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Der Astrologe

DER ASTROLOGE
PROLOG
GROSSES STRAHLEN
29.12.2019 – SONNE
Oberlausitz – 05:58 – Rothenburg
Berlin – 07:42 – Stadtautobahn Abfahrt Sonnenallee
Oberlausitz – 08:25 – Rothenburg
Berlin – 08:30 – Weltzeituhr am Alexanderplatz
Oberlausitz – 08:38 – Rothenburg
Brandenburg – 09:30 – Autobahnkreuz Schönefeld
Oberlausitz – 10:05 – Siebenbrücken über Kuppritzer Wasser
Brandenburg – 10:25 – Autobahndreieck Spreewald
Dresden – 11:00 – Der Weg der Roten Fahne
Dresden – 11:27 Führungsetage des Kongresszentrums
Dresden – 12:12 – Platz vor der Semperoper
Prag – 14:30 – Obecní dům
Dresden – 20:00 – Residenzschloss
BLEICHES LICHT
30.12.2019 – MOND
Kanarische Inseln – 00:05 – Flughafen Teneriffa Süd
Dresden – 00:18 – Executive Floor Hotel zum Grünen Gewölbe
Kanarische Inseln – 00:55 – Los Cristianos
Dresden – 01:13 – Executive Floor Hotel zum Grünen Gewölbe
Kanarische Inseln – 06:10 – El Hierro
Dresden – 10:10 – Frühstückscafé Hotel zum Grünen Gewölbe
Westsahara – 12:00 – Timbuktu
Dresden – 17:00 – Platz vor der Semperoper
Zentralsahara – 18:00 – Große Sandwüste von Bilma
Dresden – 20:10 – Elbwiesen
NERVÖSES FLIMMERN
31.12.2019 – MERKUR/URANUS
Ostsahara – 03:30 – Weiße Sandwüste bei Bahariyya
Dresden – 06:00 – Junior-Lounge Hotel zum Grünen Gewölbe
Istanbul – 06:15 – Atatürk-Flughafen
Dresden – 08:05 – Junior-Lounge Hotel zum Grünen Gewölbe
Griechenland – 08:30 – Olymp
Dresden – 08:53 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Mailand – 09:15 – Aeroporto di Milano Linate
Dresden – 12:30 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Deutschschweiz – 16:00 – Glinzburg am Bodensee
Dresden – 22:30 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Suisse Romande – 23:15 – Gruyères, oberhalb des Genfer Sees
LIEBLICHE VERWIRRUNG
1.1.2020 – VENUS/NEPTUN
Dresden – 0:05 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Suisse Romande – 6:55 – Gruyères, oberhalb des Genfer Sees
Dresden – 10:05 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Massif Central – 14:00 – Puy de Dôme
Dresden – 14:15 – Palais im Großen Garten
Centre-Val de Loire – 15:30 – Autoroute L’Arverne
Dresden – 17:00 – Neptunbrunnen
Bretagne – 23:30 – Carnac am Atlantik
ZORNESROTE HÖLLENQUALEN
2.1.2020 – MARS/PLUTO
Dresden – 06:50 – Offiziersschule des Heeres
Bretagne – 07:10 – Carnac am Atlantik
Dresden – 08:30 – Offiziersschule des Heeres
Äussere Hebriden – 09:30 – Uibhist a Tuath
Dresden – 10:10 – Alter Kaiserbahnhof
Äussere Hebriden – 10:30 – Leòdhas agus na Hearadh
Dresden – 10:40 – Café im Italienischen Dörfchen
Äussere Hebriden – 11:11 – Standing Stones of Callanish
Dresden – 11:15 – Bärenzwinger
Äussere Hebriden – 13:30 – Port-Adhair Steòrnabhagh
Dresden – 20:18 – Königsufer
Kopenhagen – 20:30 – Freistaat Christiania
Dresden – 23:05 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
WOHLWOLLEN ÜBERALL
3.1.2020 - JUPITER
Kopenhagen – 08:07 – Freistaat Christiania
Dresden – 08:08 – Uhr Alter Kaiserbahnhof
Øresund – 10:20 – Insel Hven
Dresden – 10:35 – Kuppelsaal Sächsische Staatskanzlei
Øresund – 10:40 – Stjerneborg
Dresden – 10:45 – Hauptausgang Sächsische Staatskanzlei
Øresund – 11:30 – Kommandodeck HMS Orion
Dresden – 11:35 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Øresund – 11:50 – Bordtoilette HMS Orion
Dresden – 14:10 – Dachkabuff im Kongresszentrum
Warschau – 14:42 – Chopin Airport
Dresden – 14:45 – Dachkabuff im Kongresszentrum
Warschau – 14:48 – Chopin Airport
Dresden – 15:00 – Messegelände
Warschau – 15:30 – Plac Europejski
Dresden – 16:25 – Dachkabuff im Kongresszentrum
Warschau – 16:30 – Goldene Terrassen
Dresden – 16:31 – Dachkabuff im Kongresszentrum
Warschau – 16:43 – Sonnenuhr vor dem Kulturpalast
Dresden – 16:52 – Dachkabuff im Kongresszentrum
Warschau – 17:05 – Eiscafé Zodiak
Dresden – 20:01 – Dachkabuff im Kongresszentrum
Warschau – 20:02 – Marktplatz in der Altstadt
STRENG UND GERECHT
4.1.2020 - SATURN
Dresden – 00:05 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Masowien – 00:07 – Kampinos-Sümpfe
Dresden – 06:15 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Zgorzelec – 08:10 – Miejski Dom Kultury
Dresden – 09:20 – Präsidentensuite Palais Weißer Hirsch
Görlitz – 10:15 – Schwarzraum der Großloge Dunkelstern
Dresden – 10:20 – Auffahrt zum Palais Weißer Hirsch
Oberlausitz – 14:50 – Goldbach am Oybin
Dresden – 16:00 – Planetariumsrundkino Prager Straße
Oberlausitz – 17:20 – Zittauer Gebirge
Dresden – 20:05 – Großer Saal der Semperoper
Dresden – 20:14 – Platz vor der Semperoper
Dresden – 20:24 – Alter Kaiserbahnhof
Dresden – 21:20 – Flughafen Dresden-Klotzsche
Frankfurt am Main – 22:35 – Rhein-Main-Flughafen
Frankfurt am Main – 23:15 – Konferenzraum Europäische Zentralbank
HARTE LANDUNG
2.1.2020 – ERDE
Frankfurt am Main – 00:30 – Ostbahnhof
Oberlausitz – 09:51 – Bahnhof Hähnichen
Oberlausitz – 11:05 – Rothenburg
Oberlausitz – 12:25 – beim Walddorf am Briesenteich
Berlin – 16:00 – Imbiss am Nollendorfplatz
Paris – 19:37 – Aéroport de Roissy-Charles-de-Gaulle
IM PARADIES
6.1.2020 – KOSMOS
Chennai – 15:58 – East Coast Road
Auroville Beach – 21:10 – Cosmic Enlightenment Bar
EPILOG
FIGUREN
BISLANG
DEMNÄCHST
DANK

 

JGH Hoppmann

DER ASTROLOGE

Eine gänzlich unwahre Geschichte

 

Thriller

 

PROLOG

 

Das Alterspräsidium des Europarats zu Straßburg übergibt den »Archives du Conseil de l’Europe« folgendes Konvolut mit dem ausdrücklichen Vermerk »strictement confidentiel«.
 
Es handelt sich um Augenzeugenberichte eines zwangsexmatrikulierten Polizeistudenten und seiner Verlobten, einer vorbestraften Bäckereifachverkaufsgehilfin.
 
Die Unterlagen sind von weltpolitischer Relevanz, bedürfen einer gründlichen »vérification de la véracité« im Hinblick auf Werk und Wirkgeschichte des sagenumwobenen Astrologen Scultetus.

 

GROSSES STRAHLEN

29.12.2019 – SONNE

 

Oberlausitz – 05:58 – Rothenburg

 

Schnee bläst über die Auslagen, legt sich wie Puderzucker auf frisch gebackene Zimtsterne, auf Semmeln mit ganz weicher Kruste, Vollkornbrot und steinharte Salzteilchen.

Dicke Dampfwolken stieben aus den Nasenlöchern des Mädchens hinter dem Tresen. Sie rollt sich den Schal fester um ihren schlanken Hals, knöpft die Strickjacke über der geblümten Kittelschürze zu. Auf Stirn und Wangen schimmern kleine, jetzt im Winter verblassende Punkte.

Ein Gesicht ohne Sommersprossen ist wie der Mond ohne Sterne, sagt ihr Liebster. Ihre Augen gleichen Sonnen. Und wie neugierige Mäuse sehen ihre nackten Fingerspitzen aus, die aus den abgeschnittenen Wollsocken hervorlugen, welche sie als Handschuhe trägt.

Nächtliche Notbeleuchtung drüben an der Polizeiakademie. Max bringt frischen Kaffee, weil, ne ordentliche Brühmaschine im Backwagen, das ist noch in Planung.

»Vorsicht, heiß, Evi!«

»Dankeschön. Hier ein Tütchen Gebäck für dein Tagespraktikum. Großes Europäisches Planetenfest. Bodyguard für eine Nacht.«

»Negativ. Nur nen Promi von Berlin nach Dresden bringen. Du kommst nach. Hier der Gutschein für Hotel, Übernachtung mit Frühstück, und Festivalticket mit Zugang zum VIP-Bereich.«

»Du spinnst total, Max.«

»Positiv.«

»Die Tickets sind auf deinen Namen!«

»Kein Problem. Abends gehts aufs Fest und nachts …«

»Ich mit meinen Pickeln unter all den Promis?«

»Ein Gesicht ohne …«

»Blablabla. Dreihundertjähriges Jubiläum der Traumhochzeit von 1719. Weißt du, wie viele Kinder dieser Sachsenprinz seiner Prinzessin machte?«

»Fünfzehn.«

»Wir müssen reden.«

»Über was?«

Evi wird so rot im Gesicht, dass all ihre Sommersprossen verschwinden. Scheinwerfer blitzen auf. Eine schwere, chromverzierte Luxuskarosse.

Die Dame hinter dem Steuer hat blutroten Lippenstift aufgelegt. Ist aufreizend geschminkt um die Augen. Steigt aus, lächelt und winkt mit den Fahrzeugschlüsseln. Unter ihrem Persianermantel ein schwarzes Businesskostüm, ungewöhnlich kurz für diese Jahreszeit. Tolle Figur.

Max greift zum Gebäcktütchen, ohne Evi anzusehen.

»Wow, ein VW-Phaeton GP4 aus der Gläsernen Fabrik Dresden. Einspritzer. 6 Liter Hubraum. 12 Zylinder, 450 PS bei 6050 Umdrehungen. Bis nachher.«

Die feine Dame registriert die Kusshand, die Evi ihm hinterherwirft. Sie steigt auf der Beifahrerseite ein. Ihr Rock rutscht hoch und gibt den Blick frei auf Strapsstrümpfe und solariumgebräunte Schenkel.

Der Polizeistudent im Praktikumseinsatz lässt den Motor aufheulen. Rollsplit spritzt gegen den rostigen Backwagen. Breitwandige Profilreifen kneten schwarzen Asphalt. Rote Heckleuchten versinken in buschigen Kiefernwäldern.

 

 

Berlin – 07:42 – Stadtautobahn Abfahrt Sonnenallee

 

Festivalchefin Aurora Celestico blättert in ihrer Korrespondenz. Hin und wieder beugt sie sich zur Mittelkonsole und wechselt die Sender im Radio. Dabei öffnet sich stets ihr Kostümjäckchen.

Max kann nicht anders, als seinen Blick in ihrem satten Dekolleté zu versenken. Sie quittiert das mit einem kleinen Lächeln, hebt den Arm und streicht sich wild gewordenes Haar hinterm Ohr zurecht. Parfümduft verbreitet sich, vermischt mit dem Geruch von Achselschweiß.

