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Der Hexer 27

E-Book-Titel von Wolfgang Hohlbein

Anubis

Horus

Thor

Der Hammer der Götter

Der Widersacher

Die Heldenmutter

Die Schatten des Bösen

Dunkel

Raven – Schattenchronik

Raven – Schattenreiter

Die Tochter der Midgardschlange

Intruder – Chronik eines Albtraums (Band 1 bis 6)

Was ist DER HEXER?

Der Hexer ist eine Romanserie in der Tradition von H.P. Lovecraft, geschaffen von Wolfgang Hohlbein, der auch die meisten Folgen schrieb. Das Epos wurde 1984 in der Reihe »Gespenster-Krimi« begonnen und später als eigenständige Serie unter »DER HEXER« und schließlich als Paperback und Sammeledition fortgesetzt.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in London des 19. Jahrhunderts und verstrickt den Hexer Robert Craven und später auch seinen Sohn in fantastisch-schaurige Abenteuer. Immer wieder kommt es dabei zu Begegnungen den GROSSEN ALTEN – göttergleichen Wesen, die den Menschen feindlich gesonnen sind – und deren Vertretern auf der Erde.

Der Autor

Wolfgang Hohlbein ist ein Phänomen – einer der produktivsten Autoren fantastischer Literatur mit mehr als hundertsechzig Büchern und einer Weltauflage von über vierzig Millionen Exemplaren! Bekannt wurde er neben seinen Jugendbüchern vor allem durch den Romanzyklus DER HEXER. Die E-Book-Sammleredition präsentiert die Hexer-Geschichten als »Director’s Cut« in ihrer ursprünglichen Form und in chronologischer Reihenfolge, gespickt mit vielen Hintergrundinfos.

Vorwort

Mitautor Frank Rehfeld gibt in aufschlussreichen Vorworten Auskunft über Hintergründe und Inhalte der Hexer-Reihe. Seine Anmerkungen beziehen sich dabei in der Regel auf mehrere E-Book-Folgen. Hier das Vorwort zu Band 25 bis 27.

Die Bedrohung durch den Fischgott Dagon nimmt allmählich konkrete Züge an. Das gigantische Schiff, das seinen Namen trägt und mit dem er sich und seine Anhänger in einer fremden Welt vor den Thul Saduun in Sicherheit bringen möchte, ist fertig gestellt und zum Aufbruch bereit.

Robert Cravens Lage hingegen ist denkbar ungünstig. Zwar hat er erfahren, dass seine Freunde Howard Lovecraft und dessen Diener Rowlf noch leben, doch sind sie unheilbar an der Tollwut erkrankt und eine Gefahr für jeden, mit dem sie zusammentreffen, sodass sie sich nur in Nemos hermetisch abgeschlossenen Tauchanzügen bewegen können. Die NAUTILUS ist beschädigt, liegt manövrierunfähig auf dem Grund des Meeres und wird von einem gigantischen Shoggoten bedroht. Und um seine Freunde zu retten, bleibt Robert selbst nichts anderes übrig, als sich ebenfalls an Bord der DAGON zu begeben und den Fischgott auf seiner Reise ins Ungewisse zu begleiten.

Aber noch andere Mächte haben ein gefährliches Interesse an der DAGON entwickelt. Inzwischen weiß Robert um die Gefahr durch die SIEBEN SIEGEL DER MACHT, von denen die GROSSEN ALTEN in ihren Kerkern jenseits der Wirklichkeit gebannt werden. Und eines der SIEGEL befindet sich an Bord der DAGON!

Necron schickt seine Drachenkrieger unter der Führung von Roberts früherem Freund Shannon aus, es unter allen Umständen an sich zu bringen, während ein geheimnisvolles Wesen dies unter allen Umständen verhindern will. Um sich und das Leben der Menschen an Bord der DAGON zu retten, beginnt der Hexer ein gefährliches Spiel, bei dem er zwischen allen Fronten steht.

