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Das verborgene Leben des Fidel Castro

 

Über dieses Buch

Fidel Castro ist einer der wichtigsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Doch wer ist er wirklich? Vor allem sein Privatleben gehört zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Welt. Doch jetzt erzählt Juan Reinaldo Sánchez, Castros langjährige Leibwächter, erstmals von seiner Zeit an der Seite des kubanischen Revolutionsführers. Sein Buch liefert spektakuläre Einblicke in das private und politische Leben Castros, durch die nicht nur der Máximo Líder sondern auch wichtige Stationen der Weltpolitik in einem vollkommen neuen Licht erscheinen. Eine brisante Biografie, die das Bild vom Máximo Líder erschüttert.

 

Über den Autor

Der Oberstleutnant Juan Reinaldo Sanchez war 17 Jahre lang Leibwächter des kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro. Aus Enttäuschung über das unehrenhafte Verhalten seines Chefs reichte er 1994 ein Rücktrittsgesuch ein, das Castro mit zwei Jahren Gefängnis und Folter bestrafte. 2008 gelang ihm nach zehn gescheiterten Versuchen die Flucht in die USA, wo er das Buch geschrieben hat und noch heute lebt.

Juan Reinaldo Sánchez

mit Axel Gyldén

Das verborgene Leben des

titelseite

Ich war 20 Jahre Leibwächter des
Maxímo Líder. Das ist die wahre Geschichte

Übersetzung aus dem Französischen von
Monika Buchgeister und Norma Cassau

Für meine Mutter, das Licht meines Lebens,
Vorbild an Bescheidenheit und Hingabe.
Für meine Kinder Aliette und Ernesto.
Für ihre Mutter, die während meiner Abwesenheit
so oft auch die Vaterrolle übernahm.
Für meinen Onkel Manuel, diesen »Papa«,
der mir so außerordentliche ethische Werte vermittelte.
Für meine Großeltern, Angela und Crespo,
diese Schutzengel, die mir stets zur Seite stehen.
Für meine Enkel, für meinen Bruder.
Und für all diejenigen,
die mich in schwierigen Augenblicken unterstützt haben.
Möge Gott sie alle segnen!

 

INHALT

  1. 1  Cayo Piedra, die paradiesische Insel der Castros
  2. 2  Ich, Juan Sánchez, Leibwächter von Fidel
  3. 3  Die Dynastie Castro
  4. 4  Die Eskorte – seine eigentliche Familie
  5. 5  Guerillakämpfer aller Länder, vereinigt euch!
  6. 6  Nicaragua, Fidels zweite Revolution
  7. 7  Fidel in Moskau, Sánchez in Stockholm
  8. 8  Raúls Clan
  9. 9  Abhörwahn
  10. 10  Venezuela – die fixe Idee
  11. 11  Fidel und die Operetten-Tyrannen
  12. 12  Der vermögende Monarch
  13. 13  Von der Schippe gesprungen
  14. 14  Fidel, Angola und die Kunst des Krieges
  15. 15  Die »Affäre Ochoa«
  16. 16  Gefängnis und … Freiheit!
  17. Anmerkungen
  18. Tafelteil

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CAYO PIEDRA, DIE PARADIESISCHE INSEL DER CASTROS

Die Jacht von Fidel Castro schaukelt auf dem Karibischen Meer. Erst vor zehn Minuten haben wir Anker gelichtet, und schon haben uns weiße Delfine auf dem türkisblauen Wasser an der Südküste Kubas ausgemacht. Ein Schwarm von neun oder zehn dieser Säugetiere patrouilliert steuerbord, ganz nah am Schiffsrumpf; eine andere Gruppe folgt im Kielwasser etwa dreißig Meter backbord hinter uns. Das Ganze wirkt beinahe wie die motorisierte Eskorte eines Staatschefs bei einem offiziellen Besuch …

»Die Ablösung ist da: Du kannst dich ausruhen«, sage ich zu Gabriel Gallegos und weise auf die zahlreichen Rückenflossen, die rasend schnell die Wasseroberfläche durchpflügen.

Mein Scherz entlockt dem Kollegen ein Grinsen. Aber drei Minuten später ändern die unberechenbaren Tiere ihren Kurs, entfernen sich und verschwinden am Horizont.

»Kaum da, und schon wieder weg! Wie unprofessionell …«, scherzt nun Gabriel seinerseits.

Was Professionalität angeht, macht uns keiner etwas vor. Wir sind beide vor dreizehn Jahren in den Personenschutz des Comandante eingetreten. Das war im Jahr 1977. Und auf Kuba ist nichts professioneller organisiert, besser eingespielt oder gar wichtiger als der persönliche Schutz des Staatschefs. Die kleinste Bootstour von Fidel, sei es auch nur ein einfacher Angelspaß oder eine Unterwasserjagd, setzt einen beeindruckenden Apparat militärischer Sicherheitsmaßnahmen in Gang. So wird die Jacht von Fidel Castro, die Aquarama II, grundsätzlich von der Pionera I und der Pionera II eskortiert, zwei fünfundfünfzig Fuß (siebzehn Meter) langen, beinahe identisch ausgestatteten, leistungsstarken Schnellbooten, von denen eines zudem mit einer vollständigen medizinische Notversorgung ausgestattet ist, sodass der Comandante im Fall plötzlich auftretender gesundheitlicher Probleme unverzüglich versorgt werden kann.

Zehn Mitglieder des engsten Personenschutzes von Fidel, jener Eliteeinheit, der auch ich angehöre, verteilen sich auf diese drei Boote – so wie wir uns an Land auf drei Autos verteilen. Die Boote sind mit schweren Maschinenfeuerwaffen ausgerüstet und verfügen über einen Vorrat an Granaten, Kalaschnikows vom Typ AK-47 sowie ausreichend Munition, um jeder Eventualität angemessen begegnen zu können. Es stimmt, dass Fidel Castro seit Anbeginn der kubanischen Revolution unentwegt von Attentaten bedroht ist: Die CIA hat zugegeben, dass sie Hunderte geplant hatte – sei es mit Gift, mit präparierten Schreibutensilien oder Zigarren …

In offeneren Seegebieten wird zusätzlich noch ein Boot der Küstenwache mobilisiert, das dort dann die Radarkontrolle in der Luft und auf dem Wasser übernimmt. Die Instruktion lautet: Jedes Boot, das sich auf mehr als drei Seemeilen der Aquarama II nähert, wird aufgebracht. Auch die kubanische Luftwaffe ist in diese Manöver eingebunden: Am etwa einhundert Kilometer entfernten Luftwaffenstützpunkt Santa Clara harrt ein Pilot in voller Ausrüstung und in höchster Alarmbereitschaft aus, um jederzeit in seine MiG-29 sowjetischer Bauart springen, in weniger als zwei Minuten starten und die Aquarama II mit Überschallgeschwindigkeit erreichen zu können.

