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Der Schicksals-Code

Über die Autoren

Birgit Lechtermann ist Journalistin und Moderatorin. Sie moderierte zahlreiche bekannte Sendungen im deutschen Fernsehen wie »1, 2 oder 3« oder »Trivial Pursuit«. Sie entwickelte TV-Shows wie »Wir testen die Besten«, ist Autorin diverser Bücher und Hörspiele. Darüber hinaus ist sie als Moderations- und Personal-Coach tätig.

Michael Koroll ist Marketingberater, Designer und entwickelt Markenkonzepte. Er verhalf vielen bekannten Produkten aus dem Food-Bereich zum Erfolg. Seit über zehn Jahren arbeitet er an der Entschlüsselung des Schicksals-Codes.

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Birgit Lechtermann: www.biggi-lechtermann.de

Michael Koroll: www.brands4.us

www.schicksalscode.com

INHALT

  1. WIE ALLES BEGANN
    1. Ein Manuskript mit steiler These
      von Birgit Lechtermann
    2. Alles nur Zufall?
      von Michael Koroll
  2. DAS PHÄNOMEN SCHICKSAL
    1. Schicksal: Bestimmung oder freier Wille?
    2. Schicksal passiert jedem
  3. ALLES HAT SEINE ZEIT – LEBENSZYKLEN
    1. Boris Becker und seine Erfolge
    2. Alexander und die große Liebe
    3. Steve Jobs: Eine amerikanische Karriere
    4. Bettina: Kinder und Karriere
    5. John F. Kennedys Gesundheit
    6. Decken Sie die Zyklen in Ihrem Leben auf
    7. Ein Blick in die Zukunft?
  4. VON GUTEN UND VON SCHLECHTEN ZEITEN – ZEITQUALITÄT
    1. Bruno und sein »Fahrtenschreiber«
  5. DER SCHICKSALS-CODE
    1. Der Schlüssel zum Schicksals-Code
    2. Die verschiedenen Kategorien der Codes
    3. Lässt sich zukünftiges Schicksal berechnen?
  6. LEBENSGESCHICHTEN
    1. Die Geschichte von Anne
    2. Die Geschichte von Bernd
    3. Die Geschichte von Manuela
    4. Die Geschichte von Peter
    5. Die Geschichte von Maria
    6. Die Geschichte von Stephan
  7. DER SCHICKSALS-CODE VERBINDET
    1. Die Geschichte von Gisela
    2. Die Geschichte von Nicole
    3. Die Geschichte von Sabine
    4. Die Geschichte von Karin
  8. PROMINENTE PERSÖNLICHKEITEN UND IHR SCHICKSALS-CODE
    1. John F. Kennedy
    2. Coco Chanel
    3. Vincent van Gogh
    4. Marie Curie
    5. Professor Karin Weber
    6. Wolfgang Amadeus Mozart
    7. Abi Ofarim
    8. Edith Piaf
    9. Heinrich VIII.
  9. EIN CODE – TAUSEND SCHLAGZEILEN
  10. NACHWORT
    VON MICHAEL KOROLL
  11. NACHWORT
    VON BIRGIT LECHTERMANN
  12. DANKSAGUNG
  13. QUELLEN

WIE ALLES BEGANN

EIN MANUSKRIPT MIT STEILER THESE

Von Birgit Lechtermann

Es ist vier Jahre her, da lag eine Präsentationsmappe mit der Aufschrift Code of Destiny auf meinen Schreibtisch. Michael Koroll, von Beruf Markenentwickler, hatte sie mir zugeschickt, nachdem ein gemeinsamer Freund ihm geraten hatte, sich mit diesem Thema an einen Journalisten zu wenden. Seine spektakuläre Entdeckung, so meinte er, würde manche Ereignisse im Leben berühmter Persönlichkeiten in einem neuen Licht erscheinen lassen. Jeder Mensch habe in seinem Leben in individuellen, regelmäßigen Abständen Hochs und Tiefs, und Erfolge und Schicksalsschläge ließen sich anhand eines Schicksals-Codes nicht nur in der Vergangenheit verfolgen, sondern auch für die Zukunft zeitlich eingrenzen. Zur Untermauerung seiner These verwies Koroll auf seine zu über neunzig Prozent zutreffenden Auswertungen, die er bereits zu vielen prominenten Persönlichkeiten erstellt hatte.

Das ist eine steile These, dachte ich. Zukunftsprognosen zum Thema Liebe, Erfolg, Triumphe und Veränderungen füllen täglich die Zeitungen und Zeitschriften. Wenn ich überhaupt mal ein Horoskop in einer Zeitung lese, finde ich es eher amüsant. Ich lasse mir nicht die Karten legen, würde keinen TV-Wahrsager für 1,90 Euro die Minute anrufen und glaube fest daran, dass man sein Leben selbst bestimmt.

Nach einigen Telefonaten mit Michael Koroll legte ich die Mappe zunächst auf den Stapel mit den unerledigten Projekten. Andere Dinge hatten zu der Zeit eine höhere Priorität in meinem Leben. Allerdings erschien mir Michael Koroll in den Telefonaten als seriöser Entwickler von Markenkonzepten und nicht als durchgeknallter Guru mit irgendeiner neuen Lebensphilosophie. Das war wohl auch der Grund, warum ich ihm die Präsentation nicht gleich postwendend zurückschickte.

Vier Jahre später fielen mir seine Unterlagen wieder in die Hände, und meine journalistische Neugier, was wohl aus dieser Entdeckung geworden war, ließ mich zum Telefon greifen. Michael Koroll freute sich über meine Nachfrage zu dem Entwicklungsstand seines Projekts. Nach einigem Zögern sagte er:

»Ich habe mir erlaubt, auch Ihre Daten in meine Berechnungen einfließen zu lassen. Das Zeitfenster für ›Erschütterung‹ trat nach Ihrem Schicksals-Code in den letzten vier Jahren gleich mehrfach, teilweise doppelt innerhalb eines Zeitraums auf. Bei allen Referenzdaten, die ich aus den Biografien von prominenten Menschen errechnet habe, weist dieser Code immer auf Katastrophen oder, wie man so sagt, auf Schicksalsschläge hin. Ich nenne Ihnen einige Beispiele:

Bei der berühmten Modeschöpferin Coco Chanel taucht dieser Zahlen-Code auf, als ihr Geliebter, Paul Iribe, am 28. September 1935 plötzlich auf dem Tennisplatz zusammenbricht und stirbt. Auch im Schicksals-Code von John F. Kennedy, dem ehemaligen Präsidenten der USA, habe ich diese Zahlenkombination gefunden. Sie zeigt sich im August 1944, als das Flugzeug von Kennedys Bruder über dem Ärmelkanal explodiert.«

Dann erzählte mir Koroll noch, dass er mit Hochdruck weiter am Projekt Schicksals-Code gearbeitet habe. Daten aus Hunderten von Biografien seien inzwischen von ihm gesammelt und ausgewertet worden. Einige besonders spektakuläre Beispiele für die Übereinstimmung des Schicksals-Codes mit tatsächlichen Ereignissen würde er mir zukommen lassen.

