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Den Weg gehen

Hinweis

Dieses Buch ist kein medizinischer oder ärztlicher Ratgeber. Sollten sich bei den hier erläuterten Übungen gesundheitliche Probleme oder Zeichen einer Erkrankung zeigen, ist deshalb unbedingt ein Arzt zu konsultieren.

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Zugang

Motive und Erfahrungshintergrund

Welchen Sinn hat Meditation?

dao

Daoistische Meditation – was ist das?

Meditation – wie geht das?

Innere und äußere Voraussetzungen für den Beginn

Leibliche Voraussetzungen

Emotionale Voraussetzungen

Geistige Voraussetzungen

Umweltbedingungen

Meditation zum dao

Verlauf der Meditation

Einstieg - Ankunft

Schritt L1: Lösen im oberen Zentrum

Schritt L2: Lauschen

Schritt L3: Inneres Lächeln

Schritt T4: Lösen im Leib

Schritt T5: Sammlung im xia dan tian

Schritt T6: Sinken

Schritt T7: Fließen

Aufenthalt – die Annäherung an dao

Schritt W8: alle Begierden ablegen (aus dem Käfig der Begierden flüchten)

Schritt W9: alle Wünsche wegschicken (aus dem Labyrinth der Wünsche finden)

Schritt W10: das Ego ablegen

Schritt W11: die Leere annehmen

Schritt W12: an das Nichtsein annähern

Rückkehr

Schritt W13: vom Nichtsein abwenden

Schritt W14: die Leere verlassen; Seiendes wieder einströmen lassen

Schritt W15: das Ego wieder zulassen

Schritt W16: die Wünsche wieder hören

Schritt W17: die Begierden wieder erleben

Schritt T18: die schnellen (Atem, Puls) und die langsamen Transformationen

wieder fühlen

Schritt T19: Steigen

Schritt T20: xia dan tian

Schritt T21: die Entspannung wahrnehmen und weiter führen

Schritt L22: wieder lächeln

Schritt L23: wieder lauschen nach außen

Schritt L24: wieder yin tang spüren und entspannt bleiben

Hinweise zum Gesamtverlauf

Wandlungsphasen

Umgang mit Autosuggestionen

Logik

Unterstützende Atmung

Atemtechniken

Resümee

Literatur

Bildnachweis

Biographisches

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: dao und wu ji 26

Abbildung 2: wu ji 26

Abbildung 3: tai ji 27

Abbildung 4: wu ji und tai ji 28

Abbildung 5: Grundverständnis von dao 30

Abbildung 6: Innerer Raum 39

Abbildung 7: Fjordlandschaft in Norwegen 40

Abbildung 8: Caspar David Friedrich - Der Wanderer über dem Nebelmeer (um 1818) 42

Abbildung 9: Am Meeresufer (Ahrenshoop, Ostseeküste) 43

Abbildung 10: dao, wu ji und tai ji 51

Abbildung 11: Oberfläche und dao 56

Abbildung 12: dao, wu ji und tai ji als Welthorizonte 58

Abbildung 13: Der Brunnen der Meditation 59

Abbildung 14: Verlauf der Meditation 60

Abbildung 15: Verlauf der Einstiegsphase 62

Abbildung 16: yin tang und Entspannung des Gesichts 63

Abbildung 17: Zwischen Wünschen, Begierden und dao 75

Abbildung 18: Schwarze Katze in dunkler Nacht 77

Abbildung 19: Zusammenfassung des Verlaufs 86

Abbildung 20: Lage von xia dan tian 95

Abbildung 21: Zusammenfassung des Verlaufs zurück 98

Abbildung 22: Gesamtverlauf 99

Abbildung 23: Wandlungsphasen (wu xing) 102

Abbildung 24: Die Schritte der Meditation in den Wandlungsphasen 104

Abbildung 25: Atemkreislauf 113

Abbildung 26: Einfache Bauchatmung 115

Für Dietlinde

Einleitung

So ganz nebenbei sprach mich ein Freund eines Tages auf ein Thema an, welches mich im Hintergrund schon lange und zunehmend beschäftigte: die Frage, wie man durch Meditation die innere Entwicklung wahrnehmen kann, wie man nach der Wahrnehmung auch zu einer inneren Steuerung kommt und schließlich, wie man diese Fähigkeiten vermitteln kann.