Schriftsätze unterzeichnet sie mit einem goldfarbenen Stift. Rosa lackierte Fingernägel. Gepflegte Hände, kein Ehering. Leises Juchzen, als aus einem Brief ein violetter Geldschein herausfällt.

»500 Euro von der Europäischen Zentralbank. Das Anschreiben, ein frankiertes Rückcouvert – oh, wie es duftet! – und dies hier.« Die Dame hält ihrem Bodyguard eine Zeichnung hin: Symbole, durch bunte Striche verbunden, Buchstaben und Zahlen. »Wissen Sie, was das ist, junger Mann?«

»Horoskop. Hab auch eins.«

Sie fährt mit den Fingerspitzen über die Linien. Nuckelt an der Goldkappe ihres Stifts. Schaut Max tief in die Augen.

»Original aus Indien?«

»Positiv. Aber …«

Die Festivalmanagerin lächelt verschmitzt.

»Dieses hier zeigt die Bargeldeinführung des Euro: erster Januar 2002, Frankfurt am Main. Venus an der Himmelstiefe und Priapos versteckt im zwölften Haus. Im Anschreiben heißt es ›Deuten Sie nach der Gorbatschow-Methode.‹ Wollen Sie? Dann ist es Ihr Geld.«

»Negativ. Ich …«

»Sie werden das Deuten recht bald lernen. Ihr Praktikum hat gerade erst begonnen.«

»In Dresden kommt Evi. Dann ist Schluss.«

»Die kleine Verkäuferin in dem Oldtimer? Wie süß!«

Aurora Celestico strahlt tausendmal heller als die müde Wintersonne. Versonnen saugt sie an ihrem Goldstift. Hier und dort hinterlässt sie mit eleganter Handschrift Kommentare auf dem Blatt, faltet es und schiebt es ins Mandelduft-Couvert. Den Geldschein lässt sie in die warme Kuhle ihres Ausschnitts gleiten.

»Nach vorne schauen, Polizeistudent! Dort hinten auf der rechten Seite ist ein Briefkasten. Sehen Sie ihn? Gut. Nur kurz halten und ich bin gleich wieder da. Dann geht es zum Alexanderplatz. Punkt 8 Uhr holen wir Scultetus ab, unseren Stargast. Weltzeituhr am Alexanderplatz. Ich bin so aufgeregt.«

Die Festivalchefin schnappt sich den Brief, steigt aus und dreht sich noch einmal um.

»Sie werden sich wunderbar verstehen. Ja, daran glaube ich!«

Mit wippenden Hüften schlendert sie zum Briefkasten. Schaut keck über die Schulter und ertappt ihn dabei, wie er ihr Hinterteil bewundert. Leckt an der Gummierung des Umschlags. Klebt zu und schiebt ihn durch den Schlitz. Tänzelt leicht. Macht neckische Bewegungen. Zwinkert frivol. Fuchtelt wie irre mit dem goldenen Stift. Zieht Grimassen. Streckt die Zunge raus.

Spuckt Schaum.

Bricht zusammen.

»Fuck!«

Der Polizeistudent im Kurzzeitpraktikum reißt sich den Sicherheitsgurt vom Leib und hechtet aus dem Wagen. Sie krampft. Spuckt blutigen Schaum. Umklammert ihn. Schiebt seinen Pulloverärmel hoch. Schreibt ihm mit dem Goldstift Zahlen und Ziffern in wirrer Abfolge auf den Arm. Ist ganz bleich geworden. Kann kaum ihre Lippen bewegen. Bittet Max mit brechender Stimme, Scultetus zu beschützen.

Ihre Pupillen kippen nach hinten.

Mit Warnblinkanlage und Faust auf der Hupe durch den Großstadtverkehr, den Hochhausklotz der Charité im Blick. Stau, Baustellen. Quer über den Bordstein. Eine Radkappe springt ab. Das ovale Dach der Notaufnahme.

Max trägt Aurora Celestico auf seinen Armen. Schreit das Empfangspersonal an. Kollege kommt gleich, sagen sie. Telefone bimmeln, keiner geht ran. Endlich die Rettungssanitäter. Schieben ihn beiseite. Drücken der Ohnmächtigen einen Defibrillator an die schönen Brüste, schwer wie ein Bügeleisen. Ihr schlaffer Körper bäumt sich auf – fällt zusammen. Herzdruckmassage. Atemmaske. Die Schminke verschmiert zur Clownsgrimasse. Pfeifen im Schockgeber. Laden für den nächsten Stromschlag. Wieder Krampfen. Mehr Sauerstoff! Nochmals Herzdruckmassage. Bis die Rippen knacken.

Max schleicht sich. Macht alles keinen Sinn. Wie damals in Afghanistan. Friendly Fire. Luftunterstützung mit falschen Koordinaten. Zwei seiner Kameraden hat es den Arsch aufgerissen beim Friendly Fire. Konnte der Feldsani auch nichts machen. Shit happens, kann passieren.

 

 

Oberlausitz – 08:25 – Rothenburg

 

Winterpause in der Polizeiakademie. Alle Studenten zu Weihnachten bei ihren Familien. Bis auf einen, der sein Tagespraktikum absolviert.

Die Landstraße liegt wie ausgestorben da. Stille und gähnende Leere. Kaum zu ertragen für ein junges Mädchen aus einer Europastadt, das es gewohnt ist, tagtäglich in diversen Shoppingcentern Kleinkram abzugreifen, sich coole Verfolgungsjagden mit Ladendetektiven zu liefern und diverses Zeug über die Stadtbrücke zu schmuggeln, ständig auf der Hut vor der Grenzpolizei. Geiler Thrill. Hellwach musst du sein.

Hier in der Gegend, wo sie im Krieg alle Brücken über den Grenzfluss gesprengt hatten, kannst du schlafen, den ganzen Tag. Es tut sich rein gar nichts. Sterbenslangweilig.

Eine humpelnde Gestalt, die sich aus der Ferne nähert, im Zeitlupentempo. Die Hühnerfrau wird noch eine halbe Ewigkeit brauchen, bis sie am Backwagen angekommen ist.

»Altes Brot für die Hühner, die Dame? Mal sehen, was wir heute haben, die Dame. So, bitteschön. Ein paar Semmeln mit weicher Kruste dazu? Die lässt meine Uromi ganz langsam reifen und bei niedriger Hitze ausbacken. Alles für einen Euro. Und dazu, weil Weihnachten ist, drei Tütchen Brause-Plus für die Enkelkinder. Original Ost-Produkt. Mit der Zunge auflecken. Kitzelt schön. Total witzig!«

Die Hühnerfrau richtet ihren angeknabberten Zeigefinger auf Evis fleckige Wangen. »Kommt das von Drogen?« Sie reißt das Brausetütchen auf und lässt das weiße Pulver in den Schnee rieseln. »Sie sind nicht von hier.«

Evi wird derart kreidebleich, dass ihre Pickel noch deutlicher hervortreten.

»Frankfurt an der Oder. Aber mein Freund, der ist aus dem Westen.«

»Der große Wagen?«

»Ja, ja. Großer Wagen und Kleiner Wagen und jede Menge anderer Sternzeichen. All das gibts auf dem Großen Europäischen Planetenfest in Dresden. Schauen Sie, der Gutschein für alle Veranstaltungen. Inklusive Hotelübernachtung!«

»Großer Wagen heute Morgen.«

»Ach, Sie meinen den Phaeton von der Festivalchefin. Tolles Gefährt, nicht? Mein Freund darf sie begleiten, als Bodyguard.«

»War was im Polizeifunk, sagt man. Frau tot. Fahrer flüchtig.«

Hastig wird ein Geldstück auf die Theke gelegt. Evi schaut der Hühnerfrau nach, wie sie in Zeitlupe verschwindet.

Ohne Max ist alles so einsam hier. Dabei kennt sie ihn erst zwei Wochen. Plötzlich war er da. Kaufte Salzteilchen an ihrem Stand. Starrte sie mit großen Augen an. Knackte das knochenharte Gebäck weg wie nix. Salzgebäck, das ist eigentlich nur Deko für Weihnachten und Ostern und sorbische Vogelhochzeit und so.

Ob es noch was sein dürfe, fragte sie. Er stotterte was von Autoquartett, drüben in der Hochschule auf seinem Zimmer. Autoquartetts und Waffenmagazine. Mehr sagte er nicht. Stülpte seine wunderbaren Lippen nach innen, als ob er das Gesagte ungeschehen machen wollte.

Autoquartett habe sie noch nie gespielt, meinte Evi. Und dass sie sechzehn Uhr Feierabend hat. Punkt vier war er wieder da. Ihre Brüste standen unter Feuer, wie stets an den fruchtbaren Tagen. An der Pforte der Polizeiakademie checkte man ihren Ausweis. Inklusive Gesichtskontrolle. Na ja, ging gerade noch mal gut.

Oben auf der Bude hatte er echt die Frechheit, umständlich seine blöden Militärzeitschriften rauszukramen.

Nicht mit ihr! Mit einer einzigen Bewegung öffnete sie seine Gürtelschnalle, zippte den Reißverschluss auf, streifte sich ihre Wollhose runter bis auf die Kosakenstiefel, stieß ihn rücklings aufs Bett, klemmte sich den Saum ihres geblümten Verkäuferkittels zwischen die Zähne und gab Reitunterricht.

Mäxchen arbeitete kräftig mit, präzise eine Nähmaschine, auch in Rückenlage mit zwei Autoquartetts und dem Spielzeugmodell einer Weltkrieg-II-Panzerhaubitze im Kreuz. Nach drei Minuten verschoss er sein erstes Magazin und bei ihr läuteten die Glocken.

Feuerpause. Sie pulte sich die Klamotten vom Leib. Fütterte ihn mit mitgebrachten Zimtsternen, damit er wieder zu Kräften kam. Zeit, sich umzuschauen. Nirgends Familienfotos, keine Selfies mit irgendwelchen aufgebrezelten Miezen oder dergleichen.

Nur eine bunte Zeichnung, mit Tesafilm an die Wand geklebt, zerfleddert, vergilbt und ergraut. Der Himmel in Indien, vor 29 Jahren, am Tag seiner Geburt.

Astronomisch korrekt dargestellt, meinte Mäxchen. Ansonsten nur Hokuspokus. Er sei in einer Hippiekommune geboren. Mutter auf und davon. Touristen hätten ihn gekauft: ein Finanzbeamter aus Bremen auf der Durchreise und seine Gattin, Realschullehrerin auf Halbtagsstelle.

Zweihundert Mark, umgerechnet 102 Euro und 26 Cent, inklusive getürkter Geburtsurkunde, damit man sich die aufwendigen Adoptionsformalitäten spart. Ein echter Schnäppchenpreis.

In Deutschland sprossen dem Urlaubssouvenir pechschwarze Borsten aus dem bis dahin kahlen Schädel. Ersatzmama hatte sich einen blond gelockten Engel gewünscht und bestand auf Rückabwicklung des Fehlkaufs.

Ihr Gatte äußerte Bedenken. Steuerrechtlich sei eine Selbstanzeige wegen Kindeserschleichung nicht zu empfehlen: Dokumentenfälschung, gegebenenfalls Dienstaufsichtsbeschwerde. Seine Regelbeförderung im Amt stehe auf dem Spiel. Ungünstigstenfalls würde das Beamtenheimstättenwerk auf Rückzahlung des Vorzugskredits für ihre Doppelhaushälfte drängen.

Ersatzpapa, Offizier der Reserve, schlug vor, den Knaben frühestmöglich der Truppe zu überlassen. Als Zeitsoldat wäre er bald aus dem Haus. So bekam der Säugling anstatt Schnuller ein Gummimesser und, sobald er laufen konnte, eine Plastik-Ritterrüstung und Wasserpistolen.

