebte er bei Madame Ruth, die ein gemütliches, billiges Etablissement führte, mit lauter jungen Damen, die an die Heilige Jungfrau glaubten. Bis er eine von ihnen misshandelte und Madame Ruth einen Schläger anheuerte, der ihm sämtliche Rippen brechen sollte. Der Schläger stammte aus dem Viertel und hat, glaube ich, nicht einmal etwas dafür verlangt.

Dann wollte Omedes hoch hinaus, er wollte das große Geld und überfiel mit einem Kumpanen eine Bank, wobei der Wachmann und die Geisel, ein gerade mal dreijähriger Junge, zu Tode kamen. Sein Kumpel wurde gefasst, aber Omedes gelang es, mit einem Teil der Beute abzutauchen, bis heute, soweit man weiß, Herr Hauptkommissar, aber, nicht wahr, im Viertel kommt am Ende ja doch immer alles ans Licht.

Unser Verein bedauert, dass er nicht mehr Informationen über den Verstorbenen hat. Leider gibt es auch keine Hinweise aus erster Hand über den Zustand, in dem er aufgefunden wurde, denn die Bewohner haben, von Neugier getrieben, die Leiche angefasst, und ich glaube, sie haben sogar seinen Hosenstall geöffnet, natürlich ohne böse Absicht.

Aber sie haben gesehen, dass man ihm einen Genickschuss mit einer 38er verpasst hatte, dass es sich also um eine kaltblütige Exekution handelte. Das mit dem Kaliber 38 sagt eine Bewohnerin, deren Mann bei der Polizei ist, dessen Dienstwaffe aber sie aufbewahrt. Sie muss es also wissen, nicht wahr?

Drei Dinge möchte ich noch anführen, mit allem gebührenden Respekt: Erstens, vor dem Vorfall wurde im Haus eine junge Frau gesehen, die niemand kannte. Zweitens sollten Sie Madame Ruth aufsuchen, wenn sie noch lebt, denn sie weiß bestimmt noch mehr über den Verstorbenen. Doch ich muss Sie vorwarnen, soweit ich weiß, hat es Madame Ruth, die einstige Hure, zu Wohlstand gebracht und ist inzwischen Marquesa, womit widerlegt wäre, dass schlechte Wege nicht zum Ziel führen. Und drittens, betrauen Sie, wenn Sie können, jemanden mit dem Fall, der Zeit hat, denn in einem Haus, das es nicht mehr gibt, zählen auch die Stunden nicht. Hochachtungsvoll. Im Namen der Nachbarschaftsvereinigung, der Präsident.

4

»Man hat mir gesagt, Sie hätten Zeit, Méndez.«

»Alle Zeit der Welt, Herr Hauptkommissar, man betraut mich nicht mehr mit Fällen, ich stehe kurz vor der Pensionierung, also kurz vor dem Eintritt in das Stadium post mortem.«

Der wichtige Herr Hauptkommissar oder Vorgesetzte oder wie auch immer man ihn nennen mag, setzte eine selbstzufriedene Miene auf und hantierte mit den Händen vor dem Bauch, als wollte er eine Schwimmweste anlegen. Dann sagte er: »Ich weiß, dass sich Ihre Lebensbedingungen schon verbessert haben, Méndez. Sie leben nicht mehr im Hinterzimmer einer Bar, wo sie manchmal gar nicht hineinkonnten, weil sich gerade jemand die Besitzerin vornahm. Es ist mir ein Rätsel, wie Sie das so lange aushalten konnten. Aber was Frauen angeht, hat jeder seine eigene Toleranzschwelle, vor allem, wenn es sich um die Frauen von anderen handelt. Man hat mir gesagt, sie lebten jetzt in einer kleinen Wohnung gegenüber von Atarazanas. Die soll so vollgestopft mit Büchern sein, dass möglicherweise Ihre letzte Putzfrau darunter begraben liegt …«

»Ja, ich habe mich verbessert, aber mein Leben ist nach wie vor ein einziges Desaster, Señor M.«

»Das verstehe ich, Méndez: Ihre Welt stirbt. Die alten Cafés von Barcelona, wo die Republik ausgerufen wurde, und in denen Sie das Farbenspiel am Abendhimmel beobachtet haben, machen nach und nach dicht, viele auf Anordnung der Gesundheitsbehörden. Das alte Raval ist auch nicht mehr, was es mal war, seit die Avenida gebaut wurde, Geschäfte mit Magermilchprodukten schießen aus dem Boden, die Madames sind verschwunden, und die Zahnärzte gekommen. Sie nennen es nicht einmal mehr Barrio Chino. Das Land hat seine Würde verloren, mein lieber Méndez. Die alten Huren, die Ihnen ihr Leben erzählt haben, sind tot, sie sind in ihre Dörfer zurückgekehrt, sie haben auf dem Rathaus eine Kollegin geheiratet oder sie sind Kongressabgeordnete geworden. Die Welt verändert sich, Méndez, und Sie sollten aufhören, Dingen nachzutrauern, an die längst keiner mehr glaubt.«

»Ja, meine Welt ist tot, und eigenartigerweise lebe ich noch. Ich weiß nicht, warum Sie mich haben rufen lassen, Señor M.«

»Weil Sie sich auf der Straße auskennen. Sie kommen viel rum, sprechen mit den Leuten, stellen sich bei den pakistanischen Frisören in die Schlange und gehen zur Beerdigung früherer Gewerkschafter, Chorknaben und anderer Glanz-und-Gloria-Vereine, die es in den Vierteln so gibt. Da wird über vieles gesprochen, vor allem darüber, was der Verstorbene für Hörner aufgesetzt bekam.«

»Das stimmt. Es sollte Särge mit Fenstern geben, Señor M.«

»Sagen Sie das nicht zu laut, sonst lässt sich das noch einer patentieren. Aber kommen wir zur Sache, mein Freund. Sie werden gelesen haben, dass in einem Abrissobjekt ein Kerl namens Omedes aufgetaucht ist, der nach allen Regeln der Kunst abgeknallt wurde. Seine Polizeiakte hat sich gewaschen. Der hatte mehr Anzeigen am Hals als einer, der das Rauchen nicht lassen kann. Er war vor Jahren an einem Überfall beteiligt, bei dem ein Wachmann und ein dreijähriger Junge ums Leben kamen. Omedes hatte keinen Ausweis bei sich, den hat der Täter wahrscheinlich mitgehen lassen. Bei unseren Ermittlungen sind wir nicht weiter gekommen, die Spuren führen ins Leere. Wir haben nur einen kleinen Anhaltspunkt. Dieser Omedes war als junger Mann ziemlich oft an dem Ort, an dem er starb. Das war früher ein Bordell, geführt von einer gewissen Madame Ruth, und die lebt noch. Angeblich hat sie einen Marquis geheiratet. Vielleicht weiß sie etwas, vielleicht kann sie uns einen Hinweis geben, aber das kann nur ein echter Spürhund wittern.«

Méndez war gerührt von dem unverdienten Lob.