An jenem Tag herrscht schönes Wetter. Das überrascht nicht: Es ist Hochsommer Anno Salutis 1990, also im zweiunddreißigsten Jahr der Herrschaft von Fidel Alejandro Castro Ruz, der mittlerweile dreiundsechzig Jahre alt ist. Im vorausgegangenen Herbst ist die Berliner Mauer gefallen. Der amerikanische Präsident George H. Bush bereitet die Operation »Wüstensturm« vor: den Einmarsch in den Irak Saddam Husseins. Und Fidel Castro schippert hier an Bord des einzigen Luxusbootes der Republik Kuba, das er natürlich sein Eigen nennt, zu seiner streng geheim gehaltenen Privatinsel Cayo Piedra.

Es ist ein elegantes Schiff mit weißem Rumpf, dessen Länge 90 Fuß (27,5 Meter) beträgt. Anfang der 70er-Jahre in Betrieb genommen, ist es die gesteigerte Antwort auf die Rennjacht Aquarama I und übertrifft diese sogar noch. Die Aquarama I gehörte zuvor einer dem Regime von Fulgencio Batista nahestehenden Persönlichkeit und wurde beschlagnahmt, als jener, wie bekannt, am 1. Januar 1959 gestürzt wurde, nachdem zweieinhalb Jahre zuvor Fidel und etwa sechzig barbudos im undurchdringlichen Dickicht der Sierra Maestra die kubanische Revolution begonnen hatten. Außer den zwei Doppelkabinen, von denen eine – die von Fidel – ein Privat-WC besitzt, verfügt das Boot über Schlafmöglichkeiten für zwölf weitere Personen. Die sechs Sessel des Salons lassen sich zu Betten ausziehen. Zwei Pritschen befinden sich im Funkraum. Und in der der Mannschaft vorbehaltenen Kabine im Bug des Schiffes gibt es vier weitere Kojen. Für ihre Passagiere ist die Aquarama II mit jeglichem modernen Komfort ausgestattet: Klimaanlage, zwei Badezimmer, WC, Fernsehen und eine Bar.

Im Vergleich zu den Spielzeugen der neureichen Russen und Saudis, die heute bei den Antillen oder im Mittelmeer die Gewässer kreuzen, mag die Aquarama II mit ihrer strengen Silhouette und in ihrem Vintage-Look ein wenig altmodisch wirken. Aber in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts stand diese Luxusjacht, deren Planken vollständig aus seltenem, aus Angola importiertem Mahagoniholz bestehen, den in den Marinas der Bahamas oder in Saint-Tropez vor Anker liegenden Luxusbooten in nichts nach.

Genau genommen ist sie diesen aufgrund ihrer Maschinenleistung sogar weit überlegen. Ihre vier Motoren, die Leonid Breschnew Fidel Castro geschenkt hat, sind absolut identisch mit denen der Küstenwachschiffe der sowjetischen Marine. Unter Volldampf treiben sie die Aquarama II mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 42 Knoten voran, was 78 Stundenkilometer bedeutet! Das ist einfach unschlagbar.

Auf Kuba weiß niemand – oder fast niemand – von der Existenz dieser Jacht, deren Ankerplatz sich in einem uneinsichtigen und unzugänglichen Winkel an der Ostküste der berühmten Schweinebucht befindet, etwa einhundertfünfzig Kilometer südwestlich von Havanna. Seit den 60er-Jahren befindet sich hier, mitten in einem militärischen Sperrgebiet, die private Marina von Fidel. Die Gegend heißt La Caleta del Rosario und steht unter strenger Bewachung. Außerdem befindet sich dort einer der zahlreichen Zweitwohnsitze von Fidel, und in einem der Nebengebäude ist ein kleines Museum untergebracht, in dem die Prachtstücke von Fidels Angeltouren ausgestellt sind.

Von dieser Marina braucht man ungefähr fünfundvierzig Minuten, um Cayo Piedra zu erreichen, die paradiesische Insel des Comandante. Hunderte Mal habe ich diese Überfahrt mit ihm gemacht, und doch bin ich immer aufs Neue von dem Blau des Himmels, der Klarheit des Wassers und der Schönheit der Unterwasserwelt überwältigt. Mindestens bei jeder zweiten Überfahrt erscheinen Delfine zu unserer Begrüßung, schwimmen ein Stück weit neben uns her, bevor sie dann je nach Laune wieder das Weite suchen.

Für uns ist es ein beliebtes Spiel geworden, wer sie als Erster erblickt; ist es so weit, ruft derjenige: »Aqui estan!«! (»Da sind sie!«) Oft folgen uns auch Pelikane von der kubanischen Küste bis nach Cayo Piedra. Ich liebe ihre behäbige, etwas schwerfällige Flugweise. Für uns, die Mitglieder der Eliteeinheit des kubanischen Militärs, stellt diese dreiviertelstündige Überfahrt eine willkommene Erholung dar, denn der Schutz einer so anspruchsvollen Persönlichkeit wie Fidel verlangt unsere ununterbrochene Aufmerksamkeit und verzeiht keinerlei Nachlässigkeit.

Während der gesamten Fahrt hält sich »El Jefe« (»der Chef«), wie wir ihn nennen, normalerweise im Salon auf. Dort sitzt er gewöhnlich in seinem großen, schwarzledernen Chefsessel, auf dem noch nie ein anderes menschliches Wesen Platz genommen hat. In der gedämpften Atmosphäre dieses Aufenthaltsraums vertieft er sich mit einem Glas Whisky Chivas Regal on the rocks in der Hand (sein Lieblingsgetränk) in die zusammenfassenden Berichte der Geheimdienste, blättert in der internationalen Presseschau, die sein Stab ihm zusammengestellt hat, oder analysiert die Auswahl der Meldungen von Agenturen wie France-Press, Associated Press und Reuters.

El Jefe nutzt die Zeit auch, um aktuelle Angelegenheiten mit José Naranjo, genannt »Pepín« (sprich: »Pépine«), seinem treuen Adjutanten, zu besprechen, der bis zu seinem Krebstod im Jahr 1995 tagsüber nicht von Fidels Seite wich.1 Dalia ist natürlich auch dort, die Mutter von fünf der neun Kinder Fidels. Seit 1961 ist Dalia Soto del Valle die Frau an seiner Seite, dies allerdings heimlich … Die Kubaner erfuhren von ihrer Existenz erst in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends! Außerdem ist noch Eugenio Selman anwesend, bis zum Jahr 2010 der persönliche Leibarzt von Fidel, dessen Kompetenz El Comandante auch bei politischen Gesprächen schätzt. Die Hauptaufgabe dieses eleganten, zuvorkommenden und allseits geachteten Mannes besteht selbstverständlich darin, Sorge für die Gesundheit des Chefs zu tragen. Aber der persönliche Leibarzt von Fidel kümmert sich auch um die Wehwehchen des gesamten Umfelds.

*

Nur selten befindet sich ein Gast – ein Unternehmer oder Staatschef – an Bord. Aber es kann vorkommen. Dann lädt El Comandante diesen ein, ihn auf die obere Brücke zu begleiten, von der man das Panorama der kubanischen Küsten bewundern kann, besonders die Schweinebucht, aus der wir gerade ausgelaufen sind. Während die Aquarama II sie langsam hinter sich lässt, schildert Fidel, der ein unvergleichliches Erzähltalent besitzt, seinem jeweiligen Gast die dramatischen Stunden der Landung in dieser Bucht, die seither so berühmt ist. Von der hinteren Brücke aus beobachten wir, wie er sich in weit ausholenden Erklärungen ergeht, dabei wild gestikuliert und mit dem Finger auf verschiedene Stellen dieser sumpfigen, von Mücken heimgesuchten Gegend weist. Der Meister lässt seinem augenblicklichen Schüler eine äußerst plastische Geschichtsstunde zuteil werden.

