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Der Hexer 21

E-Book-Titel von Wolfgang Hohlbein

Anubis

Horus

Thor

Der Hammer der Götter

Der Widersacher

Die Heldenmutter

Die Schatten des Bösen

Dunkel

Raven – Schattenchronik

Raven – Schattenreiter

Die Tochter der Midgardschlange

Intruder – Chronik eines Albtraums (Band 1 bis 6)

Was ist DER HEXER?

Der Hexer ist eine Romanserie in der Tradition von H.P. Lovecraft, geschaffen von Wolfgang Hohlbein, der auch die meisten Folgen schrieb. Das Epos wurde 1984 in der Reihe »Gespenster-Krimi« begonnen und später als eigenständige Serie unter »DER HEXER« und schließlich als Paperback und Sammeledition fortgesetzt.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in London des 19. Jahrhunderts und verstrickt den Hexer Robert Craven und später auch seinen Sohn in fantastisch-schaurige Abenteuer. Immer wieder kommt es dabei zu Begegnungen den GROSSEN ALTEN – göttergleichen Wesen, die den Menschen feindlich gesonnen sind – und deren Vertretern auf der Erde.

Der Autor

Wolfgang Hohlbein ist ein Phänomen – einer der produktivsten Autoren fantastischer Literatur mit mehr als hundertsechzig Büchern und einer Weltauflage von über vierzig Millionen Exemplaren! Bekannt wurde er neben seinen Jugendbüchern vor allem durch den Romanzyklus DER HEXER. Die E-Book-Sammleredition präsentiert die Hexer-Geschichten als »Director’s Cut« in ihrer ursprünglichen Form und in chronologischer Reihenfolge, gespickt mit vielen Hintergrundinfos.

Vorwort

Mitautor Frank Rehfeld gibt in aufschlussreichen Vorworten Auskunft über Hintergründe und Inhalte der Hexer-Reihe. Seine Anmerkungen beziehen sich dabei in der Regel auf mehrere E-Book-Folgen. Hier das Vorwort zu Band 19 bis 21.

Als Wolfgang Hohlbein mit DER HEXER die Mythenwelt Howard Lovecrafts für den deutschen Heftroman adaptierte, stellte er sich einer großen Herausforderung. In erheblichem Umfang widersprachen Lovecrafts Protagonisten und auch die an der Grenze zwischen Horror und Science Fiction angesiedelte Dämonenwelt der GROSSEN ALTEN den im Heftroman gängigen Klischees, obwohl freilich eine Reihe von Kompromissen geschlossen werden musste.

Es begann damit, dass Robert Craven keinesfalls dem Abziehbild eines Heroen entspricht, der sich mit Begeisterung der Aufgabe stellt, die Welt von dämonischem Gezücht zu befreien. Robert ist ein Mensch, der ungefragt ein Erbe antreten muss, das er gar nicht will. Sein Kampf gegen die GROSSEN ALTEN entspringt nur dem Wunsch, selbst zu überleben. Erst als junger Mann erfährt er, dass sein Vater ein berüchtigter Hexer war und auch in ihm diese magischen Fähigkeiten schlummern. Und der Fluch, den sein Vater auf sich geladen hat, geht auch auf ihn über.

Es hat von anderen Autoren Versuche mit unterschiedlichem Ergebnis gegeben, den Cthulhu-Mythos in die Gegenwart zu verlegen. Hohlbein entschied sich für eine andere Vorgehensweise, er verlegte den Handlungszeitraum nach hinten, in die Zeit noch vor Lovecrafts Geburt. Die ersten Hexer-Romane spielen im Jahr 1883, oft auf den Tag genau einhundert Jahre vor Erscheinen des jeweiligen Heftes. Eine komplett in der Vergangenheit spielende Grusel-Heftserie stellte eine Neuheit auf dem deutschen Markt dar, kam aber gerade deshalb bei den Lesern gut an, wie zahlreiche Briefe gerade zu diesem Thema belegen. Nach nur acht Heften im Gespenster-Krimi erschien DER HEXER 1985 als eigenständige vierzehntägliche Serie.

Als ein weiterer geschickter Schachzug erwies es sich, H.P. Lovecraft selbst als Mitstreiter Roberts in die Serie einzubauen, auch wenn der echte Lovecraft zu dieser Zeit noch gar nicht gelebt hat. Das jedoch ist ein Geheimnis, das erst nach und nach im Zuge der Serie weitgehend aufgeklärt wurde.

