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Der Milliardär und die Tänzerin

Melanie Milburne

Der Milliardär und die Tänzerin

1. KAPITEL

Bronte machte gerade ihre Dehnungsübungen am Barren, als sie hörte, wie die Hallentür geöffnet wurde. Ein Blick in die deckenhohe Spiegelwand ließ ihr Herz stocken, denn hinter ihr näherte sich eine hoch gewachsene, dunkle Gestalt. Ihre Augen wurden immer größer, und die Hände, mit denen sie sich am Barren festklammerte, wurden feucht.

Im nächsten Augenblick schlug ihr Herz mit doppelter Geschwindigkeit. Das konnte doch unmöglich wahr sein!

Ich träume! schoss es ihr durch den Kopf. Ich fantasiere. Das kann nicht Luca sein! Mein Verstand spielt mir einen Streich. Das liegt nur an dem ganzen Stress und der Erschöpfung …

Bronte zwinkerte ein paar Mal, um ihre Gedanken zu ordnen und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Es durfte sich einfach nicht um Luca Sabbatini handeln! Hunderte, nein, sogar Tausende dunkelhaarige, bildschöne Männer könnten in diesem Moment ihr Studio betreten, das musste nicht ausgerechnet …

„Hallo, Bronte.“

Lieber Himmel, er ist es wirklich, dachte sie entsetzt und atmete tief ein. Dann straffte sie die Schultern und drehte sich zu ihm um.

„Luca“, begrüßte Bronte ihren unwillkommenen Besucher mit kühler Höflichkeit. „Hoffentlich hast du nicht vor, dich für den Nachmittagskurs anzumelden. Er ist bereits voll belegt.“

Sein Blick streifte ihren hautengen Tanzanzug und blieb schließlich an ihren Lippen hängen. Es dauerte wenige, aber dennoch endlose Sekunden, bis Luca ihr direkt in die Augen sah. „Du bist so schön und graziös wie immer“, sagte er mit tiefer Stimme.

Dieser schmeichlerische Tonfall verursachte bei Bronte einen wohligen Schauer: ein wenig heiser und getragen von einem unüberhörbaren italienischen Akzent. Luca sah genauso aus wie bei ihrem letzten Treffen, fand Bronte. Vielleicht ein kleines bisschen schlanker. Knapp einen Meter neunzig groß, mittellange schwarze Haare, die sich leicht lockten, und die schwärzesten Augen, die Bronte jemals begegnet waren. Neben ihm fühlte sie sich so winzig wie die Ballerina auf einer Kinderspieluhr.

„Du hast ganz schön Nerven, hier aufzutauchen“, bemerkte sie kühn. „Ich dachte, du hättest vor zwei Jahren in London alles gesagt, was es zu sagen gab?“

In der Tiefe seiner dunklen Augen schien ein Licht aufzuflackern. Es war nur ein winziges Leuchten und wäre Bronte vermutlich gar nicht aufgefallen, wenn sie Luca nicht so eindringlich angestarrt hätte. „Ich bin geschäftlich hier“, brummte er. „Das hielt ich für eine günstige Gelegenheit, sich mal wiederzusehen.“

„Wozu?“ Herausfordernd hob sie ihr Kinn. „Willst du über alte Zeiten reden? Vergiss es, Luca! Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Ich bin endlich über dich hinweg.“ Sie drehte sich wieder zu ihrem Barren um. „Ich habe in fünf Minuten Unterricht“, erklärte sie ihm im Spiegel. „Wenn du also nicht gleich von zwanzig kleinen Mädchen in rosa Tutus umzingelt sein möchtest, schlage ich vor, du verschwindest.“

„Warum unterrichtest du, anstatt selbst zu tanzen?“, erkundigte er sich und hielt ihren Blick fest.