»Dort hinten sehen Sie am Ende der Bucht Playa Larga! Und dort am östlichen Ende der Bucht liegt Playa Giron! Dort landeten am 17. April 1961 um genau 1:15 Uhr morgens etwa eintausendfünfhundert von der CIA angeworbene Exilkubaner, um die Heimat zu erobern, einen Umsturz durchzuführen und sich an die Macht zu bringen. Aber auf dieser Insel ergibt sich niemand! Und nach drei Tagen heroischen Widerstands der Bevölkerung mussten die Eindringlinge bis zur Playa Giron zurückweichen. Und dort schließlich die Waffen strecken.«

Die Operation war bereits unter Dwight D. Eisenhower geplant worden, bevor sie zu Beginn der Amtszeit von John F. Kennedy durchgeführt wurde und letztlich in einem vollständigen Fiasko endete: 1200 Mitglieder der Exilanten-Brigade wurden gefangen genommen, 118 getötet. Auf der Seite der Anhänger Castros waren 176 Tote und mehrere Hundert Verletzte zu beklagen. Für Washington bedeutete die Aktion die totale Demütigung. Zum ersten Mal in seiner Geschichte musste der »amerikanische Imperialismus« eine vernichtende Niederlage hinnehmen, während Fidel Castro sich nun auf der internationalen Bühne zum unbestreitbaren Führer der Dritten Welt aufschwang. Er galt von nun an in aller Offenheit als Verbündeter der UdSSR und verhandelte auf Augenhöhe mit den Mächtigen dieser Erde.

Auf der oberen Brücke lauscht der Gast in der prallen Sonne andächtig den Worten desjenigen, der unbestreitbar als einer der ganz Großen in die Geschichte eingehen wird. Fasziniert von dessen Erzählung, gewinnt er beinahe den Eindruck, die Schlacht unmittelbar mitzuerleben. Zweifellos wird er sich sein Leben lang an diese paar auf der Jacht von Fidel Castro verbrachten Stunden erinnern. Dann kehren die beiden Männer wieder in den Salon zu Dalia und Dr. Eugenio Selman zurück. Aber da drosselt der Kapitän auch schon den Motor der Aquarama II, und die Farbe des Wassers färbt sich smaragdgrün: Wir nähern uns Cayo Piedra.

*

Die Ironie der Geschichte will es, dass Fidel Castro die Entdeckung dieser Sommerfrische indirekt der von »JFK« ausgelösten Invasion der Yankees verdankt.

In den auf die gescheiterte Landung in der Schweinebucht folgenden Tage im April 1961 erkundet Fidel die Gegend und begegnet einem Fischer, der dort lebt und den alle nur el vijeo Finalé nennen. Er bittet den »alten Finalé«, ihm die Gegend zu zeigen. Der Fischer mit dem von Wind und Wetter gegerbten Gesicht nimmt ihn unverzüglich auf seinem Boot mit bis Cayo Piedra, einem kleinen »Juwel« etwa fünfzehn Kilometer vor der Küste, das nur Einheimischen bekannt war. Damals lebte dort nur ein Leuchtturmwärter – einsam wie ein Eremit. Fidel verliebt sich auf der Stelle in diesen Ort, der eines Robinson Crusoe durchaus würdig ist. Der Leuchtturmwärter wird gebeten, seine Stellung zu verlassen, der Leuchtturm wird außer Betrieb genommen und schließlich demontiert.

Im Kubanischen bezeichnet das Wort cayo eine flache und sandige, meist auch schmale und lang gestreckte Insel. Um Kuba herum gibt es Tausende davon. Viele werden heute von Touristen besucht, die gerne schnorcheln oder tauchen. Die Insel von Fidel weist etwa eineinhalb Kilometer Länge auf und beschreibt einen leichten von Nord nach Süden reichenden Halbkreis. An der Ostseite befindet sich zum offenen Meer hin eine felsige Steilküste. Dort ist das Wasser tief und blaugrün. Der windgeschützte Westen hingegen bietet feine, weiße Sandstrände und ein türkisfarbenes Meer. Es ist ein paradiesischer Flecken Erde, umgeben von wunderbaren Meeresgründen. Und alles ist beinahe noch genauso intakt wie zu Zeiten der großen Entdeckungen durch die europäischen Seefahrer. Wer weiß, ob hier nicht einmal Piraten vor Anker gegangen sind oder ins Auge gefasst haben, einen Schatz auf der Insel zu verstecken?

Genau genommen besteht Cayo Piedra nicht aus einer Insel, sondern aus zweien. Irgendwann ist sie durch einen heftigen Wirbelsturm in zwei Teile zerrissen worden. Aber Fidel hat dieses unangenehme Ereignis aus der Welt geschafft: Er ließ die beiden Teile von Cayo Piedra durch eine zweihundertfünfzig Meter lange Brücke verbinden, wobei er auf das Talent und Geschick des Architekten Osmany Cienfuegos setzte, des Bruders von Camilo Cienfuegos, der zu den Helden der kubanischen Revolution zählt. Das südliche Inselstück ist etwas größer und bildet den Hauptteil. Dort hat Castro an der Stelle des alten Leuchtturms sein Haus bauen lassen.

Dieses aus Zement erbaute Haus ist ebenerdig, äußerst funktional und darauf angelegt, keinen Luxus zur Schau zu stellen. Außer dem Schlafzimmer von Fidel und Dalia gibt es einen Schlaftrakt für die Kinder, eine Küche und an der Ostseite ein zur Terrasse ausgerichtetes Wohn-Esszimmer mit Blick aufs weite Meer hinaus. Die Holzmöbel sind einfacher Machart; an den Wänden hängen Bilder, Zeichnungen oder Fotos, die meist Angelszenen oder Elemente der Unterwasserwelt wiedergeben.

Aus den Fenstertüren dieses Zimmers sieht man draußen auf der rechten Seite den Hubschrauberlandeplatz. Etwas dahinter liegt in etwa einhundert Metern Entfernung das Gebäude, in dem wir untergebracht sind – wir, die Leibwächter von Fidel. Daneben erhebt sich eine kleine Kaserne, die das übrige Personal beherbergt: Köche, Mechaniker, Elektriker, Funkoffiziere und zehn bewaffnete Soldaten, die dauerhaft auf Cayo Piedra stationiert sind. Noch etwas weiter entfernt gibt es ein Lager mit Treibstoff und Süßwasser (das mit dem Schiff vom Festland herübergebracht wird) und ein kleines Kraftwerk zur Erzeugung von Elektrizität.

