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Der Monstrumologe und das Drachenei

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Zitat
  5. Vorbemerkung des Herausgebers
  6. Foliant 11 – Judecca
    1. Gesang 1
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
    2. Gesang 2
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
      6. Sechs
    3. Gesang 3
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
      6. Sechs
    4. Gesang 4
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
    5. Gesang 5
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
  7. Foliant 12 – Arcadia
    1. Gesang 1
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
    2. Gesang 2
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
      6. Sechs
    3. Gesang 3
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
      6. Sechs
    4. Gesang 4
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
      6. Sechs
  8. Foliant 13 – Paradies
    1. Gesang 1
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
    2. Gesang 2
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
    3. Gesang 3
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
    4. Gesang 4
      1. Eins
      2. Zwei
      3. Drei
      4. Vier
      5. Fünf
  9. Epilog
  10. Chirurgische Instrumente

Titelbild

Zur Herausgabe gesammelt,
geordnet und bearbeitet von
Rick Yancey

Übersetzung aus dem Englischen
von Jürgen Speh

Mit Illustrationen von
Jürgen Speh

Nel mezzo del cammin di nostra vita

mi ritrovai per una selva oscura

ché la diritta via era smarrita.

Vorbemerkung des Herausgebers

Von den dreizehn ledergebundenen Notizbüchern, die 2007 nach dem Tod des Mittellosen entdeckt wurden, der sich selbst William James Henry genannt hatte, waren die drei letzten besonders schwer verständlich, und wenn ich ganz ehrlich bin, war es bei ihnen auch besonders schwierig, sie in eine überzeugende Form zu bringen. Das Manuskript ist stellenweise fast unlesbar, äußerlich wie inhaltlich. Es gibt Passagen, da kann ich die Wörter nicht erkennen; bei anderen ergeben die Worte einfach keinen Sinn. Darüber hinaus gibt es Bruchstücke von Gedichten und seitenweise aneinandergereihte Flüche. Die Ränder sind mit Anmerkungen vollgekritzelt, sogar im Text selbst finden sich Kritzeleien, die sich mit der Erzählung verschränken – und diesen Begriff benutze ich sehr großzügig. Ich habe Monate gebraucht, um das Verständliche vom Unverständlichen zu trennen. Im Gegensatz zu den anderen Notizbüchern dieser Sammlung sah ich mich dieses Mal gezwungen, den folgenden Text intensiv zu bearbeiten. Ich habe die schockierende Sprache zum größten Teil entfernt, ebenso wie ellenlange Ausführungen über eine verwirrende Anzahl abseitiger Themen, angefangen von Rezepten für perfekte Himbeer-Scones bis hin zu irrsinnigen, umständlichen Nebenbemerkungen über griechische Philosophie und die Geschichte des organisierten Verbrechens. Ich habe Satzzeichen hinzugefügt, wo sie absolut nötig waren (der Autor hat irgendwann vollständig auf sie verzichtet). An einigen Stellen habe ich aus Gründen der dichterischen Freiheit die »Fehler« allerdings stehen lassen, wenn ich dachte, er könnte vielleicht einen Grund dafür gehabt haben, die Regeln zu brechen. Wie der aufmerksame Leser bemerken wird, gibt es immer wieder Verschiebungen der Zeiten, an denen ich nichts geändert habe. Manchmal mussten grammatikalische Gebote der dramatischen Notwendigkeit weichen. Es liegt auch in meiner Verantwortlichkeit, dass der Text in Abschnitte unterteilt ist, die ich – zu Ehren der vielen Referenzen auf Dantes Meisterwerk – als »Gesänge« bezeichne.

Das Ringen mit den Herausforderungen, die sich aufgrund der äußeren Form des Textes ergaben, war allerdings nicht das größte Problem, das sich mir stellte.

Ich möchte ehrlich sein: Als ich den letzten Folianten beendete, fiel mir nur ein Wort ein, das meine Reaktion ausdrückte: Abscheu. Und darüber hinaus fühlte ich mich verraten! Will Henry hat mich verraten. Er hat mich zum Narren gehalten. Oder vielleicht doch nicht? Es hatte Anzeichen und Warnungen gegeben, Hinweise hier und dort. Wie war es möglich, dass ich nach meiner langen Beschäftigung mit den ersten zehn Folianten nicht gesehen habe, wohin Wills Reise ihn führen würde – wohin sie mich führen würde? Ich denke, dass ich tief im Innern schon früh wusste, was am Ende dieses langen Abstiegs liegen würde. Er hatte geschrieben: Ich verstehe, dass Sie sich vielleicht abwenden möchten. Und das können Sie auch, wenn Sie es wollen. Das ist Ihr Segen.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, ging ich alle dreizehn Notizbücher noch einmal durch und stieß auf diese Stelle aus dem Folianten IX:

Sie hasste und sie liebte ihn, sehnte sich nach ihm und verabscheute ihn und verfluchte sich dafür, überhaupt etwas zu empfinden.

Das ist es, dachte ich. Das fasste es wunderbar zusammen.

R. Y.

Gainesville, Florida

März 2013