Ungeduldig verdrehte sie die Augen und fuhr auf dem Absatz herum. Dann stemmte sie eine Hand auf die Hüfte. „Ich konnte den Termin zum Vortanzen in letzter Sekunde nicht wahrnehmen. Darum!“

Seine Stirn kräuselte sich etwas. „Warst du etwa verletzt?“

Sie unterdrückte ein bitteres Lächeln. Konnte man ein gebrochenes Herz und eine Schwangerschaft als Verletzungen bezeichnen? „So könnte man das vielleicht nennen“, erwiderte sie ausweichend. „Unterricht zu geben war dann die nächstbeste Option. Und ich hielt meine alte Heimat Melbourne für den besten Ort dafür.“

Schweigend sah Luca sich in dem alten Fabrikgebäude um, das Bronte und ihre Geschäftspartnerin Rachel Brougham zu einem Tanzstudio ausgebaut hatten. „Wie viel Miete zahlst du eigentlich hier?“, fragte er schließlich.

Sie wurde misstrauisch. „Warum willst du das wissen?“

Eine seiner breiten Schultern zuckte. „Es wäre vielleicht eine gute Investitionsmöglichkeit. Ich halte immer die Augen offen nach vielseitig verwendbaren Gebäuden.“

„Ich dachte, du wärst in der Hotelbranche tätig wie der Rest deiner Familie.“

Sein Lächeln war kaum als solches zu erkennen. „Ich habe mich verändert, seit wir uns zum letzten Mal begegnet sind. Vor allem habe ich inzwischen andere geschäftliche Interessen. Gewerbeflächen sind eine solide Anlagemöglichkeit und rentieren sich häufig wesentlich besser als Privatbesitz.“

Bronte presste ihre Lippen aufeinander. Es wühlte sie innerlich auf, Luca so unvorbereitet gegenüberzustehen. Aber obwohl sie sich wund und verletzlich fühlte, bemühte sie sich um Haltung. „Ich bin sicher, der Vermieter würde dir lediglich mitteilen, dass dieses Gebäude nicht zum Verkauf steht.“

„Ich habe schon mit ihm gesprochen.“

Ihr wurde vor Schreck eiskalt. „Und?“

Sein schiefes Grinsen ließ ihn ziemlich verwegen aussehen. Dieser Gesichtsausdruck war einer der Gründe gewesen, weshalb ihr Herz beinahe stehen geblieben war, als sie sich damals in einem Londoner Buchladen über den Weg liefen. Bis heute hatte sich daran nicht viel geändert, musste Bronte feststellen. Auch wenn sie sich energisch einredete, nichts mehr für diesen Mann zu empfinden.

„Ich habe ihm ein Angebot gemacht“, gab Luca freimütig zu. „Auch deshalb bin ich nach Australien geflogen. Die Sabbatini Hotel Corporation expandiert immer globaler. Wir planen Luxushotels in Melbourne, in Sydney und an der Gold Coast in Queensland. Vielleicht hast du schon in der Zeitung etwas darüber gelesen.“

Wie hatte sie das übersehen können? Trotz ihrer Abneigung gegen Luca verfolgte sie restlos jede Geschichte oder Bemerkung, die über ihn oder seine Familie in den Gazetten abgedruckt wurde. Erst vor wenigen Monaten las sie einen ausführlichen Artikel über die Scheidung seines älteren Bruders Giorgio und seiner Frau Maya. Und der jüngere Bruder Nikoló hatte offenbar eine unfassbar hohe Summe beim Pokern in Las Vegas gewonnen. Aber über Luca selbst hatte Bronte nichts gefunden.

Es war, als wäre er für die letzten zwei Jahre vollkommen aus der Medienlandschaft verschwunden.

„Nein, aber ich weiß auch wirklich Besseres mit meiner Zeit anzufangen“, sagte sie beiläufig.

Zwischen ihnen beiden entwickelte sich so etwas wie ein Krieg der Blicke, den Bronte zu gewinnen gedachte. Sie schaffte es, möglichst unbeteiligt zu wirken, obwohl Lucas plötzliche Anwesenheit sie ziemlich aus der Fassung brachte.

Ihre Haut kribbelte überall, ihr Magen flatterte und die Herzfrequenz hatte sich mindestens verdoppelt. Sie hatte sich nicht einmal im Traum vorzustellen gewagt, wie es wohl sein würde, Luca irgendwann einmal wieder gegenüberzustehen.

