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Der Hexer 48

E-Book-Titel von Wolfgang Hohlbein

Anubis

Horus

Thor

Der Hammer der Götter

Der Widersacher

Die Heldenmutter

Die Schatten des Bösen

Dunkel

Raven – Schattenchronik

Raven – Schattenreiter

Die Tochter der Midgardschlange

Intruder – Chronik eines Albtraums (Band 1 bis 6)

Was ist DER HEXER?

Der Hexer ist eine Romanserie in der Tradition von H.P. Lovecraft, geschaffen von Wolfgang Hohlbein, der auch die meisten Folgen schrieb. Das Epos wurde 1984 in der Reihe »Gespenster-Krimi« begonnen und später als eigenständige Serie unter »DER HEXER« und schließlich als Paperback und Sammeledition fortgesetzt.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in London des 19. Jahrhunderts und verstrickt den Hexer Robert Craven und später auch seinen Sohn in fantastisch-schaurige Abenteuer. Immer wieder kommt es dabei zu Begegnungen mit den GROSSEN ALTEN – göttergleichen Wesen, die den Menschen feindlich gesonnen sind – und deren Vertretern auf der Erde.

Der Autor

Wolfgang Hohlbein ist ein Phänomen – einer der produktivsten Autoren fantastischer Literatur mit mehr als hundertsechzig Büchern und einer Weltauflage von über vierzig Millionen Exemplaren! Bekannt wurde er neben seinen Jugendbüchern vor allem durch den Romanzyklus DER HEXER. Die E-Book-Sammleredition präsentiert die Hexer-Geschichten als »Director’s Cut« in ihrer ursprünglichen Form und in chronologischer Reihenfolge, gespickt mit vielen Hintergrundinfos.

Vorwort

Mitautor Frank Rehfeld gibt in aufschlussreichen Vorworten Auskunft über Hintergründe und Inhalte der Hexer-Reihe. Seine Anmerkungen beziehen sich dabei in der Regel auf mehrere E-Book-Folgen. Hier das Vorwort zu Band 46 bis 48.

Auch in diesen E-Books spielen wiederum die Tempelritter, die Roberts Weg ja schon mehrfach gekreuzt haben, eine bedeutsame Rolle. Anlass genug, ein bisschen näher auf den Orden einzugehen.

Die Templer sind keineswegs nur Ausgeburten der Fantasie, sondern gehen bis auf die Zeit der Kreuzzüge zurück. Gegründet im Jahre 1118 von Hugo von Payens und Gottfried von Saint-Omer war es anfangs lediglich eine Vereinigung kämpfender Mönche, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Karawanenstraße zum Heiligen Grab in Jerusalem zu bewachen und den frommen Pilgern Geleit zu bieten. Dabei waren die Templer in ihren Methoden nicht gerade zimperlich, vor allem, als sie immer mehr an Macht und Bedeutung gewannen. Mit der Zeit stiegen sie zum mächtigsten Kreuzfahrerorden auf. Von allen Kreuzrittern waren sie bei ihren Feinden besonders gefürchtet, und man sagt ihnen wahre Wunderdinge nach. So haben sie in der Schlacht von Akkon im Jahre 1291 monatelang einer hundertfachen Übermacht von Sarazenen standgehalten.

Die Macht der Tempelritter wurde schließlich so groß, dass selbst Papst und Krone eine Gefahr in ihnen zu sehen begannen. Das Ende des Ordens wurde durch böswillig ausgestreute Gerüchte eingeleitet. Verräter wurden eingeschleust, Belastungszeugen gekauft. Schließlich wandte sich Papst Clemens V. mit der Bitte um aktive Hilfe gegen die Templer an den französischen König Philipp den Schönen. Beiden ging es nicht nur um die Beseitigung eines Machtfaktors, der ihnen über den Kopf zu wachsen drohte, sondern auch um die immensen Reichtümer des Ordens.

Am 13. Oktober 1307 wurden die Tempelritter festgenommen, ihre Güter beschlagnahmt und der Orden offiziell verboten und aufgelöst. Viele der Templer wurden grausam gefoltert und als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Seither halten sich Gerüchte über ein heimliches Fortbestehen des Ordens im Untergrund, wie sie auch im Hexer aufgegriffen werden. Konkrete Beweise dafür gibt es jedoch nicht (sonst wäre es ja auch kein Geheimbund mehr).

