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Der Höhepunkt kommt vor dem Fall

Über die Autoren

Helene Nova machte eine Ausbildung zur Sexualtherapeutin und führt heute in Norddeutschland ihre eigene Praxis. Ihr Anliegen ist es, zu einem offenen Umgang mit Sexualität und den Prob­lemen, die fast jeder kennt, anzuregen.

Felix Fröhlich studierte nach einem abgebrochenen Theologiestudium Ethnologie und Soziologie in München, Paris und Uppsala und lebt heute mit seiner Frau und drei Töchtern als freiberuflicher Autor in Südfrankreich.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kapitel Der Spott kommt von allein: die peinlichsten Entdeckungen

2. Kapitel Schäden im Stellungskrieg – Unfälle zu zweit

3. Kapitel Der Mann als Einzelkämpfer – die spektakulärsten Selbstbefriedigungspannen

4. Kapitel My Car is my Castle – in meinem Auto, da fühl ich mich daheim

5. Kapitel Fesselnde Geschichten – für alle, die es etwas härter mögen

6. Kapitel Sex in und mit der Natur – die besten Geschichten von Bäumen und Tieren

7. Kapitel Kuriositäten aus aller Welt

8. Kapitel »Ich wollte doch bloß …« – die besten Ausreden (nicht nur) beim Arzt

Die zehn häufigsten Pannen beim Sex

Tipps und Tricks zur Vermeidung von Sex

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Einleitung

Fortpflanzung ist ein wesentlicher Zweck der Natur, viele glauben sogar, es ist ihr einziger. Und damit die Fortpflanzung auch reibungslos funktioniert, hat die Natur den Sex erfunden. Die Trieberfüllung macht auch noch Spaß. So weit, so gut. Und im Tierreich hat es in all den Jahrmillionen der Evolution bei all den Abermillionen von Tierarten auch nie Probleme damit gegeben.

Erst beim Menschen funktioniert das alles nicht mehr so einfach. Denn der hat einen Geist. Und der Geist ist nicht nur neugierig, sondern auch erfinderisch.

So wie in allen anderen Lebensbereichen ist es auch beim Sex: Dem Menschen werden die von der Natur vorgesehenen Wege schnell langweilig, und er denkt sich neue aus. Manchmal nämlich empfindet der Mensch sehr viel Vergnügen daran, eine ganz einfache Sache sehr kompliziert durchzuführen.

Und damit sind wir beim Thema dieses Buches. Denn vieles, was in der Fantasie einen großen Reiz ausübt, geht in der Praxis völlig in die Hose. Und wenn es nur das wäre.

Was kann denn da schon schiefgehen, denken Sie jetzt vielleicht. Lassen Sie sich überraschen. Der Mensch ist auf keinem Gebiet so erfinderisch wie auf dem der Lust. Das kann ganz harmlos und einfach nur peinlich sein, das kann aber auch zu medizinischen Notfällen führen.

Stellen Sie sich die Szenerie vor: Es ist ganz leise, man hat das ganze Haus, die ganze Wohnung für sich. Keiner stört. Glaubt man. Bis dann, völlig unangemeldet, Kind, Mutter oder großer Bruder im Zimmer steht und mehr oder weniger dämliche Fragen zu etwas stellt, zu dem es eigentlich keine Fragen zu stellen gibt, weil es sich selbst erklärt. Oder, im Gegenteil, keine Fragen hat, sondern peinlichst berührt mitten im Zimmer stehen bleibt. Oder schweigend und unübersehbar erbost über so viel mangelnden Anstand den Raum verlässt.

Fast jeder kennt solche Situationen. Dabei ist das noch die mit Abstand harmloseste Variante der berühmten »Sexpanne«.

Kaum ein Thema zieht so seine Kreise durchs Internet und Zeitschriften, kaum etwas gibt einen so dankbaren Gesprächsstoff ab wie Missgeschicke im Bett.

Und genau dort haben wir uns bei unserer Recherche umgeschaut: Wir haben Internetforen durchstöbert, Zeitungsnotizen aus aller Welt gesammelt und sind in unserem Freundes- und Bekanntenkreis wildern gegangen. Die Ergebnisse unserer Suche haben wir in diesem kleinen Bändchen zusammengestellt.