Später kamen Ballerspiele für die Videokonsole hinzu. Am liebsten war ihm Autoquartett. Solange der Erziehungsberechtigte gewann, ließ er sich dazu herab, mit ihm zu spielen.

Beim Bund sei es cool gewesen, meinte Max. Echte Kameradschaft, Zusammenhalt, Auslandseinsätze. Erst Kosovo, dann Afghanistan. KSK, Kommando Spezialkräfte. Gute Zeit. Na ja, ab und zu ein Hinterhalt der Taliban plus Friendly Fire. Hätte vielleicht besser auf seine Kameraden aufpassen müssen. Seitdem Meeresrauschen im Kopf, wehruntauglich.

Als er nach der Bundeswehr-Reha wieder in Bremen auftauchte, kriegten die da voll die Panik. Ließen ihre Kontakte spielen, waren ihn bald wieder los. Letzten Sommer die Polizeischule in Leipzig, jetzt die Fachhochschule hier in Rothenburg.

Hippies aus Indien seien echt cool, schnurrte Evi und streichelte seinen kleinen Polizisten. Der Schniedelwutz ging brav in Habachtstellung. Reservemagazin geladen, bereit für die nächste Runde. Diesmal ließ sie ihn reiten, bis zum nächsten Päuschen.

 

Und Evi? Das mit dem Drogenschmuggel vom polnischen Słubice und den Vorstrafen in Frankfurt/Oder hat sie ihm nicht gleich auf die Nase gebunden. Wozu auch? Fragte nicht, ihr neuer Lover, machte kein bisschen auf Stasi. So was von angenehm!

Sie fickten und laberten die halbe Nacht. Rumlabern und rumficken. Der schnuckelige Polizeistudent stand voll im Saft und das Bäckermädel konnte viele kleine Schweinereien ausprobieren. Nachher sprang der eingeschneite Backwagen draußen an der Landstraße nur nach gutem Zureden an.

In Uromis Walddorf-Häuschen knetete sie wie in Trance. Aus vorgequollenem Backteig kleine Hefekugeln rollen, mit einem dusseligen Liedchen auf den Lippen. Langsam reifen lassen für Semmeln mit ganz weicher Kruste. Knackende Holzscheite im Backofen anzünden. Nachlegen ein ums andere Mal, ein bisschen träumen dabei

Das Bäckermädel hörte erst auf mit dem Feuerholz, als Uromi morgens um fünf hustend in die verqualmte Küche kam. Dauerte etwas, bis das pechschwarz verkohlte Zeug aus der Backröhre gekratzt war. Da begriff sie: Der Schuft hat ihr Herz geraubt!

Von da an wartete Max jeden Morgen auf sie. Im Dunkeln an der Landstraße. Half ihr, die schweren Läden des Verkaufswagens hochzuziehen. Stellte eine Thermoskanne schwarzen Kaffee auf die Theke, in seiner Studentenbude gekocht. Evi tat Glückszuckerstückchen rein, frische Sahne obendrauf, spendierte Zimtsterne. Frühstück zu zweit unterm winterlichen Sternenhimmel. Nach Feierabend war er wieder da, nahm sie mit hoch aufs Studentenzimmer: Autoquartett und dergleichen, wie gehabt.

Jetzt diese Freikarte fürs Planetenfest. Evi wird sich von der Hühnerfrau nicht verrückt machen lassen. Nein, wird sie nicht! Sie freut sich schon den Tag in Dresden. Und auf eine schöne Nacht im Luxushotel.

 

 

Berlin – 08:30 – Weltzeituhr am Alexanderplatz

 

Jupiter und Uranus haben Hüte aus Schneeflocken. Das vereiste Planetengestänge quietscht und ruckelt. Mühsam dreht es sich über dem Stundenring. Der Zeiger steht auf dreizehn Uhr in Indien, wo er geboren ist, zwölf Uhr in Afghanistan, wo ein paar seiner Leute draufgegangen sind, und halb elf im Irak, wo ein paar von seiner Truppe nach der Entlassung als Söldner angeheuert haben.

Guter Verdienst, schlechte Überlebenschancen. Ihm pfeift‘s im Ohr. Tinnitus, combat stress reaction. Wird sich mit der Zeit geben, meinen die in der Reha. Immer schön ruhig bleiben.

Unter dem Zeitzonenband der Weltzeituhr kippen übernächtigte Partynerds Szene-Bier der Marke Lucky Experience, reißen Witze über einen wackeligen Penner, der sich an einen Stoffbeutel klammert und vor Kälte zittert.

»Kümmern Sie sich um Scultetus«, hatte Aurora Celestico ihn vor nicht mal einer halben Stunde angefleht. Nun ist sie nicht mehr und vom Stargast weit und breit nichts zu sehen.

Jemand meckert, dass der VW-Phaeton zu nahe am Straßenbahngleis steht. Reisende vom Fernbahnhof Alexanderplatz schieben Rollkoffer zum U-Bahn-Eingang. Drüben bei der Lieferanteneinfahrt vom Saturn-Markt ein Ford Galaxy. Weißer Qualm aus dem Auspuff. Hinterm Steuer ein Typ mit breitem Bart. Schon auf der Stadtautobahn hinter ihnen? Bloß keine Paranoia. Nerven behalten!

Max geht zur Pommesbude unter den S-Bahn-Bögen. Einmal Currywurst bitte. Was trinken dazu, Berliner Weiße mit Schuss? Positiv. Himbeersaft ins Bier kippen, Wurst in handliche Stücke hacken. Ketchup und gelbes Pulver drauf, fertig ist das Großstadtfrühstück. Schmeckt. Hagelkörner prasseln gegen die Imbissscheiben. Drüben unter der Weltzeituhr nur der mit dem Wackelbeutel. Das Radio hinterm Tresen spielt »Sunshine Lady«.

Der Arm juckt. Er will sich kratzen. Hält inne, schiebt vorsichtig den Ärmel hoch:

 

855 PACCAN 00218497 E 62458887 ALYA 442

 

Komische Sache. Im Wagen lag eine Visitenkarte. Tiefdruck in Gold auf dickem Edelkarton. Max wählt die Nummer, schaltet auf Freisprechen, tunkt Fritten in Currysoße. Eine ölige Altherrenstimme meldet sich.

»Ja bittschön?«

»Ist da das Planetenfest?«

»Besser hätten’S nicht wählen können. Sie sprechen mit Mag. iur. rer. soc. oec. Jovis Morgenstern, Magister der Jurisprudenz und Wirtschaftswissenschaften, künstlerischer Leiter des Großen Europäischen Planetenfestes. Freude und Pflicht, dieses Amt – obgleich meine Leitungsfunktion bei der Zentralbank ad interim ruhen muss.«

»Hören Sie …«

»Nein, Sie hören! Ungeduld und Torheit der Jugend klingen aus Ihrer Stimme. Und doch, innehalten mögen Sie, für einen Atemhauch der Ewigkeit. Heiter und strahlend ward’s, als Johann Wolfgang von Goethe das Licht der Welt erblickte. Wie heißt es doch in ›Dichtung und Wahrheit‹, woraus ich angesichts Ihrer Drängelei nur kurz zitiere, stante pede sozusagen, stehenden Fußes.

 

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
die Sonne stand zum Gruß der Planeten,
bist alsobald und fort und fort gediehen
nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen.

 

Dies zum Geleit, unbekannter Jüngling, der Sie mich derart bedrängen. Darf ich mir die bescheidene Frage erlauben, wer Ihnen meinen Privatkontakt preisgab?«

»Festivalchefin Celestico.«

»Die gute Aurora! Sind’S ihr junger Galan? Noch grün hinter den Ohren, wenn’S mir das Bonmot gestatten, und schon mit solcher Gunst beschienen.«

»Zielperson Scultetus: Erbitte Personenbeschreibung.«

»Ja, wie schaut er aus, unser aller Meister? Stets elegant gekleidet, wie für den Wiener Hofball. Letztmalig trafen wir uns im Britzer Garten zu Berlin. Reizende Anlage, doch kein Vergleich zum Großen Parterre auf Schloss Schönbrunn. Ich schweife ab. Wo waren wir? Ach ja: Scultetus kam mit Pullmann-Limousine und Chauffeur, gab stets ein ›Papperlapapp‹ zum Ausdruck, wenn’s ihm nicht konvenierte, trug einen leichten Sommeranzug. Seide oder gekämmte Schurwolle? Fragen’S mich nicht, Herr Praktikant. Wie gesagt, Stretchlimo…«

»Sonstige Merkmale, Narben, Tätowierungen etc.?«

»Fragen’S doch die Celestico. Hat drauf insistiert, den Meister persönlich abzuholen. Wissen’S, die Dame ist ein Segen. Ich gestehe, mich überfordert das Kleinklein. Sie nimmt mir alles ab. Die Auswahl der Musikanten, Opernaufführungen und Semperoper-Konzerte lasse ich mir natürlich nicht nehmen. Apropos ›nehmen‹: Haben’S ihr Herz im Sturm genommen. Kompliment! Aurora insistierte, bestand auf Euch als Begleiter, namentlich.«

»Negativ. Nie zuvor gesehen.«

»Ein Schelm! Gleich Cherubino, dem Höfling in ›Hochzeit des Figaro‹ erklimmt er aufgrund von Verführungskünsten höchste Ämter. Genießt Protektion und schweigt, der junge Kavalier. Ach übrigens: Mein Freund Swaro, der von Europol, wo Ihr Polizeipraktikum eingefädelt hat, würd’ bittschön gern wissen, wo’S sich derzeit aufhalten. Es soll da was Unschönes vorgefallen sein. Haben’S vielleicht Freimaurerwissen verraten, wie Wolfgang Amadeus in der Zauberflöte?«

Draußen an der Weltzeituhr schaut sich ein vornehmer Herr mit Pelzmütze nach allen Seiten um. Der Breitbärtige im Galaxy-Ford beobachtet ihn durchs Fernglas. Ein Mädchen mit Pudelmütze rennt herbei, Frau mit Kinderwagen hinterher. Glücklich vereinte Familie. Fehlalarm.

Die Straßenbahn kommt. Aurora Celesticos schwerer Wagen muss vom Gleis. Max lässt den Opernfreund weiterlabern. Das Handy liegt gut, da auf dem Tresen. Er rennt bei der Weltzeituhr beinahe den zittrigen Greis mit dem Stoffbeutel um. Ist ganz weiß vom Schnee, klappert mit den Zähnen vor Kälte.

»Hier, Alterchen. Setzt dich drüben rein und wärm dich auf. Kauf dir ne Curry mit Pommes. Versaufs nicht.«

Max steckt ihm zehn Euro zu, biegt vorsichtig die eiskalten Finger um den Schein, schiebt ihn mit sanftem Druck Richtung Imbiss.

»Geh schon, erfrierst sonst!«

Der Alte murmelt ein schwaches »Papperlapapp« und trippelt los. Eine Schneeböe nimmt ihn auf.

Die Tram klingelt, kommt nicht weiter. Max, den Autoschlüssel schon in der Hand, bleibt stehen. Starrt in den Schneeflockennebel, rennt zurück zur Frittenbude.

Aus dem Radio hinter dem Tresen singen Moody Blues »Let the Sun Shine in«. Dem verfrorenen Greis von der Weltzeituhr läuft vor Vorfreude auf Pommes mit Wurst der Sabber runter. Und Jovis Morgenstern quakt immer noch aus dem Freisprechhandy.

»… und der Bariton intoniert ›Wer des Todes Schrecken überwindet, schwingt sich aus der Erde himmelan‹. Behutsam muss die Jugend an Hochkultur herangeführt werden.«

»Personenstandsabfrage.«

Max fischt einen zerknickten Ausweis aus der schmuddeligen Jackentasche des Alten.