An einem kalten, grauen Novembertag vor zwei Jahren hatte er ihrer sechsmonatigen Affäre ein abruptes und bitteres Ende gesetzt. Seitdem war Brontes Liebe zu ihm deutlich abgekühlt, bis nur noch ein schmerzender Klumpen Eis in ihrer Brust übrigblieb. Welche naive Idiotin würde auch weiterhin einen so herzlosen Mistkerl lieben? Er hatte nicht einmal ihre Anrufe oder E-Mails beantwortet. Bronte mutmaßte sogar, dass er seine Kontaktdaten geändert hatte, um ihr besser aus dem Weg gehen zu können.

Und jetzt war er zurück und stand direkt vor ihr, so als wäre das alles nie geschehen.

„Was willst du eigentlich hier?“, wollte sie nun wissen. „Warum bist du wirklich hergekommen?“

Sein harter Gesichtsausdruck wurde etwas milder, und Brontes Blick wurde von seinen schön geformten Lippen magisch angezogen. Sie erinnerte sich noch gut daran, wie sich Lucas Küsse anfühlten: warm, sinnlich … Starke Arme, die sie umfingen … Es zerriss ihr fast das Herz, und die Schmerzen in ihrer Brust steigerten sich ins Unerträgliche.

Hastig errichtete Bronte die Mauern wieder um ihr Herz, die ihre Gefühle schon so lange vor Irritationen schützten. Mit verschränkten Armen stellte sie sich vor Luca hin und presste die Lippen fest aufeinander.

„Ich wollte dich wiedersehen, Bronte“, gestand er freimütig. „Um mich zu vergewissern, dass es dir gut geht.“

Mit einem spöttischen Laut stieß sie den Atem aus. „Ob es mir gut geht? Warum sollte es mir nicht gut gehen?“ Abfällig schüttelte sie den Kopf. „Dein Ego ist noch größer, als ich dachte, wenn du echt glaubst, ich hätte mich hier nach dir verzehrt. Es sind fast zwei Jahre vergangen, Luca. Zweiundzwanzig Monate und vierzehn Tage, um genau zu sein. Mein Leben musste weitergehen.“

„Hast du inzwischen eine feste Beziehung?“, fragte er unverblümt.

Ihr Stolz gewann die Oberhand, nachdem sie sich gerade schon ziemlich verplappert hatte. „Wenn du es unbedingt wissen musst, ja.“

Luca ließ sich nichts anmerken, trotzdem spürte Bronte plötzlich eine innere Anspannung bei ihm, die vorher nicht da gewesen war. „Ob dein Partner etwas dagegen hat, wenn ich dich heute Abend zum Essen entführe?“

„Ich will nicht mit dir ausgehen, Luca“, antwortete sie ohne zu zögern. „Nicht heute, nicht morgen, gar nicht.“

Er kam einen Schritt näher und legte Bronte eine Hand auf den Arm, als sie zurückweichen wollte. Seine kräftigen, dunklen Finger bildeten einen starken, sinnlichen Kontrast zu ihrer zarten, hellen Haut. Am schlimmsten war, seine Fingerspitzen befanden sich nur wenige Millimeter neben ihrer empfindlichen Brustspitze.

„Ist denn ein Abend zu viel verlangt?“, fragte Luca rau.

Energisch wollte sie seine Hand beiseiteschieben, doch er legte nur seine zweite fest auf ihre. Viel zu nah! „Hör auf damit, Luca!“

„Womit denn?“ Er sah ihr unablässig in die Augen, während sein Daumen unablässig über ihren Handrücken strich.

