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Der Milliardär in meinem Bett

1. KAPITEL

Wie viele Menschen war auch Rafe King einer gelegentlichen Wette nicht abgeneigt.

Nur verlieren – das tat er nicht gern.

Wenn er dann doch einmal verlor, war es für ihn jedoch Ehrensache, die Wettschuld auch einzulösen. Deshalb stand er jetzt hier in der Einfahrt, nippte am Kaffee aus einem Pappbecher und wartete darauf, dass die Arbeiter aufkreuzten. Als einer der Eigentümer der Baufirma King Construction hatte Rafe schon seit Jahren nicht mehr auf einer Baustelle gearbeitet. Normalerweise war er für die Organisation zuständig, bestellte Material und sorgte dafür, dass es auch rechtzeitig geliefert wurde. Er besaß die Übersicht über die zahlreichen Projekte der Firma und hatte stets ein Auge darauf, dass auch die angeheuerten Subunternehmer gute Arbeit leisteten.

Doch in den nächsten Wochen würde er selber kräftig mit anpacken müssen. Sich die Hände schmutzig machen. Und das alles wegen einer verlorenen Wette.

Ein Kleinlaster mit Anhänger hielt neben ihm. Rafe warf einen Blick auf den Fahrer. Joe Hanna. Angestellter. Freund. Und der Mann, der ihn zu der Wette überredet hatte, die für ihn so unangenehm ausgegangen war.

Joe stieg aus dem Laster und grinste breit. „Mann, Rafe. Hätte dich ohne deinen Fünftausend-Dollar-Anzug fast nicht erkannt.“

„Sehr witzig.“ In Wirklichkeit trug Rafe gar nicht gern teure Anzüge. So, wie er jetzt gekleidet war, fühlte er sich viel wohler – in verwaschenen Jeans, klobigen Arbeitsschuhen und dem schwarzen T-Shirt mit dem Aufdruck „King Construction“. „Du bist spät dran.“

„Bin ich nicht. Du bist zu früh.“ Joe hielt ihm eine Papiertüte entgegen. „Willst du ’nen Donut?“

„Klar.“ Rafe bediente sich aus der Tüte und verzehrte den Donut mit großem Appetit. „Wo bleiben denn die anderen?“

„Die Arbeit fängt um acht an. Sie haben noch eine halbe Stunde.“

„Wenn sie ein bisschen früher kommen würden, könnten sie schon alles vorbereiten und Punkt acht anfangen.“ Rafe blickte zu dem Bungalow hinüber, der für die nächste Zeit sein Arbeitsplatz sein würde. Vor dem Haus erstreckte sich ein gepflegter Rasen. Der Bungalow ist mindestens fünfzig Jahre alt, dachte er. Er wirkt ein bisschen, als hätte er schon immer hierher gehört, als wäre Long Beach um ihn herumgewachsen.

„Was sollen wir hier überhaupt machen?“

„Die Küche runderneuern“, antwortete Joe. „Fußboden, Spüle, das ganze Drumherum. Das gesamte Rohrleitungssystem muss überprüft werden. Alles veraltet. Und am Schluss kriegt das Ganze einen schönen neuen Anstrich.“

Rafe nickte. „Und die Kollegen haben keine Ahnung, wer ich bin?“

„Null“, bestätigte Joe grinsend. „Wie besprochen. Solange du hier arbeitest, heißt du Rafe Cole. Und bist gerade frisch eingestellt worden.“

Es ist besser so, dachte Rafe. Wenn die Handwerker wüssten, dass ich ihr Arbeitgeber bin, würden sie sich beobachtet fühlen und vor lauter Verunsicherung ihren Job nicht richtig machen. Außerdem kann ich so in Erfahrung bringen, was sie von ihrer Arbeit und der Firma King Construction halten. Es ist wie in dieser Fernsehsendung, wo Chefs undercover in ihrer eigenen Firma arbeiten. Das wird bestimmt interessant.

