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Der Milliardär und die Liebe

Melanie Milburne

Der Milliardär und die Liebe

1. KAPITEL

Entsetzt starrte Maya das Teststäbchen an. Ihr Hals wurde so eng, als ob jemand ihr die Kehle zudrückte, während sich vor ihren Augen zwei blaue Striche abzeichneten.

Positiv.

Mit zitternden Beinen setzte sie sich auf den Badewannenrand und presste die Knie aneinander. Hoffnung keimte in ihr auf, erstarb jedoch sofort wieder.

Das konnte doch alles nicht wahr sein!

Konzentriert atmete sie ein und aus, dann betrachtete sie erneut das Stäbchen. Sie blinzelte mehrmals, aber die beiden blauen Striche blieben unverändert sichtbar.

Die schrille Türklingel riss sie aus ihren Gedanken, und Maya sprang abrupt auf. Ihr Herz hämmerte wie wild in ihrer Brust, und sie musste sich auf den nebeneinanderliegenden Waschbecken abstützen, um sich zu sammeln.

Gonzo sprang schon freudig bellend am Eingang herum, doch auch ohne seine sichtbare Begeisterung wusste Maya, wer dort vor der Tür stand. Niemand betätigte die Klingel so forsch wie ihr zukünftiger Exgatte Giorgio Sabbatini. Er drückte viel zu lange und viel zu kräftig, ein Mann, der kein Nein akzeptierte.

Maya setzte eine betont kühle Miene auf und öffnete die Tür. „Giorgio“, begrüßte sie ihn und hoffte, ihre Stimme würde ihren wahren Gemütszustand nicht verraten. „Ich dachte, du schickst einen deiner Angestellten, um Gonzo abzuholen. So war es doch vereinbart, oder?“

„Heute wollte ich aber persönlich vorbeikommen.“ Er bückte sich, um dem aufgeregten Tier die Ohren zu kraulen. Danach richtete Giorgio seinen dunklen, spöttischen Blick auf Maya. „Ich bin überrascht, dich überhaupt zu Hause anzutreffen. Bist du gar nicht mit deinem englischen Liebhaber unterwegs? Wie war sein Name noch gleich? Hugh? Herbert?“

Sie biss sich von innen in die Wange und wünschte sich nicht zum ersten Mal, sie wäre niemals auf das blöde Blinddate eingegangen, das ihre Yogafreundin für sie arrangiert hatte. „Howard“, stellte Maya richtig. „Und es war nicht so, wie die Presse es darstellt.“

Zynisch zog er eine Augenbraue hoch. „Dann hat er dir also nicht in seinem Apartment die Klamotten vom Leib gerissen und sich mit dir vergnügt?“

Ihr Blick wurde giftig. Mit Schwung knallte sie die Tür zu. „Nein. Das ist doch wohl eher dein Stil!“

Sein gleichgültiges Lächeln war eine einzige Beleidigung. „Du warst immer bei mir, cara“, raunte er mit tiefer Stimme, die Maya einen schaurigwohligen Schauer über die Haut jagte.

Hastig wandte sie sich ab, damit Giorgio nicht bemerkte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Sie schämte sich für ihr Verhalten auf der Hochzeitsfeier seines Bruders und wusste bis heute nicht, was sie sich dabei gedacht hatte. War es der Champagner oder der Herzschmerz wegen der Trennung gewesen? Abschiedsnacht nannte man das wohl. Es hatte jedenfalls nichts zu bedeuten, vor allem für ihn.

Laut der letzten Schlagzeilen traf er sich zur Zeit mit einem Unterwäschemodel aus London. Diese Nachricht hatte Maya tief getroffen, aber sie würde eher sterben, als das vor Giorgio zuzugeben.

Er trat dicht hinter sie, und Maya atmete den Duft seines zitrusfrischen Rasierwassers ein – und den unverkennbar männlichen Duft seiner Haut. Wie sehr sie diesen Geruch liebte! Obwohl Maya sich geschworen hatte, ihre Sinne totzustellen, sobald ihr zukünftiger Exmann in der Nähe war … ihr Körper reagierte trotzdem auf Giorgios Nähe. Ihr Herz setzte beinahe aus, als er seine Hände auf Mayas Schultern legte.