Bronte schluckte. „Du weißt genau, wovon ich spreche. Diese Spielchen. Jetzt bist du hier in Australien und suchst einen Zeitvertreib.“

Sein schiefes Lächeln drückte echtes Bedauern aus. „Deine Meinung von mir ist viel schlechter, als ich erwartet hatte. Bist du denn etwa für das Ende unserer kleinen Affäre nicht ausreichend entschädigt worden?“

Mehr als du glaubst, konterte sie heimlich. „Ich habe den Opalanhänger zurückgeschickt“, verteidigte Bronte sich. „Sie sollen sowieso kein Glück bringen. Hätte ich mir eigentlich denken können …“

Seine Mundwinkel wirkten plötzlich etwas verkniffener. „Ziemlich daneben, ihn in dem jämmerlichen Zustand zurückzugeben. Er war unheimlich teuer. Wie ist das eigentlich passiert? Bist du mit einer Dampfwalze darübergefahren?“

Bronte schob ihr Kinn noch weiter vor. „Es war ein Hammer, und es hat mir ausgesprochen gutgetan.“

„Eine nutzlose Verschwendung eines wirklich seltenen schwarzen Opals“, brummte Luca. „Wenn ich geahnt hätte, wie launisch du werden kannst, hätte ich dir einen Diamanten besorgt. Den bekommt man nicht so leicht klein.“

„Mir wäre bestimmt etwas eingefallen.“

Jetzt musste Luca grinsen, und seine weißen, ebenmäßigen Zähne strahlten. „Ja, das glaube ich auch, cara.“

Wieder spürte Bronte das vertraute Beben in ihrem Innern und versuchte verzweifelt, es zu unterdrücken. Was hatte dieser Mann an sich, das so unwiderstehlich war? Seit er wieder vor ihr stand, erinnerte sie sich an jeden einzelnen Augenblick, den sie mit ihm verbracht hatte. Ihr ganzer Körper schien aus einem Dornröschenschlaf erwacht zu sein. All ihre Sinne waren geschärft, ihre Nervenbahnen kribbelten und ihre Haut sehnte sich nach Berührung.

Luca war ein grandioser Liebhaber – ihr einziger. Hoffnungslos romantisch und vermutlich grenzenlos naiv hatte Bronte sich für den Richtigen aufsparen wollen. Sie wollte einfach nicht dieselben Fehler wie ihre Mutter machen, die sich in einen Nichtsnutz verliebt hatte, der sie schwanger sitzenließ. Stattdessen verliebte Bronte sich in einen Milliardär, der sie sitzenließ und dabei nicht ahnte, dass sie schwanger war …

Und nachdem Luca sie derart mies behandelt hatte, würde Bronte ihr Geheimnis auch in Zukunft für sich behalten.

„Ich muss dich nun wirklich bitten zu gehen, Luca“, setzte sie erneut an. „In wenigen Minuten kommen meine Schülerinnen.“

„Ich will mich heute Abend mit dir treffen, Bronte“, sagte er beharrlich. „Und eine Absage werde ich schlicht nicht akzeptieren.“

Abrupt trat sie einen Schritt zurück. „Du kannst mich ja nicht zwingen, Luca Sabbatini! Ich muss weder mit dir essen gehen noch mit dir reden, wenn ich es nicht möchte. Und jetzt lass mich in Ruhe, sonst lasse ich dich hier von der Polizei rausschaffen!“

Seine Miene wurde steinhart. „Wie viel Miete zahlst du hier noch mal?“

Ein tonnenschweres Gewicht legte sich auf Brontes Brust und raubte ihr den Atem. „Ich habe nicht vor, dir das zu sagen“, stammelte sie.

Luca schenkte ihr ein grausames, vielsagendes Lächeln und reichte ihr eine Visitenkarte. „Meine Kontaktdaten“, erklärte er knapp. „Ich erwarte dich um acht Uhr in meinem Hotel. Name und Adresse habe ich auf die Rückseite geschrieben. Ich bewohne das Penthouse.“

„Aber ich werde nicht kommen.“

An der Tür blieb er stehen und sah über die Schulter. „Vielleicht solltest du dich zuerst mit deinem ehemaligen Vermieter unterhalten, bevor du vorschnelle Entscheidungen triffst“, schlug er mit betont gleichgültiger Stimme vor.

