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Der Erste und der Einzige

1. KAPITEL

„So, du bist also mit mir verheiratet? Das ist ja hochinteressant!“ Alex musterte Louise von Kopf bis Fuß. Seine Augen hatten genau die Farbe des Himmels, wenn ein Sturm heraufzog.

Wie gelähmt vor Schreck stand sie an der offenen Tür zu ihrem Häuschen. Obwohl sie eine Jeans und ihren warmen kirschroten Pullover trug, fror sie plötzlich.

„Und nun verrate mir doch mal, mi esposa - meine Gemahlin“, sagte er, „wann wolltest du mich eigentlich in diese Geschichte einweihen?“ Seine Worte trieften vor Ironie.

„Eigentlich gar nicht …“ erwiderte Louise. Mehr brachte sie nicht heraus. Seit sie auf das laute, ungeduldige Klopfen hin die Tür geöffnet hatte, konnte sie nicht mehr klar denken. Es war, als wäre ein Tornado über sie hereingebrochen, der alle ihre Gefühle durcheinander wirbelte.

Natürlich hatte sie den Mann in der teuren braunen Lederjacke, der da auf ihrer Türschwelle stand, sofort erkannt. Acht Jahre, das war eine lange Zeit. Trotzdem würde sie Alex immer und jederzeit wiedererkennen. Er war einfach zu hoch gewachsen, zu dunkel, zu beeindruckend, kurzum: Er war äußerlich so umwerfend, dass sie ihn unmöglich hätte vergessen können. Selbst wenn sie nicht ganz handfeste persönliche Gründe dafür gehabt hätte, ihn in Erinnerung zu behalten - und die hatte sie.

„Du wolltest es also nicht mal mir, deinem Ehemann, sagen, dass wir heimlich verheiratet sind?“ Sein Tonfall wurde immer beißender. „Aber wäre das denn nicht klug oder zumindest höflich gewesen, querida?“ Immer wieder ließ er spanische Brocken einfließen. Querida - das hieß „Geliebte“, so viel verstand Louise.

„Nein“ brachte sie mühsam hervor.

Und das war die reine Wahrheit. Louise hatte damals tatsächlich nicht geglaubt, dass ihr irgendjemand ihre törichte spontane Behauptung abkaufen würde. Und noch weniger hatte sie sich vorstellen können, dass sie sogar Alex Anderson zu Ohren kommen könnte. Beziehungsweise Alex Alcolar, wie er jetzt hieß. Er hatte inzwischen den Namen seines Vaters angenommen. Hunderte von Meilen entfernt hatte er damals vor acht Jahren in Spanien ein neues Leben begonnen. Sie war davon ausgegangen, dass er keinen weiteren Gedanken an sie verschwenden würde.

Aber da hatte sie sich wohl getäuscht. Mit ihrer Notlüge über ihre vermeintliche Ehe hatte sie sich in einer schwierigen Situation aus der Patsche helfen wollen, und jetzt wurde genau diese Notlüge ihr zum Problem. Dem größten Problem überhaupt. Denn sie wollte Alex doch vergessen.

„Ich hatte eigentlich gar nicht vor, mit dir darüber zu reden. Also, woher weißt du es?“, fragte sie ihn verlegen.

Alex hob die Schultern. „Keine Ahnung“, erklärte er. „Jemand hat mir einen anonymen Brief geschrieben, aufgegeben wurde er in dieser Stadt. Jedenfalls hat man mir darin vorgeworfen, ich würde meine Frau im Stich lassen. Dass ich verheiratet sein sollte, war mir völlig neu, also bin ich postwendend hergekommen. Das ist ja wohl verständlich.“

„Aber du weißt doch, dass wir in Wirklichkeit gar nicht verheiratet sind, dass das alles also nichts mit dir zu tun hat.“

„Es hat nichts mit mir zu tun, dass du meinen Namen benutzt und dich als meine Frau ausgibst?“, fragte er spöttisch. „Ich darf dich vielleicht daran erinnern, dass dein Vater damals der Ansicht war, ich würde nicht in deine Familie passen. Am Ende warst du sogar auch seiner Meinung. Und nun behauptest du auf einmal, mit mir verheiratet zu sein! Ich finde, das solltest du mir mal erklären. Erzähl mir am besten zuerst, wo diese Hochzeit stattgefunden hat.“ Herausfordernd blickte er sie an und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du willst nicht ernsthaft eine Antwort darauf, oder?“, gab Louise trotzig zurück. Ihre grünen Augen blitzten, als sie ihn ansah. „Schließlich weißt du es selbst am besten: nirgendwo. Dir ist doch vollkommen klar, dass wir niemals geheiratet haben.“

Zu ihrer Überraschung lächelte Alex nun. Die Art, wie sich seine grauen Augen und sein ganzes Gesicht dabei aufhellten, machte ihr ein flaues Gefühl im Magen und beschleunigte ihren Herzschlag.

„Freut mich zu hören. Ich habe schon an meinem Verstand gezweifelt und mich gefragt, ob ich an Gedächtnisverlust leide, weil ich mich an nichts erinnere.“

„Wie auch? Du weißt jedenfalls, dass an der Geschichte nichts dran ist. Warum bist du trotzdem hier? Was hat dich dazu veranlasst, den weiten Weg von …“ Sie hielt inne.

„Andalusien in Spanien“, erinnerte er sie. „Da lebe ich jetzt.“

„Natürlich. Deshalb spickst du deine Sätze nun wohl mit spanischen Brocken.“

Damals hatte Alex noch kein einziges Wort Spanisch gekonnt. Er hatte auch noch nicht gewusst, dass er eine Beziehung zu diesem Land hatte und dass sein Vater ein spanischer Adliger war.

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