»Sarastro ist’s, aus der Zauberflöte. Kaufen’S sich nen Opernführer, wenn’S überfordert san! Dann fragen’S ned so deppert.«

»Wiederhole: Personenstandsabfrage. Schulz, Bertold, 10.1.1940 Breslau.«

»Ja, da haben’S ihn ja, unsren Meister. Aus bürgerlichem Schulz wird Scultetus, gräzisiert nach Humanistenart, wenn’S wissen, was ich meine.«

»Ohne Chauffeur oder Stretchlimo, ziemlich abgewrackt.«

»Machen’S nicht zu kompliziert, Herr Oberpraktikant. Nebenbei bemerkt: Sind’S zur Fahndung ausgeschrieben, meint Freund Swaro. Der Fernsprechapparat, über den wir konversieren, ist geortet. Bleiben’S da, wo Sie sind.«

»Negativ.«

Der Polizeistudent nimmt sein Handy vom Netz und zahlt sein Hauptstadtfrühstück. Den Alten packt er am Hemdkragen und führt ihn ab, samt Wurst und Fritten und Wackelbeutel.

Draußen bimmelt die Straßenbahn Sturm. Empörte Fahrgäste pöbeln ihn an. Der Fifi einer empörten Hauptstädterin hebt demonstrativ sein Bein am Kotflügel.

Max startet mit durchdrehenden Rädern. Die Töle quietscht panisch auf. Dem Schmuddelgreis auf dem Beifahrersitz in gediegenem Altweiß rutschen die Pommes weg, fliegen samt Ketchup und Mayo übers Nussbaumfurnier-Armaturenbrett. Der Kerl müffelt gewaltig. Max schaltet vorsichtshalber die Sitzheizung aus.

Der Ford Galaxy sitzt ihnen im Nacken. Beschleunigen, Spuren wechseln, blutrote Ampeln ignorieren, scharf abbiegen, quer über vereiste Grünflächen. Permanenter Allradantrieb zeigt seine Überlegenheit. Phänomenale Beschleunigungswerte auf der Stadtautobahn.

 

 

Oberlausitz – 08:38 – Rothenburg

 

Der Ello ist ein gemütlicher Geselle. Evi genießt es, im Schritttempo über die Landstraße zu tuckern. Rechts und links nur Wiesen und Felder. Die Natur liegt im Winterschlaf, unter einer dichten Schneedecke. Knirschen, wenn Eis über zugefrorenen Pfützen bricht und sich die Reifen durch Spurrillen wühlen. Bald sechzig Jahre hat der Wagen auf dem Buckel. Spezialanfertigung der volkseigenen Robur-Werke Zittau. Eigentlich müsste sie den Führerschein machen. Doch wer kontrolliert sie schon auf diesen Schleichwegen?

Obwohl die Liebe der Bäckereifachverkaufsgehilfin zu ihrem Helden schier grenzenlos ist, gibt es gewisse Unstimmigkeiten, was das Einschätzen seiner Fahrkünste betrifft.

Nur einmal ließ sie Max ans Steuer. Nie wieder! Sobald er den Trick mit dem Zwischengas beim Schalten raus hatte, jagte er den Ello mit achtzig Sachen über die Feldwege. Salzteigstücke, Zimtsterne, Quarktaschen und weich gebackene Brötchen flogen durcheinander. Der kleine süße Polizeistudent schwärmte von Off-Road-Rallyes mit Militärlastern von Faizabad nach Kunduz. Wer zu langsam ist, den schießen die Taliban mit ihren Bazookas ab.

Die dreieinhalb Liter Hubraum von Uromis Kiste mit einem Abgasturbolader hochtunen? Kein Problem. Sollte hinten nur ne rüttelfeste Kuchenkiste rein.

Sie wird es sich überlegen, meinte Evi und schmiss ihn rechtzeitig raus, bevor es zum Achsbruch kam. Zurück zur Polizeiakademie musste Mäxchen laufen. Doch am nächsten Morgen war er wieder am Backstand. Zahlte fürs demolierte Gebäck und legte ein Oldtimer-Truck-Magazin auf den Tresen. Da: Turbovergaser. Bringt den LO 2500 auf doppelte PS-Zahl. Kann er eigenhändig einbauen.

Evi hätte ihn auf der Stelle vernaschen können, zwischen all den extra weichen Semmeln.

Im Ello gibt es sogar ein Autosuper: A 130-CCIR Stern Transit. Manchmal kriegt es UKW rein, meist pfeift es auf Mittelwelle. In den Nachrichten irgendwas mit Flüchtlingen und einer Agentur namens »Frontex«. Keine Ahnung. In den Alpen sitzen Tausende wegen Lawinengefahr fest, meint der Sprecher mit grässlich knarzender Stimme. Irgendwelche Toten in Berlin oder Fahrerflucht erwähnt er nicht.

Hier im Teichland bewegt sich Evi in einem gigantischen Funkloch. Handyempfang unmöglich. Kein Zugang zu WhatsApp, Twitter, Facebook, YouTube, SMS oder Mail. Kein Egoshooter-Verrücktmacher-Rumgedaddel, keine permanente Rumtelefoniererei wie in Frankfurt oder Słubice auf der anderen Seite der Oder. Keine Ampeln, Busse oder Straßenbahnen. Als die Lage zu heiß wurde und ihre Kumpels im Knast landeten, hat sie ihr teures Smartphone von der Oderbrücke geschmissen und sich in die Oberlausitz zur Uromi abgesetzt.

Rechts die vereisten Teiche an der Dammlache, links gurgelnd der Weiße Schöps, mehr Bach als Fluss. Geradeaus Geschützdonner vom Truppenübungsplatz im Wald hinter dem Hexenhäuschen. Uromi stört das nicht. Ist taub auf einem Ohr. Knobelt wieder überm Kreuzworträtsel. Die gewinnt dauernd was. Momentan geht es um ein Kuchentablett. Genau richtig, um Blümchenkaffee zu servieren, wenn der junge Herr von der Polizeiakademie kommt, von dem Evi so schwärmt.

Uromi ist in der Küche, trägt wie gewöhnlich ihre Dederon-Kittelschürze, macht Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Sie ist steinalt. Früher, vor dem Krieg noch, war sie Dienstmagd auf einem schlesischen Rittergut. Kann total auf vornehm tun. Wenn Evi mitspielt, lachen sie sich krumm und schief.

Die Urenkelin will nach Dresden zum Fest, mit dem Herrn Studenten bis morgen früh? Soll sie nur! Wenn es länger geht, bitte eine Postkarte schreiben. Hier etwas Reiseproviant: Mohnstriezel und Salzgebäck. Damit die jungen Leute in der großen Stadt nicht verhungern. So. Und nun aber los. Der Zug in Hähnichen fährt nicht oft. Muss sich sputen, wenn sie heute noch in Dresden ankommen will.

Ach Uromi! Du ganz alleine mit dem Ello, ob das auch klappt? Ach, meint Uromi, früher saß ihr Gottlieb am Steuer. War das ein Pumphut, war der lustig! Seit er nicht mehr ist, wirds schwer. Gut, dass sie so eine tüchtige Urenkelin hat. Evi verspricht, spätestens morgen früh wieder da zu sein.

 

 

Brandenburg – 09:30 – Autobahnkreuz Schönefeld

 

Vorne quälen sich die Autos mühsam durch die Schneemassen, eines hinter dem anderen. Mit der freien Hand wechselt Max auf die Überholspur. Der schwere Wagen schwimmt. Räder drehen durch. Mehr Tempo.

Der schmuddelige Alte, anscheinend der Stargast des Dresdner Fests, hat rosige Wangen bekommen. Die Currywurst schmeckt ihm anscheinend so gut, dass er beim Losbrabbeln mit vollem Mund Fleischstücke spuckt. Er deutet auf den Schriftzug am Armaturenbrett.

»Phaeton, Fohn def Fonnenfottf.«

»Schluck erst mal runter, Alterchen.«

»… des Sonnengotts!«

Zwei Laster tauchen vor ihnen auf. Elefantenrennen. Schlingernde Vollbremsung. Das ABS klackert, die Sicherheitsgurte schnüren ins Fleisch. Aufprall unvermeidlich. Also über die Standspur.

Baustellenwarnung, Tempo 60. Der Kotflügel nimmt eine weiß-rote Pfeilbake mit. Rote Radarblitze, die mitten in die Pupillen treffen. Sekundenlanger Blindflug. Aus einer Parkbucht schießt ein Polizeifahrzeug, überholt und schwenkt die Kelle. Links vorbei, beschleunigen. Blaulicht im Rückspiegel, kleiner werdend. In einer lang gestreckten Kurve kommt ihr schwerer Wagen ins Rutschen. Fängt sich wieder. Schnee spritzt auf. Die Autobahn vor ihnen gleicht einer weißen Fläche.

»Schneller, Phaeton!«, krächzt der Greis auf dem Beifahrersitz. »Törichter Sohn des Sonnengotts. Erklommst die Kutsche deines Vaters, schwangst die Peitsche. Die Himmelsrösser, sie spürten deinen Übermut, rasten höher und höher, bis dir der Atem verging. In wilder Unordnung entflammten Berggipfel und Wälder. Bäume brannten mitsamt ihren Blättern, saftige Wiesen wurden weiße Asche. Das reife Korn auf dem Feld nährte die heißen Flammen, von denen es verzehrt wurde. Städte versanken in ihren Mauern. Völker erlagen der ungeheuren Feuersbrunst. Auf brach der Erden Kruste. Selbst Hades, Gott der in der Unterwelt, erschrak. Gottvater Zeus erhob seinen Wurfspeer. Gewaltig der Blitz, der das Sonnengefährt darnieder streckte. Regen gleich einer Sintflut löschte den Weltenbrand.«

»Tolle Story, Alterchen.«

Max greift sich einen Zimtstern aus Evis Bäckereitütchen, macht sein Handy wieder scharf, tippt auf Wahlwiederholung.

»Morgenstern? Geben Sie mir Europol!«

»Ja bittschön, das hätt’S auch freundlicher sagen können. Swaro, hallo Swaro? Der Piefke ist am Apparat. Also wenn du mich fragst, dieser Gendarmerie-Lehrbub …«

»Kurwa mać, gib schon her! Hallo? Hier Europol, Kommissar Swarożyc Gwiazdek Abteilung Operative Tätigkeiten.«

Eine kantige Stimme, rau und hart, wie damals der Kompaniespieß beim Grundlehrgang. Siebte gnadenlos aus, wer am Wochenende auf Sauftour durfte und wer in der Kaserne bleiben musste, zum Latrinenputzen. Max wurde zur Klofrau der Truppe.

»Europol? Personenschützer von Zielperson Scultetus am Apparat. Melde gehorsamst, Aurora Celestico an einem Brief verreckt, an einem verdammten Brief.«

»Geben Sie Position durch und warten Sie auf Polizei. Dies guter Rat von Kommissar Gwiazdek.«

»Negativ. Tagesbefehl, Zielperson nach Dresden.«

»Spokojnie, bardzo spokojnie. Ruhig bleiben, Herr Max. Sie heißen doch Max? So ist sich in Europol-Akte. Das korrekt, Max?«

»Positiv. Finden Sie den Brief, Kommissar Gwiazdek. Steckt im Kasten. Abfahrt Sonnenallee, am, warten Sie … Sterndamm! Und lassen Sie die Leiche untersuchen. Das Anschreiben von der Zentralbank müsste sie am Körper haben.«

»Problematycznie. Gibt sich Briefgeheimnis. Und Europol ist sich kein europäisches FBI nicht. Wir transnationale Behörde. Koordinieren Information. Aussprechen Empfehlung. Vermitteln Kooperation.«

Gerade Strecke, freie Bahn. 225 Stundenkilometer. Dann eine immer enger werdende Autobahnkurve. Der Polizeistudent hält mit links das Telefon und steuert mit rechts gegen. Mit zusammengekniffenen Augen starrt er durch die Frontscheibe. Die heranrasenden Schneeflocken machen es fast unmöglich, den Rand der Autobahn zu erkennen.

