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Der Bergdoktor - Folge 1746

Sprachlos in ihrem Schmerz

Wenn Herzen an einem Schicksalsschlag zerbrechen

Von Andreas Kufsteiner

Es ist der erste Abend seit der Geburt ihres kleinen Vitus, den Katrin Eichstetter mit ihren Freundinnen verbringen will. Ein lustiger »Mädelsabend« auf der Terrasse des Berghotels soll es werden.

Gutgelaunt macht sich die junge Mutter auf den Weg, weiß sie doch ihren kleinen Schatz bei ihrem Mann und bei ihrer Schwiegermutter in den allerbesten Händen.

Doch während Katrin mit ihren Freundinnen fröhliche, unbeschwerte Stunden verlebt, ereignet sich daheim auf dem Eichstetter-Hof die schlimmste Tragödie, die man sich vorstellen kann …

»Nun, wie geht es den jungen Müttern im Dorf?«, fragte Dr. Burger seine Frau, die gerade ihre wöchentliche Beratungsstunde abgehalten hatte.

Sabine Burger war auf die Terrasse des Doktorhauses getreten, wo sie zu ihrer Überraschung ihren Mann vorfand, der um diese Zeit gewöhnlich noch Patienten zu betreuen hatte.

»Prächtig«, gab Sabine zur Antwort und ließ sich ihm gegenüber auf dem gemütlichen Korbstuhl nieder. »Aber wie kommt es, dass du heute keine Patienten mehr hast?«

Martin zuckte die Schultern.

»Wahrscheinlich liegt es an dem herrlichen Frühlingswetter. Da vergessen alle ihre Beschwerden, jedenfalls bis jetzt. Wie wäre es mit einem Glaserl Wein?«, fügte er fragend hinzu und stand auch schon auf, denn er wusste, dass sie dazu nicht Nein sagen würde.

Sabine nickte und lehnte sich entspannt zurück. Es kam nicht häufig vor, dass sie und ihr Mann eine Stunde ganz für sich allein hatten. Dieses unerwartete Geschenk wollte sie genießen.

Ihr Schwiegervater, Dr. Pankraz Burger, mit siebenundsiebzig immer noch erstaunlich rüstig und unternehmungslustig, hatte mit den Kindern einen längeren Spaziergang in die frühlingshafte Natur unternommen, begleitet von Poldi, dem nicht weniger unternehmungslustigen Rauhaardackel. Daher herrschte eine ungewohnte Stille im Doktorhaus, zumal auch die Bachhuber-Zenzi, der gute Geist des Doktorhauses, sich auf der Geburtstagsfeier ihrer besten Freundin Alma befand.

Martin kehrte mit einer Flasche Grüner Veltliner und zwei Gläsern zurück. Dann prostete er seiner Frau zu und lächelte sie so zärtlich an, dass ihr Herz ein paar rasche Schläge tat. Genauso wie damals, als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte und mit untrüglicher Sicherheit gewusst hatte, dass er der Mann war, mit dem sie ihr Leben verbringen wollte.

Dr. med. Sabine Rodenwald, die junge Wiener Anästhesistin, die nur zu Besuch in St. Christoph gewesen war, hatte Wien den Rücken gekehrt und war in dem kleinen Dorf im Zillertal geblieben. Und sie hatte es keinen Tag bereut. Sie liebte ihren Mann, der mit seinen mittlerweile einundfünfzig Jahren so ungemein jugendlich und kraftvoll wirkte, über alles.

Dr. Burger, der seine Ausbildung zum Chirurgen in München erhalten hatte, hatte es nach einem schweren Schicksalsschlag – seine erste Frau war bei der Geburt des Kindes gestorben – wieder zurück nach St. Christoph gezogen, wo sein Vater eine Arztpraxis besaß. Und bald darauf war unter seiner Leitung die »Mini-Klinik« entstanden, wie sie von den Dörflern genannt wurde.

In einem Anbau befanden sich ein Labor, Röntgen, Ultraschall und sogar ein kleiner Operationssaal. Aber nicht nur da wirkte er, sondern auch als Notarzt bei der Bergwacht, wo er bei gefährlichen Einsätzen schon vielen Wanderern und Bergsteigern das Leben gerettet hatte, wie sein Freund Dominikus Salt, der Bergwachtleiter, bezeugen konnte.

