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Der Frühling hat dich nicht vergessen

… Der Frühling hat dich nicht vergessen,

er sammelt dir alles in seinem Heckenversteck,

alles, was nistet und wächst.

Für dich meine Tochter

Für deine Schwester

Für deinen Vater

Zum Buch

Vor sechzehn Jahren ist unsere Tochter auf der Heimreise aus den Ferien tödlich verunfallt, zusammen mit ihrer Freundin. Es war am Abend vor ihrem 25. Geburtstag.

Der folgende Text beschreibt den Weg, den wir in den ersten Jahren nach Rosannas plötzlichem Tod gegangen sind. Er zeichnet Spuren nach: Tränen, Blüten, Träume … und ist als inneres Gespräch an meine Tochter gerichtet. Die Aufzeichnungen lassen ihre Persönlichkeit nochmals aufscheinen. Deshalb möchte ich sie nach dieser langen Zeit auch anderen Menschen zugänglich machen.

Das Kapitel «Geburt» und «Sterben» habe ich nach drei Jahren aus der Erinnerung geschrieben. Die weiteren Kapitel sind Passagen aus meinem Tagebuch der ersten Jahre.

Der Text ist absichtslos geschrieben. Er dokumentiert eine persönliche Erfahrung, die unser Leben von Grund auf erschüttert hat.

Die Namen von Personen und Orten sind geändert.

Herbst 2017

Inhaltsverzeichnis

Geburt

Kuckucksnelkenlicht

Sterben

Mistral

Karma shadup

Erstes Jahr

1. Tagebucheintrag

Flugsamen

Erdäpfel

Sharivari

Tigerträne

Netzhaut

Herzhöhe

Wasserkleid

Rettungsboot

Zweites Jahr

Frauenschuh

„Wer aus mir trinkt”

Kielunter

Apfelrosen

Landeplatz

Brache

Drittes Jahr

Wüstensommer

Eishaut

Sternenflüstern

Wasser finden

Eisvogel

Wermut

Echo im Kreis

Nachworte

Geburt

Kuckucksnelkenlicht

Heute will ich anfangen, Rosanna.

Nichts erhält die Erlaubnis, mich abzuhalten.

Wie du zu uns gekommen bist, will ich aufschreiben, damals am 30. August 1976.

Es ging gegen Abend. Die Hügel lagen still im Blau. Nacht war bereits zu ahnen von der anderen Seite der Welt. Ein Bussard kreiste über dem Tal. Der Sommer hatte ausgeatmet.

Weit oben am Waldrand kniete ich im Brombeergestrüpp und pflückte die reifen Früchte. Die stacheligen Ranken zerkratzten mir die Hände. Süße war in der Luft.

In mir die Knospe war am Aufbrechen

Ich weinte und lachte, und der rote Saft klebte mir an Wangen und Händen.

Düsenjäger durchbrachen die Schallmauer noch und noch, und du hüpftest in mir wie ein verschrecktes Vögelchen. Ich streichelte dein Köpfchen unter der gespannten Haut. Stark fühlte ich mich und jung, als ginge ich nochmals meiner eigenen Geburt entgegen mit dir. Mit jeder Härte der Welt konnte ich es aufnehmen.

Ich nahm meinen Korb und ging, festlich gestimmt, im Flug fast, den Hügel hinab übers Feld. Schwarz glänzten die Dolden des Holunders am Tenn; die Sonnenblumen standen hoch und schwer am Zaun; ich tauchte mein Gesicht in den Brunnen und sprach mit dem Wasser, dass es mit mir deine Ankunft erwarte.

Ein Nachbar fuhr mich zur Klinik. Er sprach etwas verlegen von täglichen Dingen: Ob ich Zwetschgen bei ihm kaufen wolle zum Einmachen.

Ich hingegen war wie nie zuvor vollkommen in der Gegenwart angekommen. „Zwetschgen?“, sagte ich zu ihm. „Unser Kind kommt zur Welt.“

Ich war mit dir auf dem Weg ins Kuckucksnelkenlicht.

In wenigen Stunden warst du geboren. Leise klagend lagst du zwischen uns, deine Haut war bläulich. Du hattest die Nabelschnur um den Hals. Wir fragten nichts. Die Hebamme legte einen Sauerstoffschlauch neben dich. Bald sahst du rosig aus und atmetest ruhig. Nichts war dir zugestoßen, du warst gesund.

Als der Morgen dämmerte, lag ich am Fenster.

Ein Traum entglitt mir, von Kletterrosen und Licht auf einer alten Mauer.

Die Nachtschwester hatte Mozarts „Kleine Nachtmusik“ aufgelegt. So bist du gekommen, Anmut und Leichte war um dich, bis zuletzt; Lächeln auch, und ein fester, ernster Blick in die Ferne.

