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Der Bauch ist rund und Schluss ist, wenn die Hebamme abpfeift

ROBERT MEIER

Der Bauch ist rund
und Schluss ist,
wenn die Hebamme
abpfeift

Ein Begleitbuch
für werdende Väter

 

1976 war’s, im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei, als Uli Hoeneß den Ball mit voller Wucht in den nachtdunklen Himmel über Belgrad trat. Das Finale ging verloren. Am Tag danach nahm Bundestrainer Helmut Schön, ein alter Fuchs und Vater eines Sohnes, den Schützen beiseite und erklärte ihm das Einmaleins des Elfmeterschießens. Nicht draufhauen, sagte Schön, sondern unten reinschieben. Und genau so beginnt auch das menschliche Leben.

Inhalt

Einführung

Die Nachricht

1. - 4. Woche

Frauenarzt und Ultraschall

Umstellungen

Wie wird es laufen?

Das Umfeld des werdenden Vaters: Seine Mutter und der Chef

Entwicklung der Schwangeren

Die Zukunft ist offen

Auf dem Grillplatz

5. - 10. Woche

Namenswahl I

Körperpflege, Kleidung, Gewicht

Rückenschmerzen

Der Haushalt

Entwicklung der Schwangeren

Gelüste

Junge oder Mädchen?

Die Töchter und der DFB

11. - 20. Woche

Entwicklung der Schwangeren

Namenswahl II

Kondition bolzen

Ob man die Mutter austauschen soll, wenn der Schwangerschaftsverlauf nicht den Erwartungen entspricht

Die Wahrheit ist auf dem Wickelplatz

Im Werkzeugkeller

21. - 30. Woche

Die schönste Zeit

Miteinander sprechen

Kopfballungeheuer

Entwicklung der Schwangeren

Wo soll das Kleine schlafen?

Anschaffungen: Was Sie wirklich brauchen

Energiebahnen

Der Flüssigkeitshaushalt

31. - 40. Woche

Hechelkurs

Hebammen

Klinik, ambulant oder Hausgeburt?

Die Wahl der Geburtsklinik

Rooming-In

Der Klinikkoffer

Vorsorge für die Zeit nach der Geburt

Partnerbeziehung im Endstadium

Vätermonate

Geburtstermin am Spieltag

Die Geburt

Die Geburt ist vorbei, wenn die Hebamme abpfeift

Die Fahrt nach Hause

Der Neuzugang

Einführung

Früher war es üblich, dass der Bundestrainer sein Geschäft in langen Jahren als Assistent von der Pike auf lernte. So folgte auf Sepp Herberger Helmut Schön, der wiederum von seinem Assistenten Jupp Derwall beerbt wurde. In den achtziger Jahren geriet das Prinzip mit der Ernennung Franz Beckenbauers zum Teamchef durch -einander. Dessen Nachfolger Berti Vogts hatte zuvor nur als Jugendtrainer gedient. Erich Ribbeck schließlich war zwar unter Derwall Assistenztrainer gewesen, aber das lag bei seiner Ernennung bereits lange zurück. Mit Rudi Völler und Jürgen Klinsmann wurde die Tradition endgültig aufgegeben. Die Folge: Das Wissen, wie man es als Bundestrainer am besten anstellt, wird nicht mehr kontinuierlich weitergegeben. Der frischgebackene Bundestrainer fühlt sich oft wie ins kalte Wasser geworfen. So prekär ist die Lage geworden, dass mittlerweile drei Mann für den Job gebraucht werden, den früher einer alleine erledigt hat. Womit nichts gegen Jogi Löw, Hansi Flick und Oliver Bierhoff gesagt werden soll. Aber eine richtige Bundestrainerausbildung hat keiner von ihnen.

Werdende Väter machen die gleiche Erfahrung. Waren Sie bislang als Mann und Ehemann oder Partner schon doppelt gefordert, kommt nun noch eine dritte Aufgabe hinzu: Vatersein. Dabei ist die Zeit der Schwangerschaft, also die vierzig Wochen zwischen Empfängnis und Entbindung, eine Periode besonderer Unsicherheit. Noch ist das Kind nicht da. Noch sind Sie nicht Vater, sondern werdender Vater, und so einer fragt sich: Wie soll ich mich verhalten? Wie spreche ich mit meiner Frau? Was sage ich den Kollegen? Schaffe ich das überhaupt? Zusätzliche Zweifel können durch die körperlichen Veränderungen entstehen, die ein werdender Vater an sich feststellt. Leider ist es in unserer Zeit nur noch selten der Fall, dass das Wissen über das Vaterwerden vom Vater auf den Sohn weitergegeben wird. Die Folge auch hier: Mancher werdende Vater fühlt sich alleine gelassen. Und anders als der Bundestrainer kann er nicht darauf hoffen, dass ihm zwei gutbezahlte Co-Väter an die Seite gestellt werden.

