Logo weiterlesen.de
Der Sommer der lachenden Kühe

Arto Paasilinna

Der Sommer der lachenden Kühe

Roman

Aus dem Finnischen von
Regine Pirschel

BASTEI ENTERTAINMENT

ERSTER TEIL

1

In Finnland hatte der Sommer Einzug gehalten, das ganze Land und das ganze Volk lebten auf. Die Wasser waren vom Eis befreit, die Menschen erwacht. Die Sonne schien, der Wind säuselte. Irgendwo in Lestijärvi buk eine Mutter Schnecken, irgendwo bei Kokkola verursachte ein betrunkener Autofahrer einen tödlichen Unfall. Eben das übliche frühsommerliche Treiben.

Der Taxifahrer Seppo Sorjonen hatte an diesem Tag einen Kunden aus dem Stadtzentrum von Helsinki nach Otaniemi gefahren. Er schwitzte, im Auto roch es muffig von den Fahrten der vergangenen Nacht.

Das hinkende Fräulein Irmeli Loikkanen beschäftigte ihn in letzter Zeit allzu sehr. Sorjonen war gestresst. Er wünschte sich, auf dem Lande zu sein, über sommerliche, gerade Straßen zu fahren, das helle Grün der Wälder zu beiden Seiten zu betrachten. Doch ein Taxifahrer hat sein Leben nicht selbst in der Hand, es wird vielmehr durch alltägliche Zufälle bestimmt. Er hat dorthin zu fahren, wohin der Fahrgast es wünscht. Das wurmte Sorjonen. Ein Taxifahrer hat im Grunde keinen Einfluss auf seine Arbeit, er muss sich nicht nur nach der Lizenz und dem Eigentümer des Wagens, sondern auch nach den ständig wechselnden Kunden richten. Polizisten und Politessen greifen in seinen Arbeitsablauf ein. Im Verkehr lauern das grelle Gewirr der Ampeln und die Einbahnstraßen und Halteverbote, deren lautlosen Drohungen sich der Fahrer beugen muss. In kaum einem anderen Job gibt es so viele Befehlshaber.

Sorjonen fuhr von Otaniemi nach Tapiola. Er wollte sich dort am Kiosk auf dem Markt etwas zu trinken kaufen und, nachdem er sich erfrischt hätte, über die Westautobahn quer durch die Meereslandschaft zurück ins Helsinkier Stadtzentrum fahren. Sein Standplatz befand sich in Hakaniemi, und das war keine besonders gute Gegend. Manchmal konnte er froh sein, wenn er von den Fahrten, die er dort annahm, lebend zurückkehrte.

Als Sorjonen auf den Markt von Tapiola einbiegen wollte, schrak er zusammen: Mitten auf der Straße stand breitbeinig ein auffallend großer, grau gekleideter alter Mann. Er kümmerte sich nicht um den Verkehr, sondern widmete seine ganze Aufmerksamkeit seinem Schlips, dessen Enden wie helle Wimpel im Wind flatterten. Der Alte war um die siebzig und wirkte in jeder Hinsicht sauber und korrekt. Sein Haar schimmerte stahlgrau in der Sonne. Sein Gesicht war kantig und gefurcht, die Nase gerade, und der Mund wirkte entschlossen. Er runzelte die Stirn, während er mit steifen Fingern versuchte, seine Krawatte zu binden.

Sorjonen kam nicht an ihm vorbei und musste anhalten. Er kurbelte das Seitenfenster herunter und beschloss zu warten, bis der Alte fertig sei. Ein wenig amüsiert fragte er sich, ob der Mann seinen Schlips gerade mitten im lebhaftesten Verkehr knoten müsse. Hinter Sorjonens Taxi bildete sich rasch eine Autoschlange. Doch wozu sich aufregen? Sollte der Alte ruhig erst seine Krawatte in Ordnung bringen.

Man fühlt sich ziemlich verlassen, wenn man nicht weiß, wer man ist, wo man herkommt und wo man hinwill.

So erging es Taavetti Rytkönen, achtundsechzig Jahre alt. Er war unterwegs, konnte jedoch nicht sagen, zu welchem Ziel, und auch nicht, wo sein Ausgangspunkt gewesen war.

Er hatte gerade das Tapiolaer Kontor der Nationalbank verlassen. Dort hatte er seine Brieftasche mit seinen Ausweispapieren liegen lassen, doch das Geld, das er am Schalter in Empfang genommen hatte, hatte er immerhin eingesteckt. Die Summe war durchaus nicht gering, es handelte sich um Tausendmarkscheine in einem Bündel, anderthalb Zentimeter dick und von einem Gummiband zusammengehalten. Zu welchem Zweck er eine so große Summe abgehoben hatte, wusste er nicht mehr und auch nicht, dass er soeben sein Konto abgeräumt hatte.