Bei meiner Befassung mit Meditationen und in meiner Praxis lernte ich, dass Meditationslehrer sehr unterschiedlich vorgehen und es auch über die Frage, was Meditation sei und wie man sie erlernen könne, viele unterschiedliche Sichtweisen gibt. Das kann einen leicht zu der fatalen Haltung bringen, wonach jeder in seiner Fasson nur selig werden kann. Aber das möchte ich so nicht hinnehmen. Lieber vermute ich, die „Techniken“ zur wirksamen Meditation seien trotz ihres hohen Alters noch längst nicht ausgereift. Wahrscheinlich braucht auch jede Zeit die zu ihr passenden Verfahren des Lernens, denn dessen Bedingungen verändern sich ja ebenso ständig. Und vielleicht kann man sie auch deshalb nicht wie ein standardisiertes ABC lernen.

In meiner Praxis habe ich ebenso erfahren, dass die Dauer von Semesterkursen nicht ausreicht, um über einige Grundlagen hinaus zu kommen. Um dies zu schaffen, muss man wenigstens zweimal wöchentlich und zwei bis drei Jahre konsequent daran arbeiten. In einem Kurs oder einigen Seminaren kann man erst mal nur an den Grundlagen wirken. Das Gebäude aufbauen und funktionsfähig machen – dazu reicht ein halbes Jahr nicht. Natürlich taucht dann die Frage auf, wer eine solche Ochsentour überhaupt mitmachen will. Vielen genügt es, wenn sie ein bisschen Entspannung spüren und sich bei den Übungen wohlfühlen. Aber eigentlich sind die meisten Übungen nur Vorübungen, um an das große Ziel, die Meditation, heran zu führen. Wie wichtig dieses Ziel ist, spürt man erst mit der Zeit, wenn man tiefer geht. Dann wird die Notwendigkeit immer deutlicher, die einen Zugang zum inneren Selbst zu finden fordert. Natürlich geht es auch darum, Distanz zu dem Geschrei der Welt zu bekommen. Aber wichtiger ist es, die Zumutungen und Verletzungen zu überleben, die man im Leben aushalten soll.

Philosophisch bewanderten Lesern wird bei der Beschäftigung mit Meditation nicht verborgen bleiben, welch gedankliche Anregungen sich dazu in der epikureischen Ethik finden lassen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der hier erläuterten daoistischen Meditation und den Vorstellungen Epikurs beispielsweise zum Seelenfrieden (Ataraxie) scheint mir zu sein, dass Epikur zwar auch pragmatische Lebensratschläge und Regeln gibt, ihre Einhaltung aber durch rationale oder Vernunftgründe argumentativ zu erreichen sucht. Die daoistische Meditation schlägt auf ihrem Erfahrungshintergrund vor, dem Weg des unmittelbaren Praktizierens zu folgen und dabei eigene Erfahrungen zu sammeln.

Die Einleitung abschließend möchte ich auf die im Text enthaltenen Verweise auf den daoistischen Basistext, das „dao de jing“ von Lao dse, aufmerksam machen. dao de jing – das Buch vom dao und vom de. Wie aus dem Literaturverzeichnis ersichtlich, wechselte die Schreibweise in der Umschrift aus dem Chinesischen in westliche Sprachen über die Zeiten und Autoren. Ich habe mich hier für die Variante „dao de jing“ entschieden. Wenn im folgenden Text von „Versen“ die Rede ist, bezieht sich dies stets auf die Verse des dao de jing des Lao dse. Hinter der Versnummer habe ich in eckige Klammern den Namen des Übersetzers vermerkt, so dass damit die Kohärenz zum Literaturverzeichnis gewahrt bleibt.

Wackerow, im Januar 2019

Zugang

Wahrscheinlich ist Meditation ein Kontinent, der von jeder neuen Generation wiederentdeckt werden muss. Zu schnell wandelt sich die Welt, zu tiefgreifend verändert sich auch immer wieder die Sicht auf das, was wir „die Welt“ nennen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – bleibt ein Bedürfnis, das eigene Innenleben zu erforschen und es in ein konstruktives Verhältnis zu dieser dynamischen Welt zu bringen.

