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Der Tod hat eine Anhängerkupplung

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über das Buch
  4. Über den Autor
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Samstag
    1. Kapitel 1
    2. Kapitel 2
    3. Kapitel 3
    4. Kapitel 4
    5. Kapitel 5
    6. Kapitel 6
    7. Kapitel 7
    8. Kapitel 8
    9. Kapitel 9
    10. Kapitel 10
    11. Kapitel 11
    12. Kapitel 12
    13. Kapitel 13
    14. Kapitel 14
    15. Kapitel 15
    16. Kapitel 16
    17. Kapitel 17
  8. Montag
    1. Kapitel 18
    2. Kapitel 19
    3. Kapitel 20
    4. Kapitel 21
    5. Kapitel 22
    6. Kapitel 23
    7. Kapitel 24
    8. Kapitel 25
  9. Dienstag
    1. Kapitel 26
    2. Kapitel 27
    3. Kapitel 28
    4. Kapitel 29
    5. Kapitel 30
    6. Kapitel 31
    7. Kapitel 32
  10. Mittwoch
    1. Kapitel 33
    2. Kapitel 34
    3. Kapitel 35
    4. Kapitel 36
    5. Kapitel 37
    6. Kapitel 38
  11. Donnerstag
    1. Kapitel 39
    2. Kapitel 40
    3. Kapitel 41
    4. Kapitel 42
    5. Kapitel 43
    6. Kapitel 44
    7. Kapitel 45
  12. Freitag
    1. Kapitel 46
    2. Kapitel 47
    3. Kapitel 48
    4. Kapitel 49

Über das Buch

Endlich wieder Urlaub! Wer sich auf Dünen, Strand und Ferienluft in Holland gefreut hat, erlebt eine böse Überraschung. Doch auf Camping de Grevelinge ist alles anders: Blaulicht, rot-weißes Absperrband, Polizei! Der Kantinenwirt des Campingplatzes ist kopfüber in der Porta-Potti-Entsorgungsstation ertrunken aufgefunden worden. Es sieht nicht nach Selbstmord aus. Inspecteur Piet van Houvenkamp, der größte lebende Agatha-Christie-Fan weltweit, stellt bald fest: Der Tod hat eine Anhängerkupplung! Urlaubsstimmung und mörderische Absichten – ein außergewöhnlicher Genuss für alle Krimifreunde. Lassen Sie sich von Bernd Stelter an den Campingstuhl fesseln!

Über den Autor

Das sympathische Gesicht von Bernd Stelter, ist eines der bekanntesten in der deutschen Comedy-Szene. Er war einer der »7 Köpfe«, die zehn Jahre lang jeden Freitag Millionen von Zuschauern vor den Bildschirm lockten. Für den WDR moderiert er die beliebte Spielshow NRW-Duell. Außerdem tourt er mit seinem vierten Kabarettprogramm »Mittendrin durch Deutschland«, moderiert für die ARD Sendungen wie »Danke Rudi«, eine Hommage an Rudi Carrell, und hat mit »Der Tod hat eine Anhängerkupplung«, nach »Nie wieder Ferienhaus (2004)« und »Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken (2006)«, seinen dritten Roman vollendet. Bernd Stelter lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in der Nähe von Köln und liebt Camping.

Bernd Stelter

Der Tod hat
eine Anhängerkupplung

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Don’t Skip Intro

Auf dieser Buchseite steht ja sehr häufig, dass die Geschichte frei erfunden ist, dass lebende oder jüngst ins Jenseits entschwundene Personen hoffentlich keinerlei Ähnlichkeiten mit den Romanfiguren aufweisen, und sollte dem dummerweise doch so sein, dann sei das reiner Zufall und auf keinen Fall beabsichtigt.

Diesen Absatz überspringt der Leser geflissentlich. Das ist nichts Neues, das hat mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun, also kann man auch direkt eine Seite weiter blättern und mit Kapitel eins beginnen. Der Internet-Freak kennt dieses Phänomen unter dem Fachbegriff Skip Intro. Ein Doppelklick auf die entsprechende Schaltfläche, und wochenlange Programmierarbeit für bunte Bildchen, lustige Explosionen und nervige Musik geht dem User am geneigten Arsch vorbei.

Ich möchte Sie inständig bitten, diese Seite nicht zu überlesen. Es ist mir sehr wichtig, dass Sie wissen, die Geschichte ist wirklich frei erfunden, und lebende Personen, Tote fallen mir in diesem Zusammenhang sowieso nicht ein, haben nichts, aber auch gar nichts mit dem hier beschriebenen Fall zu tun.

Möglicherweise haben Sie mich schon mal auf einem Campingplatz gesehen, oder ein Nachbar oder der Mann von der Waschstraße hat Ihnen erzählt, dass der Stelter regelmäßig auf einem bestimmten Campingplatz in Holland Urlaub macht.