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Sterben

Mistral

An 30. August 2001 kam ich am Abend von der Arbeit zurück in unsere Stadtwohnung. Ich machte mir ein belegtes Brot und biss hinein, als die Hausglocke schrillte. Vom Balkon im 4. Stock sah ich in der Tiefe ein schwarzes Auto glänzen. Zwei Polizisten stiegen aus und sahen zu mir herauf. Ich stürzte die vielen Treppen hinunter und schrie, als die Polizisten meinen Namen sagten: „Nein!“, schrie ich. „Nein!“

„Doch“, sagte der Polizist, „ein Schicksalsschlag, in Frankreich, gestern Abend um neun.“

Rosanna

Ich ließ mich von dem Polizisten an der Hand die Treppe hinaufführen. Als wir auf dem Sofa sassen, sagte ich: „Sie hat heute Geburtstag.“

Der Beamte blickte auf sein Formular. „Stimmt“, sagte er. „Und gemäß den bisherigen Ermittlungen sind die drei jungen Frauen unschuldig am Unfall. Eine Frau Etter hat mit Verletzungen überlebt, eine Frau Berger ist auch gestorben.“

„Aline“, sagte etwas in meinem Kopf in eine unermessliche Leere hinein; Rosanna und Aline.

Die Polizisten fuhren mich zum Schulhaus, wo Andreas Konferenz hatte. „Wir haben es immer nur schön gehabt“, hörte ich mich unaufhörlich zu den Polizisten sagen. „Wir haben es immer nur schön gehabt.“

Wir fuhren am Sonnenblumenfeld vorbei zum Pausenplatz. Andreas wurde gerufen.

Wörter von Asche kamen aus meinem Mund. Kein Ton. Wir umarmten uns. Andreas weinte.

Wir gingen nach Hause, um es Selma zu sagen.

Nur mit Mühe brachten wir deine Schwester die Treppe hinauf. Sie blieb einfach stehen im Vorgarten, ihre Füße vergaßen das Gehen. Vor dem Gartentor dröhnte der Feierabendverkehr.

Andreas zündete eine Kerze an und lehnte ein Foto von dir daran, Rosanna: Lachend, mit schalkhafter Gebärde blickst du darauf. Dort, im Vorraum der Wohnung, verbrachten wir zu dritt die Nacht, auf dem kleinen Teppich kauernd.

„Sie ist hier, sie hilft uns“, sagte Selma immer wieder.

Esther, meine Cousine kam in der Nacht mit ihrem Sohn Nils. Sie taten alles Notwendige ohne eine Frage. Sie holten deine Großmutter in W. ab. Später habe ich Kräutertee gekocht für alle; „Gute Laune-Tee“, den du mir geschenkt hattest. Die Packung habe ich aufbewahrt.

Im Morgengrauen packten wir einen kleinen Koffer, legten Wäsche hinein und zwei kleine rumänische Holzkreuze. Ich zog das orangefarbene Sommerkleid an, das dir gefallen hat. Wir fuhren nach Frankreich.

Einige Tage später warf ich das belegte Brot in den Abfalleimer. Der Abdruck meiner Zähne war noch darin.

Um sechs Uhr nahmen wir den Bus zum Bahnhof, Rosanna: Andreas, Selma, deine Großmutter, ich.

Am Ausstieg sah ich die Metallstange mit meiner Hand daran.

Der Zug nach N. hatte Verspätung. Andreas kaufte Brot für uns. Wir fühlten die unerklärliche Pflicht, Fahrpläne zu lesen, die Zähne zu putzen, zu essen, zu atmen.

In N. gingen wir ins Bahnhofbuffet. Andreas stand in einer Nische am Fenster neben dem eisernen Heizkörper und wählte eine Nummer auf dem Handy.

Da sah ich dich als kleines Mädchen, Rosanna, kurz nachdem wir in das Internat in den Bergen gezogen waren. Du warst noch nicht drei Jahre alt:

Andreas war für ein paar Tage im Unterland gewesen. Von unserer Terrasse aus sahst du ihn unten auf dem Platz aus dem Auto steigen. „Papa“, riefst du mit deiner hellen Kinderstimme, „Papa, Papa“ und hüpftest mit federleichten Schrittchen den Gartenweg hinunter wie ein Schmetterling. „Papa“, riefst du auf jeder Treppenstufe, als würdest du erst jetzt dieser ersten Trennung gewahr, Schmerz und Freude flossen ineinander.

„Rosanna ist ja eine große Verehrerin von Papa“, sagte eine ältere Frau, die neben mir stand.

Nun rief Andreas das Bestattungsamt an in Mont Sapin. „Oui, la petite, sagte er, „la petite, c'est notre fille, nous voulons la voir, nous arriverons à trois heures.“

Die Welt wurde weiß von seinen Worten. Schnee war überall, darin stand dein Vater aufrecht, mit ausgebreiteten Armen wie damals, sein Kind zu empfangen.

