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Der Inquisitor

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Titel
  4. Impressum
  5. 1. Kapitel
  6. 2. Kapitel
  7. 3. Kapitel
  8. 4. Kapitel
  9. 5. Kapitel
  10. 6. Kapitel
  11. 7. Kapitel
  12. 8. Kapitel
  13. 9. Kapitel
  14. 10. Kapitel
  15. 11. Kapitel
  16. 12. Kapitel
  17. 13. Kapitel
  18. 14. Kapitel
  19. 15. Kapitel
  20. 16. Kapitel

1. KAPITEL

Er hatte drei Tage gebraucht für den Weg von Lübeck bis Buchenfeld – zwei weniger, als er veranschlagt hatte, denn recht häufig war er von freundlichen Menschen mitgenommen worden; von Fall zu Fall auf einem Fuhrwerk oder auf der gepolsterten Bank einer Kutsche – einmal sogar auf einem Ochsen, der die Gestalt in der Kutte misstrauisch aus seinen dunklen Augen gemustert hatte. Tobias mochte keine gehörnten Wesen, und dass er ein gebildeter Mann war und sich zeit seines Lebens einzureden versucht hatte, diese Aversion sei nichts als Aberglaube, hatte an dieser Abneigung nichts geändert. Ganz im Gegenteil wurde sie schlimmer, je älter er wurde. Manchmal ertappte er sich dabei, ganz instinktiv im Schritt zu verharren, wenn er nur eine Ziege sah oder eine harmlose Kuh.

Aber der Ochse hatte ihn weder abgeworfen, um ihn zu Tode zu trampeln, noch ihn mit seinen langen gebogenen Hörnern aufgespießt, stattdessen war Tobias wieder ein Stück des Weges auf recht bequeme Art und Weise vorangekommen.

Überhaupt konnte sich Pater Tobias nicht über sein Schicksal beklagen, seit er das Dominikanerkloster in Lübeck verlassen hatte.

Er hatte die Heerstraße genommen, so war er vielen Menschen begegnet und nicht in die Verlegenheit gekommen, auch nur eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Nur ein einziges Mal war er von schlechtem Wetter überrascht worden, und selbst da hatte er bei einfachen, aber freundlichen Leuten Unterschlupf gefunden, noch ehe der strömende Regen seine Kutte ganz durchnässen konnte.

Zum Glück war er auch von Räubern und Ketzern verschont geblieben. Zugegeben, er hatte ein wenig nachgeholfen, indem er bestimmte Orte nicht aufsuchte und manchmal den einen oder anderen Blick nicht registrierte oder beim Anblick einer zerlumpten Gestalt ein wenig rascher voranschritt. Der geheime Fluch seiner Kutte, deren Anblick die Menschen meistens dazu brachte, sich an all ihren Schmerz und alle erlittene Unbill zu erinnern, war zumindest auf dieser Reise an ihm vorübergegangen. Einmal hatte er eine Teufelsaustreibung ausgeführt, aber der Besessene war kein schwerer Fall gewesen: ein neugeborener Knabe, dessen Seele nur vorbeugenden Schutzes bedurfte, niemand, der wirklich vom Teufel besessen war.

Nur ein einziges Mal hatte er Angst verspürt – als er nicht der Straße folgte, sondern einen Pfad durch den Eichenwald nahm. Tobias hatte eine Menge über diesen Wald gehört, der ein Stück südlich von Lüneburg begann. Dämonen sollten darin wohnen und Teufel, Hexen ihr Unwesen treiben und Irrlichter den unvorsichtigen Wanderer des Nachts im Kreis führen, bis er vor Erschöpfung zusammenbrach. Er glaubte wenig von alledem. So hatte er dann, nachdem er das geschäftige Lüneburg hinter sich gelassen hatte, einen letzten Blick auf seinen Schatten geworfen und war aus purer Neugier geradewegs in den Wald hineinmarschiert.

Nicht lange darauf hatte er diesen Entschluss bereits bitter bereut. Pater Tobias glaubte nicht an Dämonen und Teufel – nicht in der Art, in der es das einfache Volk tat. Aber in diesem Wald hatte er sie kennen gelernt. Unter den Kronen der uralten Eichen – einige davon mochten älter sein als die Stadt, aus deren Mauern er vor drei Tagen losgewandert war – wurde es niemals richtig Tag, sodass es nur wenig Unterholz gab: einige Farne, bleiches Moos und Pilze, die sein kundiges Auge fast allesamt als giftig erkannte. Wie er gehofft hatte, kam er im Inneren des Waldes rascher und bequemer voran als auf der Straße. Die Bresche, die Menschenhand in den Forst geschlagen hatte, hatte auch der lebensspendenden Kraft der Sonne den Weg geebnet, sodass Unkraut und Dornen rechts und links des Weges wucherten und nur zu oft grüne Ranken wie Fallstricke in die Spur hineinragten, was ihn zwang, fast ununterbrochen mit gesenktem Haupt zu marschieren, um nicht zu stolpern. Außerdem brannte im dichten Wald die Sonne hier nicht so unerbittlich vom Himmel.

Und trotzdem …

Zuerst war es nur ein Gefühl, ein schwer zu greifendes Unbehagen, wie die Berührung einer fremden Hand, die unangenehm war, ohne dass man sagen konnte, warum. Es war kühl im Wald. Die ewige Dämmerung und die tiefe Stille, die Stämme der uralten Eichen, manche so mächtig, dass drei Männer sie mit ausgestreckten Armen nicht hätten umfassen können, und ihre mächtigen Kronen, die sich über seinem Kopf zu einem Dach vereinigten – alles ließ ihn spüren, wie schön und zugleich rätselhaft Gottes Schöpfung war.

Aus einem Grund, den er nicht benennen konnte, erinnerte ihn diese stille, große Welt an eine Kathedrale, und aus einem Grund, den er noch viel weniger verstand, machte sie ihm Angst. Dies war kein andächtiger Ort. Kein Platz des Gebets, sondern ein Reich ewiger Kälte und Finsternis, in dem giftige Pilze wuchsen und wo sich giftiges Getier herumtrieb, Schlangen, vielleicht Spinnen oder andere, namenlose Dinge. Dinge mit Hörnern.

Und bei Gott – es musste Dämonen an einem solchen Ort geben.

Erst später, nach Stunden, als er schweißgebadet und zitternd (wie er sich einredete, vor Kälte, in Wahrheit aber vor Angst) wieder aus dem Wald heraustrat und die Sonne langsam hinter den Horizont sank, hatte er begriffen, dass er ihnen begegnet war in der schweigenden Unendlichkeit des Eichenwaldes. Sie waren überall. Sie flüsterten im Rauschen der Blätter über seinem Kopf, ihre Stimmen kicherten im Knistern seiner Schritte auf dem Boden, sie zerrten an seinen Gedanken und begannen ihm Dinge vorzugaukeln, die nicht existierten. O ja, er hatte verstanden, warum die Menschen diesen Wald fürchteten. Er hatte begonnen, ihn selbst zu fürchten, und diese Furcht war in eine wilde, panische Angst umgeschlagen, als er den Hexenkreis fand.

Es war nicht der erste seiner Art, den Pater Tobias sah. Es war nicht einmal der größte. Aber etwas an ihm war … unheimlich. Anders als an allen anderen, die er je zu Gesicht bekommen – und oft genug zerstört hatte.

Er war seit gut zwei Stunden unterwegs, und sein Unbehagen war längst zu nagender Furcht geworden, die selbst die Gebete, die er unentwegt vor sich hinmurmelte, nicht mehr völlig im Zaum zu halten vermochten. Zu dem Schaudern, das ihm das Zwielicht und die Kälte bereiteten, war die ganz und gar weltliche Angst gekommen, sich zu verirren, denn der Wald wurde immer dichter, sodass er nur zu oft die Sonne nicht mehr sehen konnte und somit keine Möglichkeit hatte zu sagen, ob er sich noch auf dem richtigen Weg befand. So war es nur natürlich, dass er seine Schritte beschleunigt hatte, als er endlich einen Flecken helleren Grüns in der dunklen Smaragdfarbe des Blätterhimmels weit vor sich gewahrte.

Es war nicht der Waldrand, wie er halbwegs hoffte, wohl aber eine Lichtung. Schon lange bevor er sie erreichte, spürte er den Hauch lauer Luft. Sein Herz machte einen Sprung vor Freude. Er schritt noch schneller aus, rannte fast – und blieb erschrocken stehen.

Die Lichtung wurde von einer nahezu undurchdringlichen Mauer aus Büschen, wucherndem Kraut und blassen Wildblumen gesäumt, die sich an den Rand des kleinen Fleckens sonnenbeschienener Erde drängten wie durstige Tiere an einen Teich. Aber dieser Wall war nicht besonders hoch; gerade, dass er Tobias bis zur Hüfte reichte, sodass er bequem darüber hinwegsehen konnte. Und dahinter lag kein grüner Waldboden, sondern totes Erdreich, eine schwarze, übel riechende Krume, die zu hässlichen Gebilden verklumpt war; ein Bild, das Pater Tobias an geronnenes Blut denken ließ. Das einzige Leben, das sich auf diesem sicherlich fünfzig Schritte messenden Kreis schwarzer Erde zeigte, war das bleiche Weiß von Pilzen, die in drei ineinander liegenden immer kleiner und gleichzeitig auch dichter werdenden Ringen darauf wuchsen. Es gab alle Arten von Pilzen, und darunter nicht wenige, die Pater Tobias noch nie zuvor im Leben zu Gesicht bekommen hatte. Doch die, die er kannte – und wahrscheinlich auch die, die er nicht kannte – waren allesamt giftig. Im Zentrum dieses furchtbaren Gebildes befand sich ein Kreis aus Erde, die überhaupt keine Farbe mehr zu haben schien.

Tobias’ Hände begannen zu zittern, obwohl er sie so fest zum Gebet gefaltet hatte, dass es schon fast wehtat, und sein Herz schlug schnell und hart. Er spürte plötzlich die Wärme des Sonnenlichtes auf seinem Gesicht, das durch das Loch im Dach des Waldes hoch über seinem Kopf strömte, fühlte den warmen Wind, der durch sein Haar fuhr und es zerzauste, und er roch den Duft der Wildblumen und Kräuter, die vor ihm wuchsen, aber gleichzeitig war es ihm, als streife ein Hauch tödlicher Kälte seine Seele. Dieser Ort war … böse.

Tobias’ Lippen bewegten sich in einem lautlosen Gebet, aber nicht einmal die vertrauten lateinischen Worte vermochten ihm jetzt Trost zu spenden. Er wich einen Schritt zurück, spürte, wie er damit wieder tiefer in das Reich der Dämmerung und Furcht eindrang, und blieb abermals stehen. Er fühlte sich gefangen, hilflos den Mächten ausgeliefert, die im Herzen dieses fürchterlichen Ortes wohnten und auf den leichtsinnigen Wanderer warteten, der des Weges kommen mochte, und plötzlich hatte er Angst, Angst, wie er sie nur ein einziges Mal zuvor im Leben verspürt hatte. Und er begriff, dass er an einen wirklich verfluchten Ort geraten war, ein Fleckchen Erde, auf das der Schatten der Hölle gefallen war, um es zu vergiften.

Pater Tobias war kein abergläubischer Mann. Zu all seinen menschlichen Fehlern und Schwächen – und es waren derer nicht wenige! – gehörte der Aberglaube nicht. Ganz im Gegenteil war er zeit seines Lebens stolz darauf gewesen, ein gebildeter Mann zu sein, dem Geschichten von Hexen, die des Nachts auf ihren Besen ritten und mit den Teufeln buhlten, stets nur ein mitleidiges Lächeln entlocken konnten. Solcherlei Geschichten mochten den Glauben schwanken machen und damit dem wirklichen Bösen den Weg ebnen. Aber nicht an Dämonen und Hexenwerk zu glauben bedeutet nicht, die Existenz des Teufels zu leugnen. O nein. Luzifer wandelte unter den Menschen, und er war klug und verschlagen und wusste sich in der Gestalt von Dingen zu verbergen, die harmlos aussahen.