Die Struktur des Ordens innerhalb der Hexer-Serie, vor allem die magisch begabten Master, das ist freilich eine reine Fiktion.

Frank Rehfeld

Wolfgang Hohlbein

DER HEXER

Band 48
Die Rache des Schwertes

Bastei Entertainment

Das Licht blendete mich; gleichzeitig drang es durch meine Haut, sickerte wie flüssiges Feuer in meinen Körper und begann ihn zu verzehren. Obwohl ich fühlte, dass dieses Licht einst ein Teil meiner selbst, etwas Vertrautes und Freundschaftliches gewesen war, brannte es jetzt unerträglich: Die Kraft, die es mir einst gegeben hatte, verzehrte mich nun. Schreiend wälzte ich mich herum und versuchte das Feuer mit meinen Händen zu ersticken. Aber sie glitten durch die Flammen, ohne sie fassen zu können. Waren es überhaupt Hände?

Ich erwachte schreiend. Mein Körper war mit kaltem, klebrigem Schweiß bedeckt, und mein Herz hämmerte so schnell, als hätte ich einen Zehnmeilenlauf hinter mir. In meinen Ohren war ein dumpfes, an- und abschwellendes Rauschen; bizarre Erinnerungsfetzen und Bilder schossen durch meinen Kopf, Szenen, die ich niemals gesehen oder erlebt hatte.

Es dauerte lange, bis ich dem Griff des Albtraumes weit genug entronnen war, um abermals die Augen öffnen zu können.

Diesmal war meine Umgebung so, wie sie sein sollte: Ich blickte gegen die Decke eines kleinen, nur auf zwei Stangen errichteten Zeltes, durch die das helle Licht der Sonne sickerte. Der Eingang stand offen.

Wind blies den feinen Wüstensand in das Zelt herein und hatte bereits damit begonnen, mich damit zuzudecken. Sand knirschte zwischen meinen Zähnen.

War es wirklich nur ein Albtraum gewesen?

Ich hatte … Dinge gesehen. Eine Gestalt mit schwarzen Tentakelarmen, die mir erschreckend real vorgekommen war. Aber nach allem, was ich in diesem staubigen Teil der Erde erlebt hatte, war es schließlich kein Wunder, wenn ich anfing, Gespenster zu sehen …

Ich verscheuchte die unangenehmen Bilder vollends aus meinem Bewusstsein – zumindest versuchte ich es –, setzte mich auf und tastete mit vom Schlaf verklebten Augen nach der Wasserflasche. Mein Gaumen brannte, und in meinem Mund war ein so bitterer Geschmack, dass mir beinahe übel wurde. Hastig öffnete ich den Verschluss des Wasserschlauches, registrierte unbewusst, wie sonderbar leicht er sich anfühlte, und schüttelte ihn ein paar Mal.

Er war leer. Sonderbar – ich hätte schwören können, dass er am Abend zuvor noch mindestens halb voll gewesen war. Aber Wasser war nun gottlob das kleinste meiner Probleme, obgleich ich mich an einem der trockensten Orte des Erdballes aufhielt. Ich wälzte mich herum und steckte den Kopf aus dem Zelt.

»He, Mahmoud, reich mir doch mal einen vollen Wassersack rüb …« Ich verstummte mitten im Wort, denn die Stelle, wo sich mein Begleiter gestern Abend zum Schlafen niedergelegt hatte, war ebenso leer wie der Wasserschlauch. Der Sand hatte sogar den Abdruck seines Körpers schon wieder zugeweht. Ebenso wie seine Spuren.

Noch immer nicht ganz wach, aber bereits von einem bohrenden Gefühl der Unruhe erfüllt, kroch ich aus dem Zelt, schüttelte mir den Sand aus den Haaren und rieb mit dem Handrücken über meine aufgesprungenen Lippen. Ausgerechnet jetzt meldete sich der Durst mit einer Heftigkeit, die mir sehr drastisch vor Augen führte, wie heiß es in diesem Teil der Wüste war. Und jetzt fiel mir auch auf, wie hoch die Sonne bereits am Himmel stand. Gestern Abend hätte ich Mahmoud am liebsten erwürgt, als er gesagt hatte, dass wir um vier Uhr in der Frühe aufbrechen würden, einer Stunde, um die ich normalerweise zu Bett zu gehen pflegte. Jetzt war es mindestens zehn Uhr morgens, und von Mahmoud war weit und breit nichts zu sehen. Von seinem Kamel übrigens auch nicht.