Auf dem Beifahrersitz kramt der Greis emsig in seinem labberigen Stoffbeutel, zieht einen Briefumschlag raus. Ebenfalls ein buntes Horoskop, einen großen Geldschein und ein creme-gelbes Couvert. Wiederum bitterer Mandelgeruch. Schmatzende Geräusche, als er Speichel aus den Backen saugt und sich mit seiner spitzen Zunge unaufhaltsam der Gummierung des Umschlags nähert.

»Sie geboren am 21. Januar 1990, nicht wahr, Max?«, tönt der Pole aus dem Handy. »Das ist sich schwierige konstelacja planet. Atmen tief durch. Sagen, wo sind. Warten auf Polizei. Ich heißen Swarożyc. Können sagen Swaro. Hören Sie auf Swaro.«

»Ende und over!«, brüllt Max, lässt in der Kurve das Steuer los, beugt sich rüber und reißt dem Alten das Couvert unter der Nase weg. Der Phaeton rast geradeaus weiter, kommt von der Fahrbahn ab. Schneemassen türmen sich vor der Motorhaube auf, bremsen die Fahrt abrupt ab. Die Airbags knallen auf. Der Wagen versinkt in einem Schneehaufen. Schlagartig wird es schwärzer als die schwärzeste Nacht.

 

 

Oberlausitz – 10:05 – Siebenbrücken über Kuppritzer Wasser

 

George Harrisons »Here comes the sun« erklingt aus den Kopfhörern eines Mitreisenden. Das Eis schmilzt, trübe Winterwolken machen warmen Strahlen Platz. Sicher wollte die Hühnerfrau heute Morgen nur Panik verbreiten. Bald wird Max sein Halbtagspraktikum erledigt haben. Dann bummeln sie durchs romantische Elbflorenz und essen schlesischen Mohnstriezel mit Füllung aus gehackten Mandeln, Zitronen, Rosinen und etwas Rum, Uromis Spezialität.

Schlauroth, Zoblitz, Pommritz, Kubschütz. Hin und wieder hält der Zug an maroden Bahnhofsgebäuden. Ungeschminkt, mit Runzeln und Rissen in ihren Fassaden, erzählen Geschichten, tragen Bäume im Dach gleich Indianerhäuptlingen den Federschmuck.

Gen Norden flaches Land, so weit das Auge blicken kann. Die Rauchschwaden des Kraftwerks Boxberg, das Braunkohle verheizt, die hier so flach unter der Erde liegt, dass es wie auf einem Schiff schaukelt, wenn die Bahn darüberfährt.

Im Süden schaut Evi auf Vulkankegel, erloschen in uralten Zeiten und ein bisschen klein geraten, wie in Mittelerde, dem Land der Hobbits.

Zwischenstopp beim Flughafenzubringer Dresden-Klotzsche. Fein gekleidete Leute schieben Rollkoffer mit Sternzeichenaufklebern ins Abteil. Bald gleitet der Zug über die Elbe. Frauenkirche, Schloss, Zwinger und Semperoper glänzen in der Vormittagssonne.

Gedränge im Hauptbahnhof. Evi kommt schwer durch mit dem Fahrrad, muss aufpassen, dass die Kiste mit dem Reiseproviant nicht vom Gepäckträger fällt. Auf dem Nachbargleis der Regionalexpress aus Leipzig. Punks in pechschwarzen speckigen Klamotten. Reichlich Piercings durch Nase, Ohren und Augenbrauen.

Einer hat ein Tattoo quer überm Gesicht, eine Europafahne, nur umgekehrt. Evi muss zweimal hingucken: zwölf graublaue Sterne, krumm und schief, wie selbst gestochen, die Spitzen nach unten wie bei den Teufelsanbetern. Sieht auf der bleichen Haut echt krank aus. Sein Kumpel trägt Schottenrock. Joni Mitchells »We are Stardust« dröhnt aus seinem Rucksack. Sie sind Sternenstaub, sind golden, gefangen im Geschäft des Teufels, auf der Suche nach dem Paradies. Echt krass, diese Typen.

Eine Magere mit nem Silberhaken in der Backe, die gehört auch zum Trupp. Löchrige, ausgefranste Ohren, frisch verschorft. Scheint es auf Uromis Gebäck abgesehen zu haben. Fummelt am Gepäckträger. Klemmt sich die Finger ein, quiekt auf. Strahlendes Lächeln aus gelblich-schwarzen Stummelzähnen, als Evi sie aus der Zwickmühle befreit und was vom Mohnstriezel schenkt. Sofort sind ihre Kumpels da und reißen sich dicke Stücke ab.

»Bin Elektrokosmo aus Leipsch. Der Irre da ist Starkstromastro und die da unsere Spökenkiekerin. Das Connewitzer Dreieck dankt für die Solidaritätsspende.«

»Bitteschön. Sie ist … was?«

»Ne Hellsichtige. Superforecaster. Unser Auge in die Zukunft.«

»Wow! Aber die Ohren.«

»Modern Primitive. Ne Woche Indianer-Sonnentanz. Da reißt schon mal was aus.«

»Verstehe.«

»Grass oder Tütchen gefällig? Freundschaftspreis! Wir nehmen auch Festivaltickets.«

»Sorry, aber das Ticket hier ist von meinem Freund.«

Kumpeline, die Spökenkiekerin, kriegt so nen Blick. Elektrokosmo beugt sich zu ihr rüber. Sie bewegt ihre Lippen, tonlos. Er lauscht und grinst.

»Ho, ho, ho! Dein Freund, der Bulle, ist im Anmarsch. Wollen wir nicht stören – und Tschüss.«

Das Trio aus Leipzig macht über die Bahnhofsgleise. Eine Schaffnerin bläst Trillerpfeife. Der einfahrende ICE »Nostradamus« aus München legt eine Notbremsung hin. Kumpeline kommt gerade mal so davon.

Draußen auf dem Bahnhofsvorplatz marschiert eine Gruppe Jugendlicher auf. Brave Gesichter, adrett gescheitelte Frisuren, alle in Blauhemden wie früher bei der FDJ, bloß mit dem EU-Logo drauf. Überall wehen kleine Europafähnchen. Damals hieß so was »Winkelement«, meinte Uromi. Mit Hammer und Zirkel. Davor waren sie rot mit gelbem Sowjetstern. Die Hakenkreuzfahnen hatte man schnell abgehängt und die Befreier mit weißen Bettlaken begrüßt. Das war, als sie bei Kriegsende mit dem Flüchtlingstreck in die Stadt kam.

Als Uromi geboren wurde, gab es noch einen Kaiser und Sachsen war Königreich. Bei der Semperoper lag die Sonnenbastei, an der Herzogin Garten die Mondbastei und so weiter. An der Venusbastei hatte das Metallgeländer eine große Delle. Von August dem Starken reingedrückt, nur mit dem Daumen. Aber als Evi sein goldenes Reiterstandbild sah, sie war gerade sieben geworden, rief sie entrüstet aus: »Der ist nicht stark. Der ist dick, ganz furchtbar dick!« Uromi hat gelacht.

Evi schiebt jetzt ihr Fahrrad durch die Prager Straße. Das Rundkino, größer und prächtiger denn je, kündigt seine Neueröffnung an. Fassadengroße Euro-Banner schmücken die Shoppingcenter, Euro-Winkelemente an allen Laternenmasten, dazu Lautsprecher, aus denen Musik erschallt, den ganzen Weg bis hin zur Altmarkt-Apotheke, wo sie sich einen Schwangerschaftstest kauft. An einer Marktbude gibt es Astro-Glühwein. Eine energische Lautsprecheransage reißt sie aus den Träumen.

»Achtung, Achtung! Wir verlosen Festivaltickets für das Dresdner Planetenfest. Freier Eintritt zu allen Events! Gesponsert von Questa o Quella, Europas führender Astro- und Kartenhotline, Ihr Berater in jeder Lebenslage. Sagen Sie ihr Geburtsdatum und Sie erfahren alles über Geld, Glück, Liebe und Gesundheit, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Unsere Hotline ist geschaltet. Wählen Sie 0190 0190 0190, nur 1,90 Euro pro Minute. Ein Angebot von Questa o Quella, live vom Berliner Fernsehturm. Hier der erste Anrufer.«

»Bin ick druff?«

»Sie sind auf Sendung. Mit wem spreche ich bitte?«

»Jeht dich janüscht an, du Affe. Will nur loswerden, Astro is Schwachsinn, Leuteverarsche. Zieht uns nur Geld aus der Tasche. Korrupte Schweine ihr! Leckt mich am …«

»Danke für den Hinweis. Wir gehen auf Leitung zwo.«

»Seit die Kinder aus dem Haus sind, na ja, Sie glauben ja gar nicht, wie mir da die Horoskope helfen. Ihr Telefonservice ist ja so nett. Jeden Tag gibt es Sternenrat. Aber nun ist die erste Rechnung da. Ei verbibbsch, wie soll ich das bezahlen? Ich bin doch eine arme Rentnerin aus Mittelsachsen.«

»Trösten Sie sich, gleich kommt das Tageshoroskop, exklusiv von unserer Chefastrologin Aurora Celestico. Zeit für eine letzte Hörermeldung!«

»Hier Harry King. Hello, hello! Geboren am, warten Sie, hier stehts: 15.9.84, London. Drei Freikarten, für mich, Maggy und Starkstrom, ich meine: Mister Strong Stream, unseren Elektriker.«

»Sie stimmen der Weiterverwendung Ihrer Daten zu?«

»Yes, vollumfänglich – ist anonym, oder?«

»Selbstverständlich. Glückwunsch von Questa o Quella! Ihre Freikarten liegen an der Theaterkasse. Frage an Sie als Engländer: Wird das Planetenfest uns Europäer einigen? Oder ist der Brexit unvermeidbar?«

»Aber hallo. Keep cool! Gegenfrage: Kommen wir auch ins Rammelstein-Open-Air?«

»Freier Eintritt zu allen Freiluftkonzerten auf den Elbwiesen, für Sie, Herr Prinz, und Ihre Begleiter.«

»Thank you schön. Good bye.«

»Werte Hörer, bei uns laufen die Telefone heiß. Man will mehr wissen über diesen englischen Prinzen. Unsere Reporter sind unterwegs. Aber jetzt Musik und dann das Tageshoroskop mit Aurora Celestico. Glück, Liebe und Gesundheit, gesponsert von Questa o Quella, Europas führender Astro- und Kartenhotline. Bleiben Sie dran!«

 

 

Brandenburg – 10:25 – Autobahndreieck Spreewald

 

Aus den schlaffen Airbags zischt die Luft. Schluss mit der Raserei. Einzig das Autoradio funktioniert noch. Guter Empfang. Anscheinend guckt die Antenne aus dem Schneehaufen raus.