„Du riechst gut“, sagte er und neigte den Kopf so weit, bis seine Lippen beinahe ihren Nacken berührten. „Trägst du ein neues Parfüm?“

Mühsam zwang sie sich zum Sprechen. „Finger weg, Giorgio!“, stieß sie hervor. Noch eine Sekunde länger, und sie würde ihm in die Arme fallen und sich wieder einmal zum Idioten machen!

Seine Hände verkrampften sich für den Bruchteil einer Sekunde. „Unsere Scheidung ist noch nicht ganz durch.“ Sein Atem bewegte die Härchen, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatten. „Wir könnten doch auch das Beste aus der Situation machen, bevor die Tinte getrocknet ist.“

Maya wusste genau, worum es ging, und das machte ihr noch mehr zu schaffen als das hübsche Unterwäschemodel. Giorgio kämpfte nicht um seine gescheiterte Ehe, sondern um sein eigenes Schicksal. Die Sabbatini-Familie hatte den gesellschaftlichen Stand eines Adelsgeschlechts. Als Maya mit Giorgio fünf Jahre zuvor den Bund fürs Leben schloss, gab es nicht einmal einen Ehevertrag.

Es war ein ungeschriebenes Gesetz: diese Ehe würde ewig halten, genau wie jede andere innerhalb dieser Familie.

Maya bezweifelte das stark. Mutig blickte sie in Giorgios finsteres Gesicht. „Was willst du?“

Seine Daumen lösten allmählich die Verspannungen aus ihrem Schultergürtel, und Maya fühlte sich, als würde sie unter seinen Händen dahinschmelzen. Mit letzter Kraft biss sie die Zähne zusammen und schob ihren Noch-Ehemann von sich. „Nimmst du jetzt endlich deine Finger von mir?“, fuhr sie ihn an.

Beruhigend ergriff er ihre Hände und hielt sie fest. „Es war doch eine tolle Nacht mit uns, si?“, sagte er. „So gut wie nie. Oder was meinst du?“

Maya schluckte. Sie versuchte ständig, nicht an diese hinreißende Nacht zu denken, in der sie sich wie wild geliebt hatten. Einmal wenigstens ging es nicht um Temperaturmessung, Ovulationszyklen, Hormoninjektionen – einfach nur klassischer, lustvoller Sex, für den sie es nicht einmal mehr bis ins Bett geschafft hatten.

„Giorgio, diese Nacht war ein verrückter und sehr dummer Fehler!“ Es gelang ihr nicht, ihm dabei direkt in die Augen zu sehen.

Sie entzog ihm ihre Hände und wandte sich mit verschränkten Armen von ihm ab. Es war viel zu früh, um ihm davon zu erzählen. Das würde nur Unglück bringen, genau wie früher. Wie oft hatte sie stolz einen positiven Schwangerschaftstest in die Höhe gehalten, um anschließend zu erleben, wie ihre Hoffnungen und Träume ein oder zwei Wochen später zerschmettert wurden?

Es gab keine Garantie, früher nicht und auch nicht heute. Wenn es einfach nicht sein sollte, dann war Giorgio zumindest frei, um sein Leben mit jemand anderem zu führen. Sie waren beide frei. Maya hatte schon fünf Jahre seines Lebens vergeudet, einmal ganz zu schweigen von ihrem eigenen. Jetzt war er sechsunddreißig Jahre alt. Die meisten seiner Freunde und Arbeitskollegen hatten inzwischen zwei oder drei Kinder.

Sie hatte ihm kein Einziges schenken können.

Giorgio folgte ihr in den kleinen Salon. Maya spürte jeden seiner Blicke, seine Hitze, seine ganze einnehmende Gegenwart. Sie fühlte sich schutzlos seiner Aufmerksamkeit ausgeliefert, und ihr Herz sehnte sich nach seiner Nähe. Aber Maya musste sich zusammenreißen und durfte nicht sentimental werden. Ihre gemeinsame Zeit war vorbei. Sie hatte hart daran gearbeitet, sich neue Prioritäten und Ziele zu setzen, die samt und sonders nichts mehr mit Giorgio zu tun hatten.