Andreas’ Bruder Daniel holte uns in N. mit dem Auto ab. „Natürlich fahren wir zusammen hin“, hatte er am Telefon gesagt, „ich bin doch der Pate.“

Ein Gefühl von Weihnachten stieg in mir auf. Immer hatten wir Weihnachten zusammen gefeiert: Daniel hatte mit euch Schwestern auf dem zugefrorenen Bergsee gespielt, voller Übermut und Gelächter. Er hatte dir ein türkisfarbenes Jeansjäckli geschenkt, das du am liebsten immer anbehalten hättest.

Es gibt ein Foto von dir aus dieser Zeit, als du etwa zehn oder elf Jahre alt warst; du stehst draußen auf der Treppe, dein feines Gesicht von der Schneeluft gerötet, blickst du kindlich und ernst zugleich.

„Sie war schön wie der lichte Tag“, heißt es in den Märchen aus Südfrankreich.

Wir fuhren zusammen nach Mont Sapin. Selma saß zwischen uns, mit geöffneten Händen, als berge sie darin die Wärme deines Atems. Fallend hielten wir einander, es regnete leicht, die Luft war grau und mild. An einer Raststätte tranken wir Tee. Ich kaufte einen kleinen Plüschbären für dich. Ich überredete deine Großmutter, etwas Kuchen zu essen.

Vor Mont Sapin verließen wir die Autobahn. Wir fuhren auf einer geraden dreispurigen Straße mit Bodenwellen. Links lag südliches Land mit Trockenmauern, Minze und Thymian, rechts sah ich die Kühltürme des Atomkraftwerks. In seltsamer Ruhe ahnte ich den Ort.

Die Einrichtung des Bestattungsinstituts war hauptsächlich aus Marmor. Pokale und Kunstblumen aus Plastik waren aufgestellt. Die Luft war gleichsam neutral und ohne Temperatur.

„Hier würde es ihr nicht gefallen“, sagte deine Schwester. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass du hier irgendwo warst. Man bat uns, später wiederzukommen. Die Beamten sprachen leise. Sie gaben uns eine Zeitung mit dem Artikel und einem Bild vom Unfall.

Wir wollten zur Unfallstelle fahren.

In der Stadt kauften wir Kerzen, Straßenkreide und Blumen. Jeder von uns stellte einen eigenen Blumenstrauß zusammen, Rosen, Chrysanthemen, Lilien, Astern. Die Verkäuferin verstand schnell; sie erzählte von anderen Unfällen und gab uns faltbare Plastikvasen und Wasser in PET-Flaschen. Der Wind hatte die Regenwolken vertrieben, Sonnenlicht fiel in die Gassen. Viele Menschen in Ferienstimmung gingen an uns vorüber und lächelten uns zu. Sie glaubten, wir gingen zu einem Fest.

Ein kleines Sträßchen biegt von der Schnellstraße ab und führt die Anhöhe hinauf. Dort wurde euer kleiner Wagen hingeschleudert, hinter das Nebenstraßenschild.

Es war kaum etwas zu sehen; orange Markierungen der Polizei, ein paar Glas- und Kunststoffsplitter.

Ich sah deine Großmutter am Straßenrand sitzen, aufrecht und stumm im dürren Gras; jenseits der Schnellstraße standen die Kühltürme des Atomkraftwerks mit dem aufgemalten Riesenkind, das je nach Beleuchtung und Blickwinkel zur Fratze wurde. Davor hingebreitet glänzte ein See. Ein weißes Schiff glitt langsam darüber.

Motorenlärm durchschlug die Luft in kurzen unregelmäßigen Abständen, unerbittlich an- und abschwellend, unberechenbar wie eine eiserne Hand, die zuschlägt, wieder und wieder. In den Fetzchen aus Stille riefen wir uns Wörter zu.

Wir suchten den Boden ab. Wir fanden mehrere Bonbonpapierchen, den Deckel eines Konfitüreglases, zwei Tampons.

Selma hob eine kleine Trillerpfeife auf und blies hinein. Am Weihnachtstag waren wir alle zusammen im Kino gewesen. Der Film hieß: „Leben ist Pfeifen“.

Die Kerzen erloschen immer wieder; der Mistral wehte. Wir schmückten den Ort mit Blumen und den rumänischen Holzkreuzen. Wir malten mit bunter Kreide eure Namen auf die Straße: Rosanna und Aline. Wir malten auch eine Sonne. Wir schwankten, als fielen wir aufwärts ins Gezweig der Schatten.

Etwas oberhalb der Unfallstelle hielt ein Auto. Ein Mann stieg aus, Monsieur M., der uns ernst und freundlich ansprach: Sein Freund sei Minuten später zu diesem Unfall gefahren, sagte er. Er habe erste Hilfe geleistet, ob wir mit ihm sprechen möchten, vielleicht könne es uns helfen. „Pour trouver la paix“, sagte er.

Wir vereinbarten ein Treffen mit Monsieur M. in seinem Autobahnlokal „Les Trois Princesses“. Sein Freund würde auch da sein.