»Hallo Regie, was macht die Standleitung? Aurora meldet sich nicht? Ach Leute! Ruft im Dresdner Kongresszentrum an. Probiert alle Durchwahlnummern. Irgendwen erreicht ihr. Werte Hörer, die Sachsen machen ein Fass auf. Sieben Tage Astroparty bis zum Abwinken: internationale Stars, internationales Publikum, internationaler Service. Finanziert von der Europäischen Union, mit freundlicher Unterstützung von Questa o Quella, den Lebensberatern. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Achtung, wir haben Kontakt! Ich spreche mit Chantal, der persönlichen Assistentin von Frau Aurora Celestico?«

»Nu, nu.«

»Charmant, charmant. Madame Chantal, schenken Sie uns ein Tageshoroskop. Geld, Glück, Liebe, Gesundheit, speziell für Löwe-Geborene, weil heute Sonnentag ist.«

»Nu, nu, nu. Meine Chefin ist Löwin. Forsch, forsch.«

»Der Tag steht im Zeichen der Sonne. Feierliche Eröffnung an der Augustusbrücke. Barocker Götteraufzug in historischen Kostümen. Reden europäischer Spitzenpolitiker. TV-Liveübertragung über Europe-News plus Livestream im Internet. Exklusives Festessen im Dresdner Schloss. Rockkonzert auf den Elbwiesen. Wo mischen Sie mit, Fräulein Chantal?«

»Mit Kärtchen.«

»Chantal, Sie aus Frankreich im schönen Dresden …«

»Erzgebirge. Vorne ›Schant‹ und hinten ›alle‹: Schantalle. Ich bin Krebs. Abteilung Post und Aktenablage im sechsten Stock vom Kongresshaus, beim Fahrstuhlschacht. Krebs braucht Geborgenheit, sagt meine Chefin. Genau das Richtige für mich.«

»Ein Höllenlärm bei Ihnen. Kann Sie kaum verstehen!«

»Fahrstuhlmotoren, Lüftungsventilatoren und Wölfi. Der Aktenreißwolf. Braucht viel Platz. Bloß nichts Falsches reinstecken, sagt Frau Celestico.«

»Und die erreichen wir nicht. Ran ans Tageshoroskop, Fräulein Schantalle!«

»Oh je, oh je. Ich bin nicht eingearbeitet.«

»Die Hörer warten, draußen an den Empfangsgeräten!«

»Ich hab nur Englein-Kärtchen. Selbst gemalt, mit Filzstift auf Bierdeckel. Soll ich?«

»Frage an die Hörer in Berlin, Dresden, Sachsen und der Welt: Soll uns die Expertin aus dem Erzgebirgskreis ein Englein-Kärtchen ziehen? Los gehts!«

»Nu, nu. Ich mische und verteile im Kreise. Muss aufpassen, dass Wölfi nichts frisst. Mein Finger kreist. Nu horche druff: Fein konzentrieren und ›Stopp‹ sagen.«

»Werte Hörer, es wird spannend, denn ich sage … Stopp!«

Lautes Quieken, das Brummen von Fahrstuhlmotoren und Lüftungsventilatoren übertönend.

»Fräulein Schantalle, sind Sie noch da? Bis zur Musik bleiben zehn Sekunden für Geld, Glück, Liebe und Gesundheit.«

»Das Brüllaffen-Englein! Müssen alle fein klatschen und lieb sein. Gemecker mag es nicht. Kein Naserümpfen. Brülli ist sensibel und schnell beleidigt. Will viel gelobt werden.«

»Kein Naserümpfen also am Löwen-Tag, sagt das große Tageshoroskop des Europäischen Planetenfestes. Liebe Hörer, rufen Sie an, wenn es Ihnen gefallen hat. Oh, schon vier Anrufer in der Warteschleife. Hier Questa o Quella, Ihr Berater in allen Lebenslagen. Mit wem spreche ich?«

»Freiherr zu Strahlenfels. Kosmische Zwillinge e.V. Ich vermute, Seine Königliche Hoheit Prinz Harry of Wales und Meghan Herzogin von Sussex geben sich die Ehre beim großen Dresdner Sternenfest – inkognito.«

»Könige auf geheimer Mission? Werte Hörer, wir sind ›live on air‹. Ich sehe acht, neun, zwölf Anrufer in der Leitung. Wir schalten überall rein.«

»Prinz Harry, mein Süßer. Gib der Meghan den Laufpass, komm zu mir!«

Freizeichen, aufgelegt.

»Ich bin der Pittiplatsch und habe euch alle lieb.«

»Hier Brüllaffe. Schantalle, du olle Titten-Schnalle!«

»Nischwitz an der Mulde, Kreis Wurzen. Wir möchten schön grüßen unsere Tochter Gertrud, ihren Mann, die Enkelkinder, dann die Nachbarn, den Horst von gegenüber und …«

»Wellness-Oase Sächsische Schweiz. Kleine Preise, große Wirkung. Besuchen Sie unsere Prinzen-Suite.«

»Kampfbund der Fünften Internationale. Nieder mit faschistoiden Ausbeutercliquen der EZB. Boykottiert das ausbeuterische Planetenfest!«

»Erweiterte Oberschule EOS ›Mark Zuckerberg‹. Diese Kings, das sind Trolls. Müssen sie sperren, oder?«

»Frau Huber aus Zwiesel im Bayerischen Wald. Ich bin ja Reichsbürgerin. Und als solche sage ich klipp und klar …«

Der Polizeistudent im Tagespraktikum schaltet das Radio aus. Reibt sich die Nase. Wird beim Crash wohl irgendwo gegengestoßen sein. Ansonsten ist er unverletzt. Schwer zu erkennen, wie es seiner Zielperson auf dem Beifahrersitz geht. Zappenduster hier im Phaeton, bis auf die Armaturenbrettbeleuchtung. Ringsum nichts als Schnee, der die Sicht nach draußen verdeckt.

»Alterchen, hast du am Briefumschlag geleckt oder ist dir beim Aufprall irgendwas gebrochen?«

»Papperlapapp.«

Max drückt den Startknopf. Der Motor springt an. Gas langsam kommen lassen. Es ruckelt, die Räder drehen durch. Der Wagen steckt fest. Max schiebt die aufgeblasenen Luftsäcke zur Seite und versucht, die Fahrertür zu öffnen. Es knirscht, Schneematsch fällt rein, nach einem halben Zentimeter ist Schluss.

»Mist.«

»Grabe hurtig, Fischbock! Der Sonnen Kraft möge dich leiten.«

»Positiv.«

Beim Runterziehen des Seitenfensters stürzen Schneemassen herein. Max wühlt aus Leibeskräften, bis er Licht an Ende des Tunnels sieht, schaut durchs Guckloch nach draußen. Zwei Streifenwagen donnern mit Blaulicht vorbei.

»Perfekte Tarnung, dieser Schneehaufen. Wird etwas dauern, bis der Wagen freigeschaufelt ist. Mal was anderes: Wieso nennst du mich ›Fischbock‹, Alterchen?«

»Ahnung raunet, das Bürschchen sei geboren im Zeichen des Steinbocks mit dem Fischeschweif. Verhaftet mit der Welt der Erscheinungen, dies Zeichen – nicht wissend, dass die Realität die größte aller Illusionen, ›Maya‹ genannt von den indischen Astrologen. Das Leben ein Traum. Erwachen im Tode.«

»Wie romantisch. Wie die Schlager aus der Musikbox in der Eckkneipe nachts um halb zwei, wenn alle besoffen sind und keiner nach Hause will. Nach meiner Geburtsurkunde bin ich Wassermann. Glaube aber nicht an den Kram.«

»Trügerisch, solch amtliche Daten. Bist ungläubig, wie alle Fischböcke, womit bewiesen, dass du an andrem Tag geboren …«

»Moment: An Astroscheiß glaub ich nicht und deshalb bin ich Steinbock? Beißt sich die Logik in den Schwanz.«

»Fischbock. In den Fischschwanz!«

»Ich schaufel den Wagen frei. Keine Zeit für Gelaber.«

Es dauert eine Weile, bis der von Schnee und Eis befreite Sonnenwagen wieder über die Autobahn gleiten kann, schlingernd wie ein Speedboot. Zumindest in den Kurven nimmt Max jetzt etwas Gas raus. Dem Alten hat er Evis Zimtsterntüte gegeben, damit endlich Ruhe ist.

Max juckt es wieder am Arm: der Code! Er versucht, zu entziffern, was Aurora Celestico ihm im Sterben aufgemalt hat. Das Lenkrad steuert er mit den Knien, kramt sein Smartphone hervor, das beim Aufprall in den Fußraum geflogen ist, und schaltet einen frischen Account auf Google Mail frei. Name? Vielleicht den Kuchen, den er gestern am Backwagen verdrückt hat. Passwort? Sie beide. So, jetzt dieses Gewirr aus Buchstaben und Zahlen in eine Mail reinpacken.

Ab und zu schaut er nach vorne auf die Straße, steuert nach. Einmal Schneehaufen und nie wieder. Gut. Noch mal den Code vergleichen, speichern und ausloggen. Keine Ahnung, wozu der gut ist. Aber wenn sie ihm jetzt den Arm abhacken, ist er immer noch im Netz. Evi sollte ihn vielleicht wissen. Später. Jetzt erst mal den Stargast abliefern.

Kurz hinter Dresden-Marsdorf weiß-rote Signalhütchen auf der Überholspur. Blaulicht blinkt. Vor ihm ein Kleintransporter, versperrt die Sicht. Er lässt das Fahrerfenster runter und streckt den Kopf raus. Fahrtwind und Eisgriesel stechen in die Augäpfel. Also die Foto-App scharf machen und das Handy ganz weit raushalten.

Okay, die gute Nachricht ist, der Arm bleibt dran. Die schlechte: Im Rückspiegel kann er sehen, wie die Gurke auf dem Fahrbahnbeton zersplittert. Beinahe auf den Vordermann auf, muss arg auf die Klötzer treten.

Da: Bundespolizei in schwarzer Kampfmontur, am Ende der Schlange. Winkt dunkle Limousinen raus. Das gilt ihm! Max schert aus, walzt Signalhütchen nieder, gibt Gas. Die Männer ziehen ihre Waffen, springen in letzter Sekunde zur Seite. Martinshörner ertönen. Eine ganze Armee sitzt ihm jetzt im Nacken.

Tempo 240. Nur Fliegen ist schöner. Beim Flughafen Dresden-Klotzsche eine Passagiermaschine im Landeanflug. Gleiche Geschwindigkeit. Nebenbei mal eben das Navi auf dem Armaturenbrett starten. Ziel: Kongresszentrum am Ostra-Ufer. Zwischenstopp Hotel zum Grünen Gewölbe. Die Autobahnabfahrt mit Powerslide nehmen. Heck bricht aus, Reifenqualm im Rückspiegel. Rot heißt marschieren, speziell was Ampeln betrifft.

Zeit für eine Finte. Vollbremsung in der Königsbrücker. Automatik umschalten, den Alten abstützen, damit er nicht durch die Frontscheibe fliegt, und rückwärts in eine lauschige Seitenstraße. Reinrempeln in eine Parklücke, sodass dem Wägelchen vorn und hinten das Gebiss verbeult, Motor aus und wegducken.

Drüben auf der Hauptstraße rast die Blaulicht-Armada vorbei. Gelernt ist gelernt. Wer auf Bergpisten in Afghanistan den Panzerfäusten der Taliban entkommen ist, für den ist es kein Problem, eine Zielperson unbeschadet zum Zielort zu bringen.

Schleichwegmäßig Richtung Zentrum. Bei der Waldschlößchenbrücke über die Elbe, mit Vollgas hin zur romantischen Altstadt. Frauenkirche links liegen lassen, beim Fürstenzug breitärschige Touristengruppen mit der Stoßstange zur Seite schieben. Schlossplatz abgesperrt. Monteure werkeln an Tribünenbauten. Also durchs Georgentor. Ein Fiaker mit zwei Rössern, drei in Pelz gehüllten Touristen und einem sturen Fuhrmann steht quer. Die Doppelklangfanfaren des Phaeton machen der Kutsche mächtig Dampf.

Das Hotel zum Grünen Gewölbe am Taschenberg. Max bremst millimeterscharf vor den Füßen eines Hotelpagen im Lodenumhang. Er erklärt kurz und knapp, das auf dem Beifahrersitz sei der Stargast. Inkognito, nicht ansprechen! Der Butler verbeugt sich tief. Sein schwarzer Zylinder kommt ins Wanken. Eilfertig dienernd murmelt er: »Der Prinz, der englische Prinz!«, buckelt voraus.

