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Das verhängnisvolle Tagebuch: Romantic Thriller

Ann Murdoch

Das verhängnisvolle Tagebuch: Romantic Thriller

Cassiopeiapress Spannung





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80331 München

Ann Murdoch: Das verhängnisvolle Tagebuch

In London werden seit einiger Zeit immer wieder Frauen ohne Erinnerung und im geistigen Zustand eines Kleinkindes aufgefunden. Der Psychologe Sir Thomas Harding erhält von seinem Butler Hinweise darauf, dass sich der Mikrobiologe Brandon Hyams seit dem Erwerb des angeblichen Tagebuches von Dr. Jekyll sehr merkwürdig benimmt und stellt eine Verbindung zwischen beiden Fällen her, denen er zusammen mit der befreundeten Journalistin Helen Jefferson nachgeht.

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© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

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Teil 1

Sonya war ahnungslos. Eigentlich war sie hergekommen, um eine ganz besondere Art von Arbeit auszuführen. Höflich ausgedrückt gehörte sie zum horizontalen Gewerbe. Es war schon seltsam, dass man sie zu diesem doch vornehmen Haus geladen hatte. Aber sicher würde die Bezahlung dann auch dementsprechend vornehm sein.

Sie lächelte den Mann vor sich einladend an und wollte schon den Reißverschluss ihres hautengen Kleides öffnen. Eine rasche unerwartete Bewegung irritierte sie jedoch, und dann spürte sie den Einstich einer Spritze. Noch bevor sie aufschreien konnte, sackte ihr Körper zusammen.

„Sie müssen keine Angst haben“, sagte der Mann, der ihren schlaffen Leib jetzt durch den Raum zerrte und dann auf einem Stuhl ablegte. Gurte an den Armlehnen und auch unten an den Stuhlbeinen wurden festgezogen, dann wurde auch der Kopf fixiert.

Ein irres Lachen brach sich Bahn aus der Kehle des Mannes. „Ich will Ihnen nichts Böses, ganz im Gegenteil. Sie nehmen teil an einem faszinierenden Experiment, in dessen Verlauf Ihr Geist ungeahnte Höhen erreichen wird. Sie werden sich verändern von einer einfachen Frau von der Straße zu einer wahren Geistesgröße. Ihre Intelligenz und Ihre Ausdauer werden sprunghaft zunehmen, und Sie werden auf jedes Wort von mir hören. Gemeinsam werden wir dann völlig neue Wege gehen.“

Ein Irrer!, schoss es Sonya durch den Kopf. Bisher hatte sie Glück gehabt mit ihren Kunden, so einer war ihr noch nicht untergekommen, aber einmal ist immer das erste Mal. Sie wollte aufbegehren, ihn anschreien, dass sie gar kein Verlangen danach hatte, anders sein zu wollen, als sie es im Augenblick war. Und dass sie auf keinen Fall irgendwelche Experimente mit ihm machen wollte. Doch außer ihren Augen konnte sie keinen Körperteil rühren.

Mit Entsetzen und heftig schlagendem Herzen musste sie es zulassen, dass der Mann Elektroden an ihrem Kopf befestigte. Davon gingen dünne Kabel zu Geräten, die irgendwie einen medizinischen Eindruck machten. Erneut bekam sie eine Spritze, und gleich darauf setzte ein Alptraum in ihrem Innern ein.

Schmerzen rasten durch ihren Körper, vor ihrem geistigen Auge formten sich grauenerregende Gestalten, alles verwob sich zu einem wirren Kaleidoskop, und ihre lautlosen Schreie verhallten ungehört im Nichts.

Eine Stunde später löste der Mann auch die letzten Gurte.

„War noch immer nicht die richtige Mischung“, murmelte er enttäuscht, während er den leichten Körper der zierlichen Frau über seine Schulter warf.

Er verließ den Raum durch eine Tapetentür, ging dann durch einen langen Gang und schließlich eine schmale, schlecht beleuchtete Treppe hinauf. Gleich darauf befand er sich auf der Straße. Von hier aus war es nicht weit zum Trafalgar Square. Er legte die Frau auf einer Bank ab, ungesehen, um vier Uhr früh schlief selbst London zum größten Teil. Irgendjemand würde sie später schon finden, ohne Gedächtnis. Eine Frau ohne Namen, ohne Erinnerung, die vielleicht unter den Nachwirkungen einer Überdosis irgendeines Rauschgiftes litt. Sie würde sich auf jeden Fall an nichts erinnern können und wahrscheinlich den Rest ihres Lebens vor sich hindämmern, genau das Gegenteil dessen, was der Mann mit seinem Versuch eigentlich bewirken wollte.