Als wir zurückfuhren, war das Bestattungsinstitut geschlossen.

Wir suchten ein Hotelzimmer. Es war schwierig, weil Ferienzeit war, aber Daniel fand Platz für uns in einem alten Gasthof. Das Zimmer hatte Weite, die Gegenstände waren viel benützt und schienen uns vertraut, ohne glatte Oberflächen, die uns unerträglich waren. Hier war ein offener Klang zu dir, Rosanna, auf den wir aufspringen konnten wie auf eine Schaukel.

Am Abend trafen wir François im „Les Trois Princesses“. Er war früher Sanitätsfahrer gewesen, ein kräftiger Mann mittleren Alters. Zufällig war er unmittelbar nach dem Unfall zu dieser Stelle gefahren. Zwanzig Minuten lang hatte er versucht, dich ins Leben zurück zu holen, bis der Krankenwagen eintraf. Doch du warst bereits zu hart und zu weit in diesen Himmel gefallen, zusammen mit Aline.

„Je pouvais rien faire“, sagte er und sah uns an, schweigend, voll Trauer, als hätte er sein ganzes Leben in deiner Nähe verbracht. Wir hielten seine Hände, die zuletzt deine Wärme berührt hatten.

In der Nacht stampften Discorhythmen aus der Gasse herauf. Schluchzen verebbte. Schnee, gesterntes Weiß bedeckte die Augen. In deiner Halsbeuge duftend Land schlief ich ein.

Am Morgen war das Zimmer an der Lampe aufgehängt. Die vier eisernen Arme mit den Alabasterschalen hielten es leidlich.

Im Frühstücksraum stand ein altes Klavier. Der Deckel knarrte, als ihn deine Schwester hob. Die Tür stand offen. Unversehrt glitt die Arche in einem Meer aus Mohn, Himmel stieg aus der Tiefe, durchwurzelt mit Klang.

Ich sah Selmas Hände gleitend auf dem Schwarz und Weiß der Tasten und – hörbar ins Schweigen gezeichnet – Picassos Taube.

Selma stand auf, griff schluchzend ins Leere.

Eine dunkelhaarige Frau war im Zimmer und fegte die Fliesen. Sie schob den Eimer zur Seite und fing deine Schwester auf in ihren Armen. Lange hielt sie Selma fest und streng an den Rändern des Abgrunds.

„Oui“, sagte sie dann, „oui, – et maintenant, c'est bon.“ Und reichte Selma die Tasse mit dem erkalteten Tee.

Sie wrang den Lappen aus und fegte weiter.

Die Sirene eines Krankenwagens kam klagend aus sehr großer Ferne.

Die Putzfrau hieß Fatma. Ihr Sohn war mit zwanzig Jahren von der Polizei erschossen worden.

Das Bestattungsinstitut öffnete erst am Mittag.

Wir verbrachten einige Stunden auf dem Friedhof im Schatten der alten Bäume. Die Kirche „Maria Rosa Mystica“ war geschlossen. Ich dachte an Christof. Vor einem Jahr hatten wir an seinem Todestag eine Kerze für ihn angezündet, in einer Kirche in den Bergen, die dieser Jungfrau geweiht ist.

Wie glücklich bist du gewesen in jenen Monaten, Rosanna, als du in Kanada auf der Farm von Christof und Elisabeth gearbeitet hast. Als du wieder nach Hause kamst, ließest du Heimat zurück und hattest zu dir selber gefunden, zur Erde und zum Feuer, zum Kuckucksnelkenlicht.

Die Grabstätten offenbarten den Wind und die Trockenheit der Gegend. Die alten Steine waren voller Flechten und Schrunden. Aus der harten Erde wuchs vereinzelt Buchs und Weißdorn. Verblichene Kunstblumen waren spärlich aufgestellt und belebten das karge Grün.

Deine Großmutter, Rosanna, sprach in ihrer Verzweiflung von einer Grablaterne, die sie kaufen wolle für dich. Ich hingegen antwortete schroff und kalt. Wie sollte ich je lernen, solche Dinge für dich auszusuchen?

Noch tastete ich mich rückwärts hinaus aus dieser Nacht. Noch stand ich an den Auslagen mit den bunten Perlen und silbernen Fußkettchen. Ich berührte den duftigen Regenbogen aus seidenen Tüchern, die am Marktstand flatterten. In der Lyrikecke eines dunklen Antiquariats suchte ich nach einem Gedichtband für dich, und an den zierlichen Tischen am Fluss aßen wir zusammen; warme Pannini mit Olivenöl und Tomaten.

Wir fuhren nochmals zur Unfallstelle. Wir hielten einander an den Händen und Selma sang sehr leise ein brasilianisches Kinderlied. Da hob ein Lüftchen den farbigen Kreidestaub der gemalten Spirale handbreit hoch und senkte ihn exakt auf der gleichen Stelle wieder auf den Asphalt. „Hast du gesehen?“, wollten wir fragen und schwiegen.