Dieser Ort aber war alles andere als harmlos. Sein Anblick erweckte Abscheu und Ekel in Tobias. Von dem Kreis verklumpter schwarzer Erde ging eine Gefahr aus, wie eine unhörbare Stimme, die ihm zuschrie wegzulaufen, zu fliehen, der schützenden Hand Gottes nicht mehr zu vertrauen, in die er sein Leben gelegt hatte.

Tobias begriff die heimtückische Versuchung, die in dieser Vorstellung lag, im letzten Moment und machte hastig das Kreuzzeichen. Er schloss die Augen, betete lauter und zwang seine Stimme mit aller Macht, nicht zu zittern, bis die Worte klar und weithin hörbar über die Lichtung schallten; vielleicht seine einzige Waffe gegen die teuflischen Mächte, die diesen Ort bewohnten. Lange stand er so da, stieß ein Gebet nach dem anderen hervor und schleuderte den Dämonen die mächtigsten Bannsprüche entgegen, die er gelernt hatte.

Seine Mühe war vergeblich.

Er spürte es. Die Worte schienen zu … Dingen zu werden, im gleichen Moment, in dem sie über seine Lippen kamen, und mit ihrer Körperlosigkeit auch ihre Macht einzubüßen, sodass sie dem finsteren Etwas im Herzen der Lichtung nichts mehr anzuhaben vermochten. Was zurück kam, war kein Echo, sondern ein meckerndes Hohngelächter, das die Angst wie eine kalte Hand nach seinen Eingeweiden greifen ließ. Mit einem Schrei fuhr er herum und stürmte davon, um Stunden später die Straße wieder zu finden.

Obwohl der Tag noch jung gewesen war, hatte er bei der ersten Hütte, an der er vorbeikam, um Essen und ein Nachtlager gefragt. Aber es war ein sehr schweigsamer Dominikaner gewesen, dem die Köhlerfamilie an diesem Abend Obdach gewährt hatte. Selbst das Nachtgebet hatte er sich fast widerwillig abgerungen, und als er am nächsten Morgen mit dem ersten Grau der Dämmerung aufbrach, da hatte er auf ihren Gesichtern einen Ausdruck gesehen, der ihn schmerzte: Sie schienen ihn, den Mann Gottes, zu fürchten, zumindest war ihnen in seiner Nähe unbehaglich zu Mute, und also waren sie froh, dass er ging. Ganz gegen seine sonstige Gewohnheit hatte er unter seine Kutte gegriffen und eine kleine Münze hervorgezogen, um die Leute für das Nachtlager und die Mahlzeit zu bezahlen. Er wusste selbst jetzt noch nicht, warum er das tat. Vielleicht, weil er das Gefühl hatte, ihnen nicht nur Essen und den wärmsten Schlafplatz am Feuer weggenommen zu haben, sondern auch ein wenig von der Hoffnung auf die Allmacht Gottes.

Tobias versuchte die Erinnerungen an jene schrecklichen Augenblicke am Hexenkreis zu verscheuchen, aber es gelang ihm nicht. Vielleicht würde er jene fürchterliche Begegnung mit den Mächten der Finsternis niemals mehr ganz vergessen, denn auf dieser Lichtung im Wald war mehr geschehen, als dass er den Atem des Teufels gefühlt hatte. Pater Tobias war mit der stärksten Waffe Satans konfrontiert worden: dem Zweifel. Wie gerne hätte er jetzt die Beichte abgelegt, denn er hatte nicht nur die Berührung des Teufels gespürt, er hatte auch gesündigt, hatte er doch an Gottes Schutz gezweifelt, in jenen schrecklichen Momenten, in denen er am Waldrand stand und die verhängnisvollen Zeichen sah. Doch auch auf diesen Trost würde er für lange Zeit verzichten müssen, so wie auf viele Annehmlichkeiten, die das Leben im Dominikanerkloster von Lübeck bot. Buchenfeld war eine kleine Stadt, nur ein Flecken, der nicht einmal einen eigenen Markt besaß und dem der Bischof von Hildesheim vermutlich noch nie einen Besuch abgestattet hatte. Und auch wenn man ihm versichert hatte, dass seine Aufgabe dort nicht viel Zeit in Anspruch nähme, so ahnte er doch, dass es lange dauern würde, ehe er wieder in die stille Abgeschiedenheit seiner Zelle zurückkehren konnte, um das Leben zu führen, für das er eigentlich geschaffen war: sich ganz dem Studium der Bibel und der Schriften der ehrwürdigen Kirchenväter hinzugeben – nebst einigen anderen Dingen, die vom Abt seines Klosters zwar nicht gebilligt, wohl aber stillschweigend akzeptiert worden waren.

Pater Tobias hatte ein Geheimnis. Er war jetzt zweiunddreißig Jahre alt, und mehr als die Hälfte dieser zweiunddreißig Jahre hatte er Bücher studiert und kopiert. Aber während der letzten Jahre hatte er die Scholastik für sich entdeckt. Am Anfang hatte er diese Lehre rundheraus abgelehnt, wie viele seiner Brüder und wie auch Pretorius, sein Abt, der keinen Hehl aus seinem Misstrauen den modernen Wissenschaften gegenüber machte. Dann hatte er sich doch damit beschäftigt, zuerst aus dem bloßen Gedanken heraus, das, was er so vehement bekämpfte, besser kennen zu lernen, um mehr und griffigere Argumente dagegen zu haben. Aber er war rasch der Faszination dieser Lehre verfallen, wie so viele vor ihm.

Die Welt der Wissenschaften war so faszinierend, so voller Geheimnisse und Wunder und verblüffender Erkenntnisse, und für jedes Rätsel, das sie löste, taten sich drei neue auf. Und es war nicht so, dass sie Gott leugnete, wie viele ihrer Gegner vorschnell behaupteten. Ganz im Gegenteil: Manches, das Tobias nie begriffen hatte, wurde ihm verständlicher, und er glaubte lieber an Dinge, die er verstand, statt es sich einfach zu machen und alles Unverständliche mit dem Wirken Gottes oder des Teufels zu erklären. War es nicht ein viel größeres Wunder, zu sehen, welch komplizierten Mechanismus der Herr erschaffen hatte, um die Erde und all ihre Pflanzen und Kreaturen im Gleichgewicht zu halten? Er war stolz darauf, ein Mann der Ratio zu sein, ein Geistlicher, der Aristoteles gelesen und verstanden hatte und der seinen Augustinus kannte. Und er nahm sogar den bitteren Wermutstropfen in Kauf, der diese Erkenntnis begleitete – nämlich, dass allein dieser Stolz ja schon eine Sünde war. Er führte ein frommes Leben. Er entsagte den fleischlichen Gelüsten – anders als manche seiner Brüder, er frönte nicht der Völlerei, und er sprach dem Wein selten zu; ein kleines Laster konnte er sich erlauben.

Während er so in seine Gedanken versunken war, merkte er gar nicht, wie der Wald sich zu lichten begann. Plötzlich sah er Felder und Wiesen vor sich liegen und in einiger Entfernung ein schmales Flüsschen, über das eine gemauerte Brücke führte. Dahinter, gegen das Licht der noch tief stehenden Sonne nur als Schatten zu erkennen, lag der Ort.

Tobias blieb stehen.

Das musste Buchenfeld sein. Man hatte ihm gesagt, dass die kleine Stadt gleich hinter dem Wald lag, und eigentlich noch im Wald, denn der Boden, über den er schritt, hatte noch vor einem Menschenalter zum Eichenwald gehört, ehe er gerodet und in Äcker und Wiesen umgewandelt worden war.

Wenn diese Auskunft stimmte, dann hatten die Menschen hier gründliche Arbeit geleistet. So weit er sehen konnte, erhob sich kein Baum, kein Strauch, keine Pflanze mehr, die ihm weiter als bis zur Hüfte reichte. Die meisten Felder waren bereits abgeerntet, aber sein kundiges Auge erkannte, dass die Bauern hier ihr Handwerk verstanden – zur Linken lag ein weitläufiges, bis unmittelbar an den Wald heranreichendes Feld mit Dinkel, dahinter zwischen der Stadt und dem Fluss eine Weide, auf der wohl Kühe oder Schafe gehalten wurden, und auf der anderen Seite des Weges Hopfen, Bohnen und Gerste, das meiste davon bereits abgeerntet. So klein und unbedeutend ihm Pretorius Buchenfeld geschildert hatte, kannten seine Einwohner doch die Vorteile der Dreifelderwirtschaft, die in einem guten Jahr nicht nur eine, sondern gleich zwei Ernten einbringen konnte.

Es wurde rasch wärmer. Der Wald hatte die Kälte der Nacht noch zurückbehalten, aber hier draußen spürte er die Kraft der Sonne, zuerst angenehm, dann lästig und schließlich fast schon unangenehm, denn es wurde sehr heiß unter seinem Gewand. Er bekam Durst. Da er sicherlich noch eine halbe Stunde Fußmarsch von der Stadt entfernt war und die Straße einen großen Bogen zur Brücke hin schlug, ging er quer über das abgeerntete Weizenfeld zum Fluss hinunter, um zu trinken – und sich zu säubern, denn die dreitägige Reise hatte Spuren auf seiner Kleidung und seinem Gesicht hinterlassen. Er wollte sauber sein, wenn er Buchenfeld betrat. Schließlich war er kein Bettelmönch.

Der Fluss war nicht sehr tief. Tobias konnte bis auf den Grund sehen, und es gab so gut wie keine Strömung, sodass er sogar darauf verzichtete, den Umweg über die Brücke zu nehmen, sondern einfach hindurchwatete.

Tobias legte den Stab und den Beutel mit seinen Habseligkeiten zu Boden, schlüpfte aus seinen Sandalen und watete in den Fluss hinaus. Das Wasser war kälter, als er erwartet hatte; im ersten Moment musste er die Zähne zusammenbeißen, und auch die Strömung war viel stärker, als es den Anschein gehabt hatte. Aber es war eine helle, wohltuende Kälte, die auch den letzten Rest von Müdigkeit und selbst die Erschöpfung der Reise vertrieb. Nach ein paar Augenblicken genoss er das Gefühl, mit dem die eisige Kälte an seinem Körper emporkroch. Schließlich tauchte er ganz in den Fluss.

Er blieb so lange unter Wasser, bis seine Lungen zu platzen schienen, dann stand er mit einem Ruck auf, atmete keuchend ein paar Mal ein und aus und schlüpfte schließlich aus seiner Kutte.

Als er auch das Untergewand über den Kopf streifte, glaubte er eine Bewegung auf der Brücke wahrzunehmen. Erschrocken hielt er inne und spähte aus misstrauisch zusammengepressten Augen zu dem grauen Bauwerk hinüber. Aber da war nichts. Er musste sich getäuscht haben.

Sorgsam tauchte er das Gewand drei-, viermal ganz unter, bis sich der grobe Stoff ganz mit Wasser vollgesogen hatte, schwenkte es ein paar Mal hin und her und warf es dann zurück ans Ufer. Dann ging er ein zweites Mal in die Knie, um sich das Wasser mit beiden Händen ins Gesicht zu schöpfen und sich zu waschen. Erst danach stillte er seinen Durst.

Das Wasser war herrlich. Es war klar und eiskalt, und es spülte nicht nur den Nachgeschmack des schlechten Weins aus seinem Mund, den ihm der Köhler am vergangenen Abend vorgesetzt hatte – und der für diesen guten Mann sicher eine Kostbarkeit gewesen war –, sondern auch die schlechten Gedanken aus seinem Kopf. Es schmeckte so köstlich, dass er mit tiefen, gierigen Zügen trank und schließlich die Augen schloss, um die letzten Schlucke zu genießen.

