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Deine Küsse verzaubern mich!

Brenda Jackson

Deine Küsse verzaubern mich!

1. KAPITEL

„Was machst du denn hier, Summer?“

Summer Martindale, die gerade in einem Dokument las, erstarrte beim Klang der heiseren Stimme, die sie nahezu sieben Jahre lang nicht gehört hatte. Und obwohl es schon so lange her war, erinnerte sie sich nur zu gut an diesen sinnlichen Klang, der sie tief berührte.

Sie holte tief Luft, bevor sie den Kopf hob und in Darius Franklins dunkle Augen sah. Sein Blick strahlte eine Kühle aus, bei der Summer eine Gänsehaut bekam.

Sie versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr es sie aus der Fassung brachte, Darius wiederzusehen. Was einst zwischen ihnen gewesen war, gehörte endgültig der Vergangenheit an. Das hatte er ihr damals ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, und sie hatte ihm nie verziehen, auf welche Weise er es getan hatte. Die Schmerzen, die sie dabei empfunden hatte, wollte sie nie wieder in ihrem Leben erleiden müssen.

„Ich könnte dich dasselbe fragen, Darius“, erwiderte sie schließlich im gleichen scharfen Tonfall, in dem er seine Frage gestellt hatte.

Er sah wirklich beeindruckend aus, wie er da mit über der Brust verschränkten Armen an der Tür stand und sie ansah. In diesem Augenblick schossen ihr dieselben Gedanken durch den Kopf wie damals, als sie diesen Mann zum ersten Mal gesehen hatte. Mit seiner Größe von einem Meter fünfundachtzig, dem dunklen Teint, dem kurz geschnittenen schwarzen Haar und dunkelgrauen Augen, war Darius Franklin ein außerordentlich attraktiver Mann. Ein paar kleine Veränderungen fielen ihr jedoch auf: Seine Wangenknochen schienen stärker hervorzutreten, und sein Gesichtsausdruck wirkte entschiedener, als sie ihn in Erinnerung hatte.

Sein finsterer Blick und die zusammengekniffenen Lippen ließen keinen Zweifel daran, dass auch Darius nicht besonders glücklich über das Wiedersehen war. Nicht dass es ihr anders erging. Sie konnte nicht behaupten, in den vergangenen Jahren nie an diesen Mann gedacht zu haben. Als sie sich jedoch den Herzschmerz und die Qualen ins Gedächtnis rief, die er ihr zugefügt hatte, bereute sie, ihn jemals in ihr Leben gelassen zu haben.

Während er sich vom Türrahmen abstieß und auf sie zukam, betrachtete sie seinen muskulösen Körper und spürte plötzlich Verlangen in sich aufsteigen. Darius wirkte noch genauso unwiderstehlich sexy wie damals. Die durchtrainierten Brust- und Armmuskeln zeichneten sich unter dem Baumwollstoff seines Hemdes deutlich ab, und er trug Jeans, die seine schmale Hüfte und die muskulösen Oberschenkel besonders gut zur Geltung brachten. Unwillkürlich musste Summer daran denken, wie er diese Oberschenkel damals an ihre gepresst hatte und sie ihn tief in sich gespürt hatte.

Mühsam verscheuchte sie die nur allzu lebhaften Erinnerungen. Stattdessen sah sie Darius wieder in die Augen und hielt seinem feindseligen Blick stand. Wieder einmal fragte sie sich, wieso dieser Mann, in den sie so heftig verliebt gewesen war, sie derart schäbig behandelt hatte.

„Ich wohne hier in Somerset.“

Er lebte hier in Somerset in Maverick County? Diese Neuigkeit überraschte Summer. Wann hatte er wohl das Houston Police Department verlassen – und vor allem: warum?

