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Dem Highlander ergeben

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Er wurde verbannt, und alles war verloren. Doch seine Zeit wird kommen. Wenn der schlafende Löwe erwacht, werden die MacEwens ihn brüllen hören.

Das Orakel, 3. März 1718

Äußere Hebriden, Schottland

1. KAPITEL

Burg Kinloch

Schottische Highlands, Juli 1718

Kurz bevor der Angriff begann, erwachte sie aus einem furchtbaren Traum.

Gwendolen MacEwen schreckte keuchend hoch und blickte verwirrt zum Fenster. Es war nur ein Traum, sagte sie sich und versuchte, ihren Atem zu besänftigen. Später würde sie diesen Traum als böses Omen deuten, doch jetzt sah in ihm nur einen Streich, den ihr der Schlaf in dieser dunklen Nacht gespielt hatte.

Da an Schlaf nicht mehr zu denken war, schlug Gwendolen MacEwen die Decken zurück, schwang ihre Beine über die Bettkante und griff nach ihrem Morgenrock. Um sich vor der morgendlichen Kühle zu schützen, zog sie den warmen Stoff eng um ihre Taille. Sie trat ans Fenster und blickte hinaus in die Dämmerung.

Ein neuer Tag brach an. Endlich. Gwendolen schloss die Augen und betete stumm für die Rückkehr ihres Bruders Murdoch. Die MacEwens brauchten ihren Anführer, und wenn Murdoch nicht bald heimkehrte und seinen Platz in Anspruch nahm, würde es vielleicht ein anderer tun. Im Dorf wuchs der Unmut. Gwendolen wusste es von ihrer Zofe, deren Schwester mit dem Wirt der Bierschenke verheiratet war. Und jetzt, nach diesem Traum …

Im Burghof ertönten plötzlich die Hörner.

Gwendolen sah verwundert aus dem Fenster. Was in aller Welt riss die Schlossbewohner so früh am Morgen aus dem Schlaf?

Da ertönten die Hörner ein zweites und gleich darauf ein drittes Mal.

Gwendolen erschauderte. Sie wusste, was dieser Ruf zu bedeuten hatte. Er kam von der höchsten Burgzinne und warnte sie alle vor einer Gefahr.

Gwendolen hastete zur Tür hinaus und eilte die Turmstufen hinauf.

„Was ist los?“, fragte sie den Wachmann, der in der kalten Morgenluft nervös auf und ab lief. Er schnaufte angestrengt, und sein Atem hing wie eine kleine weiße Wolke in der Luft.

Er deutete über die Zinne. „Seht dort, Miss MacEwen!“

Gwendolen stellte sich auf die Zehenspitzen und beugte sich über den Wehrgang hinaus. Im ersten schwachen Tageslicht erkannte sie unzählige Gestalten auf dem freien Feld vor der Burg. Es war eine Armee, die eilig vom nahen Wald aus auf Burg Kinloch zustrebte. Einige der Männer gingen zu Fuß, andere ritten auf Pferden.

„Wie viele Männer sind es?“, fragte Gwendolen.

„Mindestens zweihundert“, erwiderte der Wachmann, „vielleicht aber auch mehr.“

Gwendolen trat von der Zinne zurück und sah den Mann unverwandt an. „Wie viel Zeit bleibt uns?“

„Höchstens fünf Minuten.“

Sie wandte sich um und erblickte ein zweites Mitglied ihres Clans, das gerade mit der Muskete in der Hand durch die Tür ins Freie stürzte. Schreckensstarr blieb der Mann vor ihr stehen.

„Sie sind wie aus dem Nichts aufgetaucht“, keuchte er. „Wir sind verloren. Flieht, Miss MacEwen, bevor es zu spät ist.“

Zornig trat Gwendolen einen Schritt auf ihn zu. Sie packte den Mann mit beiden Händen am Hemd und schüttelte ihn grob. „Wenn Ihr das noch einmal sagt, Sir, lasse ich Euch enthaupten!“ Dann drehte sie sich zum Wachmann um. „Geht und weckt den Steward.“

„Aber …“, stotterte der Wachmann.

„Sofort!“

Sie hatten keinen Anführer. Ihr Vater war tot, und der derzeitige Befehlshaber der Wachen verbrachte seine Nächte seit dem Tod des Burgherrn lieber im Dorf. Und Gwendolens Bruder Murdoch war noch immer nicht von seiner Reise auf den Kontinent zurückgekehrt, also blieb ihnen jetzt nur der Steward. Gordon MacEwen war ein Gelehrter und verstand mehr als jeder andere von Büchern und Zahlen, aber er war kein Kämpfer.

„Ist diese Waffe hier geladen?“, fragte Gwendolen den völlig verblüfft dreinschauenden Mann, den sie gerade noch zurechtgewiesen hatte. „Habt Ihr genügend Schwarzpulver?“

„Gewiss.“

„Dann legt an und verteidigt das Tor!“

Der Mann hastete zur Brüstung, während Gwendolen den Blick über den Burghof schweifen ließ, wo sich endlich auch die übrigen Mitglieder ihres Clans versammelten. Fackeln waren entzündet worden, und in der allgemeinen Verwirrung schrien alle durcheinander.

„MacEwens, hört mir zu!“, rief Gwendolen resolut. „Eine Armee stürmt aus Richtung Osten auf uns zu! Wir werden angegriffen! Bewaffnet euch und besetzt die Wehrgänge!“

Erst jetzt, als aller Augen auf sie gerichtet waren, wurde Gwendolen richtig bewusst, dass sie nur ihren Morgenrock trug.

„Du da!“ Sie deutete auf einen Jungen. „Hol dir ein Schwert! Dann versammle die Frauen und Kinder um dich und bringe sie in die Kapelle. Verbarrikadiert die Türen und bleibt dort, bis der Kampf vorüber ist.“

Der Junge nickte tapfer und rannte in Richtung Waffenkammer.

„Es sind die MacDonalds!“, rief einer der Wachmänner vom gegenüberliegenden Turm. Es war Douglas MacEwen, ein guter Freund und fähiger Kämpfer.

Sie raffte den Morgenrock und eilte zu ihm hinüber. „Bist du sicher?“

„Ja, schau es dir an.“ Er deutete über die Wiese, die jetzt im Morgentau schimmerte. „Sie tragen das Banner von Angus dem Löwen.“

Gwendolen hatte schon viel von Angus MacDonald gehört. Er war der berüchtigte Sohn des in Ungnade gefallenen früheren Burgherrn von Kinloch, dem Clananführer der MacDonalds. Angus’ Vater hatte sich den Jakobiten angeschlossen und war so zum Verräter an der Krone geworden. Deshalb hatte der König Gwendolens Vater das Recht zugesprochen, Kinloch im Namen der Krone zu erobern.

Gerüchten zufolge war Angus der gefürchtete Schlächter der Highlands, der mit seiner Streitaxt ganze Armeen in Stücke gehauen hatte.

Andere wiederum nannten ihn einen heimtückischen Verbrecher, der von seinem eigenen Vater aufgrund eines schrecklichen Vergehens in den Norden verbannt worden war.

Angus MacDonald galt auf jedem Fall als grimmiger, erbarmungsloser Krieger, der auf dem Schlachtfeld schneller und wilder um sich schlug als jede Bestie. Manche behaupteten sogar, er sei unverwundbar.