Als er die Augen wieder öffnete, blickte er in das Gesicht eines toten Kindes.

Der Fluss hatte es herangetragen, sein Körper hatte sich an einem Stein verfangen. Das tote Kind wandte ihm das Gesicht zu, als wolle es ihn ansehen. Seine Ärmchen bewegten sich mit der Strömung und winkten ihm zu.

Tobias schrie auf und verlor auf dem schlammigen Flussgrund den Halt. Für einen Moment geriet er unter Wasser, sprang aber sofort wieder empor und versuchte, das nahe Ufer zu erreichen. Da er Wasser geschluckt hatte, begann er zu würgen. Er hustete, während er mit entsetzten, fahrigen Bewegungen aus dem Wasser watete. Dann kroch er ein Stück die Uferböschung hinauf, ehe er endlich wieder zu Atem kam.

Er hatte zwar aufgehört zu schreien, aber dennoch war er entsetzt wie noch nie in seinem Leben. Das tote Kind dort im Wasser winkte ihm zu, es hatte ihn berührt. Seine Finger hatten seine Wange gestreift, und es war mehr als die Berührung toten Fleisches gewesen. Es war ihm gefolgt, nicht wirklich ein Kind, sondern ein Ding, das aus dem schwarzen Kreis toter Erde im Wald herausgekrochen war und …

Tobias stöhnte. Mit aller Gewalt zwang er sich, den Gedanken nicht zu Ende zu denken. Er wusste einfach, dass er den Verstand verlieren würde, wenn er es tat. Wenn er nicht irgendetwas tat, um sich selbst zu beweisen, dass dieses Kind nicht aus der Hölle geschickt worden war, um ihn zu holen.

Zitternd richtete er sich auf, sah sich hastig nach allen Seiten um und kroch dann auf Händen und Knien wieder zum Wasser zurück. Das tote Kind war noch immer da, denn sein Fuß hatte sich unter dem Stein verfangen, und seine kleinen Ärmchen bewegten sich noch immer in der Strömung. Es winkte ihm zu. Komm her. Ich bin dein. Ich gehöre dir. Und du mir.

Tobias schloss mit einem Stöhnen die Augen, ballte die Hände zu Fäusten und presste die Kiefer so fest aufeinander, dass es wehtat. Heiliger Dominikus, das ist nur ein totes Kind!, dachte er. Sonst nichts! Vielleicht ein Unfall, wahrscheinlich aber ein Mord. Kein Bote aus der Hölle. Es war nicht aus dem Hexenkreis im Wald gekommen, sondern aus dem Schoß einer Frau, die es nicht haben wollte.

Seine Beruhigungsversuche halfen. Tobias’ Herz raste noch immer wie der Hammer eines von Veitstanz befallenen Schmiedes, und alle seine Glieder zitterten, aber der Wahnsinn wich allmählich aus seinen Gedanken. Langsam stand er auf, watete wieder in den Fluss zurück und zwang sich, den winzigen toten Körper im Wasser genau zu betrachten.

Es war ein sehr kleines Kind. Ein neugeborener Knabe. Obwohl unter Wasser, war sein Körper noch hier und da mit Mutterpech beschmiert, und aus der Nabelschnur – zerrissen, nicht zerschnitten! – stiegen rosarote Schlieren auf und verteilten sich im Wasser. Vielleicht hatte er sogar etwas von diesem Blut …

Tobias verscheuchte auch diesen Gedanken, ehe ihm übel werden konnte, und beugte sich herab. Behutsam hob er das Kind aus dem Wasser, trug es ans Ufer und legte es ins Gras. Sein Körper war noch warm. Im ersten Moment hatte er es nicht gemerkt, denn das eisige Wasser hatte jedes bisschen Wärme aus seiner Haut gesogen, aber jetzt spürte er, dass darunter noch warmes Fleisch war. Hätte er es gekniffen, dann hätte es geblutet. Es konnte erst vor wenigen Augenblicken geboren sein.

Und das bedeutete, dass seine Mutter ganz in der Nähe sein musste!

Plötzlich fiel ihm die Bewegung ein, die er auf der Brücke zu sehen geglaubt hatte. Er hatte sie sich nicht eingebildet. Jemand war dort gewesen. Vielleicht die Mutter dieses toten Kindes.

So schnell er konnte, streifte er sich sein nasses Hemd wieder über und rannte los. Die Brücke war weiter entfernt, als er geschätzt hatte, und da er dicht am Fluss entlanglief, um den Schutz der Böschung auszunutzen und nicht vorzeitig entdeckt zu werden, kam er nicht besonders gut voran. Er brauchte lange, bis er die Brücke erreicht hatte; zu allem Überfluss glitt er auf dem nassen Gras auch noch aus und schlug sehr schmerzhaft hin, sodass er einige Augenblicke benommen liegen bleiben und nach Atem ringen musste. Schließlich kroch er das letzte Stück der Böschung auf Händen und Knien hinauf und richtete sich keuchend auf.

Er war allein. Die Brücke erwies sich als ein überraschend massives Bauwerk, das viel zu mächtig für das schmale Flüsschen zu sein schien, aber er konnte von seinem Standpunkt aus bequem über die kniehohe Mauer blicken, und von hier aus setzte sich der Weg schnurgerade bis nach Buchenfeld fort. Niemand war zu sehen.

Enttäuscht, aber auch ein wenig erleichtert, ohne dass er den Grund dafür im ersten Moment selbst zu sagen wusste, wollte er sich schon wieder umdrehen und zu der Stelle am Flussufer zurückgehen, an der er seine Kleider zurückgelassen hatte, als er die Spuren sah. Sie führten auf der anderen Seite der Brücke die Böschung hinab und endeten in einem großen Flecken niedergetrampelten Grases. Er folgte ihnen, und obwohl er wenig Erfahrung in solcherlei Dingen hatte, fiel es ihm nicht sehr schwer, die Geschichte zu verstehen, die sie ihm erzählten: Jemand war vor nicht allzulanger Zeit hier ans Ufer des Flusses hinuntergestiegen und hatte sich ins Gras gesetzt. Die Pflanzen waren in weitem Umkreis niedergedrückt, als hätte jemand mit aller Gewalt daraufgetreten (oder vor Schmerz mit den Beinen gestrampelt?). Tobias musste nicht sonderlich intensiv suchen, um auch den letzten Beweis dafür zu finden, dass er hier nicht auf die Spuren eines unbedarften Wanderers gestoßen war, der wie er den Fluss zu einer letzten Rast benutzte: Nur ein paar Schritte flussabwärts fand er ein Bündel blutiger Tücher. Er angelte es aus dem Fluss, wickelte es auseinander und warf es nach einem Augenblick angeekelt zurück ins Wasser. Diesmal wurde es von der Strömung ergriffen und rasch davongetragen. Die gemauerte Unterseite der Brücke verwehrte von hier aus den Blick auf die Stelle, an der er zum Ufer hinuntergegangen war. Deshalb hatte weder er die Frau noch sie ihn gesehen. Seine Erregung wich einem tiefen, fast heiligen Zorn, als er sah, wie die Strömung das Bündel auseinander riss und davonschwemmte. Dasselbe hatte auch mit dem Kind passieren sollen. Wäre er nicht genau in diesem Moment vorbeigekommen, so wäre das Verbrechen wahrscheinlich niemals ruchbar geworden.

Und die Kindsmörderin musste noch ganz in der Nähe sein! Der Weg zur Stadt zurück betrug mindestens eine halbe Stunde, zumal für eine Frau, die gerade entbunden hatte und sicher nicht sehr schnell laufen konnte.

Er lief die Böschung wieder hinauf, sah ein letztes Mal zur Stadt zurück und überzeugte sich davon, dass sich zwischen dem Fluss und Buchenfeld keine Menschenseele aufhielt. Also blieb nur die andere Richtung, hin zum Wald.

Tobias überlegte einen Moment, ob er zurückgehen und seine Sachen holen sollte, entschied aber dann, dass er damit zu viel Zeit verlieren würde, und lief los.

Schon nach wenigen Schritten fand er weitere Spuren. Die Frau war auf dem Weg geblieben, wohl weil das Gehen dort weniger mühsam war, aber sie hatte Blut verloren, dunkle Flecke waren auf dem staubigen Weg zu sehen. So schnell, dass er am Ende völlig außer Atem und in Schweiß gebadet war, lief er den ganzen Weg zurück, den er gekommen war, und blieb am Waldrand stehen. Die Spur verlor sich hier.

Unschlüssig sah er sich um. Er glaubte nicht, dass die Frau sehr tief in den Wald eingedrungen war. Es war nicht schwer, sich auszumalen, was geschehen war: Sie hatte das Kind geboren und ertränkt, und sie hatte es wahrscheinlich nicht gewagt, sofort nach Buchenfeld zurückzukehren, sondern sich zum Wald geschleppt, um sich irgendwo im dichten Unterholz zu verstecken und abzuwarten, bis sie wieder bei Kräften war. Eine Frau in ihrem Zustand würde nicht besonders weit kommen, ganz egal, ob sie ihn nun gesehen hatte oder nicht.

Tobias blickte um sich. Der Weg, der zur Brücke und nach Buchenfeld führte, mündete nach wenigen Schritten in die Straße durch den Wald. Sie konnte sie überquert haben und dort zwischen den Bäumen verschwunden sein, aber er hielt es für wenig wahrscheinlich: Gebüsch und Unterholz waren dort drüben so dicht, dass es selbst ihm schwergefallen wäre hindurchzukommen. Sie würde mit ihren Kräften haushalten.

Also wandte er sich nach links. Er trat leise auf, um kein überflüssiges Geräusch zu machen, und blieb nach wenigen Schritten wieder stehen und lauschte. Das Licht drang hier, nur wenige Schritte jenseits des Waldrandes, kaum noch durch das dichte Laub, und wieder hatte er das Gefühl, in eine schattige grüne Kathedrale zu treten, in der Dinge lebten und Stimmen düstere Geschichten aus einer fernen, unheiligen Zeit erzählten. Für einen Moment kehrte die Angst zurück. Wenn es diese Frau und das Kind nun gar nicht gab, sondern beides nur eine Falle war, ein Köder, um ihn hierher zurückzulocken, damit die Dämonen dieses Ortes vollenden konnten, was sie gestern begonnen hatten?

Unsinn!

Der Mönch rief sich in Gedanken zur Ordnung und ging ein paar Schritte weiter.

Er sah die Bewegung, aber er reagierte zu spät. Tobias machte einen ungeschickten Schritt zur Seite und hob ebenso ungeschickt die Arme, aber er konnte nicht mehr verhindern, dass die Gestalt gegen ihn prallte und ihn zu Boden riss. Schmerzhaft schlug er auf, prallte mit dem Rücken gegen einen Stein und versuchte, die Hände freizubekommen, um sein Gesicht zu schützen. Es gelang ihm, doch nur, weil der andere in diesem Moment von ihm abließ und sich aufrichtete. Tobias sah eine hastige Bewegung, einen rasenden Schatten, und warf ganz instinktiv den Kopf zur Seite. Ein harter Gegenstand schrammte schmerzhaft über seine Hand und hinterließ einen tiefen, blutigen Kratzer darauf, und einen winzigen Augenblick später bohrte sich derselbe Gegenstand mit einem dumpfen Geräusch neben seinen Kopf in den Waldboden.

Tobias schrie vor Schrecken, rollte herum und kam in einer eher zufälligen Bewegung auf Hände und Knie, noch während der Angreifer versuchte, den Stock wieder aus dem Boden zu ziehen. Tobias plagte sich auf –

– und hielt verblüfft inne.

