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Das teuflische Mama-Buch

Über die Autorin

Jill Smokler ist durch ihren Blog »Scary Mommy« zur Heldin einer neuen Frauengeneration in den USA geworden. Das daraus entstandene Buch hat es bis auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft. Verheiratet mit ihrer College-Liebe, lebt die gelernte Grafikerin mit drei Kindern und einem Golden Retriever im schönen Baltimore. Mehr Bekenntnisse von ihr und anderen Müttern auf www.scarymommy.com.

Jill Smokler

DAS TEUFLISCHE
MAMA-BUCH

Bekenntnisse einer Mutter
mit Fehl und Tadel

Aus dem Amerikanischen
von Petra Trinkaus

Für meine Kinder Lily, Ben und Evan.

Danke für das größte Geschenk von allen: Mutterschaft.

Ich liebe euch mehr, als ihr euch vorstellen könnt.

VORWORT

Ich bin keine Schriftstellerin. Sicher, ich habe dieses Buch geschrieben, aber ich bin keine richtige Schriftstellerin. Zumindest sehe ich mich nicht so.

Von Beruf bin ich Grafikdesignerin, solange meine Kinder noch klein waren, habe ich mir eine Auszeit genommen. Ich wusste, dass ich irgendwann wieder Geld würde verdienen müssen, um die Rechnungen zu bezahlen, aber ich wollte das ungeduschte Leben in Yogahosen so lange ausnutzen, wie es ging. Mit Lippenstift und High Heels ins Büro zu gehen fehlte mir überhaupt nicht. Allerdings hatte die Schlampigkeit ihren Preis. Obwohl ich die Arbeit ganz bestimmt nicht vermisste, fehlte es mir, etwas – egal was – für mich allein zu haben. Endlose »Kuckuck«-Spiele und Bilderbücher füllten mich nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte das Gefühl, in Langeweile und lahmen Kinderversen zu ertrinken. Und so begann ich aus einer Laune heraus, ein Blog zu schreiben.

Das schien eine gute Lösung zu sein: Denn so konnte ich ein Babytagebuch für die Kids führen und hatte gleichzeitig etwas, mit dem ich mich zwischen Wäsche, Windelwechseln und Einkaufen ablenken konnte. Außerdem entband mich das von der Pflicht, diese peinlichen, fotogespickten E-Mails an Freunde und Verwandte zu schicken. Was hatte ich zu verlieren? Nichts, wie sich herausstellte. Besser noch: Ich hatte keine Ahnung, wie unglaublich viel ich mit dem Blog gewinnen sollte.

Ich schrieb über meinen Kampf, das »perfekte« Foto von meinen Kindern zu machen, und über meine Frustration während ihrer Trotzphasen. Ich stellte süße kleine Bildchen, Kunstwerke und Storys ein, hätte aber nicht im Traum gedacht, dass irgendjemand sie lesen würde, der keine enge Beziehung zu mir hatte. Doch nach ein paar Wochen geschah dann das Unglaubliche: Ich bekam einen Kommentar von einer Frau, die nicht meine Mutter oder beste Freundin war. Eine Frau, Tausende Meilen entfernt, die mich irgendwie gefunden hatte und sich mir verbunden fühlte. Ich klickte ihren Namen an und sah, dass auch sie ein Blog schrieb, in dem sie ihre Ansichten zum Mutter- und Elternsein mitteilte. Sie unterschieden sich von meinen, aber es war dennoch faszinierend, sie zu lesen. Ich klickte weiter herum und entdeckte, dass es Hunderte, Tausende Mütter gibt, die über ihr Leben und ihre Erfahrungen schrieben. Es war eine große, weite Welt, in die ich zufällig gefallen war. Und ich wurde süchtig nach ihr.

Mit meiner Website wuchs das Gemeinschaftsgefühl. Während ich mich früher mit meinen Gefühlen der Erschöpfung und Unzulänglichkeit allein gefühlt hatte, fand ich plötzlich auf der ganzen Welt Mütter, die mich verstanden, weil sie das Gleiche durchmachten. Plötzlich begannen auch meine ehrlichen Gedanken zum Muttersein ins Blog einzufließen, die bisher nur in meinem Kopf existiert hatten. Ich sah meine Einträge nun eher als Anregung für die Diskussionen, die sich in den Kommentaren abspielten. Die Leute steuerten ihre eigenen Erfahrungen und Geschichten bei, und ich lachte und weinte und lernte von ihnen. Wir alle haben Geschichten zu erzählen, und ich fand es wunderbar, dass die Menschen meine Website als Auslöser benutzten, um selbst eine einzurichten.