Das stimmt, aber es hat mit der Geschichte nichts zu tun. Die Schilderungen des Camperalltags und die Beschreibungen der Halbinsel Walcheren entsprechen größtenteils den Tatsachen, aber seien Sie versichert: Auf meinem Campingplatz fühle ich mich pudelwohl und ausgesprochen sicher.

Das kapitalste Delikt, das jemals an unserem UrIaubsdomizil vorgekommen ist, war vor drei Jahren der Diebstahl von zwei Fahrradtachometern an einem Tag.

Dennoch gibt es einen guten Grund, warum diese Geschichte auf einem Campingplatz spielt. Was macht man denn, wenn das Frühstück verputzt und das Geschirr gespült ist? Man setzt sich mit einem Buch vor das Vorzelt, denn es gibt im Urlaub nichts Schöneres, als im Campingstuhl sitzend, den frischen Kaffee dampfend vor sich auf dem Tisch, ein paar Mörder zu jagen.

Also dann, bleibt mir nur noch eine Frage: Kennen Sie Inspecteur Piet van Houvenkamp? Nein? Ooh! Dann muss ich Ihnen den dringend vorstellen.

Samstag

1

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»Die Passagiere gingen an Land. Dann wurden die Leichen von Louise Bourget und Mrs. Otterbourne von Bord der ›Karnak‹ geschafft. Zuletzt schiffte man Linnets Leichnam aus, und über die ganze Welt hin begannen die Drähte zu summen. Sie berichteten der Öffentlichkeit, dass Linnet Doyle, vordem Linnet Ridgeway, die berühmte, die schöne, die reiche Linnet Doyle, nicht mehr am Leben sei.«

Und wieder klappte Piet das abgegriffene kleine Buch zu. Er wusste selbst nicht, zum wievielten Male er das tat, zum wievielten Male er diese letzten Sätze von Tod auf dem Nil gelesen hatte.

Ja, es war brillant, wie Hercule Poirot diesen Fall gelöst hatte, so brillant, dass Piet schon damals, als er ein kleiner holländischer Junge war, ganz genau wusste, er würde auch Detektiv werden. Ein Detektiv wie Hercule Poirot, nein, ein noch besserer Detektiv, denn Hercule war ja Belgier.

Früher hatte er immer hinter der Mauer an der Gracht gelegen, und der kleine Vorsprung hinter der Mauer war gerade mal groß genug, dass der kleine, schmächtige Piet mit seinem Agatha-Christie-Roman darauf Platz fand. Seine Mutter hatte ihn nie gefunden. Sie hatte ihn oft genug gesucht, oft genug laut nach ihm gerufen, aber Piet hatte auf sein Versteck vertraut, und er verriet es ihr auch später nicht, denn ein Geheimnis, das ist etwas Besonderes. Ein Detektiv, der ein Geheimnis nicht für sich behalten kann, ist kein Detektiv.

Piet war inzwischen tatsächlich Detektiv geworden, ein guter Detektiv, er war Inspecteur am politiebureau in Middelburg. Wahrscheinlich wäre er niemals Inspecteur geworden, wenn er nicht als Elfjähriger auf dem kleinen Mauervorsprung an der Gracht Tod auf dem Nil gelesen hätte. Aber er hatte es damals gelesen, und seitdem noch unzählige Male.

Natürlich war es brillant, wie Hercule Poirot diesen Fall gelöst hatte, aber heute, mit den Augen eines Polizisten, sah er den Fall kritischer. Da wurde eine reiche junge Frau während der Flitterwochen auf einem Nildampfer umgebracht, hinterher sprangen noch zwei Tatzeugen über die Klinge. Zwar waren da jede Menge nette Menschen am Werk, die allesamt über ungeahnte kriminelle Energien verfügten, aber letztendlich war ihre Anzahl doch begrenzt. Denn auch der Tatort war begrenzt. Es handelte sich um einen Nildampfer, und jeder Verdächtige, der fliehen wollte, würde unweigerlich von den Rettungsbooten von Lacoste zerfleischt werden.

Zehn oder acht oder vierzehn Verdächtige, von denen alle ein Motiv, aber keiner ein Alibi hatte, versammelten sich auf fünfundzwanzig Quadratmetern. Dann betrat der Detektiv den Raum, und mithilfe seiner unnachahmlichen Logik, seiner Intuition und seines Einfühlungsvermögens löste er den Fall, wie Piet morgens in der Kantine die drei Sudokus in der Tageszeitung löste.