Rytkönen war auf den Straßen und Plätzen von Tapiola umhergeirrt und hatte versucht, sich zu erinnern, zu welchem Zweck er unterwegs war. Er war nervös geworden und hatte Angst bekommen. Er hatte seinen Schlips gelockert. Wusste er überhaupt noch seinen eigenen Namen? Taavetti ... Taavetti Rytkönen, so hieß er! Gott sei Dank. Er war sehr erleichtert, dass ihm wenigstens sein Name wieder eingefallen war.

Der alte Mann hatte gemerkt, dass er auf einen großen Platz voller Autos gelangt war. Der Ort kam ihm bekannt vor. Der Schlips hatte ihm lose auf der Brust gebaumelt. Er hatte ihn ärgerlich abgenommen und war in Richtung Otsolahti losmarschiert. Bald hatte er bemerkt, dass er so nicht korrekt gekleidet war, und beschlossen, den Schlips wieder umzubinden. Doch das war gar nicht so einfach. Wie machte man das noch gleich? Wie mussten die Enden der Krawatte miteinander verschlungen werden, damit ein korrekter doppelter Knoten entstand? Rytkönen hatte krampfhaft versucht, sich zu erinnern.

Nun stand Taavetti Rytkönen also mitten auf der Fahrbahn und mühte sich mit seiner Krawatte ab. Mal wurde der Knoten zu dick, mal geriet er an die falsche Stelle. Rytkönen fragte sich wütend, welcher Idiot sich eigentlich den ganzen blöden Krawattenzwang ausgedacht hatte. Hunderte Millionen Männer mussten sich jeden Morgen einen nutzlosen Lappen um den Hals binden, ehe sie zur Arbeit gingen. Wenn einer keinen Schlips trug, schloss man daraus, dass er weniger Lohn bekam als jene, die sich dem Lappen fügten. Das Ding verursachte nur Mühe und Arbeit, und außerdem sah es lächerlich aus. Idiotisch. Genauso gut könnten die Männer eine Wetterfahne am Hut tragen. Aber ein Gentleman ging nicht ohne Krawatte aus dem Haus, so viel war klar.

Seppo Sorjonen bekam allmählich Bedenken wegen der Autoschlange, die sich hinter ihm gebildet hatte. Er stieg aus und trat zu dem grau gekleideten Herrn.

»Kann ich Ihnen vielleicht helfen?«

Taavetti Rytkönen war erfreut. Er legte den Kopf in den Nacken und ließ Sorjonen den Schlips zu Ende binden. Der Blick des alten Mannes war fügsam.

»Hier hat man keinen Spiegel, und ohne den klappt es nicht ... Man sieht seinen Hals einfach nicht.«

Taavetti Rytkönen, ein Mann vom alten Schlag, machte höflich Konversation. Als der Schlips endlich saß, ließ sich Rytkönen ohne Umschweife auf den Rücksitz des Taxis fallen. Erleichtert schloss er die Augen.

»Wo soll’s hingehen?«, fragte Sorjonen.

»Egal, einfach vorwärts.«

Sie fuhren los. Der lange Stau löste sich auf. Sorjonen betrachtete seinen Fahrgast im Rückspiegel. Der Mann wirkte seriös, aber er hatte sich anscheinend noch nicht für ein Ziel entschieden. Mit dem psychologischen Gespür eines Taxifahrers beschloss Sorjonen, dass der Alte wohl ein wenig sonderbar war, ihn aber vermutlich nicht übers Ohr hauen wollte. Sorjonen wartete ab.

Taavetti Rytkönen konnte sich nicht recht entschließen, wohin er fahren sollte. Der Fahrer starrte ihn im Spiegel an, das machte ihn nervös.

»Fahren Sie einfach, wohin sie wollen«, entschied Rytkönen. Seppo Sorjonen steuerte das Auto durch den Verkehr und fuhr aus einer momentanen Eingebung heraus auf dem Ring in nördliche Richtung. Da sein Fahrgast nicht protestierte, brauste er bis Pitäjänmäki und Konala durch. Dort erkundigte er sich, ob er noch auf dem richtigen Weg sei und wo sich denn das Ziel befinde. Ärgerlich erwiderte Rytkönen: »Natürlich ist dies der richtige Weg, alle Wege sind richtig.«

Sorjonen bekam Zweifel. Hoffentlich hielt ihn der Fahrgast nicht zum Narren und ließ ihn ziellos in den Außenbezirken herumkurven. Er bat den Alten, ihm die Adresse zu nennen, das würde das Erreichen des Ziels doch sehr erleichtern.

Taavetti Rytkönen wurde ungehalten. Was, zum Teufel, ging es den Fahrer an, wohin er wollte. Er fand, ein freier finnischer Mann habe das Recht, mit dem Taxi bis in den hintersten Winkel des Landes zu fahren. Die Aufgabe des Chauffeurs war lediglich das Steuern des Fahrzeugs. Also sollte er gefälligst Vollgas geben, solange er vier Räder unter dem Hintern hatte und der Tank voll war. Und für den Fall, dass das Benzin ausgehen sollte, gab es schließlich Tankstellen.