Ein paar Jahre nach dem Start meiner Website stellte ich einen anonymen Beichtstuhl online, da ich spürte, dass meine Leserinnen noch sehr viel mehr sagen würden, wenn sie weder einen Benutzernamen noch ein Bild hinterlassen mussten.

Die Reaktion war unglaublich. Manche Bekenntnisse waren traurig, manche zum Schreien komisch und manche waren brutal ehrlich, aber alle waren echt. Ich habe sie gesammelt und ans Ende der einzelnen Kapitel gestellt. Echte Mütter, die echte Gedanken äußern, ohne Angst vor einer Verurteilung oder negativen Reaktionen. Bestimmt findet ihr euch zumindest in einigen dieser Äußerungen wieder. So unterschiedlich sind wir schließlich gar nicht.

Ich hoffe, dass dieses Buch ähnlich wirkt wie mein Blog. Zwar könnt ihr die Einträge nicht so kommentieren, wie es online möglich ist, aber vielleicht inspiriert euch das Buch dazu, mit anderen in Verbindung zu treten und eure eigenen komischen und schrecklichen Erfahrungen zu teilen, wie ihr es nie zuvor getan habt. Erzählt euren Freundinnen ganz ehrlich, wie schwer es ist, ein Mädchen großzuziehen. Gesteht eurer Nachbarin, wie sehr ihr Schwimmbäder verabscheut. Nehmt dieses Buch als Rettungsboot, wenn ihr in eurer Mutterschaft zu ertrinken droht.

Für die Mitglieder meiner Teufelsmama-Community: Danke. Danke, dass ihr mir eine Seite an mir gezeigt habt, die ich nicht kannte. Danke, dass ihr einen Traum habt wahr werden lassen, von dessen Existenz ich gar nichts wusste.

KAPITEL 1

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EINE MUTTER
MIT FEHL UND TADEL

Das Leben einer Mutter ist eine einzige Ironie des Schicksals: Auf den Tag, an dem man sich entschlossen hat, das Bett frisch zu beziehen, folgt unweigerlich die Nacht, in der das Kind ins Bett macht. Trotz Millionen Spielsachen im Haus wird das Baby zweifelsohne lieber mit Töpfen und Pfannen aus dem Küchenschrank spielen als mit jedem noch so teuren Lernspiel. Und die Kinder werden immer dann früh einschlafen, wenn der Babysitter für ihre Unterhaltung nach Stunden bezahlt wird. Das ist unfair, gemein und ungerecht, aber bedauerlicherweise nicht zu ändern. Die vielleicht größte Ironie von allen aber ist, dass ihr, obwohl ihr nie allein seid, euch als Mutter bisweilen total isoliert fühlt.

Vor ein paar Jahren war ich hauptberuflich Mutter von drei Kindern im Alter von null bis vier Jahren. Ich wohnte in einem neuen Haus, in einer neuen Stadt, zwischen unbekannten Nachbarn. Es war einsam und bedrückend, und ich fühlte mich elend. Eine andere Mutter aus der Nachbarschaft kam vorbei, um sich vorzustellen und mich zu fragen, wie es mir so ginge. Halb im Scherz antwortete ich:

»Das Baby hat ein bisschen was von einem kleinen Arschloch, aber das wächst sich aus. Wir werden’s überleben.« Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, fasste sie meine Antwort als persönliche Beleidigung auf. Mir war sofort klar, dass wir unsere Nachmittage definitiv nicht damit verbringen würden, gemeinsam ein wenig zu jammern. Sie selbst hatte ebenfalls drei kleine Kinder – verfiel sie denn nicht langsam dem Wahnsinn? Sehnte sie sich nicht auch nach einem Nachmittag ohne ein ständig spuckendes Baby und Kinder, die ihr Rotze auf die Jeans schmierten? Schloss sie sich nicht auch mal im Bad ein und ignorierte das Flennen auf der anderen Seite der Tür? Offensichtlich nicht. Oder sie verstellte sich verdammt viel besser, als ich es konnte.

Wir stellen uns das Muttersein gern als Idyll vor. Ein Neugeborenes, das friedlich an der Mutterbrust schlummert. Ein Kleinkind, das seine ersten unsicheren Schritte in Mamas liebende Arme lenkt, die dann stolz lächelt und sich die Tränen von den Wangen wischt. Das lange blonde Haar einer Frau, das im Wind weht, wenn sie Hand in Hand neben ihren schönen, makellos gekleideten Kindern herläuft. Mutter und Tochter, die Tee trinken und sich gegenseitig die Nägel lackieren, während sie einander ihre intimsten Geheimnisse und Träume erzählen. Eine Mutter, die Pfadfinderinnengruppen anführt, Elternversammlungen leitet und ihrer Tochter das erste Ballkleid zurechtzupft, bevor deren nervöser Verehrer an die Tür klopft. Solche Momente sind tatsächlich wunderbar; bisweilen allerdings ausgesprochen dünn gesät.