»Ich kannte Madame Ruth«, sagte er. »Ihr geheimes, kleines Etablissement befand sich dort bis nach Francos Tod.«

»Ich werde Ihnen ihre aktuelle Adresse geben. Gehen Sie hin und reden Sie mit ihr, aber mit Fingerspitzengefühl, nicht dass sie sich angegriffen fühlt. Bedenken Sie, die Marquesas, die Huren waren, oder die Huren, die sich jetzt Marquesas nennen, treten neuerdings unter dem Applaus der Wähler im Fernsehen auf. Man hat mir gesagt, diese Ruth verlasse ihr Haus nicht mehr, sei aber gesünder als ein Bischof.« Mit einem aufmunternden »Bewegung, Méndez« entließ der Hauptkommissar ihn. Und das im 21. Jahrhundert!

5

»Von wegen Bewegung, Méndez, und von wegen Madame Ruth heute verwitwete Marquesa de Solange ist gesund wie ein Bischof«, sprach Méndez in das Telefon einer Bar. »Fehlanzeige, Herr Hauptkommissar. Das Haus, in dem die Dame jetzt lebt, ist ein Relikt des alten Barcelona, eines von diesen Ferienhäusern mit Garten, die im neunzehnten Jahrhundert den wohlhabenden Schichten als Sommerquartier dienten, die die Stadt nicht verlassen wollten, weil der Hausherr seine Arbeit und seine Geliebte und die Dame des Hauses ihre feste Büglerin und Friseurin hatte. Das Haus liegt im Horta-Viertel, heute ein belebter Ort voller Kneipen. Aber früher gab es dort ein Wäldchen und Quellen, das Klima war frischer, und die Revolutionäre sind dort nie hingekommen. Das Haus, von dem ich spreche, hat drei Etagen, im Garten stehen zwei uralte Bäume und es gibt eine Dogge. Wenn die einen ins Visier bekommt, ruft man am besten gleich den Notarzt.«

Méndez hob kurz die Hand, um sich beim Wirt für das Überlassen des Telefons zu bedanken, und fuhr fort:

»Die Ermittlungen waren nicht besonders schwierig, Herr Hauptkommissar. In diesem kleinen, eher ländlichen Viertel wissen die Leute alles. Señora Ruth lebt zurückgezogen im Haus ihres Mannes und wird von einer recht jungen Frau versorgt, die sie offensichtlich seit vielen Jahren kennt. Es schien mir unpassend, sie zu befragen. Man sieht ihr an, wie schlecht es ihr geht, sie hat ein Mordskrebsgeschwür. Gerade war der Arzt da, den sie wohl auch schon seit Jahren kennt. Ich werde später versuchen, mit ihm zu sprechen, falls der Köter ihn nicht in Stücke reißt.«

*

»Sie sehen besser aus, Ruth«, sagte der schon sehr betagte Arzt. »Es ist heiß im Zimmer, aber Sie sehen gut aus. Ich denke, wir können mit der Dosis heruntergehen«, und mit einer Handbewegung fügte er hinzu, »doch erst einmal müssen sie dieses Bild von der Wand nehmen. Ich weiß nicht, wie Sie auf die Idee kommen konnten, es dort aufzuhängen.«

Die Reproduktion von Munchs Der Schrei zeigt ein Frauengesicht, dessen formloser Mund ein letztes Heulen ausstößt, ein Schmerz, der aus der Luft kommt, aber in den Eingeweiden lebt, und im Hintergrund ein paar Wolken, die uns nicht mehr gehören, die nicht mehr von unserer Welt sind. Der Schrei im Zimmer einer Frau, die sterben wird, einer schreienden Frau.

»Hängen Sie es ab.«

»Es ist eine ausgezeichnete Reproduktion. Außerdem ist es ein Geschenk.«

»Wie originell!«

»Dasselbe könnte ich von Ihnen sagen. Sie faseln etwas von schwächerer Dosierung und geben mir immer stärkere Schmerzmittel. Als wäre ich blöd. Ich merke, dass es bergab geht, dass ich keine Chance habe. Das Einzige, worum ich Sie bitte, ist, dem Leiden ein Ende zu machen. Aber nicht mit Schmerzmitteln oder irgendwelchem Katzenlebertrunk. Ich habe Sie gebeten, mir einen gütigen Tod zu schenken, Doktor. Sie haben mich ein ganzes Leben lang behandelt. Und Sie beschwindeln mich und verlängern mein Sterben. Wir glauben heutzutage alle an die Euthanasie, und Sie verfügen über Mittel und Wege … Lassen Sie uns dem Ganzen ein Ende machen.«

Der Arzt hob hilflos die Arme.

»Hören Sie auf, ich kann nicht … Ich kann das nicht einfach nach Gutdünken entscheiden, verstehen Sie doch, zumal es noch Hoffnung gibt. Ich bitte Sie doch nur, an mich zu glauben.«

Die Kranke lächelte. Sie warf ein eisiges, zahnloses Lächeln in die Luft, leblos, wie das Lächeln eines mechanischen Totenkopfes.