Für Sabine war Martin ihr Held, auch wenn sie oft genug um ihn bangen musste.

Dr. Burger nahm nun den Gesprächsfaden wieder auf.

»Hat sich die Eichstetter-Katrin völlig erholt?«

Katrin hatte vor ihrer Ehe kurze Zeit in der Roswitha-Apotheke von Ulrich Steghofer gearbeitet und wurde von den Burgers sehr geschätzt. Denn sie war nicht nur ein ausnehmend hübsches Madel, sondern sie war auch freundlich und besaß großen Sachverstand.

Dann hatte sie den Eichstetter-Vitus geheiratet und war bald darauf schwanger geworden. Dr. Burger hatte sie durch die Schwangerschaft begleitet und ihr bei der schwierigen Geburt beigestanden. Sie war ungemein tapfer gewesen, hatte sich aber nur langsam erholt und war insgeheim Dr. Burgers Sorgenkind geblieben.

»Sie hat überraschende Fortschritte gemacht, und das Kindl hat sich auch prächtig entwickelt«, erklärte Sabine höchst zufrieden.

Martin stieß einen erleichterten Atemzug aus.

»Dabei hat sie es ja wahrhaftig nicht leicht mit ihrer Schwiegermutter, der Marie. Nach allem, was man so hört«, fügte Sabine hinzu.

»Die Eichstetter-Marie ist nicht so verkehrt. Sie gehört halt zum alten Schlag, erst kommt der Hof und dann lange gar nichts. Und dass sie an Zeichen und Wunder glaubt, ist auch nichts Besonderes, der Aberglauben ist auf dem Land schon immer zu Hause gewesen«, sagte Martin und trank genießerisch einen Schluck Wein.

Eine Wolke schob sich vor die Sonne, ein Schatten fiel über die Terrasse, und Sabine fröstelte unwillkürlich.

»Hoffen wir, dass ihre Ehe so glücklich bleibt wie jetzt. Der Vitus ist ja ganz narrisch verliebt in seine junge Frau«, meinte sie.

»Die Katrin wird sich schon durchsetzen. Sie ist stärker, als es den Anschein hat«, befand Dr. Burger.

Das beruhigte Sabine, denn ihr Mann besaß eine ausgezeichnete Menschenkenntnis und hatte sich in seinem Urteil selten getäuscht.

Das Gespräch wandte sich noch eine Zeitlang anderen Themen zu, kam dann aber zum Erliegen. Die Burgers saßen in einvernehmlichem Schweigen da, wie es nur Eheleuten zu eigen ist, die eine tiefe Vertrautheit verbindet.

Die Sonne war wieder hervorgekommen und ließ Sabines Blondhaar, das ihr apartes Gesicht umrahmte, golden aufleuchten. Und wieder durchflutete Martin große Dankbarkeit, dass er nach all den Jahren der Einsamkeit und Trauer eine Frau wie sie gefunden hatte – eine Frau, die ihn über alles liebte und ihren Kindern eine zärtliche Mutter war. Selbst in der Praxis war sie ihm eine große Hilfe, da sie ihn in Notfällen vertrat.

Er griff nach ihrer Hand, und sie tauschten einen Blick liebevollen Einverständnisses.

Doch dann klingelte das Telefon, und Dr. Burger erhob sich seufzend.

»Es hat nicht sollen sein, dass wir zwei einen ruhigen Abend haben«, sagte er und eilte in die Diele. Kurz darauf kam er zurück. »Die Schwiegermutter vom Bürgermeister hat wieder eine Gallenkolik. Ich wette, sie hat zu viel Cremetorte gegessen.« Dann verließ er in einiger Hast das Haus.

»Unbelehrbar«, murmelte Sabine kopfschüttelnd vor sich hin, stand aber auch auf und räumte den Tisch ab.

Anschließend öffnete sie die Haustür, um nach ihrem Schwiegervater und den Kindern auszuspähen, denn es war allmählich an der Zeit, dass sie nach Hause zurückkehrten.