Als ich den Hörer auflegte, war ich verunsichert. Ja, es hatte in meinem Leben jüngst ziemlich heftige Erschütterungen gegeben. Sowohl meine Mutter als auch mein Mann waren innerhalb weniger Jahre nacheinander gestorben. Den tragischen Tod meines Mannes hätte Michael Koroll aber auch ohne Erstellung meines Schicksals-Codes der Presse entnehmen können.

Was war mit der Übereinstimmung dieses geheimnisvollen Zahlen-Codes mit schicksalhaften Ereignissen in anderen Biografien? Wie konnte er überhaupt die Zahlen für die Erstellung einer solchen Lebensmatrix ermitteln? Wieso hatte es eine doppelte Zahlenkombination für »Erschütterung« in der hinter mir liegenden Phase meines Lebens gegeben? Und wieso gab es bei anderen Menschen auch solche Zahlenkombinationen? Schon während ich mir diese für Journalisten typischen W-Fragen stellte, versuchte ich nüchtern zu analysieren: Waren es, neben meiner beruflichen Neugier, nicht auch meine persönlichen Erfahrungen, die mich intensiv über das Thema Schicksal und den Schicksals-Code nachdenken ließen?

Ich erzählte einer Freundin, die sich täglich beruflich mit mathematischen Zusammenhängen auseinandersetzen muss, vom Projekt Schicksals-Code und bat sie, mir einige Jahreszahlen zu einschneidenden Erlebnissen in ihrem Leben zu nennen. Die dazugehörenden Ereignisse sollte sie nicht beschreiben. Diese Daten schickte ich, zusammen mit ihren Geburtsdaten, an Michael Koroll. Ich bat ihn um die Erstellung des Schicksals-Codes meiner Freundin. Danach vereinbarte ich einen Telefontermin zwischen den beiden, bei dem Koroll meiner Freundin seine Auswertungen darlegen sollte.

Zwei Tage später rief mich meine Freundin an. Sie erzählte mir, dass Koroll die Zahlen-Codes der von ihr genannten Jahre mit denen berühmter Persönlichkeiten in seiner Datenbank abgeglichen habe. Sie habe ähnliche Ereignisse wie die Prominenten mit identischen Zahlen-Codes erlebt, positive wie negative. Auch erscheine ihr das System als durchaus nachvollziehbar, da es doch unter anderem um eine statistische Hochrechnung gehe, die die Zeitpunkte bereits geschehener Ereignisse als Grundlage habe. Die Auswertung sei äußerst treffsicher und zugleich überzeugend gewesen. – Ich war sehr erstaunt.

Nächster Test: Würden meine männlichen Kollegen für dieses Thema nur ein Kopfschütteln übrig haben und die Entdeckung eines solchen Schicksals-Codes als Unsinn abtun? Also erzählte ich einem Kollegen, der als TV-Produzent arbeitet, von dem Thema Schicksals-Code. Er ist in Zahlen, Tabellen und Kalkulationen zu Hause und lässt sich so gar nicht mit »Kaffeesatz lesen« und »in die Glaskugel schauen« in Verbindung bringen. »Die Vergleichbarkeit mit anderen Biografien ist sehr spannend«, war sein Kommentar, »da schlummert etwas.« Ein anderer Kollege merkte an, dass schon in der Bibel Hinweise auf zyklische Abläufe wie die sieben fetten und die sieben mageren Jahre zu finden seien. »Im Übrigen auch in meinem Leben«, verriet er mir augenzwinkernd. »Ich war zweimal verheiratet und habe eine gescheiterte Beziehung hinter mir, interessanterweise gingen alle drei Partnerschaften nach jeweils acht Jahren in die Brüche.«

Das Thema war also von Interesse – nicht nur für mich. Um den Schicksals-Code einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, mussten wir uns diesem Thema allerdings journalistisch nähern. Das jedoch würde aufwendige Recherchen über die Lebensgeschichten von Prominenten und Persönlichkeiten aus vergangenen Jahrhunderten erfordern. Ebenso würde es notwendig sein, dass uns nicht prominente Menschen ihr Schicksal erzählten und uns ihre Daten für eine Auswertung zur Verfügung stellten. Für eine Beweisführung müssten wir einige Menschen mit ihrem eigenen Schicksals-Code konfrontieren und sie auffordern, die Ereignisse ihres vergangenen Lebens den auffälligen Zahlenwerten in den Berechnungen zuzuordnen. Positive wie negative Erfahrungen, auch emotional belastende, mit Mühe verdrängte Schicksalsschläge müssten in den dazu geführten Gesprächen noch einmal offen angesprochen werden. Auch das Thema Schicksal würden wir grundsätzlich beleuchten müssen. Was ist im Leben eines Menschen unvermeidlich, was hat jeder Mensch selbst in der Hand, welchen Entscheidungsspielraum hat er, sein Schicksal zu gestalten?

Als ich mit Michael Koroll über diese Anforderungsliste für ein Buch über den Schicksals-Code sprach, sagte er mir jegliche Unterstützung und die Offenlegung seiner bisherigen Erkenntnisse zu.

ALLES NUR ZUFALL?

Von Michael Koroll

Als ich einmal rückblickend auf meine bis dahin wichtigsten Lebensstationen schaute, fiel mir auf, dass einige Ereignisse in bestimmten zeitlichen Abständen geschehen waren. Veränderungen im Beruf, in der Liebe, neue Wohnorte, außergewöhnliche Begegnungen tauchten bei näherer Betrachtung in zyklischer Folge auf. Es schien mir, als gäbe es ähnlich lange Zeitabschnitte, nach denen in meinem Leben bestimmte Entwicklungen begünstigt wurden. »Interessanter Zufall!«, dachte ich und kümmerte mich nicht mehr weiter darum.

Einige Jahre später, als ich schon etwas mehr Zeit hinter mir hatte, auf die ich zurückblicken konnte, wurde das Bild noch deutlicher. Jetzt wollte ich es genauer wissen.

Zunächst trennte ich die verschiedenen Themenbereiche in meinem Leben voneinander wie zum Beispiel Beruf und Partnerschaft. Die Auflistung der Ereignisse mit den dazugehörenden Jahreszahlen zeigte, mit wenigen Abweichungen, tatsächlich bestimmte Intervalle. Zum Beispiel traten entscheidende berufliche Neuorientierungen immer im Abstand von neun Jahren auf. Alle sieben Jahre zeigten sich Veränderungen in der Partnerschaft. Ich stellte mir die Frage, ob diese Regelmäßigkeiten nur bei mir auftauchten oder auch bei anderen Menschen. Ich begann Biografien zu studieren, ordnete Ereignissen konkrete Jahreszahlen zu und war überrascht. Meine Zyklen waren kein Einzelfall.