Noch immer vor sich hin murmelnd ging der Mann davon, kehrte in sein Haus zurück und legte sich in sein Bett.

Einige Stunden später erwachte er, müde und erschöpft. Beim Studium der Zeitungen wunderte er sich, wie viele andere auch, über die starke Zunahme der Zahl von Menschen, die orientierungslos aufgefunden wurden. Scheinbar war eine neue Droge in der Szene aktiv, deren Bestandteile bisher noch niemand erkannt hatte. Es würde vermutlich in den nächsten Wochen seine Aufgabe sein, die Zusammensetzung dieser Droge ausfindig zu machen.

Als Sonya an diesem Tag von einem uniformierten Polizisten aufgefunden wurde, lächelte sie wie ein kleines Kind. Doch ihre Augen waren leer, ihr Geist für immer zerstört. Wie schon andere Opfer vorher kam sie in eine geschlossene Anstalt.


*


Es klirrte unangenehm laut, als das kostbare Waterford-Kristall zu Boden fiel. Ein Poltern verriet, dass auch das schwere silberne Tablett den gleichen Weg gegangen war.

Irritiert blickte Professor Thomas Harding von seinem Buch auf und paffte eine Rauchwolke aus seiner Pfeife.

Jenkins, der Butler und gute Geist des Hauses, beugte sich mit hochrotem Kopf nieder und sammelte die Scherben auf.

„Ich bitte um Verzeihung, Sir“, murmelte er kaum hörbar. „Selbstverständlich werden Sie mir die Kosten für meine Ungeschicklichkeit von meinem Gehalt abziehen.“

„Blödsinn“, fuhr Sir Thomas auf. Rasch hockte er sich neben seinen treuen Butler, der in all den Jahren schon zu einem guten Freund geworden war, und sammelte ebenfalls eifrig die Scherben mit auf.

„Oh, Sir, bitte nicht“, bat Jenkins geschockt und hielt die Hand seines Dienstherrn fest.

„Und warum nicht?“, knurrte der geadelte Psychologe und schob die Hände des anderen beiseite. „So ein Malheur kann jedem passieren, auch wenn ich das bei Ihnen noch nie erlebt habe. Sind Sie krank, Jenkins? Fühlen Sie sich nicht wohl? Dann sollten Sie mich nun wirklich nicht auch noch bemuttern. Ich werde es bestimmt überstehen, wenn ich ein paar Tage ohne Sie auskommen muss.“

Das Erschrecken im Gesicht des Butlers sprang Sir Thomas förmlich entgegen.

„Ich bin nicht krank, Sir, nein, wirklich nicht. Außerdem wäre es dann auch meine Aufgabe für einen adäquaten Ersatz zu sorgen. Ich bitte, meine Ungeschicklichkeit ...“

„Das sagten Sie schon. Und ich denke überhaupt nicht daran, etwas zu entschuldigen, von dem ein Blinder sehen kann, dass es Ihnen auf der Seele brennt. Irgendetwas stimmt nicht mit Ihnen, und ich möchte gern wissen, was das ist. Oder haben Sie etwa kein Vertrauen mehr zu mir? Ich dachte eigentlich, wir wären längst über das förmliche Verhältnis hinaus.“

Jenkins hatte flink alle Scherben aufgehoben, bis auf die kleinen Splitter, die er aufkehren musste. Jetzt stand er auf, und auch Sir Thomas erhob sich. Er blickte seinen Angestellten an und brummte dann etwas unverständlich vor sich hin. „Also, ich höre.“

„Gestatten Sie, Sir, dass ich zunächst die traurigen Überreste dieses – dieses Unfalls beseitige?“

„Das klingt, als wollten Sie Zeit schinden. Aber gut, in zwei Minuten sitzen Sie mir gegenüber, und dann will ich keine Ausflüchte mehr hören.“

„Ja, Sir, ich habe verstanden“, gab der Butler nach. Er verschwand mit auffallender Schnelligkeit, und Sir Thomas setzte sich wieder in seinen gemütlichen Sessel am Kamin. Er war gespannt, welches Problem Jenkins so stark beschäftigte, dass er darüber seine Pflichten vernachlässigte. Es musste schon etwas schwerwiegendes sein, denn normalerweise war der Butler ein Musterbeispiel seines Berufsstandes.

Was er jedoch wenig später zu hören bekam, erstaunte ihn nicht nur, nein, es bestürzte ihn sogar, und er verstand, dass Jenkins mit seinen Gedanken nicht ganz bei der Sache war.


