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Der Hexer 51

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist DER HEXER?
  3. Der Autor
  4. Vorwort
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Die vergessene Welt
  8. Vorschau
  9. Die Serie auf einen Blick
  10. E-Book-Titel von Wolfgang Hohlbein
  11. Unsere Empfehlungen

Was ist DER HEXER?

Der Hexer ist eine Romanserie in der Tradition von H.P. Lovecraft, geschaffen von Wolfgang Hohlbein, der auch die meisten Folgen schrieb. Das Epos wurde 1984 in der Reihe »Gespenster-Krimi« begonnen und später als eigenständige Serie unter »DER HEXER« und schließlich als Paperback und Sammeledition fortgesetzt.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in London des 19. Jahrhunderts und verstrickt den Hexer Robert Craven und später auch seinen Sohn in fantastisch-schaurige Abenteuer. Immer wieder kommt es dabei zu Begegnungen mit den GROSSEN ALTEN – göttergleichen Wesen, die den Menschen feindlich gesonnen sind – und deren Vertretern auf der Erde.

Der Autor

Wolfgang Hohlbein ist ein Phänomen – einer der produktivsten Autoren fantastischer Literatur mit mehr als hundertsechzig Büchern und einer Weltauflage von über vierzig Millionen Exemplaren! Bekannt wurde er neben seinen Jugendbüchern vor allem durch den Romanzyklus DER HEXER. Die E-Book-Sammleredition präsentiert die Hexer-Geschichten als »Director’s Cut« in ihrer ursprünglichen Form und in chronologischer Reihenfolge, gespickt mit vielen Hintergrundinfos.

Vorwort

Mitautor Frank Rehfeld gibt in aufschlussreichen Vorworten Auskunft über Hintergründe und Inhalte der Hexer-Reihe. Seine Anmerkungen beziehen sich dabei in der Regel auf mehrere E-Book-Folgen. Hier das Vorwort zu Band 49, 50 und 51.

Dieses Vorwort bezieht sich auf die E-Book-Hexer-Folgen 49, 50 und 53, da es dem Taschenbuch-Sammelband entspringt und dort erstmals von der Regel abgewichen wurde, alle Hexer-Hefte chronologisch in der Reihenfolge ihres damaligen Erscheinens neu zu präsentieren, und zwar aus folgendem Grund: Bei den ursprünglichen Bänden 40 »Das unheimliche Luftschiff« und 44 »Endstation Hölle« handelt es sich um zwei Gastromane, die Perry-Rhodan-Autor Arndt Ellmer verfasst hat. Es ist ein Soloabenteuer um Howard und Rowlf, in dem Robert Craven selbst gar nicht mitspielt. Da es sich um einen Zweiteiler handelt, erschien es allen Beteiligten sinnvoll, beide Hefte für die Taschenbuch-Sammeledition hintereinander zu bringen, statt sie durch ein Festhalten an der ursprünglichen Reihenfolge auf zwei Bücher zu verteilen. Gleiches gilt für die Bände 42 »Die vergessene Welt« und 43 »Revolte der Echsen«. Auch hierbei handelt es sich um einen Zweiteiler.
Eine weitere Hauptrolle bei den Abenteuern Howards spielt ein gewisser Phileas Fogg. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um den durch den Roman »In achtzig Tagen um die Welt« von Jules Verne berühmt gewordenen Weltreisenden, der seine Wette nun unter verschärften Bedingungen wiederholt. Herausgefordert dazu wird er von einem gewissen Professor Moriarty, auf den ich bereits im Vorwort zu den E-Books 43 bis 45 kurz eingegangen bin. Moriarty war der Intimfeind des Meisterdetektivs Sherlock Holmes.

Jules-Gabriel Verne, der auch schon den für die Hexer-Saga nicht ganz unwichtigen Kapitän Nemo und seine NAUTILUS erfunden hat, wurde am 8. Februar 1828 als Sohn eines Rechtsanwaltes in Nantes geboren. Auf Wunsch seines Vaters studierte er Jura, zunächst in Nantes, ab 1848 in Paris, wo er Kontakt zu literarischen Zirkeln fand und u. a. die Bekanntschaft von Alexandre Dumas machte. Er begann Dramen zu schreiben.

Sein erstes Stück wurde am 12. Juni 1850 im Pariser Théatre Historique uraufgeführt. Von 1852 bis 1855 arbeitete Jules Verne als Sekretär am Théatre Lyrique und war ab 1856 auch als Börsenmakler tätig.