Die Gestalt, die ihn von den Füßen gerissen und um ein Haar umgebracht hätte, reichte ihm kaum bis zur Brust, und er selbst war wahrlich kein Riese!

Es war ein Kind, ob Junge oder Mädchen, war nicht zu erkennen, denn sein Gesicht und sein Haar starrten vor Schmutz, aber Pater Tobias erkannte sehr wohl, dass es allerhöchstens sechs oder sieben Jahre alt sein konnte. Seine Kraft reichte kaum aus, den Stecken wieder aus dem Waldboden zu zerren.

Aber sofort musste Tobias erkennen, dass er keineswegs außer Gefahr war, denn plötzlich hatte das Kind den Stock doch in der Hand und stürzte wie ein wildes Tier wieder auf ihn zu. Der Stock stieß nach seinem Magen, und Tobias handelte sich eine zweite, noch tiefere Schramme an der Hand ein, als er ihm im letzten Moment auswich und ihn gleichzeitig packte, um ihn dem kleinen Teufel zu entreißen.

Es gelang ihm nicht.

Das Kind hielt seine Waffe mit aller Kraft fest, sodass Tobias es mitsamt dem Stock zu sich heranzerrte, bis es nahe genug war, dass er mit der linken Hand nach ihm greifen und es am Kragen seines schmutzigen Hemdes packen konnte. Sofort ließ es seinen Stecken los und versuchte davonzulaufen, und als es sich nicht befreien konnte, wandte es sich um und begann mit beiden Fäusten auf ihn einzuschlagen. Allmählich wurde Tobias zornig. Es war ein Zorn, der viel mehr ihm selbst galt, dass er sich von einem Kind derart hatte überrumpeln lassen, aber die Schläge der kleinen Fäuste taten weh, und zu allem Überfluss begann das Kind jetzt auch noch nach ihm zu treten, und es trug zwar einfache, aber äußerst harte Sandalen mit schweren hölzernen Sohlen.

Tobias packte es auch mit der anderen Hand am Kragen, hob es einfach in die Höhe und schüttelte es heftig. »Hör auf!«, schrie er. »Hör sofort auf, oder ich muss dich schlagen!«

Der kleine Wildfang hörte nicht auf, sondern versuchte nun, ihm mit seinen langen Fingernägeln die Augen aus dem Kopf zu kratzen. Tobias drehte wütend das Gesicht zur Seite, setzte das strampelnde Bündel mit einem harten Ruck wieder auf den Boden zurück – und versetzte ihm eine Ohrfeige. Das Kind fiel zu Boden. Aber es gab nicht den mindesten Laut von sich. Nicht einmal, als Tobias ihm nachsetzte und drohend die Hand hob.

»Hörst du jetzt endlich auf?«, fragte er.

Der Knabe – sein Hemd war hochgerutscht, und er trug kein Unterkleid, sodass Tobias wenigstens sein Geschlecht erkennen konnte – funkelte ihn an. Seine Wange rötete sich unter all dem Schmutz, und seine Augen füllten sich mit Tränen. Aber er sagte kein Wort.

Tobias zögerte. Für einen Moment wusste er nicht, welches Gefühl in ihm überwog – sein Zorn oder die Bewunderung, die er der Kraft dieses Kindes zollte. Er hatte härter zugeschlagen, als er eigentlich beabsichtigt hatte. Seine Hand brannte, und das linke Auge des Jungen blinzelte unentwegt und würde zuschwellen. »Mein Kind«, sagte er besänftigend. »Es tut mir Leid. So fest wollte ich nicht zuschlagen. Aber wieso greifst du mich an? Ich habe dir nichts getan.«

Der Junge schwieg noch immer, aber er starrte ihn jetzt eher herausfordernd als ängstlich an. Und endlich begriff Tobias.

»Wo ist deine Mutter?«, fragte er.

Der plötzliche Ausdruck von Schrecken auf dem Gesicht des Jungen sagte ihm, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Und trotz allem hatte sich der Knabe nicht gut genug in der Gewalt, den raschen Blick zu unterdrücken, den er an Tobias vorbei auf eine Stelle hinter ihm warf.

Es war dieser Blick, der Tobias nun wirklich das Leben rettete – er und der Schatten, dessen Reflexion Tobias in den Augen des Jungen sah. Er sprang auf, machte gleichzeitig einen Schritt zurück und zur Seite und riss schützend die Hand über das Gesicht. Der Stein, mit dem die Frau nach seinem Gesicht schlug, prallte gegen seinen Unterarm. Tobias unterdrückte einen Schmerzensschrei und packte blitzschnell den Arm der Frau. Gleichzeitig griff er mit der anderen Hand nach ihrem Haar und riss ihren Kopf mit einem Ruck zurück.

Er hatte mit heftiger Gegenwehr gerechnet, aber die Frau war so schwach, dass sie in seinen Armen zusammensackte. Statt sie niederzuringen, musste Tobias plötzlich einen Schritt nach vorn machen, um sie aufzufangen.

Fast im gleichen Moment sprang der Junge wieder auf, warf sich gegen seine Beine und begann mit aller Kraft daran zu zerren, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Tobias stieß ihn ärgerlich davon, aber er sprang sofort wieder auf und griff nach dem spitzen Stock, um ihn Tobias in den Bauch zu stechen.

Tobias schleuderte ihn mit einem Tritt davon, aber auch jetzt blieb der Junge nicht liegen, sondern schüttelte nur benommen den Kopf, presste die Hand gegen seine Rippen, wo ihn der Tritt getroffen hatte – und griff unverzüglich wieder an!

Tobias ließ die wimmernde Frau zu Boden sinken, drehte sich in der Hocke herum und packte den Jungen grob an der Schulter. Dann versetzte er ihm zwei, drei schallende Ohrfeigen. Und diesmal schlug er so hart zu, dass der Knabe rücklings zu Boden stürzte und leise zu weinen begann.

»Lass ihn in Ruhe!«

Eine Hand griff nach seinem Arm. Tobias riss sich mit einem Ruck los, drückte die Frau mit sanfter Gewalt auf den Boden zurück und ging zu dem Jungen. »Rühr dich nicht von der Stelle!«, sagte er, in bewusst übertrieben drohendem Tonfall. »Und versuch nicht noch einmal, mich anzugreifen, oder ich verprügele dich so, dass du deinen eigenen Namen vergisst, Bursche!« Im Grunde tat ihm der Junge Leid. Er hatte weiter nichts gewollt, als seine Mutter zu verteidigen, die er bedroht glaubte. Aber das änderte nichts daran, dachte Tobias, dass er gefährlich war. Trotz seiner gerade erst sechs oder sieben Jahre hatte er bereits gelernt zu kämpfen.

Er warf dem weinenden Jungen einen letzten, drohenden Blick zu, dann ging er rasch zu der Frau zurück und kniete neben ihr nieder; wohlweislich allerdings so, dass er sie und den Knaben im Auge behalten konnte.

Die Frau lag mit geschlossenen Augen auf der Seite, aber sie war noch bei Bewusstsein. Es ging ihr nicht sehr gut, wie ihr keuchender, unregelmäßiger Atem und ihre glühende Stirn bewiesen. Tobias warf einen raschen Blick zu dem Jungen hinüber – er hatte sich nicht gerührt, verfolgte aber misstrauisch jede seiner Bewegungen –, dann beugte er sich herab und drehte sie behutsam auf den Rücken. Ihre Haut fühlte sich heiß und trocken an, und ihr Herz pochte so heftig, dass Tobias den rasenden Takt durch ihr Kleid hindurch spürte, als er sie an den Schultern ergriff. Sie stöhnte leise und hob für einen Moment die Lider, aber er war nicht sicher, ob sie ihn wahrnahm. Der kurze, verzweifelte Angriff auf ihn schien auch den letzten Rest ihrer Kraft aufgezehrt zu haben.

Er sah aus den Augenwinkeln, wie der Junge aufstand, wandte sich in der Hocke zu ihm und winkte ihn herrisch zu sich heran. »Hilf mir!«

Der Knabe kam zögernd heran, aber er schien jetzt endgültig zu begreifen, dass Tobias seiner Mutter nichts Böses wollte, denn nach einem weiteren Augenblick half er ihm, die fiebernde Frau in eine halbwegs bequeme Haltung auf dem Waldboden zu betten. Tobias bedauerte jetzt, seine Sachen nicht geholt zu haben. Er hatte nicht einmal etwas, das er ihr anstelle eines Kissens unter den Kopf schieben konnte, und schon gar nichts, ihre Schmerzen zu lindern.

Und Schmerzen hatte sie. Ihre Lippen waren blau und bebten, und trotz des schlechten Lichtes hier konnte Tobias erkennen, dass ihre Haut bleich wie die einer Toten war. Ein Netz feiner Schweißperlen bedeckte ihr Gesicht, und als sein Blick an ihrem Kleid herunterwanderte, sah er, dass sie noch immer blutete. Er fühlte sich hilflos. Er war Priester, kein Arzt.

»Wir … brauchen Hilfe«, sagte er stockend. »Lebt jemand hier im Wald, in der Nähe?«

Der Junge schüttelte den Kopf und schwieg.

»Dann lauf ins Dorf«, sagte Tobias. »Sag Bescheid, was passiert ist. Sie sollen einen Wagen schicken. Habt ihr einen Arzt in eurem Dorf?«

Was für eine dumme Frage. Der Junge sah ihn auf eine Art an, die Tobias klarmachte, dass er nicht einmal wusste, was ein Arzt war.

»Aber dann doch sicher eine Hebamme«, sagte Tobias. »Geh und hol sie. Lauf

Obwohl er das letzte Wort geschrien hatte, rührte sich der Junge nicht von der Stelle. Sein Blick irrte nur zwischen Tobias und dem Gesicht seiner Mutter hin und her.

»Worauf wartest du?«, fragte Tobias grob. »Geh endlich!«

Zum ersten Mal antwortete der Junge: »Ihr werdet sie töten.«

»Was für ein Unsinn!«, fuhr Tobias ihn an. »Sie wird sterben, wenn wir nichts tun, begreif das doch!«

Der Junge war wie erstarrt. Nur seine Lippen begannen zu zittern, und die Tränen, die jetzt über sein Gesicht liefen, rührten nicht mehr von dem Schlag her, den Tobias ihm versetzt hatte. »Lass ihn. Er hat … Recht.«

Die Stimme der Frau klang schwach, ihre Worte kaum mehr als ein letzter Hauch. Unwillkürlich richtete Tobias die Augen zum Himmel und begann ein kurzes Gebet.

»Lass uns in Frieden. Geh«, flüsterte die Frau dann.

Tobias war so verblüfft, dass er im ersten Moment nicht einmal Worte fand, um zu antworten. Sein Blick glitt noch einmal über das Gesicht der jungen Frau. Ihr Alter war schwer zu schätzen, denn sie war mindestens ebenso schmutzig und verwahrlost wie der Junge, aber ihre Stimme klang jung, obwohl das Fieber sie hatte brüchig werden lassen, und ihre Zähne waren unversehrt und von einem fast makellosen Weiß. Sie konnte kaum älter als zwanzig sein, dachte er bestürzt.

»Geh!«, sagte sie noch einmal, als er nicht reagierte. Ihr Blick flackerte. Sie atmete mühsam ein – jeder Atemzug wurde von einem rasselnden Laut begleitet –, und Tobias sah, dass ein rascher, aber sehr heftiger Krampf ihren ausgemergelten Körper schüttelte. Er versuchte, ihr Gewicht zu schätzen, gestand sich aber fast im selben Augenblick ein, dass er kaum in der Lage wäre, sie bis ins Dorf hinunterzutragen. Er war kein sehr kräftiger Mann.

