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Der Stern, der uns leuchtet

Dirk Michael Steffan

Der Stern, der uns leuchtet

Die Geschichte einer „Mettenschicht“

Vorwort

von Stefanie Hertel

Als ich zum ersten Mal die Erzählung von Dirk Michael Steffan las, war ich zutiefst berührt. Zum einen, weil er als Schauplatz für diese spannende Geschichte das Vogtland gewählt hat. Jene wunderbare Gegend, die ich bis heute meine Heimat nenne.

Zum anderen aber auch, weil dieses Buch mich -wie kaum ein anderes- daran erinnert, was wirklich wichtig ist, wenn wir über die Bedeutung des Weihnachtsfestes nachdenken.

Sein faszinierender erzählerischer Ansatz ist es, die lichtvolle Botschaft von Weihnachten zu verbinden mit dem Gegenteil - der Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit. „Der Stern, der uns leuchtet…“ erzählt von der immensen Wirkung dieses scheinbaren Gegensatzes: Erst inmitten der tiefsten Nacht kann das Licht seine Kraft vollkommen entfalten.

Für die meisten von uns ist Weihnachten sicherlich vor allem das Fest der Familie, verbunden mit vielen persönlichen Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Auch in diesem Buch geht es um die Familie und um die Kraft der Liebe. Sie verbindet hier sogar Menschen, die gar nichts voneinander wissen. Erst die ungewöhnlichen Umstände eines besonderen Heiligabends führen dazu, dass sie auf berührende Art und Weise wieder zusammen finden – vollkommen anders, als der Leser es erwarten würde.

Ganz besonders freut es mich, selbst die Gelegenheit zu haben, dieser wundervollen Erzählung auch auf der Bühne im Rahmen unserer Konzerte einen Raum zu geben.

Möge die hoffnungsvolle Botschaft dieser Geschichte viele Leser und Zuhörer erreichen - auf dass der Stern, der uns leuchtet, in uns geboren wird …

Herzlichst, Ihre

Berlin, den 20. April 1955

Mein Liebster,

morgen ist es vier Monate her, dass wir uns zuletzt geküsst haben.

Damals, am 21. Dezember, wusste ich noch nicht, dass es vielleicht das letzte Mal sein könnte. Du sagtest, Du würdest nochmal wiederkommen, bevor Du Deinen Dienst bei der Armee antrittst. Damals vermochtest Du noch nicht zu sagen, in welcher Einheit und an welchem Ort Du Deine Zeit beim Militär verbringen würdest.

Seit diesem 21. Dezember verging kein Tag, an dem ich nicht auf ein Lebenszeichen von Dir gehofft hätte. Die tägliche Post war der wichtigste Moment an jedem einzelnen Tag. Doch aus all den Momenten des Wartens und Hoffens wurden neue Enttäuschungen, die täglich ein Stück mehr schmerzten.

Keine Nachricht von Dir seither. So bleibt mir nichts anderes übrig, als Dir meine Gedanken zu schreiben, ohne zu wissen, wohin ich diesen Brief absenden soll.

Mir ist nichts von Dir geblieben - außer meine Erinnerung an unsere gemeinsamen Stunden. An Deine Stimme, an Dein Lachen, Deine wunderbaren blauen Augen und unsere kurzen Momente des Glücks.

Und doch – mir ist noch etwas Wundervolles geblieben! Von dem Du gar nichts weißt und das ich so unendlich gern mit Dir teilen würde - der schönste Ausdruck unserer Verbindung und Liebe: unser gemeinsames Kind.

So Gott will, wird es im August das Licht dieser Welt erblicken und ich hoffe inständig, dass Du rechtzeitig davon erfahren wirst, wie auch immer dies geschehen mag.

Mein Gefühl sagt mir, dass es ein Junge ist und bestimmt wird er Deine blauen Augen haben und Dein Lachen. Nichts wünschte ich mir mehr, als dass wir das kommende Weihnachtsfest zum ersten Mal gemeinsam feiern könnten, als kleine Familie.

Noch habe ich die Hoffnung auf ein Lebenszeichen von Dir nicht aufgegeben.

Vielleicht wirst Du eines Tages diesen Brief lesen und Dich wundern, dass meine Zeilen so melancholisch sind und voller Zweifel.

Doch Du sollst wissen, dass meine Liebe zu Dir tief in meinem Herzen nicht kleiner geworden ist. Auch wenn ich die Umstände und die Gründe nicht kenne, dass Du ganz ohne Ankündigung aus meinem Leben verschwunden zu sein scheinst.

So hoffe ich inständig, dass uns das Schicksal wieder zusammen führen wird. Tag und Nacht denke ich an Dich und unsere viel zu kurze, gemeinsame Zeit. Du bist der Mann meines Lebens, das spürte ich wohl vom ersten Moment. Es kann keinen anderen geben und schon beim ersten Treffen war mir, als sei unsere Begegnung keineswegs ein Zufall.

Nun aber bist Du fort und mir bleibt nichts, als Dich in meinem Herzen und in meiner Seele zu bewahren und auf ein Lebenszeichen von Dir zu hoffen.

Drei Tage nach unserem letzten Beisammensein, es war am Heiligabend, habe ich Dir als Weihnachtsgeschenk ein kleines Gedicht geschrieben. Ich würde es Dir gern vorlesen, wenn wir uns wieder sehen; die letzte Strophe lautet:

„Jeden Schritt, den Du gehst, geh ich mit, denn Du bist mir vertraut.

Auch wenn Du mich nicht siehst, mich nicht spürst, bin ich es, der auf Dich schaut.