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Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Es soll ein praktischer Leitfaden sein für die Zeit der Schwangerschaft. Es soll Sie ermutigen, auch in den schwierigen Phasen der Schwangerschaft nicht zu kapitulieren. In den Jahren meiner Tätigkeit als Vaterberater habe ich viele Väter gesehen: glückliche und verzweifelte, erwartungsfrohe und besorgte, dicke und dünne. Am Ende haben es alle irgendwie geschafft. Deswegen möchte ich Ihnen sagen: Es lohnt sich. Denn am Ende der Schwangerschaft steht die Geburt eines Kindes. Und was das bedeutet, kann man gar nicht ermessen.

Dieser kleine Ratgeber soll Ihnen helfen, die Schwierigkeiten der Schwangerschaft zu meistern. Viele Männer, die zunächst voll Sorgen in meine Vatersprechstunde gekommen waren, empfanden diese Zeit später als die schönste ihres Lebens. Oder jedenfalls als noch ganz entspannt im Vergleich zu dem, was nach dem Ende der Schwangerschaft kam.

Die Nachricht

Meistens fängt es so an: Sie kommen nach Hause und stellen schon beim Essen fest, Ihre Frau hat irgendetwas auf dem Herzen, schwankt zwischen Euphorie und Depression. Als guter Ehemann lassen Sie sich aber nichts anmerken, greifen zum Kaffee, nach der Zeitung, da sagt sie: Schatz, ich bin schwanger.

Wenn der erste Überschwang der Freude vorbei ist, gehen Sie ins Bad, und tatsächlich, da steht eine Packung mit diesen Stäbchen, die sich verfärben. Kontrolle hat noch nie geschadet. Ein Schwangerschaftstest. Ziemlich sicher. Es ist also wahr.

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Das, lieber werdender Vater, ist natürlich zu nächst ein Schock. Sogar ein schwerer Schock. Vergleichbar etwa mit einer WM-Gruppenauslosung, bei der Deutschland für die Vorrunde Spanien, Brasilien und Argentinien zugelost bekäme. Im Fußball undenkbar, in der Vaterschaft dagegen möglich, denn hier gibt es keine Setzliste. Dafür gilt der Satz: Das nächste Baby ist immer das schwerste.

Nun wird alles anders werden. Sie werden Vater und Ihre Frau wird Mutter werden. Sie werden ein drittes Bett kaufen müssen. Ein Bett, über dem aus dunkelblauem Stoff ein Himmel angebracht ist, auf dem kleine Bären zwischen Sternen herumschweben. Sie brauchen einen Aufsatz für die Badewanne. Sie brauchen einen Eimer für die Windeln. In ihrem Auto wird ein neuer Sitz montiert.

Aber noch ist es nicht so weit. Denn es gibt auch eine gute Nachricht: Das Kind kommt nicht schon morgen, sondern erst am Ende der Schwangerschaft, und die dauert nach allgemeiner Vorstellung neun Monate, medizinisch präzise sogar vierzig Wochen. Das ist eine lange Zeit. Sie entspricht etwa dem Jahresurlaub eines ganzen Jahrzehnts oder der Dauer einer normalen Saison von Ende August bis Ende Mai. Und wie eine normale Saison hat auch eine Schwangerschaft ihre Höhen und Tiefen, Momente voller Hoffnung und Situationen äußerster Niedergeschlagenheit.

Von der Bank auf die Couch

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Die Vaterberater Gert van der Delle und Günter Ranetzki im Gespräch

»Wie reagieren Männer auf die Nachricht, dass sie Vater werden?«

»Die meisten doch mit Emotionen, also Gefühlen. Pure Freude schießt wie von unten in sie ein und niemand weiß, was passieren wird. Besonders Männer mit starkem Bartwuchs und einer Neigung zu Baseballkappen gehören zu diesem Typ. So wie Jürgen. Kaum hatte er die gute Nachricht erhalten, rannte er los, ballte die Fäuste und bewegte die Arme ruckartig auf und ab. Gleich zeitig machte Jürgen noch Luftsprünge.«