Neben der mit wachsendem Erfolg andauernden Arbeit als Romancier unternahm Verne große Reisen, auf denen er Anregungen für seine Arbeit fand. Neben reinen Abenteuerromanen verfasste er zahlreiche Bücher mit fantastischem Einschlag, die ihm den Titel als Vater des Science Fiction einbrachten. Viele seiner Werke wurden mehrfach verfilmt und sind noch heute Welterfolge.

Jules Verne starb am 24. März 1905 in Amiens.

Ähnlich große Berühmtheit errang Herbert George Wells, dem der Hexer in diesem Buch begegnet. Geboren wurde er am 21. September 1866 in Kent; er starb am 13. August 1946 in London. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Romane »Die Zeitmaschine« (erschienen 1895) und »Der Krieg der Welten« (1898). Letzterer wurde von dem damals dreiundzwanzigjährigen Orson Welles in ein Hörspiel umgewandelt, das am 30. Oktober 1938 ausgestrahlt wurde und angeblich wegen seines pseudodokumentarischen Charakters in halb Amerika eine Panik ausgelöst haben soll. Eine Legende, die sich bis heute hartnäckig hält, obwohl längst erwiesen wurde, dass es sich bei dieser Hysterie nur um Einzelfälle handelte.

Frank Rehfeld

Wolfgang Hohlbein

DER HEXER

Band 51
Die vergessene Welt

Das leise Summen, mit dem der Kreis die Beschwörung begonnen hatte, steigerte sich zu einem tiefen, unangenehm dröhnenden Ton, der nach und nach den ganzen Saal zum Vibrieren brachte und schließlich in die Körper der Knienden kroch, sich als dumpfer Schmerz einnistete, ihre Zähne zum Vibrieren, die Finger- und Zehenspitzen zum Prickeln und jeden einzelnen Nerv in ihrem Körper zum Erzittern brachte. Die Mitglieder des magischen Kreises schlossen ihre Hände fester zusammen, um den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Der Ring war stark, so stark wie lange nicht mehr – oder noch nie –, dachte Mereda. Die Luft zitterte vor mühsam zurückgehaltener Energie.

Und trotzdem wusste sie nicht, ob er halten würde.

Denn das, was aus den Schatten herankroch und allmählich in seinem Zentrum Gestalt anzunehmen begann, war stärker …

Mühsam verscheuchte sie die Furcht, die sich in ihren Gedanken einzunisten versuchte, und konzentrierte sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe. Was sie tat – was sie alle taten –, war ein Risiko, aber sie war sich seiner Größe durchaus bewusst. Und der Preis lohnte den Einsatz.

Irgendetwas geschah. Wie immer, wenn sie Mitglied des Beschwörungskreises war, sah sie selbst nichts als flirrende Schatten und ein ungewisses Huschen, unmittelbar im Zentrum des imaginären Kreises aus zusammengekauerten Menschenleibern. Aber sie hörte das überraschte Murmeln der übrigen Zuschauer und sah, wie sie angstvoll hinter die Säulen zurücktraten, die das Dach des Saales trugen. Einige verließen sogar den Beschwörungssaal ganz.

Nur Mereda rührte sich nicht, auch wenn die Schmerzen in ihren Finger- und Zehenspitzen immer heftiger wurden und sich auch unter den anderen Mitgliedern des Kreises Unruhe und schließlich Nervosität auszubreiten begannen.

Im Grunde war es wohl nur Trotz, der sie zwang, auszuharren. Sie würde den anderen beweisen, wie stark sie war. Vor allem Carda, der Kreisversteherin, die klein und verhutzelt auf der anderen Seite des Kreises stand und magische Worte murmelte; mit dünner, tonloser Stimme und halb geschlossenen Augen, trotzdem aber wach. Mereda wusste, dass ihr kein Anzeichen von Schwäche entgehen würde. Bei keinem. Und vor allem bei ihr nicht. Carda und sie waren nicht unbedingt das, was man Freundinnen hätte nennen können. Mereda hatte vom ersten Moment an Angst vor der Alten gehabt; und sie hatte gespürt, dass Carda sie vom allerersten Moment an gehasst hatte. Vielleicht, weil sie spürte, welches Potenzial in Meredas Seele schlummerte. Wenn überhaupt, war sie wohl die einzige Konkurrentin, die Carda überhaupt zu fürchten hatte.