Ihm gegenüber wollte sie zukünftig nur noch kühl und kontrolliert auftreten. Sie musste ihm beweisen, dass ihre Gefühle für ihn Vergangenheit waren und dass er nicht länger mit seinem sinnlichen Zauber Macht über sie hatte. Sie war eine eigenständige Person und fest entschlossen, ihr Leben allein fortzusetzen.

Und sie war stärker denn je, viel stärker.

Das war zumindest ein positiver Effekt nach sechs Monaten Trennung. Maya musste nicht länger im Schatten von Giorgios Geld und Prestige leben. Sie versorgte sich selbst und belebte ihre Karriere neu, die sie in ihrem naiven Wahn vernachlässigt hatte, um Giorgio und vor allem den Erwartungen seiner Familie besser gerecht werden zu können.

Sie war stolz auf das, was sie in den letzten Monaten für sich erreicht hatte. Und Maya freute sich auf einen Neuanfang, allerdings hatte ihr kleiner Rückfall sie von diesem Kurs abgebracht. Ob er ihr das Geheimnis ansah, das sie vor ihm verbarg? Sein Starren war beunruhigend, unerträglich …

„Und ich habe gehört, du willst nach London umziehen?“, erkundigte er sich tonlos.

Maya drückte die Schultern durch. „Ich habe ein Vorstellungsgespräch als Lehrerin an einer Privatschule. Dort bin ich schon in der engeren Auswahl.“

Tiefe Falten zeichneten sich auf seiner Stirn ab. „Nimmst du die Stelle an, wenn du sie bekommst?“

„Warum denn nicht?“, fragte sie hitzig. „Mich hält nichts mehr in Italien.“

An seinem Kiefer arbeiteten die Muskeln, als Giorgio fest die Zähne aufeinander biss. „Und was ist mit Gonzo?“

Maya spürte, wie ihr Herz sich zusammenzog beim Gedanken daran, sich von dem Hund zu verabschieden, den sie seit seiner Welpenzeit bei sich gehabt hatte. Aber im Londoner Apartmentkomplex waren keine Haustiere erlaubt, außerdem würde der liebenswürdige Dreckspatz sein Herrchen viel zu sehr vermissen, wenn er mit Maya Italien verlassen sollte.

„Ich denke, bei dir geht es ihm besser“, sagte sie knapp.

Giorgio zog die Oberlippe hoch. „Das ist doch mal ein Sinneswandel! Über diesen Punkt haben wir uns wochenlang erbittert gestritten. Ich wollte schon meinen Anwalt anweisen, einen Sorgerechtsprozess anzustrengen.“

Betont gleichgültig hob Maya eine Schulter. „Er wird mich bestimmt schnell vergessen, wenn er mit dir in deine frisch renovierte Villa zieht. Wann ziehst du eigentlich um?“

Giorgio fuhr sich mit der Hand durchs Haar – eine Geste, die Maya vertraut war wie so viele kleine Angewohnheiten von ihm. Gerade in letzter Zeit dachte sie oft über sein Lächeln nach, das er viel zu selten zeigte, so als könne er dem Leben kaum etwas Amüsantes abgewinnen. Wenn er sich konzentrierte, zog Giorgio die Stirn kraus, und manchmal wurde sein intensiver Blick dunkel und funkelnd – dann war er in der Stimmung für intime Stunden.

Schnell verdrängte sie den Gedanken daran. Er weckte zu viele erotische Erinnerungen an diese eine verbotene Nacht.

„Keine Ahnung. In ein oder zwei Wochen, glaube ich“, antwortete er. „Die Maler sind noch nicht ganz fertig. Es gab ein paar Verzögerungen mit den Einrichtungsstoffen für Vorhänge und Hussen und so.“

Maya mochte gar nicht daran denken, wie sie die Farben und Materialien für all die schönen Zimmer gemeinsam ausgesucht hatten – voller Enthusiasmus und Hoffnung auf eine glückliche Zukunft. Als sie hörte, Giorgio würde die Villa vollständig renovieren, Wände einreißen, eine neue Raumverteilung entwerfen und den Garten anders anlegen, wusste Maya, dass er lediglich jede Erinnerung an ihre Anwesenheit dort auslöschen wollte.