Doch unabhängig davon war Angus MacDonald ein erfahrener Kämpfer, der weder bei Soldaten noch bei Frauen und Kindern Gnade walten ließ.

„Was in Gottes Namen ist das?“ Gwendolen beugte sich vor und kniff die Augen zusammen, als sie eine schreckliche Vorahnung überfiel.

Auch Douglas bemühte sich, etwas zu erkennen, dann wurde er blass. „Es ist ein Katapult. Und ihre Pferde ziehen einen Rammbock.“

Das Dröhnen der herannahenden Armee erfüllte die Luft. Gwendolens Herz schlug rasend schnell und wild.

„Du hast hier den Befehl, bis ich zurück bin“, wies sie Douglas an. „Du musst das Tor halten, Douglas. Um jeden Preis.“

Der Freund nickte stumm. Gwendolen klopfte ihm aufmunternd auf den Arm, dann hastete sie die Turmtreppe hinunter. Kurz darauf stürmte sie in ihr Gemach, wo ihre Zofe bereits unruhig auf sie wartete.

„Wir werden angegriffen“, sagte Gwendolen ohne Umschweife. „Uns bleibt nicht viel Zeit. Hilf dabei, die Frauen und Kinder zu versammeln und in die Kapelle zu führen. Bleibt dort, bis es vorüber ist.“

„Wie Ihr wünscht, Miss MacEwen!“ Das Mädchen eilte hinaus.

Gwendolen schloss die Tür hinter ihr, schlüpfte aus dem Morgenrock und ließ ihn achtlos zu Boden fallen. Eilig suchte sie im Schrank nach einem Kleid.

Genau in diesem Augenblick klopfte es laut und heftig an der Tür. „Gwendolen! Gwendolen! Bist du wach?“

Sie hielt inne. Oh, wenn sie doch nur schlafen und sich das alles hier als böser Traum entpuppen würde, doch die angsterfüllte Stimme ihrer Mutter ließ keinen Zweifel daran, dass die Bedrohung echt war. Schnell öffnete Gwendolen die Tür.

„Komm herein, Mutter. Wir werden angegriffen.“

„Bist du sicher?“ Onora hatte sich offenbar Zeit genommen, um sich gebührend anzukleiden. Sie hatte ihr langes, lockiges Haar hastig, aber dennoch elegant aufgesteckt und trug ein sauberes Kleid aus blauer und weißer Seide. „Ich habe das Horn zwar gehört, aber ich war überzeugt, dass es sich um einen falschen Alarm handeln müsse.“

„Leider irrst du.“ Gwendolen ging zum Schrank zurück. Sie griff nach einem Rock und zog ihn über ihr Unterkleid. „Während wir uns hier unterhalten, belagern die MacDonalds unsere Tore. Uns bleibt nicht viel Zeit. Sie haben ein Katapult mitgebracht und einen Rammbock.“

Onora eilte in die Kammer und schloss die Tür hinter sich. „Wie ausgesprochen altertümlich!“

„Allerdings. Angus der Löwe führt sie an“, erwiderte Gwendolen. Sie sah ihre Mutter besorgt an, bevor sie sich auf die Suche nach ihren Schuhen machte.

„Angus der Löwe? Der verbannte Sohn des Clananführers der MacDonalds? Oh, Gott schütze uns. Wenn er die Burg einnimmt, sind wir beide verloren.“

„Sag das nicht, Mutter. Noch haben sie die Mauern nicht überwunden. Noch können wir sie aufhalten.“

Immerhin befanden sie sich auf der mächtigen Burg Kinloch. Die Mauern hier waren sechs Fuß dick, und nur ein Vogel konnte unbemerkt auf die Türme und Burgzinnen gelangen. Die Burg war von einem breiten Graben umgeben, über den nur eine Zugbrücke führte, und die Tore waren durch Fallgitter geschützt. Wie könnten die MacDonalds so eine Festung erstürmen?

Gwendolen wünschte, ihr Bruder Murdoch wäre hier. Wo blieb er nur? Er hätte heimkehren müssen, sobald er vom Tod ihres Vaters erfahren hatte. Warum blieb er so lange fort und ließ sie alle ohne Anführer zurück?

Ihre Mutter schritt im Gemach auf und ab. „Wie oft habe ich deinem Vater gesagt, er solle jedes einzelne Mitglied dieses Jakobiten-Clans fortschicken, nachdem er die Burg eingenommen hatte, aber hat er vielleicht auf mich gehört? Nein. Er hat darauf bestanden, Gnade walten zu lassen, und jetzt schau dir an, wohin uns das gebracht hat.“

Gwendolen schlang sich ihr Mieder um die Taille und ihre Mutter schnürte es ihr. „Ich muss dir leider widersprechen. Jene MacDonalds, die beschlossen haben, unter Vaters Schutz hierzubleiben, haben sich in den vergangenen zwei Jahren immer friedlich und treu verhalten. Sie haben Vater geliebt. Dies hier kann nicht ihr Werk sein.“

„Hast du denn diese hässlichen Gerüchte aus dem Dorf nicht gehört? Die Beschwerden über die Höhe der Pacht? Und dann dieses dumme Debakel um den Bienenstock?“

„Gewiss“, antwortete Gwendolen, während sie sich das Haar im Nacken mit einem schlichten Ledergurt zusammenband, „aber es sind nur sehr wenige, die so denken. Wenn wir ein Oberhaupt hätten, das sich um solche Streitigkeiten kümmern würde, gäbe es überhaupt kein Problem. Sobald Murdoch wieder hier ist, wird sich alles wieder einrenken. Außerdem waren jene, die bei uns geblieben sind, nie Anhänger der Jakobiten. Sie wollen keine weitere Rebellion. Kinloch hält dem englischen König die Treue.“

Gwendolen ließ sich auf die Knie sinken und zog eine schmale Holzkiste unter dem Bett hervor.

„Nun, ich glaube auch nicht, dass sie für den Angriff verantwortlich sind“, gab Onora kleinlaut zu. „Sie sind nur Bauern und Pächter. Dies hier ist das Werk jener Männer, die deinem Vater nicht die Treue geschworen haben, als er sich vor zwei Jahren zum Laird gemacht hat. Jetzt bekommen wir es mit ihnen zu tun. Wir hätten wissen sollen, dass sie zurückkehren und einfordern würden, was ihnen einmal gehörte.“

Gwendolen öffnete die Kiste und nahm einen schmalen Säbel heraus. Dann stand sie auf und schlang sich den Säbelgurt um die Hüfte. „Aber Kinloch gehört ihnen nicht mehr“, entgegnete sie ihrer Mutter. „Auf Befehl des Königs gehört es den MacEwens. Jeder, der etwas anderes fordert, bricht das Gesetz und verrät England. Der König wird nicht zulassen, dass diese mächtige schottische Bastion in die Hände von aufständischen Jakobiten fällt. Er wird uns Hilfe schicken.“

Onora schüttelte traurig den Kopf. „Wie arglos du doch bist, Gwendolen. Niemand wird uns zu Hilfe eilen, und schon gar nicht so rechtzeitig, um zu verhindern, dass uns dieser Barbar Angus MacDonald die Kehlen durchschneidet.“