Wir gingen zum Steinbruch hinauf, der wie eine Arena in den Hügel geschlagen ist. Mauersegler wohnten in den hohen Schründen. Patronenhülsen und rostige Stangen lagen herum, ein Truppenübungsplatz. Wir sammelten Hunderte leerer weißer Schneckenhäuschen, Thymian, Steine, Bruchsteine und legten sie in Daniels Auto. Andreas brach einen Zweig von den niedrigen Eichen am Weg.

Zum Mittagessen gingen wir ins „Les Trois Princesses“. Der Kellner wollte das sechste Gedeck entfernen. Ich bat ihn, es zu lassen. Wir saßen am runden Tisch, im offenbaren Geheimnis deiner Ferne. Auf dem Teller lagen kleine Fischstücke und Spinat.

Am Nachmittag hatte das Bestattungsinstitut geöffnet.

Entgegen François’ Rat ging Andreas zusammen mit seinem Bruder ins Untergeschoss, um dich zu sehen, Rosanna.

„Ihr könnt kommen“, sagte er, „sie sieht schön aus.“ Wir stiegen die Treppe hinunter, wo es kalt war.

Sie hatten ein weißes Tuch über dich gebreitet und dir deine Kette aus Silber und Türkissteinen wieder umgelegt. Deine Haare waren streng zurück gebürstet. Dein linkes Auge war verbunden.

Mut und eine fremde, entsetzliche Größe sprach aus deinem schönen Gesicht.

Du hattest es kommen sehen.

Andreas legte den Eichenzweig auf deine Brust.

„… in meinem Herzen ist eine Stelle,

da blüht nichts mehr.“

(Ricarda Huch)

Wir fuhren zurück. „Jeanne d’ Arc“, sagten wir zueinander, „wie Jeanne d’ Arc.“

Wir duckten uns in die Wärme von Daniels Auto. Ich wollte nie mehr aussteigen.

Dann verlor ich die Tränen. Das Herz war eingegipst. Ein böses Lachen hockte in der Luft. Die Brücke hatte den Fluss verlassen und ragte rückwärts ohne Sinn.

Der Sommer war von der Erde abgebrochen.

Jemand reichte mir Brot. Jemand sagte: „Iss.“ Ich aß und weinte, ich aß und aß und weinte. Selma war wie in ein weißes Lied gehüllt.

In N. nahmen wir den Zug. Wir saßen im Bistrowagen. Wir erzählten allen von dir, Rosanna, dem Schaffner und vielen anderen fremden Menschen. Trotzig muteten wir ihnen unser Entsetzen zu, ihnen, die zum Feierabend fuhren.

Wir riefen Freunde an, die zwei Kinder verloren hatten. Wir suchten Verbündete auf.

Als wir spätabends nach Hause kamen, war mir, als kämest du mir entgegen, Rosanna.

Auf den Wellen meiner Müdigkeit fandest du Einlass.

Bilder von unserem letzten Wochenende zogen nochmals an mir vorbei: Du hattest dein violettes Samtkleid angezogen. „Wie zu einem Fest“, hat dein Freund später gesagt. Du trugst gerne ein Kleid über langen Hosen. Das Verspielte passte gut zu dir, und lebhafte Farben: violett, orange, gelb. Andreas machte Fotos von dir. Marc war auch mitgekommen. Nach dem Essen machten wir einen „Giro“ durch die Stadt. Dieses Wort hatten wir von Antonio übernommen, der in der ärmlichen Mansarde unseres Miethauses gewohnt hatte und vor einem halben Jahr an Krebs gestorben war.

Auf der Straße sahen dir die Leute nach. Strahlend gingst du in der Dämmerung. – „Schön wie der lichte Tag“, heißt es in den Märchen aus Südfrankreich.

Eigentlich wollten wir irgendwo einkehren und zusammen Eis essen, und ließen es dann doch.

Am Morgen fragte ich dich, wie du geschlafen habest. „Sehr gut“, sagtest du mit Nachdruck. Diese zwei Worte haben noch den vollen Klang deiner Stimme für mich; ich kann sie jederzeit aufwecken wie eine Glocke, die man anschlägt.

Auf dem Balkon pflücktest du ein Zweiglein Minze für den Tee. Etwas Verzagtes huschte durch unsere Gespräche, als wäre etwas am Welken, und wir sähen weg.

Halb auf der Treppe umarmten wir uns. Vom Balkon aus sahen wir dir nach. Du winktest herauf.

„Ganz gut geht es ihr nicht!“, sagte Andreas zu mir …

Mit diesen Erinnerungen schlief ich ein.

„Das hatten wir auch“, sagten jene Freunde zu uns, „aus Angst vor dem Aufwachen konnten wir nicht einschlafen.“ Sie haben zwei ihrer Söhne verloren, in deinem Alter. Sie kamen am Sonntag und brachten Sonnenblumen mit.