Wie ein Stern für Dich scheint und erstrahlt,

auch wenn der Himmel ihn verhüllt

bin ich da, es ist wahr:

Deinen Weg gehst Du nicht allein.

Schau nur hin und Du fühlst:

Immer werde ich bei Dir sein“

Vielleicht führt uns das Leben noch einmal zusammen, mein Liebster. Dann werde ich Dir das ganze Gedicht vortragen – oder es für Dich singen, denn es eignete sich auch als ein Lied. Du sollst wissen: Es gibt Liebe, die endet nie.

Ich liebe Dich. Für immer …

Deine Katharina

Am letzten Samstag im November 1957 machten sich Bernd und Margit Herbacher von ihrer Heimat in Tannenbergsthal auf den Weg nach Berlin. Es war ein grauer und stürmischer Herbstmorgen, der so gar nicht zu ihren Hoffnungen zu passen schien.

Ihre Anreise würde gut einen halben Tag dauern, doch ihr Gefühl sagte ihnen, dass es jeden Aufwand wert war. Vom Vogtland aus waren es weit über dreihundert Kilometer in die große Hauptstadt, die sie noch nie zuvor besucht hatten. Die Behörden hatten nach langem Warten letztlich ihr Einverständnis gegeben für eine Adoption und ihnen ein Kinderheim zugewiesen. Dreimal hatten sie seither mit dem „Staatlichen Kinderheim Köpenick“ telefoniert, bis der Termin zustande kam.

Gut neun Jahre schon waren seit ihrer Hochzeit vergangen. Neun Weihnachtsfeste, an denen sie gehofft hatten, endlich zu dritt sein zu können.

Nun wollten sie einem kleinen Jungen, der noch nichts davon wissen konnte, ein neues Zuhause geben und ihm liebevolle und fürsorgliche Eltern sein. Zwar verdiente Bernd als Musikinstrumentenbauer kein Vermögen, doch es würde reichen, um das Familienglück komplett zu machen. Sogar ein eigenes Zimmer hatten sie schon hergerichtet in ihrem bescheidenen Haus, es schön angestrichen und ein paar gut erhaltene Spielsachen von den Nachbarn besorgt, deren Sohn inzwischen älter geworden war.

„Meinst Du, er wird sich bei uns wohlfühlen?“ fragte Bernd seine Frau. Er selbst hatte keine besonders schöne Kindheit erlebt und wollte es als künftiger Vater unbedingt besser machen als seine eigenen Eltern.

„Das Beste für ihn ist doch, dass wir ihn lieben. Er wird es gut bei uns haben, es wird ihm an nichts fehlen.“ Doch so ganz sicher war sich auch Margit ihrer Sache nicht. Würde ihr Kind nicht irgendwann spüren, dass es da noch jemand anderen gegeben hatte? Sollten sie es ihm ganz verschweigen?

Wann würde ein guter Zeitpunkt sein, offen mit der Vergangenheit umzugehen? „Mach Dir nicht so viele Gedanken, meine Liebe“, sagte ihr Mann mitten in das Grübeln seiner Frau hinein. „Er wird sich wohl fühlen und irgendwann spielt die Vergangenheit für uns alle keine Rolle mehr.“

Beide waren sie klar entschieden, dass es ein Sohn sein müsse. Er sollte den Namen Herbacher weiter tragen und ihnen das Gefühl geben, eine richtige Familie zu sein.

Am frühen Samstagnachmittag standen Sie schließlich mit klopfendem Herzen vor einem grauen, unscheinbaren Gebäude mit einem kleinen Schild am Eingang:

„Staatliches Kinderheim Köpenick“.

Herein gebeten wurden sie von einer freundlichen Mitarbeiterin, welche die beiden zunächst in einen Warteraum zum Vorgespräch begleitete. „Wir haben gehört, Sie wünschen sich, einen Jungen zu adoptieren. Wissen Sie, alle unsere Kinder bräuchten eine Familie. Vor allem die etwas Älteren. Denn die fangen schon langsam an zu verstehen, wo sie hier sind. Wir werden Ihnen ein paar von ihnen zeigen. Doch lassen Sie sich Zeit mit Ihrer Wahl. Schließlich ist es eine Entscheidung fürs Leben…“

„Es wäre uns aber sehr recht, wenn der Junge nicht älter als zwei Jahre alt ist“, erwiderte Margit und ihr Mann ergänzte „…und er sollte kein Bettnässer sein“.

„Dort hinten haben wir unseren Spiel- und Aufenthaltsraum, da können Sie sich ganz in Ruhe einige der Kinder anschauen. Wenn Sie mit einem von ihnen sprechen möchten - nur zu! Haben Sie keine Scheu. Die Kinder kennen das bereits, schließlich kommen öfter Interessenten wie Sie hierher zu uns.“

Margit und Bernd Herbacher zogen ihre Mäntel aus und setzten sich auf ein kleines Sofa, das in der Ecke des Raumes stand. Sie waren innerlich aufgewühlt und schauten einander immer wieder vielsagend an. Ob sie wohl beide zum gleichen Kind eine Verbindung spüren würden?

Wie bloß sollten sie sich in diesen kurzen Momenten sicher werden, welches das „richtige“ ist?

Nachdem bereits über eine Stunde vergangen war, kam Frau Merle, die Leiterin des Heimes, mit fragendem Blick zu ihnen.

„Haben Sie sich schon entschieden? Gibt es eine Tendenz? Oder brauchen Sie noch Zeit, um sich in Ruhe auszutauschen?“

Margit und Bernd sahen nicht gerade glücklich aus. Es waren viele nette Kinder dabei, ruhige wie lebhafte. Aber keines, bei dem ein Funke auf sie beide übergesprungen wäre.

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