Die Kreisversteherin begann sich jetzt mit sonderbaren, schlängelnden Bewegungen zu drehen und zu winden, ohne jedoch die Hände der rechts und links von ihr hockenden Adepten loszulassen. Der Assyr-Kristall, der blau und leuchtend auf ihrer Brust lag, war von einem ungezähmten, inneren Feuer erfüllt, das so stark aufflammte, dass es auf die Assyr-Kristalle der anderen Kreismitglieder übergriff und diese zu höchsten Anstrengungen trieb.

Bei jedem Wort, das die alte Zauberin ausstieß, bohrte sich ein dünner, glühender Schmerz immer tiefer in Meredas Leib. Sie stöhnte voller Qual und krampfte die Hände so heftig zusammen, dass auch der neben ihr hockende Mann aufsah und schmerzhaft das Gesicht verzog.

Dann spürte sie …

Ja – was eigentlich?

Es war wie eine Stimme, die lautlose Worte flüsterte, nein, nicht Worte, sondern … Wissen. Plötzlich wusste sie, dass sie in Gefahr war. In Gefahr zu, sterben oder ein schlimmeres Schicksal zu erleiden, wenn sie den Kreis nicht verließ. Es gab keinen Zweifel an diesem Wissen.

Einen Augenblick lang fragte sie sich, ob Carda die Magie des Kreises als Waffe gegen sie einsetzen wollte, so verrückt diese Idee auch war. Aber das gleiche Wissen, dem sie ihre Warnung verdankte, sagte ihr auch, dass es nicht so war. Nicht nur sie war in Gefahr. Die Energien, die sich als wabernde Schatten im Zentrum des Kreises bildeten, waren ungeheuerlich. Und sie waren destruktiv.

Gegen ihren Willen empfand sie Achtung vor Carda, die fast allein diese ungeheuerlichen finsteren Mächte bändigte – und zugleich eine fürchterliche Angst.

Mit einem Ruck stand sie auf, löste die Hände aus denen ihrer Nebenmänner und verließ den Kreis. Für einen Moment geriet Cardas Winden und Drehen aus dem Takt; zornige, aber auch abfällige Blicke trafen sie, als sie einen Schritt zurückwich und hoch aufgerichtet stehen blieb. Mereda spürte, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht schoss. Am liebsten wäre sie auf der Stelle herumgefahren und aus dem Saal, ja, aus der Stadt gestürmt, um sich irgendwo zu verkriechen. Sie war feige gewesen. Trotzdem blieb sie nur knapp außerhalb des Kreises stehen, obwohl sie die hämischen Blicke der anderen wie glühende Messer zu spüren glaubte.

Mereda zwang sich, nicht mehr an ihre Schmach zu denken, sondern versuchte die sich überschlagenden Gedanken der anderen wahrzunehmen. Sie war weit davon entfernt, anderer Gedanken lesen oder gar beeinflussen zu können, wie man es von Carda munkelte. Aber sie vermochte doch Stimmungen wahrzunehmen, Furcht sowie Freude, Entsetzen wie höchste Glückseligkeit zu unterscheiden.

Sie spürte die Unsicherheit der anderen – aber auch die Verachtung, die sie für ihr Tun empfanden. Bei vielen eine gehässige Befriedigung. Es war allen bekannt, dass Carda sie trotz allen Drängens nicht in den Magierkreis von Conden hatte aufnehmen wollen. Der Kreis sei aufeinander eingespielt und außerdem wären seine Mitglieder auf der Höhe ihrer Kraft und ihrer Erfahrung, hatte sie argumentiert. Es bestünde daher kein Grund, jemand auszutauschen, hatte die Versteherin ihr erklärt.

Dabei wusste jeder – wenn es auch niemand auszusprechen wagte –, dass Mereda ein größeres magisches Potenzial besaß als jeder der neunzehn anderen Magier, die mit Carda den Kreis bildeten. Nicht nur ihrer eigenen Ansicht nach war sie sogar stärker als Carda selbst. Und doch hatte die Alte sie abgelehnt, als wäre sie ein unreifes Kind. Mereda hatte all ihren Einfluss und ihre Macht aufbieten müssen, um an dieser einen Beschwörung teilnehmen zu dürfen. Und jetzt hatte sie versagt.