Die Kirchgasse, die in den Krähenwald überging, erschien im Glanz der Abendsonne besonders anheimelnd. Die wenigen Häuser im alpinen Stil waren blumengeschmückt, und man merkte ihnen an, wie stolz ihre Besitzer auf sie waren.

Sabine hätte niemals gedacht, dass sie sich an einem derart abgelegenen Ort so geborgen und glücklich fühlen könnte, denn sie hatte die Vorzüge Wiens durchaus zu schätzen gewusst. Die Kaffeehäuser, das Burgtheater, die mächtigen Denkmäler und Kirchen, die von der Geschichte der Habsburger kündeten …

Aber hier war sie zu Hause, ihr Herz hatte eine Heimat gefunden.

Gerade als sie überlegte, ob es noch zu früh wäre, um die beiden Lorbeerbäumchen vor den Praxiseingang zu stellen, erklang allzu wohlbekanntes Gebell, und ein Rauhaardackel fegte die Kirchgasse entlang.

»Poldi! Bist du wieder einmal durchgebrannt! Du unverbesserliches altes Schlitzohr«, lachte Sabine und streichelte ihren vierbeinigen Hausgenossen, der sich das nur allzu gerne gefallen ließ, ehe er im Haus verschwand.

Das bedeutete, dass ihr Schwiegervater und die Kinder nicht mehr fern waren, und tatsächlich tauchten sie bald auf. Die achtjährige Tessa und ihr fünfjähriger Bruder Philipp, Filli genannt, rannten vorneweg, dahinter keuchte ihr Schwiegervater mit dem Buggy, in dem sich die zweijährige Laura befand.

»Der Poldi ist uns wieder ausgekommen!«, rief Tessa aufgeregt, und ihre dunklen Locken tanzten um ihr reizendes Gesicht mit den Brombeeraugen.

Tessa war nicht das leibliche Kind der Burgers, sondern ein Findelkind, doch das war schon lange vergessen, das »Schneckerl« gehörte einfach zur Familie.

Dr. Pankraz Burger hatte ebenfalls seine Schritte beschleunigt. Obwohl er zur Leibesfülle neigte, bewegte er sich erstaunlich rasch. Allerdings war sein gutmütiges Gesicht besorgniserregend gerötet, und sein Atem ging rasch.

»Der Poldi ist schon vor euch eingetroffen«, meinte Sabine und hob die kleine Laura aus dem Buggy.

»Dieser Schlawiner«, brummte Pankraz Burger, aber die Erleichterung war ihm sichtlich anzumerken.

»Um den braucht ihr euch keine Sorgen zu machen, der findet immer nach Hause«, fügte Sabine hinzu.

Sie hatte schon lange den Verdacht, dass der Hund einfach die Aufmerksamkeit liebte, die entstand, wenn er ausgerissen war. Denn nachdem er erst einmal ausgeschimpft worden war, wurde er gewöhnlich von allen gehätschelt und getätschelt, und davon konnte er nie genug bekommen.

»Vielleicht sollten wir ihn da nächste Mal einfach nicht beachten«, schlug Sabine vor, was aber auf wenig Gegenliebe traf.

»Lasst die Tür offen!«, hörten sie, kaum, als sie im Flur waren, die Stimme von Zenzi Bachhuber, die ein großes Paket in beiden Händen trug.

Zenzi, Anfang sechzig, lebte schon seit über vierzig Jahren als Wirtschafterin im Doktorhaus. Sie hatte einst geholfen, den kleinen Martin nach dem frühen Tod seiner Mutter mit aufzuziehen. Ihr Wort galt etwas.

»Was ist denn da drin?«, fragte Filli sofort, denn das Paket hatte sofort die Neugierde der Kinder erweckt.

»Du Naseweis! Das wirst schon noch sehen«, sagte sie schroff, aber das war nicht ernst gemeint, denn Zenzi liebte die Kinder aus tiefstem Herzen.

»Ich kann mir schon denken, was es ist«, meinte Tessa schelmisch. »Du warst doch bei der Jeggl-Alma zum Geburtstag …«

»Das soll eine Überraschung werden«, fiel ihr Zenzi ins Wort und verschwand in der Küche, denn es war höchste Zeit für das Abendbrot.

Umsichtig wie immer hatte sie einiges vorbereitet, und während sie die Gemüsesuppe noch einmal köcheln ließ, eine Wurstplatte herrichtete und Brot aufschnitt, summte sie zufrieden vor sich hin.

Pankraz Burger war in sein »Kabinettl« neben der Stube geeilt, um sich ein wenig zu erfrischen. Auch die Kinder machten sich für das gemeinsame Abendessen bereit. Die kleine Laura war übermüdet und jammerte ein bisschen, sodass Sabine sie rasch versorgte und zu Bett brachte, wo sie sofort einschlief.

Gemeinsam mit Tessa und Filli deckte sie dann den Tisch und lauschte lächelnd den Erzählungen der Kinder über die kleinen Abenteuer, die sie auf ihrem kleinen Ausflug erlebt hatten.

»Ich glaub, ich hab einen Erdmurkel gesehen«, berichtete Filli stolz.

»Einen Erdmurkel gibt es doch gar net«, wandte Tessa ein. »Wie hat er denn überhaupt ausgeschaut?«

»Er ist net herausgekommen, aber der Hügel hat sich bewegt, das hab ich ganz deutlich gesehen«, berichtete Filli.

»Tschapperl, das war sicher ein Maulwurf aber doch kein Erdmurkel!« Tessa lachte.

Filli wollte erst auf seiner Meinung beharren, doch als Tessa ihn über Maulwürfe belehrte, lauschte er gebannt. Denn Filli wollte immer alles genau wissen.

Gerade als der Tisch fertig gedeckt war, kam Zenzi mit der dampfenden Suppenterrine herein, die sie sorgsam absetzte.

»Ist der Martin net da?«, erkundigte sie sich.

»Er ist noch zu einer Patientin gerufen worden. Aber wenigstens war die Sprechstunde heute früher aus«, gab Sabine Auskunft.

»Ach so«, gab Zenzi missbilligend von sich, denn sie schätzte es überhaupt nicht, wenn ihr geliebter Doktor auch noch außerhalb der Sprechzeiten behelligt wurde. Es gab, ihrer Auffassung nach, nur allzu viele eingebildete Kranke …

»Wir müssen halt ohne ihn anfangen«, sagte Sabine.

Da sie selbst Ärztin war, hatte sie vollstes Verständnis dafür, dass das Wohl der Patienten an erster Stelle stand.

»Und wo bleibt die Überraschung?«, rief Filli dazwischen.

»Jetzt wird erst amal ordentlich zu Abend gegessen, dann ist es so weit«, sagte Zenzi in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.

Tessa wollte gerade zu einer Antwort den Mund öffnen, als sie ein strenger Blick der Hauserin traf, sodass sie ihn sofort wieder schloss. Mit Zenzi sollte man es sich nicht verderben.

Plötzlich hörten sie, wie die Eingangstür ins Schloss fiel. Die Kinder sprangen vom Tisch auf und rannten ihrem Vater entgegen. Sie hingen traubenartig an ihm, und er küsste und herzte sie, die Freude, die er dabei empfand, erhellte sein ganzes Gesicht.

Sabine sah lächelnd zu. Dass Martin ein so liebevoller Vater war, schätzte sie an ihm ganz besonders.

»So, Martin, da bist du wenigstens rechtzeitig zum Essen daheim«, sagte Zenzi befriedigt, denn ohne Martin war die Familie nun mal unvollständig.

Auch sein Vater hatte sich inzwischen auf seinem gewohnten Platz niedergelassen, zu seinen Füßen hockte Poldi, der dafür gute Gründe hatte. Inzwischen hatte Pankraz’ Gesichtsfarbe wieder einen normalen Ton angenommen, und er trug ein fesches neues Hemd.

»Was hat’s denn gegeben?«, fragte Sabine, die regen Anteil am Wohlergehen der Patienten nahm.

»Mei, immer dasselbe«, seufzte Martin, ohne den Namen der Patientin zu nennen. »Ich hab aber deutlich gemacht, dass entweder eine strikte Diät eingehalten wird oder aber bald eine Operation ansteht.«

Zenzi, die durchaus mitreden konnte, kniff die Lippen ein.

»Am besten gleich unters Messer. Manche Leut schaufeln das Essen nur so ohne Sinn und Verstand in sich hinein, vor allen Dingen Süßes. Und dann jagen sie den Doktor sogar nachts heraus, weil sie wieder eine Kolik haben«, schimpfte sie.