Manchmal haben wir dafür eine knappe Meldung oder einen lapidaren Bericht etwas ausgeschmückt. An den Fakten selbst haben wir jedoch nichts geändert. Außerdem werden Sie feststellen, dass sehr viele Beispiele aus unserer Sammlung zu verrückt sind, als dass sie sich jemand ausgedacht haben könnte. Nur Personen- und teilweise auch Ortsnamen haben wir aus Gründen der Diskretion grundsätzlich geändert.

Nicht alles, was sich in diesem Buch findet, hält sich übrigens im Rahmen des Appetitlichen, und vermutlich wird es Ihnen beim Lesen gehen wie uns beim Sammeln der Anekdoten: Jeder von uns ist irgendwann an seine ganz persönliche Schmerzgrenze gestoßen. Es gibt eben sowohl beim Sex selber als auch bei dem, was dabei schieflaufen kann, nichts, was es nicht gibt. Andererseits: Kaum eine Freude ist besser als die Schadenfreude. Und wenn Sie gleich lesen, was anderen bereits widerfahren ist, dann freuen Sie sich doch einfach, dass Sie im Zirkus der Peinlichkeiten dieses Mal nur Zuschauer sind, nicht Mitwirkender. In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen!

Helene Nova und Felix Fröhlich

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1. Kapitel: Der Spott kommt von allein: die peinlichsten Entdeckungen

Alles, was beim Sex schiefläuft, ist grundsätzlich peinlich. Vor allem, weil sich die Beteiligten plausible Ausreden für ihr Missgeschick einfallen lassen müssen.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund dafür, sich für das, was man gerade tut, in Grund und Boden zu genieren: nämlich ungebetene Gäste, Zuschauer oder Akklamateure.

Beim Sex von Mama, Schwester oder Großmutter überrascht zu werden, ist vermutlich fast jedem schon mal passiert. Das ist blöd, aber nahezu unvermeidbar, wenn sich mehr Menschen als die beiden Paarungswilligen ein Haus oder eine Wohnung teilen.

Wir sind bei unseren Recherchen aber auf weit schönere Geschichten gestoßen. Hier eine Rangordnung aufzustellen, war uns fast nicht möglich, sieht man einmal von den drei letzten Fällen ab. Die sind allerdings schon wieder derart absurd, dass selbst wir unsere Zweifel an der Glaubwürdigkeit hatten.

Der einzige Schluss, zu dem man beim Lesen der nachfolgenden Geschichten kommen kann, ist eigentlich der, dass man nirgends, aber auch wirklich nirgends vor Peinlichkeiten sicher sein kann. Sie können sich sozusagen entscheiden: Entweder Sie leben von jetzt an konsequent abstinent. Oder Sie leben mit dem Risiko. Unterhaltsamer ist sicher Letzteres.

Platz 10: Wenn die wüssten …

Es ist ein heißer Sommertag, und Lisa und Martin F. sind alleine zu Hause, weil die Kinder mit Freunden ins Schwimmbad gegangen sind. Die Terrassentür ist weit geöffnet, damit ein bisschen Luft in die Wohnung kommt. Lisa trägt nur einen Rock und nichts drunter. Sie setzt sich zu Martin aufs Sofa, dann öffnet sie seine Hose und setzt sich auf ihn. Sie bewegen sich ganz langsam und wollen das Zusammensein möglichst lange auskosten. Was ihnen auch gelingen wird, wenn auch anders als gedacht.

Plötzlich kommen nämlich ihre Nachbarn zur Terrassentür herein und setzen sich aufs andere Sofa. Sie fangen ganz zwanglos darüber zu plaudern an, dass man es draußen ja nicht aushält bei der Hitze und so weiter. Lisas Rock fällt so, dass es aussieht, als würde sie einfach auf Martins Schoß sitzen. Davon, dass sein Penis in ihrer Scheide steckt, sieht man gar nichts, und Lisa und Martin hoffen, dass das auch so bleibt. Sie sind ziemlich einsilbig, aber sie können die Freunde schlecht auffordern, wieder zu gehen. Außerdem stellt Lisa fest, dass die ganze Situation sie unheimlich erregt. Und auch Martin bleibt steif und fest dabei. Auf diese Weise verharren sie über eine halbe Stunde in ihrer Position, und Lisa versucht zu verbergen, wie erregt sie ist.

Als die Nachbarn sich endlich verabschieden, sind Lisa und Martin fast ein klein wenig enttäuscht. Das gleichen sie aber durch einen heftigen Abschluss ihres so überraschend anderen Liebesspiels aus.