Im Westen, zum Sonnenuntergang hin, haben die Castros einen sechzig Meter langen Landesteg bauen lassen. Er liegt unterhalb des Hauses an dem kleinen weißen Sandstrand, der die Innenseite des Halbkreises markiert. Um das Anlegen der Aquarama und der Schnellboote Pionera I und II zu ermöglichen, haben Fidel und Dalia darüber hinaus eine Fahrrinne von einem Kilometer Länge ausheben lassen. Ihre kleine Flotte könnte mit ihrem beachtlichen Tiefgang von zwei Meter fünfzig die Insel sonst nicht ansteuern, da das Wasser sehr flach und der Boden sehr sandig ist.

An den Landungssteg ist eine fünfzehn Meter lange Schwimmbrücke angedockt, auf der ein Restaurant mit Bar und Grillstelle eingerichtet wurde. Das stellt das eigentliche Zentrum des sozialen Lebens auf Cayo Piedra dar. Hier nimmt die Familie meistens ihre Mahlzeiten ein … wenn sie nicht an Bord der Jacht speist. Von diesem schwimmenden Restaurant aus kann jeder die Tiergehege im Wasser bewundern. In dem einen schwimmen Wasserschildkröten (manche von ihnen sind einen Meter groß, landen aber letztlich doch auf dem Teller von Fidel). Das andere ist ein Delfinarium, in dem zur großen Freude von Erwachsenen wie Kindern die zwei hier gefangen gehaltenen Delfine mit Kunststücken und Sprüngen aufwarten.

Der andere, nördlich gelegene Inselteil ist praktisch unbewohnt. Außer einer Abschussrampe für Boden-Luft-Raketen liegt dort nur das Gästehaus. Es ist größer als dasjenige der Gastgeber und weist vier Schlafzimmer sowie ein großes Wohnzimmer auf. Zwischen dem Haus von Fidel und demjenigen der Gäste, die gerade einmal fünfhundert Meter voneinander entfernt sind, wurde eine Telefonleitung verlegt. Um von einem zum anderen zu gelangen, benutzt man einen der beiden VW Käfer Cabrios, die sich auf Cayo Piedra befinden. Außerdem steht eine Art Geländewagen sowjetischer Bauart zur Verfügung, um Material und Lebensmittel zu transportieren.

Das Haus auf dem Nordteil verfügt über ein Außenschwimmbad mit Süßwasser, dessen Becken fünfundzwanzig Meter lang ist, sowie über ein natürliches Jacuzzi. Es liegt in einer Felsennische und wird mit Meerwasser gespeist, das über eine in den Fels gehauene Rinne mit jeder neuen Welle ins Becken gespült wird.

*

Sein ganzes Leben lang hat Fidel beteuert, dass er keinerlei Vermögen besäße außer einer bescheidenen »Fischerhütte« irgendwo an der Küste. Allerdings hat sich diese Fischerhütte in ein Luxusferienhaus verwandelt, das beachtliche logistische Schritte hinsichtlich der Überwachung und des Unterhalts erfordert. Hinzu kommen außerdem etwa zwanzig andere Immobilien, angefangen von Punto Cero, seinem riesigen Anwesen in Havanna ganz in der Nähe des Botschaftsviertels; La Caleta del Rosario, wo auch sein Privathafen liegt; La Deseada, ein Ferienhaus mitten in dem Sumpfgebiet der Provinz Pinar del Rio, wo Fidel beinahe jeden Winter auf Enten- oder Wasserwildjagd geht. Ganz zu schweigen von den ganzen anderen Grundbesitztümern, die in jeder Provinz von Kuba der ausschließlichen Nutzung durch Fidel vorbehalten sind.

Fidel Castro hat auch zu verstehen gegeben und manchmal sogar standfest behauptet, dass die Revolution ihm keinerlei Entspannung, keinerlei Freizeit lasse; dass ihm die bürgerliche Vorstellung von Ferien fremd sei, ja, dass er sie gar verachte. Das ist eine Lüge. Von 1977 bis 1994 habe ich ihn unzählige Male in das kleine Paradies von Cayo Piedra begleitet. Und ich habe an unzähligen Angelpartien und Unterwasserjagden teilgenommen.

Während der Regenzeit bevorzugt Fidel La Deseada. In der schönen Jahreszeit hingegen, also von Juni bis September, fahren Fidel und Dalia jedes Wochenende auf ihre Trauminsel. Im August richten sich die Castros sogar für einen ganzen Monat dort ein. Wenn ein unaufschiebbarer Arbeitstermin oder der Besuch einer ausländischen Persönlichkeit von Rang und Namen den »Kommandanten der Revolution« dazu zwingt, nach Havanna zu reisen, ist das kein Problem: Er steigt in den während seiner Anwesenheit ständig auf Cayo Piedra stationierten Hubschrauber. Und so legt er den Hin- und Rückweg bequem an einem Tag zurück, wenn er möchte!

Bemerkenswert ist, dass vor mir niemand die Existenz von Cayo Piedra erwähnt oder beschrieben hat. Außer den Satellitenbildern auf Google Earth (wo sich das Haus von Fidel sowie das Gästehaus, der Landungssteg, die Fahrrinne und die Brücke zwischen den beiden Inselteilen in aller Deutlichkeit erkennen lassen), gibt es keinerlei Ansicht dieses Paradieses für Milliardäre. Man mag sich fragen, warum ich nicht selbst Fotos von diesem Fleckchen Erde gemacht habe. Die Antwort ist einfach: Ein Oberstleutnant des Sicherheitsdienstes, der mit dem Schutz einer hochstehenden Persönlichkeit beauftragt ist, spaziert nicht mit einem um den Hals baumelnden Fotoapparat herum, sondern mit einem Maschinengewehr im Anschlag! Außerdem wäre die einzige Person, die Cayo Piedra mit angemessenem Geschick festhalten könnte, Pablo Caballero, der offizielle Fotograf von Fidel Castro. Aber dieser ist natürlich vor allem darum bemüht, die Aktivitäten des Comandante zu verewigen und nicht die Landschaft um ihn herum. So kommt es, dass meines Wissens noch nie Aufnahmen von Cayo Piedra oder der Aquarama II veröffentlicht wurden.

*

Das Privatleben des Comandante ist das bestgehütete Geheimnis der Revolution auf Kuba. Fidel Castro hat stets darauf geachtet, seine Familie betreffende Informationen nicht nach außen dringen zu lassen. Das ist ihm so gut gelungen, dass man seit sechs Jahrzehnten so gut wie nichts weiß über die Sippe der Castros, die sieben Geschwister zählt. Diese Abschottung hat ihren Ursprung in seinem früheren Leben als Untergrundkämpfer, aber heute hat die Trennung von öffentlichem und privatem Leben unvorstellbare Ausmaße angenommen.