„Sie werden Kinloch nicht bekommen“, beharrte Gwendolen. „Wir werden kämpfen, und wenn Gott will, werden wir auch gewinnen.“

„Sei nicht dumm“, erwiderte ihre Mutter spöttisch, während sie Gwendolen aus dem Gemach folgte. „Wir sind in der Minderheit und wir haben keinen Anführer! Wir müssen uns ergeben und um Gnade bitten. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass uns das etwas helfen wird. Ich bin die Gemahlin und du bist die Tochter jenes Mannes, der diese Burg eingenommen und den früheren Burgherrn getötet hat. Ich sage dir, das Erste, was der Löwe tun wird, ist, Rache an uns zu nehmen!“

Gwendolen hörte ihrer Mutter nicht mehr zu. Sie hastete den Gang entlang, blieb dann jedoch noch einmal stehen, um den Säbelgurt enger zu schnallen. „Ich gehe jetzt in die Waffenkammer, um mir eine Muskete und Schwarzpulver zu holen“, sagte sie. „Und dann kämpfe ich um das, was im Namen des Königs uns gehört. Ich werde nicht zulassen, dass Vaters größte Eroberung mit ihm stirbt.“

„Bist du von Sinnen?“ Onora folgte Gwendolen zur Treppe. „Du bist eine Frau! Du kannst nicht gegen die Angreifer kämpfen. Du musst dich in Sicherheit bringen. Wir werden beten und uns überlegen, wie wir mit diesen schmutzigen MacDonalds fertigwerden können, falls sie die Türen unserer Gemächer einschlagen.“

Gwendolen drehte sich zu ihrer Mutter um. „Du kannst ja bleiben und beten, Mutter, aber ich werde nicht einfach hier herumsitzen und darauf warten, dass sie uns die Kehlen durchschneiden. Wenn ich heute sterbe, dann soll es so sein, aber ich werde nicht gehen, ohne zu kämpfen.“ Sie lief die ersten Stufen der Wendeltreppe hinunter. „Mit etwas Glück lebe ich lange genug, um Angus MacDonald eine Kugel in sein schwarzes Herz zu schießen. Dafür kannst du beten!“

Gerade als Gwendolen den Wehrgang erreichte und auf die Angreifer vor ihr auf der Zugbrücke zielte, zerbarst das dicke Eichentor unter der Wucht des herandonnernden Rammbocks. Die Schlossmauern erbebten unter ihren Füßen, und Gwendolen musste innehalten und sehen, was geschah.

Das grausame Schlachtgeschehen drang auf sie ein. Sie fühlte sich mit einem Mal hilflos und schwach, während sie auf den tosenden Strudel aus Lärm und Verwirrung hinabsah. Sie konnte sich nicht rühren. Die Mitglieder ihres Clans kämpften und brüllten wild durcheinander. Dichter Rauch und der Geruch von Schwarzpulver brannten in ihren Lungen und Augen. Ein Krieger im Kilt hatte seine Waffen fallen gelassen und war schluchzend neben ihr an der Wand zusammengesunken.

Gwendolen starrte den Mann völlig benommen an. Ihr wurde schwindlig, und ihr Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen. Sie hörte die krachenden Musketen um sich herum.

„Steh auf!“, schrie sie den Weinenden an. Sie packte den Mann am Arm und zog ihn auf die Füße. „Lade deine Waffe und kämpfe!“

Der junge Krieger sah Gwendolen verwirrt an, doch dann griff er nach seiner Pulverbüchse und kämpfte weiter.

Gwendolen beugte sich über die Brüstung und sah hinab. Durch das geborstene Tor strömten die MacDonalds wie ein Schwarm Insekten. Sie legte die Muskete an und feuerte, traf aber nicht.

„In den Burghof!“, befahl Gwendolen. Das Kratzen von mehr als einem Dutzend Schwertern, die in diesem Moment aus ihren Scheiden gezogen wurden, flößte ihr Stärke und Entschlossenheit ein. Mit ruhiger Hand lud Gwendolen ihre Muskete neu. Geschrei erscholl aus dem Burghof, Männer rannten umher und schwärmten zu den Treppen.

„Gwendolen!“ Douglas eilte zu ihr. „Du solltest nicht hier sein! Geh hinunter in deine Gemächer und schließ dich dort ein! Überlass den Männern das Kämpfen!“

„Nein, Douglas, ich werde kämpfen und für Kinloch sterben, wenn es sein muss.“

Er betrachtete Gwendolen ehrfürchtig, aber auch bedauernd. „Dann kämpfe wenigstens vom Dach hier oben aus, mein Mädchen. Dich zu verlieren, würde der Clan nie überleben.“

Was seine Worte bedeuten sollten, stand außer Frage, und Gwendolen wusste, dass Douglas recht hatte. Sie war die Tochter des Anführers der MacEwens. Sie musste überleben, um über die Bedingungen einer Unterwerfung zu verhandeln, falls es so weit kommen sollte.

Gwendolen nickte. „Geh nur, Douglas. Lass mich hier meine Muskete laden. Es ist eine gute Stelle. Ich werde von hier aus tun, was ich kann.“

Er küsste sie auf die Wange, wünschte ihr Glück und rannte in Richtung der Treppe.

Im Burghof wurde jetzt Mann gegen Mann gekämpft. Ein schreckliches Gebrüll aus vierhundert Kehlen erfüllte den Hof, und das schrille Geräusch aufeinanderklirrender Schwertklingen drang in Gwendolens Ohren, als sie ihre Muskete wieder und wieder lud. Doch nur allzu bald musste sie innehalten, denn die beiden Clans hatten sich in einen Strudel aus kämpfenden Leibern verwandelt, und sie wagte nicht, noch einmal zu schießen, aus Angst, ihre eigenen Männer zu treffen.

Die Glocke der Kapelle erklang und rief die Dorfbewohner zum Gefecht, aber selbst wenn jeder kampfesfähige Mann in diesem Augenblick in den Burghof gestürmt wäre, hätte es nicht geholfen. Diese MacDonalds waren harte und schlachterprobte Kämpfer. Sie waren mit Speeren, Musketen, Äxten, Bögen und Pfeilen bewaffnet und übernahmen schnell die Kontrolle. Gwendolen konnte nichts dagegen tun. Wenn sie hinunterginge, würde sie sterben, aber sie musste leben, für ihren Clan.

Und dann sah sie ihn, Angus den Löwen, der im Mittelpunkt der Schlacht kämpfte.

Eilig lud sie ihre Muskete und zielte, aber er bewegte sich zu schnell. Sie bekam kein freies Schussfeld.

Starr vor Schreck ließ sie die Waffe sinken. Kein Wunder, dass sie ihn den Löwen nannten. Sein Haar war eine dichte, blonde Mähne, die rechts und links über seine breiten Schultern fiel. Bei jedem tödlichen Hieb mit seinem Zweihänder brüllte er, während er einen Feind nach dem anderen niedermetzelte.