Ebenso wenig wie von meinem. Oder dem Packtier.

Um präzise zu sein, war unser gesamtes Lager verschwunden. Nur mein Zelt stand noch verlassen im Sand.

Ich vergaß schlagartig die letzte Spur von Müdigkeit, fuhr mit einem erschrockenen Laut herum und starrte in die Wüste hinaus. Nichts. So weit ich blicken konnte, erstreckten sich die gelbbraunen Sanddünen, nur hier und da unterbrochen von einem kantigen Felsen, der wie ein Riff aus den erstarrten Wellen eines blauen Meeres emporragte.

Es gab keinen Zweifel – Mahmoud hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staube gemacht!

Und mich unter Umständen damit dem sicheren Tod preisgegeben.

Meine Lage war weniger spaßig, als ich im Moment bereits zuzugeben bereit war. Vier Tage waren vergangen, seit ich das Lager der Beni Assar verlassen hatte, um nach Alexandria zu reisen. Ali, der junge Scheik, hatte mir die drei Kamele geschenkt und mir Mahmoud als Begleiter mitgegeben, um seine Dankesschuld für die Errettung seines Stammes aus den Klauen des wahnsinnigen Magiers Nizar abzutragen. Außerdem wollte er mich wohl aus dem Lager entfernen, bevor Letitia Mandon Trouwne ihren Entschluss bereuen konnte, ihn zu heiraten.

Mir war es recht. Ich hätte wirklich nur ungern diese junge Dame in die Zivilisation zurückbegleitet. Unmittelbar nach den Ereignissen in der Festung des Dschinn hatte sie zwar Angst, ja fast schon Abscheu vor mir und meiner magischen Macht empfunden, doch mittlerweile hatte der Gedanke an mein Bankkonto diese Furcht arg gedämpft, sodass ich froh war, das Beduinenlager verlassen zu können. Und ich hatte eine ziemlich deutliche Vorstellung davon, wer die Heirat wohl eher bereuen würde als Letitia.

Jetzt bedauerte ich, so rasch zum Aufbruch gedrängt zu haben. Obwohl sich etwas in mir noch gegen diesen Gedanken sträubte, musste ich die Tatsache hinnehmen, dass mich Mahmoud nicht nur führer-, sondern auch wasser- und lebensmittel- und zu allem Überfluss völlig orientierungslos zurückgelassen hatte. Und das war ganz und gar nicht komisch, denn ich hatte weder eine Ahnung, wo ich war, noch in welche Richtung ich zu gehen hatte, um irgendwohin zu kommen.

Die nächsten fünf Minuten verbrachte ich damit, Mahmoud nach Kräften zu verfluchen und alle Schimpfworte herunterzubeten, die ich von Ali gelernt hatte. Dieses diebische Stück hatte wirklich keine Zeit verloren. Selbst wenn der Wind nicht gemeinsame Sache mit ihm gemacht und seine Spur bereits verweht hätte, hätte es wenig Sinn gehabt, ihm zu folgen. Die Wüste zu Fuß zu durchqueren war vollkommen aussichtslos. Die Temperaturen pflegten hier gegen die Mittagszeit vierzig oder fünfzig Grad Celsius zu betragen.

Im Schatten. Aber es gab keinen.

Als wäre dieser Gedanke ein Anstoß gewesen, spürte ich plötzlich, wie stark die Sonne schon jetzt am Himmel brannte. Die Wüste war bereits so aufgeheizt, dass die Hitze durch die Sohlen meiner Schuhe drang. Ich war in Schweiß gebadet, obgleich ich mein Nachtlager erst vor wenigen Augenblicken verlassen hatte.

Ich stolperte zum Zelt zurück und kroch auf Händen und Knien hinein. Aber auch hier fand ich keinen Schutz gegen den Biss der Sonne, die durch die dünne Leinwand hindurchbrannte, als wäre sie gar nicht vorhanden. Die Luft hier drinnen war so stickig und heiß, dass jeder Atemzug schmerzte. Verzweifelt öffnete ich die Schnur des Wasserbeutels und sog die wenigen Tropfen, die noch in ihm waren, gierig heraus. Es reichte nicht einmal aus, meine Lippen zu benetzen.