Mereda wusste, dass ihr Versagen Konsequenzen haben würde. Wenn sie jemals eine Chance gehabt hatte, sich gegen Carda zu behaupten, dann hatte sie sie soeben verspielt.

Die Schatten im Zentrum des Kreises bewegten sich stärker. Es war, als wolle sich ein Körper bilden, ein Ding aus Rauch und schwarzer wogender Bewegung, das immer wieder auseinandergerissen wurde, kurz, bevor es wirklich Substanz annehmen konnte. Und mit einem Male war Meredas Furcht wie weggeblasen.

Dafür arbeiteten ihre magischen Sinne schneller und präziser als jemals zuvor. Sie spürte die Kraft, die von Carda und ihren Leuten ausging. Beinahe glaubte sie zu verstehen, warum die Kreisversteherin niemanden aus ihrem eingespielten Team ersetzen wollte.

Dann begriff Mereda, dass niemand anderes als sie selbst der Grund war, aus dem Carda ihre Leute zu diesen Anstrengungen trieb. Allein ihre bloße Anwesenheit wirkte als Katalysator, der Kräfte in den anderen freisetzte, die diese eigentlich nicht – oder nicht mehr – besaßen. Es war, als wollte die Alte beweisen, dass sie noch immer in der Lage war, Meredas trotziger Rebellion mit souveräner Überlegenheit zu begegnen.

Für alle Außenstehenden sah es so aus, als würde es Carda gelingen. Nur Mereda erkannte als Einzige die Gefahr, die das sinnlose Vergeuden dieser ungeheueren Kräfte zu einem so frühen Zeitpunkt der Beschwörung mit sich brachte.

Carda erschien ihr mit einem Mal wie eine Tobsüchtige, die sich in ihrem Wahn selbst verbrannte. War die Alte verrückt geworden?

Aber die Katastrophe, die Mereda befürchtete, kam – noch – nicht. Vielleicht war es nur Cardas Angst vor einer Niederlage, die sie zu ungeheuerlichen Anstrengungen befähigte. Mereda spürte, wie das blindwütige Suchen und Tasten des Kreises plötzlich aufhörte, zielgerichteter, fordernder wurde.

Was auch immer den lautlosen Ruf vernahm, es antwortete. Nicht zögernd, wie es andere Dämonen bei früheren Beschwörungen getan hatten, sondern so schnell, so hart und so gierig, dass Carda sich wie unter einem Hieb krümmte. Sie musste von den beiden neben ihr stehenden Kreismitgliedern gehalten werden, um nicht zu stürzen. Die Konzentration des Kreises litt für den Bruchteil eines Augenblickes.

Einen Sekundenbruchteil zu lange.

Mereda spürte die Katastrophe, kurz bevor sie geschah. Aber ihr entsetzter Schrei kam zu spät.

Mereda hörte das Aufstöhnen der Kreismitglieder, hörte jemanden gellend aufschreien und sah, wie sich die achtzehn Adepten wie unter Krämpfen wanden. Eine ungeheuerliche Kraft schien den Kreis zu sprengen, schleuderte die Magier davon wie Spielzeuge. Plötzlich roch die Luft verbrannt. Etwas zischte. Dann sah sie den aus dem Nichts entstehenden Flammenschlauch, der sich wie eine Schlange oder ein unendlich langer Tentakelarm auf Carda zuwand und sie zu packen versuchte. Die Versteherin riss entsetzt die Augen auf und versuchte den Tentakel mit ihren magischen Kräften von sich abzuhalten. Doch diesmal reichte ihre Kraft nicht mehr.

Mereda reagierte instinktiv. Noch bevor sie begriff, dass sie der verhassten Carda half, baute sie einen magischen Schild auf, der den zuckenden Flammententakel zurückprallen ließ. Gleichzeitig stimmte sie mit ihrer klaren, kräftigen Stimme einen Zaubergesang an, in den der Kreis – oder das, was davon übrig geblieben war – blitzartig einfiel. Ihr kleinlicher Streit mit Carda kam ihr jetzt beinahe lächerlich vor. Jetzt ging es um weit wichtigere Dinge – um die Macht des Conden-Turmes. Sie mussten den Dämon einfach beschwören. Sie brauchten seine Kräfte im Kampf gegen den Magierkreis des Ancen-Turms, der übermächtig zu werden drohte, seit es ihm gelungen war, einen Dämonen zu erwecken.

