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Saygın Ersin

Der Meisterkoch

Roman

Aus dem Türkischen von Johannes Neuner

Atlantik

Kapitel 1 Der Hausherr

An diesem Abend wurde im Hause des angesehenen Istanbuler Kaufmanns Hüsnü Bey Zümrützade ein Gast bewirtet, der nicht nur von seiner körperlichen Statur, sondern auch vom Rang her zu den wirklich Großen zählte. Siyavuş Agha, der Waffenmeister des Sultans höchstpersönlich, hatte die Güte besessen, Hüsnü Beys bescheidenes Heim mit seiner Gegenwart zu beehren.

Die Tafel hatte man im prunkvollen Selamlık des Hauses aufgebaut. Sie bestand aus drei großen runden Messingplatten auf Metallfüßen, die als Tische dienten und so auf ein senffarbenes, mit Silberfäden durchwirktes Tuch gestellt worden waren, dass sie sich zwar nicht berührten, aber auch nicht zu weit voneinander entfernt standen. Die Sitzkissen, die um die Tische lagen, waren aus blauem Samt, wie auch die Kissen der breiten Polsterbänke, die drei Wände des Raumes säumten. Das Kerzenlicht von einundzwanzig an der Wand befestigten dreiarmigen Silberleuchtern spielte auf den goldbestickten Seidengewändern der Gäste, brach sich an den Kristallgläsern und schimmerte auf den feinen blau-grünen Verzierungen des Porzellans.

Die Diener des Hauses, die schon vor Wochen mit den Vorbereitungen für diesen Abend begonnen hatten und seit Tagen nichts anderes mehr zu hören bekamen als die Ermahnungen ihres Herrn, erledigten ihre Aufgaben mit einer Eleganz und Geschicklichkeit, wie sie dem Palast würdig gewesen wären. Unter dem wachsamen Blick des Haushofmeisters huschten sie auf leisen Sohlen über den Perserteppich, der den gesamten Fußboden bedeckte, und wenn sie die großen Porzellanschüsseln auf den Messingplatten abstellten, so erzeugten sie dabei keinerlei Geräusch. Jeder von ihnen erfüllte tadellos seine Pflicht. Einer von ihnen, ein junger Bursche mit graublauen Augen, füllte das Glas des Waffenmeisters sogar dermaßen kunstfertig und im richtigen Maße, dass außer dem melodischen Plätschern des Wassers ein anerkennendes »Maschallah« zu hören war, das der Waffenmeister leise von sich gab.

Zu seiner Linken saß mit Schatzmeister Halil Pascha, Mitglied des Diwans, ein weiterer hoher Gast. Man hätte erwarten können, dass ein solcher Mann noch mehr zur Festlichkeit der Tafel beitrug, aber der Pascha war körperlich wie geistig weit davon entfernt, eine solche Rolle zu erfüllen. Sein von der jahrelangen Sorge, den Janitscharen alle drei Monate pünktlich ihren Sold ausbezahlen zu müssen, schwer in Mitleidenschaft gezogenes Herz war inzwischen anfällig für die kleinste Krise. Und das Abendessen war für ihn eine mehr als unangenehme Pflicht. Er schwitzte unaufhörlich und atmete so kurz und flach, als könne er jeden Moment tot umfallen.

Für Halil Pascha war es eine unerträgliche Qual, an einem Festmahl zusammen mit Siyavuş Agha teilzunehmen, selbst wenn ihnen die Speisen des Paradieses serviert worden wären. Der Waffenmeister war ein einflussreicher Mann. Er war einer der vier Adeligen im Serail, die dem Sultan ihre Aufwartung machen durften, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Seine Fürsprache bedeutete Wohlergehen und eine glorreiche Zukunft, doch bislang hatte man weder gesehen noch gehört, dass er jemandem diese Gunst erwiesen hätte, solange er sich nicht selbst einen Vorteil davon versprach.

Schlimmer jedoch waren Siyavuş Aghas berüchtigter Jähzorn und seine Pedanterie. Das Serail hatte jahrhundertelang Sultane, Sultansmütter und Favoritinnen erlebt, die alle nicht leicht zufriedenzustellen gewesen waren, aber niemand von ihnen konnte es mit diesem Mann aufnehmen. Für den Agha musste alles perfekt sein. Das Tuch seines hohen Turbans musste, ob schmutzig oder nicht, jeden Abend abgewickelt, gewaschen und am Morgen durch ein frisches, nach Seife duftendes ersetzt werden. Sein Badewasser war stets genau auf die von ihm gewünschte Temperatur zu erwärmen. Wo er ging oder sich legte, durften anstelle einfacher Kerzen nur duftende Öllampen entzündet werden, sein Schnurrbart war mit Mandelöl zu wichsen, und für die Pflege seiner Haare und seiner Haut waren die besten Seifen und Olivenöle gerade gut genug. Er duldete keine Fehler und bestrafte sie über die Maßen hart. Zuletzt hatte er einen Janitscharenzögling bis zur Bewusstlosigkeit ausprügeln lassen, nur weil dieser seinen Kaftan falsch gefaltet hatte.

Was das Essen anbelangte, so trieb sein empfindlicher Gaumen jedermann zur Verzweiflung. Selbst an den erlesenen Speisen aus den Palastküchen, in denen die besten Köche des Osmanischen Reiches die Löffel schwangen, hatte er stets etwas auszusetzen. Dabei war der Agha alles andere als ein Feinschmecker. Aber weil Zufriedenheit oder Unzufriedenheit ausschließlich von seiner jeweiligen Tagesform abhingen, hatten die Köche es mittlerweile aufgegeben, sich besondere Mühe zu geben; sie bereiteten die Speisen nach eigenem Gutdünken zu und überließen den Rest Allah. Es konnte vorkommen, dass Siyavuş Agha ein völlig missratenes, innen noch rohes Taubenkebap in den Himmel lobte und dem Gesellen, der es zu verantworten hatte, ein Trinkgeld zukommen ließ, während er ein Hünkârbeğendi, gebratenes Lamm auf Auberginenpüree, nach dem sich selbst der Sultan die Finger geleckt hätte, vom Tisch fegte, ohne einen einzigen Bissen davon gekostet zu haben.

Eines jedoch war allgemein bekannt: Der Agha konnte Lauch auf den Tod nicht ausstehen. Seine Abneigung gegen dieses Gemüse war so ausgeprägt, dass es hieß, selbst der Sultan bestelle keine Lauchgerichte mehr, auch wenn er mitunter großen Appetit darauf verspüre, um einem Konflikt mit dem Agha aus dem Weg zu gehen.

Angesichts dieser Umstände hätte Schatzmeister Halil Pascha sich lieber mit einem Bären ins Bett gelegt, als mit dem Waffenmeister an einem Tisch zu sitzen. Dem armen Mann wurde jedes Mal angst und bange, wenn eine Schüssel aufgetragen und ihr Deckel gelüftet wurde, und bei jedem Schatten, der über das Antlitz des Waffenmeisters hinwegzog, ging ihm durch den Kopf: »Was habt Ihr mir da eingebrockt, Zümrützade?« Schließlich befand er sich nur an dieser Tafel, weil der Hausherr Hüsnü Bey Zümrützade ausdrücklich darauf bestanden hatte. Yakup Efendi, einer der vier Gäste am Nebentisch, war Hüsnü Beys Schwager und im Weizenhandel tätig. Der Sommer war trocken gewesen, es hatte eine Missernte gegeben, und um die Preise stabil zu halten, hatte der Diwan die Ausfuhr mehrerer Güter, darunter auch Weizen, verboten. Yakup Efendi, dessen Getreidespeicher aus allen Nähten platzten, der aber ständig klagte, in seiner eigenen Küche sei ihm inzwischen das Mehl ausgegangen, erhoffte sich vom Sultan eine Sonderausfuhrgenehmigung. Der Waffenmeister Siyavuş Agha sollte als Vermittler dafür sorgen, dass der Sultan ein entsprechendes Dekret unterzeichnete, und im Gegenzug eine üppige Gewinnbeteiligung einstreichen.

Da Schatzmeister Halil Pascha als Einziger im Diwan sein Veto gegen die Erteilung der Ausfuhrgenehmigung einlegen konnte, hatte Hüsnü Bey ihn fast genötigt, an diesem Essen teilzunehmen. Seiner zurückhaltenden Natur zum Trotz war Halil Pascha ein fähiger und kompetenter Staatsmann. Besonders in finanziellen Angelegenheiten wusste er sich durchzusetzen. Jedoch war es eine Sache, bei den Sitzungen des Diwans das Wort zu führen, aber eine andere, sich Auge in Auge mit dem Waffenmeister gegen besagte Genehmigung auszusprechen. Deshalb hatte Hüsnü Bey den Pascha eingeladen. Er wusste, dass dieser nur ungern den Zorn des Waffenmeisters auf sich zöge, so begnadet er als Staatsmann auch sein mochte.

Halil Pascha, der ein gläubiger Mann war, hatte sich in sein Schicksal ergeben. Er bedauerte nur, aufgrund seiner inneren Anspannung die vorzüglichen Speisen nicht angemessen würdigen zu können.

Eigentlich legte er keinen Wert auf besonders gutes Essen. Aufgrund seiner gutmütigen Natur, seines Respekts vor den Gottesgaben und seiner einfachen Herkunft war er nicht wählerisch und aß alles, was man ihm vorsetzte, ohne zu murren. Dankbarkeit war das Erste, was er in seinem Leben, das als Pflegekind in einem Herrenhaus auf dem Lande begonnen hatte, gelernt hatte.

Doch heute war alles anders.

Die aufgetischten Speisen schmeckten so vortrefflich, dass der Pascha vielleicht zum ersten Mal die Freuden des Gaumens entdeckte und ihm klar wurde, dass Essen weit mehr vermochte, als bloß zu sättigen.

Der Reigen der Köstlichkeiten begann bereits mit den ersten aufgetragenen Schüsseln. Als auf ein Zeichen des Haushofmeisters hin alle Diener gleichzeitig die Deckel hoben, ließ der sich verbreitende Duft sämtliche Gespräche schlagartig verstummen. Dabei handelte es sich bloß um einen Pilaw mit Matiko-Pfeffer. Dessen Geruch aber war so intensiv und brannte so angenehm in der Nase, dass jeder Gast sich in eine andere Welt versetzt fühlte. Keiner hätte es gewagt, die Löffel mit ihren Griffen aus Ebenholz und Perlmutt in die Hand zu nehmen und sich von dem Essen zu bedienen, wenn der Hausherr nicht in diesem Moment allen einen guten Appetit gewünscht hätte.

Sobald die Gäste den Pilaw auf den Zungen spürten, wurde ihr Genuss noch größer. Wo die Rachen vom Pfeffer brannten, wurden sie vom Reis, der in einem Bett aus Butter eine spielerische Verbindung mit den Gewürzen eingegangen war, sanft gestreichelt.

Nachdem der erste Gang bis auf das letzte Reiskorn verzehrt war, traten auf das Zeichen des Haushofmeisters die Diener an die Tafel und sammelten das Besteck und die leeren Schüsseln ein. Während sie sich rückwärts zur Tür zurückzogen, stellten drei andere Diener je eine heiße Terrine auf die runden Messingplatten, und ein vierter legte jedem Gast, beim Waffenmeister beginnend, einen tiefen Suppenlöffel aus Hirschhorn vor.

Der zweite Gang bestand aus einer Hühnersuppe, die schon beim ersten Bissen den Pilaw bei weitem übertraf.

Wer auch immer diese Suppe zubereitet hatte – seine Hände schienen nach Belieben über den Geschmack einer Speise gebieten zu können. So hatten sie den Eiern offenbar befohlen, ihren Geruch nicht an die Suppe weiterzugeben, sondern nur für Konsistenz und Sättigung zu sorgen, während sie die Zitrone hervorgehoben und damit den kräftigen Geschmack des Huhns neutralisiert hatten. Keiner der Gäste griff nach dem Salz- oder Pfefferstreuer. Es war, als ob sich die Suppe von selbst dem Geschmack jedes Gastes anzupassen wusste.

Obwohl das Mahl bereits mit solchen Hochgenüssen begonnen hatte, steigerte sich das Entzücken der Gäste mit jeder aufgetragenen Speise noch ein wenig mehr.

Beim dritten Gang, einem Grießhalwa, ertappte sich Schatzmeister Halil Pascha dabei, wie er Siyavuş Agha, der sich gerade den letzten Bissen der Süßspeise in den Mund schob, eifersüchtig anstarrte. Er erkannte sich selbst nicht wieder. Es schien ihm, als habe er während seines ganzen, obwohl von ständigen Rivalitäten geprägten Lebens noch niemanden so voller Hass und Missgunst betrachtet. Dabei war er, seit das Halwa auf den Tisch gekommen war – und das erschien ihm sogar noch seltsamer –, eigenartig gelöster Stimmung gewesen. Immer wieder war ihm seine junge Gemahlin in den Sinn gekommen, die er vor sieben Monaten geheiratet hatte und die noch immer unberührt war, und erstmals seit Jahren regte sich wieder etwas in seinen Lenden. Der Waffenmeister hatte davon freilich nichts mitbekommen. Er hatte die Augen geschlossen und kaute seinen letzten Bissen so langsam, als bringe er es nicht übers Herz, ihn hinunterzuschlucken, als müsse er sich jedes Fitzelchen der in Butter gebratenen Süßspeise auf der Zunge zergehen lassen.

Auf das Grießhalwa folgte Rosenwasser, das mit karamellisiertem Zucker zähflüssig gemacht worden war und angenehm im Rachen prickelte. Alle Blicke richteten sich nun auf die neuen Schüsseln, die herangetragen wurden. Da der dritte Gang eine Süßspeise gewesen war, musste der Tradition gemäß als Nächstes entweder Börek oder ein Gemüsegericht folgen. »Was es wohl sein wird?«, überlegte Halil Pascha. Ein Börek mit Käse und Sahne? Eine Milchpastete, ein Quittendolma, gebratene Kürbisse oder Auberginen? Wobei die eigentliche Überraschung sicher für den letzten Gang geplant war. Dieser begnadete Koch hatte seine ganze Meisterschaft gewiss für ein Kebap oder ein anderes Fleischgericht aufgespart.

Als die Diener erschienen, schlossen alle Gäste die Augen in Erwartung des nächsten Duftes, der ihren Nasen schmeicheln würde. Kaum hörte der Schatzmeister das leise Klackern der Porzellandeckel, atmete er tief ein und bemühte sich gar nicht erst, das Lächeln zu verbergen, das sich unwillkürlich auf seine Lippen legte. Dieser Geruch beschwor alte Erinnerungen in ihm herauf und versetzte den fast Siebzigjährigen zurück in seine Kindheit. Er sah sich mit einer Kiepe auf dem Rücken, die fast so groß war wie er selbst, dem Haushofmeister des Herrenhauses, in dem er als Pflegekind lebte, zum Markt folgen. Der Weg war weit, die Last schwer und der Haushofmeister übel gelaunt, aber der kleine Halil war aufgeregt und guter Dinge. Er freute sich, der Enge des Hauses und seiner eintönigen Arbeit für ein paar Stunden entkommen zu sein, und gab sich, beim Markt angekommen, ganz dem bunten Treiben hin. Sie kamen an einem Stand mit büschelweise aufgehäuften Frühlingszwiebeln vorbei, weiter hinten verkaufte ein Mann das reinste Butterschmalz, Karotten und Radieschen erstrahlten in ihrer ganzen Pracht, und hin und wieder trug ein Windstoß den Geruch frischen Dills herbei, während der Haushofmeister die Kiepe auf Halils Rücken mit frischen Lauchstangen befüllen ließ, deren Preis er mühsam heruntergehandelt hatte.

Während der Pascha noch den intensiven Geruch der frischen grünen Blätter in sich aufsog, erwachte er plötzlich aus seinem Tagtraum. Er blinzelte und betete zu Gott, dass er sich den Geruch nur eingebildet hatte.

Mit pochendem Herzen schlug er die Augen weiter auf und blickte vor sich auf die Tafel. Seine schlimmsten Befürchtungen waren eingetreten. Die breite Kupferschale in der Mitte des Tisches war mit einem Lauchragout gefüllt. Weißgrüne Scheiben des Gemüses waren dekorativ um das in der Mitte der Schale aufgehäufte Fleisch drapiert.

»Jetzt hat unser letztes Stündlein geschlagen«, dachte Halil Pascha. »Wehe dir, Zümrützade! Du hast uns alle auf dem Gewissen. Deinen Schwager soll der Teufel holen und dich mit dazu!«

Sein linker Arm fühlte sich kraftlos an und seine Unterlippe schien eingeschlafen zu sein. Voller Bedauern betrachtete er den Lauch. Siyavuş Agha würde ihn als persönliche Beleidigung auffassen und alle, die sich an der Tafel versammelt hatten, dafür zur Rechenschaft ziehen. Dabei liebte der Schatzmeister Lauch über alles. Doch aus dieser Schale würde er keinen Löffel nehmen können. Aber so war es nun einmal, und er vermochte nichts daran zu ändern. Also machte er sich auf den Tobsuchtsanfall des Waffenmeisters gefasst, wie man sich auf den Weltuntergang gefasst macht. Doch der Orkan ließ auf sich warten, und an der Tafel herrschte Totenstille.

Als er es nicht länger aushielt und nach rechts schielte, traute er seinen Augen nicht. Der Waffenmeister griff langsam, eine Basmala nach der anderen rezitierend, nach seinem Löffel. Er schien etwas zu erblicken, was nicht von dieser Welt war. Alle Gäste beobachteten dieses Schauspiel entsetzt, aber am meisten zu bemitleiden war natürlich Hüsnü Bey, der Hausherr. Der arme Mann setzte dazu an, Siyavuş Agha zu warnen, wagte es dann aber doch nicht. Mit seinen hervortretenden Augen sah er aus wie eine frisch gefangene Meeräsche, die den Angelhaken noch im Maul hat.

Siyavuş Agha tauchte unter ungläubigen Blicken seinen Löffel in die Schale und schob ihn sich randvoll in den Mund. Nachdem er geschluckt hatte, trat ein kindliches Lächeln in sein Gesicht. Sein Verstand schien in eine Traumwelt entschwunden zu sein, und der Waffenmeister sah aus, als wäre er dort, wo er sich befand, sehr glücklich.

Wenn Hüsnü Bey in diesem Moment nicht seinen Mund geöffnet und »Wohl bekomm’s« gesagt hätte, dann wäre der Agha vielleicht nie wieder aus seiner Traumwelt zurückgekehrt, der Hausherr hätte weiter ein Leben in ungetrübter Harmonie führen können, der Schatzmeister nicht in Rente zu gehen brauchen, und den anderen Gästen wäre dieses Mahl nicht als jenes Ereignis in Erinnerung geblieben, nach dem sich ihr Leben zum Schlechten gewendet hatte.

Aber Hüsnü Bey hatte diese Worte nun einmal ausgesprochen.

Siyavuş Aghas Lächeln löste sich in Luft auf, und Bosheit, Hass und Berechnung kehrten in seine Augen zurück. Langsam wandte er sich Hüsnü Bey zu und zischte: »Machst du dich etwa über mich lustig?«

Seine Stimme schien sich wie eine Schlinge um den Hals des Hausherrn zu legen. Und tatsächlich traten Hüsnü Beys Augen noch weiter aus ihren Höhlen als zuvor, ganz so, als würde ihm die Kehle zugedrückt. »Aber nein, Exzellenz«, wollte er sagen, doch aus seinem Mund kam nur ein leises Ächzen.

Siyavuş Agha sagte kein Wort, als er jeden an der Tafel eindringlich anschaute. Es brauchte nicht viel Verstand und Lebenserfahrung, um zu verstehen, was seine Blicke bedeuteten: Das, was sie gerade mit angesehen hatten, würde ein Geheimnis bleiben, das sie bis in alle Ewigkeit zu hüten hatten. Darüber waren sich alle im Klaren. Alle außer dem Schatzmeister.

Halil Paschas linker Arm, der schon seit einer Weile seltsam gekribbelt hatte, war inzwischen gänzlich gefühllos geworden, und seine Unterlippe hing schlaff zur Seite. Er konnte weder aufstehen, als Siyavuş Agha von der Tafel aufsprang und davonpolterte, noch als Hüsnü Bey und sein Schwager unter tausend Entschuldigungen hinter dem Agha hereilten, und auch nicht, als die anderen Gäste das Feld räumten. Seine komplette linke Körperhälfte war gelähmt. Er konnte sich nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen. Innerlich begann er zu fluchen. Zuerst belegte er Zümrützade und Siyavuş Agha, die für seinen Zustand verantwortlich waren, mit den schlimmsten Verwünschungen. Dann beschimpfte er alle staatlichen Würdenträger, mit denen er seit seiner Kindheit zu tun gehabt hatte. Zu fluchen, wenn auch lautlos, beruhigte ihn. »Kismet …«, ging es ihm durch den Kopf. Sein unerschütterliches Gottvertrauen, das ihm stets Halt gegeben und dafür gesorgt hatte, dass er sich mit jeder Lebenslage abfand, ließ ihn auch diesmal nicht im Stich. Langsam und unter Mühen streckte er den Arm aus und versenkte seinen Löffel in der mit Lauchragout gefüllten Schale. Dann stopfte er sich so viel von dem leckeren Essen in den halb geöffneten Mund, wie er nur konnte. Ohne sich um das von seinem Kinn tropfende Öl und Gemüse zu kümmern, lächelte er ein schiefes Lächeln und versuchte zu kauen. Der Genuss war unbeschreiblich. Es war, als wäre der Herbst mit all seinen Blättern, seinem Wind und seinem Regen zu einem Geschmack geworden. Schatzmeister Halil Pascha dachte an die Hände, die diese Speise zubereitet hatten, und seinen einzigen Segenswunsch an diesem Abend richtete er an deren Besitzer.

Hätte er gewusst, was es mit diesem Festmahl in Wirklichkeit auf sich hatte, wäre er wohl kaum so voreilig mit seinen guten Wünschen für den Koch gewesen.

 

Während der Pascha sich im oberen Stockwerk an dem Lauch gütlich tat, herrschte unten im Hof so tiefe Stille, dass das Flackern der Fackeln, welche die Diener und der Haushofmeister trugen, wie Lärm erschien.

All seiner Betteleien und schönen Worte zum Trotz hatte Hüsnü Bey es nicht geschafft, Siyavuş Agha zur Umkehr zu bewegen, und er hatte mitansehen müssen, wie der Waffenmeister wutschnaubend durch das Tor gestürmt und verschwunden war. Nach dem Agha hatten auch die übrigen Gäste das Anwesen schnell und lautlos verlassen.

Hüsnü Bey überlegte, auf welche Weise ihn der Waffenmeister nun wohl wegen der paar Lauchstangen in den Ruin treiben würde. Denn Siyavuş Agha war sich für keine Art der Rache zu schade, ob groß oder klein. Er kannte keine Gnade, und es war diese Gnadenlosigkeit, die ihn bis in die höchsten Ämter gebracht hatte.

Erstmals hatte sich der Waffenmeister in jener Nacht hervorgetan, in der der vorherige Sultan den Thron bestiegen hatte. Jeder wusste von den Morden, die er auf Befehl des neuen Herrschers mit einem Strang Nähseide verübt hatte. Er machte ja auch kein Geheimnis daraus. Nach ein paar Gläsern bei einem Festessen kam üblicherweise ein grausames Funkeln in seine Augen, und er begann zu erzählen. Dazu lachte er hämisch.

Seinen Tischgenossen, denen er in allen Einzelheiten schilderte, wie er Frauen und Kinder gemeuchelt hatte, grauste es, aber sie wagten nichts zu sagen, sondern fielen notgedrungen in sein Gelächter mit ein.

Hüsnü Zümrützade hatte daher allen Grund, sich Sorgen zu machen. Siyavuş Agha würde es als persönlichen Affront auffassen, dass man ihm ein Lauchragout vorgesetzt hatte, und sich unter allen Umständen dafür rächen. Hüsnü Bey beschloss, am nächsten Morgen einige mit Geschenken beladene Sklaven ins Serail zu schicken. Gold und Edelsteine hatten schon immer eine besänftigende Wirkung auf den Waffenmeister ausgeübt, und sie würden auch diesmal ihren Zweck nicht verfehlen. Danach würde er sich für einige Zeit ruhig verhalten und warten, bis Gras über die Sache gewachsen wäre. Am meisten befürchtete er, dass er bald geschäftlich mit Siyavuş Agha zu tun haben könnte, denn dann bekäme ihn der Waffenmeister in die Hände und würde ihn mit feinen Nadeln bearbeiten wie ein Graveur.

Er seufzte tief und wandte sich dem Haushofmeister zu, der auf ihn wartete und dabei zitterte wie die Flamme seiner Fackel. Hüsnü Beys gerade noch betrübt niedergeschlagene Augen funkelten jetzt zornig.

»Hol mir den Koch her!«, befahl er.

Der Haushofmeister legte sein Gesicht in Falten, als hätte er diesen Befehl kommen sehen, aber dennoch gehofft, er möge unausgesprochen bleiben. »Sehr wohl, Herr«, sagte er ergeben und verschwand schlurfenden Schrittes im Dunkel des Hofes.

 

Kurz darauf kam er zurück, in ein paar Schritten Abstand gefolgt von einer hochaufgeschossenen, schattenhaften Gestalt. Je näher der Schatten kam, desto deutlicher ließen das Licht der Fackeln seinen Körper und sein Gesicht erkennen. Zwei Schritte von Hüsnü Bey entfernt blieb er stehen und grüßte gelassen.

Hüsnü Bey konnte dem Mann, der da im rötlichen Schein der Fackeln stand, nur kurz ins Gesicht schauen. Selbst im Halbdunkel fühlte er sich von dessen stechenden grünen Augen durchdrungen. Die dunkelblonden Stirnlocken fielen dem jungen Mann unter seinem weißen Baumwollturban mit den gelben Seidenstickereien bis auf die Augenbrauen, während der gezwirbelte Schnurrbart seinem Antlitz anstelle von Härte eine vornehme Würde verlieh. Der junge Mann hatte ein schmales Gesicht und war von schlanker Statur. Er schien eher zu gleiten als zu gehen, sprach wenig und nüchtern und ließ sich niemals aus der Ruhe bringen, selbst wenn es bei der Arbeit hektisch wurde. Hüsnü Bey hatte im Laufe seines Lebens Dutzende von Adeligen kennengelernt. Die meisten hatten die künstliche Vornehmheit von Emporkömmlingen. Sie konnten tun und lassen, was sie wollten, sie wirkte an ihnen wie aufgesetzt. Der junge Mann hier war anders. Er trug die Eleganz nicht nur spazieren, sondern schien untrennbar mit ihr verwachsen.

»Habe ich es dir nicht hundert Mal eingeschärft?«, fuhr Hüsnü Bey ihn an. Die Strenge in seiner Stimme überzeugte nicht einmal ihn selbst, aber er durfte sich jetzt nichts anmerken lassen.

Der Küchenmeister lächelte dünn und warf ihm einen fragenden Blick zu.

Hüsnü Bey wurde laut: »Der Lauch, verdammt noch mal, der Lauch! Habe ich dir nicht gesagt, dass der Waffenmeister keinen Lauch mag?«

Der junge Koch überlegte ein wenig, und sein Lächeln wurde breiter. »Doch, das habt Ihr, Herr.«

Hüsnü Bey fuhr nun wirklich aus der Haut. »Wenn das so ist, warum kochst du dann welchen?«, schrie er so laut, dass der Lufthauch seiner Stimme fast die Fackeln ausgeblasen hätte.

Über den Hof senkte sich angespannte Stille. Der Küchenmeister hatte aufgehört zu lächeln, schaute Hüsnü Bey aber weiterhin unverwandt an. Als der Bey gerade mit seiner Zurechtweisung fortfahren wollte, nahm ihm die ruhige Stimme des Küchenmeisters den Wind aus den Segeln: »Hat er ihm denn nicht geschmeckt?«

Hüsnü Bey stand mit offenem Mund wie erstarrt da. »Hat er ihn nicht gegessen?«, fragte der Küchenmeister weiter. »Hatte er etwas daran auszusetzen?«

Der Bey war sprachlos. Das konnte er schlecht behaupten; es stand ihm ja jetzt noch bildlich vor Augen, wie der Waffenmeister den Löffel zum Mund geführt hatte. »Widersprich mir nicht!«, schrie er verzweifelt. »Ich hatte dir doch gesagt, dass der Agha Lauch geradezu verabscheut. Das weiß ganz Istanbul!«

»Dann hat sich ganz Istanbul eben geirrt. Einschließlich des Aghas selbst«, erwiderte der Küchenmeister.

Hüsnü Bey zitterte am ganzen Leib. Nicht so sehr vor Wut, sondern eher aus Ratlosigkeit. Er war ein angesehener und einflussreicher Mann. Wenn er gewollt hätte, hätte er seinen Koch auf der Stelle totschlagen können, und niemand hätte ihn dafür belangt. Er hätte ihn in die Verbannung schicken und dafür sorgen können, dass er sein Leben lang keinen Fuß mehr in diese Stadt setzte. Wenn er gewollt hätte. Aber gegenüber diesem Mann und seiner Kochkunst war er geradezu willenlos. Das war schon monatelang so, seit dem Tag, an dem dieses grünäugige Scheusal sein Anwesen betreten hatte. Hüsnü Bey hatte diese Machtlosigkeit ihm gegenüber die ganze Zeit verspürt, aber an diesem Abend gestand er sie sich zum ersten Mal ein. Deshalb zitterte er.

Er raffte sich zu einer letzten Demonstration seines Willens auf und zeigte auf das hinter ihm gelegene Tor, als wolle er sagen: »Verschwinde von meinem Grund und Boden!« Doch ein imaginärer Geschmack, der sich plötzlich in seinem Mundraum manifestierte, sorgte dafür, dass ihm die Worte im Halse stecken blieben. Lamm mit Auberginen … Die auf niedrigem Feuer gegarten Eierfrüchte zergingen ihm auf der Zunge, der Duft des mundgerecht geschnittenen Fleisches stieg ihm in die Nase, und die feine Säure des Sumaks kitzelte seinen Gaumen. Er fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen und schluckte. Noch immer quer über den Hof zum Tor zeigend, schaute er die Diener und den Haushofmeister mit ihren Fackeln an. In diesem Moment wurde ihm klar, welch folgenschwere Entscheidung er zu treffen im Begriffe stand. Denn in den Augen der Männer war nicht nur Anspannung zu lesen, sondern auch etwas Bedrohliches. Er fragte sich, nach welchem Gericht sie sich wohl verzehren mochten.

Eines aber stand fest: Seine Hand durfte nicht länger so in der Luft hängen; also riss er sich zusammen und verscheuchte, so schwer es ihm fiel, den imaginären Geschmack aus seinen Gedanken. Er deutete mit dem Finger auf seinen Koch und wies den Haushofmeister an: »Schafft ihn fort und gebt ihm vierzig auf die Fußsohlen!«

Zwei der Fackelträger nahmen den Küchenmeister in ihre Mitte und machten sich mit ihm auf den Weg zum Vorratsraum, der auf der dunklen Seite des Hofes gelegen war. Hüsnü Bey schaute dem jungen Mann hinterher, wie er, von zwei Flammen eingerahmt, in stolzer Haltung von dannen ging. Es hatte den Anschein, als würde er die beiden Diener abführen und nicht umgekehrt. Hüsnü Bey hob den Kopf und schaute hinauf zu seinem Harem. Hinter den vergitterten Fenstern huschten Schatten davon wie aufgescheuchte Küken. Anscheinend nahm auch die Damenwelt regen Anteil am Schicksal des Küchenmeisters.

»Gott, bewahre mir meinen Verstand«, murmelte Hüsnü Bey. Er hatte sich in eine so verzwickte Lage gebracht, dass jeder, dem er davon erzählt hätte, nur ungläubig den Kopf geschüttelt und ihn für verrückt erklärt hätte. Der Kern der Geschichte war, dass sein Koch vom Harem bis zur Dienerschaft alle um den Finger gewickelt hatte. Anfangs hatte Hüsnü Bey die Sache lachend abgetan und selbst dann nicht recht daran glauben wollen, als es ernst zu werden begann. Immer wieder hatte er sich vorgenommen, den Mann davonzujagen, es aber jedes Mal »bis zur nächsten Mahlzeit« hinausgezögert, und jede seiner felsenfesten Entscheidungen war entweder an einem Fleischgericht mit Lattich und frischer Zwiebel oder dem Geruch eines Dolma zerschellt. Alles wäre halb so schlimm gewesen, wenn er wenigstens dem Geheimnis seiner Kochkunst auf die Schliche gekommen wäre, aber auch das war ihm nicht gelungen. Der Küchenmeister ließ weder einen Lehrling noch einen Gesellen für sich arbeiten. Die Männer, die er zu ihm geschickt hatte, damit sie ihm ein wenig über die Schulter schauten, erzählten von nichts anderem als vom Duft der Speisen, als hätten sie alle den Verstand verloren. Auch die Vergangenheit des Kochs war ein einziges Rätsel. Hüsnü Bey hatte alle seine Quellen angezapft, aber er hatte nicht das Geringste über die Identität des jungen Mannes in Erfahrung bringen können. Es war zum Haareraufen. Er sog die kühle Nachtluft ein und seufzte leise. Der Haushofmeister, der meinte, er habe ihn angesprochen, sagte eilig: »Zu Diensten, Herr.« Er hatte wohl ebenfalls seinen Gedanken nachgehangen. Der Bey scheuchte ihn mit einer ärgerlichen Handbewegung davon.

Nachdem der Haushofmeister und die Diener gegangen waren, blieb Hüsnü Bey noch eine Weile allein im Hof. Die Dunkelheit und die Stille taten ihm gut; endlich konnte er wieder etwas klarere Gedanken fassen. Er musste einen Ausweg finden. Fest stand, dass er den Küchenmeister nicht einfach davonjagen konnte. Er wollte sich nicht noch einmal blamieren, indem er eine Entscheidung verkündete, nur um hinterher wieder davon abzurücken. »Das kann nur die Wissenschaft lösen«, ging es ihm durch den Kopf. Er beschloss, einen Gelehrten zu Rate zu ziehen, einen, der über Erfahrung in solchen Dingen verfügte. Wobei die fragliche Person natürlich verschwiegen sein musste. Unter gar keinen Umständen durfte ein Mitglied des Diwans, schon gar nicht der Mufti, Wind davon bekommen. Der Waffenmeister bereitete ihm schon Kopfzerbrechen genug, da wollte er sich nicht auch noch dem allgemeinen Gespött aussetzen.

Beruhigt, eine Lösung gefunden zu haben, ging er in Richtung Harem. Doch dann überlegte er es sich anders und drehte um. Er würde sich besser in den Selamlık zurückziehen, vor dem Schlafengehen noch einen halben Pfeifenkopf stopfen und beim Rauchen darüber nachdenken, welcher Gelehrte ihm am geeignetsten erschien. Bevor er ins Haus ging, blieb er stehen und horchte in Richtung Vorratsraum. Auf jeden Stockhieb, der dem Küchenmeister versetzt wurde, folgte schmerzhaftes Wimmern. Hüsnü Bey lächelte. »Ob vierzig nicht doch zu wenig waren?«, überlegte er. Da fiel ihm jedoch das Mittagessen des folgenden Tages ein. Wenn der Küchenmeister nicht mehr in der Lage wäre, auf seinen Füßen zu stehen, dann könnte er auch nicht mehr kochen. Da der Bey schon vom heutigen Essen kaum einen Bissen hinuntergebracht hatte, wollte er sich wenigstens morgen schadlos halten. In zufriedener Vorfreude stieg er die Treppen empor.

Aber die Dinge verliefen nicht immer so, wie der arme Hüsnü Bey sie sich ausmalte, und dieses Mal verliefen sie ganz und gar anders.

*

Während Hüsnü Bey Zümrützade im Selamlık seine Pfeife rauchte, hatte der junge Küchenmeister bereits die Asche im Herd angeblasen und einen mittelgroßen Topf daraufgestellt, und bereitete nun, gut gelaunt eine lustige Melodie trällernd, ein Grießhalwa zu. Nebenbei lauschte er den beiden Stimmen, die direkt von nebenan aus dem Vorratsraum kamen. Da knallte gerade wieder der Stock. »Nicht so fest, verdammt!«, wimmerte die eine Stimme. »Ich bin doch kein Ungläubiger!«

»Jetzt stell dich nicht so an«, erwiderte die andere Stimme. »Wir sind noch nicht mal bei der Hälfte angekommen.«

»Von wegen, das war Nummer elf.«

»Ich habe dir doch nicht auf den Kopf geschlagen, oder warum kannst du nicht mehr zählen? Es waren erst neun.«

»Mir sind schon die Fußsohlen aufgeplatzt. Hast du denn gar kein Mitleid?«

»Du hast mir zwanzig gegeben. Jetzt bin ich an der Reihe. Außerdem zählt der Meister nebenan mit.«

Womit er absolut recht hatte. Denn während der Küchenmeister rührte, zählte er. Die Stimmen gehörten den beiden Dienern, die ihm seine vierzig Hiebe hätten versetzen sollen. Sie hatten sich die Strafe aufgeteilt zu je zwanzig, und schlugen nun einander die Fußsohlen wund. Ihre Belohnung war das Grießhalwa.

Mit dem Knallen des letzten Stockhiebs zog er den Topf vom Feuer. Halwa in so kurzer Zeit und auf so großer Flamme zuzubereiten, ohne es anbrennen zu lassen, das schaffte nicht jeder Koch, aber für ihn war es ein Kinderspiel. Allein der süße Duft, der die Küche erfüllte, war Beweis genug für seine Perfektion.

Kurze Zeit später war von draußen das Geräusch zweier Paar humpelnder Füße zu hören, und bald darauf wurde an die Tür geklopft. »Herein!«, rief der Küchenmeister mit lauter Stimme. Durch den Türspalt schlüpften die Gestalten der beiden Diener. Der Küchenmeister prüfte mit einem schnellen Blick in den Hof, ob jemand sie womöglich gehört oder gesehen hatte.

Kaum war den beiden Dienern der Geruch des Halwas in die Nasen gestiegen, da hatten sie auch schon ihre schmerzenden Sohlen vergessen. Sie schauten auf den Topf, und in Erwartung ihrer Belohnung lief ihnen das Wasser im Munde zusammen. »Wir sind so weit, Meister«, sagte der eine. »Genau vierzig Schläge.«

Und der andere fügte hinzu: »Nicht mehr und nicht weniger.«

Der Küchenmeister betrachtete die beiden mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid. Sie waren die elendsten Kreaturen dieses elenden Hauses. Dafür, dass sie sich für Hüsnü Bey die Finger schmutzig machten, sah er über ihre Schandtaten hinweg. Sie hatten eine so schlimme Vergangenheit, dass sie zwischen Lust und Schmerz kaum mehr zu unterscheiden wussten. Der Küchenmeister wusste nur zu gut, dass Menschen dieses Schlages eine Schwäche für üppige Süßspeisen hatten.

Der Küchenmeister würde die beiden Nichtsnutze mit ihrer Belohnung allein lassen. Er ging zu den geflochtenen Besteckkörben, die an der Wand hingen, suchte zwei große Löffel heraus, reichte sie ihnen und verließ die Küche. Er konnte nicht mit ansehen, wie sie das gute Halwa in sich hineinschlangen.

Wenn den Dienern, die zur Vorbereitung des Abendessens seit dem frühen Morgen geputzt und geschrubbt hatten, eines entgangen war, dann war es die Kleidung des Küchenmeisters. Auch der Haushofmeister, der für gewöhnlich auf die kleinsten Details achtete, oder der Hausherr selbst waren nicht auf den Gedanken gekommen, sich zu fragen, warum sich der Küchenmeister wohl so herausgeputzt hatte. Dabei war diese Einzelheit, wie so vieles, was man auf den ersten Blick übersieht, von großer Wichtigkeit.

In seiner Kammer neben der Küche hatte der Küchenmeister damit begonnen, sein Bündel zu schnüren. Viel zu packen hatte er nicht. Er trug den neueren seiner beiden Ausgehanzüge, den anderen hatte er ganz unten in seinem Bündel verstaut. Darüber lag seine Arbeitskleidung, die aus je einem Paar weinroter Hemden, Pumphosen und flachen Schuhen bestand. Seine Arbeitswerkzeuge, gerade einmal zwei Messer, ein kleines und ein großes, sowie ein großes Küchenbeil, wickelte er sorgsam in ein Lederetui, das er zu den Schuhen legte. Bevor er die rote Seidenschürze einpackte, die das Abzeichen seines Meistertitels war, stand er auf und zog zwei Bücher unter seiner Matratze hervor. Eines war schwarz, das andere grün eingebunden. Er legte das dickere, grün eingebundene Buch auf die Schürze, während er das schwarze zur Hand nahm. Nachdem er einige Seiten darin überflogen hatte, klappte er es zu, legte es auf das andere Buch, wickelte beide in die Schürze und packte alles in sein Bündel.

Er war so gut wie fertig. Er setzte sich im Schneidersitz auf die Matratze, und nachdem er lange in die Flamme der Öllampe geschaut hatte, die das Zimmer erhellte, schloss er die Augen und flüsterte ein unverständliches Wort in einer unbekannten, vergessenen, vielleicht niemals gesprochenen Sprache. Da erschien ihm im Geiste der Geruch von Apfel und Nelken. Er sog ihn begierig in sich auf.

In all den Nächten, die er in Einsamkeit und Sehnsucht zugebracht hatte, hatte er gelernt, dass ihm, wenn er diesen Geruch nur tief genug einatmete, so tief, dass sich auch alte Erinnerungen wieder einstellten, kurzzeitig eine in der Vergangenheit zurückgelassene, schöne Gestalt vor seinem geistigen Auge erschien. Dieser flüchtige Moment, dem keine längere Dauer beschieden war als dem kleinsten Funken, der von einem Feuerstein geschlagen wird, war für den Küchenmeister der Quell all seiner Lebensfreude, seines Überlebenswillens und seines Kampfgeistes.

So saß er da und wartete. Versuchte äußerlich wie innerlich zur Ruhe zu kommen. Er hatte sich auf den Weg gemacht. Ab morgen würde in seinem Leben, in diesem Haus und dort, wohin er ginge, nichts mehr so sein, wie es gewesen war.

*

Am folgenden Morgen erwachte Hüsnü Zümrützade spät.

Am Abend zuvor hatte er sich zu allem Übel auch noch mit dem Schatzmeister herumschlagen müssen. Die Diener, die den Ärmsten noch immer an der Tafel sitzend vorgefunden hatten, hatten nicht nur Hüsnü Bey, sondern auch den örtlichen Arzt benachrichtigt, der diagnostizierte, dass Halil Pascha in schlimmster Weise gelähmt war. Daraufhin hatten sie ihn hinten auf einen Wagen verfrachtet, ihn nach Hause kutschiert und seinen Ehefrauen überlassen. Und als Hüsnü Bey dann zurückgekehrt war und sein Entspannungspfeifchen rauchte, da hatte er Lust auf Kaffee bekommen, Kaffee und Tabak waren eins geworden und hatten ihm den Geist geklärt, woraufhin er sich noch einen weiteren Pfeifenkopf gestopft und dazu einen weiteren Kaffee getrunken hatte, sodass schließlich an Schlaf gar nicht mehr zu denken gewesen war und er im Harem vorbeigeschaut hatte. Nach Hamam und Waschung war es schließlich weit nach Mitternacht gewesen, als er endlich ins Bett hatte schlüpfen können.

Er holte rasch das versäumte Morgengebet nach und kleidete sich an. Seit er erwacht war, hatte er eine seltsame Geschäftigkeit im Hause bemerkt. Es wunderte ihn allerdings nicht, dass man ihn noch nicht von ihrer Ursache unterrichtet hatte, denn da er morgens meist übellaunig aus dem Bett stieg, wagte es niemand, an seine Tür zu klopfen, solange es nicht brannte und um keine Staatsaffäre ging.

Als Hüsnü Bey in den Hof trat, sah er von weitem die versammelte Hausgemeinschaft vor der Küche stehen, und hinter den vergitterten Fenstern des Harems huschten wieder die Schatten. Nachdem er seinen Frauen und Sklavinnen einen tadelnden Blick zugeworfen hatte, eilte er zum anderen Ende des Hofes. Alle schauten so gebannt auf die Küchentür und die kleine Kammer daneben, dass niemand sein Kommen bemerkte.

»Was ist denn hier los?«, brüllte Hüsnü Bey verärgert, woraufhin die Gemeinschaft zusammenschrak und sich ihm besorgte Blicke zuwendeten. Der Haushofmeister nickte wortlos in Richtung Küchenschlot. Es stieg kein Rauch daraus hervor.

»Sprich gefälligst mit mir!«, brüllte Hüsnü Bey weiter. Doch die Besorgnis in den Gesichtern der Menge hatte längst auch von ihm Besitz ergriffen.

Der Haushofmeister sagte zögernd: »Der Herd hätte längst angefeuert werden müssen. Es ist Stunden her, seit der Gebetsruf verklungen ist. Womöglich ist ihm etwas zugestoßen.«

Dieser Gedanke ließ einige Anwesende leise aufseufzen. »Habt ihr in seine Kammer geschaut?«, fragte Hüsnü Bey. Der Haushofmeister hob verneinend die Augenbrauen und schnalzte mit der Zunge.

Es war eigentlich völlig inakzeptabel, dass ein Angestellter mit seinem Herrn, noch dazu mit dem Oberhaupt des Hauses Zümrützade, auf diese Weise kommunizierte, aber daran verschwendete Hüsnü Bey in der gegebenen Situation keinen Gedanken. Die Geschmäcke und Gerüche aller Speisen, die der Küchenmeister bis zu jenem Tag gekocht hatte, gingen ihm durch den Kopf wie die Verse einer Abschiedsballade.

Einer der Diener, ein für seine Naivität bekannter Milchbart, murmelte: »Gestern Abend wart Ihr zu hart zu ihm. Ihr wolltet ihn ja sogar davonjagen. Das muss er sich wohl zu Herzen genommen haben.« Der Bey wurde zornig, und in Gedanken schlug er dem Jungen schon mit einem Stein den Schädel ein, aber das konnte er natürlich nicht tun. Denn wenn der Junge recht und der Küchenmeister tatsächlich eine solche Wahnsinnstat begangen hatte, dann fiele das definitiv auf ihn zurück. Und Hüsnü Bey wollte nicht als einer der wenigen Zümrützades in die Geschichte eingehen, die von ihrem eigenen Gesinde in Stücke gerissen worden waren.

Dennoch durfte er jetzt nicht einknicken. »Öffne die Tür«, wies er den Haushofmeister an.

Der Haushofmeister trat vor und klopfte, eine Basmala murmelnd, an die Tür. Die Stimmung auf dem Hof war zum Zerreißen gespannt. Der Haushofmeister klopfte ein weiteres Mal und wartete. Augenblicke später, die den Anwesenden wie eine Ewigkeit erschienen, hörte man erst einen Riegel quietschen, dann ging die Tür auf.

Als der Küchenmeister auf der Schwelle erschien, ging eine Woge der Erleichterung durch die Versammlung, angefangen bei Hüsnü Bey. Doch diese Empfindung war nicht von Dauer, denn alle hatten sofort das Bündel in der Hand des Küchenmeisters und seine Ausgehkleidung bemerkt.

Als der Diener mit den beschränkten geistigen Fähigkeiten leise zu weinen begann, riss dem Bey der Geduldsfaden. Er gab dem Jungen eine kräftige Ohrfeige und marschierte geradewegs auf den Küchenmeister zu. Die empörten Blicke, die sich auf ihn richteten, bemerkte er nicht. Einen Schritt vor dem jungen Mann blieb er stehen, und nachdem er ihn von Kopf bis Fuß gemustert hatte, fragte er mit leiser, aber eindringlicher Stimme: »Na?«

Der Küchenmeister antwortete nicht. Er schaute dem Hausherrn nur herausfordernd ins Gesicht. Der Bey erhob seine Stimme: »Wo willst du hin?«

Wieder antwortete der Küchenmeister nicht.

»Jetzt hör mir mal gut zu«, fuhr der Bey fort. »Du bindest dir sofort deine Schürze um, und dann ab an die Arbeit!«

Der Küchenmeister schwieg.

Hüsnü Bey trat noch näher an den jungen Koch heran und brüllte: »Das ist ja wohl die Höhe! Hast du vergessen, wer hier der Herr im Hause ist? Geh mir aus den Augen und zieh dich um! Ab in die Küche! Sofort!«

Diesmal musste der Küchenmeister nicht schweigen. Das Krachen des Haupttors unterbrach den Bey. Er wandte sich an den Haushofmeister: »Sieh nach, wer das ist.«

Der Haushofmeister gab einem der umstehenden Diener mit dem Kopf ein Zeichen. Der wollte den Ort des Geschehens jedoch auch nicht verlassen und leitete den Befehl weiter an einen jüngeren Diener. So ging es immer weiter, vom einen zum anderen, bis es die beiden kleinsten und schmächtigsten Jungen unter sich ausfechten mussten. Da wurde es Hüsnü Bey zu bunt. Er packte den Haushofmeister am Kragen und fuhr ihn an: »Verdammt, jetzt geh zum Tor!«

Der Haushofmeister war ein Mann fortgeschrittenen Alters, der allgemeinen Respekt genoss. Die Empörung der Hausgemeinschaft stieg. Der Bey brüllte weiter, der Küchenmeister stand weiter mit seinem Bündel in der Hand da. »Ich werde dich in der Gosse kriechen lassen!«, drohte Hüsnü Bey. »Du wirst im ganzen Land keine Arbeit, keine Unterkunft und keinen Bissen Brot mehr finden!« Weiter ging es mit der Galeere, dem Kerker und dem Henkerbeil, als der Haushofmeister wieder eintraf. Er war außer Atem. »Herr …«, keuchte er.

Hüsnü Bey hatte ihn nicht gehört, und der Haushofmeister versuchte es noch einmal. »Was gibt’s?« Hüsnü Bey drehte sich um. Sein Gesicht war puterrot angelaufen. Er schwitzte.

»Es ist jemand aus dem Serail«, sagte der Haushofmeister. »Man verlangt nach Euch …«

Als der Bey die Worte »aus dem Serail« vernahm, wurde sein rotes Gesicht plötzlich aschfahl, und seine Unterlippe klappte herunter. »Gott schütze uns«, murmelte er. Und an den Küchenmeister gewandt fügte er hinzu: »Du bewegst dich nicht von der Stelle!«

Der Küchenmeister beobachtete, wie Hüsnü Bey in Begleitung des Haushofmeisters zum Eingangstor eilte. Nachdem er eine Weile gewartet hatte, setzte er sich mit langsamen Schritten ebenfalls in Bewegung. Die versammelte Hausgemeinschaft schloss sich ihm an.

 

Vor dem Tor stand ein Kammerjunker aus dem Enderun mit ehrerbietig gefalteten Händen und wartete, bis Hüsnü Bey das gerade entgegengenommene Schreiben gelesen hätte. An seiner mit Fäden aus purem Gold bestickten Kopfbedeckung und dem gleichfalls golddurchwirkten Kaftan war unschwer zu erkennen, dass er der Inneren Kammer angehörte. Einen Schritt hinter dem Junker standen zwei Gardesoldaten, die mit ihren imposanten Körpern das breite Tor fast völlig verdeckten.

Für einen gebildeten Mann brauchte Hüsnü Bey recht lange, bis er den Brief gelesen hatte. Denn während er einerseits versuchte, dem Zittern seiner Hände Einhalt zu gebieten, las er andererseits jeden Satz zweimal, um auch ja nichts falsch zu verstehen.

Das Schreiben kam von Waffenmeister Siyavuş Agha, und soweit Hüsnü Bey es verstand, besagte es Folgendes: Der Waffenmeister sei bereit, das Geschehen des gestrigen Abends zu vergessen. Außerdem werde er wegen der Genehmigung, um die Hüsnü Beys Schwager ersucht hatte, persönlich mit seiner Majestät dem Sultan Rücksprache halten.

Als Gegenleistung hatte er nur einen einzigen Wunsch: den Küchenmeister.

Hüsnü Bey las den letzten Satz, mit dem der Waffenmeister seine Forderung unmissverständlich vorzubringen wusste, ein weiteres Mal und warf dem Junker einen matten Blick zu. Hunderte von Geschmäcken und Gerüchen zogen an ihm vorüber, als wollten sie seiner Nase, seiner Zunge und seinem Gaumen Lebewohl sagen, und stürzten ihn damit in tiefe Trauer. Er appellierte an seine Vernunft, sagte sich: »Was ist schon ein Koch, wenn einem derartige Wohltaten zuteilwerden!«, doch wurde der Kloß in seinem Hals nur noch ein wenig dicker. Er wusste, worauf er sich gefasst machen musste, wenn er seine Zustimmung verweigerte. Schon das kleinste Zaudern, schon die Andeutung eines Feilschens – von einer Absage ganz zu schweigen – hätten gereicht, Siyavuş Aghas Zorn zu vertausendfachen. Hüsnü Bey dachte an seine Ehefrauen, dann dachte er an seine Kinder. Eine Träne rann ihm über die Wange, als er leise sagte: »In Ordnung. Ich schicke ihn gleich morgen früh.«

Denn zumindest ein letztes Abendessen wollte er sich noch kochen lassen. Aber der Agha war grausam, und sein Befehl war strikt. »Seine Exzellenz will ihn sofort!«, sagte der vor dem Tor stehende Kammerjunker.

Auch über Hüsnü Beys andere Wange rann eine Träne. Er nickte ergeben und schaute sich um. Der Küchenmeister, der bereits mitten auf dem Hof stand, ging wortlos, ohne einen Befehl oder eine Erlaubnis abzuwarten, auf das Tor zu und trat auf die Straße. Während er mit dem Kammerjunker und den Soldaten verschwand, mischte sich in die Totenstille auf dem Hof ein leises, hinter den Gittern des Harems hervordringendes Wispern.

Im Hause Zümrützade würde nichts mehr so sein wie früher.

Kapitel 2 Die größte Küche der Welt

Als der Küchenmeister vor den Gardisten und hinter dem Kammerjunker in Richtung Hippodrom ging, umspielte noch immer ein sanftes Lächeln seine Lippen. Er freute sich, den ersten Schritt getan zu haben. Doch mit dem Wind, der ihm ins Gesicht blies, sobald sie den Platz betraten, verflog auch sein Lächeln. Obwohl es nicht kalt war, fröstelte es ihn.

Er hob den Kopf. Die Hagia Sophia sah überwältigend aus mit ihrer prächtigen Kuppel und ihren Minaretten, und gleich hinter ihr erhob sich der »Turm der Gerechtigkeit« in den Himmel, einer mächtigen weißen Lanze gleich. Der Küchenmeister hörte sein Herz schlagen. Nur wenigen Dingen maß er so viel Bedeutung bei, dass sie ihn aus der Ruhe zu bringen vermochten. Überhaupt konnte ihn nur ein einziges Gefühl wirklich in Erregung versetzen, aber dann klopfte sein Herz nicht, sondern schien im Gegenteil stehen zu bleiben.

Während sie auf die Hagia Sophia zugingen, versuchte er sein pochendes Herz zu beruhigen. Doch als er zu seiner Rechten das »Tor des Sultans« erblickte, begann es nur noch heftiger zu schlagen. Der Küchenmeister atmete tief ein und verlangsamte seinen Schritt, sodass die hinter ihm gehenden Gardesoldaten ebenfalls abbremsen mussten. Der Junker sah sich um und lächelte milde. Vermutlich dachte er, der Küchenmeister sei deshalb aufgeregt, weil er gleich das Serail betreten würde. Unrecht hatte er damit nicht. Doch wenn er geahnt hätte, was der tiefere Grund dafür war, wäre er wohl nicht so ruhig geblieben.

Der Küchenmeister sollte sich später nicht mehr daran erinnern, wie er die Strecke zwischen der Hagia Sophia und dem Tor des Sultans zurückgelegt hatte. Angst, Todesangst geradezu, bemächtigte sich seines Herzens, und sein Körper wurde lahm. Er spürte den Boden unter seinen Füßen nicht mehr. Als er die Janitscharen sah, die zu beiden Seiten des Tores Wache standen, brach ihm der Schweiß aus, und er rang nach Luft. Sein Bündel, so kam es ihm vor, war um Okkas schwerer geworden. Schließlich versagten seine Beine ihm den Dienst, und er blieb stehen. Er glaubte, laut schreien zu müssen, brachte aber keinen Ton hervor. Eine Hand auf die Brust gedrückt, die sich wie ein Blasebalg hob und senkte, stützte er sich mit der anderen auf seinem Knie ab. Einer der beiden Gardisten eilte zu ihm, um ihn aufzurichten. Der Junker gebot dem Soldaten mit einer Geste innezuhalten, beugte sich zum Küchenmeister hinunter und flüsterte: »Geht es Euch gut, Meister?«

 

Der Küchenmeister brachte nicht mehr als ein Röcheln hervor. Er versuchte, sich von den tausend Gedanken und Erinnerungen loszureißen, die ihm mit lautem Dröhnen durch den Kopf schwirrten, und sich des Wortes zu entsinnen, das er letzte Nacht geflüstert hatte. Der Geruch von Apfel und Nelken würde ihm neuen Mut geben. Doch es schien hoffnungslos. Das fürchterliche Dröhnen wurde von Sekunde zu Sekunde stärker und erfüllte bald seinen gesamten Geist.

Gerade als er die Besinnung zu verlieren drohte, erhaschte er einen unendlich schwachen Apfelgeruch, der sich in den hintersten Windungen seines Gehirns versteckt hatte, und klammerte sich daran fest. Da lichteten sich seine Gedanken. »Es geht mir gut«, sagte er mit klarer Stimme. Er richtete sich auf und schaute den Kammerjunker an, als wäre er nicht gerade noch fast in Ohnmacht gefallen. »Beeilen wir uns«, sagte der Junker. »Der Waffenmeister erwartet uns sicherlich schon.«

Sie setzten ihren Weg fort. Der Küchenmeister bemühte sich, den erhaschten Geruch nicht wieder loszulassen, und konnte so das Klopfen seines Herzens und das Zittern seiner Knie unter Kontrolle halten. Sie erreichten das Tor des Sultans. Bevor der Küchenmeister ins Innere des Tores trat, das einer großen Halle glich, holte er tief Luft und hielt den Atem an. Das Geräusch ihrer Schritte wurde von der hohen Kuppel zurückgeworfen und verschmolz mit dem Flüstern der Janitscharen, die unter ihren an der Wand hängenden Krummsäbeln Dienst schoben.

Der Torwächter stand in der Nähe des Eingangs zum Serail und wies zwei Jungen zurecht, doch als er die Schritte hörte, blickte er sich um und befahl den Jungen, gerade zu stehen. Der Kammerjunker salutierte, und sie gingen weiter.

 

Als sie wieder ins Sonnenlicht traten, atmete der Küchenmeister auf, und erleichtert bemerkte er, dass sein Herz schon viel ruhiger schlug. Er schaute sich um. Gut dreihundert Schritte vor ihnen erhob sich das zweite Tor: das von zwei Spitztürmen flankierte »Tor der Begrüßung«. Gerade tauchten ein halbes Dutzend Holzträger daraus auf, die auf dem Rücken riesige Kiepen trugen und in geordneter Reihe auf das Holzlager zuliefen.

Als der Küchenmeister und seine Begleiter beim Hospital ankamen, stieg ihnen der Duft frisch gebackenen Brots in die Nasen. Der Küchenmeister, der genau wusste, wie dieser Geruch sich auf die menschliche Seele auswirkt, sog ihn tief in sich auf. Anders als andere Gerüche ließ dieser einem nämlich nicht das Wasser im Mund zusammenlaufen, er löste keine Gefühle aus, die, wie Appetit oder Begierde, jeden Moment außer Kontrolle geraten konnten. Nicht umsonst sagten die Sufis über den Geruch von Brot, er gleiche dem Geruch des Propheten. Und das Brot machte der ihm zugeschriebenen Heiligkeit alle Ehre, indem es Selbstvertrauen und Ruhe einflößte und allein durch seinen Geruch das Gefühl von Sättigung vermittelte. Jetzt trug es den letzten Rest von Bedrückung hinweg, die der Küchenmeister noch empfunden hatte. Als sie beim Tor der Begrüßung anlangten, hielt sich der junge Koch so kerzengerade wie die zwei Türme, die das von Süleyman dem Prächtigen in Auftrag gegebene Bauwerk flankierten.

Einige Schritte vor dem Tor ließ der Kammerjunker die hinter ihm Gehenden anhalten, trat selbst vor und entbot dem wachhabenden Torwächter seinen Gruß.

»Salem Aleikum, Agha«, grüßte der Torwächter zurück. Dann nickte er in Richtung des Küchenmeisters. »Wer ist das?«

»Ein neuer Koch«, sagte der Kammerjunker. »Ich bringe ihn in die Palastküchen.«

»Wozu?«, feixte der Wächter. »Im Serail gibt es bald mehr Köche als Gardisten.«

Die Worte des Torwächters hatten ihr Ziel nicht verfehlt. Während er belustigt registrierte, wie die Gardesoldaten mit den Zähnen knirschten, ergriff der Kammerjunker rasch das Wort, um ja keine Auseinandersetzung aufkommen zu lassen: »So lautet mein Befehl.«

Offenbar war der Tag bisher ohne Zwischenfälle verlaufen, und der Torwächter langweilte sich. »Liegt eine Bescheinigung des Oberkellermeisters vor?«, fragte er.

Der Junker betete um Geduld. »Es wurde noch keine ausgestellt, Agha. Mir wurde aufgetragen, ihn unverzüglich herzubringen, daher …«, wollte er fortsetzen, aber der Torwächter unterbrach ihn, indem er nach oben auf den goldgeschmückten Torbogen zeigte: »Was Ihr da seht, Agha, ist das Tor zum Serail. Ohne Bescheinigung kommt hier niemand hindurch.«

Er verstummte, als sei damit alles gesagt, und die Gardisten waren schon drauf und dran, ihre Krummsäbel zu zücken, als der Kammerjunker das Zauberwort sprach: »Es ist ein Befehl des Waffenmeisters.«

»Wie bitte?«, fragte der Torwächter verunsichert. »Es ist ein Befehl des Waffenmeisters«, wiederholte der Junker ruhig.

Im Kopf des Wächters begann es zu arbeiten, und er erkannte immerhin, wie außergewöhnlich die Situation war. Einen Koch ins Serail zu bringen, war in der Regel ein Auftrag für einen Herold. Wenn man jedoch einen Kammerjunker in Begleitung zweier Gardisten geschickt hatte, kam der Befehl vielleicht wirklich von weiter oben. Mit bleichem Gesicht rief er ins Tor hinein: »Heda! Lauft sofort los und holt mir den Obertorwächter herbei!«

Während sie auf das Eintreffen des Obertorwächters warteten, blickte der Küchenmeister zu dem majestätischen Bauwerk empor, das sich vor ihm erhob. Durch dieses Tor das Serail zu betreten, bedeutete meist Glück und Hoffnung, es zu verlassen hingegen Trauer und Verhängnis. Viele stolze und angesehene Menschen hatten schon prächtigen Einzug durch das Tor gehalten, während ihre enthaupteten Leiber meist still und leise wieder hinausgeschafft wurden.

Auch das Tor der Begrüßung erinnerte an eine Halle, war aber viel länger. Das Licht am anderen Ende war so weit entfernt, als wolle es dem Eintretenden sein Schicksal verdeutlichen. Im Serail zu leben, das war, vom kleinsten Pagen bis hin zum Sultan, wie ein Marsch durch das Tor der Begrüßung – ein Marsch von ungewissem Ausgang. Man sah zwar das Licht am Ende des Weges, doch solange man auch darauf zuging – man erreichte es nie. Das Leben verging auf diesem mit kleinen Steinen gepflasterten Weg – Augenblick für Augenblick, Stunde für Stunde und Tag für Tag – in der ständigen Angst, ins Dunkel zu stürzen, und verlor sich zuletzt durch natürlichen Tod oder die Hand des Henkers entweder im Nichts oder verwandelte sich bestenfalls in ein paar Zeilen auf den staubigen Blättern der Geschichte. Das Licht am Ende dieses Tores war das trügerischste der Welt. Nichts als Illusion. Aber das machte dem Küchenmeister keine Angst. Denn das Licht, nach dem er strebte, wartete nicht hinter diesem, sondern hinter einem anderen Tor, an einem Ort, den er noch nicht sah und noch nicht kannte. Aber er würde ihn finden. Er würde ihn finden, was es auch kostete, und das Licht würde die tiefe Dunkelheit, die über seine Welt hereingebrochen war, vertreiben.

Der Küchenmeister schaute auf den hellen Ausschnitt am Ende des Tores. Von dort, wo er nun stand, konnte er die Mauern des »Tores der Glückseligkeit«, die den Harem und das Enderun vom Zweiten Hof trennten, nur teilweise sehen. Das, wonach er suchte, lag hinter diesen Mauern verborgen, aber leider durfte außer dem Sultan kein Mann, der nicht zum Enderun gehörte und seine Hoden noch sein Eigen nannte, dorthin vordringen. Doch gab es immer mehr als einen Weg, eine Mauer oder eine Tür zu überwinden …

*

Kurz darauf – der Name des Waffenmeisters hatte ihm offenbar Beine gemacht – kam der Obertorwächter angerannt. Er war so gehetzt, dass er seinen Stab, den er sonst bei jedem Schritt auf den Boden prallen ließ, in die Hand genommen hatte und mit der anderen Hand seine Kappe festhielt, damit sie nicht davonflog. Er keuchte, als er bei ihnen eintraf. Der Kammerjunker verbeugte sich tief und wollte gerade sein Anliegen vorbringen, da kam der Obertorwächter ihm zuvor: »Ihr dürft passieren.« Er zeigte auf das Tor. Siyavuş Aghas Name war offenbar Erklärung genug.

Der Küchenmeister und der Kammerjunker verließen das Tor der Begrüßung ohne die beiden Gardisten, die sich auf ihre Stube zurückgezogen hatten, um sich bis zur Wachablösung von dem Frondienst, der ihnen am frühen Morgen auferlegt worden war, zu erholen.

Sobald sie den Zweiten Hof betraten, brachte der Kammerjunker die Troddeln wieder zum Vorschein, die er außerhalb des Palasts, den Serailregeln entsprechend, in seiner golddurchwirkten Kopfbedeckung versteckt hatte. Der Küchenmeister wandte sich währenddessen intuitiv nach rechts. Wie ein Kind folgte er dem inneren Antrieb, dorthin zu gehen, wo er sich sicher fühlte. Er lief in Richtung Palastküchen, dorthin, wo sein Leben – sein zweites Leben, genauer gesagt – begonnen hatte und vermutlich auch sein Ende finden würde.

Obwohl der Kammerjunker die Aufregung des jungen Kochs durchaus verstehen konnte, ärgerte er sich, dass dieser einfach im Laufschritt davoneilte und ihn völlig ignorierte. Er bemühte sich, ebenfalls schneller zu gehen, aber sein enger Kaftan war dafür denkbar ungeeignet. Außerdem war es nicht gern gesehen, wenn die Troddeln, die von seinen Schläfen herabhingen, beim Laufen auf und ab hüpften.

Also blieb er stehen und rief ihm nach: »Meister!«

Der Küchenmeister hielt inne, wobei sein Blick aber noch immer geradeaus auf den Säulengang gerichtet war, der hinter hohen Bäumen halb versteckt lag. Jenseits des Säulengangs, der sich die ganze rechte Seite des riesigen Hofes entlangzog, befanden sich die Küchen. Sie nahmen mit über zwei Hektar nicht nur die größte Fläche innerhalb der Festungsmauern ein, ihre Beschäftigten bildeten auch die größte Berufsgruppe des Serails.

In den Palastküchen arbeiteten mehr als tausendfünfhundert Köche und Gesellen. Dazu kamen noch die etwa vierhundert Beschäftigten der Halwaküche, der Oberste Einkäufer mit seinen Knechten, der Verwalter des Vorratskellers und seine Schreiber, außerdem Bäcker, Wasserträger, Anheizer, Käser, Heilkräutersammler, Eismacher, Metzger und Hühnerzüchter.

Die Palastküchen produzierten an einem gewöhnlichen Tag je zwei Mahlzeiten für fast viertausend Serailbewohner. Bei besonderen Anlässen wie der Soldzeremonie oder einem Staatsbankett mussten etwa zwanzigtausend Menschen bewirtet werden. Dafür wurden in einem Jahr vierzigtausend Schafe, achtzigtausend Hühner, eine Million Okka Reis und fast zwei Millionen Okka Zucker benötigt.

Deshalb bezeichnete man die Palastküchen auch als »die größte Küche der Welt«.

Als die Schritte des Kammerjunkers, der ihm nachgeeilt war, neben ihm zum Stehen kamen, drehte der Küchenmeister den Kopf und sagte: »Ja, bitte?« Der Kammerjunker, der es gewohnt war, sich gemessen und würdevoll zu bewegen, war außer Atem gekommen. »Es besteht kein Grund zur Eile, Meister«, sagte er. »Der Waffenmeister isst für gewöhnlich spät zu Abend. Es ist noch ausreichend Zeit.«

Der Küchenmeister nickte. »Aber die Küchen sind groß, und es geht dort hektisch zu. Ich muss mich erst zurechtfinden. In meinem Handwerk ist es wichtig, sich heimisch zu fühlen. Ich will mich nicht schon am ersten Tag vor seiner Exzellenz dem Agha blamieren.«

»Alle Achtung«, sagte der Kammerjunker. »So kurz nach der Ankunft, noch ehe Ihr das Messer zur Hand genommen habt, eine solche Arbeitseinstellung an den Tag zu legen – das lobe ich mir! Ihr habt recht, in den Küchen geht es hektisch zu, aber das soll Euch nicht weiter behelligen, Ihr dient allein dem Waffenmeister. Sonst habt Ihr keine weiteren Pflichten. Der Oberküchenmeister und der Küchenverwalter wurden davon in Kenntnis gesetzt. Niemand wird Euch zu irgendwelchen anderen Aufgaben heranziehen.«

Der Küchenmeister neigte leicht das Haupt, um seine Dankbarkeit zu zeigen. »Gott segne seine Exzellenz den Agha mit Gesundheit und Wohlergehen. Doch gestattet mir, da Ihr vom Oberküchenmeister spracht, die Frage: Wie ist sein Name?«

Der Kammerjunker verzog leicht das Gesicht. »Er heißt İsfendiyar und ist ein alter Mann. Ein Meister seines Fachs, aber auch bekannt für seine rüde Art. Ich rate Euch, ihm nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen.«

»Seid unbesorgt«, sagte der Küchenmeister lächelnd.

Sie gingen weiter und betraten die Küchen durch den mittleren, direkt zur Sultansküche führenden Eingang.

Die Palastküchen befanden sich in zwei langgestreckten rechteckigen Gebäuden, die parallel zueinander lagen. Im vorderen, schmaleren Teil waren die Schlafsäle der Knechte und Laufburschen sowie der Schlafsaal der Verzinner untergebracht. Im breiteren, hinteren Teil lagen die Küchen, und getrennt wurden die beiden Gebäude durch einen schmalen Gang, den man den »Küchenweg« nannte.

Der Küchentrakt besaß insgesamt sechs Türen. Ganz links war der Eingang zur Halwaküche. Die Halwaküche, in der sämtliche Süßspeisen und Sorbets des Serails hergestellt, Essiggemüse eingelegt und Arzneien angerührt wurden, war von den anderen Küchenabschnitten sowohl physisch als auch verwaltungstechnisch getrennt. Ihr Leiter, der Oberhalwameister, genoss mindestens ebenso viel Ansehen wie der Oberküchenmeister, auch wenn er in der Rangfolge niedriger stand, und niemand außer ihm selbst durfte seinen Untergebenen Anweisungen erteilen.

Die restlichen fünf Türen führten in den eigentlichen Bienenstock, in die sieben Küchen also, die das Herz der Palastküchen bildeten. Sie waren miteinander verbunden, auch wenn Mauern die einzelnen Abschnitte markierten und so verhinderten, dass sich die Gerüche miteinander vermischten.

Zur Rechten führte der Küchenweg durch eine kleine Bogentür zu einem weiteren Gebäude. Darin befanden sich eine kleine Moschee sowie ein Hamam für die Köche. Daneben lagen die Schlafsäle der Meister, der Vorratskeller, das Öllager und schließlich die Wohnung des Küchenverwalters.

Sie blieben auf dem Küchenweg stehen und schauten sich um. Alles lag so still und verlassen da, wie man es von einer Küche eigentlich nicht erwartet hätte. Ob es aus Furcht war, den Oberküchenmeister zu verärgern, oder aufgrund der höflichen Manieren, die er sich im Serail erworben hatte – jedenfalls wollte der Kammerjunker die Küchen nicht betreten, ehe er nicht jemanden gefunden hatte, der sie begleitete.

Nach langem Warten hörten sie endlich hinter der rechten Tür das Geräusch eines Gehstocks. Hinkende Schritte, die jedoch rasch näher kamen. Im Türrahmen erschien ein kleiner alter Mann. Um sein weißes Gewand war eine grüne Schürze gebunden, und in seinem Gürtel steckte ein großes Messer. Er lauschte mit säuerlicher Miene, schob seine lederne Kopfbedeckung zurecht und schrie dann in einer Lautstärke, die man einem Mann seiner Statur niemals zugetraut hätte: »Los, an die Arbeit! Gleich ist Mittag, und es steht noch kein einziger Kessel auf dem Herd! Los, los!«

Das konnte niemand anderes sein als İsfendiyar, der Oberküchenmeister.

Die Stimme des Alten wurde von den steinernen Wänden des Küchenwegs zurückgeworfen und verhallte. Einen Moment lang blieb alles still, als hätte niemand sein Rufen gehört. Dann aber waren aus dem Vorderbau die ersten hastigen Schritte zu vernehmen, gefolgt von anderen und wieder anderen. Das Getrappel wurde stetig lauter. Das Geräusch unzähliger Füße, die Treppen hinunterliefen und durch Korridore eilten, schwoll zu einem enormen Getöse an, und bald darauf ergoss sich ein Strom von Küchenarbeitern durch die Türen. Der schmale Gang war im Handumdrehen voller Menschen.

K

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