Keiner seiner Schwestern und Brüder hat jemals eine Einladung nach Cayo Piedra erhalten. Möglicherweise hat Raúl, dem Fidel am nächsten steht, in dessen Abwesenheit ein paar Tage dort verbracht. Aber ich bin ihm dort nie begegnet. Außer dem engsten Kreis der Familie, also Dalia und den fünf gemeinsamen Kindern, können nur wenige, sehr wenige Personen sich damit brüsten, die geheimnisvolle Insel mit eigenen Augen gesehen zu haben. Fidelito, sein ältester Sohn aus erster Ehe, war weniger als fünf Mal hier. Und seine einzige Tochter, Alina, die aus einer außerehelichen Beziehung stammt und heute in Miami in Florida lebt, hat niemals einen Fuß auf diese Insel gesetzt …

Ich für meinen Teil erinnere mich neben einigen ausländischen Geschäftsleuten, deren Namen ich vergessen habe, und einigen bevorzugten kubanischen Ministern lediglich an den kolumbianischen Präsidenten Alfonso López Michelsen (1974–1978), der 1977 oder 1978 gemeinsam mit seiner Frau Cecilia ein Wochenende dort verbrachte, an den französischen Geschäftsmann Gérard Bourgoin, der auch den Beinamen »Hühnerkönig« hatte und um das Jahr 1990 zu Besuch dort weilte, in einer Zeit, als dieser Unternehmer sein Wissen über die Geflügelproduktion in die ganze Welt trug, an Ted Turner, den Besitzer von CNN, an die bekannte amerikanische Fernsehmoderatorin Barbara Walters und an Erich Honecker, den Staatschef der Deutschen Demokratischen Republik (1976–1989), sowie an einige weitere wichtige Verbündete Kubas.

Den vierundzwanzig Stunden währenden Besuch Honeckers auf Cayo Piedra im Jahr 1980 werde ich niemals vergessen. Man muss wissen, dass Fidel Castro acht Jahre zuvor, im Jahr 1972, eine Insel der südlich von Kuba gelegenen Inselkette Cayos Blancos del Sur in »Ernst-Thälmann-Insel« umbenannt hatte. Genauer gesagt: Als symbolische Geste »unter Brüdern« hatte er, um die Freundschaft ihrer Länder zu bekräftigen, dieses unbewohnte Stück Land von fünfzehn Kilometern Länge und fünfhundert Metern Breite der DDR zum Geschenk gemacht. Es liegt etwa eine Bootsstunde von seiner Privatinsel entfernt.

Ernst Thälmann? Der war während der Weimarer Republik Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands und wurde später, im Jahr 1944, durch die Nazis im KZ Buchenwald ermordet. Anlässlich dieses Staatsbesuchs von Honecker auf Kuba im Jahr 1980 schenkte nun Erhard Krack, der Bürgermeister von Ost-Berlin, der der Delegation angehörte, Fidel Castro eine Büste von Thälmann. Fidel beschloss dann sinnigerweise, das Kunstwerk auf der gleichnamigen Insel aufstellen zu lassen. Und so wurde ich Zeuge der absurden Szene, bei der zwei Staatsoberhäupter an Bord der Aquarama II irgendwo im Niemandsland anlegen, um auf einer einsamen Insel die Büste einer längst vergessenen Persönlichkeit aufzustellen – mit Leguanen und Pelikanen als einzigen Zeugen. Wie man hört, wurde die gewaltige, zwei Meter hohe Statue von Thälmann beim Durchzug des Wirbelsturms Mitch im Jahr 1998 von ihrem Sockel gerissen …

Im Grunde sind die beiden einzigen regelmäßigen Besucher von Cayo Piedra, die nicht zur Familie gehören, Gabriel García Márquez und Antonio Núñez Jiménez. Ersterer ist zweifellos der größte kolumbianische Schriftsteller, den es je gab. Sein Werk wurde im Jahr 1982 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Márquez verbrachte einen großen Teil seines Lebens auf Kuba. Jiménez, der im Jahr 1998 starb, ist eine historische Figur der kubanischen Revolution, an der er im Rang eines Kapitäns teilnahm. In Erinnerung an diese Zeit trug er zeit seines Lebens einen langen Bart. Er war Anthropologe und Geograf und genoss als Intellektueller ebenfalls große Achtung. Auch er zählt zu dem sehr begrenzten Kreis der echten Freunde von Fidel. Márquez und Jiménez waren also die häufigsten Nutzer des Gästehauses auf Cayo Piedra.

*

Der Luxus von Cayo Piedra bemisst sich nicht in den bewohnbaren Quadratmetern und auch nicht in der Anzahl der vor Anker liegenden Jachten. Der wahre Schatz der Insel ist ihre wunderbare Unterwasserwelt. Von Touristen und Anglern verschont, stellen die Gewässer vor Cayo Piedra ein unvergleichliches ökologisches Refugium dar. Zu Füßen seines Hauses hat Fidel Castro gleichsam ein persönliches Aquarium von weit mehr als zweihundert Quadratkilometern! Ein Unterwasserspielplatz, von dem Millionen Kubaner nicht die geringste Vorstellung haben – ebenso wenig wie die Millionen Touristen, die jedes Jahr vor den vom Tourismusministerium verwalteten cayos zum Tauchen eintreffen.

Abgesehen von dem berühmten französischen Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau, der an Bord seiner Calypso mit der ausdrücklichen Erlaubnis von Fidel Castro auch dort seine Erkundungen betreiben durfte, hat keine andere Person jemals den unglaublichen Reichtum der Fauna und Flora ermessen können. Fidel besitzt das alleinige Nutzerrecht. Mondfisch, Husarenfisch, Katzenfisch, Schmetterlingsfisch, Kofferfisch, Flötenfisch, Trompetenfisch, Hamletbarsch, Kardinalfisch, Blaustreifen-Doktorfisch, Gemeiner Sonnenbarsch, Thunfisch, Meerbrasse, Languste: Die unterschiedlichsten Arten von orangefarbenen, gelben, blauen und grünen Fischen tummeln sich dort zwischen roten und weißen Korallenriffen, zwischen grünen, schwarzen und roten Algen. Delfine, Tigerhaie, Hammerhaie, Schwertfische, Pfeilhechte und Wasserschildkröten vervollständigen das zauberhafte Bild dieser lautlosen Welt.

Fidel Castro ist ein ausgezeichneter Taucher. Das kann ich sehr gut beurteilen. Während all der Jahre, die ich in seinen Diensten verbracht habe, kam es mir zu, ihn bei seinen Unterwasserausflügen zu begleiten – insbesondere, um ihn gegen mögliche Angriffe der Haie, Pfeilhechte und Schwertfische zu verteidigen. Mehr noch als die anderen Aufgaben, die in meiner Verantwortung lagen – wie der Einblick in seinen Terminkalender oder die Organisation des Sicherheitsaufgebots bei seinen Auslandsreisen –, gab meine Beteiligung beim Tauchen oft Anlass zu Eifersüchteleien. Für ein Mitglied seines Begleitschutzes gibt es keine größere Auszeichnung als diejenige, Fidel bei seinen Unterwasserausflügen begleiten zu dürfen. Und dieses Vergnügen wurde mir sehr oft zuteil! Denn wie sehr er sich auch für Basketball oder Entenjagd begeistert, so stellt das Tauchen doch seine wahre Leidenschaft dar. Fidel ist mit einem eindrucksvollen Lungenvolumen ausgestattet (schließlich ist er auch 1,91 Meter groß und wiegt 95 Kilogramm) und kann ohne Sauerstoffgerät vollkommen problemlos bis in zehn Meter Tiefe tauchen.