Sie suchten uns auf an diesem unsäglichen Ort, wo es kein Hoffen gibt, kein Feilschen mit höheren Mächten um ein letztes Wort, keine Rückkehr ins Vertraute.

Nichts erwartend warteten sie. Sie legten ein Wort in die Mitte, dass es zu finden wäre für uns.

Die Tage stellten Forderungen. Andreas war viel am Telefon und erledigte die formellen Dinge. Wir tasteten unseren eigenen Schritten nach, die uns vorausgingen.

Eine Freundin brachte uns einen Spruch der Navajos Indianer, der aus dir kam:

„Ich war am Ende der Welt,

ich war am Ende des Wassers,

ich war am Ende des Himmels,

ich war am Ende der Berge,

ich habe niemanden gefunden,

der nicht mein Freund war.“

Wir setzten diesen Spruch auf deine Todesanzeige, zusammen mit der Feder des jungen Adlers. Wir schrieben Adressen.

Wir fuhren nach W. in eure WG. Marc gab mir den Schal aus Kaschmirwolle, den er dir zu Weihnachten geschenkt hatte. Hier hast du gelebt, hast Freunde empfangen und die Stille gesucht. Bei unserem letzten Besuch hast du mir dein Kräuterbeet gezeigt und das Badezimmer, das einladend duftete. „Es ist mein Ämtli“, hast du nicht ohne Stolz zu deiner Mutter gesagt. Im Garten der WG brannte ein Feuer. Wir setzten uns zu den jungen Leuten. Marc schenkte uns Tee ein.

„Die Kinder in der Spielgruppe gehen so gut damit um, heute haben sie ‚tot‘ gespielt!“, sagte eine junge Frau.

Ich wandte mich zum Gehen. Irrsinn war mir auf den Fersen.

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Karma shadup

In unserer Wohnung war ein Singen und Funkeln aus dem All.

Selma zähmte den Vogel, der kreischte im Hof, den Vogel „Niemalsmehr“, der seine Märchen verlassen hatte.

Auf unserem Esstisch legte sie ein Bild für dich aus den weißen Schneckenhäuschen, den Wurzeln und Steinen von der Unfallstelle; ein Meer von Teelichtern schwebte darin.

Tag und Nacht brannte die hohe Osterkerze, die uns vor Jahren jemand geschenkt hatte aus einer Pfarrei, und die wir in besonderen Momenten entzündeten. Sie brannte nieder bis auf den Grund.

Selma hängte Fotos auf von dir und kleine Gegenstände. Sie verwandelte die Wände in hängende Gärten, aus denen du uns lachend, tanzend und sinnend entgegenkamst. Aus unermesslicher Nähe spiegelten sie uns deine Träume herüber.

Menschen gingen durchs Zimmer, still, mit schweigenden Füßen.

Wir sahen dich wieder, in den Sarg aus roher Fichte gebettet, den wir im Internet ausgesucht hatten. Die Strenge war aus deinen Zügen gewichen. Du warst ganz Antlitz geworden, als hättest du nie „nein“ sagen wollen, angesichts jener berstenden Sommernacht.

Andreas suchte an der professionellen Glätte des Bestatters zu kratzen. Seine Milde machte uns unruhig. Andreas gab ihm die Hand und erzählte ihm von dir. Er fragte ihn nach seinen Kindern.

Wir wünschten uns Sonnenblumen als Sargschmuck. Kornähren waren nicht aufzutreiben.

Ein hoher Raum im Gemeindehaus war eben für den Umbau vorbereitet worden. Mauern und Fußboden waren nackt und rau mit Spuren von Tünche. Zukunft wohnte darin; Risse und Brüche für jenes Licht, von dem Leonard Cohen singt. Dort bereiteten deine jungen Freunde die Abschiedsfeier vor für dich, Rosanna. Sie öffneten Türen und Fenster, ein verschämtes Hoffen stahl sich herein mit dem Wind. Sie flochten ein Dichtwerk aus Zweigen, Rinden und Steinen. Ein uraltes Flussbett lieh uns sein Ohr. Innen wurde Nacht entzündet. Deine Freundin Eva leitete die Feier, auf ihren Füßen saß dein Patenkind. Dort trug sie uns alle flussüber.

Der große Saal war voller Menschen; und da war doch Raum zu tanzen, zu singen, zu weinen, zu sprechen, zu schweigen. Ein Klavier war hergetragen worden für Selma, nur für dieses eine, euer gemeinsames Lied.

Andreas spielte auf seiner Gitarre für dich. So war es immer gewesen. Er sprach mit dir und du warst in seinen Worten.

Ich las ein Gedicht von Nelly Sachs:

„… Tänzerin

kreißende Wöchnerin

du allein

trägst an verborgener Nabelschnur an deinem Leib

den Gott vererbten Zwillingsschmuck von Tod und Geburt.“

Auf dem Heimweg sah ich dich als Braut, sah ein erleuchtetes Boot Kreise ziehen messerscharf, im Fleisch der stürzenden Frucht.