„Ich wohne auch in Somerset“, hörte sie sich sagen. „Ich bin letzten Monat hierher gezogen und arbeite jetzt als Sozialarbeiterin bei Helping Hands.“

Überrascht sah er sie an. „Als Sozialarbeiterin?“

„Ja, genau.“

Seine Verwunderung war verständlich. Als er sie vor sieben Jahren getroffen hatte, war er ein vierundzwanzigjähriger Detective beim Houston Police Department gewesen. Und Summer ein neunzehnjähriges Mädchen, das den Klauen ihres Verlobten Tyrone Whitman zu entkommen versuchte. Nachdem sie die Verlobung mit ihm gelöst hatte, hatte Tyrone die Trennung nicht akzeptiert und sie monatelang verfolgt. Schließlich hatte er sie allein in ihrem Apartment überrascht und ihr drei Stunden lang eine Waffe an den Kopf gehalten.

Während die Spezialeinheit der Polizei versucht hatte, Tyrone zum Aufgeben zu bewegen, war Darius durch das Badezimmerfenster in Summers Apartment eingestiegen, hatte Tyrone überwältigt und sie gerettet. In dieser Nacht war Darius zu Summers Ritter in strahlender Rüstung geworden.

Am nächsten Tag war er zu ihr gekommen, um die zerbrochene Fensterscheibe im Bad zu reparieren. Als ein nicht allzu schlauer Richter zugelassen hatte, dass Tyrone auf Kaution wieder freikam, war Darius bis zum Tag der Gerichtsverhandlung außerdem noch zu Summers persönlichem Beschützer geworden. Danach hatten sie sich fast täglich gesehen, und wann immer er sie zwischen seinen Schichtwechseln besucht hatte, hatte er ihr das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein.

Und für eine einzige Nacht war er ihr Liebhaber gewesen.

„Dann hast du also studiert und deinen Abschluss gemacht?“, fragte er, und fast glaubte sie, einen bewundernden Unterton wahrzunehmen. Doch der harte Ausdruck in seinen Augen verriet ihr, dass sie sich getäuscht haben musste.

„Ja, ich habe meinen Abschluss gemacht“, erwiderte sie, stolz auf ihre Leistung. Darius hatte zu den wenigen Menschen gehört, die sie zum Studium ermuntert hatten. Er hatte ihr geholfen, an sich selbst zu glauben. Eine Zeit lang hatte sie außerdem geglaubt, dass es für sie beide eine gemeinsame Zukunft gab – doch diese Hoffnung hatte er zerstört.

„Herzlichen Glückwunsch.“

„Danke“, entgegnete sie hastig und schob das Dokument zur Seite, in dem sie gelesen hatte. „Also, warum bist du hier, Darius? Was machst du hier bei Helping Hands?“

„Ich installiere hier das Sicherheitssystem und das Buchhaltungsprogramm“, erwiderte er, als ob das alles erklären würde.

Sie nickte. „Ach ja, der Texas Cattleman’s Club wollte jemanden vorbeischicken“, bestätigte sie und hatte ziemliche Schwierigkeiten, sich auf ihre Worte zu konzentrieren.

Sie hatte bereits eine Menge von dem Texas Cattleman’s Club gehört. Er bestand aus einer Gruppe von angesehenen Männern, die sich als so eine Art Beschützer des texanischen Staates betrachteten. Seine Mitglieder zählten allesamt zu den reichsten Männern des Landes. Der Club unterstützte viele der Projekte von Helping Hands, unter anderem ein neu eröffnetes Frauenzentrum in einer etwas ärmeren Gegend des ansonsten wohlhabenden Maverick Countys.

Summer hatte sich für die Stelle im Frauenzentrum beworben, die sie als eine gute Möglichkeit für einen Neuanfang betrachtete. Und so war sie von Austin, wo sie die vergangenen sechs Jahre gelebt hatte, hierher nach Somerset gezogen.

„Wie bist du eigentlich an den Auftrag gekommen?“, konnte sie sich nicht verkneifen zu fragen.

Er zuckte mit den Schultern. „Ich habe eine eigene Sicherheitsfirma.“

Verwundert darüber, dass er tatsächlich nicht mehr bei der Polizei arbeitete, runzelte sie die Stirn. Darius war ein ausgezeichneter Detective gewesen, und sie hatte sich immer vorgestellt, dass er Karriere bei der Polizei machen würde.

„Und wie lange lebst du jetzt schon in Somerset?“, wollte sie wissen.