Sorjonen war es recht. Er fuhr die Landstraße in Richtung Hämeenlinna und erklärte, die Adresse spiele eigentlich keine Rolle. Er habe lediglich in seinem Job die kleinliche Gewohnheit angenommen, stets bei Antritt der Fahrt nach dem Ziel zu fragen. Wenn der Fahrgast die Adresse nicht nennen wolle, sei das seine Sache. Schließlich gebe es genügend Adressen in diesem Land, Hunderttausende. Bewohnte und unbewohnte Gegenden. Also nur keine Panik, man werde einfach weiterfahren, und zwar so schnell, wie es erlaubt war, und sogar noch ein wenig mehr.

»Ganz meine Meinung«, knurrte Taavetti Rytkönen auf dem Rücksitz.

Seppo Sorjonen trat aufs Gas, sie wechselten auf die Überholspur. Bald befanden sie sich auf der neuen Autobahn Richtung Hämeenlinna. Mit einem lauten Aufheulen schoss der Wagen davon.

2

Schweigend fuhren sie in nördliche Richtung. Taavetti Rytkönen war erleichtert. Jetzt war er unterwegs, es geschah etwas, er fühlte sich sicher. Vom gleichmäßigen Fahrgeräusch wurde er müde und schlief auf dem Rücksitz ein.

Seppo Sorjonen genoss die Fahrt über Land, es tat gut, die ewigen Helsinkier Staus einmal hinter sich zu lassen. Er fuhr seit einem Jahr Taxi, und die Arbeit gefiel ihm nicht besonders gut. Vor allem die Nachtschichten waren hart, die ordinären Huren und die kotzenden, zudringlichen Säufer waren unangenehme Fahrgäste. Besser waren allerdings auch jene nicht, die sich zum Flugplatz bringen ließen, Geschäftsleute, die es betont eilig hatten und vor lauter Reisefieber große Reden schwangen, so als hätten sie wer weiß wie viel von der Welt gesehen. Sorjonen war selbst häufig gereist, einmal sogar bis nach Neuseeland. Besonders gern erinnerte er sich an eine lange Reise, die er vor zwei Jahren gemacht hatte. Damals hatte er sich im Sommer einer merkwürdigen Selbstmordgruppe angeschlossen. Sie waren mit einem Luxusbus durch Finnland und dann quer durch Europa gefahren. Bis nach Portugal waren sie gekommen, dort war der Bus aus Versehen – oder weshalb auch immer – einen Abhang hinunter ins Meer gestürzt.

Der schlafende Alte auf dem Rücksitz machte einen ganz passablen Eindruck. Er schien so um die siebzig zu sein und hatte bestimmt eine Menge Kilometer auf dem Buckel. In gewisser Weise lässt sich ein Mensch, zumindest ein Mann, mit einem gebrauchten Auto vergleichen. Einem Menschen sieht man an, welches Baujahr er ist und welche Strecke er bereits zurückgelegt hat. Beim Mann erkennt der kundige Betrachter, ob die Stoßdämpfer noch in Ordnung sind, ob die Kupplung funktioniert, ob der Kolben festgefressen ist. Männer sind wie Lastwagen, die alten Männer sind alte Laster, die jungen Männer neuere. Natürlich gibt es auch Männer, die mehr an Mopeds oder Wasserskooter erinnern.

Eine Frau ist immer ein Personenwagen, sofern sie überhaupt ein Auto ist. Eine schöne Frau erinnert in jungen Jahren an ein wohlgeformtes Kabriolett, doch wenn sie häufig nachts unterwegs ist, hält die Karosserie nicht stand. Sie bekommt Beulen, die Farbe blättert, die Schweller rosten. Beim Zurücksetzen geht das Rücklicht kaputt, und ein neues anzubringen lohnt sich nicht mehr.

Dann gibt es noch weibliche Personenwagen, die überhaupt nicht altern, sondern über die Jahre hinweg zeitlos bleiben, echte Klassiker durch die ganze Automobilgeschichte hindurch. Sie werden mit sanfter Hand gepflegt, sie erwecken mit ihren Linien auch dann noch Interesse, wenn die robustesten Lastwagen längst verschrottet sind. Die sich aufopfernden Mütter von Großfamilien wiederum sind wie zuverlässige Busse, die immer pünktlich sind und nie jemanden stehen lassen.

Bei diesen Gedanken passierte Sorjonen die Abzweigung nach Hyvinkää. Er war drauf und dran, seinen Fahrgast zu fragen, ob er hier abbiegen solle, doch da der Alte schlief, beschloss er, nach Hämeenlinna weiterzufahren. Sie kamen an Riihimäki vorbei. Sorjonen hatte Lust, das Eisenbahnmuseum zu besuchen, doch er wollte den schlummernden »Lastwagen« nicht wecken. Also weiter nach Hämeenlinna. Sorjonen beschloss, in die Stadt hineinzufahren, er hatte jetzt so viele Kilometer Autobahn hinter sich, dass er sich nach gemäßigterem Tempo sehnte.