Was, wenn besagtes Baby nie richtig saugt, das Stillen zum Alptraum ausartet und Mutter wie Baby schließlich stundenlang schluchzen? Was, wenn die Mutter eines schwierigen Kleinkinds sich einen kurzen Moment lang fragt, ob das Leben noch etwas anderes zu bieten hat als Rätsel und das ABC? Was, wenn eine Mutter, sobald ihr Teenager aus der Tür ist, einen Seufzer der Erleichterung ausstößt, weil eine Pause im täglichen Drama eintritt und sie sich allein in der Badewanne ein Glas Wein gönnt?

Machen diese Dinge das Mutterdasein weniger perfekt? Natürlich nicht: Sie machen es echt.

Das Muttersein ist keine Kette wundervoller kleiner Augenblicke, die sich wie in einer perfekt arrangierten Diashow aneinanderreihen. Es ist schmutzig und gruselig und schön und schwer und wundervoll und anstrengend und undankbar und voller Freude und frustrierend zugleich. Es ist alles. Jede, die behauptet, Mutter zu sein habe nur gute Seiten, verdrängt einiges (oder ist auf einem ziemlich guten Trip). Wer zugibt, dass dieser Job nicht immer leicht ist, ist noch lange keine schlechte Mutter. Zumindest sollte sie keine sein.

Wir sitzen alle im selben Boot. Wir sind nicht die Ersten, denen herausrutscht, dass die Kinder den Mund halten sollen, oder die sich fragen – nur einen winzigen Moment lang –, wie es wäre, wenn wir nie Kinder bekommen hätten. Wir sind nicht die ersten Mütter, die sich überfordert und herausgefordert und nicht restlos erfüllt von ihrer Mutterschaft fühlen. Und wir werden bestimmt nicht die Letzten sein.

Wir haben nichts zu verlieren, wenn wir anderen gegenüber unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten zugeben. Tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Fall. Wir werden bessere Mütter, bessere Partnerinnen und bessere Frauen, wenn es uns gelingt, die Maske endlich fallen zu lassen und ehrlich zu sein. Wem wollen wir denn überhaupt etwas vormachen? Ich hoffe aufrichtig, dass sich keine andere Mutter so allein fühlt wie ich in meinen ersten Monaten. Es gibt Millionen Frauen, die das Gleiche empfinden, überall auf der Welt. Wir müssen uns nur gegenseitig finden.

Teufelsmütter aller Länder, vereinigt euch!

DAS TEUFELSMAMA-MANIFEST

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Vorm Weiterlesen folgende Sätze bitte feierlich rezitieren:

  • Ich werde bei allem, was das Muttersein angeht, meinen Humor bewahren. Denn ich weiß, dass ich ohne ihn im Irrenhaus enden werde. Oder zumindest in totaler Verzweiflung.
  • Ich werde die Mutter im Supermarkt nicht verurteilen, die als Erstes das Süßigkeitenregal aufsucht und ihren brüllenden Zwerg mit kleinen Schokobons ruhigstellt. Es ist eine reine Überlebensstrategie.
  • Ich werde mich nicht an der Mutter messen, die mühelos die tollsten Kuchen backt, Babynahrung selbst kocht oder atemberaubende Verkleidungen aus Seidenpapier bastelt. Muttersein ist kein Wettbewerb. Die Einzigen, die verlieren, sind die, die am schnellsten rennen.
  • Ich werde den Eltern des schreienden Neugeborenen im Flugzeug mitfühlende statt abschätzige Blicke zuwerfen. Ich habe das Glück, den Balg bei der Landung los zu sein. Sie nicht.
  • Ich werde niemals eine Frau fragen, ob sie tatsächlich guter Hoffnung ist. Nie.
  • Ich werde niemals an einer Frau zweifeln, die ihre Kinder in derselben Jogginghose, Flipflops und T-Shirt von der Schule abholt wie am Vortag. Sie hat ihre Gründe.
  • Ich werde niemals behaupten, alles über Kinder zu wissen, die nicht meine eigenen sind (und selbst die sind mir immer noch ein Rätsel).
  • Ich werde die neugeborenen Babys von Freundinnen und Verwandten auf dem Arm halten, damit die Mütter duschen und schlafen können, denn das ist das Einzige, was eine frischgebackene Mutter wirklich will.
  • Ich werde mich bemühen, meiner Tochter ein gesundes Körpergefühl zu vermitteln. Sie verdient eine Mutter, die sich selbst liebt und achtet – Schwangerschaftsstreifen, Dellen und Zellulitis inklusive.
  • Ich werde einer anderen Mutter nicht die Vorteile von Stillen oder Beschneidung oder Schulsystemen oder Bionahrung oder gemeinsamem Schlafzimmer predigen oder um die Ohren hauen, wenn sie mich nicht nach meiner Meinung gefragt hat. Das ist verdammt noch mal nicht meine Aufgabe.
  • Ich werde mir die größte Mühe geben, niemals »nie« zu sagen, schließlich könnte auch mir ein angeberisches, bikinitragendes, wasserpistolenspritzendes Kleinkind beschert werden.
  • Ich werde niemals vergessen: Keine Mutter ist perfekt, und meine Kinder werden dank und manchmal sogar trotz meines Einflusses gedeihen.
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KAPITEL 2