„Ehemaliger Vermieter?“, wiederholte Bronte etwas zu schrill. „Du meinst, du hast dieses Gebäude bereits gekauft? Dann bist du der neue Besitzer?“

Sein Grinsen war selbstgerecht. „Also, Dinner um acht, Bronte. Sonst könnte es passieren, dass die geplante Mieterhöhung deine Möglichkeiten übersteigt.“

Es ist kaum zu fassen, schoss es ihr durch den Kopf, und sie begann vor Wut zu zittern. „Du erpresst mich? Wegen eines Dinners?“

„Ich bitte dich lediglich um ein Date, tesore mio. Du weißt doch selbst, wie gern du eigentlich zustimmen möchtest. Und dieses ganze Theater veranstaltest du nur, weil du immer noch wütend auf mich bist.“

„Damit hast du vollkommen recht: Ich bin noch sehr wütend auf dich!“

„Aber du sagtest doch, du wärst über mich hinweg?“, entgegnete er gedehnt.

Am liebsten hätte Bronte ihm dafür eine Ohrfeige verpasst, aber ihr gesunder Menschenverstand und ihre Disziplin hielten sie glücklicherweise zurück. „Ein Teil von mir wird dich immer hassen“, sagte sie so ruhig wie möglich. „Du hast deinen Spaß mit mir gehabt und mich danach fallenlassen wie ein Spielzeug, das dich nicht länger interessiert. Und du hast nicht einmal den Anstand besessen, mir direkt ins Gesicht zu sagen, was eigentlich schiefgelaufen ist.“ Sie ignorierte seinen finsteren Gesichtsausdruck. „Was für ein Mann schickt seinen Lakaien vorbei, um für ihn die Drecksarbeit zu erledigen?“

Sein Blick verdunkelte sich noch mehr. „Ich fand, auf diese Weise wäre es nicht so kompliziert“, behauptete er wenig überzeugend. „Mir liegt es nicht, Menschen absichtlich aus der Fassung zu bringen. Und glaube mir, Bronte: Hätten wir persönlich miteinander gesprochen, wäre das für keinen von uns beiden leicht geworden.“

Sie verdrehte die Augen. „Wie kann man so etwas Arrogantes von sich geben? Als würdest du dir jemals Gedanken um die Gefühle anderer machen! Du bist ein herzloser, grausamer Mistkerl, Luca Sabbatini, und ich wünschte, ich wäre dir niemals begegnet!“

Die Tür zum Tanzsaal wurde geöffnet. „Entschuldigung, ich bin zu spät. Aber man glaubt kaum, was für ein Verkehr … Ups!“ Rachel Brougham schlug eine Hand vor den Mund. „Ich wusste nicht, dass du Besuch hast.“

Mit steifen Schritten floh Bronte hinter ihren eleganten Empfangstresen. „Mr. Sabbatini wollte gerade gehen“, sagte sie mit einem betonten Blick auf Luca.

Rachel sah hektisch von einem zum anderen. „Sie gehören doch zu keinem der Mädchen, oder, Mr. Sabbatini?“

„Nein“, gab er mit einem schiefen Lächeln zurück. „Mir war es bisher nicht vergönnt, Vater zu werden.“

Bronte konnte ihm nicht in die Augen sehen. Im Stillen betete sie darum, dass Rachel Ella nicht erwähnte.

„Also“, fuhr Rachel unbekümmert fort, „dann sind Sie ein Bekannter von Bronte?“

„Genau. Wir haben uns vor einigen Jahren in London kennengelernt. Ich bin Luca Sabbatini“, stellte er sich höflich vor und streckte seine Hand aus.

Hoffentlich zählt sie jetzt nicht eins und eins zusammen! beschwor Bronte das Schicksal.

