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Der Hexer 43

E-Book-Titel von Wolfgang Hohlbein

Anubis

Horus

Thor

Der Hammer der Götter

Der Widersacher

Die Heldenmutter

Die Schatten des Bösen

Dunkel

Raven – Schattenchronik

Raven – Schattenreiter

Die Tochter der Midgardschlange

Intruder – Chronik eines Albtraums (Band 1 bis 6)

Was ist DER HEXER?

Der Hexer ist eine Romanserie in der Tradition von H.P. Lovecraft, geschaffen von Wolfgang Hohlbein, der auch die meisten Folgen schrieb. Das Epos wurde 1984 in der Reihe »Gespenster-Krimi« begonnen und später als eigenständige Serie unter »DER HEXER« und schließlich als Paperback und Sammeledition fortgesetzt.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in London des 19. Jahrhunderts und verstrickt den Hexer Robert Craven und später auch seinen Sohn in fantastisch-schaurige Abenteuer. Immer wieder kommt es dabei zu Begegnungen mit den GROSSEN ALTEN – göttergleichen Wesen, die den Menschen feindlich gesonnen sind – und deren Vertretern auf der Erde.

Der Autor

Wolfgang Hohlbein ist ein Phänomen – einer der produktivsten Autoren fantastischer Literatur mit mehr als hundertsechzig Büchern und einer Weltauflage von über vierzig Millionen Exemplaren! Bekannt wurde er neben seinen Jugendbüchern vor allem durch den Romanzyklus DER HEXER. Die E-Book-Sammleredition präsentiert die Hexer-Geschichten als »Director’s Cut« in ihrer ursprünglichen Form und in chronologischer Reihenfolge, gespickt mit vielen Hintergrundinfos.

Vorwort

Mitautor Frank Rehfeld gibt in aufschlussreichen Vorworten Auskunft über Hintergründe und Inhalte der Hexer-Reihe. Seine Anmerkungen beziehen sich dabei in der Regel auf mehrere E-Book-Folgen. Hier das Vorwort zu Band 43 bis 45.

Manchmal gelingt es einzelnen Personen aus Romanen oder Filmen, solche Bekanntheit zu erlangen, dass sie zum Inbegriff einer ganzen Gattung werden und dieser ihren Stempel aufdrücken. Lange Zeit war beispielsweise Mr. Spock der mit Abstand berühmteste Außerirdische, bei einem abenteuerlustigen Archäologen kommt einem automatisch Indiana Jones in den Sinn, bei einem Vampir denkt man sofort an Dracula – und wer verbindet den Begriff des Detektivs nicht unwillkürlich mit dem wohl berühmtesten Vertreter seiner Gattung, dem von Sir Arthur Conan Doyle geschaffenen Meisterdetektiv Sherlock Holmes?

Noch heute besitzt Holmes weltweit eine riesige Anhängerschaft, und viele glauben, dass ihr Idol wirklich gelebt hat. An seine Adresse, die Baker Street 221b in London, werden sogar noch immer zahlreiche Briefe geschrieben, in denen Menschen ihn um Rat und Hilfe bitten.

In diesem Buch trifft auch Robert Craven auf den Meisterdetektiv und hilft diesem, den Kriminalfall um den Hund von Baskerville zu lösen – ein klein wenig anders, als es Conan Doyle in seinem bekannten Buch beschrieben hat. Grund genug, sowohl Holmes wie auch seinen Schöpfer kurz vorzustellen.

Doyle wurde am 22. Mai 1859 in Edinburgh geboren. In jungen Jahren schlug er die Laufbahn des Mediziners ein, widmete sich dann aber ab 1891 ausschließlich der Schriftstellerei. Außerdem war er sogar einmal Boxmeister von England und ein erfolgreicher Amateur-Kriminologe, der viele Fälle unschuldig Verurteilter wieder aufgriff und den Betroffenen zu ihrem späten Recht verhalf. Die Polizei verdankt Doyle etliche moderne Untersuchungsmethoden, zum Beispiel das Ausgießen von Fußabdrücken mit Gips. Die Geschichten um Sherlock Holmes waren sein mit Abstand größter Erfolg, doch schrieb er auch andere Romane und Storys, von denen vor allem »Die vergessene Welt« eine gewisse Popularität erlangte. Sir Arthur Conan Doyle verstarb am 7. Juli 1930 in Crowborough.

