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Der Pakt

Wie weit ein Weg auch ist,

wie fern das Ziel erscheint.

Der Anfang beginnt immer mit dem ersten Schritt.

So ist es mit allem im Leben,

auch mit diesem Buch.

Das erste Wort, der erste Satz,

lassen eine Geschichte beginnen,

mit der Hoffnung für das Ungewisse.

Ist es das was wir erwarten,

wird es so wie wir es wünschen.

Da ist es wie im wahren Leben,

nichts ist immer perfekt,

nichts ist immer kalkulierbar.

Das lässt das Leben,

wie das Schreiben,

für jeden einzelnen anders empfinden.

Das macht Leben und das Schreiben aus.

Es ist unvorhersehbar,

für den Schreiber und für den Leser.

Nur wer sich traut,

den ersten Schritt zu tun,

der kommt seinem Ziel näher.

Prolog

Einige Tage beginnen ohne große Perspektive, man wird wach und glaubt man hat gar nicht geschlafen. Das alltägliche Tun wird von Routine bestimmt, sich erstmal strecken und versuchen die Müdigkeit aus dem Körper zu bekommen. Vor allem aus dem Kopf, nichts hat sich so angefühlt, als wäre es ein Neubeginn oder gar das Ende seines Lebens. Als wäre dieser Tag etwas Besonderes, ein Tag der sein Leben für immer verändern wird. Es lag nicht am Kaffee, nein alles war wie immer. Seit die Kinder, seine Mädchen, groß sind und ihr fast eigenes Leben führen. Ist die Wohnung, weil auch seine Frau schon viel zu früh zur Arbeit hetzt und meistens noch viel zu spät nach Hause kommt, wegen Überstunden wie sie sagt, leer und verlassen. So kommt er wie immer schwer in den Tag, auch wegen der Medikamente. Oft ist er schon von den ganzen Pillen satt, wie lange wird das noch so sein? Das fragt er sich oft.

Auch diesmal war es so, er wäre doch nie aus dem Haus gegangen, hätte er gewusst wem oder was er begegnen würde. Alles war wie immer, er hat nicht die Socken anders angezogen, ist nicht mit dem falschen Fuß aufgestanden. Es war die gleiche Leere um ihn herum, schon seit Wochen, die Wohnung war wie immer leer und ohne Leben.

So ging er auch an diesem Montag nur aus der Tür, um sich zwei Semmeln zu holen, für sein Frühstück, welches er in Regelmäßigkeit alleine zu sich nimmt. Selbst am Wochenende geht seine Frau Anne arbeiten. So pflichtbewusst war sie schon immer.

Auf dem Weg zum Bäcker passierte es dann, ungläubig und ohne Vorankündigung kam es über ihn, ein kurzes Rempeln. „Oh Entschuldigung“, die Hand geschüttelt aus Reflex, dem Unbekannten dabei tief in die Augen gesehen. Schwarz wie die Nacht, vor Schreck oder war es Überraschung zog er die Hand zurück.

„Oh Entschuldigung, wollte sie nicht erschrecken, Ron.“ „Was? woher kennen Sie meinen Namen? Was wollen sie Spinner von mir, ich kenne Sie nicht.“ – Wäre er nur weggelaufen, was hätte es genützt? Es hätte nichts genutzt.

„Du bist Ron“, sagte der Unbekannte nochmal und „glaube mir, du kennst mich.“

„Erzähle nicht so ein Mist, mich erst anrempeln und nun ein auf Psycho machen. Lass mich in Ruhe und hau ab.“

Ein lautes Lachen, was so dunkel und eindringlich klang, setzt sich bei ihm fest.

„Glaube mir Ron, du kennst mich, genauso wie ich dich kenne.“ Er wollte gehen, aber es ging nicht. Seine Beine zuckten nur ohne sich zu bewegen.

„Was ist hier los, wenn das ein Scherz sein soll, ha-ha sehr gut gelacht. Echt billig“.

‚Irgendwas muss im Kaffee gewesen sein‘, überlegte Ron.