Zwei Jahre lang erschien DER HEXER als eigene Serie, dann wurde er eingestellt. Möglicherweise war das Konzept für eine Heftserie doch zu ungewöhnlich, die Zyklenstruktur zu kompliziert für Gelegenheitsleser, Robert zu sehr Anti-Held für die an blonde Geisterjäger-Recken gewöhnte Leserschaft.

An den Geschichten selbst kann es schwerlich gelegen haben, denn schon kurze Zeit später feierte DER HEXER im Taschenbuch mit Nachdruckender Hefte ein Comeback, und die Bücher verkauften sich ausnehmend gut, wozu wenigstens teilweise auch die inzwischen enorm gewachsene Popularität Wolfgang Hohlbeins beitrug. Erschien die Heftserie nur unter dem Pseudonym Robert Craven (der Held erzählt in Ich-Form seine eigene Geschichte), stand auf den Taschenbüchern Hohlbeins Name.

Allerdings wurde in den Taschenbüchern nur ein Teil der Hefte nachgedruckt. Erst mit der vorliegenden Edition hat der Leser die Möglichkeit, die vollständigen Abenteuer Robert Cravens noch einmal zu erleben.

Oder die phantastische Welt des Hexers zum ersten Mal zu betreten.

Frank Rehfeld

Wolfgang Hohlbein

DER HEXER

Band 21
Im Land der GROSSEN ALTEN

Bastei Entertainment

 

Das Ungeheuer stampfte heran – ein Berg aus Fleisch und Zähnen und grauen Panzerplatten. Die dreifingrigen, krallenbewehrten Pranken waren gierig ausgestreckt, und das gewaltige Maul klappte auf und zu wie eine überdimensionale Bärenfalle. Unter den Schritten des Giganten bebte die Erde, und in seinen kleinen, seelenlosen Augen loderte das einzige Gefühl, zu dem ein Koloss wie er überhaupt fähig war: Hunger. Und die Beute, mit der dieser Tyrannosaurus seinen Hunger zu stillen gedachte, war ich …

Ich rannte wie niemals zuvor in meinem Leben. Trotzdem schien die rettende Felswand einfach nicht näher zu kommen, und der Boden unter meinen Füßen bebte mit jeder Sekunde stärker. Ich bildete mir fast ein, den fauligen Atem der Bestie bereits wie eine klebrige Hand im Nacken zu spüren. Das Ungeheuer bewegte sich alles andere als elegant, sondern stapfte mit plumpen, ja beinahe schwerfälligen Schritten hinter mir her; aber für jemanden mit Schuhgröße zweihundertdreißig – hätte er Schuhe getragen – war es auch nicht nötig, sich schnell zu bewegen. Obwohl ich wie von Sinnen rannte und mir vor Anstrengung schier die Lungen zu platzen schienen, schrumpfte die Entfernung zwischen uns mit jedem Schritt weiter.

Ich wusste, dass ich es nicht schaffen würde.

Der Tyrannosaurus Rex stieß einen schrillen, triumphierenden Schrei aus, hob den Schwanz und kippte gleichzeitig im Laufen nach vorne, dass ich dachte, er würde mich schlichtweg unter sich begraben wollen. Aber er fiel nicht, sondern verlagerte nur sein Körpergewicht, bis sein droschkengroßer Schädel direkt über mir hing und seine Vorderpfoten nach mir grabschten.

Verzweifelt warf ich mich zur Seite, entging dem tödlichen Zuschnappen seiner Klauen im letzten Moment und entdeckte einen Felsen, der wie eine steinerne Faust aus dem Boden ragte und in der Mitte gespalten war. Blindlings spurtete ich los, hechtete in den Spalt und kroch auf Händen und Knien so tief in den geborstenen Felsen hinein, wie ich nur konnte.

Mit dem Ergebnis, nach einem knappen Meter wie ein Korken in einem zu engen Flaschenhals stecken zu bleiben.

Meine Trommelfelle schienen zu platzen, als der Raubsaurier einen neuerlichen, trompetenden Schrei ausstieß und mit dem Schwanz auf den Boden schlug. Die Erde, mein Felsenversteck und ich selbst hüpften einen guten halben Yard in die Höhe und fielen krachend zurück. Mein Hinterkopf prallte unsanft gegen den harten Fels; für einen Moment sah ich nichts als farbige Punkte und kreisende Spiralen.

Als sich das dumpfe Dröhnen zwischen meinen Schläfen legte, hörte ich das Schaben.

Genau genommen war es nicht direkt ein Schaben. Es hörte sich eher an, als zertrümmere jemand mit einem riesigen Schaufelbagger einen noch größeren Berg.