Mit knapper Not gelingt es ihm, von Bord des Schiffes zu fliehen. Es verschlägt ihn zurück ins Jahr 1883 und auf eine kleine Vulkaninsel namens Krakatau, wo er nicht nur erneut auf Dagon trifft, sondern auch auf eine Gruppe fanatischer Tempelritter. Hier, an den Flanken des Vulkans, wird sich im nächsten Buch in einemwahrhaft »feurigem« Zyklus-Finale sein Kampf um die Zukunft der Menschheit entscheiden …

Frank Rehfeld

Wolfgang Hohlbein

DER HEXER

Band 27
Wer den Tod ruft

Bastei Entertainment

 

Die Puppe war klein; nicht größer als eine Faust, dazu so roh gefertigt, dass man kaum ihre menschlichen Umrisse erkennen konnte. Leib, Arme und Beine bestanden aus Sackleinen, das mit groben Stichen zusammengenäht war, der Kopf eine ungleichmäßige Kugel, auf die ungelenk die Züge eines menschlichen Gesichtes gemalt worden waren. Auffällig war das Haar der Puppe: ein Bündel schwarz gefärbten Strohs, in das, beginnend vom Haaransatz über dem linken Auge, eine weiße, blitzförmig gezackte Strähne eingeflochten war …

Der Mann mit der Holzmaske betrachtete die Voodoo-Puppe lange und ausgiebig. Er war sehr groß; kein Riese, aber doch so hochgewachsen, dass er zwischen den kleinen, braungebrannten Gestalten der Eingeborenen auffiel. Seine Gestalt war ganz von einem bunt bestickten, bis auf die Knöchel reichenden Zeremoniengewand verhüllt, das Gesicht verborgen hinter der hölzernen Maske, die die angedeuteten Züge einer Raubkatze trug. Selbst die Hände steckten in braunen, durch aufgenähte Pumakrallen zu stilisierten Pranken gewordenen Handschuhen. Aber es waren nicht nur seine Kleidung und seine Größe, was ihn von den Majunde-Kriegern unterschied. Etwas umgab diesen Mann wie eine Mauer aus unsichtbarem Glas, isolierte ihn und machte ihn gleichzeitig zu ihrem Herrn.

Der Mann war ein Magier, ein Mensch, der gelernt hatte, die verborgenen Kräfte der Schöpfung zu entdecken und zu nutzen. Und es waren finstere, durch und durch böse Kräfte, derer er sich bediente. Kräfte, die jetzt, obgleich er noch immer reglos wie eine hölzerne Statue stand, in die winzige grobe Puppe in seinen Händen flossen. Kräfte, die Tod und Vernichtung brachten.

Denn die sechs Majunde-Krieger und ihr Magier waren nur zu einem einzigen Zweck hierher gekommen, an diesen verbotenen Ort im Inneren des Kraters, einen Ort, der mit seinem roten Licht und der wabernden Hitze der Hölle näher war als der Erde.

Sie waren hier, den Tod zu beschwören.

Den Tod für einen Mann, dessen Haar die gleiche, weiß gezackte Strähne trug wie die kleine Voodoo-Puppe …

Es war hell geworden, bis wir den kleinen Ort an der Südküste Krakataus erreicht hatten, und die letzten zehn Minuten waren mir vorgekommen wie ein verzweifelter Spießrutenlauf. Der Dschungel hatte uns Deckung gegeben, denn er wuchs wie eine behäbige grüne Armee bis dicht an den Ortsrand heran, und sein Unterholz überwucherte noch einen Teil der kleinen Gärten, die die verfallenen Häuser säumten, sodass wir diesen Teil des Weges relativ sicher hinter uns gebracht hatten.

Den Rest nicht mehr.

Eldekerks Haus lag am entgegengesetzten Ende des Ortes, eine kleine, eingeschossige Hütte, die letzte in einer langen Reihe gleichartiger ärmlicher Behausungen, die das hintere Drittel der einzigen Straße säumten.

Shannon und ich waren wie die Diebe von Schatten zu Schatten gehuscht, und mehr als einmal hatten wir uns in eine offene Tür oder hinter einen Busch geduckt und mit angehaltenem Atem gewartet, bis die Straße vor uns wieder frei war. Meiner Schätzung nach waren nicht mehr als zwölf Stunden vergangen, seit wir aus Dagons unterirdischem Labyrinth entkommen waren, aber ich wusste, wie gefährlich die Männer waren, mit denen wir es zu tun hatten.

Tergard wäre kein Master des Templerordens gewesen, wenn er nicht in diesem Moment bereits gewusst hätte, dass ich entkommen war. Und wenn er nicht in diesem Moment bereits Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hätte, mich wieder einzufangen.

Wir waren an die fünfzehn Meilen von seinem dämonischen Gefangenenlager entfernt, und zudem lag das gewaltige Massiv des Krakatau zwischen ihm und dem kleinen Ort. Trotzdem war ich fast sicher, dass es auch hier genügend Augen und Ohren gab, die nur darauf warteten, dass ich mich zeigte.

