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Der Haushund - Canis lupus familiaris

Der Autor

Marc Latza, geb. 1974

 

 

Arbeit mit Hunden seit

2003

 

Rettungshundearbeit beim DRK

2005 - 2010

 

-  absolvierte Trainingsstunden:

ca. 1.920

 

-  Westfalensanitäter

 

 

-  geprüfte Leitungskraft

 

 

- selber mit einem geprüften Hund in Einsätzen gewesen:

2008 - 2010

 

Eigene mobile Hundeschule:

2010 - 2014

 

Eigene Hunde:

Merle

Australian Shepherd

 

Barney

Shepherd/Labrador-Mix und Fotomodel für das Coverbild

 

Luca

Nova Scotia Duck Tolling Retriever

 

Matteo

Australian Shepherd

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Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts.

Vorwort

Canis lupus familiaris – Der Haushund.

Wie viele Phrasen fallen Ihnen zum Thema „Hund“ ein ?

Zumindest zwei pauschale Aussagen kennt jeder:

„Bester Freund des Menschen“ und „Der Hund stammt vom Wolf ab“.

Aber ist das wirklich so bzw. war in der Vergangenheit zwischen Hund und Mensch immer alles „im grünen Bereich“ ?

Dieses Buch befasst sich zum einen mit der Entwicklung des Hundes über die letzten 4.000 Jahre und zeigt auf, dass diese beiden Aussagen nicht immer zutreffend waren.

Ferner wird sich ein Kapitel mit dem Thema „Sind ich und mein Hund für die Rettungshundearbeit geeignet ?“ befassen.

Ich hoffe, dass gerade dieses Kapitel das weitere Zusammenleben zwischen der Leserin / dem Leser und dem dazu gehörigen Caniden positiv beeinflusst; oder zumindest dazu führt, dass der eine oder andere bestehende Konflikt in der Rettungshundearbeit etwas verständlicher wird.

Horstmar im Oktober 2015,

Marc Latza

Für

Merle

(* 21.11.2002 +12.11.2014)

und

Luca

(* 25.09.2008 +03.08.2015)

Danke!

Für die unkomplizierte Zusammenarbeit möchte ich mich bedanken bei:

Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, Osnabrück

PIZ Heer Redaktion der Bundeswehr in Koblenz

Kapitel 1
Von Wölfen, Hunden und Menschen

Wie hat alles angefangen ?

  • Chronologie der Domestizierung

  • Welche Rasse ist wohl die Älteste?

  • 3 Thesen zur Entwicklung „vom Wolf zum Haushund“

Die Mythen

Die Fakten

Der Wolf

  • Unterschiede zum Haushund

  • Verbreitung und Lebensraum

  • Lebensweise

    • Soziale Organisation

    • Raumorganisation

    • Ernährung

    • Jagdweise

    • Fortpflanzung

  • Mensch und Wolf

Der Haushund

  • Hunde und Wölfe sind kreuzungsfähig

  • Domestizierung

  • Sozialisation

  • Lebenserwartung

  • Ernährung

  • Häufige Krankheiten

  • Gefährliche Hunde / Listenhunde / Anlagenhunde

    • Listenhunde / Übersicht

    • Gefährliche Hunde nach § 3 Abs. 2 LHundG NRW

    • Hunde bestimmter Rassen nach § 10 Abs. 1 LHundG NRW

    • Große Hunde nach § 11 Abs. 1 LHundG NRW

    • „Kleine Hunde“

Anatomie

  • Zähne

  • Hörsinn

    • Sachen, die dem Hundegehör schaden können

  • Sehsinn

  • Geruchssinn

    • Der Krebsspürsinn der Hunde

  • Geschmackssinn

  • Tastsinn

  • Fortpflanzung

Kapitel 2
Hunde als Nutztiere

Hunde als Kriegswaffe

Bundeswehr

  • Hundeführer – In erster Linie Soldat

  • Unzertrennliches Team

  • Schule, Klinik, zentrale Beschaffungsstelle

  • Überall einsetzbar

  • Der Hund - nicht weg zu denken

  • „Fliegende“ Hunde

  • Der Diensthund als Biosensor

  • Wie trainiert man so eine Suche bzw. eine derartige Anzeige ?