Aber er betreibt die Unterwasserjagd auch auf eine ganz eigene Art. Man kann sie mit den königlichen Jagdzügen von Ludwig XV. in den Wäldern um Versailles vergleichen. Früh am Morgen, wenn der Herrscher noch schläft, schwärmt ein Trupp von Fischern in Begleitung des »alten Finalé« aus, um die Lage zu sondieren. Ihr Auftrag lautet, die fischreichen Gründe ausfindig zu machen, um die Erwartungen des Monarchen noch zu übertreffen. Nach getaner Arbeit kehrt dieser Trupp dann im Laufe des Vormittags nach Cayo Piedra zurück. Dort wartet er darauf, dass der König sich erhebt, der sich selten vor 3 Uhr morgens schlafen legt. Dann tritt der »alte Finalé« zum Rapport an.

»Nun, was haben wir denn heute?«, fragt Fidel, bevor er an Bord der Aquarama II geht.

»Comandante, heute müssten Bonitos und Doraden zu finden sein. Und mit ein bisschen Glück treffen wir auch auf Langusten.«

Die Aquarama II legt ab. An Bord wird unverzüglich mit den Vorbereitungen begonnen: Man holt die Masken und Schnorchel hervor, während Fidel sich gemütlich hinsetzt und die Beine ausstreckt. Jemand kniet vor ihm, um ihm Flossen überzustreifen und Handschuhe zu reichen. Hinlänglich ausgerüstet, steige ich als Erster die Leiter hinunter, El Comandante folgt mir. Unter Wasser schwimme ich an seiner Seite oder über ihm. Mein Werkzeug besteht in einem Luftgewehr, dessen Geschosse vorne rund sind. Damit soll den getroffenen Fischen eine Art »Faustschlag« auf den Kopf versetzt werden können. Dies ist wichtig, wenn Haie oder Pfeilhechte sich Fidel gefährlich nähern.

Aber ich trage auch das Jagdgewehr des Chefs, denn er möchte sich nicht die ganze Zeit über mit einem solchen Gewicht belasten. Wenn Fidel jedoch eine Beute ins Visier nimmt und beschließt, sein Gewehr zu benutzen, streckt er den Arm in meine Richtung, ohne mich dabei anzusehen. Ich weiß, was ich dann zu tun habe: Ich platziere die Waffe schussbereit in seiner Hand. Fidel schießt die Harpune ab und reicht mir danach das Gewehr sofort zurück. Je nachdem, ob er sein Ziel verfehlt oder getroffen hat, lade ich das Gewehr nach oder kehre an die Wasseroberfläche zurück, um die Beute in das über uns schwimmende Beiboot zu verfrachten.

Wenn der Monarch genug hat, kehren wir nach Cayo Piedra zurück. Bei unserer Rückkehr findet stets das gleiche unvermeidliche Ritual statt. Der (sehr üppige) Fang von Fidel wird auf dem Landungssteg ausgebreitet und nach Arten sortiert: die Meerbrassen zu den Meerbrassen, die Doraden zu den Doraden, die Langusten zu den Langusten usw. Daneben werden auch die Fische von Dalia, die in Begleitung von zwei Kampfschwimmern ebenfalls auf Unterwasserjagd geht, zur Schau gestellt. Unter den bewundernden und belustigten Kommentaren des Begleittrosses sichten Fidel und Dalia ihre Ausbeute und ermessen das sich daraus ergebende Festessen.

»Comandante, es una otra pesca milagrosa!« (»Was für ein wunderbarer Fang!«), beteure ich in der Gewissheit, dass mir diese Worte das Lächeln des selbstverliebten Führers und seiner Begleiter einbringen.

Während die Glut des Holzkohlengrills sich schon rot färbt, bestimmt Fidel die Fische, die er unverzüglich auf dem Grill sehen will, sowie diejenigen, die er großmütig der Garnison überlässt, und schließlich diejenigen, die er in Boxen voller Eis gut gekühlt nach Havanna bringen lässt, wo er sie in seinem Heim binnen 48 Stunden verzehren möchte. Dann begeben sich die Castros im Schatten des schwimmenden Restaurants zu Tisch.

*

Dieses dolce vita stellt ein unermessliches Privileg dar. Dies umso mehr, als sich die ohnehin recht spartanischen Lebensbedingungen auf Kuba nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion weiter verschlechtern. Die Subventionen aus Moskau, die einen gewissen Wohlstand aufrechterhalten hatten, versiegen zunehmend. Die kubanische Wirtschaft, die mehr als 80 Prozent ihres Außenhandels mit dem Ostblock betreibt, bricht wie ein Kartenhaus zusammen. In vielen Privathaushalten herrscht Hunger. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt um 35 Prozent, und die Elektrizitätsversorgung ist nicht mehr ausreichend gewährleistet. Um dem massiven Rückgang der Exporte und Importe zu begegnen, ordnet Fidel Castro im Jahr 1992 gesetzlich den Beginn der »Sonderperiode in Friedenszeiten« an, die die Zeit der Entbehrungen offiziell bestätigt und die Ära des internationalen Massentourismus einläutet.

*

Bis zu Beginn der 90er-Jahre hatte ich mir niemals Gedanken darüber gemacht, wie eigentlich das System funktionierte. Ein typischer Fehler von Militärangehörigen … Als guter Soldat erfüllte ich meinen Auftrag nach bestem Wissen und Gewissen, und damit war ich glücklich. Allerdings durfte ich mich auch rundum kompetent fühlen. Ich besaß den schwarzen Gürtel im Judo, den schwarzen Gürtel in Karate, den schwarzen Gürtel in Taekwando. Zugleich war ich einer der besten Scharfschützen meines Landes. Im Jahr 1992 hatte ich bei einem zweitägigen, vom kubanischen Innenministerium veranstalteten Wettbewerb die unumstrittene Meisterschaft im Präzisionsschießen auf feste und bewegte Ziele aus einer Entfernung von fünfundzwanzig Metern gewonnen. Mir wurde gar der ehrenvolle Titel eines »Experten« zuteil, der niemals zuvor verliehen worden war. Parallel dazu hatte ich einen Magistertitel in Jura erworben und bereits alle Stufen der Hierarchieleiter bis zum Rang eines Oberstleutnants erklommen. Die mir übertragenen Aufgaben wurden immer verantwortungsvoller. So oblag es mir, das Sicherheitsaufgebot bei Auslandsreisen des Staatschefs zu bestimmen und die Sicherheitsmaßnahmen zu organisieren. Fidel selbst war zufrieden. Mehr als einmal hörte ich, wie er auf diesen Reisen beim Ausstieg aus dem Flugzeug sagte: »Ah, Sánchez ist da, na, dann ist ja alles in Ordnung.« Ich kann also wirklich behaupten, dass ich in beruflicher Hinsicht erfolgreich war. In gesellschaftlicher Hinsicht im Übrigen auch: Auf Kuba gibt es eigentlich keine Arbeit, die mehr Ansehen genießt und begehrter ist, als das Leben dem körperlichen Schutz des Máximo Líder zu widmen.

