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Der Staat der Weiber

Die Chefin

Im Staat der Weiber gibt es eine Chefin. Die kennt jeder. Das Besondere an der Chefin ist, dass sie nichts sagt, aber ganz viel redet. Immer wenn die Chefin redet, hören alle zu. Dann sagt die Chefin Sätze, die jeder Bonobo verstehen kann. Da ich schon erwähnte, dass 90 % der Bonobos total verblödet sind, kann man sich denken, wie einfach strukturiert solche Aussagen dann sind. Typische Sätze sind dann:

 

„Ich habe darüber nachgedacht und bin der Meinung, dass es hierfür keine Lösung gibt. Es ist absolut ohne Alternative, da es keine Lösung gibt. Deshalb werde ich mich dafür entscheiden, was für mich am besten ist. Ich kann aber nicht sagen, dass ich morgen auch so denke. Wahrscheinlich ist morgen alles anders. Deshalb gibt es auch dafür keine Alternative. Es gibt auch keine Alternative zu irgendeinem Problem der Zukunft.“

 

Die Bonobos hören sich diese Sätze an und verstehen, dass die Chefin so schlau ist, dass sie die Welt nicht versteht. Das ist für die Bonobos Philosophie. Denn wenn die Chefin die Welt nicht versteht, wie soll das dann ein Bonobo können? Deshalb gilt die Chefin auch als die schlaueste Bonobo.

Die Chefin denkt sich manchmal verrückte Dinge aus. Das war einmal der Fall, als sie morgens vor die Presse trat und sagte:

 

„Ich habe schlecht geschlafen. Da kam mir der Gedanke, dass wir keine Kohle mehr brauchen. Und auch kein Gas. Deshalb steigen wir aus allen Energieformen aus und lassen Bonobomännchen Fahrrad fahren. Die erzeugen dann den benötigten Strom.“

 

Die Bonobos waren sehr überrascht über diese Rede. Denn noch gestern hatte die Chefin immer gesagt, dass man ohne Kohle und Gas nicht leben kann. Da aber gestern ein Grubenarbeiter in einer Zeche von einem Herzinfarkt dahingerafft wurde, hatte die Chefin beschlossen, dass man lieber Fahrrad fahren sollte als Kohle zu fördern.

Das fanden alle schlau. Sofort machten sich die Ministerinnen daran, Pläne auszuarbeiten. Man erstellte einen riesigen Einsatzplan für Bonobomännchen, die jetzt in gewaltigen Fahrradkolchosen organisiert wurden. Zwar gab es leise Kritik von einigen Ewiggestrigen, die anmerkten, dass man durch Fahrradenergie nicht eine große Nation mit Strom versorgen kann. Diese dummen Kritiker wurden aber sofort mundtot gemacht und ignoriert.

Seit diesem Tag geht es den Fahrradherstellern im Staat der Weiber blendend. Die Erzeuger von Gas und Kohle waren aber sauer. Das war aber kein Problem, denn die Chefin versprach den Unternehmen, dass man die Kosten, die durch die Abwicklung der Gas- und Kohlewerke entstehen würden, alle vom Amt bezahlen lassen würde. Da waren die Unternehmen froh und beschlossen, dass sie jetzt Fahrräder bauen. Das Amt erstellte auch sofort eine Initiative. Sie nannte sich:

                         

„Fahre für Licht“.

 

Hunderttausende Bonobomännchen wurden in ein Arbeitsprogramm integriert. Seit diesem denkwürdigen Tag, fahren die Bonobos am Tag kilometerweise Strom ein. Leider reicht das hinten und vorne nicht. Denn egal, wie sehr sich die Bonobos auch anstrengen, es gelingt einfach nicht, genügend Strom zu erzeugen. Als die Chefin darauf hingewiesen wurde, dass es nicht genügend Strom gibt, sagte sie:

 

„Wir haben nicht genug Bonobomännchen, die Fahrrad fahren. Deshalb gibt es manchmal keinen Strom. Ich habe deshalb das Kabinett angewiesen, neue Gesetze zu erlassen. Dazu gibt es keine Alternative. Wir werden Gesetze beschließen, die jeden Bonoboaffen daran hindern, nicht genügend Fahrrad zu fahren.“

 

Nachdem die Gesetze beschlossen waren, musste jeder Bonobobürger, sogar auch die weiblichen, eine Steuer bezahlen. Diese Steuer nannte sich Lichtsteuer. Außerdem wurden alle Bürger dazu verpflichtet, den Strom nur im Notfall zu nutzen. Die neue Politik der Chefin war aber dennoch richtig. Dachten zumindest die Meisten. Als es dann immer enger mit der Stromversorgung wurde, hatte die Chefin sofort einen Plan.

 

„Ich habe beschlossen, einige Kohlekraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Dazu gibt es keine Alternative. Wir werden mit einer Mischform aus Kohle- und Fahrradenergie leben.“

 

Die Besitzer der Kohlekraftwerke mussten nun ihre Werke wieder errichten, die sie auf Kosten des Amtes, alle stillgelegt hatten. Sie wandten sich an die Chefin und fragten, ob das Amt das nicht auch bezahlen könnte. Die Chefin sagte sofortige Unterstützung zu und so bezahlte das Amt auch die Wiedererrichtung der Werke.

Als man dann merkte, dass aber auch das nicht zur Stromversorgung ausreicht, hatte die Chefin die Nase voll. Sie trat also vor die Presse und sagte:

 

„Ich habe schlecht geschlafen. Deshalb habe ich beschlossen, alle Kohle- und Gaswerke wieder in Betrieb zu nehmen. Dazu gibt es keine Alternative. Das Fahrradfahren ist ab jetzt nicht mehr bindend.“

 

Als das die Bonobos hörten, waren sie sich nicht sicher, ob das alles so richtig war. Denn man hatte sich schon daran gewöhnt, dass man nicht immer Strom hatte. Da es aber besser war, jetzt wieder mit Strom gut versorgt zu sein, fanden alle die Entscheidung der Chefin richtig. Die Presse lobte die Voraussicht und Weitsicht der Chefin und die Börsen verzeichneten ein neues Jahreshoch. 

Es gibt im Staat der Weiber viele befreundete Staaten. Der Bonobostaat ist eigentlich mit allen befreundet. Außerdem hat der Staat unerschöpfliche Geldreserven. Das sieht man immer daran, dass bei jedem Unglück, das einem anderen Land widerfährt, der Staat der Weiber Millionen spendet. Auch wird sofort Unterstützung gewährt. All das bezahlt das Amt.

Ein böser Bonobo hat mal ein schlimmes Gerücht verbreitet. Der total verblödete Bonobo hatte behauptet, dass er ganz genau gesehen hätte, dass im Keller des Amtes nachts immer Geld gedruckt würde. Da haben alle gelacht und auch die Presse hat dann bewiesen, dass es im Keller des Amtes gar keine Maschinen gäbe, die Geld drucken könnten. Die Chefin sagte dazu gar nichts, was damit der Sache sowieso kein Gewicht verlieh.

Der gleiche Bonobo blieb aber bei seiner Behauptung und sagte noch Schlimmeres. Er sagte, dass er wüsste, dass die Chefin abgehört würde. Das konnte er beweisen. Er hatte nämlich heimlich Mitschnitte gesammelt, die ganz viele befreundete Staaten, von den Gesprächen der Chefin angefertigt hatten.

D

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