„Rachel Brougham“, antwortete ihre Kollegin und schüttelte dem schönen Fremden strahlend die Hand. „Hey, ich glaube, ich habe vor ein paar Wochen etwas über Sie in der Zeitung gelesen. Sie sind in der Hotelbranche, richtig?“

„Stimmt“, bestätigte Luca mit einem gewinnenden Lächeln. „Ich habe geschäftlich hier zu tun und wollte die Gelegenheit nutzen, mich mit Bronte zu treffen. Wir wollen heute Abend zusammen Essen gehen.“

Gerade als Bronte erneut zum Protest ansetzte, schnitt Rachel ihr das Wort ab. „Super, sie geht nämlich fast nie aus! Ich habe ihr erst vor Kurzem gesagt, wie wichtig es ist, einen sozialen Ausgleich zum Berufsleben zu haben.“ Der Blick, den Bronte ihrer Freundin schenkte, hätte einen Güterzug stoppen können, doch Rachel ließ sich davon nicht beeindrucken. „Wie lange bleiben Sie denn in Melbourne, Luca?“, fragte sie und lehnte sich mit den Unterarmen auf den Empfangstisch, so als würde sie sich auf ein längeres Gespräch vorbereiten.

„Erst einmal einen Monat. Von hier aus kann ich bequem arbeiten, außerdem leben einige meiner Verwandten in der Nähe. Einen Teil meiner Zeit werde ich auch in Sydney und an der Gold Coast verbringen.“

Bronte war gar nicht klar gewesen, dass Luca hier Familie hatte. Andererseits lebten sehr viele Italiener in Melbourne, da war es nicht unwahrscheinlich, entfernte Tanten, Onkel oder Cousins von ihm hier vorzufinden.

Früher hatten Bronte und Luca sich kaum über ihren familiären Hintergrund unterhalten, was Bronte sogar ziemlich reizvoll fand. Sie bildete sich ein, Luca würde den Status und den Reichtum seines Elternhauses absichtlich herunterspielen. Er sprach während der sechs Monate auch kaum über seine Arbeit und warf niemals mit Geld um sich, so wie es andere Multimillionäre oft taten. Natürlich aßen sie in guten Restaurants, aber einmal abgesehen von dem sündhaft teuren Abschiedsgeschenk überraschte Luca Bronte höchstens mal mit einem Blumenstrauß. Aber hatte er ihr nicht unwissentlich das größte Geschenk von allen beschert?

„Nun, ich bin sicher, Sie werden einen wundervollen Aufenthalt hier in Australien haben“, bemerkte Rachel. „Sie sprechen hervorragend Englisch. Waren Sie früher schon einmal hier?“

„Vielen Dank für das Kompliment.“ Luca, ganz der Gentleman. „Als Teenager habe ich ein Internat in England besucht und bin dann später zwischen Mailand und London hin und her gejettet. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, Australien zu besuchen, aber die Frau meines älteren Bruders stammt von hier. Allerdings lernten sich die beiden im Ausland kennen.“

Allmählich trafen die ersten Teilnehmer des Nachmittagskurses ein. Luca drehte sich zu den kleinen Neuankömmlingen um, die teilweise mit ihren Müttern, teilweise mit ihren Nannys den Saal betraten. Frauen und Mädchen jeden Alters schienen von seinem Anblick und seinem Begrüßungslächeln tief beeindruckt zu sein, jedenfalls stand den meisten von ihnen die Bewunderung ins Gesicht geschrieben.

„Wenn du mich jetzt bitte entschuldigen würdest?“, drängte Bronte. „Ich muss mich um meine Schülerinnen kümmern.“

„Wir sehen uns heute Abend!“ Keine Einladung, sondern ein Befehl. „Ich habe einen Mietwagen, also kann ich dich abholen, wenn du mir deine Adresse gibst.“

Bronte dachte an die kleine, altmodische Einliegerwohnung bei ihrer Mutter, die Ella und sie, Bronte, bewohnten. Wie sollte sie all die Kindermöbel und das Spielzeug erklären, falls Luca darauf bestand, ins Haus zu kommen? „Nein danke. Ich schaff das schon allein.“

Seine Mundwinkel zuckten leicht. „Dann kommst du also?“

„Ich habe ja wohl kaum eine Wahl. Du drohst mir mit einer exorbitanten Mieterhöhung, wenn ich mich nicht deinen Wünschen füge!“

Mit einer Fingerspitze strich er sanft über ihre Wange. „Du hast keine Ahnung von meinen Wünschen, cara“, sagte Luca leise und verschwand in der nächsten Sekunde, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