Taavetti Rytkönen erwachte im Stadtzentrum vom häufigen Anhalten des Autos. Er rieb sich die Augen und fragte, wo man sich befinde.

»In Hämeenlinna. Wir sind gerade angekommen.«

»In Hämeenlinna? Wieso denn das?«, fragte Rytkönen.

Sorjonen erklärte, er sei nach eigenem Ermessen in nördliche Richtung gefahren und auf diese Weise hier gelandet. Sie hätten vereinbart, dass er fahren solle, egal, wohin. Hauptsache, man sei unterwegs.

»Tatsächlich? Und wohin fahren wir jetzt?«, fragte Rytkönen.

Sorjonen erwiderte, zumindest in seinem Auto beschließe üblicherweise der Kunde, wohin es gehe. Er selbst sei nur der Fahrer.

»Dann fahren wir doch einfach immer weiter«, entschied Rytkönen.

Sorjonen hielt am Straßenrand an und drehte sich zu seinem Fahrgast um. Rytkönen holte aus der Brusttasche seines Jacketts ein dickes Geldbündel und schwenkte es vor Sorjonens Augen. Der nickte. Jetzt war er bereit, die Fahrt fortzusetzen.

Sie kamen am Hotel Aulanko vorbei. Taavetti Rytkönen lebte auf, er erinnerte sich, dass er dort oft übernachtet hatte, so schien es ihm jedenfalls.

»Irgendwo hier im Wald müsste ein steinerner Turm sein. Kann man da mit dem Taxi hinfahren?«

Sorjonen fand den Weg. Er fuhr auf der kurvenreichen, schmalen Asphaltstraße in den Volkspark Aulanko. Später führte der Weg steil bergauf, seitlich schimmerten kleine Teiche, auf denen Schwäne schwammen. Der Wald war dicht und von gespenstischem Zauber, es gab viele Baumarten aus fernen Ländern, dazwischen kleine Bäche, die von üppigen exotischen Pflanzen umwuchert waren. Direkt an der Straße entdeckten sie bald ein Märchenschloss aus Stein und ein hübsches hölzernes Gartenhäuschen. Auf dem Gipfel des Berges erhob sich schließlich der massive Aussichtsturm aus Granit, und diesen erstiegen der Taxifahrer und sein Kunde.

Sorjonen entnahm der Informationstafel, dass die Anlage samt Lustschloss und Aussichtsturm um die Jahrhundertwende von dem exzentrischen Oberst und Großkaufmann Standertskjöld errichtet worden war, der durch den Verkauf von Gewehren und Bajonetten an die kaiserliche russische Armee großen Reichtum erworben hatte.

Von der obersten Plattform des Granitturms aus sah man weit ins prachtvolle Häme hinein. Taavetti Rytkönen ließ seinen Blick über das Land schweifen. Er äußerte ein wenig bedauernd, dass das Vermessen dieser Landschaft, wäre er ein junger Mann, eine wunderbare Aufgabe wäre. Hier hätte man Hügel, Seen mit vielen Buchten, dichte Wälder und Dörfer, alles nur Denkbare auf ein und derselben Karte.

Sorjonen fragte, ob sein Fahrgast in der Landvermessung tätig gewesen sei. Taavetti Rytkönen bejahte. Er erzählte, dass er im Sommer 1945 Mitglied in einem Vermessungstrupp gewesen sei, der die neue Staatsgrenze in Karelien abgesteckt habe, und zwar von Värtsilä bis in die Einöde nordöstlich von Ilomantsi. Man habe neue Linien in die finsteren Wälder geschlagen. Die Arbeit sei gemeinsam mit den Russen verrichtet worden. Das sei zuweilen nervenaufreibend gewesen, denn die Männer aus dem Nachbarstaat hatten sich bei der Grenzziehung als sehr eigensinnig erwiesen. Die Holzfäller, die den Einschlag machen sollten, seien ihnen gefolgt. Auch diese Arbeit habe ursprünglich gleichmäßig auf beide Nationen verteilt werden sollen, doch die Russen hätten nichts vom Bäumefällen verstanden. So hätten die Finnen die Sache übernommen. Wäre die Aufgabe in der Zuständigkeit der Russen geblieben, dann wäre man in zehn Jahren noch nicht mit der Grenze fertig gewesen. Hin und wieder hätten die finnischen und russischen Landvermesser zusammen gefeiert. Die Russen seien schreckliche Säufer gewesen, der Wodka sei in Strömen geflossen. Zu jener Zeit sei er, Taavetti Rytkönen, noch ein junger Mann gewesen, eben aus dem Krieg heimgekehrt, und er habe nicht viel Ahnung von Wodka gehabt, auch nicht besonders viel von den Russen.

»Wodka kann ich inzwischen vertragen, aber die Russen immer noch nicht.«

Rytkönen lehnte sich an den gezackten Rand der obersten Plattform und blickte wehmütig in die Ferne.