»Natürlich glaube ich an Sie, na klar. Ich glaube, Sie sollten zur Hölle fahren.«

*

»Ich werde die Ermittlungen in diesem Viertel fortsetzen, Herr Hauptkommissar«, Méndez senkte seine Stimme. »Das ist zwar nicht mein Viertel und ich bin gerade erst vom Nesselfieber genesen, aber ich werde meiner Pflicht nachkommen. Lange werde ich dafür ohnehin nicht brauchen, denn ich weiß bereits …«

Méndez flüsterte jetzt: »Ich weiß bereits, wer diesen Omedes umgebracht hat. Ein Kerl namens Miralles. Nein, beglückwünschen Sie mich nicht, Herr Hauptkommissar, es war ganz einfach, ein wenig umhören, ein Blick in die Register und ein Besuch auf dem Friedhof.«

6

»Soso, ein Friedhofsbesuch.«

Der Satz kam aus dem Mund von Señor Carrasco, dem bekannten Besitzer einer ebenso bekannten Kneipe. Als die Firma, bei der er arbeitete, geschlossen wurde, hatte man Señor Carrasco vorzeitig in Ruhestand geschickt, und mit dem Vorruhe- und dem Arbeitslosengeld hatte er eine Kneipe aufgemacht, für die er rasch einen Namen gefunden hatte: La Anticipada – Vorruhestand. In ihr wurden Kaffee, Erfrischungsgetränke, hausgemachte Speisen, Bier vom Fass und Tresterschnäpse mit Echtheitszertifikat serviert, die ein Landsmann von ihm eigens aus Galicien mitgebracht hatte. Die Unterschrift konnte ebenso gut vom heiligen Apostel Santiago stammen.

Der Wirt sagte:

»Sachen gibt’s … Ein Friedhofsbesuch.«

»Ich habe einen letzten Blick auf das Abrisshaus geworfen, dessen Wände in mir so nostalgische Gefühle wecken. Sie wissen ja, ich bin einer dieser namenlosen Polizisten, die die Tatorte mehrfach besuchen, weil die Orte zu mir sprechen. Ich bin auch in das Viertel gegangen, in dem Madame Ruth heute lebt. Na ja, leben kann man das wohl nicht mehr nennen, nicht einmal im Scherz, denn sie hat Krebs im Endstadium, und zu allem Überfluss wird sie von einer ihrer ehemaligen Huren gepflegt, der man ansieht, dass sie sie hasst. Eine schlimmere Hölle kann man sich nicht vorstellen. Mein Chef hat mich da hingeschickt. Er hat behauptet, ich sei der Einzige, der die Zeit dazu habe. Doch schon als ich diese Kneipe betrat, wusste ich, wer diesen Omedes umgebracht hat, den Toten, von dem die Hausbewohner Abschied genommen haben.«

»Mensch, Señor Méndez, Sie sind ein Genie. Und alles durch den Besuch eines Grabes.«

»Natürlich habe ich mit den Leuten hier gesprochen. Das ist noch ein traditionelles Viertel mit ein paar sehr alten Leuten, die sich an alles erinnern. Und, wie gesagt, diese Leute haben mich zum Sterberegister geführt, und von dort zu einem einsamen Grab, auf dem immer frische Blumen stehen. Ein Kinderspiel.«

»Nun, man wird Sie bestimmt bald befördern, Señor Méndez.«

»Mich befördert niemand. Außerdem ist der Fall noch nicht abgeschlossen, denn ohne Beweise kann ich den Verdächtigen nicht festnageln, es sei denn, ich versuche es aufs Geratewohl. Meine Vorgesetzten haben mir gesagt, ich solle ihm folgen und alles über ihn herausfinden. Es ist mir gleich, wenn er davon erfährt. Vielleicht ist es sogar besser.«

»Natürlich wird er davon erfahren. Auf jeden Fall, danke für das Vertrauen.«

»Dazu gibt es keinen Grund. Ich rede immer in den Kneipen, und die Kneipen sprechen mit mir, und so finde ich Dinge heraus. Aber die guten alten Zeiten sind vorbei, die Leute reden nicht mehr an der Theke, es sei denn über Fußball. Manchmal nicht einmal das. Die ganz jungen Kerle kratzen sich am Sack, die Familienväter rechnen ihre Hypotheken durch, und die Alten stieren in die Glotze. Jedenfalls hat sich einer von den Alten, die sich noch an Omedes erinnern konnten, auch an das Grab erinnert. Das Grab eines Dreijährigen, auf dem immer frische Blumen stehen. Und ich habe es besucht. Sie hätten sehen sollen, was auf dem Stein stand. Ich erzähle es Ihnen, weil es sich um eine öffentlich zugängliche Information handelt. Zumindest solange noch kein Multikonzern die Grabsteine der Friedhöfe privatisiert.«

»Na dann schießen Sie mal los, Señor Méndez.«

»Ganz oben stand der Name: Juan Miralles Cuesta. Und darunter: ›Gestorben im Alter von drei Jahren‹. Und darunter, in Großbuchstaben: ›WEISE‹. Stellen Sie sich das mal vor, Herr Frührentner, weise, im Alter von drei. Das soll einer verstehen.«

Méndez trank seinen Schnaps aus – gewiss hatte man ihn zu Fuß aus Galicien auf der Route der romanischen Kirchen bis hierher transportiert – und fuhr fort: »Wenn Omedes also an dem Überfall, bei dem ein dreijähriges Kind starb, beteiligt war, haben wir das Motiv – Rache. Und der Rächer ist der Vater, ein gewisser Miralles. Denn die Jahre mögen vergehen, aber der Hass bleibt. Und sticht. Ich muss diesen Miralles verfolgen. Aber nicht nur ihn. Ich lasse nicht locker, bis ich ihn habe, auch ohne Dienstanweisung.«

»Was wollen Sie damit sagen?«

»Dieser blutige Überfall wurde von zwei Leuten begangen. Also gibt es noch einen Komplizen.«

7

Von dem Zimmer aus, das auf einen schmalen Innenhof hinausging, konnte man nur eine weiße Wand und ein paar Rohrleitungen erkennen. Ein Stuhl, ein Tisch mit Papieren, ein Radio, ein Regal mit Büchern, ein stets ausgeschaltetes Heizöfchen und vier gerahmte Fotografien. Von den vier Fotos zeigten drei einen kleinen Jungen: ein Junge, der mit einem Jahr zu laufen anfängt, ein Junge, der zum ersten Mal auf ein Kinderfahrrad klettert, ein Junge, der etwas auf eine Tafel kritzelt und sich dabei kaputtlacht.

Das letzte Foto zeigte einen Mann, nicht mehr jung, aber ein Personalchef würde sagen, im leistungsfähigen Alter. Er trug die Uniform eines Security-Mannes, eine tadellos gebundene Krawatte, eine ordentlich sitzende Mütze, und er trug ein Halfter, Handschellen und eine Pistole.