Ich atmete erleichtert auf, als wir die Hütte endlich erreicht hatten und Shannon die Tür hinter mir ins Schloss drückte; nicht nur, weil ich meinen gequälten Körper endlich auf einen Stuhl fallen lassen und ihm ein wenig Ruhe gönnen konnte.

Wir waren allein. Der Tag hatte noch nicht ganz Einzug in den winzigen Raum gehalten; die Schatten überwogen, und die vorgelegten Läden ließen nur schmale Streifen des Sonnenlichtes herein, aber es war zumindest hell genug, mich erkennen zu lassen, wie erbärmlich die Hütte war. Die Einrichtung bestand nur aus ein paar roh zusammengezimmerten Möbeln, der Boden war festgestampfter Lehm und von der Decke baumelte eine Petroleumlampe an einem rußgeschwärzten Draht.

Irgendwie war ich enttäuscht. Shannon hatte mir von Jop Eldekerk erzählt, dem alt gewordenen Abenteurer, den es hierher nach Krakatau verschlagen hatte und der vielleicht unser einziger Verbündeter war. Aber ich hatte etwas anderes erwartet. Was, wusste ich selbst nicht.

»Ich denke, wir sind hier erst einmal in Sicherheit«, sagte Shannon, nachdem er durch den Raum gegangen war und sorgfältig alle Läden überprüft hatte. »Wenigstens für den Moment.« Er lächelte aufmunternd, ging zu einem kleinen Schrank an der Südseite und kam mit einem Zinnbecher und einer Flasche zurück, der ein scharfer Geruch entströmte, als er den Korken herauszog. Schweigend schenkte er den Becher voll und reichte ihn mir.

Ich trank, ohne erst lange zu überlegen, welche Art von Flüssigkeit die Flasche enthielt. Als ich aufgehört hatte zu husten, füllte Shannon den Becher erneut, aber diesmal nippte ich nur daran und sah fragend zu ihm auf. »Du nicht?«

Shannon verneinte. »Ich trinke niemals Alkohol«, sagte er. »Aber dir wird er guttun.« Plötzlich war wieder dieser Ausdruck von Sorge in seinem Blick. »Fühlst du dich besser?«, fragte er.

Impulsiv wollte ich nicken, beließ es aber dann bei einem Achselzucken und trank einen weiteren Schluck. Mittlerweile glaubte ich, das Getränk als Rum zu identifizieren, wenngleich als einen Rum, der zu mindestens hundertzehn Prozent aus purem Alkohol bestand. Aber obgleich mir die Brühe schier die Kehle wegzuätzen schien, breitete sich eine Woge wohltuender Wärme in meinem Magen aus. Ich musste vorsichtig sein. In dem desolaten Zustand, in dem ich mich befand, würde mich ein zweites Glas dieses Teufelsgebräus glattweg umhauen. Beinahe hastig stellte ich den Becher auf den Tisch zurück.

»Wo ist dein Freund?«, fragte ich.,

»Eldekerk?« Shannon deutete mit einer vagen Kopfbewegung nach Norden. »Oben in den Bergen – wenn ihn Tergards Leute nicht erwischt haben, heißt das. Wir treffen ihn später.« Er räumte die Flasche weg, kam zurück und ließ sich vor mir auf ein Knie herabsinken. »Zieh dein Hemd aus. Ich will dich untersuchen.«

»Später?«, hakte ich nach, begann aber gehorsam mein Hemd aufzuknöpfen. Shannon war kein Arzt, aber ich hatte am eigenen Leibe erfahren, wie hilfreich und lindernd die Berührung seiner Hände sein konnte; und im Moment hätte ich wahrscheinlich auch die Hilfe einer tibetanischen Kräuterhexe angenommen, so miserabel, wie ich mich fühlte. »Was soll das heißen, später?«

»Wir bleiben nicht hier«, antwortete Shannon, während seine Hände bereits geschickt über meinen Leib huschten und hier und da verharrten. Es tat weh, aber ich biss tapfer die Zähne zusammen.

Shannon schüttelte den Kopf. »Du siehst schlimm aus«, sagte er. »Bist du geschlagen worden?«

Seine Worte weckten die Erinnerung an Roosfeld wieder in mir; mein Gesicht verdüsterte sich. Aber es war weniger die Erinnerung an die körperlichen Misshandlungen, als vielmehr die Erniedrigung, die mich aufstöhnen ließ, als Shannons Finger weiter über meine geprellten Rippen tasteten.