»An früher entsinne ich mich recht gut, am besten an die ganz alten Zeiten. Aber aus der Gegenwart kann ich mich an nichts erinnern, beim besten Willen nicht.«

Der alte Mann schluckte. Es machte ihn richtig wütend, dass ihn sein Gedächtnis so im Stich ließ. Auch von diesem Tag wusste er so gut wie nichts mehr, das musste er leider zugeben. Er wusste nicht, von wo aus er am Morgen gestartet war, in seinem Gehirn herrschte absolute Leere. Irgendwo wohnte er mit Sicherheit, nur wusste er nicht mehr wo.

Wenn so ein Anfall von Gedächtnisschwund kam, half es ihm nicht, innezuhalten. Er musste etwas unternehmen, sonst packte ihn das pure Entsetzen, genau wie im Krieg, wenn die Gefahr gedroht hatte, dass man vom Feind umzingelt wurde. Nur schnell weg, hatte er damals gedacht, sonst bleibst du hier und wirst getötet.

»Wie heißen Sie, junger Mann?«

»Seppo Sorjonen«, sagte der Taxifahrer und reichte ihm die Hand.

»Rytkönen ... Moment, Taavetti Rytkönen«, sagte der Alte, und sein Gesicht strahlte. Es war doch noch nicht alles verloren, wenn man seinen Familiennamen und sogar den Vornamen wusste.

»Du kannst mich duzen, wenn du willst«, schlug er dem Fahrer vor.

Während sie sich die Hand schüttelten, lief eine große Ratte über die Aussichtsplattform und verschwand auf der Treppe. Rytkönen entdeckte sie zuerst. Er wunderte sich, was Ratten hier oben auf dem steinernen Turm zu suchen hatten. Er erinnerte sich, irgendwo gelesen oder gehört zu haben, dass Ratten insofern seltsame Lebewesen waren, als ihnen leicht schwindlig wurde. Sie bauten ihr Nest nicht gern an hoch gelegenen Stellen, sondern fühlten sich in der Kanalisation und in Kellern am wohlsten.

Während sie zum Auto zurückkehrten, bereute Rytkönen seine Gefühlsausbrüche von vorher. So schlimm konnten seine Gedächtnisausfälle nicht sein, schließlich war er gut beisammen, ordentlich gekleidet und hatte reichlich Geld bei sich. Er äußerte laut die Vermutung, dass ihm alles wieder einfallen werde, wenn er nur gelassen bleibe. Seppo Sorjonen stimmte zu. Man könne ganz ruhig sein, an diesem schönen finnischen Sommertag. Ihn als Fahrer interessiere lediglich, was als Nächstes geschehen solle. Sei es Zeit zur Umkehr, oder wolle man weiterfahren?

Rytkönen blieb ungehalten stehen.

»Hab ich dir nicht klipp und klar gesagt, dass ich nicht weiß, wo mein Zuhause ist? Falls ich überhaupt eins habe!«

Sorjonen entschuldigte sich. Es falle ihm einfach schwer, sich daran zu gewöhnen, dass der Fahrgast nicht wisse, wohin er wolle, geschweige denn, woher er komme.

»Fang nicht dauernd wieder davon an! Wenn dir diese Tour nicht gefällt, dann fahr mich doch zur Polizeiwache, dort stecken sie mich in die Zelle und besorgen sich dann alle Informationen, die sie brauchen. Die Polizei hat ihre Mittel und Wege.«

Sorjonen versprach, seinen Fahrgast künftig mit neugierigen Fragen zu verschonen. Auf keinen Fall wolle er Rytkönen in Hämeenlinna einsperren lassen, er wolle ihm nur helfen. Wie wäre es, wenn sie sich im Hotel einquartierten und auf eigene Faust versuchten, Rytkönens Herkunft herauszufinden?

Murrend willigte Taavetti Rytkönen ein. Sorjonen versprach, für die Nacht keine Wartezeit zu berechnen. Er fuhr zum Hotel Aulanko und mietete zwei Einzelzimmer. Da sie beide kein Reisegepäck hatten, waren sie rasch in ihren Räumen. Sorjonen ging zu Rytkönen ins Zimmer. Sie überlegten, wie sie am klügsten vorgehen sollten.

»Erinnerst du dich an deine Telefonnummer?«

»Nein, sie fällt mir nicht ein.«

Sorjonen bat den Portier, ihnen das Telefonbuch mit den Privatanschlüssen von Helsinki heraufzubringen. Er blätterte in dem dicken Buch und suchte nach dem Namen seines Fahrgastes. Die Rytkönens füllten etwa eine Seite. Leider befand sich kein einziger Taavetti Rytkönen unter ihnen. Der ziellos Herumirrende konnte nicht zu Hause anrufen.

»Im Übrigen, selbst wenn dort meine Nummer stünde, wäre es sinnlos, anzurufen. Ich könnte ja nicht ans Telefon gehen, weil ich hier bin. Kein Mensch kann sich selbst anrufen.«

»Nein, natürlich nicht, aber deine Frau könnte zu Hause sein und sich melden.«

Rytkönen erschrak.