*


„Helen, meine Liebe, ich freue mich, dich mal wieder zu erwischen“, rief der kräftig gebaute Mann jovial aus. Er zog die schlanke Frau mit dem kurz geschnittenen Haar in die Arme. James Doohan war der Besitzer und Herausgeber des „Weekly Mirror“, einer Wochenzeitschrift, die im ganzen Vereinten Königreich einen guten Ruf genoss, weil ihre Reportagen sachlich fundiert, dabei interessant und häufig sogar brisant waren.

Eine der Journalistinnen, die Woche für Woche auf der Jagd nach ansprechenden Themen war, hieß Helen Jefferson und war eine alte Freundin des Chefs. Eigentlich war ihre Mutter gut mit ihm befreundet gewesen, aber Doohan war für sie schon als Kind nur Onkel Jim gewesen. So hatte er sich auch rasch bereit erklärt, sie einzustellen, als Helen nach ihrer Scheidung eine Anstellung gesucht hatte. Bis heute hatte er diesen Entschluss nicht bereuen müssen, denn die 38jährige füllte ihren Job mit Herzblut aus. Und manchmal auch unter Einsatz von Leib und Leben. Doch an diese Episoden, die sie alle mehr oder weniger durch das Zutun von Professor Harding erlebt hatte, dachte sie gar nicht gern.

Allerdings war der ganz normale Dienst teilweise sterbenslangweilig – was vielleicht auch am Chefredakteur Raymond Brody lag, der insgeheim ein Auge auf die attraktive Frau geworfen hatte. Die jedoch war nicht bereit, sich zu verkaufen, wie sie es nannte. So kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit Brody, den Helen nur deswegen respektierte, weil auch er den Instinkt, den richtigen Riecher für gute Stories besaß.

Jetzt warf Helen einen kurzen triumphierenden Blick zu Brody hinüber, der mürrisch die Szene betrachtete. Sie wusste schon jetzt, dass er ihr aus Rache wieder einen Wochenenddienst oder den langweiligen Bericht über ein Gemeindefest aufs Auge drücken würde, doch das war ihr egal. Ab und zu brauchte sie solche kleinen Aufmunterungen.

„Onkel Jim, wie geht es dir?“, strahlte sie Doohan an und bemerkte, dass die Ringe unter den Augen des Mannes noch tiefer geworden waren. „Du siehst gar nicht gut aus, du wirst noch krank werden, wenn du nicht ein bisschen kürzer trittst.“

„Ach, mein Mädchen, du weißt doch, seit ich mich entschlossen habe, in der Politik aktiv zu werden, bleibt mir keine ruhige Minute mehr“, grinste Doohan.

„Und was sagt Tante Marjorie dazu?“

Er zuckte die Schultern und grinste noch breiter. „Wenn ich auf alles hören würde, was meine Frau sagt, würde ich niemals Bürgermeister.“

„Du hast also deinen Traum noch nicht aufgegeben?“, neckte sie ihn.

„Warum sollte ich das tun? Immerhin ist das eine Lebensaufgabe.“

„Dann musst du erst die Partei wechseln“, riet Helen nicht ganz ernst gemeint. Doch so unrecht hatte sie mit ihren Worten nicht. Doohan war sehr beliebt und geachtet, doch allein damit konnte er sein Lebensziel nicht erreichen. Die politischen Verbindungen waren nun einmal ungeheuer wichtig und da befand sich Doohans Partei nun einmal in der Opposition.

So tätschelte er Helen jetzt die Wange, als ob sie noch immer ein kleines Mädchen wäre. „Eigentlich wollte ich mich nur überzeugen, dass hier in der Redaktion alles in Ordnung ist“, meinte er.

„Da musst du dich vertrauensvoll an Mister Brody wenden, er ist es schließlich, der hier alles im Griff hat“, empfahl Helen mit leiser Ironie.

„Ihr seid euch also immer noch nicht grün? Nun ja, solange eure Arbeit aber noch gute Artikel zustande bringt, musst du dich wohl weiter mit ihm zusammenraufen“, meinte Doohan, dem sehr wohl bekannt war, dass Helen und der Chefredakteur in ständigem Clinch lagen.

Sie verzog ein wenig das Gesicht, lächelte dann aber.

„Wir kommen schon irgendwie klar. – Oh, entschuldige bitte, mein Telefon klingelt.“ Gleich darauf hörte Helen am anderen Ende die warme vertraute Stimme von Sir Thomas Harding.