Als sich die Zimmertür öffnete, wanderte der Blick zu den Fotografien. Auf dem perfekten Foto trug der uniformierte Mann einen 38-er Star-Revolver am Gürtel. Die Hände mit den Handschuhen trugen eine andere Pistole, eine Tokarev, auf der man nicht die geringste Spur finden würde. Es handelte sich nicht um eine gewöhnliche Dienstwaffe, doch sie hatte dasselbe Kaliber. Die Hände nahmen das Magazin heraus, und die Augen sahen, dass noch drei Kugeln übrig waren.

Mit einem leisen Schnappen wurde das Magazin wieder eingelegt. Dann öffneten die Hände das einzige Fenster – von dem aus man auf eine weiße Wand und Rohrleitungen blickte – und hoben die rechte Seite des in zwei gleich große Hälften geteilten, sauber gestrichenen Fensterbretts an. Darunter befand sich ein Hohlraum, eine Plastiktüte lag darin. Die Hände packten die Pistole ein und schoben sie in die maßgefertigte Öffnung. Dann legten sie das Stück Holz wieder an seinen Platz, kein Spalt war zu sehen. Fenster zu, und alles war in bester Ordnung.

Drei Kugeln. Es waren einmal vier gewesen, eine hatte einem Mann namens Omedes den Nacken zerfetzt. Mit den anderen drei konnte man den nächsten Job erledigen.

Denn da war noch ein zweiter Mann. Die nächste Aufgabe.

8

Es war dieser andere, der anrief. Aber das konnte der Anwalt Escolano im Büro von »Ramírez und Escolano, Anwälte für Scheidungs- und Familienrecht« nicht wissen, als das Telefon schrillte.

Escolano ging quer durch das Büro vorbei an dem Sitzungstisch, an dem schon lange keine Sitzung mehr stattgefunden hatte. Er überlegte, wie groß die Chance war, dass mit diesem Anruf ein neuer Auftrag ins Haus flatterte. Praktisch gleich null, dachte er. Seit zwei Monaten riefen die Gerichte oder ehemalige Klienten ihn nur noch wegen irgendwelcher Lappalien an, weil sie nicht durchblickten. Das war aber noch nicht mal das Schlimmste. Manchmal rief man ihn auch an, um ihn daran zu erinnern, dass er das Darlehen vom letzten Jahr oder die Miete für das Büro noch nicht bezahlt hatte oder alte Mietschulden, die immer weiter anwuchsen. Höchstens jedoch wurde ihm ein schlecht bezahltes Mandat angeboten, wenn er mal wieder als Pflichtverteidiger an der Reihe war. Von neuen Mandanten keine Spur. Und das bei den vielen Familienstreitigkeiten und der Menge an Leuten, die sich scheiden ließen. Aber die schnappten ihm offenbar andere weg.

Das Sitzungszimmer war schon alt und kaum benutzt, das Büro erst recht. Sein Vater hatte es zu einer Zeit erworben, als es noch sehr formell zuging und die Anwälte schwarze Krawatten trugen, und es war das Einzige, was Escolano, dem Rechtsanwaltssohn, von seinem Vater geblieben war. Das, ein paar Schulden – ein Anwalt mit schwarzer Krawatte muss schließlich etwas darstellen und das kostet – und Erfahrung in Sachen Trennung und Scheidung, denn sein Vater hatte das selbst hinter sich.

Und der Sohn trat, Gott sei es geklagt, in die Fußstapfen seines Vaters. Getrennt von seiner Frau, weil er ihre hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte, war Escolano Experte in Sachen Diskussionen, Streit um die Kinder, das Geld, die Wohnung. Weil du mich im Bett nicht befriedigst, weil du die arme Mama beleidigt hast, dabei habe ich so an dich geglaubt und du hast dich als niemand, oder besser gesagt, als Arschloch entpuppt. Escolano und sein Büro waren Experten in Sachen Beschimpfungen und Klagen, doch trotzdem wollten sich die neuen Mandanten, die es gewohnt waren zu schimpfen und zu heulen, partout nicht einfinden. Blieb nur noch der Suff, dachte Escolano junior manchmal. Doch selbst die Spirituosen hätte er anschreiben lassen müssen.

Das Telefon hatte fünfmal geläutet, als er schließlich abnahm.

»Kanzlei Ramírez y Escolano, was kann ich für Sie tun?«

Eine raue Stimme fragte: »Sind Sie Señor Escolano oder Señor Ramírez?«

»Señor Escolano. Señor Ramírez ist vor einigen Monaten verstorben, die Kanzlei trägt aus Pietätsgründen weiterhin seinen Namen.«

»Sind Sie der Vater oder der Sohn? Ich vermute, der Sohn, der Vater muss schon ziemlich alt sein.«

Also wieder kein Fall, dachte der Anwalt. Oder höchstens so ein Mist mit einer alten Forderung.

»Ich bin der Sohn«, murmelte er. »Mein Vater ist schon vor Jahren verstorben, und ich habe die Kanzlei übernommen. Mit wem spreche ich bitte?«

»Mit Erasmus.«

»Bedaure, der Name sagt mir nichts.«

»Das verstehe ich«, räumte die raue Stimme ein. Sie klang wie die Stimme eines einfachen Menschen, man merkte, dass dem Mann kultivierte Konversation fremd war. »Außerdem hat der Name es in sich, nicht wahr? Aber Ihr Vater hat ihn mir gegeben. Er sagte, ich sei sehr schlau, so schlau wie … Also Ihr Vater war ein Bewunderer von Erasmus von … von …

»Von Rotterdam.«

»Genau. Jeder hat so seine Liebhabereien.«

Der Unterton bei den letzten Worten war eindeutig spöttisch. Escolano merkte, wie dieser Erasmus sich über die Lesegewohnheiten seines Vaters lustig machte. Eigentlich hätte er auflegen sollen, doch er fragte geduldig: »Nun gut … Warum rufen Sie an?«

»Ich weiß nicht, ob ich mit Ihnen sprechen sollte, Sie sind nicht Ihr Vater. Mit Ihrem Vater habe ich über alles gesprochen, wie ich schon sagte, er hat mir sogar meinen Namen gegeben. Aber wie ich sehe, sagt Ihnen das alles nichts.«