Trotzdem wurmte es ihn, dass er bei diesem Spiel mitmachen musste. Wichtige Arbeit in seinem richtigen Job blieb dafür liegen. Und das nur wegen einer verlorenen Wette. „Vielleicht hätte ich dich einfach feuern sollen“, sagte er zu Joe. Sicher, das meinte er nicht ernst, aber ein bisschen sauer war er schon.

„Und was hätte das gebracht?“, fragte Joe. „Die Wettschuld hättest du trotzdem einlösen müssen. Ich weiß ja, dass du ein ehrenwerter Kerl bist und nicht kneifst. Hättest dich eben gar nicht erst auf die Wette einlassen sollen. Ich habe dir gleich gesagt, dass die Karre von meiner Sherry das Rennen gewinnt.“

„Das kann ich nicht leugnen“, gab Rafe zu. Alles hatte vor einem Monat auf dem Betriebspicknick von King Construction angefangen. Zu dem Ereignis gehörte auch stets ein Seifenkistenrennen für die Kinder der Firmenangehörigen. Rafe hatte sich über das rosafarbene selbst gebaute Gefährt von Joes Tochter Sherry lustig gemacht und gewettet, dass sie bestimmt nicht gewinnen würde. Doch dann war sie mit weitem Abstand als Erste ins Ziel gekommen. Man sollte Frauen, egal welchen Alters, eben nie unterschätzen.

„Gut, dass du bei dem Picknick nicht weiter in Erscheinung getreten bist und deinen Brüdern das Reden überlassen hast“, merkte Joe an. „Sonst würden dich die Mitarbeiter vielleicht wiedererkennen.“

Rafe hielt sich sowieso lieber im Hintergrund. Öffentliche Auftritte und Public Relations überließ er seinen beiden Brüdern Sean und Lucas. Gemeinsam hatten die drei die Familienfirma King Construction zum größten Bauunternehmen der Westküste gemacht. Sean hatte die Firmenführung inne, Lucas kümmerte sich um Kunden und Belegschaft, und Rafe war für Materialbeschaffung und Versorgung zuständig.

„Ich bin schon ein Glückspilz“, murmelte er vor sich hin, während ein weiterer Laster eintraf. Zwei Männer stiegen aus und kamen auf die beiden zu.

Joe hob grüßend die Hand. „Hallo, Steve und Arturo. Der Typ hier ist Rafe Cole, euer neuer Kollege.“

Steve war hochgewachsen und mochte so um die fünfzig sein. Er trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck einer Rockband. Arturo war kleiner und älter; sein Hemd war voller Farbflecken. Nicht schwer zu erraten, wer von den beiden für die Malerarbeiten zuständig ist, dachte Rafe.

„Können wir loslegen?“, fragte Steve.

„Das will ich doch schwer hoffen“, gab Joe zurück.

Rafe war gespannt auf die Arbeit. Zwar war es schon ein paar Jahre her, dass er selbst auf dem Bau gearbeitet hatte, aber das hieß ja nicht, dass er alles verlernt hatte. Sein Vater Ben King war nicht gerade ein Mustervater gewesen, aber eins hatte er – aus heutiger Sicht – richtig gemacht: Als ihm die Baufirma des King-Familienimperiums unterstand, hatte er dafür gesorgt, dass jeder seiner acht Söhne in den Sommerferien auf dem Bau arbeitete. So hatte er sie gelehrt, dass auch einem King nicht alles in den Schoß fiel.

Damals hatte das den Jungen natürlich überhaupt nicht gepasst, sie hatten sich schikaniert gefühlt. Doch rückblickend musste Rafe eingestehen, dass sie dadurch fürs Leben gelernt hatten. Eins der wenigen guten Dinge, die ihr Vater für sie getan hatte.