Gwendolen stand wie versteinert da. Sie konnte sich nicht von dem Anblick losreißen, den dieser Mann ihr bot. Seine Beine waren so kräftig wie junge Baumstämme und seine Bewegungen so exakt, dass Gwendolen erschauderte. In ihnen lag eine perfekte, tödliche Balance, wenn er vorsprang, tötete und sich das schweißnasse Haar aus den Augen schüttelte, bevor er wieder zustieß.

Ihr Herz schlug wild vor Faszination und Bewunderung. Angus MacDonald war eine Bestie, ein mächtiger Krieger, und allein der Anblick, den er in all seiner legendären Pracht bot, zwang sie fast in die Knie. Jeden Schlag blockte er mit seinem derben, schwarzen Schild ab, bevor er sein Schwert erneut elegant schwang. Noch nie war sie so einem Mann begegnet, und sie hätte auch niemals geglaubt, dass ein Mensch solche Kraft in sich vereinen konnte.

Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass ihre Mutter recht gehabt hatte. Es war unmöglich, diesen Mann zu besiegen. Sie waren verloren. Die Burg würde fallen und es würde keine Gnade geben. Jede Hoffnung war vergebens.

Sie lief über den Wehrgang zu jenem Eckturm, in dem ihr Gemach untergebracht war, und sah hinab auf die bereits verlorene Schlacht.

Sie waren ein leichtes Opfer für die MacDonalds gewesen. Gwendolen konnte die Niederlage nicht mehr mitansehen. Es war eine Qual. Und obwohl sie sich dafür schämte, schloss sie die Augen und wandte das Gesicht ab. Sie hatte in ihren einundzwanzig Lebensjahren noch keine Schlacht wie diese mitangesehen. Sie hatte natürlich Geschichten gehört und sich die Schrecken des Krieges vorgestellt, doch sie hatte keine Ahnung gehabt, wie grausam er wirklich war.

Nach und nach verklangen die Schlachtrufe, und nur eine Handvoll entschlossener Krieger kämpfte noch bis zum Tod um Kinloch. Andere Männer der MacEwens, denen Schwertklingen an die Hälse gelegt worden waren, ergaben sich in ihr Schicksal. Sie ließen ihre Waffen sinken und fielen auf die Knie. Jene, die sich ergeben hatten, wurden an der Mauer zusammengetrieben.

Gwendolen, deren Blick während der ganzen Schlacht auf dem Löwen geruht hatte, bemerkte erst jetzt, dass Angus verschwunden war. Als hätte er sich im Rauch der Musketen aufgelöst. Panik schnürte ihr die Kehle zu, während ihr Blick hastig über den Burghof flog und in allen Gesichtern nach diesen glühenden, teuflischen Augen suchte. Wo war er? Hatte ihn jemand umgebracht? Oder war er in die Kapelle eingedrungen, um auch über die Frauen und Kinder herzufallen?

Endlich entdeckte sie ihn auf den Zinnen des gegenüberliegenden Eckturms. Er hatte sich seinen Schild auf den Rücken geschnallt, und das Schwert baumelte an seiner Seite. Er hob die Arme und rief seinen Kämpfern zu: „Ich bin Angus Bradach MacDonald! Sohn des gefallenen Laird MacDonald, des wahren Herrn von Burg Kinloch!“ Seine Stimme donnerte über den Burghof und vibrierte in ihrer Brust. „Kinloch ist mein Geburtsrecht! Daher erkläre ich mich hiermit zum Laird und Burgherrn!“

„Kinloch gehört den MacEwens!“, rief jemand zu ihm hoch. „Auf Geheiß von König George von Großbritannien!“

„Wenn du es zurückhaben willst“, grollte Angus und trat an den Rand der Brüstung, „dann hebe dein Schwert und kämpfe gegen mich!“

Es wurde still im Burghof, bis ein heißer Strom der Wut durch Gwendolen fuhr. Sie war nicht in der Lage, ihn zu unterdrücken, noch konnte sie ihn zügeln.

„Angus Bradach MacDonald!“, rief sie mit einer Stimme, die aus den dunklen Tiefen ihrer Seele zu dringen schien. „Hört meine Worte! Ich bin Gwendolen MacEwen, Tochter des Anführers der MacEwens, der diese Burg gerechtfertigt und im Namen des Gesetzes eingenommen hat! Ich habe hier den Befehl und ich werde gegen Euch kämpfen!“

Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie an den Rand der Brüstung getreten war und ihren Säbel gezogen hatte, mit dem sie auf ihn deutete.

„Gwendolen MacEwen!“, rief er zurück, „Tochter meines Feindes! Ihr seid besiegt!“

Ohne ein weiteres Wort schmetterte er ihre Herausforderung ab und wandte sich an die Männer im Burghof.

„All jene von euch, die bei dem Überfall auf die Burg vor zwei Jahren dabei waren und sich jetzt im Besitz von Ländereien befinden, die ihnen nicht gehören, werden diese an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgeben!“

Gwendolens Zorn erwachte aufs Neue. „Die MacEwens lehnen ab!“, rief sie.

Angus MacDonald riss das Schwert hoch und deutete damit warnend auf sie, dann ließ er es wieder sinken und sprach weiter, als hätte er sie gar nicht gehört.

„Wenn der wahre Eigentümer tot oder heute nicht hier ist“, erklärte er, „dürft ihr bleiben, aber ihr werdet mir die Treue schwören und mich als Laird von Kinloch anerkennen!“

Wieder blieb es lange still, bis ein tapferer Mann schließlich die Stimme erhob.

„Warum sollten wir Euch die Treue schwören? Ihr seid ein MacDonald, und wir sind MacEwens!“

Der Löwe schwieg. Er schien den Blick eines jeden Mannes im Burghof zu erwidern. „Ich verkünde euch hiermit, dass sich unsere beiden Clans von nun an vereinen werden!“ Wieder deutete er mit dem Schwert auf Gwendolen, und sie spürte die Hitze seines Blicks wie Feuer auf der Haut. „Ich beanspruche diese Frau, eure tapfere und edle Anführerin, als meine Braut. Eines Tages wird unser Sohn euer Laird sein.“

Jubelrufe erklangen aus der Menge der MacDonalds, während Gwendolen ungläubig versuchte, den Sinn dieser Worte zu begreifen. Er erhob Anspruch auf sie als Braut?

Das war unmöglich.

„Heute Abend wird es in der Großen Halle ein Fest geben“, brüllte der Löwe, „und ich werde jeden Mann anhören, der hierbleiben und in Frieden unter meinem Schutz leben will!“

Hingebungsvolles Gemurmel erfüllte die Luft und drang bis zu Gwendolens brennenden Ohren. Sie biss die Zähne zusammen und grub die Finger in den rauen Stein der Brüstung. Das kann nicht sein. Es darf nicht sein.

Sie betete fast, dass dies alles nur ein böser Traum war, aus dem sie bald erwachen würde. Aber die warme Morgensonne auf ihren Wangen zeigte ihr allzu deutlich, dass die Träume der ruhelosen Nacht längst der Wirklichkeit gewichen waren und dass ein unverwundbarer Krieger die Burg ihres Vaters eingenommen hatte. Schlimmer noch, dieser Mann wollte sie zur Frau nehmen und sie zwingen, ihm Kinder zu gebären. Was um Himmels willen sollte sie nur tun?

