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Dein Verein – Dein Wappen

Leonard Jägerskiöld Nilsson

Dein Verein –
Dein Wappen

Geschichten zu den Emblemen
von Fußballvereinen weltweit

INHALT

Zu diesem Buch

DEUTSCHLAND

Hertha BSC

Eintracht Braunschweig

Werder Bremen

Borussia Dortmund

Hamburger SV

1. FC Kaiserslautern

1. FC Köln

Bayer 04 Leverkusen

Borussia Mönchengladbach

Bayern München

1. FC Nürnberg

Schalke 04

FC St. Pauli

VfB Stuttgart

VfL Wolfsburg

ENGLAND

FC Arsenal

Aston Villa

Blackburn Rovers

Brighton & Hove Albion

Cardiff City

FC Chelsea

FC Everton

Hull City

Leeds United

Leicester City

FC Liverpool

Manchester City

Manchester United

Newcastle United

Tottenham Hotspur

West Ham United

SPANIEN

FC Barcelona

Athletico Bilbao

Deportivo La Coruña

Atlético Madrid

Real Madrid

Real Sociedad San Sebastián

FC Sevilla

FC Valencia

ITALIEN

AC Florenz

Sampdoria Genua

AC Mailand

Inter Mailand

Parma Calcio 1913

AS Rom

Lazio Rom

Juventus Turin

FRANKREICH

Girondins Bordeaux

Olympique Lyon

Olympique Marseille

AS Monaco

FC Nantes

Paris St. Germain

AS St. Etienne

ÖSTERREICH

SK Sturm Graz

FC Wacker Innsbruck

RB Salzburg

Austria Wien

Rapid Wien

SCHWEIZ

FC Basel

Young Boys Bern

FC Zürich

Grasshopper Club Zürich

RUND UM DIE WELT

Ajax Amsterdam

Roter Stern Belgrad

Boca Juniors

Schachtar Donezk

PSV Eindhoven

Celtic Glasgow

Glasgow Rangers

Beşiktaş Istanbul

Fenerbahçe Istanbul

Galatasaray Istanbul

Dynamo Kiew

Benfica Lissabon

Malmö FF

Olympiakos Piräus

FC Porto

Flamengo Rio de Janeiro

Fluminense Rio de Janeiro

FC Santos

Corinthians São Paulo

Zenit St. Petersburg

Danksagung

Über den Autor

ZU DIESEM BUCH

Fußballvereine, ihre Anhänger und die internationalen Fußballvereinigungen haben mich schon immer fasziniert. Was ist das Besondere an ihnen? Was führt sie zusammen, und was verbindet sie? Die Identität eines Fußballvereins kommt auf verschiedene Weise zum Ausdruck – durch die Spieler auf dem Platz, die Vereinsfarben auf ihren Trikots, das Stadion, die Fans und das Vereinswappen. Letzteres erfährt in der Regel am wenigsten Aufmerksamkeit – aber ist es nicht genau dieses Wappen, das die Fans mit ihren Vereinen verbindet? Überall findet es sich wieder: auf allen Programmen und Merchandising-Artikeln. Aber wer weiß schon, wie es entstanden ist und wofür es steht?

Für mich ist das Vereinswappen ein Schlüsselsymbol für jede Mannschaft, ihre Fans und die gemeinsame Leidenschaft, getragen von Lokalpatriotismus und Traditionen. Denn die Liebe zu einem Verein wird oftmals über Generationen weitergegeben – das gilt natürlich auch für das Vereinsabzeichen. In ritterlicher Tradition kämpft man auch im Fußball ganz im Zeichen seines Clubs und steht für »seine Farben«. Das Vereinswappen symbolisiert Identität, Geschichte und Einheit. Es lässt die Fans auf den Tribünen, in den Fußballkneipen, klaustrophobisch eng gefüllten Frittenbuden oder unter sonnengebleichten Schirmen beim Public Viewing eine verschworene Gemeinschaft bilden.

Dabei kann die Identifikation weit über das rein Sportliche hinausgehen. So sind beispielsweise die Niethämmer im Wappen von West Ham United ein Symbol für die urbanen Wurzeln des Clubs in East London, im Milieu der Eisen- und Hafenarbeiter. Oder die Zwillinge Romulus und Remus im Wappen des AS Rom: Sie stehen für die mythischen Begründer Roms und waren schon immer ein Teil des kollektiven Bewusstseins der italienischen Hauptstadt.

Mit der Globalisierung des Fußballs in unserer modernen Welt bekamen auch die Embleme immer mehr Bedeutung. Heute repräsentieren sie weltweit nicht mehr nur ihren Verein, sondern immer auch eine bestimmte Marke – und damit auch den Stellenwert eines Vereins im internationalen Fußballgeschäft.