Es zerriss ihr das Herz, daran zu denken, wie die langen Flure der Villa irgendwann von Kinderlachen erfüllt sein würden. Giorgio würde diese Kinder mit einer anderen Frau bekommen. Maya hatte das Kinderzimmer mit Liebe und Sorgfalt eingerichtet, nachdem sie von ihrer ersten Schwangerschaft erfahren hatte. Aber dann, nach ganzen fünf Jahren voller zerschmetterter Träume, war sie nicht mehr in der Lage gewesen, überhaupt noch die Tür zum Kinderzimmer zu öffnen.

„Wann fliegst du ab?“, wollte Giorgio wissen.

Kraftlos begegnete sie seinem Blick. „Nächsten Montag.“

„Das kommt alles ziemlich plötzlich, oder?“ Missbilligend runzelte er die Stirn. „Ich dachte, du hättest dich schon vor langer Zeit entschieden, nicht mehr zu unterrichten. Oder willst du vielleicht vor der Öffentlichkeit so tun, als würde ich dir zu wenig Unterhalt zahlen?“

Auf diese Provokation wollte sie gar nicht erst eingehen. „Mir ist gleichgültig, was die Leute denken, Giorgio. Ich will wieder unterrichten, weil sich mein Hirn nach Beschäftigung sehnt. Ich gehörte noch nie zu den Frauen, die sich nur darüber Gedanken machen, in welchem Restaurant sie zu Mittag essen wollen. Sowieso hätte ich meine Karriere niemals aufgeben dürfen. Ich habe selbst keine Ahnung, was mich da geritten hat.“

Etwas irritiert über die heftigen Worte blickte er sie an. „Anfangs schienst du mit dieser Lösung doch ganz zufrieden zu sein“, begann er. „Du sagtest, deine Karriere wäre nicht so wichtig wie meine. Und du hattest nichts dagegen, ein Leben nur als Ehefrau zu führen.“

Betroffen dachte Maya daran, wie romantisch und naiv sie sich damals verhalten hatte. Auch wenn sie keine Sekunde daran geglaubt hatte, Giorgio würde sie aus Liebe heiraten, sie hatte es sich trotzdem von ganzem Herzen gewünscht.

Aber die Ehe war nur geschlossen worden, um den traditionellen Erwartungen seiner Familie zu entsprechen. Er war dreißig Jahre alt geworden, und bei den Sabbatinis bedeutete dies, man brauchte Frau und Kinder. Eine eigene Familie.

Giorgio hatte Maya mit Diamanten überschüttet, und sie hatte sich auf den Gedanken verstiegen, ein Märchen würde wahr werden. Wie jung und unerfahren war sie gewesen! Gerade mal zweiundzwanzig und mit ihrem Examen in der Tasche hatte sie sich auf ihrer ersten langen Reise rettungslos verliebt. Und es hatte fünf schmerzvolle Jahre gedauert, um sich endlich einzugestehen, dass nicht alle Märchen ein Happy End haben konnten.

„Ich habe mir etwas vorgemacht“, gestand Maya, obwohl sie genau wusste, dass ihre Erklärung sie in Giorgios Augen zur Erbschleicherin machte. „Das ganze Geld, der Ruhm, die Luxushotels, die Villen, die exotischen Urlaube … Welches Mädchen hätte da widerstehen können?“

Sein Gesichtsausdruck wurde noch finsterer, und an seinem Mundwinkel bildete sich eine kleine Falte. Wie immer, wenn Giorgio extrem angespannt war. „Wenn du glaubst, du würdest die Hälfte meines Besitzes bekommen, hast du dich geschnitten“, stieß er hervor. „Und wenn es meine Anwälte eine Ewigkeit kostet, das vor Gericht durchzudrücken, ich werde nicht nachgeben!“

Stolz reckte Maya ihr Kinn vor. Giorgio ging es grundsätzlich nur um sein Geld. Sie selbst war für ihn in erster Linie eine geschäftliche Transaktion gewesen, die er zum Wohl seiner Familie über die Bühne bringen wollte. Jetzt störte ihn, dass sein Plan nicht aufgegangen war. Sie hatten beide versagt. Maya war es nicht gelungen, Giorgio glücklich zu machen, ebenso wenig, wie er es bei ihr geschafft hatte. Das viele Geld hatte diesen Mangel eine Zeit lang kaschieren können, aber irgendwann musste Maya einsehen, dass für sie beide nur noch eine endgültige Trennung infrage kam.