  • Streife auf sechs Beinen

Therapiehunde / Besuchshunde / Begleithunde

Gebrauchshunde

Jagdhunde

Der moderne Jagdgebrauchshund

Jagdliche Einsatzbereiche

  • Wald

  • Offenes Feld

  • Schweißarbeit

  • Wasser

  • Unter der Erde

  • Hetz- und Meutejagd

Gefährdung im Einsatz

Hirtenhunde

Wachhunde

Zugtier

Freizeitgestaltung

Kleidungs- und Fleischlieferant

Rettungshundearbeit

  • Der BRH

  • Das Deutsche Rote Kreuz

  • Sucharten

  • Was bedeutet „Flächensuche“ ?

  • Ausbildung / Allgemein

  • Trainingstagebuch

  • Ausbildung / Der Beginn

  • Achtung Futterkreis !

  • Ausbildung / Flächensuche (ohne Mantrailer)

  • Verbellen

  • Freiverweisen / Rückverweisen / Bringseln

  • Erläuterung „Frei- / Rückverweisen“

  • Erläuterung „Bringseln“

  • Ausbildung zum Frei- bzw. Rückverweiser / Bringsler

  • Rettungshunde mit Hobbies

  • Mindesthaltbarkeitsdatum

Anlage Literaturverzeichnis

Kapitel 1

Von Wölfen, Hunden und Menschen

 

Wie hat alles angefangen ?

Chronologie der Domestizierung:

Tier

Zeit

Ort

Hund

vor 14.000 oder 135.000 Jahren

Europa - Asien

Rind

vor 10.500 Jahren

Vorderasien

Schaf

vor 10.000 Jahren

Westasien

Ziege

vor 10.000 Jahren

Westasien

Schwein

vor 9000 Jahren

Vorderasien, China

Dromedar

vor 6000 Jahren

Südarabien

Esel

vor 6000 Jahren

Nordostafrika

Pferd

vor 5500 Jahren

Südosteuropa

Gans

vor 4500 Jahren

Ägypten

Katze

vor 3500 Jahren/Ägypten oder vor 9000 Jahren

Mesopotamien

Huhn

vor 3500 Jahren

Vorderasien

Ente

Stockente vor 3000 Jahren

Europa, Asien

Meerschweinchen

vor 2000 bis 5000 Jahren

Südamerika

Kaninchen

vor 1500 Jahren

Frankreich

Goldfisch

vor 1000 Jahren

China

Es handelt sich bei dieser Tabelle um geschätzte Zahlen.

Mir war aber mehr die Aussagekraft von dieser Übersicht hinsichtlich der Reihenfolge der domestizierten Tiere wichtig.

Der Hund ist das älteste Haustier des Menschen,
noch vor den Nutztieren wie Rinder, Schafe und Ziegen !

 

Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche Rasse wohl die Älteste ist ?

Ich habe hierzu einfach mal einige bekannte Rassen aufgelistet:

Zeitraum

„heute vor…. Jahren“

Rassenentdeckung / Rassendatierung

7.000

Windhunde in Irland (später Irish Wolfshound)

5.500

Pharaonenhund

4.500

Dingo

4.000

Dalmatiner

3.000

Ainu-Hund chin. Schopfhund Tibet-Dogge

3.000 - 2.000

Afghanische Hunde Boerboel

2.200

Schlittenhunde Grönlandhund

1.900

Bloodhound Mops

900

Borsoi (russ. Windhund) Boxer

700

King Charles Spaniel Border Collie

500

Bernhardiner

250

Balkanbracke
Basenji
Drahthaar-Foxterrier

230

Labrador-Retriever
Elchhund Rhodesian
Ridgeback

200

Altdänische Vorstehhund
Dobermann
Weimaraner
Hovawart

150

Isländer Spitz

133

Airedale-Terrier

100

Deutscher Schäferhund

65

Kromfohrländer

50

Australian Shepherd

Mit Blick auf diese Tabelle und unter Berücksichtigung des Ursprunglandes zu der entsprechenden Zeit (das Leben in Irland vor 7.000 Jahre oder Tibet vor 3.000 Jahren waren sicherlich kein „Vergnügen“), ist die Frage, wie sich der Hund vom Wolf weg entwickelt hat, umso spannender.