„Damit bin ich nicht einverstanden!“, rief sie mit fester Stimme. Angus der Löwe neigte den Kopf zur Seite und betrachtete Gwendolen, als wäre sie ein fremdes, seltsames Wesen, das er noch nie zuvor gesehen hatte. „Ich fordere Euch auf, mit mir über die Bedingungen der Unterwerfung zu verhandeln!“

Zitternd wartete Gwendolen auf seine Antwort. Vielleicht würde er jetzt einfach einen seiner Männer schicken, um ihr sofort die Kehle durchzuschneiden, als Warnung für jene, die kühn oder dumm genug waren, Widerstand zu leisten. Er schien durchaus dazu bereit zu sein. Sie spürte seinen Zorn wie Hitzewellen, die von ihm ausgingen.

Doch dann geschah etwas sehr Seltsames. Alle Männer der MacEwens wandten sich Gwendolen zu und sanken vor ihr im Burghof auf ein Knie. Schweigend beugten sie die Köpfe, während die MacDonalds diese Geste der Ehrerbietung mit sichtlichem Unbehagen verfolgten.

Lange stand Angus auf dem Nordturm und sagte kein Wort. Er verstand diese Geste durchaus als die Herausforderung, die sie war. Spannung erfüllte die Luft, es herrschte eine grausame Stille. Gwendolen fürchtete schon, Angus würde sie alle abschlachten lassen.

Doch dann sah Angus MacDonald sie herausfordernd an.

Sie reckte stolz das Kinn, doch sein mörderischer Blick schien sich wie ein Ring um ihren Hals zu legen und ihr die Luft abzudrücken.

Angus sprach ruhig, aber machtvoll. „Gwendolen MacEwen, ich werde mir Eure Bedingungen in der Großen Halle anhören.“

Aus Angst, ihre Stimme könnte versagen, nickte sie nur und schob den Säbel zurück in die Scheide. Dann schritt sie stolz auf die Turmtreppe zu, während ihre Knie verborgen unter den Röcken zitterten. Gwendolen fürchtete, sie würden gleich unter ihr nachgeben.

Am Kopf der Treppe angekommen, hielt sie kurz inne und atmete durch, um sich zu sammeln.

Gott, oh Gott, stöhnte sie im Stillen.

Gwendolen überfiel eine leichte Übelkeit. Ihre Gedanken kreisten.

Sie legte die flache Hand an den kühlen Stein und schloss die Augen. Wie sollte sie nur mit diesem Mann verhandeln, der ihren Clan gerade in einer blutigen Schlacht besiegt und sie für sich beansprucht hatte? Sie hatte nichts in der Hand, was sie und ihre Männer retten könnte. Aber vielleicht fiel ihr oder ihrer Mutter noch etwas ein, um die Situation bis zur Rückkehr von Murdoch zu beruhigen.

Wenn Murdoch doch nur hier wäre!

Gwendolen schalt sich. Es hatte keinen Sinn, sich nach Murdochs Rückkehr zu sehnen. Er war nicht hier, und sie konnte sich nur auf sich selbst verlassen. Sie musste stark sein, um ihren Clan zu retten.

Sie warf einen letzten Blick zurück. Angus der Löwe war vom Dach des Turmes heruntergestiegen und hatte sich wieder unter seine Männer gemischt. Er gab Befehle und schritt zwischen Toten und Verwundeten umher, wobei er seinen Triumph ganz offensichtlich genoss.

Ein leichter Windstoß wirbelte sein dichtes, goldenes Haar auf, das in der Morgensonne glänzte. Sein Kilt schwang um seine muskulösen Beine, während er den Lederriemen festzog, der seinen Schild hielt.

Genau da sah er auf und wandte sich Gwendolen zu. Ihre Blicke begegneten sich. Er sah sie unverwandt und mit großem Interesse an.

Gwendolen stockte der Atem und ihre Knie wurden weich. Ein Flattern erwachte in ihrem Bauch, und sie wusste nicht, ob es aus Furcht war oder vor Faszination, doch in jedem Fall störte dieses Gefühl die bevorstehende Verhandlung mit ihm.

Verwirrt stieß sich Gwendolen von der Wand ab und lief die Treppe hinunter.

2. KAPITEL

Er stand auf blutgetränkter Erde und sah zu, wie die Tochter seines Feindes im Ostturm verschwand. Sobald sie fort war, umschloss er die Schulter mit einer Hand und versuchte, den Schmerz daraus zu vertreiben, doch die Verletzung war schlimmer, als er vermutet hatte. Angus verzog das Gesicht, dann schlug er mit aller Kraft mit dem Handballen zu, um das Gelenk wieder einzurenken.

Es war eine harte Schlacht gewesen. Seine Kleidung war völlig verschwitzt, staubig und blutverkrustet. Er selbst hatte Wunden davongetragen, doch das war es wert gewesen. Denn dies hier war sein Zuhause. Seine Burg. Die MacEwens hatten kein Recht darauf.

Und sein Vater war tot.

Angus wandte sich um und betrachtete das Blutbad im Burghof. Sein Kampfgeist erwachte aufs Neue, als er an das mutige Mädchen dachte, das die Stimme erhoben und seinen Triumph ins Wanken gebracht hatte. Sie war eine dunkle Schönheit, was seinen Zorn noch befeuert hatte. Er wollte keine schöne Frau, und er hatte bisher keinen Gedanken daran verschwendet, wie die Tochter seines Feindes wohl aussehen mochte. Ob sie anmutig war oder nicht, war ihm bisher vollkommen gleichgültig gewesen, denn er sah in ihr nur ein Werkzeug. Und doch überfiel ihn angesichts ihrer Schönheit und ihres kühnen Widerstands ein kühler Schauer.

Wieder rollte Angus mit der Schulter, um den Schmerz zu vertreiben. Er entschied, Gwendolen MacEwen fürs Erste zu vergessen. Er würde nicht zulassen, dass sie ihm diesen Augenblick des Triumphes verdarb. Er hatte zu viel erreicht, um es jetzt nicht auszukosten.

Mit einem lauten Schrei, der von den Burgmauern widerhallte, zog er sein Schwert und rammte es tief in die Erde. Dann sank er auf ein Knie und beugte den Kopf vor dem schimmernden Griff.

Erleichterung durchflutete ihn, doch darunter mischte sich auch Trauer. Sein Vater war bereits seit zwei Jahren tot, doch er hatte erst vor wenigen Wochen davon erfahren. In der Zwischenzeit war Burg Kinloch in die Hände seiner Feinde gefallen, und sein Clan war von einem anderen eingenommen worden.

Er hatte lange auf seine Rückkehr gewartet. Zu lange.

Sein Cousin Lachlan trat auf ihn zu. „Es kommt mir nicht richtig vor“, sagte er und rammte sein Schwert ebenfalls in die Erde.

Angus sah auf. „Was meinst du?“

„Dass ein Mann sein eigenes Heim mit einer Armee einnehmen muss.“

Angus richtete sich zu voller Größe auf und sah seinen Cousin und Freund nachdenklich an. Lachlan hatte den Großteil der vergangenen zwei Jahre damit verbracht, Angus zu suchen. Als er ihn schließlich in den Ausläufern der äußeren Hybriden fand, half er ihm dabei, eine Armee aufzustellen. Damit sie um das kämpfen konnten, was ihnen gehörte.