Dabei kommt es nicht selten zu Konflikten. Veränderungen in der Eigentümerstruktur eines Vereins und/oder der Wunsch, den Verein neu oder anders zu positionieren, führen von Saison zu Saison wieder dazu, dass überall auf der Welt neue bzw. modifizierte Wappen vorgestellt werden. Manchmal passen diese Veränderungen zur Vereinstradition – manchmal nicht. Im letzteren Fall zeigt sich die wahre Bedeutung eines Wappens. So kam es etwa bei dem englischen Verein Hull City zu erheblichen Protesten der Fans gegen die Eigentümer, weil sie mit dem neuen Wappen nicht einverstanden waren. Das zeigt, wie schmal der Grat ist, auf dem man sich bei der Neugestaltung eines Vereinsemblems bewegt. Einerseits gilt es, die Interessen der Fans zu wahren, die sich mit dem Wappen wie mit ihrem Club identifizieren, seine Tradition und Geschichte verinnerlicht haben. Auf der anderen Seite steht das Interesse der Eigentümer und Vereinsmanager, das Wappen als Markenemblem im globalen Wirtschaftsleben ansprechend modern, ja zukunftsweisend zu präsentieren. Während die Fans also vorrangig die Geschichte, Tradition und Identität eines Clubs bewahren wollen, geht es dem Verein vielleicht gerade um einen Neuanfang oder darum, neue Märkte erschließen zu wollen.

Als zum Beispiel Paris Saint-Germain 2011 von Qatar Sports Investments gekauft wurde, manifestierte dieser Kauf eine Veränderung der Machtverhältnisse im französischen Fußball, die auch in einem neuen Wappen zum Ausdruck gebracht wurde. Ebenso waren wirtschaftliche Gründe der entscheidende Beweggrund dafür, dass Vincent Tan, der Besitzer des Waliser Clubs Cardiff City, beschloss, das traditionelle blaue Emblem gegen ein rotes auszutauschen. Er wollte nämlich seinen Club auch auf dem asiatischen Markt etablieren – in Asien ist Rot eine Glücksfarbe. Doch damit nicht genug: Auch den traditionellen Hüttensänger ließ Tan aus dem Vereinsemblem verschwinden und ersetzte ihn durch den angeblich beliebteren walisischen Drachen.

Für viele Eigentümer bedeutender Clubs spielt der Stellenwert ihres Vereins im globalen Marktgeschehen eine entscheidende Rolle. In Nordamerika wie in Asien bieten sich ihnen heute teilweise neue Märkte mit enormem Potenzial, auf denen gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Im Bestreben, sich hier zu etablieren und den Verein als Marke zu positionieren, werden die Bedürfnisse der gern am traditionell identitätstiftenden Emblem festhalten wollenden Fans meist zurückgestellt. Schon deshalb muss sich eine Betrachtung der Vereinswappen den Wurzeln eines Clubs genauso widmen wie seiner Zukunft. Und genau darum geht es mir mit diesem Buch – darum, in die Geschichte der Fußballvereine einzutauchen, um ein Bild von ihrer Entwicklung zu vermitteln und dabei in der Gesamtschau vielleicht auch aufzuzeigen, wohin die Reise im internationalen Fußballgeschäft zukünftig geht oder gehen könnte.

Das war kein einfaches Unterfangen. Wie ich bei meinen Recherchen feststellen musste, bieten die Archive vieler Clubs nur selten tiefere Einblicke in ihre Geschichte. Erstaunlicherweise hatten sehr viele Vereine nicht einmal ihre früheren Logos dokumentiert. Es kam mir so vor, als wollten sie damit einen Teil ihrer eigenen Geschichte verdrängen. Das spornte mich aber nur noch umso mehr an, dieses Buch zu schreiben …

Die Welt des internationalen Vereinsfußballs ist ein ganz eigenes Universum. Das spiegelt sich auch in den Wappen. Mit diesem Buch präsentieren wir Ihnen einen interessanten Einblick in diese Welt, zu der Giganten wie Real Madrid genauso gehören wie klassische Teams à la Tottenham Hotspur und Kultvereine wie der FC St. Pauli. Wo auch immer sich diese Vereine in der aktuellen Hierarchie des Weltfußballs gerade befinden, wenn Sie diese Zeilen lesen, eines verbindet sie alle: dass ihre Wappen eine spannende Geschichte zu erzählen haben.