Nicht jedoch, ohne vorher die Terrassentür zu schließen.

Platz 9: Der Heizungsableser kommt

Handwerker sind vermutlich einiges gewohnt. Bei ihrer Arbeit müssen sie oft in sehr private Bereiche vordringen. Und so mancher Zeitgenosse wird bei der harmlosen Wendung »Jetzt müsste ich auch noch in Ihr Badezimmer« schon einen Schrecken bekommen haben.

So geht es auch Rita S., als es morgens um halb acht an der Wohnungstür klingelt. Ein Handwerker mit Werkzeugtasche und Latzhose steht vor der Tür und sagt, er müsse die Heizung ablesen. Stimmt, da gab es einen Zettel von der Hausverwaltung. Gott sei Dank ist Rita wenigstens schon angezogen. Dass die Wohnung nicht aufgeräumt ist, kann dem Heizungsableser schließlich egal sein. Der macht sich inzwischen am Heizkörper im Wohnzimmer zu schaffen.

Rita ist in der Küche, um Kaffee zu kochen, als der Handwerker nach ihr ruft. Da müsse noch ein anderer Zähler sein, sagt er. »Stimmt«, sagt Rita, »der ist bei uns – im Schlafzimmer.«

Und bei diesen Worten wird ihr bewusst, dass das Schlafzimmer ebenfalls nicht aufgeräumt ist. Und gestern war eine heiße Nacht. Sie geht rasch voraus, doch der Handwerker ist ebenso schnell und folgt ihr auf dem Fuß.

Dass das Bett zerwühlt ist, ist nicht weiter schlimm, doch dass auf dem Fußboden ein Noppendildo und ein paar Handschellen liegen, hätte Rita gern für sich behalten.

Der Handwerker sieht mit lässiger Professionalität über alles hinweg und spart sich irgendwelche Kommentare. Ihn scheint nur sein Heizungszähler zu interessieren. Jedenfalls tut er so. Aber Rita möchte im Boden versinken.

Platz 8: Der überpünktliche Pizzamann

Eine Studentenbude ist für viele der erste Schritt zur Freiheit. Doch sollte man nie vergessen, dass hier die Zimmertür zugleich die Wohnungstür sein kann. Davon weiß Susanne B. ein Lied zu singen.

Sie hat ein Zimmer im Studentenwohnheim und hat gerade ihren Freund Bernd zu Besuch. Die beiden wollen den Abend zu zweit verbringen. Da sie Hunger haben, jedoch nicht mehr ausgehen wollen, bestellen sie eine Familienpizza. Das werde mindestens eine halbe Stunde dauern, erhalten sie zur Auskunft.

In einer halben Stunde kann man zusammen eine Menge unternehmen, vor allem, wenn man sowieso schon in Unterwäsche auf dem Bett sitzt. Eigentlich wollen Susanne und Bernd nur etwas schmusen, sie haben ja noch die ganze Nacht vor sich. Doch die gegenseitige Anziehungskraft tut das ihrige, und das bisschen Wäsche ist schnell abgestreift. Bernd kniet hinter Susanne, so wie sie es am liebsten hat, und ist gerade in sie eingedrungen, als sie ein lautes »Oh, Tschuldigung« hören.

Die beiden schauen, in ihrer Position verharrend, zur Tür, wo ein erschrockener Pizzabote mit seiner Schachtel steht. Dann dreht er sich langsam um und schließt die Tür wieder. Da ist er einmal schneller als angekündigt, und dann ist es auch nicht recht.

Susanne schließt selten ab, wenn sie zu Hause ist. Sie wirft sich rasch einen Bademantel über und öffnet die Tür, vor der der Pizzabote mit hochrotem Kopf und verlegen grinsend wartet. »Ich hab geklopft«, sagt er. »Ich schwör.«

Susanne hat keine Lust, die Sache auszudiskutieren. Sie bezahlt und dreht den Schlüssel dann zwei Mal um.

Der Abend wurde aber trotzdem noch sehr schön.

Platz 7: In welchem Aufzug in den Aufzug?