„Damit zögerst du doch nur unnötig die Scheidung hinaus“, wandte sie ein. „Außerdem verlange ich überhaupt nicht viel.“

Er schnaubte verächtlich. „Nicht viel? Hör doch auf, Maya! Du willst die Villa in Bellagio, die schon seit sieben Generationen im Besitz meiner Familie ist. Der Wert dieses Anwesens ist für die Sabbatinis gar nicht mit Geld zu bezahlen. Ich nehme mal an, genau deshalb willst du die Villa auch an dich reißen?“

Ihre Entschlossenheit wuchs. „Man hätte schon vor Jahren verkaufen sollen, und das weißt du genau. Wir beide sind nur ein einziges Mal dort gewesen, und du hast dich die ganze Zeit über wie ein Tiger im Käfig gefühlt. Deine beiden Brüder sind monatelang nicht hingefahren, und meines Wissens war deine Mutter in den letzten Jahren überhaupt nicht dort. Die Villa steht fast das ganze Jahr über leer, einmal abgesehen vom Hauspersonal. Diese Verschwendung ist geradezu obszön.“

Wie erwartet wich Giorgio ihrem Blick sofort aus. Er weigerte sich, über den tragischen Vorfall in seiner Kindheit zu sprechen, der sich an diesem Ort zugetragen hatte. Und jedes Mal, wenn Maya versucht hatte, mit ihm den tragischen Kindtod seiner kleinen Schwester zu verarbeiten, baute er eine unüberwindbare Mauer des Verdrängens auf.

Sie hasste die Art, wie Giorgio sie aus den wichtigen Bereichen seines Lebens ausschloss. Damit gab er ihr das Gefühl, es nicht wert zu sein, an seinen Empfindungen und Emotionen teilzuhaben. Die Folge war eine halbherzige Beziehung, in der sie die undankbare Rolle der Vorzeigeehefrau spielen musste. Eine geheime Ecke seines Herzens blieb ihr schlichtweg verborgen.

Inzwischen hatte Giorgio Maya den Rücken zugewandt und lief unruhig auf und ab. Seine Finger verkrampften sich. „Eines Tages hat meine Mutter vielleicht das Bedürfnis, dorthin zurückzukehren. Und bis es so weit ist, wird die Villa nicht verkauft.“

Sie biss sich auf die Lippen. So leicht wollte sie Giorgio nicht vom Haken lassen, nachdem er sich schon einmal auf das Thema einließ. „Und hast du selbst vor, demnächst einmal hinzufahren?“, erkundigte sie sich. „Wie lange ist das jetzt schon wieder her, Giorgio? Zwei, drei Jahre, oder sind es bereits vier?“

Er fuhr ruckartig herum, und in seinen Augen blitzte es gefährlich auf. „Treib es nicht zu weit, Maya! Die Villa bekommst du nicht. Außerdem werden Luca und Bronte sie bestimmt nutzen, nachdem die beiden nun verheiratet sind. Es ist der perfekte Ort für die kleine Ella, um unbeschwerte Ferien zu verbringen.“

Maya spürte einen unerträglichen Schmerz in ihrer Magengrube, als sie an das dunkelhaarige, blauäugige Kleinkind dachte, das Luca wenige Wochen zuvor seiner Familie vorgestellt hatte. Seiner frischgebackenen Ehefrau Bronte, ebenfalls Australierin, war Luca vor zwei Jahren in London begegnet. Doch die Beziehung zerbrach, bevor er von Brontes Schwangerschaft erfuhr. Ihr Wiedersehen und die darauf folgende Hochzeit waren mit Abstand das Romantischste, was Maya jemals erlebt hatte.

