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Vorwort

1  Basiswissen über Esel

1.1   Evolution und Domestikation

1.2   Besonderheiten zu Eseln

1.3   Die Sinne der Esel

1.4   Gedanken zum Eselkauf

1.5   Haltungsbedingungen

1.6   Wesen und Kommunikation der Esel

1.7   Verhalten der Geschlechter – Herdenzusammensetzung

1.8   Eselgrößen und Eselrassen

1.9   Vor- und Nachteile: Esel in tiergestützten Interventionen

1.10 Welcher Esel sich besonders gut für die tiergestützte Arbeit eignet

2  Grundlagen der tiergestützten Arbeit mit Eseln

2.1   Definition und Terminologie tiergestützter Aktivitäten

2.2   Wie Esel auf Menschen wirken

2.3   Biophilie

2.4   Freizeitorientierte Angebote mit Eseln

2.5   Tiergestützte Angebote mit Eseln

2.6   Ausbildung des Menschen in der eselgestützten Arbeit

2.6.1 Expertenwissen über Esel2.6.2 Qualitätsmerkmale der tiergestützten Arbeit2.6.3 Pädagogische und/oder therapeutische Kompetenzen

3  Ausbildungsstand des Esels in tiergestützten Interventionen

3.1   Warum eine spezifische Ausbildung nötig ist

3.2   Ausbildungsmethoden

3.3   Leckerlis

3.4   Gelassenheitstraining

3.5   Freiarbeit und Führtraining

3.6   Spaziergänge und Trekking

3.7   Bodenarbeit und zirzensische Lektionen

3.8   Reiten und vor der Kutsche

4  Zielgruppen

4.1   Kinder und Jugendliche

4.2   Erwachsene

4.3   Senioren

4.4   Paare

4.5   Familien

4.6   Kollegen

4.7   Personen mit Handicap

4.8   Menschen im Vollzug

5  Settings für eselgestützte Interventionen

5.1   Stall

5.2   Auslauf

5.3   Wiese

5.4   Wald

5.5   Besuche im Krankenhaus(garten)

5.6   Besuche in Heimen und Schulen

6  Ideen zu Angeboten und Projekten

6.1   Die Tierbeobachtung

6.2   Die freie Begegnung

6.3   Das Füttern und Pflegen

6.4   Das Halftern und Führen

6.5   Auf dem Hindernisparcours

6.6   Eseltrekking/Eselwanderung

6.7   Eselreiten

6.8   Kutsche fahren

7  Tierschutz, Hygienemaßnahmen, Haftpflicht und gesetzliche Bestimmungen

7.1   Tiergestützt muss auch immer tiergeschützt sein

7.2   Zoonosen und Hygiene

7.3   Tierhalterhaftpflichtversicherung

7.4   Gesetzliche Bedingungen bei gewerblicher Nutzung

7.4.1 Sachkundenachweis7.4.2 Equidenpass

7.5   Befähigungsnachweis für den Transport von Eseln

7.5.1 Esel richtig transportieren7.5.2 Ein eselgerechter Anhänger

8  Eigenanalyse

Verwendete Literatur

Literaturempfehlungen

Bildquellennachweis

Sachregister

imagesVorwort

FALLBEISPIELimages

Ein Passant: „Na, will er nicht? Soll ich mal helfen und den Esel von hinten anschieben?“

Ich: „Nein danke, der Esel braucht nur ein wenig Zeit, die wehende Fahne dort vorne zu begutachten und danach wird er ganz von selbst weitergehen.“

Der Passant: „Na wenn Sie meinen.“

In der Form und so ähnlich verliefen 2001 für gewöhnlich Begegnungen mit Passanten, wenn ich mit einem Esel unterwegs war. Inzwischen bin ich in unserem Dorf jedoch bekannt wie ein bunter Hund und niemand findet es mehr verwunderlich, dass ich mit Eseln wandern gehe. Auch als ich mich 2008 selbstständig gemacht habe und mich daher Wandergäste und Seminarteilnehmer begleiten, erstaunt das hier keinen mehr. Ganz im Gegenteil, ich denke, dass Esel von „meinen“ Dorfbewohnern wirklich wertgeschätzt werden, denn sie haben über einige Jahre nun miterleben dürfen, wie wunderbar diese Langohren sind und was sie alles leisten können.