Jahre später, als ich bereits als Markenberater für große Unternehmen arbeitete, wurde ich wieder mit zyklischen Strukturen konfrontiert: Markentrends, Life-Cycles, Verbrauchergewohnheiten, Modetrends – alles schien einem ständigen Auf und Ab unterworfen zu sein. Oder war es gar eine kreisförmige beziehungsweise zyklische Bewegung? Ich fragte mich, ob es den idealen Zeitpunkt für den Erfolg einer Idee, das Kennenlernen eines Partners oder einen wichtigen Geschäftsabschluss gab. Wenn es ihn tatsächlich gab, wie konnte dieser Zeitpunkt ermittelt werden?

Ich begann zunächst in den Biografien von erfolgreichen Unternehmern nach Strukturen zu suchen. In einer fand ich eindeutige Zyklen, welche die wichtigsten Stationen im Leben eines Supermanagers konkret anzeigten. Es handelte sich dabei um die Erfolgsgeschichte von Steve Jobs, in der ich auffällige Zehn-Jahres-Zyklen entdeckte. 1976 gründet Steve Jobs die Firma Apple Computer, zehn Jahre später, 1986, gründet er NeXT Computer und kauft das Trickfilmstudio Pixar. Wieder zehn Jahre später, 1996, verkauft er NeXT Computer gewinnbringend an Apple. Weitere zehn Jahre später, 2006, verkauft er Pixar – ebenfalls für viel Geld – an den Unterhaltungskonzern Walt Disney Company. Alles nur Zufall?

Ich begann, weitere Daten zu sammeln, Biografien zu studieren und nach Mustern hinter anderen herausragenden Ereignissen zu suchen. Ob im Leben von Boris Becker, der Gesundheit von John F. Kennedy oder der Karriere von Elvis Presley – fast überall stieß ich auf Zyklen. Ich fragte mich: »Wenn sich bei einigen Menschen das Thema Liebe, Erfolg oder beispielsweise gesundheitliche Probleme in so regelmäßigen Abständen wiederholt, setzt sich dieses Muster dann auch in der Zukunft fort?«

Die Idee für den Schicksals-Code war geboren. Nur ahnte ich damals noch nicht, wie viel Arbeit noch vor mir liegen sollte, um den Schlüssel für den Code zu finden.

DAS PHÄNOMEN SCHICKSAL

Täglich werden wir in privaten Gesprächen oder in den Medien mit dem Wort Schicksal konfrontiert. Kluge Menschen widmeten diesem Thema Bücher oder ließen es in Opern, Filme und Kunstwerke einfließen. Es gibt kaum ein Thema, das die Menschen so berührt, bei dem aber gleichzeitig die Meinungen so sehr auseinandergehen.

Die einen sind der festen Überzeugung, dass alles, was ihnen widerfährt, fremdgesteuert ist und längst festgeschrieben steht. Die anderen halten diese Annahme für ausgemachten Unsinn. Sie nehmen alles selbst in die Hand und glauben nicht an ein festgelegtes Schicksal. Sie sind der Meinung, dass sie mit ihren aktiven Handlungen bestimmen, was hier und jetzt und in der Zukunft passiert.

Auffällig ist, dass die meisten Menschen das Wort Schicksal weit häufiger mit unangenehmen Ereignissen in Verbindung bringen als mit Glücksfällen. Sie glauben, dass das Schicksal immer nur dann aktiv wird, wenn etwas Tragisches in ihrem Leben geschieht, das sie unvorhersehbar trifft. Aber ist das Schicksal wirklich immer nur für die unangenehmen Erfahrungen verantwortlich zu machen? Ist das Schicksal ausschließlich die Macht, die unsere Pläne durchkreuzt? Vielleicht werden wir auf diese Fragen niemals eine Antwort finden, aber möglicherweise denken Sie über das Phänomen »Schicksal« etwas anders, wenn Sie dieses Buch gelesen haben.

Im Zuge der Recherche zu diesem Buch haben uns ganz unterschiedliche Menschen ihre Lebensgeschichte erzählt. Sie erfahren, wie diese Menschen es schafften, eine Krise zu meistern, trotz schwerer Rückschläge den Blick nach vorn zu richten und die Hoffnung auch in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben. Die Biografien von großen Persönlichkeiten der Geschichte und von Prominenten machen deutlich, dass jeder Mensch Höhen und Tiefen durchlebt und keiner von Erschütterungen verschont bleibt.

Ist es möglich, Zeiträume einzugrenzen, die einen Wendepunkt im Leben ankündigen, einen neuen Anfang ermöglichen, einen Kurswechsel begünstigen?

SCHICKSAL: BESTIMMUNG ODER FREIER WILLE?

Wenn man Antworten auf Fragen sucht wie: »Ist mein Schicksal vorbestimmt?« oder »Habe ich alles selbst in der Hand, was in meinem Leben geschieht?«, ist es sinnvoll, das Schicksal zunächst in zwei Arten zu unterscheiden. Einmal in das Schicksal, das wir nicht ändern können. Nennen wir es das bestimmte Schicksal. Zum anderen in das unbestimmte Schicksal.

Unser bestimmtes Schicksal ist es, geboren zu werden und am Ende unserer Tage zu sterben. Daran gibt es nichts zu rütteln. Hinzu kommen noch die Rahmenbedingungen, die uns quasi als Starter-Paket in die Wiege gelegt werden. Zum Beispiel unser Elternhaus, unser Geschlecht, der Kulturkreis mit seinen gesellschaftlichen Normen, in den wir hineingeboren werden, und die uns umgebenden wirtschaftlichen Verhältnisse. Im Gegensatz dazu bietet uns das unbestimmte Schicksal reichlich Spielraum für eigene Entscheidungen. Es ist durch uns beeinflussbar, bietet unzählige Wahlmöglichkeiten und stellt uns täglich vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Wir können Chancen ergreifen, Risiken ausweichen, Dinge ausprobieren, Ziele ansteuern oder auch an ihnen vorbeifahren.

Vergleichen wir das Schicksal mit den Dreharbeiten zu einem Kinofilm. Der Film hat logischerweise einen Anfang und ein Ende. Auch die Zeit, in der er spielt, steht fest. Ebenso, dass Sie in jedem Fall in diesem Film die Hauptrolle spielen werden. Das sind die Eckdaten, die für das bestimmte Schicksal stehen. Während der Dreharbeiten kann es jedoch auch viele unvorhergesehene Zwischenfälle geben: das unbestimmte Schicksal. Schlechte Wetterbedingungen verzögern die Dreharbeiten. Nun können Sie die Zeit anderweitig nutzen oder einfach abwarten. Der Regisseur streicht Ihnen wichtige Szenen. Jetzt sind Sie gefordert. Setzen Sie sich durch, oder akzeptieren Sie die Änderung Ihrer Rolle widerstandslos? Ihr Stuntman fällt aus. Übernehmen Sie das Risiko, oder warten Sie auf den Ersatzmann? Es gibt viele Dinge, die nicht im Drehbuch stehen, aber Sie haben ebenso viele Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Sie können immer wieder aktiv dazu beitragen, dass der Film Ihres Lebens am Ende ein Erfolg wird.