Natürlich gab es in Middelburg solche Tatorte. Wenn beispielsweise ein alter Skipper auf einem Hausboot umgenietet werden würde, dann wäre der Raum recht klein. Alle Verdächtigen aufs Hausboot, zwei Agenten auf die Kaimauer, die niemanden rauslassen, und Piet würde ihnen schon zeigen, dass Hercule Poirot doch nur ein Belgier war. So einfach wär’s, aber in den letzten einunddreißig Jahren, und so lange war Piet nun schon bei der Polizei, war noch nie jemand auf einem Hausboot ermordet worden. Wenn überhaupt mal jemand in Middelburg ermordet wurde, dann lag der einfach tot in der Gracht. Und die Verdächtigen waren auch nicht alle in einem Raum versammelt, meist gab es gar keine Verdächtigen.

Piet hatte trotz dieser widrigen Umstände schon viele Fälle aufgeklärt, er hatte eine Menge Betrüger und Strauchdiebe hinter Schloss und Riegel gebracht. Er hatte dafür gesorgt, dass es immer noch Touristen gab, die glaubten, in Middelburg gäbe es gar kein Rotlichtviertel. Vielleicht hatte er einfach mitgeholfen, dass man in der kleinen Stadt dieses Gefühl von Sicherheit hatte.

Aber für diese Eleganz in der Ermittlung, für ein eloquentes Plädoyer, an dessen Ende ein Verdächtiger einfach in Tränen ausbrechen musste, auf die Knie sank und dann sagte: »Ja, Inspecteur van Houvenkamp, ich war es, ich wollte es nie zugeben, aber Sie haben mich so in die Enge getrieben, dass ich keinen Ausweg mehr sehe!«, dafür hatte sich nie eine Chance geboten.

Noch nicht, aber Piet würde nicht aufgeben, noch nicht. Er war jetzt dreiundfünfzig, und wenn er sich nachmittags im Spiegel betrachtete, dann war er eigentlich ziemlich zufrieden mit dem, was er sah, morgens nicht, aber nachmittags schon. Gut, das Hemd spannte ein bisschen über dem Bauch, und er trug die Laufschuhe nur, damit alle zumindest noch glaubten, er könne einem Verbrecher mühelos zwei, drei Straßenzüge weit hinterhersetzen. Das konnte er nicht, er wusste es, aber dafür waren die Schuhe auch ziemlich bequem.

Piet legte das Buch auf den Wohnzimmertisch und ging pinkeln. Er schaute in den Spiegel. Seine Haare waren ein bisschen länger, als man sie im Moment trug, aber das war okay! Er hasste diese kurz geschorenen Bodybuildertypen, die sich mittlerweile auch in seiner Wache breitgemacht hatten. Er war zehn Jahre älter als die, und er wollte auch zehn Jahre älter sein. Damals hatten sie noch viel längere Haare gehabt, sie hatten noch Träume, Ziele. Sie hatten sie nicht erreicht, aber das war kein Grund, sich die Haare raspelkurz rasieren zu lassen.

Er ging in die Küche und nahm sich ein Grolsch aus dem Kühlschrank. Er ploppte die Flasche auf. Sieben Jahre noch, sieben Jahre bis zur Pensionierung, sieben Jahre, das war gar nicht so eine lange Zeit. Sein Fall würde nicht mehr kommen. Solche Fälle gab es nicht mehr. Aber warum sollte er sich darüber Gedanken machen? Er war geachtet, die Kollegen wussten, was sie an ihm hatten, die kleinen Gangster hatten eine gehörige Portion Respekt vor ihm, alles war okay. Es fehlte nur dieser eine Fall.

Das Grolsch füllte kühl und schaumig seinen Mund-raum, die Flüssigkeit benetzte seine Stimmbänder, die er in den letzten vier Stunden nicht mehr benutzt hatte. Vielleicht lag es daran, dass sich seine Stimme so kratzig und unfreundlich anhörte, als er in den Hörer sprach. Das Telefon hatte genau in dem Moment geklingelt, als er die Flasche neben das Buch auf den Tisch stellte.

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»Van Houvenkamp«, meldete er sich, »was um alles in der Welt ist los?«

»Ich bin’s, Annemieke. Ich weiß, es ist Samstag, und wahrscheinlich spielen gerade irgendwelche Männer im Fernsehen Fußball. Aber wir haben einen Toten!«

»Einen Toten? Lass mich raten.« Pause! Annemieke ahnte, dass er sarkastisch grinste, als er fortfuhr: »Auf einem Hausboot. Es gibt zehn Verdächtige, ihr habt den Tatort abgeriegelt. Und jetzt soll ich kommen, um den Kutter aus dem Dreck zu ziehen.«

»Nein, Mijnheer Poirot, auf Camping de Grevelinge, es gibt tausendneunhundertvierundzwanzig Verdächtige, von denen die Hälfte am nächsten Samstag wieder abreist. Und jetzt schwing deinen durchtrainierten Hintern ins Auto und komm her!«

Zwei Dinge fielen ihm auf. Erstens: Brigadier Annemieke Breukink hatte seinen Hintern zur Kenntnis genommen. Zweitens: Sieben Jahre, das war eine verdammt lange Zeit!

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