»Wer war es?«

»Ein Mann namens Roosfeld«, antwortete ich und fügte, mit einem etwas verunglückten Lächeln, hinzu: »Er hat mir wohl den verrenkten Arm übel genommen.«

Shannon sah auf. »Ein ziemlich großer Mann mit einem Schlägergesicht und einer Narbe über dem Auge?«, fragte er.

Ich nickte überrascht. »Du kennst ihn?«

»Ich … bin ihm begegnet«, antwortete Shannon ausweichend. »In den nächsten Wochen wird er niemanden mehr so zurichten. Wenn er’s überlebt. Keine Sorge.«

Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, was Shannon mit seinen Worten meinte. Und als es mir klar wurde, erschrak ich. Shannons Worte waren so kalt und gefühllos, als spräche er über einen Käfer, den er zertreten hatte. Einen Moment lang zweifelte ich beinahe daran, dass dies wirklich der Shannon war, den ich kennen gelernt zu haben glaubte. Der junge Magier, der mir in Arkham und später noch einmal in Amsterdam das Leben gerettet hatte, war vielleicht mein Feind gewesen; aber trotz allem ein Mensch voller Wärme und Freundlichkeit. Kein eiskalter Zyniker.

Aber dann verscheuchte ich den Gedanken. Es war lange her, seit wir das letzte Mal als Freunde miteinander geredet hatten. Und Shannon hatte nicht darüber gesprochen, aber ich ahnte, dass das, was Necron ihm angetan hatte, schlimmer sein musste als die paar Schläge, die ich von Roosfeld erhalten hatte. Es gibt für jeden Menschen eine Grenze, jenseits derer er einfach zerbricht. Vielleicht war Shannon ihr zu nahe gekommen.

»Halt jetzt still«, sagte er. »Es wird wehtun, aber danach fühlst du dich besser.«

Er stand auf, legte die linke Hand auf mein Herz und spreizte die Finger der Rechten, um sie auf mein Gesicht zu legen. Ich kam nicht einmal mehr dazu, ihn zu fragen, was er vorhatte.

Er hatte Recht – es tat weh, höllisch weh sogar, aber hinterher fühlte ich mich keineswegs besser.

Jedenfalls nicht sofort.

Ich wurde erst einmal ohnmächtig.

Die Hitze der Erde war hier unten deutlicher zu spüren. Wie ein erstickender Hauch drang sie aus dem Boden, ließ die Luft knistern und zähflüssig wie heißen Sirup werden und überzog die Grate und Risse der geborstenen Lava mit einer unsichtbaren, schmierigen Schicht.

Und etwas an ihr hatte sich verändert. Sie schien … aggressiver geworden zu sein. Drängender. Drohender.

Dagon war sicher, sich die Veränderung nicht nur einzubilden. Alles hier war anders geworden, auf eine nicht greifbare, düstere Art bedrohlicher und lebensfeindlicher.

Aber er wusste auch den Grund dieser Veränderung. Die Zeit rückte heran. Bald würde das Tor aufgestoßen werden, hinter dem sie seit Jahrmillionen warteten, geduldig und zeitlos wie die Unendlichkeit, aus der sie vor Äonen gekommen waren, um zusammen mit ihren Herren diesen kleinen Stern am Rande der Galaxis zu besitzen. Noch war es nicht soweit, aber der Tag rückte heran, und bald schon würde er die Stunden zählen können, bis der Augenblick der Erfüllung gekommen war. Wenn die Thul Saduun erwachten!

Dagon hatte Angst vor jenem Moment. Er gab es nicht zu, nicht einmal sich selbst gegenüber, aber tief in seinem Inneren fürchtete er den Augenblick ihres Erwachens, denn einst hatte er sie betrogen – oder es zumindest versucht – und er war nicht ganz sicher, ob sie wirklich die gefühllosen Götter waren, die das Wort Vergeltung nicht kannten und für die Verrat nur eine logische Folgerung aus gegebenen Umständen war. Möglicherweise würden sie ihn bestrafen.

Er vertrieb den Gedanken und wandte sich wieder an das bizarre Wesen, das zu treffen er hergekommen war.