„Vielleicht ist es Schicksal“, antwortete Angus, „vielleicht ist es aber auch meine Bestimmung. Ich habe mein Schwert für mein Zuhause gezogen, für meinen Clan und für mein geliebtes Kinloch. Vielleicht ist dies eine Chance, meine früheren Sünden zu sühnen.“

Nachdenklich blickte er zu dem geborstenen Burgtor und dann über all die Gefallenen, die im Burghof lagen. Auf beiden Seiten hatte es schreckliche Verluste gegeben.

Lachlan folgte seinem Blick. „Und was ist mit den Toten?“

„Wir werden sie ehren. Die MacEwens haben tapfer gekämpft.“ Angus nickte Lachlan zu. „Vielleicht ist es ein Tribut an ihre Anführerin.“

„Gewiss, sie ist ein echter Heißsporn. Und außerdem ein hübscher Anblick.“ Lachlan kniff seine dunklen Augen zusammen. „Meinst du, dass du mit ihr fertigwirst?“

„Zweifelst du etwa an mir, Lachlan?“

„Du hast gerade ihr Heim eingenommen und ihren halben Clan umgebracht. Ich bezweifle, dass sie überglücklich in dein Bett steigen wird.“

Angus zog sein Schwert aus der Erde und schob es wieder in die Scheide. „Es kümmert mich nicht, was sie fühlt.“ Er hatte keine Geduld mit sensiblen Frauen, und das hier würde ganz gewiss keine Liebesgeschichte werden. Das wusste sie ebenso gut wie er. „Ihr Vater hat uns Kinloch gestohlen. Sie wird diese Schuld begleichen.“ Er ging in Richtung der Großen Halle davon.

Lachlan zog eine Flasche aus seinem Sporran und nahm einen Schluck. „Ich muss dir wohl nicht sagen, dass du auf dich aufpassen solltest“, ermahnte er seinen Cousin. „Ihr Säbel ist zwar klein, aber er sah ziemlich spitz aus.“

Angus verstand die Warnung, aber er antwortete nicht.

Gwendolen betrat ihr Gemach und fand dort ihre Mutter, die ängstlich am Fenster auf sie wartete.

„Oh, meine Liebe“, rief Onora erfreut, „dem Himmel sei gedankt, dass du lebst. Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet. Was ist geschehen?“

Gwendolen schloss die Tür hinter sich und berichtete ihrer Mutter von den Ereignissen im Burghof. „Die MacDonalds haben das Haupttor aufgebrochen. Es hat einen fürchterlichen Kampf gegeben und sie haben die Burg eingenommen. Angus der Löwe hat sich zum Anführer erklärt. Er erhebt Anspruch auf mich als seine Gemahlin, um mit mir einen Erben zu zeugen und unsere beiden Clans zu vereinen.“ Sie war selbst überrascht, wie ruhig und beherrscht sie das Geschehene schildern konnte, obwohl sie innerlich so aufgewühlt war.

Eine Weile starrte ihre Mutter sie nur ungläubig an, dann lachte sie laut auf. „Er erhebt Anspruch auf dich? Meine Güte, weiß er denn nicht, in welchem Jahrhundert wir leben?“

„Offenbar nicht.“ Gwendolen hielt inne. „Du solltest ihn sehen, Mutter. All die Geschichten über ihn sind wahr. Er ist genauso, wie man sich erzählt: mächtig, brutal und furchterregend. Ich war wie gelähmt vor Angst, als ich sah, wie er gegen unsere fähigsten Männer kämpfte, und als er sprach, konnte ich kaum atmen.“

Onora trat neugierig auf sie zu. „Dann ist es also wahr. Er ist grimmig und unbezwingbar?“

„In der Tat.“

„Und er will dich zur Frau haben?“

„Ja. Ich weiß nicht, was ich tun soll.“

Onora streckte ihre Hände in die Luft. „Sei doch nicht töricht, Gwendolen! Natürlich wirst du seinen Antrag annehmen. Was bleibt uns denn für eine Wahl?“ Sie wandte sich dem Spiegel zu und zwickte sich in die Wangen, um Farbe zu bekommen. Dann fuhr sie sich mit den Fingern durch die kastanienbraunen Locken. Für eine Frau ihres Alters war Onora eine außergewöhnliche Schönheit. Ihre Lippen waren voll, ihre Wangenknochen edel und ausgeprägt und ihre Gestalt schlank und gepflegt. „Das sind gute Nachrichten“, sagte sie. „Ich muss sagen, ich bin wirklich erleichtert.“

„Erleichtert? Wie kannst du erleichtert sein?“

Onora drehte sich zu ihr um. „Sei doch nicht so naiv. Es gibt keine andere Lösung. Der Löwe hat die Burg erobert, und wir sind seiner Gnade ausgeliefert. Er könnte uns beide töten, aber er ist bereit, wenigstens dich zu verschonen. Mehr noch, er will dich sogar zur Frau nehmen. Was willst du denn noch? An deiner Stellung hier wird sich nichts ändern, im Gegenteil, sie wird sich sogar verbessern. Was allerdings mich angeht …“ Onora stockte. Sie atmete tief durch und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Spiegel zu. „Nun, was mich angeht, wird es sich erst noch erweisen.“ Sie schürzte die Lippen. „Aber mach dir keine Sorgen. Über mein Leben und meine Stellung werde ich selbst verhandeln.“

Gwendolen lachte resigniert. „Verhandeln. Genau das werde ich in ein paar Minuten auch, nur was habe ich in den Händen, frage ich dich? Wie du bereits gesagt hast, sind wir ihm ausgeliefert. Wir haben keinerlei Macht über das, was geschieht. Er hat sich zum Anführer erklärt und jeden Mann, der sich nicht ergeben wollte, getötet.“

Onora sah ihre Tochter mit glühenden Augen an. „Und genau deshalb wirst du ihm in jeder Hinsicht zu Willen sein.“

„Zu Willen?“

„Gewiss!“ Ihre Mutter umschloss Gwendolens Handgelenk. „Du wirst tun, was immer er von dir verlangt, Gwendolen, und wenn du in deinem hübschen Köpfchen auch nur einen Funken Verstand hast, wirst du auch noch so tun, als bereite es dir große Freude.“

Gwendolen sah sie erschrocken an. „Warum bist du ihm dann nicht zu Willen, Mutter? Wenn hier irgendjemand weiß, wie man einem Mann Vergnügen bereiten kann, dann bist du es, nicht ich.“

„Ich versichere dir, dass ich es sofort tun würde, wenn Angus der Löwe mich wollte. Aber er will dich, und deshalb soll er dich auch bekommen, oder wir werden beide sterben. Hör mir jetzt genau zu. Du musst fügsam und nachgiebig sein und dich um Himmels willen etwas präsentabler herrichten. Zieh dir ein hübscheres Kleid an.“ Onora begann, die Schnüre von Gwendolens Mieder zu lösen. „Er macht dir ein Geschenk, wenn er dir die Möglichkeit gibt, unsere Stellung hier zu halten. Du solltest ihm danken, indem du ihn in dein Bett lockst.“