»Eine Frau? Habe ich denn eine?«

Sorjonen sagte, das könne man nie wissen. Viele Taxikunden hätten Ehefrauen. Aber da es keine Telefonnummer gebe, käme man auf diesem Weg sowieso nicht weiter.

Er schlug vor, Taavetti Rytkönen solle auf gut Glück ein paar Rytkönens anrufen und fragen, ob sie mit ihm verwandt seien. Vielleicht erinnere sich jemand an ihn und könne ihn zu seinen Wurzeln zurückführen.

»Nie im Leben! Ich rufe doch keine Unbekannten an, jedenfalls keine Rytkönens.«

Sorjonen erklärte ihm, er habe gar keine andere Wahl, als den Versuch zu wagen. Er, Sorjonen, werde die Nummern wählen, Taavetti brauche nur zu sprechen.

Sie begannen oben in der Spalte. Aarne, Aila, Aulis Rytkönen, niemand meldete sich. Dann klappte es. Eine gewisse Amalia Rytkönen rief: »Hallo?«

»Hier spricht Taavetti Rytkönen, kennen Sie mich vielleicht? Möglicherweise sind wir verwandt ...«

Amalia knallte den Hörer auf. Die Männer versuchten es bei anderen Rytkönens.

Taavetti variierte die Frage: »Haben Sie Taavetti Rytkönen gesehen? Aha, also nicht, Sie kennen ihn nicht ... nun, das macht nichts. Danke und auf Wiederhören.«

»Kennen Sie vielleicht Taavetti Rytkönen? Nein? Schade, trotzdem vielen Dank.«

Sie riefen hintereinander zweihundertfünfzig Rytkönens an, alle, deren Nummern im Telefonbuch aufgeführt waren. Sie verwendeten den ganzen Nachmittag darauf, viele Stunden. Manchmal stellte Sorjonen die Fragen, manchmal fragte Taavetti nach sich selbst. Sie gaben den Teilnehmern, die sich meldeten, eine genaue Personenbeschreibung, doch auch das half nichts. Niemand kannte Taavetti Rytkönen. Die Angerufenen verhielten sich sehr unterschiedlich, die meisten waren misstrauisch, einige wurden wütend, manche wollten aber auch helfen: Sie kannten Tanelis, auch ein paar Taavis, Teuvos oder Teukkas, aber keinen einzigen Taavetti.

Die ermüdende Aktion brachte ihnen lediglich eine horrende Telefonrechnung ein. Taavetti Rytkönen seufzte erschöpft und sagte, er wolle ins Restaurant hinuntergehen und sich einen Schluck zur Aufmunterung genehmigen, Seppo Sorjonen möge ihn doch begleiten.

Taavetti Rytkönen steckte seine lange Nase in das bauchige Kognakglas und atmete mit bebenden Nasenflügeln den Duft des edlen Getränks ein.

»Dieses Aroma werde ich mit Sicherheit nie vergessen«, sagte er mit halb geschlossenen Augen.

3

Beflügelt vom Kognak, begann Taavetti Rytkönen von seinen Kriegserlebnissen zu erzählen. Er war mit achtzehn Jahren freiwillig zur Armee gegangen, das war im Jahr 1941 gewesen, und nach kurzer Ausbildung war er in ein Jägerbataillon abkommandiert worden, zuerst auf die Karelische Landenge und später als Panzerjäger in die Truppen von Generalmajor Lagus. Der alte Mann geriet beim Bericht über seine Kriegserfahrungen, die ungewöhnlich hart gewesen waren, richtig in Fahrt.

Währenddessen aßen sie. Rytkönen erzählte, dass die Verpflegung während des Krieges sehr karg gewesen sei. Obwohl er Spezialeinheiten angehört habe, habe es nur Knäckebrot und Erbsensuppe gegeben. Die Armee verfüge über das Geld, teure Panzer und eigens dafür hergestelltes Spezialbenzin sowie glänzende Geschosse anzuschaffen, habe jedoch keinen anständigen Proviant für ihre lebenden Kräfte. Ein Mensch sei so viel billiger als ein Panzerwagen, dass es keine Rolle spiele, mit welcher Suppe er in Gang gehalten werde. Während des Krieges bekomme man Menschen ganz umsonst.

Rytkönen gab zu, dass die Soldaten heutzutage besser ernährt würden. Die Esssäle der Kasernen seien wie Gaststätten, mit Speisekarten und allem Drum und Dran. Auch ins Gelände würden mehrere Gerichte hinausgebracht, inzwischen seien die Jungs nicht mehr mit dem erstbesten Fraß zufrieden. Es gebe eine Vorspeise, einen warmen Hauptgang und Pudding und hinterher sogar Kaffee.