»Willst du sterben?«, fragte er ernsthaft. »Das wirst du, wenn wir dich nicht zu jemandem bringen, der dir hilft.«

»So schnell stirbt es sich nicht«, antwortete die Frau. Sie biss die Zähne zusammen, atmete noch einmal sehr tief ein und versuchte dann, sich aufzusetzen. Es gelang ihr sogar. Aber sie sackte fast sofort wieder zurück und krümmte sich vor Schmerzen.

»Du dummes Weib!«, sagte Tobias zornig. »Ich sollte dich hier sterben lassen, so wie du das Kind getötet hast!«

Mühsam hob sie den Kopf und blickte ihn an. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt, aber ihr Augen blitzten. »Wovon redest du?«, fragte sie. »Ich habe niemanden getötet. Ich … ich habe gedacht, du wolltest uns etwas antun. Deshalb habe ich dich angegriffen. Ich hatte Angst.«

»Lüg nicht!« Tobias deutete auf ihr blutiges Kleid und dann zurück in die Richtung, aus der er gekommen war. »Ich habe das Kind gefunden. Und ich habe deinen Sohn gesehen, als er auf der Brücke stand und Ausschau hielt, ob euch auch niemand beobachtet!«

Es war nur eine Vermutung, aber er schien der Wahrheit damit ziemlich nahe zu kommen, denn ihr Blick flackerte kurz und angstvoll. Es war der Blick einer ertappten Sünderin, den Tobias schon oft in seinem Leben gesehen hatte. Dann aber schürzte die Frau trotzig die Lippen und versuchte abermals, sich aufzusetzen. Diesmal gelang es ihr. »Und wenn«, stöhnte sie. »Was geht es dich an?«

Im ersten Moment war Tobias viel zu verblüfft, um überhaupt zu antworten. Aber dann begriff er, dass weder sie noch der Junge ihn gesehen hatten, wie er sich dem Fluss näherte. Vermutlich hatten sie ihn das erste Mal zu Gesicht bekommen, als er ihrer Spur zum Wald zurück folgte – und er trug ja jetzt nur das zerschlissene Untergewand, war barfüßig und völlig durchnässt. Wie sollte sie wissen, wer er war?

»Nimm an, es ginge mich etwas an«, sagte er ausweichend. »Und sei es nur, weil es jeden Christenmenschen etwas angeht, wenn eine Frau ihr Neugeborenes tötet!«

In ihrem Blick lag nur Trotz. »Das habe ich nicht«, behauptete sie. »Es wurde tot geboren. Ich … war auf dem Weg in die Stadt, als die Wehen begannen. Frag meinen Sohn, er kann es dir bestätigen. Es kam tot zur Welt.«

»Und dann hast du es kurzerhand in den Fluss geworfen?«, schnappte Tobias. »Ich glaube dir nicht. Und selbst wenn – ein Kind einfach wegzuwerfen ist nicht viel besser, als es zu ermorden. Hast du dir gar keine Gedanken um seine Seele gemacht? Es hätte beerdigt werden müssen. Es hätte die Sakramente erhalten müssen, damit sich Gott seiner Seele annimmt.«

»Seine Seele …« Die Stimme der Frau wurde bitter, und ein böses, schreckliches Funkeln trat in ihren Blick. »Es hatte keine Seele.«

»Versündige dich nicht noch mehr, Weib«, sagte Tobias ernst. »Du weißt, dass du vielleicht stirbst. Willst du dein Gewissen außer mit einem Mord auch noch mit Gotteslästerung belasten?«

»Gotteslästerung?« Sie lachte auf eine schmutzige Art und Weise, als hätte er einen obszönen Witz gemacht. »Was weißt du von Gotteslästerung? Was willst du von uns? Lass uns in Ruhe! Wenn du glaubst, dass ich hier sterbe, dann lass mich sterben! Es geht dich nichts an!«

»Vielleicht doch«, antwortete Tobias leise. »Wie ist dein Name, Weib?«

Einen Moment lang sah sie ihn nur trotzig an, aber dann antwortete sie widerwillig: »Greta. Das ist mein Sohn Friederich. Warum fragst du?«

»Weil ich wissen möchte, für wen ich beten muss, Greta«, antwortete Tobias. »Warum hast du das Kind getötet? Du weißt, dass es ein Verbrechen gegen Gott ist, ein Menschenleben auszulöschen.«

»Bist du … ein Pfaffe?«, fragte Greta misstrauisch. Ihre Stimme gewann an Kraft, sie schien sich zusehends zu erholen.

»Und wenn?«, fragte er.

»Dann ändert es auch nichts mehr«, antwortete sie. Plötzlich war ihre Stimme hart, erfüllt von einer Feindseligkeit, die er sich nicht recht erklären konnte. Sie hustete, aber als er die Hand nach ihr ausstrecken wollte, schlug sie seinen Arm beiseite und funkelte ihn an. »Du kommst zu spät, Pfaffe!«, sagte sie. Und plötzlich schrie sie: »Ja! Bring mich ins Dorf! Klag mich an! Lass mich in den Kerker werfen oder hinrichten, aber verschone mich mit deinen frommen Sprüchen! Du bist der Inquisitor, nach dem sie geschickt haben, nicht wahr? Was glaubst du, jetzt noch ändern zu können! Du kommst zu spät! Du hättest vor einem Jahr kommen sollen, um die Hexe zu verbrennen. Jetzt wirst du nichts mehr ausrichten gegen die Macht des Teufels.«

Ihre ungeheure Feindseligkeit überraschte und erschreckte Tobias. Er fühlte sich hilflos, von einem einfachen Weibsbild beschuldigt, wo er doch der Ankläger sein sollte. Er spürte, dass ihr Zorn echt war und nicht nur die Wut einer sterbenden Sünderin, die mit ihrem Schicksal haderte und erkannte, dass ihr das Himmelreich verschlossen bleiben würde.

»Was meinst du damit?«, fragte er verwirrt.

»Was ich damit meine?« Sie hustete wieder, presste die Hand gegen den Leib und atmete ein paar Mal tief ein und aus, ehe sie fortfuhr. Sie sprach jetzt etwas leiser, aber nur, weil sie einfach keinen Atem mehr hatte, nicht etwa, weil ihr Zorn verflogen wäre.

»Ja, ich habe das Kind getötet!«, sagte sie trotzig. »Und ich habe es in den Fluss geworfen, damit es dort verfault, wenn du es genau wissen willst! Du sprichst von seiner Seele? Es hatte keine!«

»Schweig!«, befahl Tobias scharf. Unwillkürlich schlug er das Kreuzzeichen. »Du versündigst dich!«

Die Frau lachte, aber es klang wie ein Schrei. »Es hatte nie eine Seele«, beharrte sie, »weil es kein Geschöpf Gottes war, sondern ein Höllenbastard! Versündigt hätte ich mich, hätte ich es am Leben gelassen! Du willst es in Heiliger Erde bestatten? Dann geh und hol es dir und grab es ein, und du wirst sehen, dass der Boden sauer wird, wo es liegt, und die Pflanzen verdorren. Und es ist nicht meine Schuld! O nein, bestimmt nicht! Ich habe sie gewarnt. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen diese Satansbrut davonjagen. Nehmt Feuer und Pech und verbrennt sie, habe ich gesagt, aber keiner hat auf mich gehört!«

Tobias wurde hellhörig. »Wovon sprichst du?«, fragte er.

»Wovon ich spreche? Von der Hexe! Von diesem Teufelsweib, das uns alle verzaubert hat! Sie hat mich verdorben und meinen Gatten und … und diese Teufelsfrucht, die ich aus meinem Leib gerissen habe! Und sie wird auch alle anderen ins Unglück stürzen!« Sie hustete wieder und krümmte sich unter einer neuen Welle des Schmerzes, und Tobias begriff, dass sie sterben würde und ihre Seele verloren war. Er versuchte vergeblich, auch nur noch eine Spur Zorn zu empfinden. Was sie getan hatte, war eine Todsünde, aber es stand ihm nicht zu, darüber zu richten. Jetzt nicht mehr. Sie würde sehr bald ihrem Schöpfer gegenüberstehen und seiner Gnade ausgeliefert sein. Er streckte die Hand aus und berührte behutsam ihre Schulter. Diesmal wehrte sie sich nicht.

»Hör auf, so zu reden, mein Kind«, sagte er sanft. »Das Fieber verwirrt deine Sinne. Du weiß nicht mehr, was du sagst. Bete zu Gott, dass er dir vergibt. Wenn du willst«, fügte er nach einem fast unmerklichen Zögern hinzu, »tue ich es für dich.«

Er wollte die Hände falten, aber plötzlich richtete sie sich noch einmal auf und hielt seinen Arm fest. »Tu das nicht«, sagte sie. »Mir kann niemand mehr helfen. Du würdest dich nur beschmutzen, wenn du es versuchst. Ich muss für das bezahlen, was ich getan habe. Es ist gut so. Ich will es nicht anders.«

Tobias befreite sich mit sanfter Gewalt aus ihrem Griff, streckte noch einmal die Hand aus und berührte mit Zeige- und Mittelfinger der Rechten ihre Stirn. »In nomine patris, et fil …«

Die Frau schrie auf wie unter Schmerzen, schlug seinen Arm zur Seite und kroch rücklings ein Stück von ihm fort. Ihr Gesicht war verzerrt, als hätte er sie mit glühendem Eisen berührt.

»Rühr mich nicht an!«, schrie sie. »Ich bin verflucht, und jeder, der mich berührt, muss zugrunde gehen!«

Sie fantasierte. Es ging jetzt schnell zu Ende, begriff Tobias, und das Fieber und der nahe Tod begannen ihre Sinne zu verwirren, sodass sie nun wirklich nicht mehr wusste, was sie sagte oder tat. Er stand auf. »Ich laufe ins Dorf und hole Hilfe«, sagte er, mehr zu dem Jungen gewandt als zu Greta. »Aber es wird dauern – sicher eine Stunde, wenn nicht länger. Gib so lange auf sie Acht.«

Der Junge nickte nervös. Seine Augen waren dunkel vor Angst, als er neben seiner Mutter niederkniete und nach ihrer Hand griff. Er zitterte.

»Hab keine Angst«, sagte Tobias. »Ihr wird schon nichts geschehen. Ich laufe, so schnell ich kann!«

»Nein!«

Gretas Stimme war überraschend fest, und als sie die Augen öffnete, war ihr Blick wieder klar. Wahrscheinlich nur ein letzter, lichter Moment, dachte Tobias mitfühlend. Obwohl er wusste, wie kostbar jeder Augenblick sein mochte, ließ er sich noch einmal neben ihr auf die Knie niedersinken und griff nach ihrer anderen Hand. Vielleicht war diese Berührung der letzte Trost, der ihr in ihrem Leben gespendet wurde.

»Bitte geh nicht«, flehte Greta.

»Aber ich kann nichts für dich tun«, antwortete Tobias ernst. »Du wirst verbluten oder am Fieber sterben. Willst du das?«

»Ich sterbe nicht«, antwortete Greta leise. »Und wenn, dann … dann ist es Gottes Wille.«

»Gottes Wille ist nicht, dass wir aufgeben«, antwortete Tobias. »Es ist eine Sünde, nicht um sein Leben zu kämpfen.«

»Sie … sie werden mich töten«, sagte Greta. »Sie werden mich umbringen, wenn sie erfahren, was ich getan habe. Du … du hast Recht. Ich habe das Kind getötet. Ich habe es ertränkt. Aber ich musste es tun. Es … es war ein Kind des Teufels, glaub mir, und ich … ich habe doch schon zwei andere Kinder.«

Tobias blickte überrascht den Jungen an. »Der Knabe ist nicht dein einziges Kind?«

»Er hat … noch eine Schwester«, antwortete Greta. »Es waren drei, aber … eines ist im vorletzten Winter gestorben. Es ist erfroren. Mein Gatte war krank und konnte nicht arbeiten, und wir … wir durften kein Holz schlagen, der Landgraf hat es verboten, und da ist es erfroren.«

Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sie hielt seine Hand so fest, dass es wehtat. »Sie werden mich töten, wenn du sie schickst«, sagte sie noch einmal. »Theowulf hasst mich seit Jahren. Er … er sucht nur nach einem Vorwand, um mich anzuklagen.«

»Ich kann dich nicht hier liegen und sterben lassen«, sagte Tobias ernst. »Aber ich verspreche dir, dass ich darauf achten werde, dass man dich gerecht behandelt.«

Greta antwortete nicht mehr. Aber sie sah ihn auf eine Art an, die es ihm unmöglich machte, ihrem Blick länger als einige Momente standzuhalten. Glaubte sie denn, er verstünde sie nicht? Es war nicht das erste Mal, dass er einer Frau gegenüberstand, die aus purer Verzweiflung ihr eigenes Kind getötet hatte. Das Leben der einfachen Menschen war hart, manchmal so hart, dass er sich zu fragen begann, warum Gott ausgerechnet den Ärmsten solche Prüfungen auferlegte.