Ein kleines Atrium mit neckischen Buchsbäumchen in Holztrögen. Rechts und links steinerne Fabelwesen, aus deren eisumrandeten Mäulern dampfendes Wasser fließt, wie Geysire im fernen Island. Es öffnen sich die schmiedeeisernen Tore zum Allerheiligsten.

Die Hotelrezeption eine Mischung aus Harry-Potter-Internat und Flughafenterminal. Man ignoriert den eiligen Neuankömmling. Ein Ehepaar mit Mops aus Düsseldorf hat ernste Anliegen. Wo der Rosenmontagsumzug sei, wollen sie wissen. Pipifax mit patriotischen Europäern. Der Empfangschef bedauert: Die Montagsdemos pausieren während des Planetenfestes.

Max zeigt seinen Praktikantenausweis. Lässt die Reservierung checken. Greift sich den Zimmerschlüssel. Wartet nicht, bis ein Fahrstuhl kommt. Hechtet über die Treppe hoch. Junior-Lounge im dritten Stock. Reißt Bettdecke und Laken runter. Greift sich ein Hotelkärtchen vom Nachttisch. Krickelt was drauf. Legt es auf die Matratze. Bettzeug drauf. Glatt streichen. »Bitte nicht stören« draußen an die Tür. In Nullkommanichts ist er wieder unten am Empfang.

Der Chefrezeptionist studiert das Festival-Beiprogramm. Die werten Gäste bleiben die ganze Woche? Ganz wunderbar, denn am Donnerstag, dem Mars-Tag, veranstalten die Patrioten in Pirna ein Rassehundseminar. Ob der Mops … Die Düsseldorfer sind empört! Ihr Hasso von Sürgenthal habe arische Vorfahren bis zur zwanzigsten Blutlinie. Ein rassereiner Zuchterfolg, Sternzeichen Löwe. Alle glotzen auf das fette Vieh, das phlegmatisch rumhechelt.

Der Polizeistudent knallt den Zimmerschlüssel auf den Tresen. Evi, seiner Verlobten, werde er das Zimmer überlassen. Ihr einen guten Nachmittagsschlaf wünschen, ja? Einen guten Nachmittagsschlaf. Er muss es dreimal sagen, bis man sich endlich vom Löwenmops abwendet, dem edlen Tier.

Raus aus dem Puff und rein in den Phaeton. An der Semperoper krachen sie beinahe gegen ein Reiterstandbild. Das Ausweichmanöver endet in einer meterhohen Euro-Skulptur, Plexiglas und Neonröhren, goldgelb mit blauen Rändern. Slalom vor dem Sächsischen Landtag. Links das Maritim-Hotel, hoch aufragend wie eine Burg. Rechts das Kongresszentrum, ein Ozeandampfer aus Glas und Beton mit grauem Schornstein auf dem Dach. Menschenmassen strömen auf die breite Freitreppe, von Security in gelben Warnwesten in sichere Bahnen gelenkt.

Der Polizeistudent im Praktikumseinsatz parkt vor einem Absperrgitter. Stolz auf die Erfüllung der Mission umrundet er den zerbeulten Luxuswagen und öffnet dem Stargast die Beifahrertür. Ein leises Surren erfüllt die Luft, kaum mehr als eine Sekunde. Nicht genug Zeit, um das Geräusch in Ruhe zu analysieren.

Kleine spitze Nadeln bohren sich in sein Fleisch. Sechshundertfünfzigtausend Volt aus Elektroschockern bringen selbst kampferprobteste Kosovo- und Afghanistankämpfer zu Fall.

 

 

Dresden – 11:00 – Der Weg der Roten Fahne

 

Die Sieger der Geschichte scharen sich um Spitzbart, den ersten Sekretär der Partei: Soldaten der Nationalen Volksarmee, Rotfrontkämpfer, Intelligenzler, Arbeiter und Bauern. Hammer und Zirkel im Ährenkranz auf dem Banner, das die junge Frau mit hoch erhobenem Haupt schwenkt. Das Mosaikwandbild des Kulturpalasts erstrahlt in neuem Glanze.

Es war nicht alles schlecht, meint Uromi. Was ihr wohl angesichts der gackernden Teenies, die mit ihren Selfie-Stangen herumhampeln, einfallen würde?

Plastikgrinsen in Edelsmartphones vor schön bunter Deko, deren Sinn ihnen scheißegal ist. Gegenüber unterm Wärmepilz schlürfen piekfein gekleidete Touristen Schampus im Stehen. Sündhaft teure Winter-Outdoor-Kleidung. Einkaufstütchen vom Fashionshop am Handgelenk.

Da: eine rasende Kutsche ohne Fuhrmann! Den Pferden spritzt Schaum aus den Mäulern. Am Wagen löst sich ein Rad. Metallene Achsen schleifen übers Pflaster. Karambolage an den Wärmepilzen. Schicke Tragetaschen mit aufgedrucktem Markenlogo gehen in Flammen auf. Sektgläser zerspringen. Selfie-Stangen zerbrechen.

Ums Eck, am Taschenberg, derweil ein Menschenauflauf. Der Türsteher mit dem schicken Zylinder ist hart umlagert. Kameras und Mikrofone recken sich ihm entgegen. Evi schnappt Wortfetzen auf. Prinz Harry sei in der Stadt. Chauffiere den Stargast des Planetenfests, Philip Duke of Edinburgh, Gemahl der englischen Königin höchstpersönlich. Ob es zu einem Adelstreff mit dem Geschlecht der Wettiner kommen wird?

Evi hat vom Altmarkt einen leichten Schwips mitgebracht. Schönsaufend kann sie das alles besser ertragen. Sie schwankt weiter, gestützt auf ihren getreuen Drahtesel. Vor der Semperoper Polizeiwagen, Feuerwehr und hektisch herumlaufende Arbeiter. Gelbe Sterne mit abgebrochenen Zacken liegen auf dem Pflaster, wie vom Himmel gestürzt.

Die Touristeninformation zeigt Flagge: zwölf Tierkreiszeichen statt der sonst üblichen Sterne auf Europas blauem Himmel. Das Gebäude im Stil eines griechischen Tempels. Drinnen Europa-Sticker, Europa-Flyer, Europa-Broschüren, Europa-Aufkleber und Europa-Postkarten. Fehlt nur das Bildnis eines grinsenden Europa-Generalsekretärs an der Wand, würde Uromi jetzt wohl bemerken. Großfernseher zeigen Europe-News. Bilder von Uniformierten, die Afrikaner aus maroden Schlauchbooten retten. Unten läuft das Textband mit:

 

+++ Mittelmeer: Frontex rettet Flüchtlinge bei schwerem Sturm vor Griechenland +++ Dresden: Zwei Millionen Besucher zum Großen Planetenfest der Europäischen Union erwartet +++ Berlin: Mysteriöser Todesfall an der Charité gibt Rätsel auf +++ Wetter: Schneefall zunehmend, sinkende Temperaturen +++

 

Die Leute drängeln sich an den Kassen. Bisschen eng hier fürs Fahrrad. Rechts eine geschwungene Freitreppe. Absperrkette mit Hinweistafel: VIP-Bereich. Als gerade keiner guckt, klinkt sie die Kette aus, schultert ihren Drahtesel und steigt hoch.

Stapelweise Planetenfest-Programme kein Schreibtisch besetzt. Evi klingelt mit der Fahrradglocke. Jemand niest. Ein japanisches Mangamädchen lugt hinter seinem Monitor hervor. Blau-weißes Käppi und Kostüm im allgegenwärtigen Astro-Europa-Design. Reste weißen Pulvers dekorieren ihre Nasenlöcher.

»Ja bitte?«

»Hier: der Gutschein von meinen Freund fürs Hotel und das Festivalticket.«

Die Hostess trippelt heran und rückt ihr Käppi zurecht, ein bisschen zu hektisch. Ihre Pupillen sind winzig wie Stecknadelköpfe.

»Sorry, das ist personalisiert. Ausgabe nur gegen Ausweisvorlage. Haben Sie damit ein Problem, reihen Sie sich bitte in die Warteschlange ein. Dort, am Fuß der Treppe. Kollegin kommt gleich. Hatschi!«

»Schatzi, du hast Schnee unter der Nase. Koks ist geil, nicht? Fühlt sich an, als ob man fliegt – gell?«

Die Euro-Hostess fährt sich mit einem Papiertaschentuch im Gesicht rum. Nach leichtem Zögern streckt sie der Bäckereifachverkaufsgehilfin ihre Hand entgegen.

»Amaterasu-ō-mi-kami. Kulturpraktikantin von der Universität Tokyo. Kannst mich Ama nennen.«

»Und du mich Evi.«

»Okay. Lass mich überlegen … Wegen des Tickets frage Herrn Morgenstern. Oh nee, besser nicht. Der vermasselt alles, macht uns verrückt. Probier es mit Piet, dem Grapscher. Lass ihn fummeln, dann ist er gnädig. Weiß ich aus Erfahrung. Es gibt noch diesen polnischen Rundschädel. Knallharter Sicherheitsberater des Festivals. Bildet sich total was drauf ein. Die drei Herren sind drüben im Semperoper-Foyer. Das mit dem Pulver …«

»… bleibt unter uns, Ama.«

Zur Bekräftigung des Schwesternschwurs bestätigt sie die Glocke ihre ollen Drahtesels.

»Pass auf, Evi: Gleich holt Prinz Harry seine Freikarten ab. Platz fünf der englischen Thronfolge! Wenn er auftaucht, ist die Hölle los. Auf der Website der britischen Sun heißt es, er reist inkognito, im Geheimauftrag der Queen. Exit vom Brexit und dergleichen. Paparazzis haben ihn bereits drüben im Hotel gesichtet. Ich muss voll da sein, verstehst du? Normalerweise hat die Festivalchefin hier alles im Griff. Momentan weiß keiner, wo sie steckt. Ungeheuer stressig, die Dame. Schikaniert jeden rum. Könnte sie glatt umbringen. Oh Gott, da ist er, in Begleitung von Herzogin Meghan, der Duchess von Sussex. Cooler Inkognito-Look.«

Ein Punker mit Gesichtsdekoration erklimmt die Treppe. An seiner Seite ein mageres Gerippe mit ausgefransten Ohrmuscheln.

»Hello Ladies!«

Ama grüßt mit »Königliche Hoheiten« und niest schon wieder. Anschwellendes Stimmengewirr am Fuß der Treppe. Autogrammjäger und die Pressemeute drängeln sich hoch. Evi muss sich am Geländer festhalten, um nicht totgetrampelt zu werden.

Bloß raus aus diesem Irrenhaus!

 

 

Dresden – 11:27 Führungsetage des Kongresszentrums

 

Totale Entspannung jenseits von Zeit und Raum. Er ist betäubt, aber nicht tot. Liegt auf dem Rücken. Sieht sternenklares Flimmern hinter den geschlossenen Augendeckeln, hört leises Stimmengemurmel. Atmet flach, vermeidet jede von außen sichtbare Bewegung.

Wenn es ihm gelingt, mikromillimeterweise die Augenlider zu öffnen und zwischen den Wimpern hindurch einen Blick auf die feindliche Umgebung werfen, ist das Überraschungsmoment auf seiner Seite, wird er die Situation mit gezielten Handkantenschlägen in Weichteile klären. Falls Pistolen oder Gewehre griffbereit liegen, ist er zum finalen Kopfschuss bereit. Solche Kampfsporttechniken lernt man weder beim Antiterrortraining der Bundeswehr, noch im Auslandseinsatz der Spezialkräfte, geschweige denn auf der Sächsischen Polizeiakademie in Rothenburg.