Seppo Sorjonen lauschte den Geschichten des alten Kämpen zunächst ohne sonderliches Interesse. Er gehörte zu der Generation, die den Krieg nur aus Geschichtsbüchern oder aus den Fernsehnachrichten kannte. Er konnte sich den Krieg nicht konkret vorstellen. Bei seiner Einberufung hatte er versucht, eine psychische Erkrankung vorzutäuschen, um nicht ein ganzes Jahr seines Lebens für die Armee opfern zu müssen. Er hatte behauptet, er leide unter Angstzuständen und merkwürdigen Halluzinationen. Außerdem hatte er über Rückenschmerzen geklagt und kläglich gehumpelt. Die Vorführung hatte den abgehärteten Sanitätsmajor der Armee nicht sonderlich beeindruckt. Sorjonen war für leicht gestört, aber dennoch diensttauglich befunden und zur Ableistung seiner Wehrpflicht in die Küstenartillerieabteilung von Suomenlinna abkommandiert worden. Bei der Entlassung in die Reserve war er Sanitätsunteroffizier.

Seiner Meinung nach wurden die modernen Kriege durch die Massenvernichtungswaffen entschieden. Nach dem Störfall im Kernkraftwerk von Tschernobyl und dem Golfkrieg war er zu dem Ergebnis gekommen, dass die Menschheit einen Atomkrieg nicht überleben würde: Alle würden getötet werden, sowohl die Soldaten als auch die Zivilbevölkerung. Ein einzelner Unteroffizier würde in einem solchen Krieg kaum ins Gewicht fallen.

Panzersergeant Taavetti Rytkönen säbelte sein blutiges Steak in große Stücke und stopfte sie in den Mund, trank ein paar Gläser Schnaps dazu und spülte mit kaltem Bier nach. Sorjonen speiste geräucherte Maräne und nippte an seinem trockenen Weißwein. Er erzählte, er habe sich auf seinen Reisen durch Europa an leichte Weine gewöhnt.

»Du bist ein anständiger Kerl, wenn auch als Mann ein bisschen nichtssagend, so wie viele der heutigen Jugend«, erklärte Rytkönen seinem Begleiter. Dann hob er die Heldentaten seiner eigenen Generation hervor, am Beispiel seiner Erfahrungen als Hilfsschütze eines Panzerwagens im Jahr 1942. Es war Winter gewesen, und seine Truppe, die ihren Standort damals in Lotinapelto in Syväri gehabt hatte, war zu einer nächtlichen Aufklärungs- und Vernichtungspatrouille auf das Eis des Ladoga geschickt worden. Man hatte Bewegungen des Feindes in der Uferzone registriert und befürchtete, die Russen wollten auf dem Eis einen Flugplatz oder Stützpunkt errichten. Drei Panzerwagen waren ausgeschickt worden, allesamt alte Vickers. Jeder war mit einer russischen Fünfundvierzig-Millimeter-Beutekanone bestückt gewesen, mit denen man sich auf das Eis wagen konnte, da sie jeweils weniger als zehn Tonnen wogen.

»Der Russe hatte in der Nacht zuvor Spalten ins Eis gesprengt, dadurch war Wasser aufs Eis geflossen, und wir krochen nun mit unseren Fahrzeugen durch dicken Matsch. Die beiden anderen Panzer froren schon auf der Hinfahrt im Eis fest, unserer jedoch nicht. Wir bewegten uns bei vierzig Grad Frost und dickem Nebel in Richtung Tihvinä und fuhren fünfzig Kilometer weiter wieder an Land.

In der Morgendämmerung sahen wir auf einer mit Kiefern bestandenen Landzunge eine große Schar Vögel auf reifbedeckten Bäumen sitzen. Wir näherten uns ihnen auf hundert Meter. Es waren fast zwanzig große Birkhühner! Sie neigten nur die Köpfe und flogen nicht weg, obwohl der Panzer ziemlich starken Lärm machte. Sie mochten bei so tiefem Frost nicht fliegen. Wir versuchten, sie mit Handfeuerwaffen zu erlegen, aber mit der Pistole triffst du ja kein Birkhuhn. Da fragte ich unseren Geschützführer, ob ich es mit der Kanone versuchen dürfte. Er genehmigte mir eine Granate. Er sagte, wir könnten so gleichzeitig die Waffe ausprobieren. Ich zielte mit der Kanone sorgfältig auf den Stamm der dicksten Kiefer, etwa einen halben Meter unter den Birkhühnern, und feuerte. Der Wipfel der Kiefer verschwand aus der Landschaft und mit ihm auch die Birkhühner. Wir rannten hin und fanden sechs der Vögel unter den Bäumen. Einige waren tot, die anderen schlugen halb tot mit den Flügeln um sich. Der Luftdruck hatte sie heruntergeholt. Wir sammelten die Beute ein und fuhren weiter in Richtung Tihvinä. Die Sache hatte uns mächtigen Spaß gemacht.