Seiner literarischen Schöpfung dichtete er jedoch ein beinahe biblisches Alter an. Laut Doyle wurde Holmes am 6. Januar 1854 in Nord-Yorkshire geboren und starb erst am 6. Januar 1957 – nach 103 Jahren. Beinahe hätte es ihn jedoch schon früher erwischt: Seiner Figur allmählich überdrüssig, ließ Doyle den Detektiv am 4. Mai 1891 zusammen mit seinem Erzfeind, dem verbrecherischen Professor Moriarty, in die reißenden Fluten der Reichenbachfälle im schweizerischen Bergdorf Meieringen stürzen.

Das Echo der Leserschaft war unbeschreiblich: Demonstrationen vor Doyles Haus und dem Verlag, böse Briefe und Drohungen und immer wieder die Forderung: »Gib uns Sherlock Holmes zurück!« Sogar seine eigene Mutter schrieb an Doyle: »Du Bestie, wie konntest du das tun?« Schließlich gab Doyle nach, Holmes tauchte wieder aus den Fluten auf, und der Siegeszug des Meisterdetektivs fand seinen Fortgang.

Unverkennbare Kennzeichen Holmes’ waren seine Deerstalker-Mütze und die Shag-Pfeife; den langen, karierten Mantel trug er hingegen lediglich auf Landpartien. Er spielte mit Leidenschaft Violine und schnupfte und spritzte aus Langeweile zwischen seinen Fällen Kokain.

Begleitet wurde er von seinem Freund und Assistenten Dr. John H. Watson. Dieser schlug – wie Doyle selbst – die Laufbahn des Mediziners ein, war als Militärarzt in Afghanistan und zog sich dort eine schwere Verletzung zu. Nachdem er sich in späteren Jahren von Holmes getrennt hatte, führte er eine eigene Arztpraxis in London. Er war zweimal verheiratet, während Holmes sein Leben lang ledig blieb.

Frank Rehfeld

Wolfgang Hohlbein

DER HEXER

Band 43
»Stirb, Hexer!«

Bastei Entertainment

Das Gesicht war in der Mitte gespalten. Ein klaffender Riss zog sich von seiner Kinnspitze bis zum Mund, spaltete Unter- und Oberlippe, zerteilte die Nase in zwei säuberlich getrennte Hälften und erweiterte sich über der Stirn zu einem fast handbreiten Dreieck, durch das man geradewegs in den Schädel des Mannes hineinblicken konnte. Aber darin war kein Gehirn. Keine mit Blut gefüllten Arterien und Venen, kein lebendes Fleisch. Im Kopf des Mannes war nichts als ein kompliziertes Sammelsurium aus Drähten, kleinen, vielfach durchbrochenen Scheiben und sich surrend drehenden Zahnrädchen. Langsam kam die Albtraumgestalt näher. Ihre Bewegungen waren eckig und sahen schwerfällig aus, und unter ihren Schritten ächzte der Boden. Ich starrte sie an, gelähmt vor Schrecken – aber nicht nur allein deshalb. Da war noch etwas anderes; etwas, das ich mir im ersten Moment nicht erklären konnte, das mich aber nachhaltig daran hinderte, auch nur einen Finger zu rühren.

Der Unheimliche kam unerbittlich näher, erreichte mein Bett und blieb stehen. Langsam, ganz langsam drehte sich sein Kopf, wobei ein leises, surrendes Geräusch zu hören war, dann blickte sein gespaltenes Gesicht auf mich herab, und in den kunstvoll bemalten Glasaugen glomm ein düsteres rotes Feuer auf.

Und im gleichen Moment erkannte ich ihn.

Der Mann vor mir war Howard!

Oder wenigstens etwas, das wie Howard aussah …

Sein Gesicht, das nicht aus Fleisch, sondern aus irgendetwas bestand, war bis ins letzte Detail das seine – und doch war es nicht Howard, nicht einmal ein Mensch, ja, nicht einmal ein lebendes Wesen, sondern eine Maschine, eine menschengroße, perfekt nachgebaute Puppe, die gekommen war, um mich zu töten!

Das Entsetzen gab mir zusätzliche Kraft. Verzweifelt bäumte ich mich in meinem Bett auf. Ich kam nicht frei, aber mein verzweifeltes Strampeln ließ die Decke ein Stück von mir herunterrutschen, sodass ich zumindest sehen konnte, warum ich nicht in der Lage war, mich zu bewegen.