SCHICKSAL PASSIERT JEDEM

Denkt man über das Thema Schicksal nach, fragt man sich zwangsläufig, warum manche Menschen scheinbar das Glück gepachtet haben, während andere keinen Ausweg aus ihrer unglücklichen Situation finden. Lesen und hören wir von erfolgreichen Menschen, die scheinbar nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen, so gewinnen wir vielleicht den Eindruck, dass sie keine Rückschläge kennen. Wenn wir jedoch genauer hinschauen, sehen wir, dass auch die so genannten Sonnenkinder Krisen und schwere Zeiten durchleben, danach aber wieder den Weg an die Spitze finden.

Wir haben in den Interviews danach gefragt, wie es den Betreffenden gelungen ist, ihr Schicksal zu meistern und relativ schnell einen Ausweg aus der Krise zu finden. Sie alle akzeptierten zunächst einmal, dass das Leben für jeden diese Höhen und Tiefen bereithält, und richteten bereits auf dem Tiefpunkt ihres Weges den Blick wieder aufmerksam nach links und rechts, um die Abzweigung, die aus dem Tal herausführen könnte, nicht zu verpassen. Einige gingen sogar noch weiter. Sie sagten, dass sie ohne eine solche Krise in ihrem Leben nicht weitergekommen wären.

Eine Krise als Chance? Schauen wir uns die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Krise an. Das Wort ist dem altgriechischen Wort krisis abgeleitet. Es heißt so viel wie Entscheidung oder entscheidende Wendung. Laut Duden stellt eine Krise den Wende- und Höhepunkt einer gefährlichen Entwicklung dar, was nicht unbedingt heißt, dass eine Krise schlecht ist, auch wenn wir sie in den meisten Fällen als bedrohlich empfinden. Vielmehr ist sie der Höhepunkt einer fehlgeleiteten Entwicklung.

Häufig führt gerade die mangelnde Bereitschaft, Veränderungen vorzunehmen, erst in eine Krise hinein. Die Entscheidungen, die in einer Krise unumgänglich werden, erzwingen dann die längst fälligen Kurskorrekturen und Richtungswechsel, die uns auf neue Wege führen können. Krisen sollten deshalb nicht von vornherein gefürchtet werden, denn sie drängen uns zu Schritten, die wir ohne sie vermutlich niemals gewagt hätten.

Es gibt zwei Möglichkeiten im Leben, mit Krisen umzugehen: Man kann sich auf die Schwierigkeiten, die man gerade hat, konzentrieren und darüber brüten, dass und wie viel schlimmer es noch kommen könnte. Außerdem kann man die Fehlerursache bei sich oder bei anderen suchen und sich fragen, warum gerade einem selbst so etwas passieren musste – und dabei die Hoffnung verlieren. Oder man entsinnt sich, als zweite Wahlmöglichkeit, wie es nach der letzten Talfahrt wieder aufwärtsging. Dann heißt es, seine Kräfte und seine Konzentration zu bündeln und vorbereitet zu sein auf den Zeitpunkt, an dem sich das Blatt unweigerlich wenden wird. Dabei kann man sich ausmalen, wie man das nächste Hoch, die nächste Chance noch besser für sich nutzen kann.

ALLES HAT SEINE ZEIT – LEBENSZYKLEN

Beginnen wir das Thema Schicksals-Code zu entwirren, indem wir uns einem Phänomen widmen, das nicht nur in der Naturwissenschaft eine Bedeutung hat, sondern allgemein zu einem viel beachteten Thema geworden ist: den Zyklen. Sie spiegeln sich im Laufe der Jahreszeiten ebenso wider wie im Wechsel von Tag und Nacht, Ebbe und Flut, dem Wechsel des Mondes, dem Monatszyklus der Frau oder den Lebenszyklen wie Kindheit, Jugend, Reife und Alter. Jeder verlässt sich darauf, dass nach einer Ebbe wieder die Flut kommt, dass nach einer Nacht der Tag anbricht. Diese Zyklen sind für uns so selbstverständlich, dass wir uns kaum Gedanken darüber machen – es sei denn, wir können bei Vollmond nicht schlafen, oder es bleibt einmal der Monatszyklus aus.

Weitere Beispiele für sich wiederholende Zyklen finden wir in der Wirtschaft. Nach extremen Talfahrten an der Börse folgt zwangsläufig der Aufschwung. Oder nehmen wir das Thema Mode. Haben Sie sich nicht auch schon darüber geärgert, dass Sie Ihre Schlaghosen erst vor geraumer Zeit der Kleidersammlung des Deutschen Roten Kreuzes übergeben haben? Einige Jahre später stehen Sie garantiert fasziniert vor den Verkaufsauslagen mit solchen Hosen. Auch die Mode unterwirft sich immer wiederkehrenden Zyklen.

Nach der Vorstellung der meisten Zeitgenossen verläuft das Leben eines Menschen jedoch ganz anders, besonders das eigene. Danach ist es lediglich eine gerade Linie zwischen zwei Punkten, dem Zeitpunkt der Geburt und dem des Todes. Dazwischen passieren eine Menge angenehme, aber auch unangenehme Ereignisse in bunter und zufälliger Reihenfolge. Aber ereignen sich die Geschehnisse eines Menschenlebens wirklich so unstrukturiert zwischen zwei Punkten, wie es den Anschein hat?

Trennt man einmal die in der Vergangenheit erlebten Ereignisse voneinander und sortiert sie nach bestimmten Kategorien wie zum Beispiel Beruf, Liebe oder Partnerschaft, so stößt man möglicherweise auf Regelmäßigkeiten bei den Abständen zwischen den Ereignissen. Nehmen wir den Bereich Partnerschaft. Erinnern Sie sich einmal an alle wichtigen Begegnungen in Ihrem Leben, von der ersten Liebe bis zum heutigen Tage. Begegnungen, die Sie und Ihr Leben nachhaltig beeinflusst haben. Auch negative Ereignisse wie Trennung oder Scheidung gehören zu diesem Thema.

Eines sollten all diese Ereignisse aber gemeinsam haben: Sie müssen für Ihr Leben von Bedeutung gewesen sein. Vielleicht sind Sie sogar während einer Partnerschaft einem Menschen begegnet, der Ihnen gefallen hätte, aber es war nicht der richtige Zeitpunkt. Möglicherweise stellen Sie nach einer zeitlichen Zuordnung dieser Ereignisse fest, dass zwischen diesen einzelnen Erfahrungen ähnlich lange Abstände liegen. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Ereignisse, die Sie zum Thema Partnerschaft oder Liebe in Ihrem eigenen Leben finden, in einem Abstand von sieben, neun oder zwölf Jahren stattgefunden haben. Natürlich ist es mit entsprechendem Alter wegen der Fülle von Ereignissen einfacher, solche Daten aufzulisten und eine latent vorhandene Struktur zu entdecken.