Viele spielten sicher schon einmal mit dieser Fantasie: Man ist allein mit einem attraktiven Gegenüber in einem engen Fahrstuhl. Ausweichen ist kaum möglich, und dann ist da noch dieses gewisse Prickeln. Und wenn der Aufzug jetzt stecken bleibt? Oder noch besser: Wenn die attraktive Frau oder der sportliche Mann jetzt lächelnd auf den Stopp-Knopf drückt? Für die meisten von Ihnen bleibt es sicher bei der Fantasie. Doch ein junges Paar aus Hamburg wollte es gerne Realität werden lassen.

Die beiden, nennen wir sie Peter und Melanie, wohnen in einem Hochhaus mit fünfzehn Stockwerken. Das ist zwar mickrig im Vergleich zu New York oder Tokio, aber immerhin. Sie haben es schon auf dem Balkon, im Wald und im Auto auf einem öffentlichen Parkplatz gemacht. Der Aufzug fehlt noch in der Sammlung, denn es ist das Spiel mit dem möglichen Entdecktwerden, das sie reizt. Wobei sie aber immer dafür sorgen, dass das Spiel ein Spiel bleibt.

An einem warmen Sonntagnachmittag besteigen sie den Aufzug. Melanie trägt unter ihrem Rock kein Höschen. Zuerst fahren sie einmal bis ganz nach oben, wo ein Junge einsteigt. Zu dritt geht es bis zum Erdgeschoss.

Dann zu zweit wieder nach oben. Zwischen dem vierten und fünften Stockwerk drückt Peter den roten Halteknopf. Dann beginnen sie sich zu küssen, Melanie öffnet Peters Hose, und er dringt in sie ein. Sie drehen sich und stoßen mehrmals gegen die Wand des Aufzugs, aber das ist bei der Enge auch nicht zu vermeiden und macht ja eben den Reiz aus.

Bis plötzlich jemand sagt: »Das ist ja unerhört!«

Erschrocken fahren Melanie und Peter herum. Die Aufzugtür ist offen, und davor stehen zwei ältere Herrschaften, eine Dame und ein Herr mit Hut, und gucken entrüstet. Melanie und Peter hatten nicht bemerkt, dass sie bei ihrem Liebesspiel irgendwann auch an den entscheidenden Knopf gekommen sind, der den Aufzug zur Weiterfahrt motiviert.

Sie bringen ihre Wäsche einigermaßen in Ordnung, sagen »Entschuldigung« und verschwinden so schnell wie möglich im Treppenhaus.

Platz 6: Mit Babyfon alles unter Kontrolle

Für junge Eltern bedeutet ein Baby eine Einschränkung des Liebeslebens. Konnte man vorher tun, was man wollte und wann man es wollte, so heißt es jetzt oft: Schläft er oder sie schon? Oder: Sei leise, er oder sie schläft endlich! Oder ein Elternteil ist zu müde für Sex, wenn das Baby endlich schläft.

Von einem peinlichen Erlebnis aus dieser Phase des Lebens berichtet Silke, eine junge Mutter. Die kleine Familie ist zu Besuch bei Silkes Großmutter, und der kleine Sven will in der fremden Umgebung nur schwer einschlafen. Am Sonntagmorgen geht die Oma zur Kirche, wie sie das jeden Sonntag tut, und Silke stillt den kleinen Sven, der danach satt und zufrieden einschläft. Endlich. Silke kriecht zu Jan, dem jungen Vater, ins Bett. Als sorgende Mutter denkt sie auch jetzt noch an den Kleinen und sagt Jan, er solle das Babyfon neben Svens Körbchen aufstellen, für alle Fälle. Den Empfänger legt Jan auf den Boden neben das Gästebett, und dann haben die beiden endlich etwas Zeit für sich. Alle Leidenschaft bricht aus ihnen hervor, und sie lieben sich heiß und heftig. Vergessen sind Raum und Zeit.

Als sie sich lösen und schwer atmend nebeneinander liegen, glaubt Silke plötzlich den kleinen Sven zu hören. Aber das Babyfon macht kein Geräusch. Silke greift nach dem Gerät und bekommt einen Schreck. »Das ist der Sender«, ruft sie und hält Jan das Teil vors Gesicht. Eilig zieht sie sich etwas über und läuft die Treppe nach unten.

Dort sitzt ihre Oma und wiegt das Baby im Arm.

»Na endlich«, sagt die alte Dame nur. »War das die ganze Zeit an?«, fragt Silke und zeigt auf das Babyfon. »Woher soll ich denn wissen, wie man das ausmacht«, sagt die Oma trocken. Mehr nicht. Und mehr sagt sie auch nicht, bis ihr Besuch am Abend wieder wegfährt.