„Fast sechs Jahre.“

Das war beinahe genauso lang, wie sie in Austin gewohnt hatte. Er musste ein Jahr nachdem sie ihre Beziehung beendet hatten, hierhergekommen sein. Unwillkürlich verbesserte sie sich im Stillen: Sie hatten ihre Beziehung überhaupt nicht beendet, weil sie eigentlich gar keine gehabt hatten … zumindest nicht so, wie sie geglaubt hatte.

„Wenn du dein Verhör beendet hast, würde ich gerne mit meiner Arbeit anfangen“, bemerkte er.

„Von mir aus. Ich räume den Platz, falls du hier arbeiten musst“, entgegnete sie und stand auf. Es war doch ein bisschen zu viel für sie, ihn nach all den Jahren wiederzusehen. Bittersüße Erinnerungen stiegen in ihr auf, doch sie war entschlossen, dem Anflug von Sentimentalität zu widerstehen.

„Wenn du noch was brauchst, dann sag es Marcy Dillard, unserer Sekretärin hier. Ich gehe in der Zwischenzeit zum Mittagessen.“

Eilig griff sie nach ihrer Tasche und ging an ihm vorbei zur Tür.

„Summer?“

„Ja?“, fragte sie, während sie sich umdrehte.

Immer noch hatte er diesen kühlen Ausdruck in den Augen. „Ich würde gerne sagen können, dass ich mich freue, dass du jetzt hier lebst, aber das wäre eine Lüge.“

Verärgert sah sie ihn an. „Tja, dann werden wir wohl lernen müssen, uns zu arrangieren, meinst du nicht?“ Und ohne seine Antwort abzuwarten, ging sie einfach.

Darius lehnte sich an den Schreibtisch und blickte Summer nach. Es dauerte eine Weile, bis sich sein Herzschlag wieder beruhigt hatte.

Sieben Jahre waren eine lange Zeit, trotzdem hatte es ihm heute einen Stich versetzt, Summers überraschten Blick zu sehen. Die Erinnerungen überwältigten ihn, als er daran dachte, wie viel sie ihm damals bereits nach so kurzer Zeit bedeutet hatte. Und wie sehr ihr Betrug ihn verletzt hatte.

Frustriert schlug er mit der Faust auf den Tisch. Wie konnte es sein, dass er diese Frau nach all der Zeit immer noch so begehrenswert fand? Nach allem, was sie ihm angetan hatte? Warum erregte ihr Anblick ihn immer noch genauso wie vor sieben Jahren? Sie war nicht mehr die Neunzehnjährige, die abgesehen davon, dass sie sich von ihrem brutalen Verlobten befreien wollte, nicht gewusst hatte, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Sie war genauso betörend, wie er sie in Erinnerung gehabt hatte – und vielleicht sogar noch betörender als früher.

Summer hatte sich zu einer vollendeten Schönheit entwickelt. Sie war schlank, trug das braune, glatte Haar schulterlang und hatte haselnussbraune Augen, die ihn magisch anzogen. Ihre Haut war leicht gebräunt und sah so unglaublich weich aus, dass er unwillkürlich daran denken musste, wie himmlisch es sich angefühlt hatte, sie zu berühren.

Für einen Augenblick senkte Darius den Kopf, als weitere Erinnerungsfetzen in ihm wach wurden – Erinnerungen, die er mühsam zu vergessen versucht hatte.

Nach dem College hatte er eine Stelle im Houstoner Police Department angenommen, fest dazu entschlossen, eine Bilderbuchkarriere zu machen. Als die Polizei zu einem Fall häuslicher Streitigkeiten gerufen worden war, waren Darius und sein Partner Walt Stewart als Erste dort eingetroffen.

Eine junge Frau, die gegen ihren ehemaligen Verlobten eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte, befand sich in höchster Gefahr. Der Mann, ein gewisser Tyrone Whitman, war in ihr Apartment eingebrochen und drohte, sie zu erschießen, wenn sie nicht zu ihm zurückkehrte.

Während Walt versuchte, den Typen zur Aufgabe zu überreden, gelang es Darius, durch das Badezimmerfenster in die Wohnung einzusteigen, Whitman zu überwältigen und Summer zu befreien.