Ich möchte mich Ihnen einmal kurz vorstellen, damit Sie wissen, mit wem Sie es auf den folgenden Seiten überhaupt zu tun haben und Erläuterungen und Ratschläge meinerseits besser nachvollziehen können.

Mein Name ist Judith Schmidt. Ich bin geb. Kölnerin und lebe mit meinem Mann, acht Ziegen, sieben Katzen, einem Hund und vier eigenen Eseln sowie diversen Gasteseln, die ich in meinem „Esel-Internat“ ausbilde, auf einem ehemaligen Bauernhof in der Eifel – im Naturpark Hohes Venn.

Ich bin Tiertrainerin und Autorin (Abb. 1). Mein größtes Interesse gilt jedoch der tierischen Ethologie, und so halte ich seit 2008 europaweit Vorträge über Tierverhalten und eine Erziehung, die mit wenig Druck aus­kommt. Demnach also auch ohne Leckerlis, denn auch Leckerlis üben Druck aus (Kap. 3.3). Ferner berate ich die verschiedensten Einrichtungen bei tiergestützten Aktivitäten, damit das Tier nicht nur Mittel zum Zweck wird.

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Abb. 1: Bei geeignetem Wetter schreibe ich am liebsten im Auslauf meiner Tiere – Esel Ephraim ist dann meistens in meiner Nähe und inspiriert mich.

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, mir Esel anzuschaffen, denn die – so heißt es häufig – kann man ja noch nicht einmal reiten, da sie so klein sind.

Meine Tierliebe entwickelte ich bereits in sehr jungen Jahren. Als Dreijährige verkündete ich meiner Mutter nach einem Zoobesuch: „Und wenn ich groß bin, gehe ich nach Afrika und filme dort Tiere.“ Obgleich dieser Plan so leider nicht realisiert werden konnte, gehörten Tiere fortan zu meinen Wegbegleitern: Wir bekamen einen Hund, hatten Fische und Vögel, doch mein größter Wunsch war ein eigenes Pferd. Nun ja, mitten in Köln war das nicht ganz einfach, und auch die finanziellen Mittel meiner Eltern waren begrenzt. Aber mit elf Jahren bekam ich wenigstens schon einmal Reitunterricht.

Ich hätte nie gedacht, dass meine Tierliebe durch irgendetwas geschmälert werden könnte, doch dann trat etwas in mein Leben, womit ich nicht gerechnet hatte: Im zehnten Schuljahr fand ich bereits meine große Liebe. Wir zogen zusammen und kauften uns einen Kater. Nach zwei Jahren verlobten wir uns und nach weiteren drei Jahren heirateten wir schließlich. Wir erlernten beide einen klassischen Beruf.

Uns ging es sehr gut, doch wirklich glücklich waren wir nicht. Ich verfiel in eine Depression – doch dank meines Mannes, der sich liebevoll um mich kümmerte, erkannte ich, dass mich vor allem der Umgang mit Tieren glücklich machte. Also besuchten wir diverse Zoos, um Tiere näher zu erleben, sie zu beobachten und unseren Wissensdurst zu stillen, denn in den 1990er Jahren gab es noch nicht derart viele Tiersendungen wie in den Jahren darauf. Während mein Mann Gefallen an Wölfen und Großkatzen fand, hatten es mir die Bären besonders angetan. Und so kam es dann auch, dass mein Mann und ich eines Tages bei einer Frau aus Österreich mit ihrem Bären Kenny an einem Tisch saßen und gemeinsam zu Mittag aßen.

Einen Bären oder Tiger wollten wir danach zwar nicht halten, aber es hat in mir trotzdem etwas ausgelöst: Es hat mir Mut gemacht, meinen eigenen Weg zu gehen.