Die Gestalt ähnelte einem Menschen, aber es war eine Ähnlichkeit, die nur einer oberflächlichen Musterung standgehalten hätte. Sie war groß, über die Maßen schlank und schimmerte, als wäre sie aus poliertem schwarzem Holz oder Horn gefertigt. Wo ihr Gesicht sein sollte, befand sich nur eine ebene, vollkommen glatte Fläche. Winzige Spritzer erstarrter Lava klebten auf ihren Gliedern und ihrem lang gestreckten Leib.

Dagon verspürte einen neuerlichen, deutlichen Schauer von Furcht, als er das Wesen betrachtete. Alle, auch die, die ihn als Gott verehrten und ihm Sklavendienste taten, glaubten, dass er, Dagon, ihr Herr war, der Herr der furchtbaren Schatten, die mit der Nacht aus dem Meer kamen und den Tod brachten.

Es war genau umgekehrt. So, wie die Sterblichen ihn fürchteten, fürchtete er sie, die gesichtslosen Schrecken des Meeres, von denen die Legenden der Eingeborenen sagten, dass sie Seelen derer waren, die die See verschlungen hatte, und von denen er wusste, dass die Wahrheit tausend Mal schlimmer war. Er fürchtete sie, obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – sie ihm halfen und sie Diener jener in der Tiefe wie er waren. Vielleicht, weil er sich bis zu diesem Moment nicht darüber klar geworden war, wer die wichtigere Rolle spielte, ob er oder sie entbehrlich sein würden, wenn sie erwacht waren. Oder vielleicht auch beide.

»Es wird Zeit«, sagte das Hornwesen. Seine Stimme ließ Dagon schaudern, denn er hörte den Befehl, der sich hinter diesen so harmlos klingenden Worten verbarg.

Dagon nickte, drehte sich um und klatschte in die Hände, und in die Gruppe der Betenden, die im Halbkreis um den lodernden Lavasee herum niedergekniet waren, kam Bewegung. Acht der Männer erhoben sich, verließen die Höhle und kamen wenige Augenblicke später zurück, zwei kleine, bronzebraun gebrannte Gestalten mit Peitschenhieben vor sich hertreibend.

Dagon stutzte. »Nur zwei?«, fragte, er. »Wo sind die anderen?«

Einer der Männer trat vor und senkte demütig den Blick. Sein Atem ging schnell, aber Dagon war nicht sicher, ob es nur an der erstickenden Wärme lag, die hier unten herrschte und seine Sklaven auszehrte, sodass ihm keiner länger als wenige Wochen zu Diensten war, ehe auch er starb oder geopfert wurde.

»Nun?«, fragte er noch einmal und in weitaus schärferem Tonfall.

»Es … sind nicht mehr da, Herr«, antwortete der Mann. Diesmal hörte Dagon die Furcht in seinen Worten überdeutlich.

»Was soll das heißen?«, fauchte er. »Es wurden Männer gebracht in den letzten Tagen.«

»Sie sind … nicht mehr da, Herr«, antwortete der Sklave im Flüsterton. »Die Mächtigen sind hungrig, Herr. Und seit dem letzten Morgen kamen keine Männer mehr.«

»Es …« Dagon ballte zornig die Fäuste und starrte den Mann einen Herzschlag lang zornig an. Dann fuhr er herum und wandte sich an die schwarz schimmernde Horngestalt.

»Ist das wahr?«, fauchte er.

»Es ist wahr«, antwortete das Wesen.

»Und warum erfahre ich das erst jetzt?«

»Es ist deine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass genügend Sterbliche da sind«, entgegnete das Wesen kalt, und fast glaubte Dagon, so etwas wie ein hämisches Lachen in dem konturlosen Gesicht zu sehen. »Wir haben getan, was wir mussten. Die Nacht rückt heran!«

Dagon erschauderte. Mit der Nacht würden die Boote kommen, die Boote, die neue Ssaddit brachten, die Höllenwürmer, die nötig waren, um ihr Kommen vorzubereiten. Und sie würden hungrig sein.

Mit einem zornigen Ruck wandte er sich um, hob den Arm und deutete auf die beiden kleinwüchsigen Gestalten, die seine Sklaven gebracht hatten. »Ihr!«, sagte er fordernd. »Kommt her!«

Einer der beiden reagierte sofort, während der andere wie unter einem Hieb zusammenfuhr und ihn aus vor Angst geweiteten Augen anstarrte. Dagon machte eine ungeduldige Bewegung mit der Hand, und der Ausdruck von Furcht im Blick des Eingeborenen ...

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