 

Es gibt derzeit 3 Thesen, wie die Entwicklung zum Haushund gewesen sein könnte:

a)

Wölfe waren die ersten Haustiere und wurden vielleicht zunächst als Jagdhelfer, später als Hütehunde abgerichtet.

b)

Der Wolf (als Welpe) schloss sich dem Menschen an. Dieses frühe Stadium der (Selbst-) Domestikation ist heute noch auf Pemba und in Ostafrika und Namibia zu beobachten. Sie betrachten den „Haushund“ als in der juvenilen Phase verharrenden Wolf.

 

Was durch Dr. Erik Zimen’s Beobachtung gestützt wird, dass juvenile Wölfe sich genauso ausbilden lassen wie Hunde, mit der Pubertät allerdings alle „Zahmheit“ verlieren und in reines Wolfsverhalten wechseln. (z. B. erhöhte Fluchtdistanz).

c)

Es gab 2 Wolfsrassen, wo von sich eine zum Haushund weiter entwickelte und die andere im „Wolfsdasein“ verblieb.

So oder so scheint der Mensch für diese Entwicklung mit verantwortlich zu sein, bzw. scheint er diese Entwicklung „positiv beeinflusst“ zu haben.

Der früheste Nachweis (Pfotenabdruck) ist etwa 23.000 Jahre alt.

Eine genetische Berechnung zeigt, dass sich Hund und Wolf vor mindestens 135.000 Jahren getrennt haben.

Dies könnte auf alle drei genannten Thesen zutreffen.

 

Die Mythen

Die Faszination der Menschen für den Wolf ist uralt.

In der Mythologie, in der Religion, in Sagen und Märchen spielte der Wolf stets eine zentrale Rolle. Bis heute ruft er bei vielen Menschen Gänsehaut und Schaudern hervor.

Doch der Wolf ist kein gefährliches Ungeheuer, sondern ein intelligentes Raubtier mit einem ausgeprägten Sozialverhalten.

Jedes „Erfolgsmodell“ (und dazu zähle ich persönlich den Hund) wird von Mythen begleitet.

Welche Mythen sind beim Hund geläufig ?

  • Werwolf

  • Der Wolf als Gott des Totenreiches

  • Romulus und Remus, die Gründer Roms

Der bekannte Mythos „Werwolf“

Ein Werwolf (von germanisch „wer“ = „Mann“) althochdeutsch auch Mannwolf genannt, ist in der Mythologie, Sage und Dichtung ein Mensch, der sich in einen Wolf verwandeln kann.

Als Phänomen gehört er zum großen Komplex der Wertiere, der sich in Religion und Mythologie weltweit findet.

Überblick

Der Begriff Werwolf bezeichnet die mythologische Vorstellung, dass ein Mensch die Fähigkeit besitzt, sich in einen Wolf zu verwandeln.

Die meisten Sagen berichten von Männern, die einen Pakt mit dem Teufel eingingen und von ihm einen Gürtel aus Wolfsfell erhielten, mit dessen Hilfe sie sich verwandeln konnten. Das Wesen, in das diese Teufelsbündner übergehen, wird als unheilvoll und raubtierhaft beschrieben.

Eine Besonderheit findet sich im Rheinland, wo der als Stüpp bekannte Werwolf seinen Opfern aufhockt und sich von ihnen bis zur Erschöpfung beziehungsweise bis zum Erschöpfungstod tragen lässt.

Zu den modernen Werwolf-Mythen, die durch volkskundliche Überlieferungen nicht unterstützt werden, gehört die in verschiedenen Horrorfilmen vorgestellte Verwandlung eines Menschen, der von einem Werwolf verletzt worden ist.