»So ad hoc nicht. Aber ich führe die Kanzlei meines Vaters, wenn es sich also um eine alte Sache handelt, kann ich Ihnen vielleicht helfen … fachlich. Wir würden Zeit sparen, wenn Sie so freundlich wären, mir zu sagen, was Sie wollen und warum Sie anrufen.«

»Ich gehe davon aus«, fuhr besagter Erasmus fort, »dass es sich immer noch um eine bedeutende Kanzlei handelt.«

»Selbstverständlich. Warum sollte dem nicht so sein?«

»Weil Sie selbst das Telefon abgenommen haben und nicht Ihre Sekretärin.«

Escolano biss sich vor Wut auf die Unterlippe. Aber es stimmte: Sein Vater hatte zwei Sekretärinnen und einen Bürovorsteher gehabt, und er hatte niemanden. Obwohl, am Ende seines Lebens hatte sein Vater auch niemanden mehr gehabt. Mit der Scheidung waren die Illusionen, die geregelte Arbeit, die Aufmerksamkeit gegenüber dem Personal, die Girokonten, einfach alles den Bach hinuntergegangen. Ein Mann muss das Gefühl haben, für etwas zu arbeiten, und in den letzten Jahren hatte sein Vater nicht mehr gewusst, wofür er es tat. Und heute ging es dem Sohn genauso. Doch dieser Sohn, mürbe von der Last der Jahre, murmelte: »Ich stand zufällig direkt neben dem Telefon, als es läutete. Meine Kanzlei ist bedeutend. Und überhaupt steht es Ihnen nicht zu, das zu beurteilen.«

»Nun, das habe ich damit auch nicht sagen wollen. Ihr Vater war ein bedeutender Mann, verstehen Sie mich richtig, ein bedeutender Anwalt. Er hat mich aus einem großen Schlamassel herausgeholt, und ich konnte ihn nicht bezahlen, aber jetzt haben sich die Dinge geändert, und ich könnte Sie großzügig entlohnen, wenn Sie … wenn Sie mir helfen.«

»Wir Anwälte sind dazu da, um zu helfen«, sagte Escolano ausweichend, »aber es wäre besser, wenn Sie mir vorab sagten, sofern das am Telefon möglich ist, aus welchem Schlamassel Sie mein Vater herausgeholt hat.«

»Natürlich kann man das am Telefon sagen … Das ist eine halbe Ewigkeit her, damals gab es noch die Todesstrafe, das war 1976, kaum mehr vorzustellen – und außerdem ist das Urteil rechtskräftig. So sagt man doch, nicht? Rechtskräftiges Urteil. Niemand kann mich mehr anklagen … Also Ihr Vater hat mich vor der Würgschraube bewahrt. Aber so schwierig war das damals auch nicht mehr, man war gerade dabei, die Verfassung zu ändern, und wie Sie wissen, wurde die Todesstrafe abgeschafft. Aber er hat sich wacker geschlagen, wacker. Also hören Sie, so seltsam Ihnen das vorkommen mag, aber wir müssen uns treffen. Es wird sich für Sie lohnen.«

»Es wird sich lohnen …« Genau diesen Satz hatte Escolano in der letzten Zeit so vermisst. Trotzdem musste er sich zwingen, freundlich zu klingen, als er fragte:

»Was für ein Verbrechen haben Sie begangen? Ich gehe davon aus, das können Sie mir sagen, wenn das Verfahren abgeschlossen ist.«

»Aber selbstverständlich. Ich weiß nicht, wie alt Sie sind, aber ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Ihr Vater Ihnen nie von meinem Fall, dem Erasmus-Fall, erzählt hat, denn mit Sicherheit hat er in seinem ganzen Leben keinen Fall wie diesen gehabt. Wie dem auch sei, die Zeitungen haben damals viel darüber berichtet, auf allen Seiten. Das war ein großartiges Schauspiel, und es gab hitzige Debatten bei den Gerichten, Mann. Ich habe bei einem Überfall ein Kind getötet. Ein dreijähriges Kind und einen Wachmann.«

9

So, erledigt, Méndez, jetzt hast du alles beisammen. Jetzt musst du den Schuldigen nur noch verhaften, und das kannst du gleich heute Nachmittag tun. Aber es wird so sein wie immer, Méndez, wenn du etwas tun sollst, machst du es nicht.

Wie immer hast du schlecht gegessen. In diesem Viertel – an dem du allmählich Gefallen findest – gibt es viele Kneipen, in denen man sich schnell etwas zwischen die Kiemen schieben kann, alle winzig klein, aber zum Ausgleich gibt es ein riesiges, majestätisches Hotel, das França, für die schnelle Nummer. Du meinst, die Leute vögeln mehr als früher, Méndez? Dieses Hotel, so kommt es dir vor, müsste mindestens doppelt so groß sein. Und wer weiß, vielleicht ist der ein oder andere Gast darin vergessen worden. Einmal musstest du dort eine Verhaftung durchführen, in längst vergangener Zeit, und du hast ganz schön Ärger gehabt, denn in einem der Zimmer lag die Frau des Chefs.

Doch du hast das üppige Mal vertilgt: hausgemachte Vorspeisen, hausgemachte Albóndigas, hausgemachter Flan, Wein des Hauses. Die Hackbällchen waren dir nicht geheuer. Aber da in der letzten Zeit kein Gast der Kneipe spurlos verschwunden ist, muss das Rohmaterial wohl von woanders her stammen. Und weil die Ermittlungen ein voller Erfolg zu werden scheinen, gönnst du dir eine Belohnung: »Bringen Sie mir einen Kaffee und einen Cognac, die Hausmarke.«

»Sie sind ein Kenner, mein Herr. Da ist Qualität garantiert.«

Die Wohnungen im Viertel waren klein, aber im Vergleich zu diesen Zwanzig-Quadratmeter-Schachteln, die das Bauministerium heutzutage bewirbt, nahmen sie sich wie Paläste aus. Außerdem hatten sie kleine Balkone mit schmiedeeisernen Gittern, ein Luxus, den heute kein Bauherr mehr zulassen würde. Auf der Plaza del Surtidor herrschte buntes Treiben, seit jeher stand dort eine kirchliche Schule, die heute die Würde eines republikanischen Athenäums ausstrahlte. Weiter oben befanden sich Treppen, die auf den Berg hinaufführten, wo die Mädchen früher pinkeln gingen. Und ganz in der Nähe gab es die Tor-Kneipe, eindeutiger ging es nicht.