Möglich, dass die Villa Bärenfett in Radebeul spezielle Kurse anbietet. Schließlich ist sie die Wohnstatt von Karl May, dessen Abenteuerromane Max seit frühester Kindheit gelesen hat. Winnetou und Old Shatterhand, betäubt und gefesselt am Lagerfeuer. Befreiten sich heimlich von den Fesseln, scannten die Umgebung durch unmerkliches Blinzeln und überwältigten die Feinde. Eine Technik, die Max bislang nur theoretisch erprobte.

Jetzt also die Praxis. Mit äußerster Konzentration wagt der Polizeistudent den Wimpernblick.

»Voilà, unser kleiner Held ist aufgewacht. Eine kleine Stärkung, Monsieur? Frisch aus Brüssel!«

Eine betagte Dame, feingliedrig und von dezenter Eleganz, lächelt ihm aufmunternd zu. Mit leicht zittrigen Händen hält sie ihm einen Pralinenkasten entgegen. Seine automatischen Kampfreflexe verzögern sich, bedingt durch eine Schmusedecke, in die er gehüllt ist. Zudem behindert ein mit Kölnisch Wasser beträufeltes Taschentuch auf seiner Stirn die Sicht. Notgedrungen muss er sich der Übermacht beugen.

Feinherbe Schokolade schmilzt auf seiner Zunge. Likörsaft tropft ihm übers Kinn. Die nächste Weinbrandbohne ist in Goldpapier eingewickelt. Er leckt sich die Finger ab, bevor er wieder zugreift.

»Positiv.«

»Très bien. Dazu ein stärkendes Getränk? Pardon, ich habe mich nicht vorgestellt: Claire D’Etoiles, Alterspräsidentin des Conseil de l’Europe zu Straßburg.«

Sie greift mit ihren schmalen, knochigen, aber gepflegten Fingern zu einem Porzellanservice. Würziger Kaffeeduft steigt auf. Max lässt etwas Sahne aus einem filigranen Kännchen dazutun, schaufelt mit dem ihm angebotenen Silberlöffel Zucker rein und rührt um.

»Doppelt positiv.«

Max schaut sich um. Ein großzügiger Raum mit breiter Fensterfront vom Boden bis zur Decke, vor der ein stattlicher Christbaum mit bunten Kugeln steht.

Der Blick weitet sich, schweift hinaus zum Altstadtpanorama mit den Zuschauertribünen am Schlossplatz. Prunkvoll mit Fahnen geschmückt die altehrwürdige Augustusbrücke.

Eisschollen treiben auf dem Fluss. Festbauten auf den Elbwiesen. Klare Sicht zu bewaldeten Hügeln, auf denen der Dresdner Funkturm thront. Dahinter lässt sich schemenhaft die Felslandschaft der Sächsischen Schweiz erahnen.

 

Die Tür öffnet sich. Ein betagter Herr in feinem Zwirn tritt ein, grau in grau gekleidet, Hemd mit Stehkragen. Wollpullover und Wollhose, dazu leichter Wintermantel, wie maßgeschneidert. Der alte Penner vom Alexanderplatz ist frisch rasiert, riecht nach frisch gebadet und hat sich mit edlem Herrenparfüm besprenkelt. Kaum wiederzuerkennen.

»Das Hingeworfensein des Fischbocks durch uranischen Elektronenblitz erfordert frohlockendes Verspeisen. So der Magen gestärkt, spann er an, seinen Sonnenwagen. Auf gehts, bis ans Ende der Welt!«

Max verschluckt sich an einer Praline. Seine Kaffeetasse schwappt über.

Die Alterspräsidentin des Europarats reicht ihm eine mit Brüsseler Spitzen verzierte Stoffserviette und wirft Scultetus einen strengen Blick zu.

»Zuerst muss er sich erholen.«

Sie schenkt Max Café noir nach und lächelt.

»Monsieur l‘étudiant policier, ich möchte mich im Namen der Direktion für die Komplikationen entschuldigen. Ein Missverständnis. Sie haben Großartiges geleistet. Doch Scultetus ist weiterhin in Gefahr. Et de plus, mit ihm das ganze Festival. Ein Attentat auf den Stargast? Quel blamage für die Europäische Idee! Man müsste ihn in Sicherheit bringen, auf Reisen schicken. Die gelben Couverts an unseren Meister und an Madame Celestico, sie enthalten exactement die gleiche Substanz, so die Laboranalysen in Berlin und Dresden: Zyanid, auch Blausäure genannt, gewonnen aus dem Kern bitterer Mandeln.«

Die Französin deutet auf den Couchtisch. Dort liegt, in transparente Klarsichtfolie eingeschweißt, das gelbe Couvert, das Scultetus beinahe angeleckt hat, zusammen mit einem Anschreiben der Zentralbank und dem bunten Eurohoroskop. Daneben die Gutachten der Chemielabore.

Der Alte macht eine unwirsche Handbewegung.

»Papperlapapp, Claire! Machs Bürschlein nicht verrückt. Kein passenderer Ort im Weltenkreise als die ehrwürdige Semperoper, um auf offener Bühne den Heldentod zu sterben. Ich bin bereit.«

Madame D’Etoiles bittet zu sich aufs Sofa, streicht ihm eine Wimper aus dem Augenwinkel.

»Mon ami, denke stets an den großen Plan! Das Fest soll den Gedanken Europas stärken. Doch was ist Europa ohne seine Währung, den Euro? Du weißt, wie verzweifelt die Situation der Gemeinschaftswährung ist. Nach dem Abschlussball kommenden Samstag geht es direkt zur Zentralbank, noch in der Nacht. Das Direktorium, speziell die neue EZB-Chefin, erwartet deine Horoskopaufstellung. Und sie hoffen auf deine alten Klienten, deine ehemaligen Schüler, auf all jene, die unter deiner Anleitung zur wirtschaftlichen Elite Europas aufgestiegen sind. Auf dich hört man. Du hast einst den russischen Präsidenten beraten!«

»Ach Claire, das ist schon lange her.«

»Mon cher! Als du kamst, wirktest du, gestatte mir die Bemerkung, etwas derangiert. Während dein tapferer Knappe ruhte, hat unser Jovis an dir wahre Wunder vollbracht. Dank sei den Kostüm- und Maskenbildnern des Theaters. Frisch wirkst du, standesgemäß gekleidet. Doch wo ist der Glanz deiner Augen geblieben? Wie strahltest du damals, vor drei Jahren in Berlin. Quel mystère …«

Scultetus senkt sein Haupt. Die Französin zieht geistesabwesend ihre langen Fingernägel über die Glastischplatte. Ein Geräusch, das unter die Haut geht.

Max wickelt sich aus der Schmusedecke, schlendert durch den Raum. Er presst sein Gesicht an die Scheibe.

Unten am Fuß der Freitreppe zum Eingangsportal ruht der Phaeton, leckt sich die Narben und Beulen des Kampfes. Der Sonnenwagen. Im Galopp über Felder und Wälder. Drüben am anderen Elbufer bauen sie eine Freiluftbühne auf. Mächtig gewaltig, die Lautsprechertürme. Soundcheck. Tiefe Bässe.

»Monsieur Max. Ça va, ça va bien? Ist alles gut, sind Sie reisefertig?«

Der Polizeistudent meint, seine Freundin sei auf dem Weg nach Dresden. Wollte eigentlich mit ihr aufs Fest. Sie backstage reinschmuggeln, weil, für so ne richtige VIP-Party ist sie nicht angezogen. Andererseits, er ist fit wie ein Turnschuh. Und der Wagen habe ja auch nur ein paar Dellen abbekommen. Echt starkes Gefährt. Keine Ahnung, was er als Bodyguard jetzt machen soll. Fürchterlich kompliziert das, praktisch unlösbar.

»Theoretisch schon!«, kontert die Französin..

Sie setzt sich, zückt ihr Handy, spricht in ruhigem Ton, der keinen Widerspruch duldet, mit diesem Europol-Mann. Swarożyc Gwiazdek möge einer jungen Dame, die passende Garderobe besorgen. Unangemeldeter Extragast bei der Abendveranstaltung.

Er wisse nicht, er könne nicht, er habe keine Zeit? Nun, Claire D’Etoiles müsse als Repräsentantin des Conseil de l’Europe die Delegationen aus Norwegen, Russland, der Türkei und dem Vatikan empfangen. Wolle er das für sie übernehmen? Nein? Dann lieber vollste Verantwortung für Fräulein Evi, die Begleiterin des Polizeistudenten, die sein Hotelzimmer bekommt? Très bien, sehr gut! Man sehe sich dann beim Fest.

Max meint, seine Evi, die stehe total auf Klamotten. Glaube er jedenfalls. Im Backwagen vor der Polizeiakademie habe sie immer nur ne Kittelschürze aus Plastik getragen. Bei ihm oben auf der Studentenbude … eigentlich nichts. Nur diese selbst gemachten Handschuhe aus abgeschnittenen Wollsocken, wo die Fingerspitzen rausgucken wie neugierige Mäuse.

»Mäuse?«

Die Französin schaut sich irritiert um und schlägt die Beine übereinander.

»Monsieur Max, was zeichnet Ihre Liaison mit Evi aus?«

Er schnippt an einer der Kristallkugeln, die am Tannenbaum hängen. Sie ist die größte, orange bemalt.

Insgesamt hängen da neun Kugeln. Eine mit einem Ring aus Plexiglas, eine andere mit großem Fleck, die nächste in Blau mit weißen Streifen. Wolkenstreifen, darunter blaues Meer und … Kontinente! Die Erde, das mit dem Ring Saturn, der Fleck Jupiter, rot der Mars, in orange die Sonne. Er nimmt die blau-weiße Christbaumkugel ab, dreht sie zwischen den Fingern.

»Wann sind wir zurück?«

»Beim großen Abschlussball. Bis dahin kümmern wir uns um Ihre Verlobte. Monsieur Max, Sie brauchen ein Reisebudget. Sagen wir tausend pro Tag und pro Person? Plus etwas mehr, man weiß ja nie? Ich veranlasse, dass man Ihnen gleich Geld aushändigt.«

»Wohin gehts?«, fragt der Bodyguard.

Scultetus klopft sich auf die Schenkel. Abenteuerlust glänzt in seinen Augen.

»Claire, ich schlage vor, wir machen einen Zwischenstopp beim Repräsentantenhaus. Weiter geht es zum Ende der Welt. Dann der Dreifachstern Sirius. Und kennst du die Rennbahn, auf der die Planeten im Kreise wandeln? Arrangiere Begegnungen mit alten Freunden, auf dass ich mich für das Projekt Zwölf Sterne einsetze. Lade sie auch zum Abendmahl ein. Anschließend Nachtmeerfahrt und zur Spitze des Vulkans. Von dort ist es nicht weit zu deinen Steinalleen, vorausgesetzt, du arrangierst uns ein Gefährt. Zum Kreisritual jenseits des Kanals müssten wir fliegen, ebenfalls zur Venusinsel. Ein gewaltiges Unterfangen, zumal du alte Kontakte auffrischen müsstest, derweil ich mit dem Bürschchen dort die Galaxien durchquere.«

»Alles klar, Chef. Was ist mit Raketen und Raumanzügen?«

»Papperlapapp! Claire, kannst du das arrangieren?«

Der Alte, anscheinend hellauf begeistert von seinen Reiseplänen, will die Französin umarmen. Sie stößt ihn sanft weg.

»Un moment, s’il vous plaît. Lasst mich nachdenken. Très difficile, kaum Zeit zur Organisation, zumal … meine Festansprache. Allerdings, du bist in der Tat in Gefahr. Swarożyc Gwiazdek berichtet, Europol habe zwei weitere Zyanid-Couverts abgefangen, adressiert an Astrologen, die zum Fest geladen sind. Du müsstest sie kennen, Scultetus. Sie sind auf der Gästeliste, die wir dir vorab übersenden sollten.«

Ein helles Klirren am Weihnachtsbaum. »Ach ja?«

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