„Ron, lass uns etwas reden“, sagte der Unbekannte. „Ron,..Ron,.. Ron, woher kennst du meinen Namen? Und sag nicht schon wieder ‚ich kenne dich und du kennst mich‘, du Spinner. Ich kenne dich nicht und nun verschwinde.“, schrie Ron die dunkle Gestalt an.

„Aber Ron, denke doch mal nach, wir sind uns schon mal begegnet. Es war ein Regentag und du hast an meine Türe geklopft.“

„Na klar du spinnst doch, ich habe noch nie bei jemanden an die Türe geklopft, oder war ich bei deiner Frau? Aber auch das wüsste ich. Und warum gerade Regentag, tue mir einen gefallen und verschwinde.“

„Aber Ron denke doch mal nach, was für ein Datum nächste Woche ist? Das musst du doch wissen.“

Wie vom Blitz getroffen schreckt Ron zusammen.

„Na Ron, dämmert es?“

Und wie es dämmert, der Unfall, nein es war kein Unfall. Alles war so gut geplant, das Wetter, er wollte nicht mehr.

Der feuchte Baumstamm, einfach abrutschen und ertrinken. Einfach alles hinter sich lassen, raus aus diesem jämmerlichen Leben. Diese Schmach war für ihn unerträglich.

Warum musste auch gerade das Pärchen seinen Sturz beobachten? Wieso hatte er sie nicht gesehen? Aber er sah dafür schon was anderes, als er mit dem Kopf unter Wasser war, alles ist so verschwommen vor ihm. Die Last wurde so leicht und dann war da dieses Licht, der lange Tunnel, grell und blendend. Arme, die nach ihm greifen, die Hand, dieses Gefühl. Er kannte es!

Ron schaut auf seine Hand, das gleiche Gefühl, die gleiche unbehagliche Kälte wie von dem Unbekannten.

„Oh Ron mach es dir nicht so schwer“, sagte der Unbekannte. Ron wurde kalt und heiß, das Blut pulsierte, Schweiß rann ihm über die Schläfen.

‚Das kann nicht sein‘, - „Ich kenne dich nicht“, schrie Ron, „lass mich in Ruhe, verschwinde endlich.“

„Ach Ron, so einfach ist das nicht“ sagte der Unbekannte. „Ich möchte dir etwas auf die Sprünge helfen, eigentlich bin ich nur hier, um deine Schuld einzufordern.“

„Meine Schuld“, schrie Ron, „ich schulde dir nichts. Wie auch, ich kenne dich gar nicht.“ Noch immer konnte er sich nicht bewegen, nur sein Blut war in Wallung und Ron wusste nicht was und wie ihm geschieht. „Ron, langsam sollte es dir aber einfallen, nicht dass du mich noch zornig machst.“

„Dich zornig machen“, schrie Ron, „ich haue dir gleich eine

aufs Maul.“

„Aber nicht doch Ron, setzt dich erstmal.“

„Was?“

Und ohne sein Zutun ging Ron in die Knie und saß auf seinem Hintern. Als würde ihm jemand einen eisernen Ring umlegen und anketten, saß er hilflos am Boden.

„So ist es schon besser, Ron. Und fällt dir jetzt ein wer ich bin?“ Ron sah nach oben, er sah einen großen Mann mit schwarzdunklen Augen und einem schwarzen Mantel. Nein, eigentlich war alles schwarz.

‘Halt was ist das?‘, Ron rieb sich die Augen, er wollte nicht glauben, was er da sah. Unter dem Mantel, unter dem schwarzen Mantel waren große leere Augen, Hände, nein das sind Knochen. Hände aus Knochen und sie griffen nach ihm. Ron schloss seine Augen, ‘wann werde ich wach?’, dachte er.

„Ja Ron du kennst mich, ich hatte dich schon mal in der Hand. Ich will dir sagen wer ich bin“.

Der Unbekannte holte tief Luft und sagte mit tiefer Stimme: „Ich bin der Tod und ich bin hier um deine Schuld einzutreiben.“

Ron starrte ihn fassungslos an, fast hätte er gelacht.