So verschieden die Lebenswege und Erlebnisse der Menschen auch waren, die Birgit Lechtermann ihre Geschichte erzählt haben – bei der Auswertung der Daten durch Michael Koroll zeigten sich häufig ähnliche Zeitabstände zwischen den wichtigen Erfahrungen innerhalb eines bestimmten Lebensbereichs. Nach den geführten Gesprächen legten wir den Betreffenden nur die reinen Daten der Ereignisse und die zyklischen Abstände, die sich daraus ergaben, vor. Immer waren die Interviewpartner erstaunt. Sie hatten es so noch nicht gesehen, denn in ihrer Erinnerung hatten sich diese Ereignisse mit vielen anderen vermischt, und was sie erlebt hatten, sah eher zufällig und chaotisch aus. Sie bezeichneten Strecken mit vielen positiven Geschehnissen häufig als Glückssträhne oder im umgekehrten Fall als Pechsträhne. Ordneten wir allerdings einen Themenbereich, wie beispielsweise Partnerschaft und Liebe, ganz gezielt Kalenderdaten zu, wirkte es gar nicht mehr so zufällig. Es waren eindeutige Zyklen zu erkennen. Viele sahen das sprichwörtlich bekannte verflixte siebte Jahr nun in einem völlig neuen Licht.

Kennenlernen, Heirat, Geburt des ersten Kindes, Trennung vom Partner fanden in gleichen Abständen statt. Triumphe und Niederlagen folgten in bestimmten Zeitabständen aufeinander. Bei einigen Menschen trafen die zyklischen Wiederholungen auf den Monat genau ein, bei anderen gab es geringe Abweichungen. Dennoch zeigte sich eine Regelmäßigkeit, in der die Ereignisse stattfanden. Am Beispiel der biografischen Daten von prominenten Persönlichkeiten und in persönlichen Gesprächen mit Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, werden diese Lebenszyklen deutlich.

BORIS BECKER UND SEINE ERFOLGE

Boris Becker gehört sicher zu den größten deutschen Sportlern des 20. Jahrhunderts. Der Tennisheld riss die Fans zu Begeisterungsstürmen hin und löste bei der jungen Generation einen wahren Tennisboom aus. Seine sportlichen Erfolge sind Legende: Mit siebzehn Jahren gewann er als jüngster Spieler die All England Championships of Wimbledon. Insgesamt dreimal konnte der Ausnahmespieler den »heiligen Rasen« als Sieger verlassen. Zu seinen Erfolgen gehören neunundvierzig Turniersiege im Einzel, und zweimal holte er den Davis Cup für Deutschland. Er wurde Doppel-Olympiasieger, Tennisweltmeister, war zweimal die Nummer eins der Tenniswelt. Die Liste seiner Erfolge ließe sich weiter fortsetzen.

Boris Becker zieht von Center Court zu Center Court. Siege und Triumphe, aber auch Niederlagen wechseln in den achtziger und neunziger Jahren in schneller Abfolge. Das Leben eines Profispielers wird vom Rhythmus der Turniere bestimmt. Trotz der Vielfalt von Ereignissen in seinem Leben hat Boris Becker seine persönlichen Zyklen sehr klar aufgedeckt. In einem Interview mit Dagmar von Taube, das am 11. Dezember 2007 in Welt-Online veröffentlicht wurde, bekannte Boris, dass er wohl in einem Sieben-Jahres-Rhythmus lebe: »Mit 35 bin ich in die Schweiz gezogen, wurde Unternehmer. Mit 28 war mir klar, mein erstes Berufsleben geht zu Ende. Nicht leicht. Ich musste mir über mein ›Leben danach‹ klar werden: Was will ich, wer bin ich, was mache ich? Mit 14 wollte ich der beste Tennisspieler der Welt werden. Mit 7 wurde ich eingeschult.«

Im Gegensatz zu anderen Menschen, die häufig vielfältige Ereignisse aus unterschiedlichen Lebensbereichen miteinander vermischen, hat Boris Becker seine für ihn wichtigen Schritte im Berufsleben sehr klar herausgefiltert.

Um eine ebensolche Konzentration auf einen bestimmten Bereich seines Lebens baten wir Alexander. Er war zum Zeitpunkt des Interviews dreiundfünfzig Jahre alt und führte im Gegensatz zu Boris Becker kein Leben in den Scheinwerfern der Öffentlichkeit. Bei der Erzählung seiner Lebensgeschichte sollte sich Alexander ausschließlich auf das Thema Partnerschaft und Liebe beschränken. Dieses Thema war für ihn mit so viel Emotionalität verbunden, dass in seiner Schilderung zunächst die Dramatik des Geschehens im Vordergrund stand. Deshalb konnten wir ihn auch erst im Anschluss des Gesprächs bitten, die Ereignisse konkreten Zeitpunkten zuzuordnen.

ALEXANDER UND DIE GROSSE LIEBE

Alexander ist jung, erfolgreich und hat eine Freundin, mit der er schon einige Jahre zusammenlebt. Kennengelernt hat er sie mit einundzwanzig. Seine Hochzeit im Alter von achtundzwanzig Jahren ist eine eher halbherzige Entscheidung. Viele seiner Freunde sind bereits fest liiert, und es gibt für ihn eigentlich keinen triftigen Grund, sich dem Drängen seiner Freundin und deren Eltern auf eine Heirat zu widersetzen. »Ehrlich gesagt wusste ich damals nicht genau, wie sich die große Liebe wirklich anfühlt. Viel wichtiger war für mich, dass sich an meinem Leben auch nach der Heirat nicht viel ändern würde. Ich sah die Hochzeit mehr als Formalität an, außerdem wollte ich dem Wunsch meiner Frau nicht im Wege stehen.« Die Hochzeitsfeierlichkeiten sind wieder einmal ein willkommener Anlass mehr, mit allen Freunden zu feiern. Nach der Hochzeit ist tatsächlich kein großer Unterschied zu vor der Hochzeit.

»Als meine Freunde nach und nach verheiratet waren, praktischerweise mit den Freundinnen, die sie ohnehin bereits hatten, wurde in unserem Freundeskreis das nächste große Thema aktuell: Kinder! Es war gar nicht so sehr mein dringlichster Wunsch oder unser gemeinsames Zukunftsziel, es waren eher meine Schwiegereltern, die sich sehnlichst Enkelkinder wünschten und mit meiner Frau dieses Thema immer wieder intensiv besprochen haben.« Alexanders Frau ist, wie ihre Eltern, ebenfalls von dem Gedanken begeistert, ein Kind zu haben, zumal viele ihrer Freundinnen gerade Kinder bekommen haben oder schwanger sind. Wieder lässt sich Alexander von den Argumenten seiner Frau und deren Eltern überzeugen.