Nachdem Whitman auf Kaution bis zur Verhandlung wieder freigelassen worden war, hatte Darius sich um Summers Sicherheit Sorgen gemacht und es persönlich übernommen, auf die junge Frau aufzupassen. Doch schnell wurde offensichtlich, dass da viel mehr für ihn dahintersteckte. Er fühlte sich zu ihr hingezogen und war überzeugt davon, sie sei etwas Besonderes. Eine junge Frau, die sich auf den falschen Kerl eingelassen hatte – und die jetzt versuchte, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Obwohl sein Kollege ihn davor gewarnt hatte, hatte Darius sich in sie verliebt.

Er hatte geglaubt, sie zu kennen und dass sie dasselbe für ihn empfand – besonders nach dieser einzigartigen, leidenschaftlichen Nacht, die sie gemeinsam verbracht und in der sie sich voller Hingabe geliebt hatten. Er zitterte immer noch, wenn er an diese Nacht und die Dinge zurückdachte, die sie im Rausch der Leidenschaft angestellt hatten. Obwohl er sich in den vergangenen sieben Jahren redlich darum bemüht hatte, hatte Darius diese Liebesnacht nie vergessen können.

Offensichtlich hatte sie mehr für ihn bedeutet als für Summer.

Am Tag danach hatte sein Bruder Ethan einen schweren Autounfall gehabt, und Darius war sofort zu ihm nach Charleston gefahren. Da er Summer nicht erreichen konnte, hatte er seinen Partner Walt gebeten, ihr Bescheid zu sagen. Als er eine Woche später nach Houston zurückkehrte, war Summer verschwunden. Sie hatte einfach ihre Sachen gepackt und die Stadt verlassen – ohne zu sagen, wohin sie gegangen war. Sie hatte Walt gebeten, Darius auszurichten, dass sie mit einem älteren Mann ein neues Leben beginnen wollte. Einem reichen Mann – etwas, was Darius damals noch nicht war.

Nachdem er beinahe seinen Bruder verloren hatte, war er am Boden zerstört gewesen, dass jetzt auch noch Summer ihm den Rücken zugekehrt hatte und alles, was zwischen ihnen gewesen war, für Geld aufgab.

Er verzog die Lippen zu einem bitteren Lächeln, als er sich fragte, was Summer wohl jetzt sagen würde, wenn sie herausfand, dass er ein sehr wohlhabender Mann geworden war. Sein Geld hatte er einigen gelungenen Investitionen und seinem erfolgreichen Sicherheitsunternehmen zu verdanken. Wahrscheinlich dachte sie, dass der Texas Cattleman’s Club ihm lediglich den Auftrag gegeben hatte, das Sicherheitssystem bei Helping Hands zu installieren – er konnte sich ihre Überraschung vorstellen, sollte sie jemals herausfinden, dass er ein Mitglied dieses angesehenen Clubs war, der die Stiftung und somit auch Summers Gehalt finanzierte.

Ein plötzlich auftauchender Gedanke verursachte ihm eine Gänsehaut. Was, wenn sie es bereits wusste? Was, wenn sie nur nach Somerset gekommen war, weil sie von seinem Erfolg gehört hatte – und glaubte, Darius wieder zurückerobern zu können? Einer Frau, die nach einem reichen Ehemann Ausschau hielt, war alles zuzutrauen. Schon einmal war er gutgläubig gewesen – meinte sie etwa, er würde wieder auf sie hereinfallen? Wenn er darüber nachdachte, was sie vor sieben Jahren getan hatte, traute er ihr ein solches Verhalten durchaus zu.

Seine Gedanken überschlugen sich beinahe, während er weitere Vermutungen anstellte. Er hatte keinen Ring an ihrem Finger entdeckt, das hieß, dass sie wahrscheinlich nicht verheiratet war. Sie hatte tatsächlich sehr überrascht gewirkt, als er im Frauenzentrum auftauchte. Aber natürlich konnte das auch nur gespielt gewesen sein. Er hatte schließlich damals auf die harte Tour selbst herausgefunden, was für eine begabte Schauspielerin sie war. Eines stand für ihn auf jeden Fall fest: Dieses Mal würde er auf der Hut sein. Sie hatte ihm sein Herz einmal gebrochen, noch einmal würde es ihr nicht gelingen.