„Guter Scherz, aber Halloween kommt erst noch.“

„Scherz?“, schrie der Unbekannte und öffnete seinen Mantel.

„Sieht das wie ein Scherz aus?“

Ron wich zurück, er sah ein Feuermeer, welches die toten Menschen verschlang, er hörte Schreie, jämmerlich.

„Mach das weg du Scheusal.“

Ron wollte sich Ohren und Augen zuhalten, aber er war nicht in der Lage, sich zu bewegen, er sah wie gelähmt auf die schwarze Gestalt.

„Jetzt hast du mich verstanden und hörst mir zu“, gab der Tod von sich. „Pass gut auf, uns bleiben noch sechs Tage um unseren Vertrag gültig zu machen.“

„Was für ein Vertrag, was für eine Schuld? Du bist bestimmt irgendwo aus der Anstalt abgehauen, du bist doch krank. Wo hast du diesen scheiß Mantel her? Es wird Zeit, dich wieder einzusperren.“

„Ron, mäßige dich. In einem hast du schon mal Recht Ron, meine Zeit als Tod ist abgelaufen. Mir bleibt noch eine Woche für meinen Nachfolger, um diesen in sein Amt einzuführen. Alles nach geregeltem Ablauf, so wie ihr Menschen es gerne macht.“

„Und du denkst, ich bin dein Nachfolger?“, fragte Ron, „du hast doch ein Ding an der Klatsche. Hilfe!“, schrie Ron jetzt. „Hilfe, warum hilft mir denn keiner? Hilfe!“

Aber keiner der anderen Passanten beachtete sie, als wären sie Luft.

„Schrei ruhig, sie hören dich nicht. Erst wenn ich es wieder will, hören sie dich. Lass mich dir noch ein paar Dinge erzählen Ron. Als du voriges Jahr deinem Leben ein Ende setzten wolltest, konntest du noch nicht sterben. Du warst noch nicht an der Reihe zu sterben, mit deinem Selbstmordversuch.“

Der Tod blickte jetzt auf Ron herab und holte tief Luft bevor er weitersprach. „Dazu kam, dass bei mir genau der Zeitpunkt von 99 Jahren als Tod vorbei war.“ Ein düsteres Lachen kam aus seinem Mund. „Es ist kein Schicksal Ron, sondern Fügung und so von dir gewollt. Du bist der Nachfolger. Ob du nun möchtest oder nicht, das spielt jetzt keine Rolle.

Ein Jahr musste ich dich beobachten, dich schützen, damit du nicht nochmal einen törichten Versuch unternimmst und womöglich noch die Vereinbarung platzen lässt.“

„Du spinnst doch, was für eine Vereinbarung?“

„Die, dass du am Ende der Woche mein Nachfolger wirst, dass du dann der Tod bist und ich nach 100 Jahren endlich nach Hause gehen kann.“

Ron konnte nicht glauben, was er da hörte.

„Wie kann man sich so einen kranken Scheiß ausdenken“, schrie er. „Du bist doch ein Irrer!“

„Ach Ron, hör auf dich zu wehren. Ich will dir noch was anderes zeigen.“ Der Tod öffnete wieder seinen Mantel.

„Du bist doch Pervers“, schrie Ron, „ich möchte das nicht sehen“. Und hielt sich die Augen zu.

Aber wie mit unsichtbarer Hand wurde sein Kopf gehoben und er blickte diesmal genau in das grelle Licht wie vor einem Jahr. Da war sie wieder, die Hand, die schwarze Gestalt. Nein, halt, da war er, in der Hand der schwarzen Gestalt. Sie reden miteinander, nein eigentlich redet nur die schwarze Gestalt. Jetzt streift sie ihm einen Ring auf den Finger. Nein, das kann doch nicht sein, diesen Ring hat er seit diesem Tag vor einem Jahr am kleinen Finger. Er wusste nie, woher, er hat ihn auch nicht abbekommen.

Das Bild verschwimmt und Ron wurde schwarz vor Augen.

Die letzte Woche seines Lebens beginnt.