Aber am Tag der Eheschließung mit der süßen kleinen Ella zusammenzusein, hatte Maya auf grausame Weise an ihr eigenes Versagen erinnert, der Familie Sabbatini einen lang ersehnten Erben zu schenken. Wahrscheinlich hatte sie sich deshalb nach dem Empfang so dumm und unüberlegt verhalten. Ihre Emotionen waren mit ihr durchgegangen, hatten regelrecht verrückt gespielt. Maya fühlte sich nach dem Scheitern ihrer eigenen Ehe unendlich allein und war einfach schwach geworden, als Giorgio plötzlich einen kleinen Schlummertrunk vorschlug.

Sie waren im Mailänder Hotel der Sabbatinis, in dem der Empfang stattfand, hinauf in sein Zimmer gegangen – ein erster Fehler. Mayas zweiter war, sich bereitwillig von Giorgio küssen zu lassen. Anschließend hatte sie sich ihm schamlos in die Arme geworfen. Es war schön, aber dann wurde es furchtbar. Giorgio hatte sich danach von ihr verabschiedet, als hätte er sie für ihre Dienste bezahlt und sonst keinerlei persönliche Bindung zu ihr.

„Ich will die Villa“, sagte sie beharrlich. „Eine Entschädigung steht mir wohl zu, und abgesehen davon, könnte ich viel mehr verlangen, wie du weißt.“

Sein Kiefer bewegte sich unruhig, und die Augen wurden dunkel wie schwarze Tinte. „Ich will dir hier ganz sicher keinen falschen Eindruck vermitteln, Maya. Ich möchte mich genauso schnell scheiden lassen wie du. Aber die Villa steht nicht zur Debatte. Niemals!“

Seine Weigerung feuerte ihren Ehrgeiz, ihr Ziel zu erreichen, weiter an. Ebenso wie Giorgios Bereitschaft, sich so bald wie möglich scheiden zu lassen. Wenn er jemals ernsthafte Gefühle für sie gehegt hätte, würde er doch wohl um sie kämpfen, oder? Aber nein, ihm ging es ständig nur um Trennungsunterhalt und Scheidungsmodalitäten.

Die Bitterkeit überwältigte sie. „Bastard“, zischte Maya erbost. „Du bist mehr als steinreich und willst mir diese eine Sache abschlagen?“

„Warum willst du sie denn unbedingt haben? In wenigen Tagen gehst du nach London. Wozu brauchst du hier eine Villa mit rund dreißig Zimmern?“

„Ich möchte etwas daraus machen“, antwortete sie schlicht. „Ein schönes Hotel mit Gesundheitsangebot und Spa. Damit hätte ich neben meinem Beruf noch eine Einnahmequelle. Es wäre eine gute Investition.“

In seinen Augen blitzte es förmlich auf. „Versuchst du absichtlich, mich zu provozieren? Dio, Maya! Ich habe dich gewarnt, treib es nicht zu weit!“

„Wieso nicht?“, konterte sie kühl. „Machst du dir Sorgen, in dir könnten sich plötzlich menschliche Gefühle regen? Ärger, etwas Leidenschaft, oder vielleicht sogar zur Abwechslung mal etwas Verletzbarkeit?“

In der Luft schwirrte eine Energie, die allmählich auch durch Mayas Körper strömte. Ihre Nackenhärchen stellten sich auf. Giorgios Augen hatten sich dramatisch verdunkelt, und man konnte nicht länger zwischen Iris und Pupille unterscheiden. Die Lippen hatte er fest aufeinandergepresst.

Trotzdem fragte Maya sich, ob er sich einen Ruck geben und auf sie zukommen würde. Sie dann fest in seine Arme schloss und küsste, genau wie an dem Abend von Lucas und Brontes Hochzeit. Wie heute hatten sie sich heftig gestritten, doch plötzlich war die Stimmung umgeschlagen, und sie fanden sich in einer leidenschaftlichen Umarmung wieder.