Zuvor in der Kirche hatte die Pfarrerin von deiner Kindheit gesprochen, von den Bergen, vom Wildbach, und wie du das Feuer geliebt hast und die Samen bergende Erde.

Wir hatten nichts aufgeschrieben. „Ich habe sie hier“, sagte die Pfarrerin und berührte ihr Herz.

Ein Freund spielte auf der Geige: „Karma shadub“, tanzender Stern.

Deine Geige, Rosanna, war nach dem Unfall unversehrt.

Ein psychisch kranker Mann legte ein Kreuz aus Lamettasilber auf die Altarstufen. Wir sahen erst jetzt, was du den Menschen bedeutet hast. Hunderte waren gekommen, bunt gekleidet, still, mit wilden Blumen in den Armen. Wie nie zuvor wurdest du uns sichtbar in deinen Freunden.

Bei deiner Urnenbestattung waren wir wenige. Wir warteten im Regen. Marc sprach ein indianisches Gedicht von der Mutter Erde. Sonnenlicht brach plötzlich aus den Wolken. „Die Sonne hat auch ‚Ja‘ gesagt“, sprach die Pfarrerin. Ich stellte mich taub.

In unserer kleinen Küche hatte ich den Tisch gedeckt wie für dich: Käse, Oliven und Brot. Gespräche kamen auf, Splitter von Normalität. Welt raste durchs Zimmer, im Schafspelz die Zähne fletschend. Sturm fiel deine Schwester an, wollte sich festkrallen. Jemand ergriff ihre Schultern, das Schluchzen heraus zu schütteln, taumelte selber und schrie.

Einwärts

schwebend im blau

die weiße Feder,

Wort im Wort,

das Wunder des leeren Raums,

der uns aufnahm in jeglicher Form.

Wir weinten.

Nach deiner Bestattung, Rosanna, fuhren wir nach Z. Wir feierten Abschied von Aline in der großen Kirche auf dem Hügel. Eure Freunde waren wiedergekommen. Schon im Zug waren wir ihnen begegnet. Sehr viele, uns unbekannte Menschen aus dem Kreis der Familie warteten am Tor.

Die Sonnenblumen sahen Herbst, das Fallen der Blätter war leise eingeleitet. Jenseits der schmerzenden Klarheit wartete Wind.

Dunkelgrünes Geläut und Alines Eltern darinnen; Mutter, Vater, Schwester – wie bei uns. Wir waren einander bekannt. Ihr hattet zu euren fröhlichen Festen immer eure Familien eingeladen. Ihr wart so sicher auf eurem eigenen Weg, dass ihr keine künstlichen Grenzen brauchtet, wie wir in unserer Jugend.

Was hier von Aline zu sagen ist: Eine Seiltänzerin, auch sie, rein, lächelnd bis in die Fingerspitzen, hingegeben dem Jetzt, weckte sie in jedem die Sehnsucht, unvermittelt aufzubrechen ins wirkliche Leben.

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Erstes Jahr

1. Tagebucheintrag

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Flugsamen

September

Das „Nein“

hat keine Bedeutung,

es schreit da draußen im Fels.

Auf dem Kühlturm rechts ist ein Riesenkind gemalt.

Hier ist mein Kind durch eine Tür aus Blech in den Himmel gefallen.

Dein Engelshaar blieb unversehrt,

nur der Stern auf deiner Stirn ist ins Kreisen geraten.

Das Nein trampelt sich zu Tode,

es ist in allem, allem, allem

Brüllendes Licht hat den Sommer verschlungen,

eisiges Gold in den Wäldern.

der Bus fährt, der Bus fährt wie immer,

der schreckliche Bus, kein Wort, kein Wort.

Mir träumte, Rosanna,

mir träumte von dir.

Du wolltest kommen und ich ging dir entgegen. Ich traf dich in den Bergen, im Schnee gingen Leute, sie sagten, du seiest früher abgestiegen, du habest den direkten Weg genommen.

Wir sind im Zug. Wir fahren nach Mont Sapin. Es ist sechs Uhr und noch Nacht.

Wir holen deine Sachen; den Beutel aus Schafwolle, Wäsche, deine Geige.

Du große Frau, du zarte Sternenblume, du Schmetterlingslicht, du mein Ungeborenes im Brombeerwald.

Wir schreiben Wiegenlieder in die Luft. Dämmerung berührt das Reh.

Rückweg Rosanna, tragend: einen deiner roten Schuhe, ein buntes Tuch, Feuerstäbe zum Jonglieren, Öl, Blech, Sprit, Brot, dein Geburtstagskuchen mit den Kerzen ist zerbrochen.

Die Fahrerin des Peugeot ist in Untersuchungshaft.

Die Sonne brennt im strengen Wind.

Blut ist auf den Taschen.

Wir warten und schreien ohne Ton.

Wir halten deine Geige, deine Geige, Rosanna, die unversehrt ist.