Ich war gefesselt. Ein dünnes, tausendfach ineinander gedrehtes Gespinst aus haardünnen silbernen Drähten war aus dem Bettbezug hervorgewachsen und hatte sich wie eine zweite Haut über mein Nachthemd gelegt, so eng, dass hier und da dunkles Blut auf der weißen Seide sichtbar wurde. Seltsamerweise spürte ich nicht den mindesten Schmerz.

Dafür schrie ich vor Entsetzen auf, als die grässliche Howard-Karikatur sich über mich beugte und ich ihre Hände sah.

Es waren nicht die Hände eines Menschen, sondern ein stählernes, mit Krallen versehenes Skelett, bei dem jemand vergessen hatte, das Fleisch darauf zu tun.

Und sie kamen näher, gierig gespreizt und voller unmenschlicher Stärke. Näher und näher und näher und – und ich erwachte mit einem Schrei, fuhr hoch und riss instinktiv die Hände vor das Gesicht, um mich vor dem Entsetzlichen zu schützen, das irgendwie den Weg in die Realität gefunden zu haben schien, denn die Angst wühlte weiter in mir. Ein Teil von mir begriff, dass alles nichts weiter als ein entsetzlicher Traum gewesen war, aber ein anderer, im Augenblick viel stärkerer, behauptete das Gegenteil. Alles war so unglaublich real gewesen. Nur mit äußerster Anstrengung gelang es mir, mich wenigstens äußerlich zur Ruhe zu zwingen.

Mein Herz raste zum Zerspringen, als ich die Arme herunternahm. Mein Nachthemd klebte in großen, dunklen Flecken an meiner Haut, und mein Bett war schweißnass. Die Decke lag irgendwo auf dem Boden. Ich musste wie ein Kind gestrampelt und um mich getreten haben.

»Nur ruhig, alter Junge«, murmelte ich. Es war nur ein Traum. Kein Grund, nervös zu werden.« Nicht, dass es irgendwie geholfen hätte. Die Angst war noch immer da, und als ich mich vollends aufsetzte und die Beine vom Bett schwang, zitterten meine Hände so stark, dass ich kaum die Kraft hatte, mich in die Höhe zu stemmen. Misstrauisch sah ich mich in dem nachtdunklen Zimmer um. Alles schien normal, so, wie es immer gewesen war, vom ersten Tag an, den ich in diesem Haus lebte. Und doch …

Vielleicht war es nur eine Nachwirkung des Albtraumes, aber für einen Moment kam mir alles auf unmöglich in Worte zu fassende Weise falsch vor. Jedes Möbelstück stand an seinem Platz, jeder kleinste Fleck auf den Tapeten war so, wie ich ihn in Erinnerung hatte, und trotzdem – irgendetwas stimmte hier nicht. Es war, als wäre die Wirklichkeit um ein winziges Stückchen in die Richtung verschoben, in der die Albträume und der Wahnsinn nisteten. Es war nichts, was wirklich zu sehen oder zu erkennen gewesen wäre, aber ich spürte es. Überdeutlich.

Die Tür wurde mit einem Ruck aufgestoßen, und eine sehr blasse Mrs. Winden erschien in meinem Zimmer, eine Gaslampe in der Rechten. »Was ist geschehen?«, fragte sie aufgeregt.

»Geschehen?« Ich verstand nicht gleich.

»Sie haben geschrien, Robert«, erklärte Mary. »Ich war gerade auf dem Weg in die Küche, um mir ein Glas Milch zu holen, und da habe ich Sie schreien hören.« Ihr Blick irrte unstet durch den Raum, als fürchte sie, aus den Schatten könnten irgendwelche Dinge hervorspringen.

»Es ist nichts«, sagte ich. »Ich … habe geträumt. Ein schrecklicher Albtraum. Aber jetzt ist es vorbei.«

In meiner Stimme war ein Ton, der deutlich sagte, dass ganz und gar nichts vorbei war, und Mrs. Winden wäre nicht Mrs. Winden gewesen, wenn sie ihn nicht gehört hätte. Ihr Blick richtete sich wieder auf mich, und das Misstrauen darin war zwar nun von gänzlich anderer Art, aber kaum weniger tief. »Nur ein Traum?«, wiederholte sie.

Ich nickte, wurde mir plötzlich des Umstandes bewusst, dass ich im Hemd vor ihr stand, und bückte mich rasch nach meinem Hausmantel. Mary beobachtete mich scharf. Ich spürte ihre Blicke selbst noch, als ich mich herumdrehte und den Gürtel zuknotete.