»Señor David Miralles wohnt doch hier?«

Die Nachbarin wischte gerade die Treppe, wie es mit Sicherheit schon ihre Mutter und ihre Großmutter an derselben Stelle getan hatten, obwohl in den Zeitungen schon längst über die Emanzipation der Frau geschrieben wurde. Sie sah Méndez neugierig an.

»Der Bodyguard?«

Méndez wusste nicht, dass David Miralles, der Mörder, Bodyguard war, aber da Nachbarinnen immer alles wissen, murmelte er: »Ja.«

»Den werden Sie jetzt nicht antreffen. Er ist mit seinem Patenkind unterwegs, dem Sohn der Witwe Ross.«

Méndez wusste auch nicht, dass Miralles ein Patenkind hatte, aber er nickte. »Wissen Sie, wo die beiden hingegangen sind?«

»Da ist eine Schneiderei in der Avinguda del Parallel. Die Straße hinunter und gleich um die Ecke, Sie können es nicht verfehlen.«

»Danke.«

Abgesehen von Namen und Wohnsitz wusste Méndez von Miralles lediglich, dass man sein drei Jahre altes Kind bei einem Überfall getötet hatte und dass er sich jetzt, nach ewigen Zeiten, an einem der Täter gerächt hatte. Um das in Erfahrung zu bringen, hatte es nur der Erinnerung der Nachbarn an ein Begräbnis mit einem weißen Sarg bedurft. Und eines Namens auf einem Grabstein.

In einem Verbrechen zu ermitteln muss ja auch nicht unbedingt die komplizierteste Sache der Welt sein.

Auch nicht die einfachste, natürlich, denn es konnten andere Verdächtige auftauchen und plötzlich war alles anders. Méndez zuckte mit den Achseln und ging die Straße hinunter zur Avinguda del Parallel, auf der zu seiner Zeit noch Frauen mit hochhackigen Schuhen entlangstolziert waren und die jetzt voller Busse mit Rentnern und jungen Mädchen mit bauchnabelfreien T-Shirts war. Méndez war es ein Rätsel, welche Erregung ein Bauchnabel hervorrufen konnte. Aber er dachte auch nicht weiter darüber nach.

Er bog nach rechts ab.

Da war die Schneiderei.

Ein bescheidener Laden mit einem einzigen Schaufenster, einer einzigen Puppe und einem einzigen Kunden, bei dem es sich um niemand anderen als um Miralles handeln konnte. Er war kein junger Mann mehr – natürlich nicht –, aber er war beweglich und kräftig wie ein Kerl, der sein Leben lang trainiert hat. An seiner Seite ein Knirps, der nach Méndez’ Einschätzung ungefähr drei Jahre alt sein dürfte. Miralles kaufte ihm gerade eine komplette Ausstattung an Kinderkleidung. Hin und wieder strich er ihm über den Kopf.

Méndez hatte plötzlich einen seiner Geistesblitze.

Verdammt, sagte er sich. Kein Mensch verhaftet einen Kerl, der gerade einem Kind etwas zum Anziehen kauft. Also suchte er das Weite, um die Dinge nicht unnötig kompliziert zu machen. Ausgerechnet in diesem Moment klingelte das Handy. Méndez dachte: Mist.

Dieser moderne Kram, das ganze Technikarsenal war ihm zuwider. Der Moment wird kommen, in dem die Kriminaltechnik unerträglich geworden ist, aber ohne ihn. Mit dem Handy hatte er schon mehr als genug zu tun. Aber als er die Nummer sah, ging er sofort ran. Der Herr Hauptkommissar wollte wissen, ob er inzwischen schon mit Madame Ruth gesprochen hatte.

»Noch nicht. Ich habe lediglich ein paar, allerdings sehr intensive Vorermittlungen angestellt.«

»Dann beeilen Sie sich, sonst ist es zu spät. Sie wird bald sterben.«

»Wer hat Ihnen das gesagt?«

»Ihr Arzt. Und er hat mir noch etwas gesagt: Sie hat versucht, ihn zu einer Straftat anzustiften.«

10

Ich kann mich noch sehr genau an das Haus erinnern, in dem ich angefangen habe, mit den Mädchen mein Geld zu verdienen. Es lag in der Francia Chica, wie sie heute heißt, es ging nach Westen hinaus, wie das jetzige Haus auch. Das heißt, die Abendsonne legte sich träge auf die Fenster und wollte nicht weichen, sie ließ die Polster verbleichen, schluckte die Farbe aus den Vorhängen, und löschte die Bilder aus, die ich an den Wänden aufgehängt hatte, ländliche Szenen, wie sie die Mädchen so gerne hatten. Sie liebten das Grün, weil sie fast alle aus halb verdorrten Dörfern kamen. Eine schleppte sogar eine Urkunde für Chorgesang und Tanz an, Abteilung C, Mädchen. Die hatte man ihr verliehen, weil sie bei dem Fest des Schutzheiligen vor dem Bischof ein Solo getanzt hatte. Mal sehen, was für Erinnerungen ich, Madame Ruth, Spezialistin bei der Suche nach Freiern, sonst noch habe.

Von diesem ersten Etablissement und seinen Frauen ist nichts mehr übrig, nichts, nur die Sonne … Die Sonne hat die armen Zimmer mehr und mehr erstickt, seit Barcelona erfunden wurde. Sie hat die Männer dazu gebracht, an den Fenstern nach einem kühlen Lufthauch zu suchen, und die Frauen dazu, dass sie sich breitbeinig auf die Stühle setzten, im einzig schattigen Winkel des Hauses, nur um festzustellen, dass mit der Hitze ihr Schoß zu riechen begann. Und ich muss sagen, es rochen auch die Küchen und die Betten. Obwohl all das – ich erinnere mich noch gut – in meinem Haus längst nicht so schlimm war wie anderswo im Viertel, denn ich hatte überall Ventilatoren aufgestellt, und nach jeder Benutzung wurde die Bettwäsche gewechselt. Außerdem aßen die Mädchen nicht dort, und die Küche war immer blitzblank, auch wenn sie in einem Arbeiterviertel lag.