Aber zu dieser Zeit bekommt die bisher so makellose Fassade meiner Überzeugungen erste Risse. Dafür muss man wissen, dass das Jahr 1989 in der kollektiven Erinnerung der Kubaner nicht so sehr das Jahr des Falls der Berliner Mauer ist, sondern das Jahr der »Affäre Ochoa«. Diese Angelegenheit stellt in gewisser Weise die Dreyfus-Affäre des Castro-Systems dar und wird auf ewig ein nicht zu tilgender, dunkler Fleck in der Geschichte der kubanischen Revolution bleiben. Am Ende eines stalinistischen, vom Fernsehen übertragenen Prozesses, der bis heute allen Kubanern in quälender Erinnerung ist, wurde Arnaldo Ochoa, ein Nationalheld und hoch geachteter General der Insel, wegen Drogenhandels zum Tode verurteilt und – um ein Exempel zu statuieren – zusammen mit drei weiteren hochrangigen Militärs erschossen. Da ich mich im engsten Kreis der Mächtigen bewegte, wusste ich nur zu gut, dass dieser Drogenhandel dazu bestimmt gewesen war, Devisen anzuhäufen, mit denen die Revolution finanziert werden sollte. Das Ganze war natürlich mit der Unterstützung des Comandante organisiert worden, und somit war dieser ganz direkt in die »Affäre« verstrickt. Um sich selbst zu schützen, hatte Castro nicht gezögert, Arnaldo Ochoa zu opfern, den tapfersten und treuesten seiner Generäle, den Helden der Schweinebucht, der sandinistischen Revolution in Nicaragua und des Krieges von Angola gegen Südafrika.

Ein wenig später habe ich begriffen, dass Fidel die Menschen genau so lange benutzte, wie sie ihm nützlich waren. Danach ließ er sie fallen, ohne mit der Wimper zu zucken.

Im Jahr 1994 wollte ich mich, ein wenig ernüchtert von allem, was ich gesehen, gehört und erlebt hatte, zur Ruhe setzen. Nichts weiter. Ich wollte lediglich zwei Jahre früher als geplant aus dem Dienst scheiden, mich in aller Ruhe zurückziehen – und dabei meinem Schwur treu bleiben, der mir abverlangte, jegliche Informationen für mich zu behalten, die mir im Laufe der siebzehn vergangenen Jahre allergrößter Nähe zum Máximo Líder zu Ohren gekommen waren. Für diese Majestätsbeleidigung – es gewagt zu haben, darauf verzichten zu wollen, dem Kommandanten der Revolution weiter zu dienen – wurde ich ins Gefängnis geworfen wie ein Hund. Dort sperrte man mich in eine Zelle voller Kakerlaken. Man folterte mich. Man versuchte sogar, mich aus dem Weg zu schaffen. Es gab Augenblicke, in denen ich dachte, es würde mich mein Leben kosten. Aber ich bin zäh. Während meiner von 1994 bis 1996 währenden Haft schwor ich mir, dass ich, sollte mir die Flucht aus Kuba gelingen (was im Jahr 2008 nach zehn vergeblichen Versuchen endlich der Fall war), ein Buch veröffentlichen würde, in dem ich alles erzählen würde, was ich gesehen und gehört hatte. In dem ich von dem »echten« Fidel Castro erzählen würde, wie noch niemand zuvor es tun konnte oder gewagt hat. In dem ich also eine wirkliche Innenansicht schildern würde.

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ICH, JUAN SÁNCHEZ, LEIBWÄCHTER VON FIDEL

Soweit meine Erinnerung reicht, war ich schon immer ein Waffennarr. Es ist deshalb kein Zufall, dass ich auf dem Höhepunkt meiner Karriere, im Jahr 1992, zum besten Pistolenschützen von Kuba gekürt wurde. Als ich zehn Jahre alt war, bekam ich zu Neujahr meine erste Cowboy-Ausrüstung geschenkt. Dazu gehörte auch eine wundervolle, silberfarbene Kinderpistole. In den folgenden Jahren erhielt ich regelmäßig neue Kostüme, und immer war auch ein neuer Colt dabei. So widmete ich meine Kindheit im Wesentlichen dem Kampf gegen imaginäre Indianer und schreckliche Banditen. Aber anstelle des üblichen Spiels »Peng! Peng! Du bist tot!« nahm ich meinen Auftrag sehr ernst und bemühte mich, meine beweglichen Ziele mit großer Genauigkeit ins Visier zu nehmen: Mit ausgestrecktem Arm und ruhigem Blick durch den Sucher lauerte ich ihnen auf.

Als Jugendlicher ging ich zu Luftgewehren über, die ideal sind, um aus zehn Metern Entfernung Kartons mit Schrotkugeln zu durchlöchern. Diese Vorliebe meiner Jugend legte den Grundstein dafür, dass ich später die sicherste Hand in Fidels Eskorte besaß. Noch heute, mit über sechzig, trainiere ich mindestens einmal pro Woche an einem Schießstand in Florida, wo ich seit 2008 im Exil lebe. Und natürlich verlasse ich das Haus niemals ohne meine Waffe: Sollten kubanische Agenten, die in Florida sehr zahlreich unterwegs sind, mich zum Schweigen bringen wollen, so steht das Empfangskomitee bereit! Aber nun zurück zu meiner Kindheit …

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Ich wurde am 31. Januar 1949 in Lisa, einem Armenviertel im Westen von Havanna, geboren – fast genau zehn Jahre vor dem »Triumph der Revolution«. Als ich zwei Jahre alt war, trennte sich mein Vater, der in einem Geflügelzuchtbetrieb arbeitete, von meiner Mutter, die Hausfrau war. Weil meine Mutter nichts verdiente, war sie zu arm, um mich allein aufzuziehen, und mein Vater sah sich außerstande, dieser Aufgabe nachzukommen. So beschloss er, mich meiner Großmutter und meinem Onkel väterlicherseits anzuvertrauen, mit denen er unter einem Dach lebte. Auf Kuba ist wie auch anderswo, beispielsweise auf den Antillen, eine solche Konstellation nichts Ungewöhnliches: Der Begriff Familie hat eine recht variable Geltung.

Meine Großmutter behandelte mich wie ihren eigenen Sohn und hütete mich wie ihren Augapfel. Und mein Onkel, den ich »Papa« nannte, wurde rasch zu einer Art Ersatzvater für mich. Zu meiner Mutter, die im selben Viertel lebte, brach der Kontakt nicht vollständig ab; ich traf sie hin und wieder. Mir fehlte es an nichts, denn mein Onkel hatte eine gute Anstellung als Buchhalter in den großen Schlachthöfen von Havanna. So war er auch glücklicher Besitzer eines weißen Buick aus dem Jahr 1955, der – welche unglaubliche Errungenschaft! – über eine Klimaanlage verfügte. Am Wochenende fuhr er uns oft in seinem sagenhaften Gefährt spazieren, manchmal sogar bis nach Varadero, dem berühmten, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Badeort.