Platz 5: Verantwortungsbewusste Nachbarn

Gewalt in der Familie ist alles andere als unterhaltsam. Häufig genug schauen die anderen weg, obwohl ein Eingreifen gefordert wäre.

Eine ganz andere Geschichte weiß allerdings Peter M., seines Zeichens Polizist in Hameln, zu erzählen:

Es ist ein friedlicher Samstagabend. Peter M. sitzt gemeinsam mit seinem Kollegen in der Dienststelle, in zehn Minuten beginnt die Sportschau, für die ersten veritablen Prügeleien vor der Disko ist es noch entschieden zu früh.

Und trotzdem meldet sich das Telefon, und eine aufgeregte Frauenstimme erklärt, sie wolle sich ja nicht einmischen, aber in der Wohnung direkt neben ihr … und das Mädchen sei ja noch ganz jung, gerade mal Anfang zwanzig … Und dieser Mann, den habe sie gestern das erste Mal bei ihr gesehen. Wie auch immer, die Arme schreit und jammert ganz furchtbar.

Also keine Sportschau, denkt Peter M. und winkt seinem Kollegen, ihm zu folgen.

Besonders mitgenommen wirkt die Frau, die ihnen die Tür öffnet, nicht. Höchstens vielleicht ein bisschen verlegen. Und definitiv nur äußerst notdürftig bekleidet. Peter M. und sein Kollege werfen sich einen kurzen Blick zu. Gut. Dann jetzt das komplette Programm. Wenn schon keine Sportschau.

»Vielleicht hat ja da drüben jemand geschrien«, sagt die Frau und zeigt auf die Tür gegenüber. »Hier war alles leise.« Sie wird rot.

Ob sie kurz hereinkommen dürften, fragt Peter M. Die Frau tritt einen Schritt zur Seite. »Vielleicht ins Wohnzimmer.« So wie Peter M.s Kollege das sagt, ist es weniger ein Vorschlag als vielmehr eine Aufforderung.

Und tatsächlich, da sitzt die andere Hälfte der Ruhestörung. Er hat das Gespräch an der Wohnungstür offenbar nicht mitbekommen, denn im Gegensatz zu seiner Freundin ist er nackt.

»Jetzt noch mal zu den Schreien«, setzt Peter M. an. »Sie werden verstehen, dass wir das nicht einfach so als Bagatelle abtun können. Passiert das häufiger, dieses Schreien und Jammern, meine ich?«

Die Frau schaut an die Wand gegenüber. »Ja … nein … eigentlich …«

Peter M. kann förmlich sehen, wie der Mann sich einen Schubs gibt. »Ich habe sie nicht verprügelt.«

»Das sagen sie alle«, erwidert Peters Kollege ungerührt. »Wir müssten Ihre Freundin eigentlich mitnehmen. Sie muss von einem Arzt untersucht werden.«

»Aber wir haben nur …« Den Rest verschluckt die Frau.

»Nur …?«

»Nur gar nichts.

»Aha.«

Eine Weile herrscht bedeutungsvolles Schweigen, die Frau starrt auf die Wand, der Mann aus dem Fenster, die Beamten starren auf die beiden. Schließlich fällt Peter M. die Sportschau wieder ein, die immerhin noch eine halbe Stunde laufen dürfte, und er sagt: »Geht das in Zukunft bitte etwas leiser, das Garnichts?«

Szenen wie diese erlebt man als Polizist eher selten, erzählt Peter M.. Und natürlich sei es hundertmal besser, einmal zu oft die Polizei zu rufen, als sich zum schweigenden Mitschuldigen zu machen. »Aber irgendwas wollen wir bei Fehlalarm schließlich auch von der Sache haben.«

Fazit: Randalieren beim Sex kann vielleicht Spaß machen, zieht aber gelegentlich unliebsame Verhöre nach sich.

Platz 4: Konstruktiver Sex

Auf einer einschlägigen Internetseite erzählt Evelyn Strunz folgende Geschichte:

Sie hat bereits einer ganzen Reihe von Männern Neurosen beim Sex verpasst. Sprüche wie »Ist er schon drin?« zählen noch zu den harmlosen; an der Tagesordnung standen bisher eher Kommandos wie »Nun streng dich mal ein bisschen an!« oder vernichtende Urteile wie »Da hat dein Opa ja noch mehr drauf!« Kurz und gut, Evelyn war bisher promisk und, was die männliche Seele angeht, eher destruktiv. Das soll sich jetzt aber gründlich ändern.