Ich fragte mich, welchen Grund Mahmoud für seinen Verrat gehabt hatte. Im Normalfall ließ ein Beduine niemanden, der ihm anvertraut war, im Stich. In meiner ersten Überlegung unterstellte ich ihm Habgier. Mein Stockdegen, der ihn vielleicht hätte reizen können, lag jedoch halb vom Sand verdeckt neben der Decke, auf der ich geschlafen hatte. Rasch tastete ich den kleinen Beutel ab, in dem ich meine persönliche Habe verstaut hatte. Es war noch alles vorhanden, auch das SIEGEL, dessen magische Energien ich selbst durch den Stoff und das Leder hindurch spürte.

Damit blieben nur die Kamele übrig. Drei Dromedare stellten für einen armen Araber sicherlich eine Verlockung dar. Aber sie gegen den Zorn Scheik Alis einzutauschen, der ihn um die halbe Welt jagen würde, wenn er von seinem Verrat erfuhr – nein, so dumm konnte Mahmoud nicht sein.

Angst?

Es war möglich. Obgleich ich ihren Scheik gerettet und ihr Volk vor der Knechtschaft bewahrt hatte – zumindest hatte ich mitgeholfen, es zu tun –, hatte ich die Furcht gespürt, mit der die Beni Assar mich anblickten, wenn sie glaubten, ich merkte es nicht. Mahmoud konnte in mir … irgendetwas eben gesehen haben. Vielleicht einen Abgesandten des Schejtan. Vielleicht einen Dschinn. Vielleicht auch nur einen Narren, den er getrost in der Wüste zurücklassen konnte, ohne dass sein Fehlen irgendjemandem auffiel. Dazu war ich noch ein Ungläubiger für ihn, ein Giaur. Somit würde ihm der Verrat, den er mir gegenüber begangen hatte, nicht den Eintritt ins Paradies verwehren.

Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt dem Paradies weit näher als Mahmoud. Ich war mir alles andere als sicher, ob ich den heutigen Tag ohne Wasser überhaupt überstehen würde. Ich würde mich frühestens am Abend auf den Weg machen können, und bis dahin hatte mich die Hitze wahrscheinlich schon so ausgelaugt, dass ich nicht mehr in der Lage war, ein Bein vor das andere zu setzen.

Die verschiedensten Ideen schossen mir durch den Kopf, wie ich meine Kräfte erhalten konnte. Die meisten von ihnen waren von vornherein sinnlos, da mir die Möglichkeiten fehlten, sie in die Tat umzusetzen. Die einzige Chance, die ich noch sah, war, mich wie ein Skorpion im Sand einzugraben. Ich raffte meine Decken zusammen, legte sie griffbereit neben mich und begann zu schaufeln. Der Sand fühlte sich unter meinen Händen so heiß an, dass ich mein Vorhaben beinahe aufgegeben hätte. Außerdem rutschte er immer wieder in das Loch zurück, sodass ich große Mühe hatte, mir die Grube zu graben, die hoffentlich nicht mein Grab werden würde.

Meine Muskeln begannen sich schon bald zu schmerzhaften Stricken zusammenzuziehen. Wahrscheinlich war es nur noch meine Wut auf Mahmoud, dem ich die Pest an den Hals wünschte, die mir die Kraft gab weiterzumachen. Schließlich behauptete mein überanstrengter Körper, dass das Loch groß genug sei. Ich legte mich hinein und schaufelte den Sand über mich, sodass nur mein Gesicht frei blieb. Zu meiner Überraschung fühlte sich der Sand in der Grube angenehm kühl an. Erleichtert schloss ich die Augen, schickte Mahmoud noch einen lautlosen Fluch hinterher und fiel in einen Dämmerzustand, der halb zwischen Schlafen und Wachen lag, um meine Kräfte zu schonen.

»Er kommt.«

Guillaume de Saint Denis hörte Bruder Renards Worte kaum. Er fühlte sich wie im Fieber. In seinen Ohren rauschte das Blut, und die Hitze, die sich unter seinem zum größten Teil aus Kettengeflecht bestehenden Templergewand gestaut hatte, dörrte seinen Körper unbarmherzig weiter aus. Seine Augen tränten ununterbrochen.