„Die Küche ist bereits ausgeräumt“, sagte Joe. „Steve und Arturo, ihr könnt also gleich loslegen. Rafe, du musst den Herd anschließen, den wir für Miss Charles auf die Veranda ausgelagert haben.“

„Wozu das denn?“, fragte Rafe ungläubig. „Kann sie nicht in der Zeit, während wir hier arbeiten, einfach irgendwo essen gehen?“

„Könnte sie schon“, hörte er plötzlich eine weibliche Stimme hinter sich. „Aber leider muss sie auch während der Bauarbeiten backen. Daran führt kein Weg vorbei.“

Rafe wandte sich um und sah die Frau an. Ihr Anblick traf ihn wie ein Keulenschlag. Sie war hochgewachsen, hatte lockiges, schulterlanges rotes Haar und grüne Augen. Ihr Lächeln bezauberte ihn sofort.

Und genau das gefiel ihm gar nicht. Er brauchte keine Frau. Wollte keine Frau. Und schon gar kein spießiges, biederes Hausmütterchen, das gern backte.

Heim und Herd, darauf stand er nicht so.

Was nicht hieß, dass er ihren Anblick nicht doch genoss.

„Guten Morgen, Miss Charles“, sagte Joe. „Hier sind Ihre Leute. Arturo und Steve kennen Sie ja schon von der Vorbesprechung. Und das hier ist Rafe.“

„Schön, Sie kennenzulernen“, sagte sie und lächelte ihn an. Ihre Blicke trafen sich, und ihm wurde ganz heiß. „Eine Bitte an Sie alle: Nennen Sie mich doch Katie. Wir werden ja schließlich eine Menge Zeit miteinander verbringen.“

„Geht in Ordnung“, entgegnete Rafe. „Also – was hat es mit dieser Herd-Geschichte auf sich?“

„Ich backe Kekse“, erklärte sie ihm. „Das ist mein Beruf – mein kleines Unternehmen –, und ich muss meine Bestellungen erledigen, auch während die Küche renoviert wird. Joe hat mir versichert, dass das kein Problem ist.“

„Ja, das geht“, bestätigte Joe. „Nur tagsüber während unserer Arbeitszeit werden Sie nicht backen können. Wenn wir mit den Rohrleitungen beschäftigt sind, ist natürlich alles abgestellt. Abends schließen wir dann wieder alles an. Rafe kümmert sich darum. Nach Feierabend können Sie Kekse backen, bis die Röhre glüht.“

„Wunderbar. Na dann … frohes Schaffen.“

Als sie sich umwandte und ging, musterte Rafe bewundernd ihre Rückseite. Was für ein Po! Es beunruhigte ihn, dass ihm diese Frau so gut gefiel. Nein, er musste sie ganz schnell vergessen. Schließlich war er nur hier, um eine Wettschuld einzulösen.

Trotzdem … eine Nacht mit ihr, das wäre bestimmt nicht das Schlechteste!

Der Krach war kaum auszuhalten.

Das unablässige Hämmern und Dröhnen ging Katie entsetzlich auf die Nerven. Verzweifelt hielt sie sich die Hand an den schmerzenden Kopf.

Ein komisches Gefühl, Fremde im Haus zu haben. Als noch komischer empfand sie es, diese Fremden dafür zu bezahlen, die Küche zu zerstören, in der sie gewissermaßen aufgewachsen war. Aber am Ende würde es sich auszahlen, alles würde schick und modern sein. Wenn sie die nervigen Bauarbeiten überlebte.

Und die raubeinigen Handwerker.

Um sich etwas abzulenken, beschloss Katie, auf die Veranda zu gehen. Dort hatte sie schon alles für das abendliche Backen vorbereitet. Der Gartentisch war mit Folie abgedeckt, Backbleche standen bereit. Und der Herd? Nun ja, angeschlossen war er noch nicht. Aber einer der Handwerker – der gut aussehende, wie sie lächelnd feststellte – arbeitete daran.

„Na, wie läuft’s?“, erkundigte sie sich.