Er verscheuchte den Gedanken beinahe erschrocken und löste seine Hand aus ihrem Griff.

»Wer ist dieser Theowulf, von dem du sprichst?«, fragte er.

»Sie ist seine Gespielin!«, stieß Greta hasserfüllt hervor. »Er hat die Hexe ins Dorf gebracht! Er ist schuld an allem! Bevor sie kam, war alles gut. Aber mit ihr ist der Teufel bei uns eingekehrt! Sie ist schuld an allem! Es ist ihre Schuld, dass ich dieses Satanskind bekommen habe! Wenn du jemanden bestrafen willst, dann sie!«

»Ich verspreche dir, dass dir Recht geschehen wird«, sagte er noch einmal. »Du hast mein Wort. Wenn es bei euch wirklich eine Hexe gibt – und wenn sie Schuld an deinem Schicksal trägt, dann wird sie es sein, die bestraft wird, nicht du.«

Er meinte diese Worte sehr ernst. Er wusste noch nichts über Buchenfeld und die angebliche Hexe, die dort seit einem Jahr ihr Unwesen treiben sollte – und im Grunde bezweifelte er auch, dass es sie wirklich gab –, aber die Frau tat ihm Leid. Sie redete irre, schwach und vom Fieber geschüttelt, wie sie war, aber das bedeutete nicht, dass sie log. Vielleicht war sie keine Mörderin, sondern einfach so verwirrt, dass man sie nicht für das verantwortlich machen konnte, was sie getan hatte. »Und jetzt gehe ich und hole Hilfe«, sagte er. Er lächelte aufmunternd. »Später, wenn du gesund und wieder bei Kräften bist, werden wir ein Gebet sprechen und über alles reden.«

Tobias lächelte noch einmal, beugte sich vor, um ihre Wange zu streicheln, und ließ für einen ganz kurzen Moment ihren Sohn aus dem Auge, und der Junge nutzte die Gelegenheit, den Stein zu ergreifen und ihn Tobias mit aller Macht gegen die Schläfe zu schmettern.

Stöhnend kippte er zur Seite, schlug die Hände gegen den Kopf und krümmte sich vor Schmerz. Er verlor nicht das Bewusstsein, aber vor seinen Augen wurde es schwarz, und der Schmerz in seinem Kopf war so schlimm, dass ihm übel wurde.

Wie von weit, weit her hörte er, wie der Junge etwas zu seiner Mutter sagte und sie in scharfem Ton antwortete, dann schleifende, mühsame Geräusche, und schließlich schwanden ihm doch die Sinne.

Er konnte allerdings nicht sehr lange ohnmächtig dagelegen haben, denn als er erwachte, hörte er das Geräusch von Schritten, die sich entfernten. Stöhnend öffnete er die Augen, hob die Hand an den Kopf und fühlte warmes Blut auf seinem Gesicht. Er versuchte sich aufzurichten, schaffte es beim zweiten oder dritten Anlauf und zog die Knie an den Körper, um die Stirn darauf zu betten. Die Schatten des Waldes führten einen irren Tanz um ihn auf, und die Übelkeit kam zurück; für einen Moment schlimmer und quälender als der hämmernde Schmerz in seinem Kopf.

Pater Tobias blieb lange so sitzen, und als Schmerz und Übelkeit schließlich abebbten, waren die Schritte Gretas und des Knaben längst verklungen.

Mühsam stand er auf, suchte an einem Baumstamm Halt und wischte sich mit dem Handrücken das Blut aus den Augen. Er fühlte sich schwach. Seine Knie zitterten, und er spürte, dass die Übelkeit bei jeder größeren Anstrengung sofort zurückkommen würde, sodass er den Gedanken, die beiden zu verfolgen, fast augenblicklich wieder aufgab. Er verspürte auch wenig Lust, in seinem Zustand mit einer halbtoten Frau und einem vom Teufel besessenen Kind zu kämpfen.

Der Weg zurück zum Fluss kam ihm viel weiter vor als der Hinweg. Das Gehen bereitete ihm Mühe. Sein Schädel dröhnte bei jedem Schritt, als wolle er zerspringen. Das Licht schmerzte in seinen Augen, und das Blut auf seinem Gesicht begann einzutrocknen, sodass die Haut unangenehm spannte.

Und mit jedem Schritt, den er sich vom Wald entfernte, stieg sein Zorn.

Dabei galt er weniger dieser Frau, die vielleicht nur halb verrückt vor Angst gewesen war, und ihrem Sohn, der nichts anderes getan hatte, als seine Mutter zu verteidigen, sondern sehr viel mehr sich selbst, dass er sich so von den beiden hatte übertölpeln lassen.

Taumelnd vor Schwäche und Schmerzen erreichte er die Brücke, schlitterte ungeschickt die Böschung hinunter und watete knietief ins Wasser. Er vermied es absichtlich, sein Spiegelbild im Fluss anzusehen, denn er vermutete zu Recht, dass er keinen sehr imposanten Anblick bot, sondern ließ sich auf die Knie herabsinken und tauchte den Kopf ins Wasser.

Er wusch sich gründlich das Gesicht und das Haar und fuhr mit den Fingerspitzen über seine Schläfe.

Die Berührung tat weh, aber sie verriet ihm auch, dass er nur eine harmlose Wunde davongetragen hatte. Trotzdem wusch er sie gründlich aus, ebenso wie die Schrammen auf seinem Handrücken und die zahllosen kleinen Kratzer und Abschürfungen an seinen Füßen, denn er wollte nicht ein dummes, überflüssiges Fieber vollenden lassen, was der Junge angefangen hatte. Erst als er sicher war, alles getan zu haben, was er konnte, richtete er sich wieder auf und ging im Fluss bis zu der Stelle zurück, an der er seine Kutte und den Beutel mit seinen Habseligkeiten zurückgelassen hatte. Und das tote Kind.

Es war nicht mehr da.

Im allerersten Moment war er so verblüfft, dass er seinen Augen nicht traute. Überrascht blickte er um sich, suchte die Böschung und das Ufer ab und sah schließlich sogar in den Fluss.

Das Kind war nicht mehr da. Jemand musste es geholt haben.

2. KAPITEL

Es wurde fast Mittag, bis er Buchenfeld erreichte. Die Strecke vom Fluss zur Stadt erwies sich als weitaus länger, als es den Anschein gehabt hatte. Außerdem hatte er seine eigenen Kräfte über- oder die Schwere seiner Verwundung unterschätzt; allein vier- oder fünfmal musste er unterwegs Halt machen, weil Übelkeit oder Schwindelgefühl ihn plagten, und einmal wurde es so schlimm, dass er das Gefühl hatte, sich übergeben zu müssen.

Tobias verfluchte sich im Stillen für seinen Leichtsinn. Die verbissene Wut, mit der der Knabe ihn angegriffen hatte, hätte ihn warnen sollen. Er fühlte sich ein wenig besser, als er sich der Stadt näherte. Sein Schatten war so kurz geworden, dass es schon fast Mittag sein musste. Zwischen den ärmlichen Häusern flimmerte die Luft, und er sah keinen Menschen, als er durch das Stadttor trat. Buchenfeld schien wie ausgestorben. Es herrschte eine Stille, die ihm noch öfter auffallen sollte und für die er erst viel, viel später eine schreckliche Erklärung finden sollte.

Im Moment irritierte sie ihn nur.

Buchenfeld war ein kleiner Ort – aber nicht so klein, wie er erwartet hatte. Hinter dem mit Balken verstärkten Erdwall, der die Stadt anstelle einer Mauer umgab, erhoben sich sicherlich zehn Dutzend Häuser, die meisten kleine, ärmliche Holzhütten mit niedrigen, strohgedeckten Dächern; nur wenige waren aus Stein erbaut. Überdies erblickte er mehrere zweistöckige Gebäude, eines davon mit einem wuchtigen Turm, dass es von Ferne wie ein mächtiges Gotteshaus aussah. Aber es war keine Kirche. Der Turm war ein Wehr-, kein Glockenturm, und bei näherer Betrachtung wirkte das Gebäude, als hätte jemand hier beschlossen, eine Burg zu errichten, aber entweder nicht die nötige Zeit oder nicht die Mittel gehabt, den Bau zu vollenden.

Überhaupt bot Buchenfeld einen sonderbaren Anblick, nicht nur weil es offenbar ein Ort ohne Gotteshaus war. (Aber wo beteten die Menschen dann zu ihrem Gott?) Das Tor, durch das Pater Tobias schritt, bestand nur aus einem Rahmen, in dem vier wuchtige eiserne Scharniere vor sich hinrosteten. Ein Teil der Straße, die von dort aus zu jenem wehrhaften Gebäude in der Stadtmitte führte, war gepflastert, und zwar mit einer Kunstfertigkeit, die Tobias überraschte und die selbst den Straßen im reichen Lübeck zur Ehre gereicht hätte. Aber ein anderer Teil des Weges bestand aus staubigem, festgetretenem Erdreich, das sich bei Regen in Morast verwandeln musste.

Und Buchenfeld stank.

Der Geruch von schmutzigen Kaminen schlug ihm entgegen, von menschlichen und tierischen Abfällen, von Schweiß und Krankheit. Das alles kannte er. Wenn es in den Städten, in denen er bisher gelebt hatte, etwas gab, woran er sich erinnerte, dann an den Geruch, und im ersten Moment glaubte er, es läge einfach an ihm und den paar Tagen, die er unter freiem Himmel verbracht hatte, dass er den Gestank der Stadt so deutlich wahrnahm.

Aber das entsprach nicht der Wahrheit. Es war nicht das erste Mal, dass er nach längerer Wanderschaft in eine Stadt zurückkam – und Buchenfeld war nicht einmal eine richtige Stadt, sondern nur ein winziger Flecken, von dem man ihm gesagt hatte, dass seine Einwohner keine tausend Seelen zählten. In einer Stadt wie Lübeck, in der viel mehr Menschen zusammenlebten und ihre Abfälle und Ausscheidungen auf die Straßen kippten, war ein solcher Gestank erklärbar – aber hier?

Pater Tobias blieb stehen und sah sich um. Ein leichter Wind fuhr über die niedrige Stadtmauer und zerzauste sein Haar; sonderbar, dass er diesen Gestank nicht forttrug. Es schien Tobias eher, als trüge er ihn heran.

Hinzu kam die unheilige Stille. Selbst der faulige Wind, den er auf dem Gesicht spürte, verursachte nicht das leiseste Geräusch. Es war still wie in einer Totenstadt. Niemand zeigte sich zwischen den Häusern, kein Schatten erschien in einem Fenster, niemand kam, um ihn zu begrüßen oder auch nur neugierig anzugaffen, und das, obwohl man seine Ankunft bemerkt haben musste, denn es gab zwischen dem Fluss und dem Ort nichts, was den Blick verwehrte. Tobias erinnerte sich, was Greta über Buchenfeld gesagt hatte, und ein Schaudern überkam ihn. Vielleicht hatte sie doch nicht ganz so irre geredet, wie er geglaubt hatte.