Nach einstündiger Fahrt entdeckten wir einen Küstenstützpunkt der Russen. Da waren mindestens zwanzig Panzer in der Erde vergraben. Ich schoss das Versorgungsgebäude und einen Panzer in Brand. Es war ein neues Modell, wir nannten es Klim Worosilow. Der Morgen dämmerte. Im Landesinneren machten wir im Wald noch zwei Unterstände platt und zerstörten den Pferdestall, dabei erbeuteten wir mehr als zehn Pferde. Ich fand in den Trümmern der Unterstände zwei unversehrte Säcke mit Weizenmehl und eine Kiste mit Speck. Wir nahmen alles mit, stopften es zu den Birkhühnern unten in unseren Panzer zwischen die Granaten. Die Pferde knüpften wir mit Seilen zu einer Karawane zusammen, sie liefen hinter unserem Panzer her, während wir über das Eis in Richtung Syväri fuhren. Wir mussten uns höllisch beeilen, denn der Feind verfolgte uns. Die Pferde gingen durch, sie hatten Angst vor dem Panzergeräusch, dem Rasseln der Ketten, den Abgasen und der Schießerei. Aber unser Geschützführer kletterte aufs Dach und fütterte die vordersten Pferde mit unserem finnischen Armeeknäckebrot, und es ist ja bekannt, dass die mageren Gäule der Russen ganz wild darauf waren. So kriegten wir sie dazu, weiter hinter uns über den Ladoga zu laufen.«

Seppo Sorjonen lauschte fasziniert der unterhaltsamen und spannenden Geschichte des alten Haudegen über seine winterliche Patrouillenfahrt, deren Ende nicht minder ereignisreich und gefährlich war:

»Während der Fahrt öffnete ich eine Luke und sah, dass zwei Stormovik über uns durch die Wolken donnerten, sie warfen Bomben aufs Eis, und mir spritzte Wasser in die Augen. Es kostete uns Mühe, die Pferde zu halten, aber wir fuhren einfach weiter. Wir versuchten, das Ufer zu erreichen, aber vor uns war durch Granateinschlag eine Spalte im Eis entstanden, und da rutschte unser Wagen hinein. Zum Glück war die Stelle so flach, dass der Turm und das Kanonenrohr rausguckten. Wir sprangen aufs Eis und beruhigten erst mal die Pferde, wir redeten leise auf Russisch auf sie ein. Die Flugzeuge setzten uns noch eine Weile zu und zogen dann ab, weil ihnen der Treibstoff ausging und wir sie außerdem mit dem Schnellfeuergewehr beschossen. Die Vickers hatte gleich neben der Kanone ein Schnellfeuergewehr, das war in dieser Situation sehr hilfreich.

Es war keine Zeit für eine Zigarettenpause, auch wenn uns der Sinn danach stand. Wir wollten schon den Panzer im Ladoga lassen, aber der Geschützführer und ich besannen uns auf die Pferde, wir hatten die Idee, sie mit Ketten anzuspannen und so zu versuchen, den Panzer aus dem Eisloch zu ziehen. Ich riss aus dem Seitenbehälter hundert Meter Kette heraus, und daraus machten wir für die Pferde ein provisorisches Kummet. Das Anspannen war allerdings harte Arbeit, weil die Pferde partout nicht die eisigen Kettenschlingen um die Brust haben wollten, aber als wir ihnen gut zuredeten und Brot zu fressen gaben, gelang es uns endlich. Wir benötigten dafür mehr als eine Stunde, und ständig mussten wir fürchten, dass die Flugzeuge zurückkommen und uns bombardieren würden. Wir beteten alle, es möge sich eintrüben und dicker Nebel bilden, aber die Sonne schien weiter, und zum Schluss kamen dann auch die Flugzeuge zurück. Inzwischen hatten wir aber die Pferde schon angespannt und damit begonnen, den Panzer aus dem Wasser zu ziehen.

In der Nähe war eine Insel, dort rissen wir einen alten Bootssteg ab, aus dem wir Klötze gewinnen konnten, um sie als Unterlage unter die Ketten zu legen. Wir waren gezwungen, die Pferde ein bisschen anzubrüllen, damit sie richtig anzogen, außerdem mussten wir uns wegen der Flugzeuge beeilen. Stück für Stück kam der Wagen hoch, einmal rutschte er wieder zurück, aber als wir die Pferde antrieben, gaben sie ihr Bestes, und schließlich hatten wir das Ding auf dem Eis. Wir versuchten, den Motor zu starten, aber der war inzwischen eingefroren, und so blieb uns nichts anderes übrig, als die Ketten abzumachen und den Panzer von den Pferden ans Ufer ziehen zu lassen. Dort kam uns eine finnische Patrouille entgegen. Unsere Leute hatten auf dem See großen Lärm gehört und wollten nachsehen, ob wir zurückkämen. Wir erreichten den Schutz des Waldes, und als die Feindflugzeuge unverrichteter Dinge abgezogen waren, entzündeten wir ein anständiges Lagerfeuer. Die Pferde wurden als Kriegsbeute fortgeschafft. Sergeant Roponen, der Fahrer, und ich blieben noch für eine Nacht zurück, um die Maschine in Gang zu bringen, und noch vor dem Morgengrauen lief der Motor tatsächlich wieder.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Der Sommer der lachenden Kühe" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen