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Der Journalist

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Eines Tages wird der stumme Schrei
so laut sein,
dass auch du daran zugrunde gehen wirst.
(Hansjürgen Wölfinger)

1

Nach den psychisch sehr aufreibenden Tagen bei Dr. Baumgartner in Rosenheim war ich reif für eine Pause. Eine Pause von den Grausamkeiten und der Gewalt an Kindern. Es waren so viele Erlebnisse, von denen ich in meiner Kindheit zum Glück nie erfahren musste. Wie musste es einem Kind oder Jugendlichen ergehen, der diese Grausamkeiten am eigenen Leib erfahren musste. Welche Albträume mussten diese Kinder und Jugendliche erfahren. Auch sie würden sich gerne ausweinen, aber nur bei wem? Sie bekamen auch leider keine Pause.

Diese zerschundenen Seelen werden ihr Leben lang daran denken. Ich hingegen musste mir die schrecklichen Taten nur anhören und bekam dadurch schon Albträume.

Trotzdem, jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, fallen mir diese Szenen immer wieder ein, die mir das Schaudern über den Rücken fließen lassen.

Ich benötigte diese Pause, um die Albträume aus meinem Gehirn herauszuquetschen.

Sina und ich taten also das, was wir unbedingt tun wollten „Urlaub in San Francisco.“

Wir hatten Glück und konnten für den nächsten Tag kurzfristig einen Flug und ein Zimmer im Hotel Drisco in der Pacific Ave buchen. Dieses Hotel war für uns ein komfortabler Ausgangspunkt für alle Sehenswürdigkeiten und Attraktionen, die in der Nähe lagen. Wir nahmen uns einen Mietwagen und fuhren zu einigen der Sehenswürdigkeiten wie Golden Gate Bridge oder Fisherman's Wharf um nur diese zu nennen.

An erster Stelle stand, mit großen Buchstaben, auf unserem virtuellen Zettel „AUSRUHEN“.

Und wir entspannten entweder in unserem Hotelzimmer oder mit Ausflügen zum Strand.

Wir hatten eine wunderschöne Zeit.

Leider ging auch diese Zeit zu Ende und wir flogen wieder zurück.

Mental und physisch, auch in unserer Liebe gestärkt, hatte uns der Alltag wieder. Sina musste ein neues Projekt beginnen und ich konnte meinen gewohnten Schreibtisch wieder in der Redaktion der New York Post einnehmen. Mein Chefredakteur überhäufte mich mit sehr freundlichen Floskeln und knallte mir eine Reportage nach der anderen auf den Tisch. So blieb mir auch hier keine Zeit, über meine privaten Dinge nachzudenken, sondern stürzte mich in meine Arbeit.

Ein halbes Jahr war vergangen. Sina und ich sahen uns während der Woche sehr selten. Unsere einzige Kommunikation war das Telefon. An den Wochenenden hatten wir keine Lust etwas zu unternehmen, sondern trafen uns abwechselnd bei mir oder bei den Borons, um nur zu faulenzen.

Aileen und Eugen machten das, was sie in all den Jahren versäumt hatten, sie reisten. Deshalb hatten wir sehr oft das Haus mit den Tieren für uns alleine.

Wir schliefen sehr lange. Manchmal für unsere Verhältnisse zu lange. Uns störte das nicht.

Es gab aber zwei, für die es oft zu lange war und diese rebellierten entweder mit lautem Miauen oder Knurren. Prince legte sogar seine Pranken auf das Bett um uns zum Aufstehen zu veranlassen.

Dem mussten wir dann umgehend Folge leisten.

Wenn ich doch hin und wieder einmal alleine in meinem Zimmer war, kamen die schrecklichen Gedanken zurück. Sie hatten in der Intensität der Gefühle nicht nachgegeben. Im Gegenteil, sie quälten mich wie am ersten Tag. Durch intensives Umdenken versuchte ich, sie einfach gegen Positives auszutauschen. Ich sagte mir immer und immer wieder, dass die letzten zwei Jahre die Jahre waren, die ich nicht vermissen möchte.

Zwei Jahre voller Zufriedenheit, Geborgenheit, voller Herzlichkeit meiner Freunde und zwei Jahre mit meiner großen Liebe.

Danach ging es mir wieder viel besser.

Sagen wir, fast wieder besser. Rückschläge blieben leider nicht aus.

Es gibt Dinge, an die man sehr oft denkt, und sehr weh tun. Es gibt auch Dinge, die man besser vergessen sollte. Die machen ernsthaft krank.

Zum Glück ließ Sina und meine angespannte Arbeitssituation nach und wir konnten uns endlich wieder fast jeden Tag sehen.

Und es ging wieder los. Die Faulenzerei, das Abschalten von den alltäglichen Problemen und das Vergnügtsein miteinander.

2

Wenn ich zurück an unseren letzten Urlaub denke, macht es mich sehr glücklich. Glücklich deshalb, da ich Sina überraschen konnte.

Am letzten Abend unseres Urlaubs lud ich sie in ein sehr feines romantisches Lokal ein. Ich bat sie sich extra für heute besonders hübsch anzuziehen.

»Was hast du vor? Warum diese feine Kleidung?«

»Es ist einfach eine Überraschung. Ich möchte heute mal ganz vornehm mit dir ausgehen.« Sina war sichtlich nervös, nestelte an meinem Binder und sah mich, einen Schritt zurücktretend, musternd an.

»Siehst elegant aus. Du bist ein wunderschöner Mann.«

»Und du die schönste Frau der Welt.«

Wir lachten, begaben uns zum Taxi, das ich kurze Zeit vorher bestellt hatte, und fuhren zum Waterfront Restaurant, das direkt am Meer liegt.

Eine schick gekleidete Hostess empfing uns mit strahlend weißen Lächeln.

Da die Temperatur noch angenehm lau war, baten wir um einen Platz draußen auf der Veranda.

Mit einem weiteren Lächeln begleitete sie uns an einen der noch freien Tische. Sie zündete die beiden Kerzen, die auf dem Tisch standen, an und verschwand mit einem lächelnden „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.“

Sina sah mich staunend an und flüsterte:

»Frank, was hast du vor? Warum sind wir in so einem teuren Lokal?«

»Ich möchte dich mal so richtig verwöhnen. Das ist alles.«

»Das ist sehr lieb von dir. Ich freue mich sehr darüber. Aber wie hast du einen Platz, in diesem Lokal bekommen?«

»Ich hatte für uns reservieren lassen.«

»Also hattest du alles geplant.«

»Ja.«

»Deshalb wolltest du unbedingt alleine joggen.«

»Das habe ich doch gut gemacht oder?«

»Du bist ein Schlawiner.«

»Das hast du perfekt gemacht. Ich liebe dich dafür und würde dich jetzt gerne küssen, aber das käme hier wohl nicht so gut an.«

»Ja, lieber nicht.«

Sina sah mich lächelnd an und statt eines Kusses, nahm sie meine Hand fest in ihre.

Lange blickten wir uns an, bis der Kellner uns räuspernd unterbrach.

Wir bestellten ein 5-Gänge Menü. Es war so eine Art Degustationsmenü. Zu den jeweiligen Menüs wurden die passenden Getränke serviert.

Es war eine Gaumenfreude die einzelnen Gerichte zu genießen. Der gebratene Thunfisch hatte, nach meinem Geschmack, ein Tick zu lange in der Pfanne gelegen, doch das trübte den positiven Gesamteindruck nur wenig.

Die gebratenen Jakobsmuscheln und das gebratene Rinderfilet waren ein Traum. Weiter eine Riesenauswahl an verschiedenen Käsearten. Zum Schluss gab es ein heißes Strawberry Soufflé. Einfach fantastisch.

Sina und ich sind bestimmt keine Weinkenner, aber ich muss gestehen, dass die Weine, soweit in meiner Erinnerung, Duckhorn Sauvignon Blanc und eine Flasche Cabernet Sauvignon, uns hervorragend geschmeckt haben.

Ich war erstaunt, solch ein Dinner hatte ich nicht erwartet.

Es war ein wunderbares Essen. Wir werden noch lange daran denken.

Sina wird wohl noch besonders lange an diesen Abend denken, denn ich hatte eine weitere Überraschung für sie vorbereitet.

Nach dem tollen Essen gingen wir etwas am Strand spazieren um anschließend wieder zu unserem Tisch zurückzukehren.

In der Zwischenzeit hatten die Kellner den Tisch für meine große Überraschung vorbereitet.

Blumen waren auf dem Tisch verteilt.

Frische Kerzen leuchteten auf dem Tisch.

Im Eiskübel war der Sekt bereitgestellt.

»Frank, was haben die mit unserem Tisch gemacht?«

»Das gehört wohl zum Service dazu, ich weiß es nicht«, antwortete ich gekonnt erstaunt.

»Das ist ein toller Service, so was habe ich noch nie gesehen«, sagte Sina ohne irgendeine weitere Reaktion.

Wir setzten uns an den Tisch und ich begutachtete den geschmückten Tisch.

Sina nahm es so gegeben hin, denn wie sie dachte, war es ja im Service inbegriffen.

»Ist das nicht ein herrlicher Abend? Der Mond und das Meer, die Bedienung«, bemerkte ich und während Sina auf das Meer sah, nickte ich dem Kellner, der etwas abseitsstand, zu.

Langsam kam er zu unserem Tisch, öffnete den Sekt und goss, um zu hohes Aufschäumen zu vermeiden, die Gläser nur etwa halb voll.

Anschließend füllte er unsere Sektflöten drei viertel voll und entfernte sich so dezent, wie er gekommen war.

»Ein toller Abend, um etwas noch viel Tolleres zu tun«, sagte ich und sah Sina verliebt an.

Sie betrachtete mich erstaunt und ich wiederum kramte umständlich in meiner linken Hosentasche.

Mit der rechten Hand hob ich zitternd das Glas.

»Sina, mein Liebling. Ich möchte dich etwas fragen.«

»Ja, gerne. Nur zu.«, antwortete sie nichts ahnend.

Ich stand auf, kniete mich vor ihr nieder, hob das kleine Kästchen aus der Hosentasche in die Höhe und legte es geöffnet feierlich in ihre Hand.

»Sina, willst du meine Frau werden?«

Sie sah mich erstaunt an, stellte ihr Glas auf den Tisch und nahm wie in Trance das Kästchen entgegen.

Ein glitzernder Diamantring in Weißgold gefasst, glänzte ihr entgegen.

Mit weit geöffneten Mund sah sie auf den Ring, dann auf mich, dann wieder auf den Ring. So ging es weitere Male hin und her.

Voller Erwartung wartete ich ungeduldig auf ihr Ja-Wort.

Ein Stein bohrte sich in mein rechtes Knie und es schmerzte fürchterlich.

Mein Gesichtsausdruck musste sie jedoch noch mehr durcheinandergebracht haben, denn sie fing an zu weinen.

Ich beruhigte sie und fragte sie nochmals:

»Sina, willst du meine Frau werden?«

»Oh, entschuldige Liebling, ja natürlich, Ja! Ich bin so überwältigt und sprachlos.«

Ich steckte ihr den Ring an, stand mit schmerzverzerrtem Gesicht auf und hob mein Glas.

Ganz langsam ließ der Schmerz in meinem Knie nach. Ich war froh, mich endlich wieder setzen zu können.

Wir prosteten uns zu, beugten uns über den Tisch und küssten uns.

Sina war so überwältigt, dass sie noch eine lange Zeit Tränen vergoss.

Es war der schönste Abend in meinem Leben. Ich werde ihn nie vergessen.

Am nächsten Tag, es war Freitag der 13., flogen wir zurück nach New York.

Nach dem Start machte das Flugzeug sehr komische Geräusche. Mein Sitz zitterte und rumpelte unter mir. Ich bin kein abergläubischer Mensch aber, es machte mich trotzdem sehr nervös. So hatte es sich beim Hinflug nicht angehört.

»Ist was mit dir? Du siehst sehr blass aus. Geht es dir nicht gut? Hast du Fieber?«

Sina legte ihre Hand auf meine Stirn und prüfte meine Temperatur.

»Du hast eine nasse Stirn. Alles in Ordnung?«

Sie tupfte mir mit der Serviette den Schweiß aus meinem Gesicht.

»Nein, geht schon wieder. Alles in Ordnung. Mir war es nur etwas komisch im Magen.«

»Du solltest was trinken.«

Wie Sina mir empfahl, trank ich etwas Wasser und es ging mir gleich wieder etwas besser. Ich hütete mich, ihr zu sagen, dass ich Schiss hatte.

Bis heute war mir der 13. egal gewesen. Es war nur eine Zahl. Ich hatte mir bisher nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Weshalb denn auch.

Aber jetzt hatte ich, anderes als bisher, ein unangenehmes Gefühl. Unbehagen.

In manchen Hochhäusern fehlt in der Nummerierung die 13. Etage, sodass auf den 12. direkt der 14. Stock folgt. Analog wird auch bei Schiffen das 13. Deck oft in der Nummerierung übersprungen.

Auch bei Hotelzimmern fehlt häufig die Nummer 13. Des Weiteren haben die meisten Fluglinien keine 13. Reihe in ihren Maschinen.

Wieso gibt es denn im Kalender überhaupt noch den 13. Tag. Könnte man doch auslassen oder?

Irgendwie hatte ich mich wieder im Griff. Sina schloss ihre Augen und döste vor sich hin. Ich nahm den Kopfhörer und hörte etwas Musik. Die seichten Rhythmen schläferten mich ein und ich erwachte erst wieder, als ich wieder das fürchterliche Rumpeln unter mir spürte.

»Schatz, wir sind da.«

»Ich habe es gemerkt, war nicht zu überhören. Das hat ganz schön gerumpelt.«

Ich war erleichtert, dass wir trotz aller Geräusche heil in New York landeten.

Wir fuhren mit dem Taxi als erstes in meine Wohnung, um mein Gepäck abzuladen.

Ich zog mich kurz um und wir fuhren spät am Abend mit meinem Wagen zu Sina nach Hause.

Aileen und Eugen saßen im Wohnzimmer und sahen uns verblüfft an.

»Ihr seht sehr glücklich aus. Habt ihr was gefeiert?«, fragte Aileen und lächelte uns zu.

Sina sah mich an, und das war für mich das Startzeichen.

»Aileen, Eugen, ich möchte euch etwas fragen.«

Sie sahen mich lächelnd an und konnten sich schon denken, was jetzt kommt.

»Was kann das wohl sein?«, fragte Eugen und grinste über alle vier Backen.

Ich schnallte das überhaupt nicht, sondern legte mir die richtigen Worte zurecht.

»Aileen, Eugen«, fing ich wieder an.

»Wir ihr wisst, liebe ich eure Tochter Sina über alles und deshalb möchte ich um die Hand eurer Tochter bitten.«

Ich zitterte vor Aufregung am ganzen Körper.

Was werden sie wohl sagen.

Sina stand nun neben mir und fasste meine Hand. Aileen und Eugen saßen da und regten sich nicht.

Mit versteinerter Miene sah mich Eugen an und ich dachte, jetzt ist es aus. Er wird mir nie seine Tochter zur Frau geben.

Beide sahen meinen Gesichtsausdruck und beendeten die quälende Stille. Beide standen strahlend auf und umarmten mich und Sina.

»Wir freuen uns so sehr für euch. Natürlich geben wir dir unser Ja-Wort«, sagte Aileen und küsste mich auf die Wangen. Eugen drückte mich und klopfte mir mit seinen Pranken auf die Schultern.

Ich stand regungslos da und konnte es nicht fassen. Erst nach einer Weile kam das erste Wort stotternd aus mir heraus. »Vielen Dank.«

Das war alles. Ich sagte nur „Vielen Dank“.

Sina erlöste mich aus meiner Regungslosigkeit und nahm mich wieder bei der Hand.

Als ob alles schon geplant gewesen wäre, öffnete Eugen eine Flasche Sekt und füllte die Gläser.

»Auf euch meine Lieben«, sagte er und hob sein Glas. Wir stießen miteinander an, dass die Gläser klirrten.

Sina war überglücklich und ich natürlich auch.

Wir erzählten vom Abend unserer Verlobung und Sina zeigte ihren Ring.

Aileen war hin und her gerissen und weinte.

Ich war so glücklich, dass alles so verlaufen war. Genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Wir tranken noch das eine oder andere Glas und gingen sehr spät zu Bett.

Sina und ich konnten lange nicht einschlafen und unterhielten uns noch sehr lange über die vergangenen Urlaubstage.

Wir schmiedeten Pläne über unsere gemeinsame Zukunft.

Am nächsten Morgen erwarteten uns Aileen und Eugen lächelnd am Frühstückstisch.

»Na, ausgeschlafen?«, fragte Eugen verschmitzt.

»Aufgehört«, antwortete ich schlagfertig, nichts ahnend was er gemeint hatte.

Wir setzten uns an den gedeckten Tisch und Aileen bediente uns mit allerlei Köstlichkeiten.

»Wissen eigentlich eure Freunde von eurer Verlobung?«, fragte sie.

»Nein, wir hatten ihnen vor dem Urlaub nichts verraten.

»Ich denke, wir werden sie heute noch anrufen und vielleicht mit ihnen treffen, oder?«, antwortete Sina und sah mich fragend an.

»Ja, natürlich, klar«, sagte ich nickend.

Wir frühstückten ausgiebig und unterhielten uns über Gott und die Welt.

Eugen machte sich fertig, um in einer Schule die Arbeit der Polizei zu erläutern.

»Was machst du in der Schule?«, fragte ich interessiert.

»Ich gehe in Schulklassen und erkläre den Kids die Arbeitsweise und die Aufstiegschancen im Polizeidienst. Es macht sehr viel Spaß. Wenn dann am Ende der Schulzeit die eine oder der andere in den Dienst der Polizei eintritt, habe ich etwas dazu beigetragen.«

»Das ist doch eine tolle Sache und du hast eine Aufgabe«, sagte ich anerkennend.

Eugen nickte und verabschiedete sich.

»Ich bin froh, dass er wieder eine Aufgabe hat«, sagte Aileen und räumte den Tisch ab.

»Rufst du die Jungs an?«, fragte Sina.

»Heute ist Samstag, dann könnten wir uns doch bei Keegan’s treffen oder was meinst du?«

»Ich weiß nicht. Frage sie doch einfach, ob sie Zeit haben. Vielleicht ist es zu kurzfristig.«

»Ich werde Jeff anrufen. Er ist fast immer zu Hause.«

Mit voller Freude wählte ich dir Nummer unseres Freundes.

»Hallo Jeff mein Freund, wir sind wieder zurück. Wie geht es dir? Ich habe euch ganz schön vermisst, das kannst du mir glauben.«

»Hi alter Kumpel, schön, dass ihr wieder da seid. War ziemlich langweilig ohne euch. Was macht ihr heute?«

»Wir sitzen noch am Frühstückstisch und quatschen. Wir könnten uns doch treffen. Wir haben euch auch was Wichtiges zu sagen. Wann wäre es für dich und die Jungs am besten?«

»Na, heute. Wann denn sonst?«

»Meinst du, es geht so kurzfristig?«

»Na klar. Ich rufe Luther an und er soll es an Rob weitergeben geben. Was meinst du?«

»Das ist doch prima. So machen wir es.«

»Wo wollen wir uns treffen? Wie immer bei Keegan’s, so um halb acht?«

»Ja, das dachten wir auch.«

»Gut, dann rufe ich Luther an. Bis dann.«

Ohne meine Antwort abzuwarten, beendete er das Gespräch.

»Wir treffen uns heute Abend wie üblich bei Keegan’s.«

»Kommen die Jungs auch?«, fragte Sina und ich bejahte dies.

Ich freute mich, endlich wieder meine Freunde zu treffen, sich mit ihnen zu unterhalten und Spaß zu haben. Natürlich war ich schon sehr aufgeregt, ihnen unsere Verlobung bekannt zu geben.

Ich war auf die Gesichter gespannt.

»Bis heute Abend haben wir noch viel Zeit. Was wollen wir unternehmen?«

»Ich würde liebend gerne shoppen gehen. Ma, hast du Lust mitzukommen?«

»Ja gerne.«

»Das heißt, es ist eine beschlossene Sache zwischen euch beiden Frauen.«

»Genau mein Schatz.«

»Also gut. Dann schließe ich mich euch an«, sagte ich lachend.

»Ich muss doch für heute Abend schön aussehen oder?«

»Dazu benötigst du keine neuen Kleider.«

»Jetzt schmeichelst du aber ganz schön.«

»Es ist aber wirklich so. Du bist für mich die schönste Frau der Welt. Entschuldige Aileen.« Aileen winkte ab und lachte vergnügt.

Wir machten uns für die Shoppingtour fertig und fuhren in die E Park Avenue zur Ladies Boutique.

Es war keine weite Fahrt. Sina und Aileen waren richtig aufgekratzt.

Sie flüsterten und kicherten die ganze Zeit.

Endlich angekommen, stiegen sie aus und liefen, ohne sich nach mir umzuschauen, in die gegenüberliegende Boutique.

Sie stöberten in den Kleiderständern und Accessoires.

Ich versuchte, interessiert dreinzuschauen, aber es gelang mir nicht sehr überzeugend.

»Ich glaube, Frank ist es langweilig«, bemerkte Sina, während sie ein weiteres Kleid aus dem Ständer nahm.

Ich lächelte süßsauer und versuchte nicht ganz so unbeteiligt auszusehen.

Nach etlichen vergeblichen Versuchen das richtige Outfit zu finden, begaben wir uns zur nächsten Boutique in die West Beech Street zu Rose & Eye.

Aileen und Sina schlenderten sehr routiniert zwischen den Regalen umher, begutachteten dieses und jenes, um letztendlich einige Kleider und Hosen auszuwählen und anzuprobieren.

Sina entschied sich für eine Hose mit Jacke in einem Schurwoll-Mix in grau-melange. Die Bluse war aus Seide und in gleicher Farbe. Das erklärte sie mir, denn ich habe keine Ahnung, was Kleidung und Farben betrifft. Für mich ist eine Hose eine Hose und eine Jeans eine Jeans. Wenn ich mir etwas zum Anziehen kaufe, dann gehe ich in den Laden kaufe und gehe. Das dauert etwa 10 Minuten.

Endlich, nach etwa drei endlosen Stunden war der Einkaufsbummel beendet und ich atmete auf.

Wir beschlossen, uns etwas zu stärken, und gingen in ein nächstgelegenes Café. Wir bestellten Kaffee und Kuchen. Für die Damen war es ein gelungener Tag und für mich eher, Dabeisein ist alles.

Nichtsdestotrotz freute ich mich schon auf den Abend.

Gegen Abend bereiteten Sina und ich uns auf das Treffen mit unseren Freunden vor. Wir zogen uns bequem an und fuhren mit dem Taxi zu Keegan’s Bar.

Wir waren schon lange nicht mehr in unserem Stammlokal gewesen. Umso mehr freuten wir uns, wieder einmal hier zu sein. Wohlbekannter Geruch quoll uns wie ein langsam kriechendes Reptil entgegen. Um uns etwas zu orientieren, blieben wir für kurze Zeit am Eingang stehen. Meinen Blick richtete ich suchend zur Bar und dort standen sie auch schon, unsere Freunde.

Meine Freude war überschwänglich. Ich grinste über alle vier Backen.

»Dort sind sie, an der Bar.«

Ich nahm Sina an die Hand und wir liefen schnurstracks dort hin.

Jeff entdeckte uns und steuerte freudenstrahlend auf uns zu.

»Hallo ihr zwei. Schön euch mal wieder zu sehen.«

Er nahm uns in die Arme und herzte uns innig.

Dies bemerkten alle anderen Freunde und kamen ebenso strahlend auf uns zu. Es war ein Gedrücke und Geknutsche also ob wir uns nach Jahren zum ersten Mal wiedersehen würden.

Rob, der introvertierter Typ, konnte nie so richtig aus sich herausgehen. Ab und zu ließ er sich doch von den anderen anstecken, scherzte und lachte mit. Heute war so ein Tag. Er herzte und drückte er uns ebenso innig.

»Kommt, setzen wir uns an einen Tisch«, sagte Luther und steuerte auf einen der freien Tische zu.

»Mann ist das schön, euch wieder zu sehen. Sina und ich hatten so viel zu tun, dass es leider nur bei unseren kurzen Telefonaten geblieben ist. Egal, nun sind wir wieder zusammen und das zählt.«

Vor lauter Überfreude übersah ich eine hübsche blonde Person, die sich mit uns an den Tisch setzte. Ich muss sie sehr aufdringlich angesehen haben, was Jeff bemerkte.

»Entschuldigt bitte. Darf ich euch meine Freundin Sahra Cornwell vorstellen. Sahra, das sind unsere Freunde Sina und Frank. Ich hatte dir von ihnen erzählt.«

Sahra nickte und wir begrüßten uns herzlich.

»Hallo. Ich freue mich, euch kennenzulernen. Jeff hat schon viel über euch erzählt.«

Ich sah Jeffs Freundin sehr intensiv an. Vielleicht etwas zu intensiv.

»Ist was?«, fragte Jeff.

»Ich kenne dich«, sagte ich in Richtung Sahra.

»Du bist die Polizistin, die ich an einem Straßenrand getroffen hatte.«

Mehr wollte ich im Moment nicht sagen.

Sahra schaute mich sehr lange angestrengt an.

»Ja richtig, du bist doch der, der mich am Straßenrand in Brooklyn vor meiner größten Dummheit gerettet hatte. Mann, war das ein Erlebnis. Ich freue mich, dich hier zu sehen. Lange hatte ich an dich gedacht.«

Sahra stand auf und drückte mich ganz fest an ihren Busen und küsste mich auf die Wangen.

»Entschuldigt, aber das musste sein. Er ist mein Retter und Retter muss man einfach herzlichst drücken.«

»Ihr kennt euch?«, fragte Jeff erstaunt.

»Ich hatte euch hier an dieser Stelle, von der wunderbaren Begegnung der besonderen Art erzählt. Das ist sie, Sahra, die Polizistin.«

»Das sind Zufälle, die gibt es doch gar nicht«, sagte Luther.

»Darauf müssen wir trinken. Was wollt ihr?«, fragte Jeff und stand dabei auf, als ob er zum finalen Sprung bereit wäre und rief gleichzeitig dem Kellner.

Sina sah unschlüssig zu Jeff und dann zu mir.

»Du musst unbedingt den Hemingway Daiquiri probieren«, bemerkte Sahra.

»Was ist denn das?«

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