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Der Staat der Ameisen

Vorwort

   

„Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten.“

                         Jean-Jacques Rousseou

Ökonomie

Am Anfang war die Ökonomie.

Als der erste Mensch begann einen Zaun zu errichten, um seine Hütte vor den anderen Menschen abzugrenzen, begann das Unrecht. Das Bedürfnis nach Privateigentum, nach Besitz, führte zur Macht der Ökonomie. Es gibt keine Gesellschaft der Welt, die nicht auf diesem Prinzip beruht. Selbst in kommunistischen Staaten ist das Privateigentum nie gänzlich abgeschafft worden. In den kapitalistischen Staaten ist das Privateigentum mehr wert als das Recht des Menschen, an diesem Eigentum Anteil zu haben. Das Recht des Eigentums prangt turmhoch über den Menschenrechten derer, die am Wohlstand nicht partizipieren. Als die Menschen Tauschhandel führten, als ein Fell gegen ein Werkzeug getauscht wurde, begannen die Menschen schnell sich mehr Eigentum, mehr Privatbesitz anzueignen, als sie zum eigentlichen Überleben brauchten. Die Anhäufung und Akkumulation von Privateigentum führte dann zu einer Form des Reichtums, der die Waren zum Faktor von Macht werden ließen.

Eigentum bedeutet Macht. Denn jeder Mensch, der mehr besitzt als ein anderer, häuft Vorteile und Privilegien an, die er dem anderen allein schon dadurch verwehrt, da dieser nicht daran teilhaben kann.

In den heutigen Tagen ist die Akkumulation, die Anhäufung von Kapital in der Hand weniger Menschen und Unternehmen. Die Tendenz steigt stetig und führt zu einer Finanzmacht, die nur schwer oder gar nicht durch Politik  reguliert werden kann. Die Globalisierung der Märkte ist dabei ein wichtiger Schritt in die Richtung, einer sich auf ein herrschendes Unternehmen konzentrierenden Alleinherrschaft. Ein Prozent der Menschen verfügt auf unserem Globus über mehr Kapital, als 99 % der restlichen Menschen. Dadurch ist ein Ungleichgewicht entstanden, das die Welt zunehmend ungerechter werden lässt. Die zwei noch existierenden Modelle des Kapitalismus, die eher soziale Form der regulierten Marktwirtschaft und die deregulierte Form des freien Marktes, stehen dabei in einem Wettstreit, der sich zugunsten des deregulierten, freien Marktes verschiebt.

Es gibt derzeit um die 150 Unternehmen, die den gesamten Globus besitzen. Kapitalgesellschaften sind in irgendeiner Form mit jedem anderen Unternehmen verbunden, das ihnen interessant erscheint, das Akkumulation erwarten lässt und das Macht verspricht.

Die Konzentration der Finanzkraft in einigen wenigen Händen führt zu einer bedrohlichen Schieflage des humanen Miteinanders, da die Eliten auf die Gesetzgebung, auf die Politik und auf die Medien massiven Einfluss nehmen und durch Lobbyismus und Korruption die Menschheit in ihrem Sinne steuern. Dies muss man sich aber nicht so vorstellen, dass da jemand eine Weltverschwörung plant. Es ist eher im Gegenteil so, dass hier Netzwerke bestehen, die aus sich selbst heraus, eine Dynamik entwickeln und Automatismen entwickeln, die selbsttätig wirken.

Das Wesen des Kapitals ist die Mehrung von Finanzkraft. Diese Mehrung der Finanzmittel steht dabei sogar sich selbst im Wege, da sie Entwicklungen forciert, die auch kontraproduktiv gegen sich selbst stehen können. Die Finanzkraft fragt nicht danach, ob eine Maßnahme nachhaltig ist, ob sie sozial verträglich ist oder ob sie für die Menschheit sinnvoll ist. Das alleinige Ziel jeder Maßnahme ist, das Kapital zu mehren. Der Zweck heiligt dabei die Mittel.

Für die Menschen bedeutet dies, dass ihre Arbeitskraft, und dies, ist das Einzige an Besitz der meisten Menschen, dass diese Arbeitskraft für immer weniger Menschen zur Verfügung steht. Immer mehr Menschen arbeiten und leben in einem System, das ihnen zwar nach außen vielfältig und pluralistisch erscheint, in Wirklichkeit aber in allem mit den Finanzeliten verzahnt ist. Es gibt im Staat der Ameise nur wenige Königinnen. Diese wenigen unsichtbaren und der Öffentlichkeit kaum bekannten Unternehmen sind es, die Milliarden Menschen Arbeit geben oder vernichten. So erscheint es dem Menschen, als arbeite er für sich. Er meint, dass er sein Auskommen dazu erwirtschaftet, um sich seinen „Wohlstand“ zu schaffen und zu sichern. Dieser Wohlstand ist aber in den Grenzen definiert, die die Ökonomie vorgibt und steht in keiner Relation zum Gewinn, der durch die Existenz der Arbeitskraft erwirtschaftet wird. Mit der zunehmenden Automatisierung wichtiger Produktionsbereiche wird die Arbeitskraft aber immer unwichtiger und wird dadurch entwertet. Der Widerspruch, der sich aber daraus ergibt, dass durch die zunehmende Entwertung der Arbeitskraft auch die Kaufkraft verloren geht, führt dann zu existenziellen Krisen des Finanzsystems.