Der Mann schreckte auf, stieß sich am Herd den Kopf und fluchte leise vor sich hin. „Wie es eben so läuft, wenn man einen Steinzeit-Herd an die Gasleitung anschließt.“

„Übertreiben Sie nicht“, ermahnte Katie ihn lächelnd. „Sicher ist er alt, aber auch zuverlässig. Aber wenn es Sie beruhigt – ich kaufe mir einen neuen.“

„Eine gute Entscheidung“, gab Rafe zurück und machte sich wieder an die Arbeit. „Das Ding ist bestimmt schon dreißig Jahre alt.“

„Mindestens“, erwiderte sie und setzte sich auf einen Stuhl. „Meine Großmutter hat ihn bereits vor meiner Geburt gekauft. Und ich bin jetzt siebenundzwanzig.“

Als Rafe hochblickte, hielt sie den Atem an. Was für ein attraktiver Mann! Die reine Verschwendung, dass er als Handwerker arbeitete – er hätte als Model auf das Titelblatt eines Modemagazins gehört! Aber er schien zu wissen, was er tat, und es gab ihr ein gutes Gefühl, ihn in ihrer Nähe zu haben und nicht nur auf einer Zeitschrift bewundern zu müssen.

Schnell verscheuchte sie diesen Gedanken und begann eine belanglose Plauderei.

„Was alt ist, muss noch lange nicht nutzlos sein“, sagte sie lächelnd. „Sicher, der Herd hat schon seine Macken, aber weil ich sie kenne, kann ich damit umgehen.“

„Und trotzdem wollen Sie sich jetzt einen neuen kaufen.“

Bedauernd zuckte sie mit den Schultern. „Neue Küche, neuer Herd. Trotzdem werde ich den alten mit seinen Eigenheiten vermissen. Das machte das Backen irgendwie … interessanter.“

„Na ja, wenn Sie meinen …“ Er blickte drein, als ob ihn das nicht sonderlich interessierte. „Und Sie wollen heute Abend wirklich hier draußen backen?“

Von der Küche aus drang Hacken und Hämmern zu ihnen. Katie seufzte. Die schöne alte Küche, die jetzt zerstört wurde, tat ihr richtig leid. Aber wenn alles fertig war, würde sie endlich ihre moderne Traumküche haben. Versonnen lächelte sie.

„Gibt’s irgendwas Lustiges?“

„Was?“ Sie blickte auf den Mann, der gerade irgendetwas verschraubte. „Nein, nein. Ich habe mir nur gerade bildlich vorgestellt, wie die Küche aussehen wird, wenn Sie mit Ihrer Arbeit fertig sind.“

„Bis dahin gibt’s leider noch jede Menge Lärm und Dreck.“

„Das lässt sich ja nicht vermeiden“, gab sie zurück. „Sicher, ich kann mir etwas Schöneres vorstellen, als auf der Veranda backen zu müssen. Aber was sein muss, muss sein. Und ich gehe mal davon aus, dass Sie gute Arbeit leisten. Ich habe mehrere Firmen unter die Lupe genommen, bevor ich den Auftrag erteilt habe.“

„Und warum haben Sie sich für King Construction entschieden?“

„Das war eine schwere Entscheidung“, erwiderte sie. Schmerzliche Erinnerungen wurden wieder wach.

„Wieso das denn?“, fragte er und klang dabei fast beleidigt. „King Construction hat einen erstklassigen Ruf.“

Katie lächelte. „Schön, dass Sie so gut über Ihren Arbeitgeber reden.“

„Hm, na ja. Die Kings haben mich immer gut behandelt.“ Er blickte sie kurz stirnrunzelnd an und wandte sich dann wieder der Arbeit zu. „Wenn Ihnen die Entscheidung für King so schwergefallen ist – was tun wir dann hier?“

Katie seufzte. Ich darf nicht immer einfach so drauflos plappern, sagte sie sich. Ich hätte die Familie King gar nicht erwähnen sollen. Schließlich arbeiten dieser Rafe und die anderen für sie. Aber jetzt ist es passiert, und er hat mich gefragt – da hat er auch eine Antwort verdient. „Verstehen Sie mich nicht falsch, die Baufirma ist über jeden Zweifel erhaben, sie macht exzellente Arbeit. Ich hatte mich wie gesagt über mehrere Firmen erkundigt, und mit den Kings waren alle zufrieden.“

„Aber?“, hakte er lauernd nach.