Es sind die 50er-Jahre – das goldene Zeitalter auf Kuba. Vor allem aber das goldene Zeitalter der kubanischen Musik: Rumba, Mambo, Cha-cha-cha. Die Stars dieser Zeit heißen Benny Moré, Orlando Vallejo, Celia Cruz. Sie treten in den angesagten Nachtklubs (dem Tropicana, dem Montmartre), den angesehenen Hotels (dem Nacional, dem Riviera) oder auch den von Lucky Luciano und anderen italo-amerikanischen Mafiabossen unterhaltenen Kasinos auf.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist dies eine gesegnete Zeit – aber das ist uns damals nicht klar. Kuba ist deutlich wohlhabender als das Spanien unter General Franco; die Insel exportiert vor allem Rohrzucker, Bananen und Nickel. Und sie ist eines der modernsten Länder Lateinamerikas. Die Zahlen der OECD belegen das: Neben Venezuela, das Öl fördert, und Argentinien mit seinen Fleischexporten zählt Kuba zu den drei Staaten, die im lateinamerikanischen Raum die geringsten sozialen Unterschiede aufweisen und im Hinblick auf den Human Development Index (Alphabetisierung, Lebenserwartung usw.) am besten dastehen. Der Wohlstand der Mittelklasse bemisst sich an der Zahl der Autos made in USA, am Boom der elektrischen Haushaltsgeräte (Fernseher, Kühlschränke usw.), der Häufigkeit von Restaurantbesuchen und an den vielen kleinen Geschäften, die immer voll sind. Havanna schwelgt in einer Stimmung der Konsumfreudigkeit. Zur Weihnachtszeit bieten die Marktstände aus Europa importierte Äpfel und Birnen feil. Aber in der Hauptstadt, wo nachts die grellen Neonlichter der Diskotheken leuchten, kümmert man sich nicht sonderlich um die Lage der Landbevölkerung. Auf dem Land werden die Bauern und Arbeiter, die meist Analphabeten sind, ausgebeutet, sie müssen ihre Ernten zu Spottpreisen verkaufen oder arbeiten für Hungerlöhne bei multinationalen amerikanischen Konzernen wie der United Fruit Company. Aber wen kümmern schon soziale Ungerechtigkeiten außer einer Handvoll idealistischer Studenten, die bereits von der Revolution träumen?

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In politischer Hinsicht ist dieses Jahrzehnt von großer Unruhe geprägt. In der Innenpolitik geht es turbulent zu, Korruption und Studentenproteste sind an der Tagesordnung. Diese Mischung ist ein explosiver Cocktail. Im August 1951 begeht Eduardo Chibás, der Führer des von ihm gegründeten Partido Ortodoxo, Selbstmord, und zwar unmittelbar im Anschluss an eine Radiosendung, in der er zum wiederholten Male die Korruption der Regierungen der Präsidenten Ramón Grau (1933–1934 und 1944–1948) und Carlos Prío (1948–1952) und ihre Verbindungen zur Mafia angeprangert hatte. Mit ihm verliert das politische Leben einen scharfen Polemiker und eine charismatische Figur des Widerstands. Die allgemeine Bestürzung ist groß. Im folgenden Jahr, 1952, ergreift Fulgencio Batista durch einen Staatsstreich erneut die Macht, und zwar einen Monat vor den für März vorgesehenen Wahlen, die er mit Sicherheit verloren hätte.2

Ein Jahr später, am 26. Juli 1953, betritt ein junger Anwalt namens Fidel Castro, der bereits bei den studentischen Demonstrationen von sich reden gemacht hatte, mit einer aufsehenerregenden Aktion die Bühne. Er plant und veranlasst einen bewaffneten Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba im Osten des Landes. Der Angriff scheitert, Dutzende seiner Mitstreiter werden bei dem Angriff getötet, die meisten anderen festgenommen und viele von ihnen später hingerichtet. Fidel Castro selbst wird ebenfalls verhaftet, kommt aber vor ein ordentliches Gericht und wird zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1955 erlässt Batista eine Generalamnestie, durch die auch Fidel wieder freikommt. Jetzt beginnt seine Geschichte eigentlich erst richtig: Er geht nach Mexiko ins Exil, wo sein Bruder Raúl ihn einem Argentinier namens Ernesto Guevara vorstellt, den alle nur »Che« nennen. Nach einigen Monaten der Vorbereitung geht eine Gruppe von 82 Männern unter der Führung von Fidel Castro an Bord der Granma, eines irgendwo aufgetriebenen Motorbootes, an der Südküste Kubas an Land. Dort gehen die Rebellen in den Untergrund. Im Jahr 1956 steht Fidel Castro also in den unwegsamen Wäldern der Sierra Maestra an der Spitze einer Guerilla, der sogenannten Bewegung des 26. Juli oder auch M-26–7, womit auf das Datum des Angriffs auf die Moncada-Kaserne Bezug genommen wird.

Im Jahr 1958 nimmt die Geschichte Fahrt auf: Das korrupte Regime von Batista fällt im Ausland immer mehr in Ungnade, und Washington entzieht ihm seine Unterstützung. Im Februar des gleichen Jahres vollbringt die M-26–7 eine ihrer denkwürdigsten Glanzleistungen: Zwei maskierte Männer dringen in Havanna in das Hotel Lincoln ein und entführen einen der VIP-Gäste: den argentinischen Autorennfahrer Juan Manuel Fangio. Jetzt ist ein Großeinsatz angesagt! Die Polizei errichtet überall Straßensperren und Checkpoints, aber Fangio bleibt unauffindbar. Seine Entführer bringen ihn in ein komfortables Haus in Havanna, wo sie versuchen, den Sportler für ihre revolutionären Ideen zu gewinnen. Mit nur mäßigem Erfolg. Der argentinische Rennfahrer ist vollkommen unpolitisch, ein hoffnungsloser Fall, aber da er von den jungen Rebellen gut behandelt und nach neunundzwanzig Stunden Gefangenschaft wieder freigelassen wird, fühlt er sich diesen Idealisten von jetzt an freundschaftlich verbunden. Der PR-Coup von Fidels Leuten zeigt großartige Wirkung. Man spricht von ihnen. Und sie haben das Bild des Regimes beschädigt, indem sie eine solche Verwirrung stifteten, wo doch der Große Preis von Kuba ein Fest sein sollte. Es ist zwar nur ein psychologischer Sieg, aber nach der »Fangio-Affäre« spüren immer mehr Kubaner, dass die Macht von Batista zunehmend ins Wanken gerät. Zehn Monate später ist seine Zeit abgelaufen. Er wird gestürzt. Am 1. Januar, bei 32 Grad im Schatten, macht der Diktator sich auf die Flucht nach Portugal, und die Bevölkerung drängt laut jubelnd auf die Straße.

Die Menge singt, tanzt und ruft: »Viva la revolución!« In den Straßen wogt ein Meer roter und schwarzer Fahnen der M-26–7. Fidel hingegen lässt mit seinem unvergleichlichen Gespür für Spannung sage und schreibe acht Tage auf sich warten! Dann zieht er in Havanna ein, und zwar in einem Triumphzug ganz im Stil der römischen Kaiser. Eine Woche lang sind seine barbudos und er tausend Kilometer von Osten nach Westen durchs Land gezogen. Überall auf ihrem Weg hat man ihnen zugejubelt, wie es Helden gebührt. Schließlich erreicht die Guerillatruppe am 8. Januar die Hauptstadt. Fidel fährt auf einem Jeep stehend durch die Straßen. Da drängt sich der Vergleich mit Cäsar auf seinem Streitwagen förmlich auf.

Ich habe dieses Ereignis aus nächster Nähe miterlebt: Die Wohnung meines biologischen Vaters lag in der Avenue Vía Blanca.

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