Aber das alles lag weniger an der Wärme und den jetzt seit Tagen dauernden Strapazen, als er Renard de Banrieux Glauben machen wollte. Es hatte einen anderen Grund. Einen gänzlich anderen.

Sie waren zu spät gekommen. Robert Craven, der Magier aus England, den sie durch geschickte Manipulationen dazu gebracht hatten, sich Nizar zu stellen und ihn zu bekämpfen, hatte ein wenig zu gut gearbeitet. Als sie den Marathonritt zu Nizars Wüstenfestung hinter sich gebracht hatten, hatten sie gerade noch gesehen, wie die Burg zu zerfallen begann; eine Ruine, die jetzt, da die magischen Kräfte, die sie erhalten hatten, erloschen, in wenigen Stunden einen Verfall erlebte, der normalerweise Jahrtausende gewährt hätte.

Trotzdem waren sie in das zusammenbrechende Gemäuer eingedrungen. Aber sie hatten weder von Robert Craven noch vom AUGE DES SATANS auch nur eine Spur gefunden.

Und auch sie war nicht da gewesen.

Guillaume hätte sich wohl eher die Zunge herausreißen lassen, ehe er diesen Umstand zugegeben hätte – aber es war nicht mehr allein sein Hass auf Nizar, nicht mehr der Befehl, das AUGE zu beschaffen, nicht mehr sein Wille, die Sandrose zu erstürmen, die ihn weitertrieben. Es war die Frau.

Die Dschinn.

Nur einmal – und nur für wenige Sekunden – hatte er sie gesehen, aber diese Augenblicke hatten gereicht, sein Leben zu verändern. Guillaume wusste, dass er nie wieder der Alte sein würde. Nicht, wenn er sie nicht wiedersah. Und erst recht nicht, wenn es ihm gelang.

»Hörst du, was ich sage, Bruder?«, fragte Renard. »Der Heide kommt.«

Guillaume fuhr hoch, lächelte entschuldigend und tat so, als wäre ihm das misstrauische Stirnrunzeln Renards nicht aufgefallen. Schlimmstenfalls konnte er sich darauf herausreden, dass er jetzt seit einer Woche fast ununterbrochen im Sattel saß und zu Tode erschöpft war. Nein, die Gefahr, dass sein finsteres Geheimnis entdeckt wurde, bestand nicht.

Nicht von Menschen, hieß das.

Und was sein Seelenheil anging – wenn es so etwas gab, dann hatte er es bereits verloren. Und er war bereit, es zu opfern, wenn er sie nur wiedersah. Er musste sie haben. Er musste einfach.

Um Renards Misstrauen nicht noch weiter zu schüren, wandte er sich mit einer bewusst raschen Bewegung um und trat neben ihn, die rechte Hand auf dem Schwert. Sein Blick tastete über den Rand des geborstenen Felsens hinweg in die Wüste und saugte sich an der in schwarzen Stoff gekleideten Gestalt fest, die hoch zu Kamel auf ihre Deckung zuritt.

Zwei weitere, beladene Kamele folgten dem Mann. Guillaume lächelte dünn. Craven hatte sie überlistet – freilich unabsichtlich und ohne es zu ahnen –, aber noch war das Spiel nicht vorbei. Noch lange nicht.

Die beiden Tempelritter warteten schweigend, bis der Mann näher kam und in einiger Entfernung absaß. Es war ein Beni Assar, wie sie an seiner Kleidung erkannten, ein hochgewachsener, sehr schlanker Mann unbestimmbaren Alters, dessen Gesicht fast völlig von einem struppigen schwarzen Vollbart verborgen wurde.

Mit gemessenen Schritten – die rechte Hand wie durch Zufall auf dem Griff des Krummsäbels an seiner Seite – näherte er sich der Felsgruppe und blieb erst stehen, als er Renard de Banrieux’ ansichtig wurde.

Guillaume presste sich in den schwarzen Schlagschatten des Felsens und bemühte sich, möglichst flach zu atmen. Er wusste, dass diese Wüstensöhne manchmal über schier übermenschlich scharfe Sinne verfügten.

»Hast du getan, was wir verlangten?«, begann Renard.

Mahmoud nickte. »Der fremde Zauberer ist allein«, sagte er. »Nicht weit von hier. Eine Stunde, mit euren Pferden.« Eine braune, alles andere als saubere Hand tauchte unter dem Stoff seiner schwarzen Jellaba auf.

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