Diese Etage mit den Spiegeln in den Zimmern wurde in jener Zeit bereits verändert, und sie wird bald ganz verschwunden sein, denn das Haus wird abgerissen. Das Haus, in dem ich jetzt lebe, diese Luxusbehausung, das alte Landhaus, das dem Marqués gehörte, wird ebenfalls von der Sonne durchflutet. Klar, wenn die Reichen früher in die Sommerfrische gingen, suchten sie die Sonne. Ich würde sogar sagen, es ist schlimmer als in Francia Chica, denn das jetzige Haus liegt in einer schmaleren Straße, und es gibt keine anderen Gebäude als Schutzschild gegen die Sonnenstrahlen. Von meinem Fenster aus sehe ich Bäume, ich höre das Geschrei der Kinder, die in einem Vorgarten spielen. Auch damals, in dem alten Haus, habe ich sie gern gehört. Und weil ich früher noch laufen konnte, lehnte ich mich aus dem Fenster und vertrieb mir die Zeit damit, ihnen zuzuschauen, obwohl ich den Müttern, die mich kannten, ein Dorn im Auge war. Jetzt kann ich das nicht mehr, jetzt kostet es mich schon enorme Anstrengung, aus dem Sessel aufzustehen, und manchmal denke ich, wenn mich niemand sieht, hasst mich auch niemand.

Aber weit gefehlt.

Mabel hasst mich, und Mabel ist ausgerechnet die Person, die mich pflegen soll. Sie hat kein Mitleid, auch jetzt nicht, da sie weiß, dass ich sterben werde, dass der Krebs mich auffressen wird, bis keine Brüste und keine Lippen, kein Fleisch und kein Blut mehr übrig sind. Ich weiß das nur zu gut, und das Einzige, was ich mir wünsche, ist ein barmherziger, schneller Tod. Ich habe den Arzt schon hundertmal darauf angesprochen, aber der kommt immer wieder mit der alten Leier von der Wissenschaft: Heutzutage würden wahre Wunder vollbracht, das Gewebe regeneriert sich, es gibt Transplantationen, so starke und wirkungsvolle Bestrahlungen, dass sie am Kopf ein- und am Hintern wieder austreten.

Und weil ich weiß, dass es bei dem Arzt zwecklos ist, habe ich an jemand anderen gedacht. Mal sehen, ob eine Frau, die Geld hat – und die darüber hinaus Marquesa ist und schon zweimal in der Hola abgelichtet war – nicht auf würdige Art zu sterben versteht.

Doch meine Gedanken – die keine Gedanken sind, sondern Erinnerungen – reißen plötzlich ab, und ich fühle mich auf einmal wieder entsetzlich gefangen.

Mabel ist gerade hereingekommen.

Mabel schaut mich an wie immer, voller Genugtuung und Hass.

Aber sie hat ihre Geschichte.

Ich muss es ja wissen.

Als ich das Haus in Francia Chica hatte, mit einer fast schon zur Familie gehörenden Handwerker-Klientel, wo sich Bettgenossen und -genossinnen gegenseitig die Bilder ihrer Kinder zeigten, tauchte dort der Marqués de Solange auf, der die Luxushuren satthatte und dem es nach Arbeiterhintern gelüstete. Und als er zufällig durch die Straße ging, fiel ihm eines meiner Mädchen auf, er folgte ihr und sah sie hineingehen. Aber er vergaß Nati sogleich, als er mich sah, damals war ich jung, groß, stark und ich hatte das Gesicht einer Jungfrau aus römischer Zeit. Ich gebe zu, ich hatte damals schon mehrere Freunde gehabt – einer davon hatte mir das Etablissement eingerichtet –, aber das sah man mir nicht an. Vielmehr sah ich aus, als wäre ich gerade aus einem Kloster in Ávila weggelaufen. Der Marqués hatte eine sehr katholische Mutter mit einer spitzen Zunge, die immer zu ihm sagte, er solle nicht mit verkommenen Frauen mit Flittchengesicht herummachen, aber er hörte nicht auf sie und machte mit verkommenen Frauen mit Mädchengesicht herum. Wir gingen in das beste Zimmer, obwohl ich ihm hundertmal sagte, ich würde nicht mit Freiern schlafen – was auch stimmte – und er hundertmal erwiderte, er würde mir die Einkünfte eines ganzen Monats zahlen, was er auch tatsächlich tat. Ich schlug ihm ein paar Sachen vor, die er noch nicht kannte, obwohl er aus einer großen Familie aus fruchtbaren Mönchen und lüsternen vornehmen Herren stammte.

Er war begeistert.

Die untergehende Sonne war so lange Jahre meine Begleiterin, dass ich manchmal das Gefühl habe, die Zeit sei unwirklich, sie sei nicht vergangen. Es fällt mir schwer, mich zu erinnern – und manchmal auch zu begreifen –, wie der Marqués sich nach der anfänglichen Begeisterung in mich verlieben konnte, obwohl es so viele Jungfrauen gab, so viele friedliche Muschis und so viele hingebungsvolle Mütter, die zu allen Schandtaten bereit waren. Ich weiß sehr wohl, dass die Faszination des Bettes, die Entdeckung der Frau des Lebens, nicht von langer Dauer ist, doch im Falle des Marqués währte sie ein ganzes Leben.

Gut, sein Leben war kurz.

Mein Gott, die Sonne fällt jetzt mit einer solchen Kraft ein, dass sie bis tief in meinen Kopf vordringt und einen Schwindel erzeugt, von dem ich mich nicht befreien kann, nur weil Mabel nie die Vorhänge vorzieht oder das Fenster ein wenig öffnet, damit die Hitze entweichen kann. Mabel sollte wissen, wie weh das tut.

Mabel hat unter vielen Männern geschwitzt.

Aber alles fing mit dem Marqués de Solange an, ohne den Marqués wäre das alles nicht geschehen. Ich wusste lediglich, dass er viel Geld hatte, dass seine Mutter bald sterben würde (nicht ohne vorher – vergeblich – zu versuchen, ihr Vermögen einem Stiftsherrn zu vermachen) und dass er selbst nicht im Geruch der Heiligkeit sterben wollte, ohne je einen Harem besessen zu haben. Deshalb hat er, obwohl er mich stets vorgezogen hat, jedes meiner Mädchen ausprobiert, alle, die ich hatte, und eine, die nicht zu mir gehörte: Mabel.