Sowohl die Akten der frühneuzeitlichen Prozesse als auch die unzähligen Sagen aus verschiedenen Teilen Europas sprechen einheitlich davon, dass die Opfer von Werwolf-Attacken zerrissen und teilweise auch gefressen wurden.

Berichte über Lykanthropie (von griech. lykos: ‚Wolf‘, anthropos: ‚Mensch‘), das heißt über Verwandlungen zwischen Mensch und Wolf sind in der Geschichte sehr weit zurückzuverfolgen.

Bereits Zwitterwesen in Höhlenmalereien lassen sich entsprechend interpretieren. Ältestes schriftliches Zeugnis ist das Gilgamesch-Epos, in dem die Göttin Ištar einen Schäfer in einen Wolf verwandelt.

Ebenso seien Tollwutkranke für Werwölfe gehalten worden, da hier die Erkrankung durch den Biss eines Tieres erfolgt.

Die Symptome dieser Krankheit passen zur Beschreibung von Werwölfen: Anfälle, bei denen der Erkrankte wild um sich zu beißen beginnt, Angst vor Wasser, aber gleichzeitig starker Durst, was zu spastischen Schluckkrämpfen führt etc.

Berichte über Lykanthropen, d. h. über Menschen, die sich als wie Wölfe aufführten und heulten und auf allen vieren herumkrochen, lassen sich auch begreifen als Schilderungen von Menschen mit einer individuellen Psychose oder von Ereignissen (vielleicht Ritualen im Rahmen von bäuerlichen Feldkulten), die von den Gelehrten in ihren Studierstuben nicht verstanden und deshalb in ein vorhandenes, den Mythen entnommenes Interpretationsmuster gepresst wurden, nämlich die arkadische Wolfsverwandlung.

Versuche von Medizinern (Rudolf Leubuscher: Über die Werwölfe und Tierverwandlungen im Mittelalter, Berlin 1850) und Volkskundlern (Richard Andree) des 19. Jahrhunderts, aus den spärlichen und oft auch verzerrten Darstellungen ein genau umrissenes Krankheitsbild herauszufiltern, waren zum Scheitern verurteilt.

Woher kommt die Angst vor dem Wolf?

Die Lebensweisen von Mensch und Wolf haben sich vor hunderttausend Jahren gar nicht so sehr unterschieden: Beide waren gleichermaßen erfolgreiche Jäger.

Doch die Konkurrenz zwischen ihnen nahm zu, als der Mensch vor circa 10.000 Jahren sesshaft wurde.

Er begann mit Ackerbau und Viehzucht. Die Nutztiere des Menschen waren für Wölfe leichte Beute, und manch ein Schaf oder eine Ziege fiel ihnen zum Opfer.

Der Wolf wurde das verhasste Tier, das die Existenz des Menschen bedrohte.

Die Folge war ein Jahrhunderte langer Ausrottungsfeldzug des Menschen.

Ängste unbegründet

Die in Deutschland durch die Rückkehr der Wölfe verursachten Befürchtungen und Ängste sind grundlos.

Obwohl in ganz Europa etwa 18.000 bis 20.000 Wölfe leben, sind Übergriffe von gesunden Wölfen auf Menschen aus keinem europäischen Land bekannt.

Dies ergab eine Umfrage des IFAW unter Wolfsexperten in zahlreichen Ländern Europas. Die Umfrage basiert unter anderem auf Auskünften aus Polen (600 bis 700 Wölfe), Italien (400 bis 500) und Spanien (2.000).

Die Fakten

Der Wolf

Der Wolf (Canis lupus) ist eine Raubtierart aus der Familie der Hunde (Canidae).

Wölfe leben und jagen im Rudel, Hauptbeute sind mittelgroße bis große Huftiere. Die Art war früher in ganz Europa verbreitet, wurde jedoch in West- und Mitteleuropa weitgehend ausgerottet.

Deutschland wurde erst Ende der 1990er Jahre wieder besiedelt, im Jahr 2000 wurden erstmals Welpen nachgewiesen. Wölfe haben schon frühzeitig Eingang in die Mythen und Märchen vieler Völker gefunden, sie zählen daher zu den bekanntesten Raubtieren.