Er wollte gerade mit der Arbeit anfangen, für die er eigentlich hierhergekommen war, als sein Handy klingelte. Der Klingelton verriet ihm, wer der Anrufer war, und er ging ran. „Ja, Lance?“

„Hey, Mann, tut mir echt leid, ich habe deinen Anruf vorhin verpasst.“

„Kein Problem. Ich wollte dir eigentlich nur erzählen, dass Chief Ingle von der Feuerwehr sich bei mir gemeldet hat. Ich treffe mich morgen Abend mit ihm, um ein paar Dinge zu besprechen. Er meinte, dass er den offiziellen Bericht in gut einer Woche fertig haben wird. Daraus geht hervor, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde.“

Lance Brody war Darius’ bester Freund. Er kannte ihn noch aus seiner Zeit an der Universität von Texas, wo sie sich gemeinsam mit einem weiteren Freund, Kevin Novak, ein Zimmer geteilt hatten. Zwischen den dreien war eine Freundschaft entstanden, die ein Leben lang halten würde. Es gab nichts, was einer für den anderen nicht tun würde, und Darius verdankte seinen finanziellen Erfolg nicht zuletzt diesen beiden Männern.

Lance und sein jüngerer Bruder Mitch kamen aus einer reichen Familie und besaßen gemeinsam die Brody Oil and Gas Company. Die beiden hatten Darius schon häufiger um seine Mithilfe bei Ermittlungen gebeten – genau wie Kevin, der äußerst erfolgreich im Immobilienbereich tätig war.

Lance und Kevin waren in Somerset aufgewachsen und hatten Darius davon zu überzeugen versucht, nach dem Studium auch dort hinzuziehen. Doch er hatte sich für den Job in Houston entschieden. Kurz nach dem Zwischenfall mit Summer hatte er allerdings beschlossen, in Somerset ein neues Leben zu beginnen.

Seitdem hatte er eng mit seinen Freunden zusammengearbeitet, und Lance hatte ihn engagiert, um die Ursache für das Feuer herauszufinden, das vor einigen Wochen in der Raffinerie von Brody Oil and Gas ausgebrochen war. Es hatte zwar erheblichen Schaden angerichtet, aber glücklicherweise war niemand ernsthaft verletzt worden. Darius hatte von Anfang an geglaubt, dass es sich um Brandstiftung handelte, und jetzt hatte Chief Ingle seinen Verdacht bestätigt.

„Ich kann es kaum erwarten, Alex endlich dranzukriegen“, sagte Lance. „Und ich werde dafür sorgen, dass er so schnell nicht wieder aus dem Gefängnis kommt.“

Lance und Mitch waren ziemlich sicher, dass Alejandro „Alex“ Montoya, der langjährige und verhasste Rivale der Brüder, das Feuer gelegt hatte.

„Komm mal wieder auf den Teppich, Lance. Der Mann ist so lange unschuldig, bis wir seine Schuld bewiesen haben“, wandte Darius ein.

„Warte, bis der Bericht veröffentlicht ist. Ich sage dir, Alex Montoya steckt hinter dem Feuer.“

„Das kann ja durchaus sein“, erwiderte Darius, der wusste, dass es keinen Zweck hatte, mit Lance darüber zu diskutieren. „Aber das müssen wir erst einmal beweisen. Wie geht es eigentlich Kate?“, fragte er scheinbar beiläufig, um das Thema zu wechseln. Lance und Kate waren vor ein paar Wochen nach Las Vegas geflogen, um Hals über Kopf zu heiraten.

„Kate geht es gut, und ich weiß ganz genau, was du mit deiner Frage bezwecken willst“, entgegnete Lance.

Darius lachte leise auf. „Bring mich ruhig zum Lachen. Ich kann es dringend gebrauchen.“

„Klingt, als hättest du einen schlechten Tag gehabt“, bemerkte Lance.