Katie erhob sich, und er schätzte, dass sie ungefähr eins fünfundsiebzig sein musste. Damit überragte er sie immer noch um gute zehn Zentimeter.

Erwartungsvoll sah er sie an. Seine durchdringenden blauen Augen gefielen ihr. Und seine Figur war erstklassig. Breite Schultern, schmale Hüften. Ihr erschien es fast wie eine Erlösung, einen durchschnittlichen, hart arbeitenden Handwerker gut zu finden. Von reichen Typen hatte sie die Nase voll.

Ihr wurde klar, dass er noch immer auf eine Antwort wartete. Also lächelte sie ihn freundlich an und sagte: „Es ist – wie soll ich es ausdrücken – etwas Persönliches. Zwischen einem Mitglied der Familie King und mir.“

„Was meinen Sie damit?“, hakte er nach.

„Ach, ist doch egal.“ Sie schüttelte den Kopf und lachte. „Tut mir leid, dass ich überhaupt etwas gesagt habe. Ich habe nur gemeint, dass mir die Entscheidung für die Firma schwergefallen ist, weil ich so einiges über die Männer in der Familie King weiß.“

„Was Sie nicht sagen.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und fragte: „Und was wissen Sie so?“

Sie konnte seinem durchdringenden Blick kaum standhalten. „Sie meinen außer der Tatsache, dass sie zu reich und zu versnobt sind?“

„Versnobt?“

„Ja.“ Katie seufzte. „Hören Sie, das ist mir etwas unangenehm. Ich weiß ja, dass Sie für die Kings arbeiten. Sagen wir einfach, dass ich mit keinem von ihnen mehr etwas persönlich zu tun haben möchte.“

„Das hört sich ja schlimm an.“

Sie musste lachen. Gleichzeitig machten die bösen Erinnerungen ihr zu schaffen. Cordell King hatte sicher keinen Gedanken mehr an sie verschwendet, seit er vor einem halben Jahr Knall auf Fall aus ihrem Leben verschwunden war. Nein, die Kings preschten rücksichtslos durch die Welt, und wer ihnen nicht rechtzeitig aus dem Weg ging, hatte selber schuld. Sie jedenfalls hatte ihre Lektion gelernt und würde ihnen nicht mehr zu nahe kommen.

„Wahrscheinlich bin ich denen völlig egal“, sagte Katie. „Die liegen bestimmt nicht nachts wach und grübeln darüber nach, warum Katie Charles sie nicht ausstehen kann.“

„Wer weiß?“, entgegnete er, wischte sich die Hände ab und sah sie durchdringend an. „Auf jeden Fall haben Sie meine Neugier geweckt. Ich gebe nicht eher Ruhe, bis ich weiß, warum Sie die Kings hassen.“

„Neugier ist nicht immer gut. Manchmal findet man etwas heraus, was man lieber gar nicht gewusst hätte.“

„Immer noch besser, als dumm zu sterben.“

„Das kann man so oder so sehen“, gab Katie zurück. Sie hatte sich wirklich elend gefühlt, als Cordell so plötzlich mit ihr Schluss gemacht hatte. Deshalb hatte sie ihn unbedingt nach dem Grund fragen müssen. Und sich anschließend noch schlechter gefühlt.

Rafe lächelte sie an und beschloss, vorerst nicht weiter nachzubohren. Vorerst. „Die provisorische Gasleitung ist jetzt angeschlossen“, sagte er geschäftsmäßig. „Aber denken Sie daran, tagsüber ist alles abgestellt. Wir geben Ihnen Bescheid, sobald Sie den Herd benutzen können.“

„Okay. Danke.“ Als er an ihr vorbeiging, berührten sich ihre Arme, und ihr war, als ob Funken sprühten. „Ach, übrigens, Rafe …“

„Ja?“

„Was ich über die Familie King gesagt habe, bleibt bitte unter uns, ja? Ich meine, ich hätte gar nicht erst davon anfangen dürfen. Die anderen brauchen es nicht zu wissen. Das gibt nur böses Blut.“

„Von mir erfährt keiner was“, versicherte er ihr. „Aber wie gesagt, Sie haben meine Neugier geweckt. Irgendwann höre ich garantiert noch den Rest von Ihrer Geschichte.“

Katie schüttelte den Kopf. „Das glaube ich kaum. Die Kings sind ein Teil meiner Vergangenheit. Und dabei soll es auch bleiben.“

Nach Ende des ersten Arbeitstages bereute Katie schon ihre Entscheidung, die Küche renovieren zu lassen. All die Fremden in ihrem Haus – und dann noch Lärm verursachende Fremde!