Wir überlegten uns, welche Tiere wir, neben unseren inzwischen erworbenen Kaltblutpferden, Gänsen, Katzen, Ziegen und Hund artgerecht dazu halten und berufsbedingt auch beschäftigen könnten. Wir dachten, Esel wären kleiner und wendiger als unsere „dicken“ Pferde. Dennoch könnten sie das Gepäck für ein leckeres Picknick tragen. Die Idee, Esel zu halten, ließ uns nicht mehr los, also besuchten wir den Brückenkopftierpark in Jülich. Auf einer großen Weide, weit vom Zaun entfernt und unter einem Baum im Schatten standen etliche erwachsene Esel und ein drolliges Fohlen. Nur zu gerne hätte ich das plüschige Fell des Fohlens gestreichelt, doch wieso sollte es ausgerechnet zu uns kommen? Ich rief es dennoch, aber malte mir keine großen Chancen aus. Doch dann wurde ich eines Besseren belehrt, denn das süße, junge Fohlen kam im Galopp angerannt und presste sich an den Zaun. Ich streichelte es ausgiebig. Diese Erfahrung, dass Esel derart kontaktfreudig sind, war das I-Tüpfelchen, das uns zu unserer Entscheidung des Eselhaltens noch gefehlt hatte. Von diesem Zeitpunkt an gab es kein Halten mehr und wir verwirklichten unseren Traum (Abb. 2).

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Abb. 2: Ein Kindheitstraum wird wahr – mit Esel, Ziegen und Gänsen spazieren wir zum nahegelegenen See.

Als wir in dieser Konstellation wieder einmal durch unser Dorf spazierten, um im nahegelegenen See mit den Gänsen schwimmen zu gehen, hörten wir, wie ein Mann, der im Garten Unkraut zupfte, seiner Frau zurief: „Rita, Riiitaaa, komm’ schnell. Da ist wieder die heilige Familie unterwegs.“ Ich war etwas verdutzt und musste erst ein wenig darüber nachdenken, wieso er uns „heilige Familie“ nannte, denn mein Mann und ich sind alles andere als gläubig. Aber dann verstand ich, dass das, was für uns normal und Alltag geworden war, für Außenstehende immer noch etwas Besonderes ist.

Ich werde wohl immer mit Depressionen zu kämpfen haben, aber Tiere sind meine persönliche Medizin. Wenn ich Tiere um mich herum habe, geht es mir gut.

Im Winter 2002 erhielten wir dann die erste Anfrage für eine tiergestützte Intervention und die Zusammenarbeit mit einem Klinikclown, meinen Eseln und mir war geboren. Nach diesem Krankenhausbesuch fühlte ich mich rundherum glücklich, so dass mir schlagartig bewusst wurde, in diesem Bereich nun meine Berufung gefunden zu haben. Inzwischen gibt es für mich nichts Schöneres im Leben, als mit meinen geliebten Tieren im weiten Feld der tiergestützten Interventionen so viel Freude und Glücksgefühle in anderen Menschen hervorrufen zu können.

In diesem Buch möchte ich Ihnen meine langjährigen Erfahrungen mitteilen, die ich mit Eseln gesammelt habe, und aufzeigen, wie vielfältig sie einerseits tiergestützt eingesetzt werden können, aber auch, wo andererseits die Grenzen des Möglichen sind.

Zur besseren Lesbarkeit habe ich in diesem Buch für alle Personen die männliche Form verwendet. Selbstverständlich ist die weibliche Form immer mitgemeint.

Burg-Reuland im Dezember 2018

Judith Schmidt

1images  Basiswissen über Esel

Ein Therapiebegleittier ist für gewöhnlich ein Hund oder ein Pferd. Zunehmend werden aber auch Esel in der tiergestützten Arbeit eingesetzt (Abb. 3).

DEFINITION

Unter Asinotherapie versteht man eine Verhaltenstherapie in Zusammenarbeit mit einem Esel. Sie ist ein Teil der großen Equidentherapiefamilie – der Oberbergriff für die pferdegestützten Therapien. Die Asinotherapie ist aus den vielseitigen Bereichen der Therapiemöglichkeiten eine unkonventionelle und alternative Medizin. In Italien, Frankreich und der Schweiz, wo es eine große Eselpopulation gibt, ist sie weit verbreitet. Der Esel wird unterstützend als Helfer unter therapeutischen Gesichtspunkten integriert.