1. Kapitel

Letzter Tag Finaltag

Das ist nun fast sechs Tage her, sechs Tage, die alles veränderten. Heute ist der Tag, an dem er der Tod werden soll, besser gesagt um null Uhr. Nach einer Woche, die so unglaublich schwer war, so viele Dinge sind passiert. So viel Unheil hat Ron über andere gebracht.

„Jim, bringe mir noch einen Doppelten“, sagte Ron.

„Ron dir ist schon klar, das ist schon dein fünfter und es ist gerade mal 11 Uhr.“

„Und nun? Willst du was verdienen oder lieber Pastor sein.“, antworte Ron. ‚Was soll ich nur machen‘, dachte er. ‚Wäre ich nur nicht aus dem Haus gegangen vorige Woche, aber das hätte nichts genutzt.‘ Seit voriger Woche kam der Tod jeden Tag vorbei, nicht um ihn zu besuchen, nein, um ihm das Handwerk des Todes beizubringen. Ron sah in das volle Glas, er sah seine Jugend, sein ganzes Leben in diesem einen Augenblick.

Die letzten sechs Tage waren so intensiv, dass er sich gar nicht mehr so an sein altes Leben erinnern konnte, an seine Frau Anne, ihre Eltern, seine Eltern und an seine Mädchen.

Was ist nur mit ihm passiert. Sein Leben war eigentlich ganz normal, eine gute Kindheit und vor allem eine super Jugendzeit. Die geilen Partys im Sommer, sein bester Freund Rob, der gutmutige Derek und sein Hund Sam, der treue Sam, ein Golden Retriever, was haben sie alles erlebt.

Mit Rob saß er schon in der Schulbank. Rob, der immer nur die Mädchen im Kopf hatte. Er machte alles so leicht und unbeschwert, außer natürlich die Schule. Da musste Rob sich durchmogeln. Nicht wegen Dummheit, er war einfach zu faul. Oder es mit seinen Worten zu sagen, einfach clever.

„Hey Ron, mein Freund, gib mir fünf“, rief Rob schon von weitem. Mürrisch blickte sich Ron um, gerade im Gespräch mit der schönen Isabell. Da hatte Ron schon den Arm von Rob auf der Schulter. „Du musst mir helfen Ron, mir fehlt Geschichte bei der alten Schraube Green. Lass mich mal abschreiben bei dir, ich brauche noch sechs Punkte in dem Fach.“

„Oder du gibst es mir Isabell, die Sex Punkte.“, lächelte er in seiner unwiderstehlichen Art Isabell an.

„Na klar, träum weiter Brauni“, wie sie Rob auch sonst noch nannten, weil sein richtiger Name Rob Braun war.

Isabell nahm ihre Bücher und gab Ron noch einen zugeworfenen Kuss. „Bis dann“, hauchte sie Ron zu.

„Oh Ron und die Isa“, äffte Rob.

„Lass gut sein Rob, wir müssen, es wird gleich klingeln.“

„Halt nicht so schnell ihr Spacken“, rief jemand hinter ihnen her. Sie brauchten sich nicht umdrehen, sie wussten wer das rief. Derek der Kapitän der Rugby Mannschaft. Ron und Rob spielten nie Rugby, nur ganz früher etwas Fußball, aber sie mochten den Dicken wegen seiner Gutmütigkeit, seiner Kraft und weil er ihnen nicht von der Seite wich.

Rob hielt kurz inne, dann ging er weiter. Ron blieb stehen und wartete was passiert.

Derek gab ihm einen Rempler, fasste ihn über den Kopf und sagte: „Was geht, Ron´i-Boy, hängt er richtig?“

„Logisch Dicka, immer senkrecht.“

Sie waren gute Freunde, nicht so lange und eng wie mit Rob, aber es war cool, mit dem Dicken von der Rugby-Mannschaft abzuhängen. Jetzt klatschten sich auch Rob und der Derek ab.

„Du wirst immer fetter!“, sagte Rob.

„Das ist alles männliche Schwungmasse du Spacken, kann nicht jeder in Strohhalmhosen laufen.“

„Nein kann man nicht Dicker, man muss es“, zwinkert Rob.