HERTHA BSC

Die Zukunft gehört Berlin. Das war nicht immer so, aber im Jahr 1892 bestimmt. Denn damals wurde in der Stadt an der Spree einer der ersten reinen Fußballclubs in Deutschland gegründet. Und zwar als »Berliner Fußball Club Hertha 1892«. Einunddreißig Jahre später, am 7. August 1923, tat man sich mit dem Berliner Sport-Club zusammen und benannte den Verein um in Hertha BSC – diesen Namen behielt man auch dann bei, als sich diese beiden Vereine im Jahr 1930 wieder voneinander trennten.

Heute spielt Hertha im zweitgrößten Stadion der Bundesrepublik, dem Berliner Olympiastadion, in dem durchschnittlich 50 000 Zuschauer jedes Heimspiel verfolgen. In der Ewigen Tabelle der Bundesliga, zu deren Gründungsmitgliedern dieser größte Sportverein der Stadt gehört, belegen die Berliner Rang 12. Und doch konnten sie sich nie wirklich als echte Spitzenkraft im deutschen Fußball etablieren: Sechsmal standen sie im Finale um die Deutsche Meisterschaft, zweimal – in den Jahren 1930 und 1931 – wurden sie Deutscher Meister; in einer Zeit also, in der mit Hans Pfeifer ein prominentes Mitglied der NSDAP ihr Vereinsvorsitzender war. Die im Jahr ihres 125-jährigen Gründungsjubiläums beginnende Saison 2017/18 beendeten sie auf dem 10. Platz. In der wechselvollen Geschichte dazwischen erlebte der Verein alle Höhen und Tiefen des Fußballs: von der Rückversetzung in die Regionalliga (1965–1968) bis zum Vizemeistertitel in der 1. Liga (1974/1975) und der Teilnahme an der Champions League (1999/2000).

Heute versteht sich Hertha BSC als Haupstadtclub, der Fans aus Ost und West vereinen möchte und seine Spiele seit dem Jubiläumsjahr 2017 unter dem Motto »Die Zukunft gehört Berlin« austrägt. Auf der Homepage des Vereins veröffentlichte man dazu das folgende »Glaubensbekenntnis«: »Wir sind West, Ost und Mitte. Wir sind Haupt- und Weltstadt und lieben jeden Kiez. Bei uns kann alles und jeder das nächste große Ding werden. Wir verteidigen unsere Werte und überwinden Mauern. Unsere Erfolgskurve ist eine Achterbahn. Wir sind Berlins ältestes Start-up und erfinden uns täglich neu. Wir sind Hertha BSC. Berlin seit 1892.«

VEREIN: HERTHA, BERLINER SPORT-CLUB

SPITZNAMEN: DIE ALTE DAME, DIE BLAU-WEISSEN

GRÜNDUNGSJAHR: 1892

SPIELSTÄTTE: OLYMPIASTADION, BERLIN (74 475 PLÄTZE)

BERÜHMTE SPIELER: OTTO REHHAGEL, GÁBOR KIRÁLY, ARNE FRIEDRICH,

MICHAEL PREETZ, MARCELINHO

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1. 1892–1923. Gegründet wurde der Verein ursprünglich als »Berliner Fußball Club Hertha 1892«. Fritz Lindner, einer der Initiatoren, hatte kurz zuvor auf dem Spreedampfer »Hertha« eine unvergessliche Reise unternommen; eine weitere Inspiration für die Namensgebung könnte die germanische Gottheit Nerthus gewesen sein, auf die der weiblicheVorname Hertha zurückgehen soll. Zu den Vereinsfarben Blau und Weiß wurde Fritz Lindner vom Schornstein des Spreedampfers inspiriert. Das erste Hertha-Wappen blieb bis zur Fusion mit dem Berliner Sportverein im Jahr 1923 erhalten, als Hertha Berlin seinen heutigen Namen erhielt.

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2. 1933–1948. Hertha Berlins erstes historisches Wappen wurde bei der Vereinsübernahme durch den Nationalsozialisten Hans Pfeifer eingeführt. Das verwendete Emblem in Form einer Flagge repräsentierte den Verein noch drei Jahre über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus.

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3. 1960er-Jahre. Anfang der 1960er-Jahre entschied man sich für ein neues, viel diskutiertes Vereinswappen. Angeblich sollte es die Form einer Discokugel nachahmen, um jüngere Vereinsanhänger anzusprechen. Das Emblem wurde nur zwei Spielzeiten lang verwendet.

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4. 1995–2012. Die HBSC-Flagge erscheint im Lauf der Jahre immer wieder in verschiedenen Formen. In dieser Version wurde das Wort Berlin hinzugefügt, was viele für überflüssig halten, da das B in BSC bereits für Berlin steht. Die Kritik der Fans führt im Jahr 2012 zur Abschaffung dieses Vereinsabzeichens.