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Abb. 3: Esel erfreuen sich immer größerer Beliebtheit in der Asinotherapie.

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Die Asinotherapie boomt! Daher ist es wichtig, über die Bedürfnisse und Einsatzmöglichkeiten der Esel Bescheid zu wissen, damit die Zusammenarbeit mit ihnen nicht auf Kosten dieser äußerst intelligenten Geschöpfe geht., Tiergestützt sollte also unbedingt auch immer tiergeschützt sein!

1.1   Evolution und Domestikation

Unsere meist mausgrauen oder dunkelbraunen Hausesel, mit weicher Mehlschnute und schwarz gegabeltem Aalstrich auf dem Rücken, haben ihren Ursprung in den heißen und gebirgigen Regionen Afrikas (Abb. 4). In einer Grabkammer bei Abydos (Ägypten) wurden vollständige Eselskelette gefunden, die nach pathologischer Begutachtung darauf schließen ließen, dass diese Tiere nicht primär als Nahrung dienten, sondern zum Lastentragen eingesetzt wurden. Sie wurden demnach noch vor dem Pferd ca. 5000 bis 6000 Jahre vor Christus domestiziert. Esel dienten auch als Zugtier und sogar als „Amme“, da ihre Milch der menschlichen Muttermilch sehr ähnlich ist. In Südeuropa schwört man z. B. auf Eselmilch als Heilmittel gegen Keuchhusten. Der wissenschaftliche Name des Esels lautet „equus asinus“; aus diesem Namen entstand der Begriff Asinotherapie (in Anlehnung an die Hippotherapie).

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Abb. 4: Somali-Wildeselhengst in der „Wilhelma“ – der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart

Die pferdeartigen Tiere (Pferde, Ponys, Esel und Zebras) können sich alle untereinander verpaaren. Auf diese Weise entstehen Maultiere (Mutter: Pferd, Vater: Esel), Maulesel (Mutter: Esel, Vater: Pferd) oder Zesel (Kreuzung zwischen Zebra und Esel). Diese sog. Hybriden sind durch eine ungerade Chromosomenzahl allerdings unfruchtbar (Abb. 5).

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Abb. 5: Warmblut-Maultiere auf einem Militär-Areal in Thailand

1.2   Besonderheiten zu Eseln

Esel besitzen viele Qualitäten, von denen der Laie leider nur sehr wenig weiß. Meist sind es die eigensinnigeren Eigenschaften, die in Märchen, Sagen und Legenden Erwähnung finden und daher in Erinnerung bleiben. In dem über Jahrtausende als Haustier und Arbeitsgehilfe geschätzten Esel steckt jedoch weitaus mehr. Esel sind

  eingeschränkte Fluchttiere – sie sind nervenstark, trotzen Verkehrslärm und Feuerwerk und tendieren selten zu nervösen Galoppaden,

  vorsichtig – sie handeln überlegt,

  neugierig – sie wollen alles ganz genau inspizieren,

  kontaktfreudig – sie genießen Streicheleinheiten,

  soziale Partner – für Menschen und Tiere,

  selbstständig und trittsicher – in unwegsamen Gelände und auf schmalen Pfaden,

  aufmerksame Beobachter – durch ihre guten Sinne entgeht ihnen nichts (denn es sind nicht nur die Ohren und Augen, sondern auch das Riechen, Schmecken, Fühlen),

  verspielt – und entsprechend gelehrig,

  nachdenklich – sie wägen Pro und Contra ab,

  intelligent – sie lernen schnell,

  für menschliche Nasen eigengeruchsneutral – Eselfell ist nicht mit Pferdefell zu vergleichen.