Der arbeitende Mensch, unabhängig davon, ob er ein mittelständischer Unternehmer oder ein Lohnarbeiter ist, bewegt sich in fest definierten Grenzen, in politischen und wirtschaftlichen Vorgaben, die sein Handeln mit bestimmen. Kein Mensch kann aber in seiner Meinungsfindung, in der Gestaltung seines Alltags, in der Teilhabe an Bildung und Kultur wirklich frei sein. Denn diese Freiheit würde bedingen, dass der Mensch nicht darauf angewiesen wäre, seine Arbeitskraft zu verkaufen. Auch wenn der Mensch sich hier in Besitzende und Nichtbesitzende differenziert, sind die Unterschiede doch nur marginal. So wie ein Mensch, der 10 Millionen € besitzt, allein von den Zinserträgen gut leben könnte, so zeigt sich an diesem Beispiel, dass es eigentlich keiner Arbeit bedarf, die zum Überleben erforderlich wäre.

Das wichtigste Mittel der Machtentfaltung und Machtsicherung ist das Geld.

Das Geld ist reines Vertrauen, denn das Geld an sich, ist im Gegensatz zu Gold oder Silber, nichts wert. Auch Gold wäre nichts wert, wenn es eine Situation gäbe, in der beispielsweise Lebensmittel nicht zu beschaffen wären. Denn in diesem Moment würde auch das Gold, da es keine Nachfrage gäbe, ins Bodenlose sinken und an Wert einbüßen.

Das Geld ist also reine Vertrauenssache, da ein Mensch davon ausgehen muss, dass dieses Geld einen Gegenwert besitzt. Das Finanzsystem handelt mit diesem Vertrauen und setzt mit dem Geld einen Kreislauf in Gang, der die Menschen trennt und ihren Lebensalltag bestimmt. Das Geld ist ein radikales und existenzielles Kriterium für Lebensgefühl. Auch wenn jeder weiß, das Geld keinem etwas bedeutet, der nicht gesund ist, oder Geld keinem etwas bedeutet, der sterben muss. Da wir alle wissen, dass wir sterblich sind und unser Geld uns davor nicht bewahren kann, beschreibt der Geldhandel einen imaginären Istzustand, der jederzeit fragil ist.

Dennoch aber ist entgegen dieser reinen Vermutung eines Wertes von Geld, das Streben nach Reichtum eines der wesentlichsten Antriebsfedern der Industrienationen. 

Es gibt kaum eine menschliche Regung, ein Handeln, ein Tun, eine Aktivität, die nicht in Zusammenhang mit der Ökonomie steht. Wir scheinen uns mit dem Finanzsystem eine Aufgabe gegeben zu haben, deren Bewältigung zum Streben und zu Motivation führt. Der Mensch arbeitet, damit er Geld bekommt. Einige sagen, dass sie gerne arbeiten. Andere sagen, dass sie nicht gerne arbeiten. Andere wieder lassen andere arbeiten und wieder andere, reden über die Arbeit.

Das Geld trennt den Menschen radikal. Eine Zahl auf dem Kontoauszug entscheidet darüber, ob wir es uns gut gehen lassen können oder ob wir, wie ein Hamster gefangen, in einem Rad strampeln, bis uns die Luft ausgeht. Geld macht nicht glücklich, aber es schafft Vertrauen. Es schafft auch Kontakt. Es schafft Sicherheit, es schafft Möglichkeiten zur Gesundheitspflege und es schafft Zeit. Denn die Zeit ist mit dem Geld eng verbunden. Wer keine Zeit hat, der unterliegt im Ringen um Macht und Einfluss. Wer aber viel Zeit hat, die ihm sein Geld verschafft, kann auch schwierige Phasen überwinden und wird am Ende beständiger sein.

Wenn man diesen Gedanken aber konsequent zu Ende denkt, bedeutet konzentrierte und hohe Kapitalkraft, dass wir länger leben. Tatsächlich ist das Geld auch eine Art Lebensverlängerung. Dies sieht man offenkundig an jedem Menschen, der über Geldmittel verfügt. Es zeigt aber auch, dass das Geld eigentlich eine unsterbliche Kraft ist, die über den Tod des Individuums hinaus, seine Wirkungen zeitigt. Das gesamte Finanzsystem ist daher auch, ein zwar fragiles, aber auf Systemerhalt dringendes Ungetüm. Das Geld wird vererbt, es wird weiter gegeben, es macht Babys zu Millionären und andere zu Obdachlosen.

Die Adelung des Menschen durch Geld setzt lebenslange Maßstäbe, die eine Art Oligarchie begründen. Eine Macht hinter der Politik. Eine unsichtbare Macht. Eine Macht, die sich im Staat der Ameisen in der Funktion offenbart, die wir innehaben. Der Staat der Ameisen ist deshalb so effektiv, da er sich ein Gerüst an Gesetzen und moralischen Maßstäben verordnet hat, das Privateigentum nicht infrage stellt. „Du sollst nicht stehlen“, heißt es in den 10 Geboten.

Diebstahl wird in den meisten Industrienationen härter bestraft, als Vergehen am menschlichen Leben. Dies zeigt aber deutlich in die Richtung, dass Geld mehr bedeutet als Leben.

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