„Schon wegen der Frauen. Stimmt’s, Ron?“

„Mag sein, weiß nicht“, antwortete Ron. „Lass uns lieber meine Geschichte in deine Hefte bringen.“

„Kein Ding, Ron.“ Nach der Schule saßen sie unter dem großen Baum im Park. Ron hatte seinen Hund Sam dabei. Derek versuchte sich immer wieder daran, Sam niederzuringen. Was ihm aber nicht gelang. Sam knurrte und lief immer wieder Haken schlagend um Derek herum.

„Hey Fetti, das wird doch nichts“, rief Rob. „Du schwitzt schon wie ein Puma, aber der Hund ist taffer als du.“

„Sei leise Brauni, sonst werde ich mit dir täckeln.“

„Kannst ja mal versuchen…“, wollte Rob gerade sagen, da lag Derek schon auf ihm. „Geh runter du Fettsack“, stöhnte Rob.

„Ha ha“, grölte Derek.

„Ron hilf mir.“

„Nö, das macht mal unter euch aus.“

Ron ließ einen kurzen Pfiff in Richtung Sam ab, der sich gerade den Tauben widmen wollte. Unbeeindruckt jagte er den Tauben nach, so dass Ron nochmal pfeifen musste. Jetzt erst reagierte Sam und lief in einem großen Bogen zu Ron.

„Was machen wir heute Abend?“, wollte Derek wissen.

„Bei Lisa ist eine Party“, sage Rob, „1 A-Material.“

„Und auch was zu essen?“

„Ist klar, du willst nur essen Dicka, Ron und ich machen die Bräute klar. Stimmst Ron?“

„Bin dabei.“

So war es meistens, Rob und Ron, immer in Begleitung von Derek. Sie waren irgendwie unzertrennlich. So war es auch an dem letzten Wochenende vor den großen Prüfungen.

„Lasst uns am Wochenende eine Bergtour machen, nur wir drei.“, schlug Rob vor. „Bevor die Prüfungen beginnen und ich in den letzten Ferien mit meinen Eltern nach China fliege und Dicka im Schlachthof arbeiten geht.“

„Was machst du eigentlich, Ron?“, wollte Rob wissen.

„Hab noch keinen Plan, schon mal die Uni und den Campus be sichtigen.“

„Ist auch egal“, meinte dann Rob. „Können auf jeden Fall die Hütte von meinem Alten haben und auch sein Auto.“

„Genial“, sagte Derek, „wir saufen und feiern nur, das ist einfach genial.“

„Können wir auch fischen und Lagerfeuer machen?“, wollte Ron wissen.

„Lagerfeuer, sind wir Pfadfinder? Ron, aus dem Alter sind wir raus“, sagte Derek.

„Na klar können wir das machen“, sagte Rob. „Alles schön locker und lässig.“

„Und Bräute?“

„Na klar Dicka, das wär´s, aber es ist nur für uns drei. Unser Abschied aus der Schulzeit.“

„Ist auch gut“, meinte Derek, “die Weiber stören eh nur, dann lieber Marshmallows.“

Rob sah Ron an und beide mussten sich fast gegenseitig halten vor Lachen.

„Ihr Gurken, euch kriege ich“, rief Derek und nahm beide ganz ungestüm in den Schwitzkasten, mehr in die Arme, so dass sie alle hinfielen.

Freitagabend war es dann so weit. Rob saß am Lenkrad vom Chevrolet, das Radio spielte und Derek wollte sich gerade eine Zigarette anstecken.

„Hey Dicka hör auf, hier wird nicht geraucht.“

„Warum? Gib mir auch eine.“, sagte Ron.

„Spinnt ihr?“ Rob wollte gerade noch mehr widersprechen, als ihm Ron auch eine zwischen die Lippen steckte.

„Ist doch egal“, sagte Ron. „Jetzt ist jetzt und das ist unser Wochenende.“ Die Hütte war gut eingerichtet, man merkte dass Robs Eltern wohlhabend waren. Rob war ihr einziger Sohn.