»Diese Reaktion sieht zwar eigenartig aus, ist aber ok. Emotionen (Gefühle) sind durchaus angesagt, wenn man Vater wird. Wer reagiert wie Jürgen, sollte aber unbedingt auf genügend Platz um sich herum achten. Bekommt man die Nachricht etwa am Samstagmittag, wenn man unter dem Auto liegt und neue Schellen am Auspuff anflanscht, ist von dieser Reaktion abzuraten.«

»Viel gelassener reagierte Franz. Gelassenheit darf allerdings nicht zu Passivität führen. So sah es jedenfalls die Frau von Franz, die ihn in meine Sprechstunde schickte, weil sie sein ständiges »schaun mer mal« angesichts der bevorstehenden Veränderungen nicht mehr ertragen konnte. Aber auch Franz lernte, Verantwortung zu übernehmen und spielte noch bei verschiedenen Schwangerschaften eine erfreuliche Rolle.«

»Manche werden auch von der Frage geplagt, wie man den Treffer hätte verhüten können. Otto etwa lamentierte lange herum, er habe von neumodischen Dingen wie Abwehr im Raum und Viererkette noch nie etwas gehalten. Mit Vorstopper wäre das nicht passiert, so Otto. Recht hat er. Aber das bringt zu diesem Zeitpunkt auch nichts mehr.«

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Frauenarzt und Ultraschall

Zunächst muss das Resultat des Tests durch einen Besuch beim Frauenarzt bestätigt werden. Eine gute Gelegenheit, sich an diese Figur zu gewöhnen, denn sie wird in Ihrem Leben von nun an eine größere Rolle spielen. Fragen Sie also Ihre Frau, wie der Arzt heißt, wo er seine Praxis hat, ob er über das nötige Einfühlungsvermögen und die gebotene technische Ausrüstung verfügt und so weiter. Es ist jetzt wichtig, Anteil zu nehmen am Leben Ihrer Frau, denn nicht nur Sie sind werdender Vater, sondern Ihre Frau wird gleichzeitig Mutter. Und was den Frauenarzt betrifft: Über kurz oder lang werden Sie ohnehin selbst in seiner Praxis sitzen und auf einen Monitor starren, den so genannten Ultraschall, auf dem die wichtigsten Spielzüge Ihres Ungeborenen wie in Zeitlupe zu sehen sind. Es kann also nicht schaden, sich die Adresse schon mal zu merken.

Kehrt Ihre Frau vom Frauenarzt zurück, bringt sie ein kleines Foto mit in der Qualität eines älteren Tintenstrahldruckers und schwarz-weiß. Auf diesem Foto erkennen Sie einen hellen, ballförmigen Fleck auf schwarzem Hintergrund. Damit steht fest: Sie werden Vater. Ihre Frau wird vom Anblick des Flecks ganz gerührt sein, und Sie brauchen jetzt großes kommunikatives Fingerspitzengefühl. Was sollen Sie sagen? Wenig bewährt hat sich an dieser Stelle der Ausruf: Wie süß! Damit kommen Sie später im Gespräch mit Müttern zwar gut zurecht, aber hier wird Ihre Frau dies als unpassend empfinden. Sagen Sie also besser einen Satz wie: Sieh mal, ein Fleck!, und lassen alles Weitere offen.

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Können Sie dem Foto des Frauenarztes trauen? Aus jahrelanger Erfahrung beim Betrachten von Fußballübertragungen im Fernsehen wissen Sie schließlich: Bilder können lügen. In der einen Kameraeinstellung war es ganz klar Abseits, in der anderen ebenso deutlich nicht und Schieds- und Linienrichter mal wieder vollkommene Blindschleichen. Könnte so etwas nicht auch bei dem Ultraschallbild vorliegen, das Ihre Frau vom Frauenarzt mitgebracht hat?

Um es kurz zu machen: Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Denn ein Ultraschall unterscheidet sich vom gewöhnlichen Fernsehbild durch einen entscheidenden Umstand. Der Ultraschall ist zweidimensional. Durch die Perspektive bedingte Fehleinschätzungen sind daher praktisch ausgeschlossen. Mit diesem Kunstgriff haben die Frauenärzte die einzig richtige Konsequenz aus dem skandalösen Wembleytor von 1966 gezogen und erreichen eine erstaunliche Genauigkeit bei der Feststellung von Schwangerschaften. Der Befund hat die Qualität eines Videobeweises: Der Ball hat die Linie in vollem Umfang überschritten. Sie werden Vater.

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