Kopfschüttelnd betrat sie die Küche, die wie ein Schlachtfeld aussah. Die Küche ihrer Großmutter, die noch vor Kurzem so viel Heimeligkeit und Gemütlichkeit ausgestrahlt hatte. Sie seufzte tief.

„Na, tut’s Ihnen schon leid?“

Erschrocken drehte sie sich um. „Ach, Sie sind’s, Rafe. Ich hatte gedacht, Sie wären mit den anderen gegangen.“

Lächelnd verschränkte er die Arme vor der Brust. „Ich wollte lieber sichergehen, dass der Gasanschluss auch wirklich funktioniert.“

„Und? Tut er’s?“

„Tadellos.“

„Danke. Ich weiß Ihren Einsatz sehr zu schätzen.“

Lässig lehnte er sich gegen den Türrahmen, als hätte er alle Zeit der Welt. „Das ist mein Job.“

„Ist mir schon klar, aber ich weiß es trotzdem zu schätzen.“

„Gern geschehen.“ Prüfend sah er sich in der verwüsteten Küche um. „Na, was halten Sie bisher von unserem Werk?“, fragte er lächelnd.

„Wollen Sie die Wahrheit wissen?“ Sie schüttelte sich. „Das ganze Chaos macht mir regelrecht Angst.“

Er musste lachen. „Manche Sachen muss man eben erst zerstören, bevor man sie umso schöner wieder aufbauen kann.“

„Das muss ich mir merken.“ Nachdenklich betrachtete sie die Wand mit den Resten der Rohre, wo vorher die Spüle gestanden hatte. „Schwer vorstellbar, dass aus diesen Ruinen eine neue Küche entstehen soll.“

„Ach, ich habe schon Schlimmeres gesehen.“

„Das beruhigt mich irgendwie trotzdem nicht.“

„Sollte es aber“, versicherte er ihr. Er vergrub die Hände in den Hosentaschen und kam einen Schritt näher. „Ich habe schon Renovierungen miterlebt, die Monate gedauert haben.“

„Sind Sie schon lange in diesem Geschäft?“

„Ziemlich“, antwortete er. „Obwohl dies hier das erste Mal seit drei oder vier Jahren ist, dass ich wieder aktiv mit anpacke. Mit den Händen arbeite.“

Im Haus war es still – angenehm still nach dem unablässigen Lärm des Tages. Ihre Stimmen hallten in der leer geräumten Küche wider, und draußen dämmerte es bereits. Ein merkwürdiges Gefühl der Gemeinsamkeit stellte sich zwischen den beiden ein.

Bewundernd betrachtete sie ihn. Er sah wirklich verflixt gut aus! Es war schon eine ganze Weile her, dass sie sich für einen Mann interessiert hatte. Nach der großen Enttäuschung hatte sie sich erst mal ganz in sich zurückgezogen.

„Wenn Sie so lange nicht mit den Händen gearbeitet haben, was haben Sie denn dann getan?“

„Ach, so dies und das. Aber es tut ganz gut, mal wieder richtig was anpacken zu können.“ Er zwinkerte ihr zu. „Selbst wenn es für die Kings ist.“

So dies und das? Das war eine sehr ausweichende Antwort, aber sie war sich nicht sicher, ob sie nachhaken sollte. Das würde ihm das Recht geben, sie auch nach ihrer Vergangenheit zu fragen. Und sie hatte keine Lust, ihm zu erzählen, wie Cordell King sie erst groß ausgeführt und dann irgendwann einfach hatte fallen lassen.