„In mein Bett locken?“ Gwendolen schob die Hände ihrer Mutter entsetzt von sich. „Er hat sich gerade unser Heim genommen, ich werde nicht einfach zulassen, dass er sich auch noch meinen Körper nimmt. Ich gehe jetzt in die Große Halle hinunter und werde ihm in aller Würde gegenübertreten! So, wie Vater es getan hätte.“

„Und was willst du ihm sagen?“

„Ich werde über die Bedingungen unserer Unterwerfung verhandeln.“

„Du vergisst wohl, dass wir längst besiegt sind“, höhnte Onora. „Er braucht unsere Unterwerfung nicht. Er wird dich auslachen.“

Gwendolen sah sie nachdenklich an. „Genau da irrst du, Mutter. Er will etwas von mir, ein Kind, einen Sohn und Erben, und ich werde ihm erklären, dass er mich nicht so leicht erobern kann wie diese Burg. Vielleicht kann ich uns so auch etwas Zeit verschaffen, bis Murdoch zurückkehren und uns befreien wird.“

„Gwendolen!“

Ihr Herz pochte bis zum Hals, als sie aus ihrem Gemach trat und die Tür hinter sich schloss. Dann schritt sie eilig die Wendeltreppe hinunter, ohne auf die wütenden Rufe ihrer Mutter zu achten, die durch die steinernen Gänge hallten.

Als sie sich der Halle näherte, zog sich ihr Magen schmerzhaft zusammen. Sie war im Begriff, einen grausamen, schlachterfahrenen Krieger herauszufordern, der sich nichts dabei dachte, noch vor dem Frühstück ein Burgtor einzurammen und ganze Armeen niederzumetzeln.

Körperlich war sie ihm auf keinen Fall gewachsen, so viel stand fest. Er war riesig und stark, und wenn er es darauf anlegte, konnte er sie mit nur einem Handgriff töten. Doch was auch geschah, sie würde ihm ihre Angst nicht zeigen. Sie war die Tochter eines Clanoberhaupts der Highlands, und sie besaß die Treue ihrer Männer. Sie würde sich ihm als ebenbürtige Gegnerin stellen.

Zum Glück war die Halle leer, als sie eintrat. Es gab ihr ein wenig Zeit, um ihre Gedanken zu ordnen. Im Torbogen hinter dem Podium, auf dem der Hohe Stuhl ihres Vaters thronte, blieb sie stehen und ließ den Blick über die beeindruckende Chronik der MacEwens gleiten. Schwere seidene Wandteppiche mit den Insignien der Macht des Clans schmückten die Steinmauern, Fahnen und Banner hingen von den Dachsparren, und ihr Familienwappen war in den Stein gemeißelt worden.

Sie betrachtete den Hohen Stuhl, auf dem ihr Vater bis vor Kurzem noch gesessen hatte. Als er noch über diese Halle herrschte, war dort oft gefeiert worden. Lachen, Musik und Poesie hatten die Abende erfüllt und niemand musste sich vor Krieg und Tyrannei fürchten. Ihr Vater war ein guter Mann gewesen und ein starker und gerechter Anführer. Doch all das würde sich ändern, wenn sie ihrem Eroberer nicht entschlossen gegenübertrat. Heute Abend würde Angus der Löwe die MacEwens zwingen, sich ihm zu unterwerfen und ihm die Treue zu schwören. Wer sich widersetzte, würde bestraft.

Doch wenn es Gwendolen gelingen sollte, einen auch noch so geringen Einfluss zu erlangen, konnte sie ihre Männer vielleicht retten.

Sie stieg auf das Podium und näherte sich dem Hohen Stuhl, auf dem nun niemand mehr saß. „Hilf mir, Vater. Denn ich möchte meine Pflicht an den MacEwens erfüllen“, murmelte sie.

Ihr Gebet wurde von dem Geräusch sich nähernder Schritte unterbrochen. Gwendolen blickte auf, und ihr Herz schlug schneller, als sie sah, dass Angus der Löwe die Halle von der gegenüberliegenden Seite her betrat.

Er war sich ihrer Gegenwart noch nicht bewusst und hielt im Torbogen inne. Er sah zur Decke empor und musterte die Banner der MacEwens, die von den schweren Holzbalken hingen.

Gwendolen betrachtete Angus genauer. Er trug einen dunklen Kilt und einen Tartan, der mit einer schweren, polierten Silberbrosche über der Schulter festgesteckt war. Dass er ein außergewöhnlich großer Mann war, wusste sie bereits, doch erst aus der Nähe erkannte sie jetzt, wie groß auch seine Hände waren. Der Anblick verstörte sie ebenso wie die Vielzahl seiner Waffen. Außer dem Schild auf seinem Rücken und dem Zweihänder an seiner Seite trug er auch noch zwei Pistolen im Gürtel und ein Pulverhorn vor der Brust. Aus einem seiner Stiefel blitzte der Griff eines Dolchs.

Während Gwendolen das Gesicht des Eroberers musterte, spürte sie einen Anflug von Angst.

Angus der Löwe faszinierte sie. Sein Gesicht war wild und zerfurcht, aber dennoch wunderschön. Ein sinnlicher Zug lag um seinen Mund, und seine Nase war elegant geformt. Seine Augen funkelten so klar und hellblau wie das Eis eines zugefrorenen Wintersees, und dennoch loderte in ihnen eine geheimnisvolle Glut. Gwendolen fühlte sich merkwürdig beklommen. Ihr Herz pochte bis zum Hals, und ein eiskalter Schauer lief über ihren Rücken hinab bis in ihre Zehen. Mit aller Kraft riss sie sich zusammen.

Angus Bradach MacDonald betrachtete gelassen die riesigen Wandteppiche, die Mauern und auch den steinernen Kamin. Doch als er Gwendolen erblickte, griff er mit seiner großen Hand blitzschnell nach dem Schwert.

Bis zu diesem Augenblick hatte Gwendolen nicht gewusst, wie es sich anfühlte, im Mittelpunkt des Interesses eines so atemberaubenden Mannes zu stehen. Sie musste sich konzentrieren, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Angus hingegen schien vollkommen entspannt zu sein, wenngleich etwas Beängstigendes in seinen Augen funkelte. Zweifellos spürte er nach dieser Schlacht noch immer einen Blutdurst.

Gwendolen atmete innerlich durch. Wenn sie dies hier durchstehen wollte, musste sie sich vergegenwärtigen, dass er etwas von ihr wollte. Sie stand nicht machtlos vor ihm.

Angus Bradach MacDonald durchschritt mit düsterem Blick die Große Halle. Seine rechte Hand beließ er am Schwert, Gwendolens Herz pochte wild in ihrer Brust. Als Angus das Podium erreichte, brandete dasselbe unbändige Hochgefühl in ihr auf, das sie schon auf dem Dach verspürt hatte, als sie ihm mit ihrem leichten Säbel entgegengetreten war. Sie hatte bewiesen, dass sie mutig genug war, gegen ihn zu kämpfen.

„Komm da runter“, befahl er ihr barsch.

„Damit Ihr auf mich herabsehen könnt?“, erwiderte sie spöttisch.

„Gewiss. Deine Familie hat mir mein Zuhause gestohlen. Ihr seid nichts als Diebe, ihr alle.“

In ihrem Inneren toste ein Sturm, und plötzlich fürchtete Gwendolen, sie würde ohnmächtig werden.