2. KAPITEL

„Natürlich passe ich für dich auf Ella auf“, versprach Tina Bennett Bronte am Abend. „Gehst du wieder mit Rachels Bruder Davis aus? Ich weiß, er ist nicht ganz dein Typ, aber er scheint ein ausgesprochen lieber Kerl zu sein.“

Bronte drückte ihre vierzehn Monate alte Tochter an sich, die frisch gebadet auf dem Schoß ihrer Mutter kuschelte. „Nein, es ist jemand, den ich noch aus London kenne. Er wird für ein paar Wochen in Melbourne bleiben und will sich gern mit mir treffen.“

Tina zog die Augenbrauen tief zusammen. „Bronte, Liebes, er ist es, oder? Ellas Vater?“

Bronte nickte grimmig. „Ich Idiotin habe gehofft, dieser Tag würde niemals kommen. Nachdem Schluss war, dachte ich, er würde mich nie wiedersehen wollen. Einen klaren Schnitt, so hatte er es jedenfalls genannt. Und plötzlich werden die Regeln geändert.“

„Du musst dich doch nicht mit ihm treffen, wenn du nicht möchtest“, wand Tina ein. „Er weiß nichts von Ella. Und nach der schäbigen Art, wie er dich behandelt hat, bist du sicherlich nicht verpflichtet, ihm die Wahrheit zu sagen.“

Seufzend streichelte Bronte die federweichen Haare ihrer kleinen, schlafenden Tochter. „Mum, ich habe mich immer im Stillen gefragt, wie das alles weitergehen sollte. Er hat Schluss gemacht, bevor ich wusste, dass ich schwanger war. Hätte ich es eine Woche früher gemerkt, wäre vielleicht alles anders gekommen.“

„Darling, was hätte diese eine Woche schon großartig geändert?“, fragte ihre Mutter. „Er hatte seine Entscheidung ganz offensichtlich bereits getroffen. Außerdem hat er sich später standhaft geweigert, persönlich mit dir zu sprechen. Was blieb dir da schon übrig? Ihm die Wahrheit über Dritte mitzuteilen?“

Unsicher biss Bronte sich auf die Unterlippe. „Möglicherweise hätte ich genau das tun sollen, dann hätte er sich vielleicht doch noch einmal mit mir getroffen.“

Tina Bennett sah ihre Tochter zweifelnd an. „Und was dann? Vermutlich hätte er dich zu einer Abtreibung überreden wollen. Ein Mann mit seinem Lebensstil reißt sich sicherlich nicht darum, die lebenslange Verantwortung für ein Kind zu übernehmen.“

„Einer Abtreibung hätte ich doch nie zugestimmt“, protestierte Bronte und drückte Ella noch fester an sich. „Ich würde niemals zulassen, dass man mir mein Kind nimmt.“

„Liebling, du warst jung und bis über beide Ohren verliebt“, sagte Tina Bennett sanft. „Viele Mädchen tun dann Dinge, die sie später bitter bereuen, nur weil ihre vermeintlich große Liebe gewisse Erwartungen an sie hat.“

Nachdenklich betrachtete Bronte das kleine, süße Wunder auf ihrem Schoß. Es stimmte schon, damals hätte Bronte alles Mögliche getan, um Luca an sich zu binden – aber niemals einer Abtreibung zugestimmt. Ihr naiver Wahnsinn beschränkte sich auf unzählige peinliche Nachrichten und SMS, er möge sie doch bitte, bitte zurückrufen …

„Du wirst ihm doch nichts von Ella erzählen, oder, Liebes?“, erkundigte sich Brontes Mutter.

„Heute Nachmittag konnte ich nur daran denken, wie sehr ich ihn hasse“, murmelte Bronte. „Aber eines Tages wird Ella alt genug sein, um sich zu fragen, wer ihr Vater ist. Was soll ich dann machen?“

„Du wirst es ihr auf dieselbe Weise erklären, wie ich es getan habe“, riet ihre Mutter. „Dass du von dem Mann, dem du vertraut hast, verlassen wurdest.

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