„Helen, ich brauche dringend einen Schachpartner und ein langes Gespräch. Welche Uhrzeit wäre Ihnen lieber, sieben oder acht?“

„Sie können doch nicht so einfach über meine Zeit bestimmen“, erklärte sie verblüfft.

„Aber Sie werden mich doch jetzt nicht etwa im Stich lassen?“, fragte er im Brustton gekränkter Unschuld.

Sie seufzte und fragte sich, ob es damals nicht doch ein Fehler gewesen war, diesen wirklich faszinierenden Mann näher kennenzulernen. Anlässlich seiner Erhebung in den Adelsstand war es ihr gelungen, den als pressescheu bekannten Mann zu einem Interview zu bewegen, was gleich in einem unglaublichen Erlebnis geendet hatte. Seitdem hatte sie eine Menge turbulenter gefährlicher Abenteuer erlebt, hervorragende Reportagen geschrieben – und sich ein kleines bisschen in ihn verliebt. Doch dieses Geheimnis verwahrte sie tief in ihrem Herzen. Niemals durfte er es erfahren. Er war ihr ein guter Freund, geschätzter Gesprächspartner und schwieriger Gegner beim Schach, dabei musste es bleiben.

Eigentlich hatte er recht, sie hatten schon lange nicht mehr gespielt, und offenbar gab es etwas zu besprechen. Es durfte nur nicht wieder in ein haarsträubendes Abenteuer ausarten.

Rasch sagte Helen zu.


*


Sie hatten sich einen harten Kampf geliefert. Helen war Sir Thomas im Schachspiel ebenbürtig, eine Tatsache, die er an ihr sehr schätzte. Jetzt stand das Spiel auf Messers Schneide, ein falscher Zug konnte die Entscheidung bringen, für wen auch immer.

„Was ist eigentlich so wichtig, dass Sie auch noch mit mir reden wollten?“, fragte Helen, während ihre Hand etwas ratlos über dem Turm verharrte.

Sir Thomas paffte an seiner Pfeife, dann schaute er kurz auf.

„Ist das jetzt Ihre neue Taktik, um mich aus dem Konzept zu bringen?“, fragte er gutmütig.

„Ach, wollen Sie mir jetzt unterstellen, dass eine Unterhaltung Sie in Ihrer Konzentration stört?“, erkundigte sie sich mit deutlichem Spott in der Stimme. „Außerdem bin ich am Zug.“

„Meine liebe Helen“, begann er dozierend, und sie lachte leise auf.

„O je, wenn dieser Tonfall kommt, dann wird es ernst für mich. Sie gestatten, dass ich mich zurückziehe und nach Hause fahre?“

„Nein“, grinste er.

Sie seufzte. „Also, dann erzählen Sie mal.“

Er warf ihr einen kurzen Blick zu. „Soweit sind wir noch nicht. Lassen Sie uns dieses Spiel zu Ende führen, bitte.“

Sie schüttelte den Kopf, zuckte dann aber mit den Schultern. „Also gut.“ Eine Weile überlegte sie, dann zog sie energisch und überraschend ihre Dame. „Schach“, bot sie.

Harding blickte verblüfft auf das Brett. In Gedanken ging er die möglichen Züge durch, musste aber gleich darauf einsehen, dass Helen ihm keine Auswahl mehr gelassen hatte. Er warf seinen König um.

„Nicht zu fassen, aber Sie haben gewonnen.“

„Sehr schön“, lächelte sie. „Dann können wir jetzt endlich zu den wirklich wichtigen Dingen kommen?“

Er lehnte sich zurück und wurde unvermittelt ernst. „Ja, die kurze Pause zur Entspannung ist wohl vorbei. Bevor wir jedoch weitermachen, möchte ich Sie um Vertraulichkeit bitten.“

Sie zog die Augenbrauen hoch, dann nickte sie. „Daran habe ich mich bisher immer gehalten. Nun, ich höre.“

Und Sir Thomas begann mit einem seltsamen Bericht.


*


Butler Jenkins hatte sich nur widerstrebend auf dem Sessel niedergelassen, doch er wusste, dass sein Chef darauf bestehen würde. Aufmerksam forschte Harding in der undurchdringlichen Miene seines Angestellten.

„Es ist eine höchst delikate Angelegenheit, Sir“, begann Jenkins unbehaglich. „Und eigentlich bin ich mir nicht sicher, ob ich jetzt nicht einen Vertrauensbruch begehe. Doch Ihnen ist vielleicht bekannt, dass ich Mitglied im Bachelors Club bin. Dort sind viele Butler und Diener eingeschrieben, aber das tut ja jetzt nichts zur Sache und dient nur dem besseren ...

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