Mühsam drehte ich mich in dem schmalen, nach unten und vorn enger werdenden Spalt herum, riss mir dabei Hemd und Haut an den Schultern auf – und begegnete dem Blick eines faustgroßen, kurzsichtig blinzelnden Schlangenauges.

Vorhin, als ich den Saurier das erste Mal gesehen hatte, hatte ich den Eindruck gehabt, dass seine Augen winzig wären. Aber in einem Wasserkopf, der die Ausmaße eines mittleren Zweispänners hatte, waren auch winzige Augen von beachtlicher Größe. Und sie waren nicht ganz so kurzsichtig, wie ich es gehofft hatte.

Zumindest sah er damit genug, um mich zu erkennen.

Fast eine halbe Minute lang starrte der Saurier auf mich herab. Sein riesiger Schädel pendelte dabei wie der Kopf einer Schlange hin und her, und sein Schwanz trommelte unablässig auf den Boden. Die furchtbaren Krallen an seinen Hinterläufen rissen halbmetertiefe Furchen in das steinhart gebackene Erdreich.

Schließlich trat er ein Stück zurück, warf den Kopf in den Nacken, stieß ein ungeheuerliches Brüllen aus – und schlug mit aller Macht auf den Felsen ein, in den ich mich verkrochen hatte.

Seine Vorderklauen, lächerlich klein im Verhältnis zu seinem Körper, aber noch immer doppelt so groß wie Schaufelblätter, trafen den Fels mit der Wucht eines Vorschlaghammers. Ich sah, wie der massive Granit unter dem Hieb barst und Risse bekam. Hastig kroch ich noch ein Stück tiefer in den Felsspalt hinein und riss die Arme über den Kopf, um mein Gesicht vor dem Bombardement von Felssplittern und Steinen zu schützen, das auf mich herabregnete.

Der Saurier beugte sich vor und lugte mit einem Auge zu mir herein.

Ich zog meinen Degen, verrenkte mir in der Enge des Spaltes fast den Arm, um ihn zu heben, und stieß die dünne Klinge tief in seine Pupille. Der Saurier brüllte auf, warf den Kopf zurück und verschwand für einen Moment aus meinem Sichtfeld, aber ich hörte, wie er zu toben begann, und der Boden bockte und schüttelte sich wie bei einem Erdbeben.

Dann tauchte der Koloss wieder über mir auf. Ein dünner Blutfaden lief aus seinem linken Auge, und er blinzelte unablässig, doch er war keineswegs geblendet und noch viel weniger abgeschreckt. Im Gegenteil. Mein Hieb konnte für ihn wirklich nicht mehr als ein Nadelstich gewesen sein; aber ein sehr schmerzhafter Nadelstich, der ihn schier zur Raserei trieb.

Mit einem Schrei, der mir beinahe die Trommelfelle zerriss, beugte er sich vor, griff mit beiden Pfoten in den Felsspalt und begann zu zerren.

Der Granitblock stöhnte. Fingerbreite Risse klafften plötzlich in seiner Oberfläche, dann begann das ganze Felsgebilde zu zucken und beben – und brach krachend auseinander. Von einer Sekunde auf die andere war meine Deckung verschwunden, und ich lag auf einem Haufen zermalmter Steine, schutzlos dem Toben der prähistorischen Bestie preisgegeben.

Wahrscheinlich rettete es mir das Leben, dass das Ungeheuer für einen Moment genauso verblüfft war wie ich und nur blöde auf mich herabglotzte, statt mich zu verschlingen – was es in diesem Augenblick durchaus gekonnt hätte. Als die Erkenntnis, dass zwischen ihm und seinem Frühstück nun nichts mehr war, in sein primitives Bewusstsein drang, war ich bereits auf den Beinen und rannte weiter. Die Steilwand lag noch zwanzig Schritte vor mir. Zwanzig Schritte für mich.

Für den Saurier zwei.

Allerhöchstens.

Einen davon machte er, als ich knapp die halbe Entfernung überwunden hatte, stand unversehens wieder neben mir und versuchte mir den Kopf abzubeißen. Wieder entging ich dem Tod nur um Haaresbreite, indem ich mich in vollem Lauf zur Seite warf, ein Stück über den betonharten Boden schlitterte und nach einer verzweifelten Drehung wieder aufsprang. Der Saurier knurrte und hieb mit dem Schwanz nach mir.