Mabel kam von der Straße, blond, zerbrechlich, arm, sie hatte die üppigen Rundungen einer wollüstigen Frau, einen reinen Blick, und sie war erst fünfzehn Jahre alt. Mabel.

Ich hatte mich schon oft als Kupplerin betätigt – das war schließlich mein Geschäft –, aber ich war keine Kupplerin, die suchte, sondern eine, die empfing. Die Mädchen selbst läuteten vom Hunger getrieben an meiner Tür. Ich zeigte ihnen das Etablissement, sprach mit ihnen über die Preise, gab ihnen ein wenig Nachhilfe in Sachen Eleganz (darauf verstehe ich mich, jedenfalls tat ich das damals), und dann weihte ich sie in das Metier ein, nicht mit einem x-beliebigen, sondern mit einem Freier meines Vertrauens.

Eine Minderjährige hätte ich niemals akzeptiert. Nie. Mehr noch, zu meiner Zeit waren die Gesetze härter als heutzutage, heute kann ein Mädchen mit achtzehn auf den Strich gehen, damals erst mit dreiundzwanzig, obwohl man schon mit einundzwanzig volljährig war. Erst mit dreiundzwanzig, das wusste ich. Natürlich wusste ich auch, dass es immer sechzigjährige Männer auf fünfzehnjährigen Mädchen geben würde, solange Geld winkt. Aber damit hatte ich nichts zu tun.

Na ja, einmal eben doch.

Der Marqués hatte Mabel oft auf der Straße gesehen, er wusste, dass sie arm wie eine Kirchenmaus war, und bat mich, ein letztes Mal als Kupplerin tätig zu werden, ein letztes Mal, ein allerletztes Mal. Er sagte, ein letztes Mal, dabei wusste ich, dass es im Grunde das erste Mal war. »Es kann doch nicht so schwer sein, ein Mädchen aus dem Viertel zu überreden. Komm Ruth, tu es, bitte, bitte, bitte …«

Und ich tat es.

Und von da an scheint die Zeit stillzustehen, und doch ist sie vergangen.

Und hier ist Mabel.

Schön, Ruth, hier sehen wir also Mabel, die Frau, die dich pflegt und deine einzige Verbindung zu dieser Welt ist. Mabel war groß, sie hatte ausladende Hüften, die jetzt nicht mehr in Mode sind, weil die großen Gurus der Welt, die Diätspezialisten, diese Hüften in Verruf gebracht haben. Das muss man sich mal vorstellen – sagte mal eine gebildete Hure –, dreitausend Jahre Malerei und Bildhauerei, und jetzt das: die Entdeckung der geraden Linie an der Frau.

Mabel hat eine sehr feine Haut im Gesicht und am Dekolleté – dachte Ruth –, die Zungen und Gebisse der Freier haben dort keinerlei Spuren hinterlassen. Die Beine sind etwas dick geworden, und man könnte sagen, sie hat ein wenig Zellulitis an den Schenkeln, aber das ist eben das Alter, dachte die ehemalige Puffmutter weiter. Mabel ist schon fünfzig, aber sie hat sich gut gehalten, das muss man schon sagen, und jeder weiß, dass in dem Alter viele Mädchen noch arbeiten und ordentlich Kohle verdienen.

Und so hat ihre Figur – vor allem im warmen Nachmittagslicht – nichts Bedrohliches, im Gegenteil. Aber ihre Augen, dachte Ruth, diese eiskalten grauen Augen, in denen sich der Hass aller unterdrückten Frauen aufgestaut zu haben scheint. Das kennt man, dachte Ruth weiter, vor allem bei Mabel. Einige Freier, die diesen metallischen Blick nicht ertragen konnten, baten sie, die Augen zu schließen, während sie sie nahmen.

Und Mabels Stimme, die so metallisch war wie ihre Augen.

»Was hat der Arzt gesagt?«

»Ich soll mit der Behandlung fortfahren. Und ich bin es leid, ihm zu sagen, nein, lass uns Schluss machen. Ein Arzt mit seiner Erfahrung sollte doch wissen, wie man das anstellt.«

Mabel ging kurz zum Fenster hinüber. Die einfallenden Sonnenstrahlen schienen zu gefrieren, sobald sie auf ihre Augen trafen.

»Und du stehst auf seiner Seite«, sagte Ruth anklagend. »Du willst auch, dass all das dauert und dauert …«

»Jetzt beklag dich nicht«, flüsterte Mabel, und es hörte sich an, als bestünde ihre ganze Gestalt aus Metall. »Du hast alles, was du brauchst. Viele Frauen in deinem Alter sterben gerade in einem Zwei- oder Dreibettzimmer in einem Altenheim. Kurz vor dem Ende wird eine spanische Wand aufgestellt, damit die Nachbarin es nicht mit der Angst bekommt. Du lebst weiterhin wie eine Dame, noch dazu mit der Hoffnung auf Heilung. Sie testen neue Medikamente.«

»Die testen sie auch an Laborratten.«

»Ja, aber bevor sie sie dir verabreichen.«

»Wenn die Ratten tot sind.«

»Red, was du willst, Ruth, aber bitte mich nicht, dir zu helfen. Ich werde nichts tun und dein Arzt auch nicht. Er ist einer von diesen Erzkatholiken, die niemals Sterbehilfe praktizieren würden. Das solltest du nach all den Jahren wissen.«

»Ich weiß nur, dass ich unnötig leide. Weißt du, wie schrecklich heiß es in diesem Zimmer ist? Warum lässt du nicht die Rollläden herunter, damit die Sonne nicht hereinkommt?«

»Das geht nicht. Der Gurt ist kaputt, Ruth.«

»Es war doch Zeit genug, das reparieren zu lassen.«

»Der Handwerker ist schon verständigt. Nur, heutzutage kannst du einen Handwerker anrufen, aber deshalb kommt er noch lange nicht.«

»Du könntest wenigstens die Vorhänge schließen.«

»Das machst du doch schon selbst, Ruth.«

»Und du ziehst sie wieder auf, Mabel! Das ist die reinste Folter, eine endlose Geschichte. Ich ziehe sie zu, und du ziehst sie wieder auf. Mit dem Unterschied, dass ich kaum noch aus dem Sessel hochkomme.«

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