»Fühlen Sie sich wohl, Robert?«, fragte sie.

Ich nickte, schüttelte gleich darauf den Kopf und zuckte mit den Schultern. »So genau weiß ich das selbst noch nicht«, gestand ich. »Aber ich glaube schon. Es war ja nur ein Traum. Wenn auch ein sehr realistischer«, fügte ich mit einem gequälten Lächeln hinzu.

»Möchten Sie ihn mir erzählen?«, fragte Mary. »Manchmal tut es gut.«

»Nein«, sagte ich. »Das möchte ich ganz und gar nicht.« Meine Worte waren ein wenig schärfer ausgefallen, als ich selbst gewollt hatte, und so lächelte ich entschuldigend. »Tut mir leid, Mary. Ich bin …«

»Nervös, ich weiß.« Mary nickte. »Es ist nicht das erste Mal, dass Sie träumen in den letzten Tagen.«

»Natürlich nicht«, antwortete ich. »Jeder Mensch träumt, in jeder Nacht.«

»Unsinn!« Mary machte eine unwillige Handbewegung, setzte ihre Lampe auf der Kommode ab und trat dicht an mich heran. Sie reichte mir gerade bis zum Kinn, als sie so vor mir stand, aber sie brachte es fertig, dass ich mir klein und hilflos ihr gegenüber vorkam. »Sie wissen ganz genau, dass ich das nicht meine, Robert«, sagte sie streng. »Was ist los? Macht Ihnen noch immer dieses tote Mädchen Sorgen, diese Veronique Rochelle?«

Ich schwieg einen Moment, dann gab ich auf, lächelte ein flehendes Kapitulationslächeln und breitete die Hände aus. »Ich weiß es nicht«, gestand ich. »Aber seit ein paar Tagen wird es immer schlimmer. Vielleicht werde ich krank.«

»Vielleicht sind Sie es, Robert«, sagte Mary ernst. Sie schüttelte den Kopf, sah mich an, als wäre ich ein uneinsichtiges Kind, und seufzte hörbar. »Sie bringen sich um, Junge«, sagte sie. »Zum Teufel, Sie sollten einen guten Arzt aufsuchen und sich für ein paar Wochen in ein Sanatorium begeben.«

»Heda!«, protestierte ich. »Ich bin noch nicht –«

»Sie sind ein verdammt zäher Bursche, Robert«, unterbrach sie mich. »Aber auch bester Schwedenstahl nutzt sich ab, wissen Sie? Sie sind gerade erst von einer Weltreise zurückgekommen, auf der Sie weiß Gott was erlebt haben, und Sie gönnen sich nicht einmal ein paar Tage, um sich zu erholen, sondern stürzen sich gleich kopfüber ins nächste Abenteuer. Was haben Sie vor? Ist das Ihre Weise, Selbstmord zu begehen?«

Ich widersprach nicht mehr. Mary Winden war eine der sehr wenigen nicht unmittelbar beteiligten Personen, die wussten, dass ich mehr war als ein reicher, leicht beknackter Müßiggänger – ein Image, das ich mir für die Öffentlichkeit sehr mühsam aufgebaut hatte und sorgsam pflegte. Und auch, wenn sie es nicht gewusst hätte, hätte sie es mit Sicherheit gespürt.

»Ich fürchte, es ist ein wenig komplizierter, Mary«, sagte ich resignierend. »Ich würde Ihrem Rat von Herzen gerne folgen, aber es ist wohl eher so, dass ich pausenlos von einer Bredouille in die andere gestoßen werde, statt mich hineinzustürzen.«

Mary seufzte. In ihren Augen blitzte es kampflustig. Aber sie seufzte nur. Und plötzlich lächelte sie. »Wie ist es, Robert?«, fragte sie. »Ich habe rein zufällig Kaffee gemacht – mögen Sie eine Tasse? Oder ziehen Sie es vor, wieder schlafen zu gehen?«

Einen Moment lang blickte ich auf mein Bett herab. Der Gedanke, mich wieder hineinzulegen und unter Umständen den abgebrochenen Traum zu Ende zu führen, erschien mir alles andere als verlockend. »Wie spät ist es?«, fragte ich.

»Gleich drei«, antwortete Mary.