„Du siehst blass aus, Mädchen. Bist du krank?“

„Nein, es geht mir gut“, versicherte sie, ohne nachzudenken. „Ich bitte um Entschuldigung. Natürlich geht es mir nicht gut. Ich fühle mich außerordentlich angewidert.“

Angus MacDonald trat noch einen Schritt näher. „Angewidert?“, spottete er. „Doch nicht etwa von mir?“

„Hattet Ihr etwas anderes angenommen?“

Er sah sie finster an. „Das ist zwar nicht die Antwort, die ich erwartet habe, aber das ist auch unerheblich. Diese Burg gehört jetzt mir, und ich erhebe Anspruch auf dich als meine Frau. Finde dich damit ab.“

Gwendolen atmete langsam und tief durch, um sich zu sammeln. Er sprach vollkommen unverblümt und scherte sich nicht im Mindesten um jede Form der Höflichkeit.

„Und was erwartet Ihr von mir? Soll ich meinen Clan zusammentrommeln und vor Freude durch die Halle tanzen?“

„Ich erwarte keinen öffentlichen Tanz, mein Mädchen! Aber ich werde dich heute Abend in mein Bett holen, und diesen Tanz werden wir zu zweit tanzen, ob es dir gefällt oder nicht.“

Gwendolen kämpfte mit Mühe gegen ihren aufwallenden Zorn. „So bald schon?“

„Nicht bald genug, wenn du mich fragst. Ich habe nicht erwartet, eine solche Schönheit zu ehelichen.“

Sie lachte spöttisch. „Glaubt Ihr, mit Komplimenten bekommt Ihr eher, was Ihr wollt?“

Er verzog seinen Mund zu einem grimmigen Lächeln. „Ich habe schon bekommen, was ich wollte. Ich muss niemandem mehr schmeicheln.“

„Und was genau wäre das?“

„Hast du das noch nicht erraten? Ich wollte Kinloch, und jetzt habe ich es.“

Sie schluckte schwer. „Natürlich.“

Sie schwiegen, und Gwendolen rang um Fassung, als Angus der Löwe unverhohlen die sich unter ihrem Kleid abzeichnenden Formen ihrer Hüfte und Brüste musterte.

„Habe ich dir nicht befohlen, da runterzukommen?“, fragte er und neigte den Kopf zur Seite. „Oder muss ich erst hochkommen und dich wie einen Sack Rüben herunterbefördern? Wenn es das ist, was du willst, bin ich dir sonst gerne zu Diensten. Leider bin ich heute aber müde von der Schlacht und nicht in der Stimmung. Also mach, dass du da runterkommst, Mädchen. Noch einmal werde ich es nicht wiederholen.“

Gwendolen entging die Drohung nicht. Sie trat an den Rand des Podestes, straffte die Schultern und trat herunter. Dabei sah sie ihm fest in die Augen. Angus musterte sie von Kopf bis Fuß, dann sprang er hinauf und schritt auf dem Podest auf und ab, als wollte er Maß nehmen.

Gwendolen schwieg, als er sich auf den Stuhl ihres Vaters fallen ließ, seine langen, muskulösen Beine ausstreckte und sich genüsslich rekelte. „Endlich zu Hause“, sagte er.

Wieder ließ er den Blick über die Wappen und Banner der MacEwens wandern. Er schwieg, und sie vermutete, dass er entweder über die Zukunft nachdachte oder sich an die Vergangenheit erinnerte.

Sie versuchte, in seinem Gesicht zu lesen. Angus MacDonald räkelte sich wie ein Löwe auf seinem Thron und strahlte vollkommene Ruhe und Sicherheit aus. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass er der neue Laird von Kinloch war und dass sie seine gehorsame Gemahlin und Dienerin werden würde.

Wie sehr er sich doch irrte.

„Wo ist dein Bruder Murdoch?“, fragte er streng. „Warum ist er nicht hier, um Kinloch und seinen Clan zu verteidigen?“

„Er ist auf den Kontinent gereist, um Rom zu besuchen und dort zu lernen. Er ist der Meinung, dass ein starkes Clanoberhaupt Bildung haben und die Welt kennen müsse. Es ist ein Anliegen, das Ihr zweifellos nicht nachvollziehen könnt. Er brach auf, lange bevor unser Vater starb.“

„Aber warum ist er nach dem Tod deines Vaters nicht zurückgekehrt?“, erwiderte er spöttisch.

Sie sah ihn unverwandt an. „Ich bin nicht sicher, ob er überhaupt davon weiß. Natürlich haben wir ihm einen Brief geschickt, aber wir wissen nicht, ob er ihn auch erhalten hat. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass er bald zurückkehren wird. Vielleicht ja auch sehr unerwartet.“

Es war ein beabsichtigter Schlag gegen die Arroganz des Löwen. Er sollte wissen, dass die MacEwens niemals leichte Beute sein würden, auch wenn ihm sein Sieg an diesem Morgen vielleicht mühelos erschienen war.

Angus stützte sich auf die Stuhllehne. „Er wird doch keine Schwierigkeiten machen?“

„Das hoffe ich doch.“

Angus sah sie prüfend an. „Ich schätze, die eigentliche Frage ist eher, ob du mir Schwierigkeiten machen wirst.“

„Oh, ganz bestimmt.“

Seine Miene verfinsterte sich, und Gwendolen bereute ihre freche Antwort. War sie nicht gekommen, um vernünftig mit ihm zu verhandeln? Sie erwartete schon, dass er sich erheben und ihr gegenüber grob werden würde, doch er blieb einfach nachdenklich sitzen und schwieg. Unter seinem strengen Blick fühlte sich Gwendolen vollkommen nackt. Hitze stieg ihr in die Wangen.

„Begreifst du nicht, dass ich meinen Anspruch auf dich bereits erhoben habe?“

„Soviel ich verstanden habe, habt Ihr Euren Wunsch über die Dächer gebrüllt, anstatt mich zu fragen.“

Angus MacDonald neigte den Kopf. „Willst du vielleicht, dass ich vor dir niederknie?“, fragte er spöttisch.

„Nicht unbedingt.“

Er nickte. Offenbar verhalfen ihm ihre Antworten dazu, sich ein Bild von ihr zu machen.

Dann lehnte er sich entschlossen zurück. „Das ist gut. Ich bin nämlich kein Romantiker.“

„Was Ihr nicht sagt.“

Vom Deckengewölbe erklang ein Flattern. Angus MacDonald sah hinauf. Es war eine Schwalbe, die schon seit einer kleinen Ewigkeit in der Halle nistete. Jetzt flog sie durch den Torbogen in den Burghof hinaus.

„Sie hat sich einfach nicht vertreiben lassen“, erklärte Gwendolen. „Aber vielleicht hat dieses arme, schutzlose Wesen ja auch begriffen, dass Unheil in ihr Heim gezogen ist, und sie macht sich nun selbst aus dem Staub.“

„Wir werden sehen“, entgegnete er. Er stand auf, als wäre er dieser Unterhaltung müde und wolle sich wichtigeren Dingen widmen.

Hastig trat Gwendolen vor. „Wie auch immer“, sprudelte sie hervor.

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