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Der Narzisst

Alfred J. Schindler

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Der Narzisst

 

Psychothriller

 

von

 

Alfred J. Schindler

 

 

 

 

VORWORT

 

 

Mein hochgeschätzter Vater war Beamter im gehobenen Dienst. Mein Ziel war es, denselben Status wie er zu erreichen. Jedoch schaffte ich das Abitur nicht und machte lediglich die Mittlere Reife an unserer Realschule. Ich ärgerte mich damals maßlos über mein Versagen, aber ich konnte es leider nicht mehr ändern.

 

Ich wurde Angestellter in der Stadtverwaltung. Seit knapp drei Jahrzehnten arbeite ich nun schon als Angestellter im Innendienst. Ich bin sehr zuverlässig, überpünktlich und meist zuvorkommend. Ja, man achtet mich im Kollegenkreis. Darauf lege ich allergrößten Wert. Ab und zu bin ich etwas ungeduldig, aber das finde ich normal.

 

Ich will anerkannt und beachtet sein.

Das ist mein innerster Wunsch.

 

Meine Gehaltsgruppe liegt im mittleren Bereich, was mich seit langer Zeit sehr ärgert. Schon Dutzende Male hatte ich in den letzten Jahren Gehaltserhöhungen gefordert, jedoch wurden sie jedesmal abgelehnt. Begründung:

 

„Ihre Tätigkeit entspricht Ihrer Gehaltsgruppe“.

 

Ich vollführte wegen dieser unverschämten Absagen Kopfstände, denn ich fand es ungerecht und nicht gerechtfertigt. Ja, ich war der festen Meinung, dass meine Arbeit wesentlich mehr wert war.

 

Und ich ebenfalls.

 

Wenigstens gelang es mir, dass mich meine Kolleginnen und Kollegen akzeptieren, denn ich habe das permanente Gefühl, dass es meine Vorgesetzten nicht tun. Es gibt zwar Kollegen, die mich für extravagant und hochnäsig halten, aber bei ihnen handelt es sich meines Erachtens nur um minderwertige und begriffsstutzige Leute, die nichts zu sagen haben. Außerdem sind die Männer auch auf meine teure, extravagante Kleidung neidisch, die sie sich selber nicht leisten können, da sie Familien zu ernähren haben. Selber schuld, ist meine Devise. Was mussten sie auch Kinder in die Welt setzen! Sie wussten doch, wie teuer Kinder sind!

 

Auf auserlesene Kleidung und Schuhe legte ich schon immer allergrößten Wert. Ich kann mir das aber nur deswegen leisten, weil ich in früheren Jahren eine größere Erbschaft gemacht hatte. Davon erfuhr aber niemand. Meine Kolleginnen und Kollegen sollen denken, dass es mir finanziell besser geht als ihnen, was ja stimmt. Sie sollen glauben, dass ich mehr verdiene, als sie. Manchmal taucht auch die eine oder andere Frage auf, wie ich mir das denn leisten könne, und ich antworte dann nur:

 

„Wer kann, der kann.“

 

Und ich lache dabei, vielleicht etwas herablassend und leicht undurchsichtig. Wenn mich gelegentlich jemand fragt, was die neue Flanellhose oder das auserlesene Seidenjackett gekostet hat, nenne ich prinzipiell den doppelten bis dreifachen Preis. Es bereitet mir eine diabolische Freude, wenn ich den Neid in den Augen meines Gegenübers aufblitzen sehe.

 

Ich bin derjenige, der das Szepter in der Hand hält. Keiner soll es mir entreißen. Meine Extravaganz – wie die Leute es nennen - hatte mich schon in früher Jugend ergriffen und nie mehr losgelassen. Ich wollte anders sein, als all die Anderen.

 

Besser sein.

ICH - Erich Müller.

 

 

01

 

 

Genau das sage ich mir jeden Tag, wenn ich frühmorgens in den Spiegel blicke. Es ist ein Ritual, eine Autosuggestion, die ich brauche.

 

„Erich“, sage ich mir, „dir kann Keiner das Wasser reichen. Und so soll es auch bleiben. Und wenn es jemand versuchen sollte, dann Gnade ihm Gott!“

 

Zufrieden blicke ich in meinen großen Spiegel und schnippe an meinem dünnen Oberlippenbart herum. Kein Härchen darf zu viel oder zu wenig sein. Und meine Haare kämme ich millimetergenau nach hinten. Mittelscheitel. Versteht sich. Der Krawattenknoten muss genau in der Mitte sitzen. Auf den Zentimeter genau. Es macht mich rasend, wenn an meinem Äußeren auch nur eine Kleinigkeit nicht stimmt. Auch auf meine Zähne lege ich allergrößten Wert. Ich gehe alle vier Wochen zum Zahnarzt. Vorsichtshalber. Versteht sich. Ich lächele mich im Spiegelbild an und bin mit mir sehr zufrieden.

 

So muss ein Mann aussehen!“, sage ich mir.

So, und nicht anders!“

 

Es gibt aber auch Tage, an denen es mir sehr schwer fällt, mich anständig zu kleiden – überhaupt, auf mein Äußeres zu achten. Ich kann es mir nicht erklären. Aber ich reiße mich dann zusammen, und style mich so, wie es sich für einen Mann wie mich gehört. Niemand soll wissen, dass ich diese mir unerklärlichen Phasen habe.

 

Irgendwann kam der Tag, an dem man mich von Amts wegen zum Amtsarzt schickte. Mir ist noch heute nicht klar, wieso dies geschah. Wahrscheinlich handelte es sich um eine hinterlistige Intrige von höherer Stelle. Ich denke, man verkannte mich. Man schätzte mich und meine Arbeit wohl nicht mehr so, wie es angebracht gewesen wäre.

 

Ich ärgerte mich fürchterlich über diese unverschämte Anmaßung.

 

Vier Therapiestunden bei einem anerkannten Psychiater beendeten meine glanzvolle Karriere. Man bezeichnete mich in dem Gutachten als chronischen Narzissten, als Egoisten mit unterdrückter Aggression und krankhaft manisch-depressiv. Außerdem erwähnte man, dass ich psychopathische Ansätze hätte. Was für eine unglaubliche, grandiose Frechheit!

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