Einige Monate später – seine Frau ist bereits schwanger – begegnet er im Rahmen seiner Arbeit einer Frau, die ihn von Anfang an fasziniert. Nach einigen Wochen stellt Alexander fest, dass er sich ernsthaft in sie verliebt hat. »Sie stellte für mich alles dar, was ich mir bis dahin als Traumfrau vorgestellt hatte. Blond, hübsch, mit einer aufregenden Figur. Im Gegensatz zu meiner Frau konnte ich mich mit ihr auch auf beruflicher Ebene sehr gut austauschen. Sie verstand mich. Nach ein paar Wochen war ich sicher: Das ist meine große Liebe!« Zumindest ist das, was Alexander fühlt, viel intensiver als das, was er am Anfang seiner ersten Beziehung als Verliebtheit erlebt hatte.

Das Dilemma, in dem sich Alexander befindet, wird täglich größer. Einerseits will er diese unglaubliche Begegnung nicht einfach ignorieren, andererseits hat er mit seiner Heirat und der Schwangerschaft seiner Frau alle Weichen für sein zukünftiges Leben bereits gestellt. Die Situation erscheint ihm ausweglos, und er kennt niemanden, den er um Rat fragen könnte. Noch heute erinnert er sich wehmütig an die wenigen, intensiven Begegnungen mit seiner großen Liebe, denn sie waren von außergewöhnlicher Leidenschaft geprägt. »Genießen konnte ich sie allerdings kaum. Zu groß waren der Stress, die Angst und meine Not, eine Entscheidung treffen zu müssen.«

Die Entscheidung wird Alexander kurze Zeit später abgenommen. Wenige Wochen nach der Geburt muss seine Tochter mit einer schweren Infektionskrankheit in eine Klinik eingeliefert werden. Drei Wochen lang wird auf der Intensivstation um das Leben des kleinen Mädchens gekämpft, und in dieser schweren Zeit rücken alle anderen Aspekte seines Lebens in den Hintergrund. Nur das Leben des Babys ist jetzt wichtig. Die Frage nach einer neuen, glücklichen Beziehung mit seiner Traumfrau stellt sich nach diesen schicksalhaften Ereignissen nicht mehr, denn das kleine Kind braucht in den nächsten Monaten zu viel Zuwendung und Liebe.

Von nun an wird Alexanders weiteres Leben immer wieder von zwei Fragen geprägt: »Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich mich damals anders entschieden hätte, und was wird passieren, wenn ich meiner großen Liebe noch einmal begegne?« Durch einen Zufall begegnet Alexander genau dieser Frau, die sein Leben so ins Wanken hatte geraten lassen, einige Jahre später wieder. »Aber es war zu viel Zeit vergangen und zu viel in meinem Leben passiert, um diese Liebe fortzusetzen. Wir verloren uns deshalb wieder aus den Augen.«

Als seine Tochter zehn Jahre alt ist, hält Alexander es nicht mehr aus, mit einer Frau zusammenzuleben, die er nicht wirklich liebt. »Ich war inzwischen der Ansicht, dass so eine Ehelüge dem Kind mehr schaden kann als eine saubere Trennung.« Im Jahr 2000 reicht Alexander die Scheidung ein. »Danach habe ich mich erst einmal total zurückgezogen. Wenn man so lange Zeit in einer Partnerschaft gelebt hat, in der Liebe nicht der Hauptgrund des Zusammenlebens war, sondern das Kind, das Haus, der Freundeskreis, dauert es lange, bis man zu sich selbst und zu seinen Gefühlen zurückfindet. Danach«, so Alexander, »hatte ich zwar verschiedene Kurzzeitbeziehungen, aber ich habe sie immer mit meiner ersten großen Liebe verglichen. Ich glaubte auch nicht mehr daran, dass ich noch jemals in meinem Leben einen Menschen treffen würde, den ich so lieben könnte.«

Vier Jahre nach seiner Scheidung begegnet Alexander einer Frau, die seiner ersten großen, unerfüllten Liebe verblüffend ähnlich ist. Die beiden sind seitdem ein Paar, und Alexander ist heute noch genauso verliebt wie am ersten Tag. »Natürlich habe ich mich immer wieder gefragt, warum ich die Entscheidung, mein Leben zu ändern und meine Frau zu verlassen, erst so spät getroffen habe. Warum habe ich damals nicht zu meiner großen Liebe gestanden? War es Verantwortungsgefühl oder Feigheit? Heute glaube ich, dass alles so kommen musste. Ich wäre unter den damaligen Voraussetzungen vermutlich nicht mit der anderen Frau glücklich geworden. Jetzt habe ich vom Schicksal meine zweite Chance bekommen. Wir haben uns in einer völlig anderen, unbelasteten Lebenssituation kennen- und lieben gelernt. Ich bin sehr dankbar und glücklich.«

Sehen wir uns die wichtigsten Daten aus Alexanders Liebes-Chronologie noch einmal an und ordnen nun den Ereignissen die jeweiligen Jahreszahlen zu:

1976 hatte Alexander seine Frau kennengelernt, sieben Jahre später, 1983, geheiratet. 1990, wieder waren sieben Jahre vergangen, begegnete er der Frau, in die er sich unsterblich verliebte, mit der er aber nicht zusammenkam. Im gleichen Jahr wurde er Vater. 1997 wechselte er den Arbeitgeber, und im Rahmen dieser Veränderung kam es zu einer erneuten Begegnung mit seiner großen Liebe. Drei Jahre später ließ sich Alexander scheiden. 2004 verliebte er sich unsterblich in seine heutige Lebenspartnerin.

Erstaunlich ist hier, mit welcher Genauigkeit das Thema Liebe und Beziehung im Abstand von etwa sieben Jahren eine schicksalhafte Bedeutung hat. Zwar gab es zwischendurch einige andere Begegnungen, aber die aufgeführten waren von besonderer emotionaler Bedeutung für Alexander – und das in zyklischen Abständen.

Nach diesen eindeutigen Intervallen in der Abfolge seiner Liebes-Chronologie gehört Alexander zum Sieben-Jahres-Typ im Bereich Partnerschaft. Alexander ist kein Einzelfall. Dieser »Sieben-Jahres-Liebes-Zyklus« ließ sich auch in anderen Biografien auffällig häufig nachweisen. Ebenso traten auch Neun- oder Zehn-Jahres-Zyklen auf.

Wird Alexander seinen Sieben-Jahres-Zyklen auch in Zukunft unterworfen sein? Wird seine neue, glückliche Partnerschaft mit seiner »Traumfrau« im siebten Jahr nach dem Kennenlernen auch auf eine Probe gestellt werden?