Das Erlernen von wirksamer und hilfreicher Meditation ist jedoch eine schwere Aufgabe. Viele Autoren haben sich schon daran versucht, ihren Lesern einen möglichst pragmatischen Weg in die Meditation zu bauen. Über den Erfolg oder Misserfolg solcher Anleitungen ist nicht viel bekannt. Dessen ungeachtet gibt es mit diesem Text einen neuen Versuch, Suchenden einen Weg durch die Untiefen der Meditation zu weisen. Um dies zu erreichen, setzt es vor allem auf Klarheit in all seinen Aussagen. Wer immer sich für Esoterik und Mystik interessiert, ist hier deshalb nicht richtig.

Meditation erfordert zunächst den Willen, sich aufzumachen und diesen Weg zu gehen, gleich wie holprig und staubig er sein wird. Wenn man sich unsicher ist, ob die eigenen Kräfte, die Konzentrationsfähigkeit, der Langmut, die Ausdauer und der Fleiß für diese Aufgabe ausreichen werden, empfiehlt sich zunächst ein Ausprobieren. Damit lässt sich zeit- und kräftezehrende Arbeit vermeiden, weil man erfolglose Versuche dann schnell wieder beenden kann. Es lässt sich zwar sagen, dass prinzipiell jeder Mensch auch lernen kann, wie man meditiert. Nur sind die jeweiligen äußeren und inneren Umstände, unter denen Menschen dies versuchen, nicht immer optimal. Insofern ist es manchmal besser, für einen Beginn auf später günstigere Bedingungen zu hoffen. Sind diese da, dann lohnt es sich auch, den Hinweisen dieses Textes zu folgen.

Sein Inhalt sagt einiges darüber, was Meditation ist. Jedoch wird er sich nicht an Definitionen oder an einem abschließenden Umriss dessen verheben, was Meditation alles sein kann. Vielmehr möchte ich auf den wichtigsten Grundlagen, einigen Erläuterungen und Übungselementen eine pragmatische Anleitung zusammenführen. Am Ende wird daraus hoffentlich ein sinnvolles Bild entstehen, eine hilfreiche Handreichung.

Meditation ist unter anderem der Versuch, ein Paradoxon zu handhaben. Dies geschieht nicht zum Selbstzweck, sondern um in den Widersprüchen und Unübersichtlichkeiten des Lebens nicht die Orientierung zu verlieren und nicht unterzugehen. Das klingt bereits widersprüchlich. Aber Paradoxa sind ja gelegentlich eigen, logische Zusammenhänge außer Kraft zu setzen.

Das Paradoxe der Meditation kann in sehr unterschiedlichen Formen erscheinen. Im Kern und in extrem verdichteter Form lautet es immer:

Sei Nichts, damit Du sein kannst.

Formuliert man dies etwas weiter aus, dann geht es darum, sich als Person immer wieder für bestimmte Zeitabschnitte aus dem Toben der Welt herauszunehmen, ja sogar den Kontakt zu den eigenen Gedanken und Gefühlen zu unterbrechen und andere Verbindungen einzugehen. Diese absichtlich herbeigeführte Distanz erlaubt u. a., einen Blick von „Außen“ auf das Geschehen zu werfen, in das jeder involviert ist. Die Gefahr, von den Anforderungen des Lebens und des Alltags aufgefressen zu werden, ist fast jedem bewusst. Daran zu leiden, daran mitunter zu erkranken und die eigene Verletzlichkeit vor Augen geführt zu bekommen – dies kennt jeder, der über etwas Lebenserfahrung verfügt. Den destruktiven Prozessen etwas entgegen zu setzen ist uns aber nicht in die Wiege gelegt. Dies muss man erst lernen. Und Meditation lernen meint die Fähigkeit, sich nicht für eine Weile in ein Kloster zurück zu ziehen, um mit sich selbst zu schweigen, zu beten oder „zu sich zu finden“. Meditation geht einen wesentlichen Schritt weiter. Sie versucht möglichst nahe an eine Unterbrechung nicht nur des alltäglichen, sondern des grundsätzlichen Seins heranzukommen – freilich ohne die Schwelle zum Tod tatsächlich zu überschreiten. Aber sie nähert sich physiologisch und besonders psychisch-mental dem Zustand des Nichtseins an. Und wohl jeder, dem dies einmal gelang, war erstaunt darüber, welch starken Sog die Leere dieses Nichtseins dahin entwickelt, wieder in die Fülle zu kommen.