Diesmal rettete mich wahrscheinlich die Tatsache, dass mein schuppiger Freund wohl an größere Beutestücke gewöhnt war. Ich duckte mich, ließ seinen Schwanz über mich hinwegpfeifen und rannte im Zickzack weiter. Die Echse blieb stehen und folgte mir mit ihrem Blick. Ihr Schädel pendelte hin und her. Offensichtlich reichten ihre Erfahrungen mit Haken schlagender Beute nicht sehr weit.

Endlich erreichte ich die Felswand und den Durchbruch, den ich kurz nach meiner Ankunft bemerkt hatte. Mit einer letzten verzweifelten Anstrengung sprintete ich los und warf mich in den Spalt. Der Tyrannosaurus brüllte, stampfte wütend mit dem Fuß auf und begann hinter mir herzuwanken. Ärgerlich trat er drei, vier Mal hintereinander gegen die Wand, dass der gesamte Berg zu wanken schien, ließ einen letzten, fast enttäuscht klingenden Laut hören – und trollte sich.

Es dauerte einen Moment, bis ich überhaupt begriff, dass ich gerettet war. Und selbst dann blieb ich noch mehrere Sekunden reglos stehen und starrte der davonwankenden Raubechse fassungslos nach. Nach der Wut, mit der sie mich verfolgt hatte, erschien es mir fast unglaublich, dass sie jetzt so schnell aufgab.

»Dieses Verhalten ist typisch für sie, Robert«, sagte eine Stimme hinter mir. »Ihr Gehirn ist kaum so groß wie eine Walnuss, weißt du? Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber du hast trotzdem großes Glück gehabt.«

Langsam, die Hand noch immer um den Degenknauf geklammert, drehte ich mich herum; auf neue Schrecken gefasst.

Aber hinter mir stand kein weiteres Ungeheuer, sondern eine schlanke, dunkelhaarige Frau mit sanften Augen. Ein halb erleichtertes, halb amüsiertes Lächeln spielte um ihre vollen, sinnlichen Lippen.

»Shadow!«, flüsterte ich erleichtert.

»Hast du jemand anderen erwartet?«, fragte sie spöttisch.

Ich wollte antworten, bekam aber nur einen halblauten, krächzenden Ton hervor und trat einen halben Schritt auf sie zu. Ihr Anblick erleichterte mich derart, dass ich für einen Moment ernsthaft in Versuchung war, sie schlichtweg in die Arme zu schließen und an mich zu drücken; aber dann fiel mir wieder ein, wer Shadow wirklich war, und ich führte die Bewegung nicht zu Ende, sondern beschränkte mich auf ein erleichtertes Aufatmen und ein – wenn auch etwas verunglücktes – Lächeln.

»Shadow!«, sagte ich noch einmal. »Du kannst dir nicht vorstellen, wie froh ich bin, dich zu sehen.«

»Wieso?«, fragte sie harmlos. »War dir langweilig?«

Ich grinste säuerlich, schob den Degen in seine Umhüllung zurück und versuchte, mir den gröbsten Staub aus den Kleidern zu klopfen – was einigermaßen albern war, denn meine Hosen und mein Hemd bestanden ohnehin nur noch aus Fetzen. »Wo warst du?«, fragte ich. »Und wo ist Lady Audley?«

»Nicht weit von hier«, antwortete Shadow mit einer Kopfbewegung tiefer in den Felsspalt hinein. Sie lächelte und beantwortete meine nächste Frage, noch bevor ich sie stellen konnte. »Es geht ihr gut«, sagte sie. »Ich habe für sie getan, was ich konnte.« Sie zögerte. Ein unsichtbarer Schatten schien über ihr Gesicht zu huschen. »Viel war es allerdings nicht«, fügte sie hinzu.

»Wird sie … sterben?«, fragte ich. Etwas in meinem Innern schien zu Eis zu gefrieren, als ich die Worte aussprach. Das Gefühl, dass ich dieser gutmütigen alten Frau entgegenbrachte, ging weit über das normale menschliche Mitgefühl hinaus. Der Gedanke, sie sterben zu sehen – und, wenn auch nur indirekt, mitschuldig an ihrem Tod zu sein –, war mir unerträglich.

»Vielleicht«, antwortete Shadow. »Vielleicht könnte ein Arzt sie retten.«

»Aber bis zum nächsten Hospital ist es ziemlich weit, nicht wahr?«, setzte ich bissig hinzu. »So ungefähr zweihundert Millionen Jahre.«

»Nicht ganz«, antwortete Shadow. »Vielleicht können wir Lady Audley helfen. Aber nicht hier. Komm mit.«

Ich nickte, sah aber noch einmal in die Richtung zurück, in der die Echse verschwunden war. Die Sonne stand wie ein Feuerrad am Himmel, und der helle, beinahe weiße Wüstenboden reflektierte ihr Licht, sodass mir beinahe augenblicklich die Tränen in die Augen schossen und ich den Blick abwenden musste.