Er ging weiter, ein wenig unschlüssig, wohin er sich wenden sollte. Darüber hatte er nicht nachgedacht – und warum auch? Er war nicht aus freien Stücken hier, sondern weil man ihn gerufen hatte. Also hätte man ihn empfangen müssen, wie es sich gebührte, schließlich war er ein ehrwürdiger Dominikaner. Nicht einmal nach dem Bürgermeister konnte er fragen, denn niemand kreuzte seinen Weg, und aus irgendeinem Grund war ihm der Gedanke unangenehm, an einer der Hütten klopfen und um Auskunft bitten zu sollen.

So schlug er den Weg zur Stadtmitte ein. In einem der großen steinernen Gebäude würde er schon finden, wonach er suchte.

Sein Kopf begann wieder stärker zu schmerzen, und das Licht der Sonne tat ihm in den Augen weh. Blinzelnd drehte er das Gesicht zur Seite und ging mit weit ausgreifenden Schritten weiter.

Die Tür eines der beiden steinernen Gebäude wurde plötzlich geöffnet, und ein kleiner, mit einem schäbigen Rock bekleideter Mann trat ins Freie. Er hatte eine Glatze, die nur noch von einem dünnen, schmuddeligen Kranz grauer strähniger Haare gesäumt wurde, und ein feistes Gesicht, das wie eine Speckschwarte glänzte. Über seinem rechten Auge prangte eine hässliche Warze, die von einem dünnen Kranz eingetrockneten Blutes gesäumt war, als hätte er versucht, sie abzukratzen oder zu -schneiden.

Er war nicht herausgekommen, um Pater Tobias zu begrüßen, denn er blieb mitten im Schritt stehen, als er ihn gewahrte, und verzog für einen Moment überrascht das Gesicht. Tobias sah, dass er etwas in der linken Hand trug, das er jetzt rasch hinter dem Rücken versteckte, und für die Dauer eines Gedankens schien er einfach unschlüssig, ob er ins Haus zurückgehen und so tun solle, als hätte er den unerwarteten Besucher nicht gesehen. Aber ihre Blicke waren sich bereits begegnet. Die Hand des Dicken machte noch eine Bewegung hinter seinem Rücken, als stopfe er hastig etwas unter seinen Gürtel, dann zwang er ein öliges Lächeln auf sein Gesicht und kam mit kleinen, trippelnden Schritten näher. Er sagte nichts, sondern legte nur den Kopf auf die Seite und sah Tobias fragend an.

Die Situation kam Tobias immer unwirklicher vor. Er war so verwirrt und hilflos, dass er im ersten Moment nicht einmal Worte fand. Er wusste nicht, was er erwartet hatte – einen solchen Empfang jedenfalls nicht. Schließlich räusperte er sich übertrieben und deutete ein Kopfnicken an – sehr vorsichtig, um den hämmernden Schmerz zwischen seinen Schläfen nicht zu einer neuen Attacke zu provozieren.

»Einen schönen Tag wünsche ich«, begann er umständlich.

Der Dicke nickte. Seine Linke fuhrwerkte weiter hinter seinem Rücken herum. »Pater?«

»Mein Name ist Tobias«, antwortete Tobias. »Pater Tobias. Der Bürgermeister Eurer Stadt erwartet mich. Ich wurde vom Abt des Dominikanerklosters in Lübeck gesandt, um …«

»Ihr seid gekommen, um die Hexe zu verbrennen?« Das Gesicht des Dicken hellte sich auf; auf eine Art und Weise, die Tobias darin bestärkte, ihn nicht zu mögen.

»Ich bin der Inquisitor, nach dem ihr geschickt habt«, antwortete er kühl. »Ob und wer verbrannt wird, wird die Interrogatio erweisen.«

Wenn dem Dicken die plötzliche Kälte in Tobias’ Stimme überhaupt auffiel, dann ignorierte er sie meisterhaft. Aber von seiner phlegmatischen Art war plötzlich nichts mehr zu spüren – mit zwei, drei Schritten kam er näher, zog endlich die linke Hand aus seiner Hose und griff mit der anderen nach Tobias’ Bündel. Tobias presste den schmalen Leinensack fester an sich, und der Dicke führte die Bewegung nicht zu Ende. Aber ihm entging keineswegs das dünne, abfällige Lächeln, das für einen kurzen Moment über seine Lippen huschte.

»Ich glaube, man erwartet mich«, sagte er steif. »Vielleicht seid Ihr so freundlich, mich zu Eurem Bürgermeister zu führen?«

»Den Bürgermeister?« Der Dicke lachte, als hätte Tobias einen guten Scherz zum besten gegeben, und zerrte wieder an Tobias’ Bündel. »So etwas haben wir hier nicht.«

»Aber man sagte mir …«

»Wenn Ihr irgendwelche Fragen oder Wünsche habt, Pater, so wendet Euch getrost an mich. Man nennt mich Bresser.«

Tobias dachte einen Moment angestrengt nach. Aber Bresser gehörte eindeutig nicht zu den Namen, die man ihm genannt hatte. Und auch nicht zu denen, von denen in dem Brief die Rede gewesen war.

»Aber kommt doch erst einmal herein, Pater«, fuhr Bresser fort. »Es redet sich schlecht auf der Straße. Und ich finde, Ihr seht … ein wenig mitgenommen aus, wenn die Bemerkung gestattet ist. War die Reise sehr anstrengend?«

Tobias murmelte eine Antwort, von der er selbst nicht so genau wusste, was sie bedeutete, geschweige denn, dass der Dicke sie verstehen konnte, und gab dem Zerren der fettigen Stummelfinger endlich nach. Im Grunde war er sehr froh, der Last endlich ledig zu sein: Der grobe Strick, an dem der Beutel über seiner Schulter hing, schnitt schmerzhaft in seine Haut, und obwohl das Leinensäckchen eigentlich nichts mehr enthielt als einige Schriftstücke, einen Laib Brot und die wenigen Dinge, die er zur Ausübung seines Amtes benötigte, hatte er sein Gewicht im Laufe des letzten Wegstückes doch unangenehm zu spüren begonnen.

Während er von der gepflasterten Hälfte der Straße heruntertrat und Bresser zur Tür folgte, fiel sein Blick noch einmal auf das andere Gebäude. Jetzt, von nahem betrachtet, kam es ihm noch viel wuchtiger und wehrhafter vor als aus der Ferne. Tobias vermochte das Gefühl nicht zu begründen. Es war ein Gefühl ähnlich dem, das er im Wald gehabt hatte. Dies war ein unguter, gottloser Ort. Ein Ort, von dem er sich besser fern hielt. Leise fragte er:

»Dieses Gemäuer da – was ist es?«

Der Dicke blieb stehen und blinzelte ihn aus seinen Schweinsäuglein an. »Es gehört Theowulf. Er wohnt dort, wenn er sich in der Stadt aufhält.«

Theowulf? Das war der Name, den …

»Dem Grafen«, fuhr Bresser fort, als er des fragenden Ausdruckes auf Tobias’ Gesicht gewahr wurde. Er machte eine flatternde vage Bewegung mit der Hand. »Graf Theowulf. Ihm gehört das Land, so weit Ihr blicken könnt, und der Wald, den Ihr durchquert habt.«

»Und die Stadt?«

»Der Grund und Boden – nein«, antwortete Bresser geheimnisvoll. Dann ging er weiter, gerade so schnell, dass Tobias ihn hätte zurückrufen müssen, um eine weitere Frage zu stellen. Gebückt trat er durch die niedrige Tür, stieß sie mit dem Ellbogen ganz auf und verschwand in den Schatten, die dahinter nisteten.

»Kommt, ehrwürdiger Vater. Hier im Haus ist es ein wenig kühler. Und ich lasse Euch gleich eine Erfrischung und zu essen bringen. Ihr müsst müde von der Wanderung sein.«

Drinnen war es tatsächlich etwas kühler als in der Glut der Mittagssonne. Außerdem roch es hier nicht nach Fäulnis, sondern leicht nach Moder, wie in einem Haus nach einem langen Winter, ehe zum ersten Mal die Fenster wieder geöffnet wurden.

Pater Tobias konnte nicht viel sehen; die Tür stand zwar offen, aber sie war so schmal, dass selbst seine schlanke Gestalt sie fast völlig ausfüllte und das wenige Sonnenlicht aussperrte. Immerhin erkannte er, dass sie sich in einer kurzen, zu drei weiteren Türen führenden Diele befanden. Zur Rechten führte eine schmale, sehr steile Treppe ohne Geländer ins obere Stockwerk. Der Raum war sehr niedrig; wenn die anderen Zimmer auch nicht höher waren, würde er sich in diesem Haus nur geduckt bewegen können. Die Balken unter der Decke waren weder verkleidet noch mit Schnitzereien verziert, und der Bewohner dieses Hauses hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Wände zu kalken. Das Haus wirkte verwahrlost; nicht so sehr heruntergekommen, sondern unbewohnt, als hätte es lange Zeit leer gestanden.

Dieser Eindruck vertiefte sich noch, als Bresser eilfertig vor Tobias herlief und die Tür ganz am Ende der Diele aufstieß.

Dahinter lag ein überraschend großes, aber ebenfalls sehr niedriges Zimmer. Durch zwei Fenster, in deren Rahmen gelb gefärbtes Ölpapier war, strömte helles Sonnenlicht herein, doch es enthüllte auch hier nichts als nackte steinerne Wände, eine unverkleidete Decke und rohe Holzdielen, die unter Tobias’ Gewicht knarrten und ächzten. Das Mobiliar bestand lediglich aus einem Tisch, einer ungepolsterten Bank, zwei niedrigen Schemeln und einer gewaltigen Truhe.

Tobias war verwirrt. Nicht, dass er Luxus erwartet oder gar gefordert hätte – im Gegenteil: Seine Zelle im Lübecker Kloster war weitaus spartanischer eingerichtet als dieses Zimmer. Eigentlich hätte er im Gegenteil erfreut sein müssen, in einem solchen Gebäude einen Bewohner von offenbar bescheidenem Lebensstil anzutreffen. Aber er war alles andere als erfreut. Dieses Haus war … sonderbar. Ein sonderbares Haus in einer sonderbaren Stadt; und mit einem äußerst sonderbaren Bewohner.

Bresser führte ihn zur Bank neben dem Fenster und lud seinen Beutel auf dem Tisch ab. »Setzt Euch, Pater«, sagte er. »Ruht Euch ein wenig von der Anstrengung aus. Ich werde gleich meine Frau schicken, damit sie Euch zu essen und trinken bringt.«

»Macht Euch keine Umstände, guter Mann«, sagte Tobias, ließ sich aber mit einem dankbaren Nicken auf die Bank sinken. »Ich bin nicht hungrig.«

»Unsinn!«, widersprach Bresser. »Natürlich seid Ihr hungrig. Wo habt Ihr übernachtet, wenn die Frage gestattet ist?«

»Im Wald«, antwortete Tobias. »Bei einem Köhler, der mit seiner Frau …«

»Ich kenne die beiden«, unterbrach ihn sein Gastgeber. »Und ich kenne auch den Weg von ihrem Haus hierher.«

»Es sind nur ein paar Stunden.«

»Ein guter Tagesmarsch, meint Ihr wohl«, verbesserte ihn Bresser. »Ihr müsst hungrig sein.«

Tobias seufzte – aber er widersprach nicht mehr, sondern zuckte nur ergeben mit den Schultern und sah zu, wie der Dicke auf seinen kurzen Beinen herumwieselte und das Zimmer verließ. Einen Augenblick später hörte er ihn draußen lautstark und in einem wenig freundlichen Tonfall nach einer Frau namens Maria brüllen.