Wie können Menschen mit eindeutig nachweisbaren Zyklen im Bereich Liebe ihr Wissen im Interesse einer Partnerschaft positiv nutzen? Da es sich bei den Zyklen offensichtlich um eine persönliche Programmierung handelt, sollte bei einer Beziehungskrise, die genau in das Zeitmuster fällt, zunächst die Ursache für den Wunsch nach Veränderung gesucht werden.

Sollte das persönliche Schicksals-Timing die Ursache für den Wunsch nach Veränderung sein, können die anstehenden Kurskorrekturen möglicherweise gemeinsam mit dem Partner durchgeführt werden.

Zyklen lassen sich nicht nur im Bereich Liebe und Partnerschaft nachweisen. Die folgenden Geschichten decken versteckte Intervalle auch in Karriereverläufen auf.

STEVE JOBS:
EINE AMERIKANISCHE KARRIERE

Schauen wir uns jetzt die ungewöhnliche Karriere eines Mannes an, dessen Produkte heute weltweit Menschen in ihren Händen halten – in Form eines iPods, iPhones oder eines Computers, mit dem sie ihre tägliche Arbeit erledigen. Dieser Mann hat den bezeichnenden Namen Steve Jobs, und er entwickelte gemeinsam mit Steve Wozniak den legendären Computer, der noch heute einen Apfel mit Biss als Markenzeichen trägt.

1976 gründeten die beiden in Kalifornien zusammen mit Ronald Wayne das Unternehmen Apple. Steve Jobs war einundzwanzig Jahre jung, das Startkapital von knapp 2000 Dollar des heutigen Weltkonzerns kam, neben Ersparnissen, aus dem Verkauf von Jobs VW-Bus und dem Hewlett-Packard-Taschenrechner von Wozniak. Ihre Anfänge sind heute Legende: Sie arbeiteten am Küchentisch oder im Schlafzimmer von Jobs, und als Testlabor für ihre ersten Computer diente ihnen die Garage von Steve Jobs Eltern. Eine typisch amerikanische Story, die vielen anderen immer wieder Mut macht. Vom Tellerwäscher zum Multimillionär; von technikbegeisterten Jungs, die in der Garage tüfteln, zu den Revolutionären der Computerwelt.

Am 24. Januar 1984 wurde der mittlerweile legendäre Apple Macintosh auf dem Markt eingeführt. Ein Jahr später verließ Steve Jobs nach einem internen Machtkampf die Firma. Er gründete eine weitere Computerfirma, NeXT Computer, die zwar mit ihren Geräten anderen am Markt technologisch weit voraus war, aber außerhalb der wissenschaftlichen Forschung nie richtig populär wurde. 1986 gründete Jobs außerdem mit Edwin Catmull die Pixar Inc., ein Computerzeichentrickfilm-Studio in Emeryville. Pixar Filme haben als Logo eine animierte Schreibtischlampe im Vorspann, und diese Animation war 1986 einer ihrer ersten prämierten Kurzfilme. In den folgenden zwanzig Jahren wurden Pixar-Filme mit zwanzig Oscars ausgezeichnet, und die Filme wurden weltweit Knaller: Toy Story, Das große Krabbeln, Die Monster AG, Findet Nemo oder Die Unglaublichen, nur um einige zu nennen. Eine Woche nach dem Start von Toy Story ging Pixar an die Börse, die Aktie verdoppelte ihren Wert und machte Steve Jobs zum Milliardär.

1996 kaufte Apple Steve Jobs Computerfirma NeXT für knapp 400 Millionen US-Dollar. Steve Jobs übt seitdem eine Beratertätigkeit für das Unternehmen aus, das er einst gründete. Am 24. Januar 2006 gab der Medien- und Entertainment-Konzern Walt Disney nach US-Börsenschluss bekannt, dass er die Pixar Inc. für ungefähr 7 Milliarden Dollar übernehmen werde. Teil des Übernahmevertrags war die Aufnahme von Steve Jobs in den Verwaltungsrat von Disney. Jobs wurde größter Einzelaktionär bei Disney.

Lassen sich auch in dieser Erfolgsgeschichte Zyklen erkennen?

Wenn nur diejenigen Daten aus Jobs Karriere herausgefiltert werden, die mit der Gründung oder dem Verkauf von Unternehmen in Zusammenhang stehen, dann beginnt die Erfolgsgeschichte mit der Gründung der Firma Apple im Jahr 1976, es folgt die Gründung von Pixar und NeXT im Jahr 1986, der Verkauf von NeXT Computer im Jahr 1996 und der Verkauf von Pixar im Jahr 2006. Diese entscheidenden Ereignisse in der Unternehmergeschichte von Steve Jobs fanden in Abständen von zehn Jahren statt. Natürlich waren die Einführung des Apple Computers, die Entwicklung des iPods oder die Markteinführung des iPhones revolutionäre Produktinnovationen des Unternehmers Steve Jobs, aber dabei handelt es sich um Produkte. Die Zeitpunkte jedoch, zu denen Steve Jobs Unternehmen wie Apple, NeXT und Pixar gründete oder wieder verkaufte, liegen jeweils zehn Jahre auseinander. Dieser Mann hat einen eindeutigen Erfolgs-Zyklus!

Nicht nur in der Welt der Superunternehmer zeigen sich solche Meilensteine in zeitlich gleichen Abständen.

Auch die nachfolgenden Karrierestationen von Bettina, Inhaberin eines Modegeschäfts, zeigen zyklische Wiederholungen. Wir baten Bettina vor dem persönlichen Gespräch um ihren Lebenslauf. Als erfolgreiche Karrierefrau schickte sie ihn in tabellarischer Auflistung, so wie es normalerweise für Bewerbungsgespräche üblich ist.

BETTINA: KINDER UND KARRIERE

1959 in Bremen geboren
1965 Einschulung Grundschule Hamburg
1969 Gymnasium Hamburg
1977 Abitur (2,8)
anschließend diverse Aushilfsjobs
Volontariat beim Verlag
3 Monate Studienreise Mittelamerika
1978 Studium der Ethnologie und Germanistik, Universität Hamburg (5 Semester)
1980 Ausbildung zur fremdsprachlichen Sekretärin
1981 Alleinsekretärin, Ingenieurbüro, Hamburg
Sekretärin, Florida, USA
Sekretärin Reiseveranstalter, Hamburg
1983 Chefsekretärin und Veranstaltungsorganisation, Hamburg
1985 Regionale PR-Managerin, Schallplattenfirma, Hamburg
1987 Leitung Abteilung Radiopromotion, Hamburg
1988 Produktmanagerin innerhalb der Firma, Hamburg
1990 Senior-Product-Mangerin, Plattenfirma, Köln
1991 Marketing Managerin, Köln
1993 Gründung einer eigenen Agentur, Köln / Zürich
1995 Geburt des ersten Kindes, Hausfrau und Mutter
1997 Geburt des zweiten Kindes, Hausfrau und Mutter
2001 Teilzeitmitarbeiterin in einer Agentur
2003 Selbstständigkeit in der Modebranche
2006 weiterer Ausbau der Selbstständigkeit
2009 Kauf eines florierenden Modegeschäfts

Auf den ersten Blick ist das der Lebenslauf einer erfolgreichen Frau, die für ihre beiden Kinder eine berufliche Pause eingelegt hat. Wir wollten es genauer wissen und baten Bettina um ein persönliches Interview. Wir fragten sie, welche Stationen in ihrem Leben von zentraler emotionaler Bedeutung für sie waren beziehungsweise besondere Veränderungen oder entscheidende Fortschritte für sie darstellten.