Evelyn hat sich nämlich verliebt. Und zwar in Kevin. Kevin ist der Mann, bei dem Evelyn sesshaft werden möchte: Er wechselt seine Unterwäsche alle drei Tage, hat eine bezahlte Arbeit und sagt »bitte«, wenn er Evelyn zum Bierholen schickt. So einen findet sie so schnell nicht wieder, und darum muss sie ihn bei der Stange halten.

Die ersten Male im Bett waren noch ein vorsichtiges Abtasten, Kennenlernen, aber heute Abend ist es endgültig Zeit, Kevin ihre Leidenschaft zu zeigen und ihm zu bedeuten, wie wichtig er ihr ist.

Gedacht, getan: Kevin kommt nach getanem Tagwerk nach Hause, Evelyn lässt ihre Verführungskünste spielen und eine Viertelstunde später liegen die beiden im Bett. »Jetzt keinen Fehler machen«, denkt sie. »Nur nicht verschrecken, den Guten!«

Eine Freundin, die Evelyns bisherigen Umgang mit Männern kennt, hatte ihr noch eingeschärft, dass Männer viel Bestätigung beim Sex brauchen. Sie beginnt also mit einem wiederholten »Oh, bist du gut! Ja, genau so!« So weit läuft alles noch störungsfrei. Kevin ist gut drauf, und Evelyn konzentriert sich darauf, ihre Nörgelei zu unterdrücken und Kevin stattdessen zu bestärken. Was erst mal anstrengend ist für Evelyn. Die Umstellung erfordert volle Konzentration.

Aber Evelyn ist guten Willens, und so beginnt sie auch schnell mit einem zwar gespielten, aber täuschend echten lustvollen Stöhnen. Das geht über in: »Ja! Du bist ja so groß, so mächtig – du füllst mich ganz aus!« Als Kevin abrupt innehält in seinen Bewegungen, schwant Evelyn, dass sie einen Fehler begangen haben könnte. »Was heißt hier ›ausfüllen‹? Ich bin doch noch gar nicht drin!« Evelyn ist nicht auf den Mund gefallen, aber eine saubere Ausrede fällt ihr dazu nicht ein. Kevin ist erbost: »Bist du etwa so eine, die Männern nur irgendwelche Schmeicheleien im Bett erzählt? Und deine Orgasmen bisher, waren die etwa auch alle nur vorgetäuscht?«

Evelyn versucht noch einmal, ihren Mann fürs Leben zu beschwichtigen. Vergeblich. Was zu viel ist für den männlichen Stolz, das ist zu viel. Noch am selben Abend packt er seine Sachen und lässt die arme Evelyn zurück.

Die heult sich prompt bei ihrer Freundin aus und macht ihr Vorwürfe wegen des Rates zu Lob und Bestärkung. Und die Freundin weiß auch diesmal Rat: »Das wird schon wieder. Ruf Kevin einfach gleich an und pflaum ihn an, dass er so langsam war.« So zumindest erzählt sie die Geschichte.

Platz 3: Sex, Lügen und Videos

Es gibt Menschen, die sich von außen betrachten, wenn sie sich selbst in einer bestimmten Situation vorstellen. »Dissoziativ« nennt man das. Hat eine Menge Vorteile, so eine Perspektive, und man kann sie auch beim Sex einnehmen.

Heiner und Doris sind ein Paar, das sich optisch leicht erregen lässt, sprich: Die beiden schauen gerne gemeinsam Pornos. Das Schönste ist für sie aber, sich selbst beim Sex zu filmen und sich hinterher die Aufzeichnung anzusehen. Doris vergibt dabei gern Punkte an Heiner, während Heiner hauptsächlich sich selbst applaudiert.

In letzter Zeit huscht dabei ab und zu Felix durchs Bild, der kleine graue Kater der Nachbarn. Einige Videos später wird klar, was Felix hier wollte – Lucrezia, die Katze des Pärchens, ist mittlerweile trächtig. Bis sie wirft, poppen Heiner und Doris munter weiter und halten das mit der Kamera fest. Als die süßen Kätzchen auf der Welt sind, schnappt Doris sich die Videokamera und möchte zur Abwechslung ...

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