»Drei?« Ich seufzte. Dann fiel mir etwas auf. Misstrauisch drehte ich mich zu Mary herum und sah sie scharf an. »Wie zum Teufel kommt es, dass Sie zu dieser nachtschlafenden Zeit Kaffee aufgebrüht haben?«

Mary sah plötzlich aus, als hätte ich sie beim Zuckerstehlen erwischt. »Ich … konnte nicht schlafen«, sagte sie zögernd.

»Und warum nicht?«

Mary lächelte unsicher. »Ich hatte einen Albtraum«, gestand sie verlegen.

Der Tag hatte schon schlecht begonnen. Angus Peabody hatte alles andere als gut geschlafen, sich beim Frühstück an zu heißem Kaffee die Zunge verbrüht und sich vor Schrecken das frische Hemd, das er angezogen hatte, mit Kaffee bespritzt – mit dem Ergebnis, dass er sich im letzten Moment hatte umziehen müssen, was seinen normalerweise auf die Minute geplanten Zeitablauf gründlich durcheinandergebracht hatte.

Was wiederum zur Folge hatte, dass er zu spät aus dem Haus kam, die Tramway verpasste und dem von vier Pferden gezogenen Wagen ganze drei Haltestellen weit hinterherlaufen musste – durch den strömenden Regen, der schon an sein Schlafzimmerfenster geklopft hatte, als er die Augen aufschlug.

Und das wiederum hatte zur Folge, dass er nicht nur völlig außer Atem, sondern auch noch bis auf die Wäsche durchnässt und frierend und mit dem Kratzen einer bevorstehenden Erkältung im Hals an seinem Arbeitsplatz im Yard angekommen war; was ihm – quasi als letztes Glied der Kette, die mit einem zu heißen Schluck Kaffee begonnen hatte – nun auch noch den Spott seiner Kollegen eintrug.

Nein, dachte Angus Peabody übellaunig, während er die Lichtreflexe betrachtete, die die Flammen des Kaminfeuers in dem Glas in seiner Hand hervorriefen, gut hatte dieser Tag ganz gewiss nicht angefangen. Ganz gewiss nicht. Was nicht etwa bedeutete, dass er in irgendeiner Form besser weitergegangen wäre. Ganz im Gegenteil …

Es hatte am Morgen bei der täglichen Besprechung seinen Fortgang genommen, eine reine Routineangelegenheit – eigentlich –, die schon fast zum Zeremoniell erstarrt war und bei der sie alle nichts anderes taten, als im Halbkreis auf unbequemen Stühlen vor Inspektor Cohens Schreibtisch zu sitzen und einer nach dem anderen aufzustehen, um ihm im Telegrammstil die Ereignisse des vergangenen Tages zu berichten – die er ohnehin schon wusste. Aber etwas war anders gewesen an diesem Morgen: Nachdem sie ihren Frührapport beendet hatten, hatte Cohen sie fortgeschickt, wie immer – das hieß, die anderen, ihn nicht.

Peabody schloss die Hand so fest um das Glas, dass das geschliffene Kristall hörbar knirschte, und für einen Moment erfreute er sich an der albernen Vorstellung, es wäre Cohens Hals, den er da genüsslich zusammendrücken würde. Er glaubte seine Stimme direkt zu hören und vor allem den hämischen Unterton darin, als er ihm ohne Umschweife erklärt hatte, dass gewisse höhere Dienststellen eine Weiterführung seiner Untersuchungen gegen eine gewisse Gruppe nicht gutheißen würden. Außerdem würde man im Ministerium eine Beförderung Peabodys erwägen, die allerdings eine Versetzung nach Aberdeen in Schottland nach sich ziehen würde.

Cohen hatte sich gar nicht deutlicher ausdrücken müssen. Angus wusste auch so, dass er bei seinen Nachforschungen einigen hohen Tieren etwas zu heftig auf die Zehen getreten war.

Zuerst hatte er ja auch geglaubt, es ginge bei seinen Ermittlungen nur um einen kaum ernst zu nehmenden okkultreligiösen Geheimbund, der sich durch Geld und Drohungen Einfluss und Macht verschaffen wollte: ein Vorhaben, an dem schon Legionen von Spinnern und Fanatikern gescheitert waren. Jetzt sah es aus, als müsse er diese Meinung gründlich revidieren. Dieser seltsame Orden hatte sich bereits genug Einfluss verschafft, um selbst die britische Polizei ausschalten zu können. Zumindest den Teil der britischen Polizei, der auf den Namen Angus Peabody hörte …

»Sie müssen sich nicht sofort entscheiden, Peabody«,

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