Ihr Herz klopfte schneller bei der Erinnerung daran. Vor allem, weil Maya in diesem Moment in Giorgios Augen zu erkennen glaubte, dass er an dasselbe dachte wie sie … an diese schamlos erotische Begegnung zwischen ihnen.

„Ist es das, was du willst, Maya?“, fragte er plötzlich mit tiefer, seidiger Stimme und streckte die Hand nach ihr aus. Seine Finger schlossen sich um ihr Handgelenk. „Ich soll die Kontrolle verlieren und über dich herfallen, so wie beim letzten Mal?“

Ihr Arm wurde ganz heiß an der Stelle, wo Giorgio sie berührte. „Das wagst du nicht!“

Er zog sie eng an seinen Körper und presste eine Hand mit gespreizten Fingern auf ihren unteren Rücken. „Ich habe mich das schon einmal getraut, und du hast jede einzelne Sekunde davon genossen.“

Ihre Wangen wurden glühend rot. „Ich habe an diesem Tag zu viel Champagner getrunken.“

Sein Mund verzog sich ironisch. „Anders kannst du es nicht rechtfertigen, mit mir wieder im Bett gelandet zu sein? Komm, schon, Maya, du hast das doch schon vor deinem ersten Schluck im Sinn gehabt. Ich habe es an deinem Blick gesehen, als du die Kirche betreten und mich entdeckt hast.“

Auch daran erinnerte sich Maya nur zu gut. Er hatte neben seinem Bruder Luca gestanden. Monatelang war sie Giorgio aus dem Weg gegangen, hatte sogar darauf bestanden, dass ihr Hund Gonzo von einer dritten Person von einem zum anderen gebracht wurde. Denn Maya traute ihrer inneren Entschlossenheit nicht, solange sie in Giorgios unmittelbarer Nähe war.

Als sie ihm dann in der Kirche begegnete, was das ein Gefühl, als würde sie ihm zum ersten Mal im Leben über den Weg laufen. Die ganze Bitterkeit und der Frust lösten sich plötzlich in Luft auf, und Maya betrachtete überwältigt den großen, unbeschreiblich schönen Mann, der sie ebenfalls unentwegt anstarrte.

„Deine Einbildung ist fast schon so verdreht wie dein riesiges Ego“, beschwerte sich Maya. „Du glaubst wohl, jede Frau will dich, wenn sie dich nur ansieht?“ Energisch machte sie sich von ihm los und wandte sich ab. „Du solltest Gonzo besser heute gleich mitnehmen“, warf sie über die Schulter. „Seine Leine hängt im Flur.“

„Ich gehe nirgendwohin, Maya.“

Verwundert drehte sie sich zu ihm um, und in ihrer Magengrube kribbelte es leicht. „Giorgio …“ Hastig befeuchtete sie sich die trockenen Lippen. „Zwischen uns ist alles gesagt. Den Rest werden unsere Anwälte erledigen.“

Die Stille dauerte mehrere atemlose Herzschläge lang.

„Ich bin nicht hergekommen, um über die Scheidung zu reden“, sagte er.

Ihr wurde ganz flau. „Bist du nicht?“

Sein Blick hielt ihren erbarmungslos fest. „Ich wollte dir eine Einladung überbringen.“

Erschrocken blinzelte sie. „Eine … eine Einladung? Was für eine Einladung? Hoffentlich denkst du nicht, dass ich dir noch einmal … Wenn du das glaubst … Ich würde so einem schäbigen, unangemessenen und beleidigenden Vorschlag nie und nimmer zustimmen!“

Giorgio zog seine Stirn wieder glatt und hob den Kopf. „Darauf wollte ich gar nicht hinaus. Obwohl es ein verlockender Gedanke ist, wenn man bedenkt, was bei unserer letzten Begegnung vorgefallen ist.“

„Das ist vorbei, Giorgio“, erinnerte sie ihn scharf – ebenso wie sich selbst. „Es gibt kein uns mehr.“

Sein Blick flackerte. „Ich weiß selbst, dass es vorbei ist, Maya. Schließlich haben wir das gemeinsam so entschieden. Anders können wir beide unser Leben nicht in den Griff bekommen.“

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