Wir essen Käsekuchen.

Wir schlucken und sprechen zu den Spatzen, die auf dem Boden picken.

Wir schreien und schlucken, immer umarmt.

Wir zerren eure Taschen durchs Abteil, Rosanna und Aline.

Dankbar zu sitzen, nichts weiter.

Ans Unheil gefesselt.

Selma, Andreas, ich.

Elisabeths Geburtstag.

Türme brennen in Amerika.

Du bist immer noch gestorben.

Die Buchstaben sind immer noch lesbar und dort auf der Schnellstraße, du, verletzt, tödlich.

Und weiße Schiffe gleiten auf dem See, als ob du noch lebtest und lächeln könntest ob der weißen Schiffe vor den Kühltürmen des Atomkraftwerks.

„Es gibt ein Wiedersehn“ steht auf einem fremden Grabstein.

Dein Name steht auf einem Kreuz aus Holz.

Ich will jetzt fort von mir sein, ich weiß nichts, ich drehe mich einfach um, leise, und gehe und lasse mich zurück.

Ich weiß dich, ich suche dich, sicher hast du dich versteckt am ausgefransten Ende dieses Alptraums.

Verzeih mir, Rosanna, liebstes Kind.

Wir fahren in den Süden, zu Manda, zu deiner Lehrerin, die dich erkannt hat, zu deinen Freunden, mit ihnen warst du auf dem Weg.

„Sie war vorbereitet“, habe ich zur Pfarrerin gesagt am ersten Abend. „Sie hat täglich meditiert und war doch mitten im Leben.“

Wir sind im Zug. Es wird Lärm gemacht, und Rauch und Späße.

Andreas ist so blass, und Selma.

Die Seen sind aus Stahl, kein Regenbogen.

Überall Organe und Gehirne mit Gedanken, knallblaue Gedanken und bemalte Nägel.

Laufen, will ich, laufen, laufen, laufen einfach.

Ich will blind sein, dich zu sehen.

Manda empfing uns, umarmte uns, gab uns wollene Hausschuhe.

Kein Wort zu viel.

Ein Mann brachte uns zu essen, warme Linsensuppe.

Manda saß und nähte.

Wieder sangen wir deinen Abschied, Trommeln und Stille und du, hier.

Der 29. August ist der Tag von Johannes dem Täufer.

Ich tanzte. Ich will nichts unterlassen, worin die geringste Möglichkeit deiner Berührung ist.

In der Frühe hörte ich ein lang gezogenes Klagen.

„Horch“, sagte ich, „sie haben schon begonnen mit der Meditation.“

„Nein, ach nein, die Schäferhunde jaulen im Garten.“

Zum ersten Mal wieder, Rosanna, mussten wir lachen.

Nachmittag

Wieder dieses Weiß, das um Selma ist, sie kniet im Schatten des Wassers.

Wir sitzen am Hügel. Ich gehe aus dem Kreis, ich lasse nichts Tröstliches aufkommen.

Der Wind ist nicht mehr der Wind. Ich weine um deine Stimme, Rosanna.

Die Passionsblumen blühen um Mandas Haus.

Ich weine um den Geruch deines Körpers, um den kleinen Schmerz und das Fieber, um deinen Atem, um die feinen Gebärden deiner Hände, um die Anmut deiner Füße. Im Kleinen ist eine neue schreckliche Erhabenheit.

Ein Pferd blickt mich an im Geröll.

Erlkönigs Töchter … „… ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt …“ Im Sommer kam der Herbst und holte rückwärts aus.

Ich verstehe plötzlich die ganze Kraft deiner Aufmerksamkeit, wenn dir jemand seine Sorgen klagte. Ich denke an ein Buch von Simone Weil über die Aufmerksamkeit und die Gottesliebe.

 

Für Rosanna

In schmerzenden Kreisen

versinkt die Erde.

Jeder neue Tag trifft das Herz

und zerbricht.

Alle Dinge werden mit Tränen

neu getauft,

und unsere Augen suchen vergeblich –

nach vergangenen Worten.

Unsere zerbrechlichen Hände

tasten die Luft ab

bis wir von euren gefunden werden.

Dankend umfassen wir die hellen Kreise

die ihr um uns zieht.

Selma

Zu Hause, wieder.

Auf dem Glastisch liegen schwere Steine von der Unfallstelle, und Thymian und Staub.

„Was ist denn bei euch passiert?“, hat der Briefträger gefragt.

Hunderte von Briefen sind angekommen. Wir sitzen auf dem Sofa und lesen die Briefe, jedes Wort, Rosanna, ganz dir zugewandt. Erschrocken werde ich gewahr, dass ich atme. Ich frage mich, warum ich nicht tot umgefallen bin im Augenblick jener Nachricht.

Ich spüre das Gewicht des Hausdachs auf den Mauern.

Wort um Wort wird nach dir abgetastet, geprüft, endgültig.

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