Im Gegensatz zu Derek, bei ihm wusste es keiner so genau, ob er nun drei oder vier Geschwister hatte. Seine Mutter war schon dreimal verheiratet und Derek sprach nicht gern darüber.

Rons Geschwister waren alle beide älter. Aber diese Holzhütte, eigentlich schon ein gutes Landhaus, war einfach überragend. Diesen ersten Abend verbrachten sie vor dem Kamin. Sie waren so verschieden, aber doch waren sie so gleich.

Sie redeten über alles: Warum Derek noch kein Mädchen hat und wie Rob das immer macht bei den Mädchen, dass sie immer auf ihn fliegen. Wieso Ron noch nicht die große Liebe gefunden hat und er es nicht so wie Rob anstellen möchte. Sie erzählten über Sport, was nach der Schule werden soll und irgendwann sind sie dann vorm Kamin eingeschlafen.

„Heute geht’s ab in die Berge“, sagte Rob beim Frühstück. „Bist du fit, Dicka?“

„Mach dir um mich keine Sorgen, ich habe Kondition wie ein Pferd. Aber du, Ron, siehst etwas blass aus.“

„Ach quatsch, wir hätten nicht so viel Joints rauchen dürfen.“.

„Wir haben Joints geraucht?“, fragt Rob. „Von wem? Dicka, hast Du die Joints mitgebracht? Ich dachte, das sind normale Zigaretten.“

„Logo Rob, und die Nonne wurde auch vom Wasser holen schwanger.“

„Wenn das meine Alten rauskriegen.“

„Rob, hör auf dich wie ein Mädchen zu benehmen.“, sagte Ron und gab seinem Freund einen Buff an die Schulter. „Der kleine Rob hat Joint geraucht, na-na-na-na“, tanzte Derek.

Sie sind dann nach dem Frühstück los gewandert, das Wetter war gut, ebenso die Laune.

„Wie hoch wollen wir denn noch?“, wollte Derek nach vier Stunden wissen.

„Nur noch den einen Berganstieg, das ist der Beste“, sagte Rob.

„Wie hoch ist das?“

„Schlapp 1.500m lieber Ron und auch nicht so steil. Wir brauchen auch keine Hacken, nur Seil. Derek geht in die Mitte und hinten du, Ron.“

„Na klar, damit der Dicka auf mich rauffällt.“

„Ey Derek, was ist, Angst oder keine Puste mehr?“

„Ich habe doch keine Angst, du Spacken, lasst uns den Hügel erstürmen.“

„Na dann los“, sagte Ron und hat sich bei Derek eingeklinkt. So sind sie hintereinander den Bergpfad hinauf, ohne große Pause. An einigen Stellen war es etwas steil und der Pfad sehr schmal.

Rob hatte keine Schwierigkeiten und führte sie konzentriert durch schwerere Passagen. Derek ließ sich die Anstrengung nicht anmerken, obwohl er einmal mit dem rechten Fuß umknickte und er vor Schmerz hätte schreien können.

Oben angekommen fallen sie sich vor Freude und Erschöpfung in die Arme, sie bleiben im Rasen liegen und schauen den Wolken nach.

„Es ist so genial mit euch. Euch als Freunde zu haben und diesen schönen Augenblick zu teilen.“

„Nun hör auf Ron´i-Boy, nicht dass uns noch die Tränen kom men“, sagte Derek.

„Ich finde es auch genial“, warf Rob ein, „aber du Dicka, schnaufst ganz schön“, frotzelte er jetzt.

„Ich doch nicht, das ist nur, weil die Luft hier so dünn ist.“

„Und ob mein Dicka.“, gab Ron ihm einem Klapps auf die Schulter.

„Was ist mit deinem Knöchel, Dicka?“, fragte Rob als er sah, wie Derek sich diesen hielt.

„Ist nichts weiter, geht schon.“

„Wir sollten wieder runter, schaut euch mal die Wolken an, da kommt was.“, sagte Ron.

„Du hast recht, wir sollten aufbrechen, das sieht nicht gut aus“, stimmte Rob zu.

