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Der Babymacher

Der Babymacher

 

Susanne blätterte durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, als ihr Blick auf eine Kleinanzeige fiel: „Der Babymacher, Tel.: 0179/222222“ stand da. Klein, unscheinbar und doch schien sie die Anzeige anzuschreien. Sie war eine 35-jährige, gut aussehende Frau, seit zwei Jahren verheiratet mit einem großen, sportlichen Mann, der ihr jeden Wunsch von den Augen ablas.

Einen Wunsch hatte sie schon so oft ausgesprochen, doch er blieb unerfüllt: Sie wollte mit ihrem Mann ein Kind. Peter und Susanne kannten sich schon 10 Jahre und waren vor zwei Jahren in den heiligen Stand der Ehe getreten, mit einer wunderbaren Hochzeit in einer kleinen Kapelle weit oben auf einem Berg bei München. Sie hatten sich im engsten Freundeskreis das Jawort gegeben und Susanne war der Meinung, jetzt sei ihr Glück perfekt. Vor der Ehe hatten sich beide auf ihre Karriere konzentriert.Dabei war vor allen Dingen Peter sehr erfolgreich und sie hatten es erstaunlich schnell zu einem beachtlichen Wohlstand gebracht, um den sie von Freunden und Nachbarn beneidet wurden. Sie lebten in einem schönen Einfamilienhaus in einem Frankfurter Vorort. In dieser Zeit war das, was ihr fehlte, eine Sicherheit. Eine Sicherheit, die sie nur in der Ehe zu finden glaubte. Natürlich konnte man sich auch wieder scheiden lassen, doch der Sinn der Ehe war es ja, sich für einen Partner zu entscheiden.

Nachdem Sie das Ziel der Ehe erreicht hatte, war sie erst einmal mit allem und jedem zufrieden, bis sie merkte, dass zu ihrem Glücksgefühl ein Baby fehlte. Ein Kind und das begann sie dann auch, Peter zu kommunizieren.

Peter war Assistent des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden einer großen Bank, er selbst bezeichnete sich immer als Laufburschen. Allerdings war er wohl eher ein Laufbursche, der ein gutes Geld nach Hause brachte. Zufrieden war er damit jedoch nicht, er wäre lieber der Vorstandsvorsitzende der Bank gewesen. Dass er damit noch viel mehr würde arbeiten müssen, störte ihn anscheinend nicht. Er sah das als sein erstrebenswertes Ziel an. Jeden Tag arbeitete er an diesem großen Ziel, eines Tages der Vorstand dieser Bank zu sein. Ein zeitintensives Unterfangen - er war wenig bei seiner Frau. Sogar an den Wochenenden, an denen die Kollegen der Bank frei hatten, arbeitete er. Oft fuhr er zu Sonderschichten in die Bank, um den nächsten Tag, die nächste Woche oder was auch immer vorzubereiten. Susanne hatte nach einigen Jahren tatsächlich überlegt, ob er eine Geliebte hatte. Doch dafür hatte er keine Zeit. Wann auch immer die Beiden Zeit hatten, außerhalb ihrer gesellschaftlichen Verpflichtungen, die es mit sich brachte, wenn man eines Tages ein Bankvorstand sein wollte, machten sie Liebe.

Wenn Zeit war, trafen sie sich mit Freunden, nutzen Wellnessanlagen und ließen es sich gut gehen.Sie hatten einen Ausgleich für die Jobs gefunden, eine glückliche Dreierbeziehung aus Job, gesellschaftlichen Verpflichtungen und Freunden und als drittes Element sie beide und ihre Intimität, ihre Sexualität, die sie sehr intensiv lebten und erlebten.

In den 10 Jahren hatte das nie nachgelassen, sie waren, was den Sex betraf, verspielt wie am ersten Tag. Sie hatte auch immer Lust, wenn er Zeit hatte - es gab von ihr keine Kopfschmerzen und auch keine Ausreden - sie hatte wirklich Lust auf ihren Mann. Sie hatte das Gefühl, dass er das spürte und das auch so empfand. Sie sah also keinerlei Grund, warum er sie hintergehen sollte, wo er doch alles, was er wollte und brauchte, zu Hause bekommen konnte.