Carda schrie auf, sank zu Boden und begann schreckliche, keuchende Laute auszustoßen. Der Flammenarm kroch weiter auf sie zu, nicht mehr mit ungestümer Macht, sondern langsam und sich windend wie eine wirkliche Schlange, eine verbrannte, rauchende Spur hinterlassend. Etwas Schwarzes nahm dahinter Gestalt an.

»Sing, Kind!«, wimmerte Carda. »Sing, oder wir sind alle verloren!«

Und Mereda sang. »Sree gegen Sree, Inguré gegen Inguré, Magier gegen Magier, Kreis gegen Kreis, Dämon gegen Dämon, Gott gegen Gott«, flüsterte sie mit blutleeren Lippen, während sie mit beiden Händen ihren eigenen Assyr-Kristall umschloss. Der flammende Tentakelarm erstarrte, kroch ein Stück zurück, und zu Meredas Entsetzen dann sogar auf sie zu – und verschwand. Aber nur, um einer riesigen, schillernden Wolke Platz zu machen, die im Zentrum des Kreises materialisierte.

Noch während der Dämon Gestalt annahm, registrierte Mereda voller Entsetzen die geballte Bosheit und den absoluten Vernichtungswillen, die er mit einer Intensität ausstrahlte, dass die Kreismitglieder abermals zurückprallten.

Trotz ihrer Angst fand Mereda ihre Haltung schwächlich. Der Erfolg ihres Gegenangriffes gab ihr Mut und neue Kraft. Sie spürte, dass sie gewinnen konnte. Und sie brauchten einen Kampfdämon gegen den Ancen-Turm. Es war umso besser, je wilder und stärker er war. Ein kraftloses Wesen besaß keine Chance gegen den Dämon, den der Ancen-Kreis beschworen hatte.

Dann …

Mereda spürte, wie eine neue Macht nach dem sich zu einem riesigen, quallenartigen Geschöpf formenden Dämon griff, eine Macht, die der ihren grenzenlos überlegen war. Entsetzt blickte sie zu Carda hinüber, für einen Moment von der Angst gepackt, dass die Alte wahnsinnig genug sein könne, ausgerechnet diesen Moment auszunutzen, sie anzugreifen. Aber die Kreisversteherin lag noch dort, wo sie gestürzt war, mit schrecklich verdrehten Gliedern und halb geschlossenen Augen, schauderhafte Töne ausstoßend und blutigem Schaum vor dem Mund. Sie starb.

Nein, was immer sie spürte, kam nicht von Carda. Und diese neue, fremde Kraft wirkte weder besonders bedrohlich noch boshaft. Mereda glaubte eher so etwas wie Neugier zu spüren. Und einen bodenlosen Spott, der den Kreis und den Dämon, den er beschwor, zu verhöhnen schien.

Dann, den Bruchteil eines Gedankens ehe es geschah, spürte sie, auf welch grausame Weise sie sich getäuscht hatte.

Noch während sie die fremde Kraft – und ihre Quelle – zu sondieren versuchte, schlug ein Schwall bösartiger, ungezügelter Energien in den Kreis ein. Mereda sah für Sekunden, die sich zu Ewigkeiten dehnten, um wieder zu Bruchteilen von Augenblicken zu werden, ein Bild von solch abstoßender Hässlichkeit und scheußlicher Blasphemie, dass ihr Herz zu stocken schien.

Mereda schrie gellend auf. Wieder vergingen Ewigkeiten, bis sie begriff, dass sie nicht nur ihr eigenes Schreien hörte, sondern das Schreien und Wimmern des ganzen Kreises. Und das Schreien des beschworenen Dämons, der sich wie unter Folterqualen wand. Einige Ewigkeits-Sekunden später begann der Dämon zu wachsen, erreichte kurze Zeit später die Magier des Kreises und wuchs über sie hinaus.

Das Schreien der zwanzig erstickte in einem röchelnden Seufzen. Einen Augenblick später wurde es in der Halle der Beschwörung still wie in einer Gruft. Aber es war eine böse Stille, ein drohendes, knisterndes Schweigen, wie die Ruhe vor einem entsetzlichen Sturm. Der Dämon, der zu einer unförmigen, schleimig-wolkigen Masse geworden war, hörte auf zu wachsen. Seine Oberfläche zuckte und wand sich und schillerte in allen Farben des Regenbogens. Seine Ausstrahlung hatte alle ihre Aggressivität verloren.

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