Sabine hatte aus den Augenwinkeln mitverfolgt, wie ihr Schwiegervater verstohlen nach einer Wurstscheibe auf der Platte vor ihm gegriffen hatte und seine Hand unauffällig unter dem Tisch verschwinden ließ.

»Das tut dem Poldi net gut, wenn er vom Tisch etwas bekommt. Schon gar nichts Fettes, er soll net überfüttert werden«, bemerkte Sabine mit mildem Tadel.

Pankraz zog schuldbewusst die Hand wieder zurück, und Poldi stieß ein jammervolles Winseln aus.

»Das Scheiberl gibst ihm halt noch«, seufzte Sabine.

»Können Hunde wie der Poldi auch Koliken bekommen?«, fragte Filli wissbegierig, wie es seine Art war.

»Ja, sicher«, antwortete sein Vater.

»Sie können daran sogar verenden«, setzte Tessa altklug hinzu, nicht unbedingt zur Freude ihrer Eltern.

Das versetzte Filli in eine derartige Nachdenklichkeit, dass seine Mutter ihn ermahnen musste, seine Suppe nicht kalt werden zu lassen.

Die Teller wurden schließlich abgeräumt, und Zenzi verkündete, dass jetzt die lang ersehnte Überraschung präsentiert würde. Gleich darauf betrat sie mit einer ausladenden Platte den Raum, auf der sich üppige Obstkuchen- und Tortenstücke befanden, dazwischen lecker belegte kleine Törtchen.

»Ich bekomme ein großes Stück Cremetorte«, meldete Tessa gleich mit leuchtenden Augen ihre Ansprüche an.

»Dazu sag ich auch net Nein«, ließ sich Pankraz vernehmen, was ihm einen zweifelnden Blick seines Sohnes einbrachte.

Denn die Leibesfülle seines Vaters, der immer witzelte, dass eine Diät nicht für ihn reiche, daher müssten zwei her, war für ihn eine stete Sorge.

»Damit lass es aber gut sein«, murmelte er nur für seinen Vater verständlich.

Seine vernünftige Sabine hatte sofort nach einem Stück Obstkuchen gegriffen, und er tat es ihr gleich.

Nur Filli saß da und rührte sich nicht.

»Was ist denn, Bub? Du bist doch sonst immer ganz versessen auf Kuchen«, meinte Sabine besorgt.

Fillis Augen glänzten verdächtig.

»Vielleicht mag uns die Zenzi nimmer.«

Die Wirtschafterin sah den Jungen so entrüstet an, dass sogar der festgezurrte Haarknoten an ihrem Hinterkopf zu beben schien.

»Wie kommst denn auf so was, Filli?«

»Es schaut aus, als ob du uns überfüttern willst. Und dann verenden wir an einer Kolik«, brachte der Junge mit erstickter Stimme hervor.

»Jesses«, schrie Zenzi auf, und Pankraz, der seinen Gefühlen nur selten Gewalt antat, lachte dröhnend auf.

Auch der Bergdoktor verbiss sich mit größter Mühe ein Lachen, sagte dann aber ernsthaft zu dem Kleinen: »Ein Stückerl Kuchen kann nichts schaden. Das gibt es ja net jeden Tag.«

»Die Alma hat ja auch net jeden Tag Geburtstag«, ergänzte Tessa.

»Und ganz bestimmt tät ich nichts, was euch schadet«, erklärte Zenzi zu guter Letzt ziemlich gekränkt.

Filli sprang auf und gab ihr ein Küsschen auf die Wange, was sie rasch wieder versöhnte, dann legte er bedachtsam ein Törtchen auf seinen Teller.

»Aber der Poldi darf nichts davon haben«, erklärte er noch, ehe er genüsslich seinen Löffel in das köstliche Biskuit grub.

So endete der Abend in großer Harmonie, wie es fast immer der Fall war, wenn sich die Familie zum gemeinsamen Essen zusammenfand. Der größte Teil der Kuchenstücke auf der Platte verschwand, man unterhielt sich noch ein wenig über Dorfereignisse, dann wurde es Zeit, zu Bett zu ...

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