Trotzdem machte dieser Rafe Cole sie irgendwie neugierig. Als ob er irgendetwas zu verbergen hatte …

„Ich will dann mal los“, sagte er, als die Stille peinlich zu werden drohte. „Sie haben ja auch noch viel zu tun. Kekse backen, meine ich.“

„Stimmt.“ Als sie die Küche verlassen wollte, stieß sie mit ihm zusammen.

Es war erstaunlich. Die zufällige Berührung löste etwas in ihnen aus. Keiner sprach ein Wort – aber das war auch nicht nötig.

Sie spürten es beide. Hitze. Leidenschaft.

Katie war nicht auf der Suche nach einem romantischen Erlebnis gewesen – und schien es jetzt doch gefunden zu haben.

Rafe hob die Hand und war schon im Begriff, zärtlich ihre Wange zu berühren, als er plötzlich innehielt. Stattdessen lächelte er sanft und murmelte: „Das könnte … interessant werden.“

Das war die Untertreibung des Jahrhunderts.

2. KAPITEL

„Das Meeting ist vorbei“, stellte Lucas King fest. „Warum sitzen wir dann noch hier herum?“

„Weil ich euch noch was fragen muss“, antwortete Rafe. Wenn man ihn zusammen mit Sean und Lucas sah, seinen Partnern bei King Construction, erkannte man sofort, dass sie Brüder waren. Alle hatten schwarzes Haar und blaue Augen. Doch ihre unterschiedlichen Gesichtszüge wiesen darauf hin, dass sie alle drei verschiedene Mütter hatten.

Ihr Vater hatte keine der drei Frauen geheiratet. Trotz der verwirrenden Familienverhältnisse hielten die drei fest zusammen. Ben King hatte stets dafür gesorgt, dass all seine Söhne – und das waren insgesamt acht! – in den Sommerferien viel Zeit miteinander verbrachten.

Lucas, der älteste der drei Firmenchefs, sah angespannt auf die Uhr und blickte Rafe ungeduldig an. Sean hingegen war wie so oft damit beschäftigt, eine SMS in sein Handy zu tippen. Er hatte überhaupt nicht zugehört.

Die Brüder trafen sich einmal in der Woche, um übers Geschäft und auch über private Dinge zu reden, die die Familie betrafen. Die Meetings fanden im Wechsel jeweils bei einem der Brüder statt. Heute saßen sie in Lucas’ Haus in Long Beach direkt am Meer.

Das Gebäude war alt und sehr geräumig und besaß nach Lucas’ Meinung „Charakter“. Die anderen hingegen fanden es nur altmodisch und unpraktisch. Rafe lebte ganz anders – er hatte eine Penthousesuite in einem Hotel in Huntington Beach dauerhaft angemietet. So brauchte er sich nicht ums Saubermachen zu kümmern und konnte sich jederzeit etwas beim Zimmerservice bestellen. Sean wiederum lebte in Sunset Beach in einem umgebauten Wasserturm, der sogar einen Fahrstuhl besaß.

So unterschiedlich ihre Geschmäcker in Bezug aufs Wohnen auch waren – alle drei hatten sich für ein Zuhause mit Blick aufs Meer entschieden.

Rafe blickte aus dem Fenster und beobachtete nachdenklich die Surfer, die den Wellen trotzten. Dann fragte er: „Was wissen wir über Katie Charles?“

„Wen?“, fragte Sean.

„Katie Charles“, wiederholte Lucas verärgert. „Hörst du denn kein bisschen zu, Mensch?“

„Wem soll ich zuhören?“ Sean blickte nicht einmal auf. Wie gebannt starrte er auf sein Handy. Ständig mailte und simste er – an Kunden, an Frauen.

„Mir“, erklärte Rafe und entriss ihm das Handy.

„He!“ Fordernd streckte Sean die Hand aus. „Ich muss für nachher noch ein Meeting organisieren.“

„Konzentrier dich lieber erst mal auf das jetzige Meeting“, konterte Rafe.

„Schon gut, schon gut, ich höre ja zu. Aber gib mir mein Handy wieder.“

Rafe warf es ...

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