Sie sind aber auch

  ziemlich triebhaft – vor allem die Hengste,

  früh geschlechtsreif – die Fortpflanzung ist schon im Fohlenalter möglich,

  lange Zeit „Teenager“ – erst mit ca. zehn Jahren werden sie zu sog. „Verlass-Eseln“,

  wetterfühlig – Esel sind nicht „wasserfest“ (z.B. bei Regen),

  bei Krankheit schwer einzuschätzen – Esel leiden still,

  im Rücken und auch im Zug vor der Kutsche gering belastbar – sie können prozentual weniger als ein Pferd / Pony tragen oder ziehen,

  aggressiv gegen Canidae (Hunde, Wölfe, Schakale usw.) – das sind ihre natürlichen Feinde,

  „Ausbruchskünstler“ – durch ihre Intelligenz und Neugierde finden sie schnell ein Schlupfloch,

  unzertrennlich – Esel sind Herdentiere, die sich gerne „Partner“ suchen,

  bei Unzufriedenheit laut – das „Iah“ ist kilometerweit zu hören.

1.3   Die Sinne der Esel

Esel werden als eingeschränkte Fluchttiere bezeichnet, da sie bei Gefahr nicht kopflos losrennen, sondern die Situation erfassen und abwägen, ob Flucht bei der augenblicklichen Gefahr wirklich die beste Entscheidung ist. Nichtsdestotrotz sind es Fluchttiere, und wie bei allen Fluchttieren befinden sich ihre Augen seitlich am Kopf – was zur Folge hat, dass sich direkt frontal vor ihrem Kopf und hinten zur Kruppe hin ein toter Winkel auftut. Wenn Sie sich die Faust selber einmal zwischen Nase und Stirn halten und geradeaus schauen, bekommen Sie einen Eindruck davon, wie das Blickfeld eines Esels ist. Esel können ihre Umwelt jedoch rechts und links in einem viel größeren Radius wahrnehmen, allerdings nicht gestochen scharf. In diesem Bereich sehen sie auf lange Distanzen überwiegend Bewegungen. Eine Übersicht der visuellen Wahrnehmungsmöglichkeiten eines Esels zeigt Abbildung 6.

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Abb. 6: Die visuellen Wahrnehmungsmöglichkeiten des Esels

images TIPP

Häufig nehmen Menschen, die einen Esel streicheln wollen, Kontakt zu ihm auf, indem sie frontal auf ihn zugehen und seine wollige Stirn tätscheln. Besser und respektvoller ist es jedoch, sich ein wenig seitlich zu positionieren und dem Esel im scharfsehenden Bereich die Hand hinzuhalten, damit dieser den ersten Kontakt schnuppernderweise zu Ihnen aufnehmen kann.

Esel haben auch ein ähnliches Farbspektrum wie wir Menschen und können daher alle Farben unterscheiden. Die Augen ermöglichen eine weite Sicht. Geht man mit einem Esel spazieren und kommt aus dem dichten Wald auf freies Gelände, bleibt der Esel meistens stehen, weil er in der Ferne so viel sieht. Er braucht eine gewisse Zeit, die Dinge, die er wahrnimmt, erfahrungsgemäß einzustufen und als gefährlich oder ungefährlich zu deuten. Dabei helfen ihm auch der Gehör- und Geruchssinn.

Die typisch langen Ohren machen in unübersichtlichem Gelände Sinn, denn wenn der Blick versperrt wird oder es dunkle Nacht ist, konzentriert sich der Esel vermehrt aufs Hören. Die Ohren können sich unabhängig voneinander in alle Richtungen drehen und nehmen damit gezielt die Eindrücke auf, die wichtig für sie sind.

Der Geruchssinn ist ebenfalls exzellent ausgeprägt und spielt vor allem bei der Partner- und Futtersuche eine große Rolle.

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Begrüßung

Esel begrüßen sich untereinander, indem sie Maul an Maul aneinander herantreten und sich gegenseitig ihren Atem sanft in die Nüstern blasen. Das ist nicht zu verwechseln mit Schnauben, sondern es ist ein einfaches Ausatmen. Der Geruch des jeweils anderen ist unverkennbar – vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Kommt ein Esel auf einen Menschen zu, indem er mit etwas gespitzten Lippen (es wirkt, als wolle der Esel einen küssen) seinen Kopf sacht nach vorne reckt, ist die richtige Reaktion, diesem Esel sanft in die Nüstern zu pusten. Der Esel wird diese Geste mit einem langen Ausatmen erwidern (Abb. 7).