Die Dominikaner standen nicht im Rufe, Verächter eines reichhaltigen Mahls zu sein. Niemand nahm im Ernst an, dass jemand, der das Gewand des Herrn trug, auch wirklich anspruchslos war. Und selbst die Ärmsten entwickelten eine erstaunliche Verschwörermentalität, wenn es darum ging, jemandem, der den sinnlichen Genüssen des Lebens abgeschworen hatte, das eine oder andere davon doch zukommen zu lassen. Tobias war wirklich nicht hungrig – aber auf der anderen Seite sagte er sich, dass der Dicke durchaus Recht hatte: Der Weg war ziemlich weit gewesen, und sein Körper brauchte eine Stärkung, ob er nun Hunger verspürte oder nicht.

Während er auf die Rückkehr des Dicken und seiner vermutlich ebenfalls dicken und speckigen Frau wartete, blickte er aus dem Fenster und versuchte, sich über das sonderbare Gefühl Klarheit zu verschaffen, das Buchenfeld in ihm auslöste. Er war nicht sicher, ob es nicht an ihm lag: Immerhin hatte er eine lange Reise hinter sich, ein lebensgefährliches, zumindest aber aufregendes Erlebnis, war müde und erschöpft und noch dazu verletzt worden. In einem solchen Zustand wäre ihm vielleicht sogar das heilige Rom sonderbar vorgekommen.

Durch das Fenster, vor dem er saß, konnte er einen Teil des benachbarten Turmhauses erkennen, und wieder fiel ihm auf, wie düster und unheimlich es wirkte. Die Steine waren gewaltige Brocken, die jeder Einzelne passend zugemeißelt und ohne Mörtel aufeinander gesetzt worden waren; eine Technik, die schon seit langem nicht mehr benutzt wurde. Vieles, was alt und gut war, war verloren gegangen. Sie lebten in einer schnellen Zeit, dachte Tobias, die viele Veränderungen brachte. Die Wissenschaften befanden sich auf dem Vormarsch, und kaum ein Jahr verging ohne eine neue, erstaunliche Erfindung, ohne neues, überraschendes Wissen. Manchmal machte diese rasende Veränderung der Welt – und vor allem des Verständnisses der Menschen von dieser Welt – Pater Tobias große Angst.

Ein Geräusch von der Tür her riss ihn in die Wirklichkeit zurück. Tobias hob den Kopf und erblickte eine vielleicht vierzigjährige, verhärmte Frau mit schmalen Händen und grauem Haar, die mit einem hölzernen Tablett unter der Tür erschienen war. Auf diesem Tablett trug sie einen Deckelkrug aus Zinn nebst einem passenden Becher, einen Laib Brot, Käse und einen sauberen Teller, auf dem ein knusprig gebratenes Stück Schweinefleisch dampfte. Überrascht fragte sich Tobias, wie sie diese Mahlzeit in den wenigen Augenblicken zubereitet haben mochte, die er jetzt hier saß. Dann fielen ihm die fettigen Hände des Dicken wieder ein und die Tageszeit – wahrscheinlich hatte die Familie in der Küche beim Essen gesessen, als er eintraf. Keine Zauberei. Nur Zufall.

Und der verlockende Geruch des gebratenen Fleisches weckte tatsächlich seinen Hunger. Er lächelte dankbar, als Maria das Tablett vor ihm auf den Tisch ablud, und musste sich sogar beherrschen, um nicht zu gierig nach den Speisen zu greifen.

»Langt nur tüchtig zu, ehrwürdiger Vater«, sagte Bresser, während er an ihm vorbei zum Fenster eilte. »Und habt keine Hemmungen, nach mehr zu fragen, wenn es nicht reicht. Wir haben genug.«

Tobias unterdrückte ein Lächeln. Die Portion, die vor ihm stand, hätte für fünf Mahlzeiten gereicht. Er wollte gerade eine entsprechende Bemerkung machen, als Bresser nach dem offenen Fensterflügel griff und sich zu ihm herumdrehte.

»Wenn es Euch recht ist, schließe ich das Fenster, bis Ihr gegessen habt. Damit Euch der Gestank nicht zu arg belästigt.«

Tobias sah ihn überrascht an, und zum ersten Mal wirkte das Lächeln des dicken Mannes nicht aufgesetzt, sondern echt. »Oh, ich verstehe«, sagte er. »Ihr habt absichtlich nichts gesagt, um niemanden zu beleidigen. Aber das braucht Ihr nicht. Wir finden diesen Gestank ebenso widerwärtig wie Ihr. Auch wenn wir uns wahrscheinlich daran gewöhnt haben – was bleibt uns auch anderes übrig?«, fügte er seufzend hinzu.

»Aber was ist es?«, wunderte sich Tobias.

»Der Pfuhl«, antwortete Bresser. »Ihr werdet ihn kennen lernen. Aber jetzt esst erst einmal. Wir können derweil reden oder auch danach, ganz wie es Euch beliebt.«

Seine Frau klappte den Deckel der Kanne hoch und goss goldfarbenen, klaren Wein in den Becher. Tobias sprach ein kurzes Gebet, dann nahm er das Messer und schnitt sich einen gehörigen Kanten von dem Brot ab. Es war noch warm und roch so verlockend, dass er sich beherrschen musste, sich nicht gleich ein ganzes Stück in den Mund zu schieben. Bresser setzte sich zu ihm, und auch Maria wollte sich einen Schemel heranziehen, aber ihr Mann scheuchte sie mit einem befehlenden Blick aus dem Zimmer. Einen Moment lang war Tobias versucht, sie zurückzurufen und ihr zu sagen, dass sie ruhig bleiben könne. Aber er begriff auch fast im gleichen Atemzug, dass er ihr damit keinen Gefallen erwies.

Für eine Weile schwiegen sie. Tobias’ Hunger meldete sich immer machtvoller zu Wort, als hätten die ersten Bissen ihn gerade erst richtig geweckt, und er fühlte sich erst halb gesättigt, als er das Fleisch zur Gänze und fast die Hälfte des Brotlaibes vertilgt hatte. Er hätte noch einen Nachschlag vertragen können, aber er spürte die Blicke seines Gegenübers die ganze Zeit auf sich lasten, und er wollte nicht wie jemand erscheinen, der der Völlerei frönte, so beließ er es dabei, ein letztes Stück Brot abzubrechen, mit dem er den Bratensaft vom Teller tupfte, und es mit einem Schluck Wein herunterzuspülen. Dann fuhr er sich genießerisch mit dem Handrücken über den Mund und lehnte sich zurück.

»Ein gutes Mahl habt Ihr mir bereitet«, sagte er. »Ich danke Euch. Eure Frau ist eine vorzügliche Köchin, richtet Ihr das aus.«

»Ich danke Euch, dass Ihr mein bescheidenes Geschenk angenommen habt«, antwortete Bresser mit einem öligen Lächeln. »Leider konnten wir Euch nicht standesgemäß bewirten.«

Er schien auf eine ganz bestimmte Antwort zu warten, aber Tobias verspürte wenig Neigung, Floskeln auszutauschen. Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und genoss einfach für die Dauer von fünf, sechs Herzschlägen die Dunkelheit und Stille. Dann richtete er sich wieder auf und sah Bresser an. »Es gibt also niemanden, der verantwortlich ist?«

»Ich sagte bereits, dass ich mich um all Eure Wünsche kümmere, Vater, und …«

Tobias unterbrach ihn mit einer nur angedeuteten, aber befehlenden Geste. »Wenn ihr keinen Bürgermeister oder Schulzen in der Stadt habt, wer hat dann den Brief geschrieben, in dem ich hierher gebeten wurde?«, fragte er.

»Verkolt«, antwortete Bresser. Tobias konnte es nicht in Worte fassen – aber er hatte plötzlich das sichere Gefühl, ein Thema angesprochen zu haben, das dem Dicken nicht behagte. »Er war … so etwas wie der Bürgermeister hier.«

»War und so etwas wie?«, hakte Tobias nach.

Bresser bewegte sich unwillig auf seinem Stuhl hin und her. »Er starb«, antwortete er. »Er erledigte alle anfallenden Arbeiten für den Grafen, wenn Ihr versteht.«

Tobias nickte. Er glaubte zumindest zu verstehen. Wer immer dieser Theowulf war, er schien ziemlich selbstherrlich über Buchenfeld zu herrschen. Offensichtlich gestattete er der Stadt weder einen eigenen Rat noch ein Gotteshaus, was ihn als einen höchst unheiligen Menschen auswies. Aber darum würde er sich später kümmern. Er war nach Buchenfeld gekommen, um den Anschuldigungen nachzugehen, die gegen eine Frau aus dieser Stadt erhoben worden waren; nicht, um den Rat der Stadt zu untersuchen. Das ging ihn nichts an. Aber es störte ihn. Ungerechtigkeit hatte ihn immer gestört, obwohl (oder vielleicht gerade weil?) er sich durchaus darüber im Klaren war, dass er in einer Welt lebte, in der das Wort Gerechtigkeit durchaus verschiedene Bedeutungen haben mochte; immer abhängig davon, wer man war und wo man stand.

Tobias verscheuchte den Gedanken. Er wollte sich erheben, doch in diesem Moment schoss ein dünner, stechender Schmerz durch seinen Kopf, und er hatte sich nicht gut genug in der Gewalt, einen Schmerzlaut zu unterdrücken und nicht die Hand an seine pochende Schläfe zu heben.

»Fühlt Ihr Euch nicht wohl, Pater?«, fragte Bresser besorgt.

Tobias zögerte einen Moment. Er fragte sich erneut, warum er nichts von der Frau und ihrem Sohn im Wald erzählt hatte. Die Lüge – die ja gar keine Lüge, sondern eher ein Verschweigen gewesen war – war ihm so glatt von den Lippen gegangen, dass er sie nicht hatte zurückhalten können. Aber sie wurde nicht zur Wahrheit, wenn er sie mit einer zweiten Lüge bestärkte.

Er zögerte noch einen Moment, dann zuckte er mit den Schultern und erzählte Bresser die Geschichte des Angriffs; nicht ganz und nicht in allen peinlichen Einzelheiten. Bresser hörte wortlos, aber mit immer finsterer werdendem Gesichtsausdruck zu.

»Der Junge hat Euch niedergeschlagen?«, ächzte er ungläubig, als Tobias zu Ende gekommen war.

Tobias zuckte mit den Schultern und lächelte ein wenig verlegen. »Er hat nur seine Mutter verteidigt«, sagte er aus dem plötzlichen – und ihm selbst nicht ganz verständlichen – Bedürfnis heraus, den Jungen zu verteidigen. Vielleicht lag es nicht so sehr an dem, was geschehen war, sondern einzig und allein an Bresser. Er bedauerte bereits wieder, die Geschichte überhaupt erzählt zu haben. Bresser war kein Mann, dem man sich anvertraute. Er mochte ihn nicht, und er hatte nicht einmal ein ungutes Gefühl bei diesem Gedanken.

»Und er hat mich nicht wirklich verletzt«, fügte er hinzu.

Bresser machte eine zornige Handbewegung. »Er hätte Euch umbringen können«, antwortete er.

»Aber er hat es nicht«, gab Tobias zurück; schärfer, als er beabsichtigt hatte. Und er fuhr im gleichen Tonfall fort: »Ich habe Euch das auch nicht erzählt, um Euer Mitleid zu erwecken. Kennt Ihr diese Frau?«

Bresser schüttelte so rasch den Kopf, als hätte er nur auf diese Frage gewartet. Erst danach tat er so, als überlege er einige Augenblicke lang angestrengt. Der Mann ist ein Lügner, dachte Tobias.

»Nein«, sagte er dann. »Es gibt vier Frauen in Buchenfeld, die im Moment guter Hoffnung sind. Aber keine bekommt ihr Kind in ...

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