Das Abitur 1977 ist für Bettina von zentraler Bedeutung, da die Ergebnisse deutlich besser ausfallen, als sie es erwartet hat. Selbst in ihrem Schmerzfach Mathematik übertrifft sie die Prognosen der Lehrer. Ein Triumph für die damals Achtzehnjährige. Danach folgt eine Zeit der Orientierungslosigkeit. Sie selbst bezeichnet diese Zeitspanne als Durststrecke. Sie schlägt sich mit diversen Aushilfsjobs durch, schnürt den Rucksack und geht auf eine Studienreise durch Mittelamerika, beginnt ein Studium und bricht es wieder ab, um sich zur Fremdsprachensekretärin ausbilden zu lassen. Als Sekretärin wechselt sie jedes Jahr den Arbeitgeber.

Das Jahr 1985 endet für Bettina mit einem Durchbruch, auf den sie sehnsüchtig und lange gewartet hat. Endlich findet sie ihren Traumjob in Hamburg: Promotion-Managerin bei einer Schallplattenfirma. Rückblickend erzählt Bettina uns mit glänzenden Augen, dass dies der Grundstein für ihre weitere Karriere war. Endlich konnte sie all ihre Talente einbringen: Kreativität, Management, Organisation, Mitarbeitermotivation. Die nächsten Karriereschritte folgen in atemberaubendem Tempo, von der Leitung der Abteilung bis zur Marketingmanagerin.

1993 gibt es für Bettina ein neues einschneidendes Ereignis in ihrer beruflichen Laufbahn: Ihre erfolgreiche Tätigkeit setzt sie nun mit einer eigenen Agentur fort. Das Unternehmen etabliert sich sofort in Köln und Zürich. Es ist schon ein besonderer Triumph, sich innerhalb dieses hart umkämpften Marktes mit einem kleinen Unternehmen zu behaupten.

Der Wunsch nach Kindern wird allerdings immer größer. Eines steht dabei für sie fest: Nach der Geburt des ersten Kindes wird sie sich ausschließlich dem Muttersein widmen, eine berufliche Auszeit nehmen. Die beiden Kinder werden im Abstand von zwei Jahren geboren. Nach der Kinderpause macht sich Bettina Gedanken über den Wiedereinstieg ins Berufsleben.

2001 setzt Bettina ihre berufliche Laufbahn in der Agentur fort. Die Rückkehr ins Berufsleben ist geglückt, wenn auch wegen der Kinder nur in Teilzeit. Viele Mütter, die aus dem Berufsleben ausgestiegen sind, werden bestätigen, dass die Rückkehr ein ganz besonderer Moment ist. Nachdem die Firma wegen des inzwischen schwierigen Marktes ins Straucheln gerät, entschließt sich Bettina, einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen. Sie wagt den Schritt in ein neues, ihr bis dahin unbekanntes Business.

2009 ist Bettina so erfolgreich in ihrem neuen Arbeitsgebiet, dass sie ein etabliertes Modegeschäft kaufen kann. Das bedeutet neue Herausforderungen und größere Verantwortung, auch für die Mitarbeiter, deren Chefin sie jetzt ist.

Im Gegensatz zu den Informationen über die unternehmerischen Aktivitäten von Steve Jobs, die sich bereits durch die Berichterstattung in den Medien auf den Bereich Karriere konzentrierten, waren die zyklischen Strukturen im Leben von Bettina nicht ganz so offensichtlich.

Ereignisse im Berufsleben, der Partnerschaft, die Geburt der Kinder, ihre Freundschaften, alles schien bunt durcheinandergewürfelt. Erst die Konzentration auf einen bestimmten Lebensbereich machte ihre Zyklen sichtbar.

Schauen wir uns nur die Karriereschritte von Bettina an, die für sie von besonderer Wichtigkeit und emotionaler Bedeutung waren, dann stellen wir fest, dass diese in zeitlich gleichen Abständen liegen. Etwa alle acht Jahre macht sie den nächsten entscheidenden Karriereschritt in ihrem Beruf. Bettina war selbst erstaunt, als sie diese Struktur so deutlich sah. Zwar hatte sie bereits von anderen Menschen gehört, dass sie auffällige Zyklen in ihrem Leben gefunden hatten. Allerdings schien ihr buntes Leben solche Strukturen nicht aufzuweisen. »Das ist ja interessant, dann bin ich wirklich ein Acht-Jahres-Typ!«, sagte Bettina. »Dann werde ich jetzt schon mal überlegen, wo ich 2017 sein will.«

Wenden wir uns nun einem anderen wichtigen Bereich des menschlichen Lebens zu, der Gesundheit. Bei unserer Recherche sind uns in einigen Biografien auch Krankengeschichten aufgefallen, in denen Zyklen auftraten. Hier ein besonders spektakuläres Beispiel:

JOHN F. KENNEDYS GESUNDHEIT

John F. Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, war eine besonders schillernde Persönlichkeit. Würden wir eine Karteikarte seiner Ärzte beziehungsweise seiner Krankenhausaufenthalte ziehen, ergäbe sich daraus folgende Geschichte:

Bereits während der Schulzeit hatte John F. Kennedy gesundheitliche Probleme und durfte deshalb auch nicht seinem Lieblingssport, dem Football, nachgehen. 1935 hatte er die Schule beendet und reiste nach England, um sich dort an der London School of Economics für ein Studium einzuschreiben. John F. Kennedy bekam zu diesem Zeitpunkt so große gesundheitliche Probleme, dass er sich sofort in ärztliche Behandlung begeben musste. Aus dem Studium in England wurde deshalb nichts.

1945 flog Kennedy als Korrespondent der Hearst Presse nach Deutschland. Als Journalist nahm er an der Potsdamer Konferenz teil, wo die Siegermächte die Nachkriegsordnung Europas aushandelten. Wieder zwang ihn eine Krankheit, in die USA zurückzukehren. 1954/1955 erkrankte der längst mit Jackie verheiratete und zum Senator des Staates Massachusetts ernannte Kennedy wieder. Diesmal standen sogar längere Krankenhausaufenthalte wegen zweier Rückenoperationen an. 1963 schließlich wurde John F. Kennedy bei einem Attentat in Dallas / Texas erschossen.

Auffällig ist, dass es sich bei den Erkrankungen Kennedys immer um ...

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