„Das kannst du laut sagen. Summer ist hier.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte zunächst Schweigen. „Summer? Deine Summer?“, fragte Lance schließlich nach.

Das klang irgendwie seltsam, dachte Darius, denn Summer hatte ja nie richtig zu ihm gehört. Da er aber mal gedacht hatte, dass sie es tat, hatte er Lance natürlich alles über sie erzählt. „Ja, Summer Martindale.“

„Was macht sie denn in Somerset?“

„Sie ist Sozialarbeiterin im Helping Hands Frauenzentrum“, erwiderte Darius mit einem tiefen Seufzer. „Ich bin eigentlich nur wegen der Sicherheitssysteme hingegangen und dabei ausgerechnet in ihrem Büro gelandet.“

„Na, ich kann mir schon vorstellen, wie sehr ihr beide euch über das Wiedersehen gefreut habt“, meinte Lance sarkastisch.

„Ja, und das ist sogar noch untertrieben.“

„Das hört sich ganz danach an, als könntest du einen Drink vertragen. Lass uns doch in der Mittagspause im Café vom Cattleman’s Club treffen.“

Als Darius kurz darauf auflegte, wusste er, dass Lance recht gehabt hatte. Er brauchte jetzt unbedingt einen Drink.

Summer machte es sich im Red Sky Café bequem, das drei Blocks vom Frauenzentrum entfernt lag. An diesem herrlichen Augusttag hatte sie den Spaziergang in vollen Zügen genossen und dabei die Gelegenheit genutzt, die unerwartete Begegnung mit Darius zu verarbeiten.

Sie sah sich im Café um. Seitdem sie für Helping Hands arbeitete, war sie oft zum Lunch hier gewesen und hatte sich mit den Besitzern angefreundet. Die Timmons hatten schon immer hier gelebt und hatten geholfen, die Mitglieder des Texas Cattleman’s Clubs zu überzeugen, das Frauenhilfsprojekt finanziell zu unterstützen.

Helping Hands bot Frauen Schutz, die Opfer von Gewalt geworden waren. Die Mitarbeiter unterstützten die Frauen, über das Erlebte hinwegzukommen und dabei, neue Pläne für ihre Zukunft zu schmieden. Helping Hands hatte erst vor einigen Monaten eröffnet, und Summer war als Mitarbeiterin im Beraterteam eingestellt worden. Summer wusste den Einsatz der Mitglieder des Texas Cattleman’s Clubs für dieses Projekt sehr zu schätzen. Aus eigener Erfahrung wusste sie nur zu gut, wie wichtig eine solche Einrichtung war.

Erst nachdem Summer sich mit Tyrone verlobt hatte, war ihr seine besitzergreifende Art aufgefallen. Immer wieder hatte er sie sowohl psychisch als auch physisch gequält, bis Summer es nicht mehr ausgehalten hatte und sich an ein Frauenhilfsprojekt in Houston gewandt hatte. Dort hatte sie endlich die Kraft gefunden, mit ihrem gewalttätigen Verlobten Schluss zu machen. Die Beraterinnen hatten ihr deutlich gemacht, dass sie zwar keinen Einfluss auf Tyrone, sehr wohl jedoch auf ihr eigenes Verhalten hatte. Was bedeutete, dass nur sie allein die Entscheidung treffen konnte, sich aus dieser Situation zu befreien.

Tyrone hatte ihren Entschluss, ihn zu verlassen, nicht akzeptieren wollen und deswegen damit begonnen, sie auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Deshalb hatte sie damals eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt. Doch Monate später war er eines Nachts in ihr Apartment eingebrochen und hatte damit gedroht, sie zu töten. Wenn sie daran zurückdachte, lief es ihr immer noch kalt den Rücken herunter.

Nach ihren eigenen schrecklichen Erfahrungen, die sie mit Tyrone gemacht hatte, und nachdem Darius ihr das Herz gebrochen hatte, hatte sie das Vertrauen in ihr eigenes Urteilsvermögen, was Männer anging, verloren, und war seitdem allein geblieben. Sattdessen hatte sie sich in ihre Bücher vergraben, um ihren Abschluss zu bekommen.

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