Das Gewitter kam schnell und heftig, Regen und Wind schlugen ihnen ins Gesicht, der Weg wurde schmierig und rutschig. Sie konnten nicht so schnell gehen und dann auf einmal verlor Derek das Gleichgewicht, ob nun wegen seines Knöchels oder weil der Weg so schmierig war. Er rutschte aus und sorgte mit dieser ruckartigen Bewegung dafür, dass der hinter ihm gehende Ron seinen Halt verlor und abstürzte. Derek konnte sich dann durch das Gewicht des sich im freien Fall befindlichen Rons ebenfalls nicht mehr halten und fiel auch hinab

Nach gut drei Meter schlug Ron auf einen Felsvorsprung auf und Derek mit voller Wucht auf ihn.

Es gab ein Geräusch, als hätte jemand einen Ast zerbrochen, dem folgte ein lautes Aufstöhnen von Ron. Rob hingegen konnte sich gerade noch an einem starken Ast reflexartig festhalten, so dass er nicht auch runter stürzte.

Mit Mühe konnte sich Rob wieder aufrichten. Erschrocken blickte er nach unten. „Was ist los, wie geht es euch….Derek, Ron? sagt was.“, rief er.

„Mir geht es gut, aber mit Ron stimmt was nicht.“

„Ron, was ist los, sag etwas.“ Derek schüttelte Ron an der Schulter.

„Spinnst du, hör auf,“ stöhnte Ron und versuchte sich aufzurichten.

„Aua, Scheiße mein Fuß, Dicka du….“ Und dann wurde Ron ohnmächtig.

„Was ist Derek“, schrie Rob

„Ich weiß nicht, Ron mach keinen Scheiß!“ Derek gab Ron eine Ohrfeige.

„Bist du doof, Dicka?“, gab Ron von sich und blinzelte ihn an.

„Da ist ja mein kleiner Ron´i-Boy wieder.“ Derek drückte Ron an sich. „Mach das nie wieder!“

„Mein Fußgelenk ist gebrochen.“

„Hast du das gehört Brauni, sein Gelenk ist gebrochen. Du musst ihn hochziehen.“

„So ein Dreck“, fluchte Rob. „Binde ihn gut an Dicka, ich ziehe jetzt.“ Dann zog Rob mit ganzer Kraft, so dass seine Muskeln schmerzten und seine Handflächen aufrissen.

Von unten schob Derek.

Ron sagte keinen Ton, sondern stöhnte nur leise vor sich hin. Mit vereinten Kräften konnten sie so Ron wieder auf den Weg bringen und dort absetzen.

„Los Dicka, jetzt du und streng dich ja an“, sagte Rob und dabei nach Luft schnappend.

Aber Derek war sportlicher als man dachte.

Es brauchte nicht viel Kraft von Rob und Derek stand wieder oben neben ihm.

„Ron, wie geht es dir, du siehst so blass aus.“, wollte Derek wissen.

„Erstmal das Gelenk. Mir ist schlecht“, sagte Ron und übergab sich auch schon.

„Dicka, musst du auch genau auf ihm landen?“

Derek sah nur auf Ron: „Es tut mir so leid“, flüsterte er. „Los, ich trage dich.“

„Den ganzen Weg? Das schaffst du nicht, Derek.“, wollte Ron widersprechen.

Aber eh auch nur noch einer was sagen konnte, hatte er Ron schon über die Schulter geworfen. Der Regen vermischte sich mit den Schweißperlen, aber Derek ließ sich die Erschöpfung und den eigenen Schmerz am Knöchel nicht anmerken. Rob führte sie runter ins Tal und zur Hütte, aber ohne seine beiden Freunde aus den Augen zu verlieren.

Ron sagte gar nichts, aber ab und zu stöhnte er leise.

Unten angekommen, legten sie Ron auf eine Decke ins Auto. Derek fiel sofort nach hinten um, dann lag er auf dem Rücken und starrte in die Regenwolken.

Rob ließ ihn eine Weile liegen, dann reichte er ihm die Hand.

„Super Derek!“ und drückte ihn an sich.

Derek kamen die Tränen: „Scheiß Regen“ und wischte sich die Augen.

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