Gleich nach der Hochzeit, vor den Flitterwochen, hatte sie die Pille abgesetzt. Sie hatte direkt mit einer Schwangerschaft gerechnet, sogar das Kinderzimmer hatte sie schon liebevoll hergerichtet. Als gelernte Kinderkrankenschwester war es ihr ein Leichtes, zu wissen, was man für Babys benötigte und was nur reiner Kommerz der Industrie war.

 

Doch die Wochen verstrichen und sie wurde nicht schwanger. Nach einem halben Jahr begann sie, einen Zykluskalender zu führen, sie hatte immer sehr regelmäßige, zuverlässige Zyklen und so wusste sie, welche Tage geeignet waren, ein Baby mit ihrem Mann zu zeugen. Peter fand keinen Gefallen an der Vorstellung, an bestimmten Tagen mt seiner Frau schlafen zu müssen und nicht mehr dann Sex zu haben, wenn er Lust darauf hatte. Doch er ließ sich darauf ein. Er war schließlich genauso daran interessiert, einen Stammhalter in die Welt zu setzen.

In seiner angestrebten Position gehörte es dazu, dass man Frau, Haus, Kind und Hund hatte. Nun, die Frau und das Haus hatte er bereits - der Hund müsste warten, bis die Frau aufgehört hatte, zu arbeiten und dann ganz zu Hause blieb.

Peter hoffte, dass sie für immer zu Hause blieb. Ihm waren die Zischeleien aus der Klinik nicht geheuer - arbeiten zu gehen hätte doch die Frau eines angehenden Bankvorstands nicht nötig. Außerdem verdiente er ja genug, schon jetzt. Er verstand nicht, weshalb sie jeden Tag zur Arbeit gehen wollte, finanziell hätten sie das nicht nötig gehabt.

 

Susanne sah das anders: Natürlich gab es mal Stress auf der Arbeit, doch es war auch eine willkommene Abwechslung. Was sollte sie den ganzen Tag zu Hause machen ? Auf Peter warten ? Im Krankenhaus konnte sie mit Kindern arbeiten und die begeisterten Blicke der Mütter und Väter sehen, die voller Stolz ihre Neugeborenen durch die Flure in der Klinik trugen und immer Angst hatten, das kleine Würmchen zu zerbrechen oder fallen zu lassen.

Eines Tages, so sagte sie an jedem Arbeitstag, wird auch Peter durch diesen Flur spazieren mit einem kleinen, süßen Kind auf dem Arm und Angst haben, etwas kaputt zu machen.

 

Ihr Blick kehrte aus einer erträumten Zukunft zurück in die Gegenwart und erschrocken sah sie auf die Uhr. Sie war spät dran, in 30 Minuten würde ihre Schicht in der Klinik beginnen. Jetzt noch pünktlich zum Dienst anzutreten, war bei dem Berufsverkehr in Frankfurt an einem Montagmorgen fast schon ein Unmögliches. Peter war schon viel früher aus dem Haus in die Bank gefahren. Montags waren immer Vorstandssitzungen und Konferenzen, Besprechungen - eigentlich waren die ja an jedem Tag, doch montags hatten die Vorstände sich mit den anderen Vorständen getroffen, im Theater, in der Oper oder auch auf dem Golfplatz - und dann kamen sie montags zurück in die Firma mit den verrücktesten Ideen, doch damit beschäftigten sie dann eine ganze Woche lang erfolgreich die ganze Vorstandsetage. Rechtliche Prüfungen, Schreiben an andere Banken, Verhandlungen, Ab- und Zusagen von Projekten, ein ewiges Hamsterrad, was sehr wenig mit der Wirklichkeit von Millionen von Arbeitnehmern zu tun hatte, die zu beraten sich die Bank groß auf ihre Fahnen geschrieben hatte.

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