In daoistischen Traditionen der Philosophie wird dieser Zustand des „Nichtseins, um sein zu können“, als wu wei bezeichnet1. wu wei bedeutet, dass Sein und Nichtsein nicht nur irgendwie aufeinander angewiesen sind, sondern so sehr, dass eines ohne das andere vollkommen undenkbar ist. Sie treten nur gemeinsam auf. Dieses Gemeinsam-Sein bildet ein gegenseitiges, sich bedingendes Verhältnis von Seiendem und Nichtseiendem, und damit auch den ständig sich verändernden Übergang bzw. das produktive Verhältnis zwischen beiden ab. Es trägt deshalb in sich die Vorstellung, dass es nichts Absolutes geben kann, gleich ob Seiend oder Nichtseiend.

Meditieren kann schlicht heißen, sich von allen Gedanken abzulösen, sich zu trennen, vor allem von allem Sozialen2. Alle Wünsche und Begierden als solche zu erkennen und ihnen durch Erkenntnis und Abtrennen den zerstörerischen Teil ihrer Kraft zu nehmen. Alle Wahrnehmungen nach innen zu verlagern. Fühlen, ohne dabei zu denken. Sein, ohne zu denken.

Wenn dann alle Gedanken schweigen – was hören wir dann in uns? Wenn alle Gedanken zum Stehen kommen – wer setzt sie dann wieder in Bewegung? Wie soll das gehen?

Wir können uns entsprechend unserer Erfahrung allmählich ein Bild davon machen, was Meditation für uns und unser Leben bedeuten kann. Wenn das gelingt, lassen sich auch konkrete Ziele für das Erlernen und Praktizieren der Meditation bestimmen. Dann müssen wir nur noch eine angemessene Methode finden, um sie zu erlernen und in den Alltag als Konstante zu integrieren. Manche Meditationsschulen haben als Ziel, eine sogenannte natürliche Präsenz zu entwickeln und diese längere Zeit aufrecht zu erhalten. Sie nutzen dazu beispielsweise Methoden wie das innere Lächeln aus buddhistischer Tradition und befassen sich mit Energiekanälen, Chakren, dem stillen Verweilen (Shamatha) oder dem tiefen Schauen (Vipassana). Einiges davon wird man auch hier wiederfinden, denn in dem, was während des Meditierens getan wird oder abläuft, müssen sich natürlich viele Gemeinsamkeiten finden: Schweigen, Entspannung, Atmung, Ablösung, Konzentration im dan tian, Stille. Alles das. Aber was auf einem eigentlich esoterischen Grund dann religiöse oder ideologische Ziele aufbaut, habe ich hier konsequent eliminiert.

An dieser Stelle möchte ich etwas darüber sagen, was Meditation in dem von mir gemeinten Sinne nicht ist. Meditation meint hier nicht:

Entspannungsübungen wie bspw. die progressive Muskelrelaxation,

Gebete,

Nachsinnen über etwas,

Schlafen,

Ekstatische Zustände im Sport oder beim Sex,

Rauschzustände durch Alkohol oder andere Drogen, oder

Nahtoderfahrungen.

Zwei weitere Hinweise erscheinen mir sehr wichtig. Es ist dringend zu empfehlen, nicht nur bei einem, sondern möglichst bei mehreren Meditationsmeistern zu lernen. Sind solche nicht in der Nähe, dann sollte man aufmerksam bleiben. Vielleicht bringen Zeit und Lebensweg doch eine Begegnung mit einem Lehrer. Keinesfalls sollte man den Versuch unternehmen, nur diesen Text oder einen anderen dazu zu benutzen, um einen eigenen Meditationskurs zu starten.

Denn dies ist nur ein Text. Er kann keine Antworten geben, wenn beim Erlernen von Meditation Schwierigkeiten auftauchen, die nur durch eine praktische Beratung, im Gespräch oder durch gemeinsames Üben geklärt und ggf. gelöst werden können. Er kann auch das lebendige Vorbild eines Meisters nicht ersetzen.

Doch: kein Meister ist ein Idol. Jeder von ihnen ist nur ein Mensch wie jeder andere auch, hat Fehler und Schwächen. Ich rufe dies in Erinnerung, um auf das Problematische und Verdächtige hinzuweisen, welches jedem Personenkult, jedem Führertum, Charisma und jedem Guru anhaftet.

1 Dies wird es auch in konfuzianischen Traditionen, gründet dort aber eher auf einen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, also eine auch zeitlich zu verstehende Abfolge. Das Konzept der Kausalität als grundlegende Welterklärung wird aus daoistischer Sicht jedoch als kritikwürdig eingeschätzt.

2

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