Nicht, dass ich irgendetwas versäumte. Die Ebene, die sich jenseits des Felsdurchlasses erhob, war die mit Abstand ödeste Landschaft, die ich jemals zu Gesicht bekommen hatte. Es gab buchstäblich nichts außer betonhart zusammengebackenem und wie ein gewaltiges Spinnennetz gerissenem Erdreich und einer Hand voll stacheliger, seltsam drahtig aussehender Büsche. Wenn diese Landschaft überhaupt einen Sinn hatte, dachte ich, dann nur den, Leere zu demonstrieren.

Hintereinander gingen wir durch den allmählich breiter werdenden Spalt. Auch hier war der Boden hart wie Stahl, wenn auch nicht mehr von zahllosen Rissen und Sprüngen durchzogen, sondern gewellt wie ein zu Stein erstarrtes Meer. Hier und da gähnten schwarze, wie ausgestanzt wirkende Löcher im Boden, um die Shadow einen großen Bogen schlug. Ich fragte sie lieber nicht, warum, sondern tat es ihr gleich.

Die Felsspalte begann sich rasch zu einem Tal, schließlich zu einem annähernd runden, mehr als hundert Yards durchmessenden Kessel zu erweitern, dessen Wände lotrecht in die Höhe strebten und wie die Felsbarriere auf der anderen Seite von Rissen, Sprüngen und finsteren Höhleneingängen durchbrochen waren. Etwas Dunkles, mehr als Mannsgroßes erhob sich aus einer dieser Höhlen und flatterte lautlos davon, als wir näher kamen.

»Wo sind wir hier?«, fragte ich, als Shadow stehen blieb und sich umwandte. »Oder sollte ich besser fragen – wann?«

»Du wirst alles erfahren, Robert«, antwortete sie ausweichend. »Aber zuerst müssen wir hier weg. Es gibt eine Menge gefährlicher Tiere und Pflanzen hier.«

»Das habe ich gemerkt«, sagte ich säuerlich, aber Shadow blieb vollkommen ernst, deutete nur mit einer Handbewegung auf einen runden, gut mannshohen Höhleneingang und wartete, bis ich gebückt hineingetreten war.

Ein muffiger, nach Fäulnis und Verwesung riechender Lufthauch schlug mir entgegen. Trotzdem blieb ich nach ein paar Schritten stehen, atmete erleichtert ein und richtete mich auf. Ich spürte erst jetzt, wie heiß es draußen in der Sonnenglut wirklich gewesen war. Selbst im Halbschatten der Felsspalten mussten an die vierzig Grad Celsius herrschen.

Shadow drängte sich an mir vorbei, bedeutete mir mit ungeduldigen Gesten, nicht stehen zu bleiben, und lief gebückt voraus. Irgendwo in unbestimmbarer Entfernung vor uns war eine Insel flackernder Helligkeit; Brandgeruch mischte sich in den Geruch des heißen Felsens, und schließlich erreichten wir eine halbhohe, kuppelförmige Höhle, in deren Mitte ein kleines, säuberlich aufgeschichtetes Lagerfeuer brannte.

Shadow bückte sich nach einem brennenden Scheit, hielt ihn wie eine Fackel in die Höhe und gestikulierte mir, es ihr gleichzutun. Ohne uns länger als unbedingt nötig aufzuhalten, verließen wir die Höhle durch einen anderen Ausgang und begannen im Inneren des Berges weiter in die Höhe zu klettern.

Der Tunnel führte in zahllosen Windungen und Kehren durch den Fels, und trotz des nur schwachen Lichtes glaubte ich zu erkennen, dass seine Wände stellenweise glatt und wie glasiert waren. Zudem war dieser eine Stollen nicht der einzige; wir passierten mehrere Abzweigungen und Kreuzungen, und ein paar Mal mussten wir eng an die Wand gepresst weitergehen, um nicht in einen der Schächte zu fallen, die im Boden gähnten. Der ganze Berg schien von diesen Gängen und Stollen durchzogen zu sein, dachte ich schaudernd.

Nach einer Weile tauchte ein münzgroßer Fleck hellen Tageslichtes schräg über uns am Ende des Stollens auf, und ich blieb unwillkürlich stehen. »Was ist das hier?«, fragte ich.

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