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UND DAS SOLL NUN SCHÖN SEIN?

Mein erstgeborenes Kind war – wie soll ich es elegant formulieren? – eine angenehme Überraschung. Nein, das ist nicht wahr. Es war ein Schock. Ein Hysterie erzeugender, Das-kann-doch-nicht-wahr-sein,-warum-habe-ich-nicht-dreifach-verhütet-Schock, der mein selbstsüchtiges, einfaches Leben bis ins Mark erschütterte. Nur damit das klar ist.

Damals, 2003, arbeitete ich als Store Designer für meine Lieblingsfirma. Mein Leben bestand aus Shopping, Essengehen mit meinem Mann, Ausgehen mit Freunden und Shoppen. Habe ich Shopping schon erwähnt? Es machte den Großteil meines Lebens aus. Mein Job, bei dem ich einen schönen Laden mit Dingen dekorierte, die ich mir selbst mit einem satten Rabatt kaufen konnte, war maßgeschneidert für ein selbstbezogenes Mädel wie mich.

Ich musste morgens früh anfangen, um die Waren auszupacken und zu arrangieren, die am Vortag hereingekommen waren. Eines schönen Maimorgens saß ich um etwa fünf Uhr mit meinen Kollegen auf einem überteuerten Plüschteppich und riss große Pappkartons auf, die aus Übersee eingetroffen waren. Glitzernde Amethystohrringe! Bestickte Schals! Winzige Teetassen! Alles war total süß und total wert, mein ganzes Gehalt dafür auszugeben. Wozu sonst war Geld auch da? Bestimmt nicht zum Sparen oder Investieren. Wer braucht denn so was?!

Nach einer Weile stieß ich auf einen Karton, in dem ausschließlich Kochbücher lagen. Wunderschöne Kochbücher, bei denen mir normalerweise das Wasser im Mund zusammenlief und ich von Seebarsch und gegrilltem Gemüse träumte, oder was auch immer an köstlichen Gerichten die bunten Seiten zeigten. Als ich jedoch das erste Buch herauszog und mir den Titel ansah, passierte etwas Seltsames. Das heißt, so seltsam war es gar nicht. Beim bloßen Anblick eines Tellers mit gebratenen Muscheln rannte ich wie ums liebe Leben zur Toilette. Muscheln, normalerweise eins meiner Leibgerichte, ekelten mich plötzlich bis zum Schlechtwerden – und darüber hinaus. Bevor ich mich recht versah, verteilte sich mein gesamter Mageninhalt über den Boden im Waschraum. Das ist merkwürdig, dachte ich. Vielleicht waren die Cornflakes vom Frühstück abgelaufen? Ja, das musste es sein. Natürlich.

Den restlichen Tag ging es so weiter. Ich konnte keine Lebensmittel sehen, ohne zu würgen. Eine Kollegin machte sich ihr Mittagessen in der Mikrowelle warm, und der bloße Geruch brachte mich in Bedrängnis. Wirkte der Gestank hausgemachter Ravioli denn auf sonst niemanden abstoßend? Die Tomatensoße? Der Käse? Das schwache Aroma von Zwiebeln und Knoblauch? Wie unhöflich von ihr, so öffentlich ihre Mahlzeit warm zu machen und uns andere zu quälen! Es war zum Würgen! Gut, war es nicht. Jedenfalls für niemand anderen außer mich.

»Du bist schwanger«, bemerkte meine Assistentin im Brustton der Überzeugung, als ich von meinem siebten Besuch auf dem Damenklo zurückkam.

»Schwanger? Ich? Niemals. Ich bin heute nur … nicht in Form«, erwiderte ich eingeschnappt. Bestimmt, das war es … ich konnte nicht schwanger sein. Wir wohnten in der City im zweiten Stock ohne Aufzug, am letzten Wochenende hatte ich drei Wodka Tonic getrunken, ich trug superkurze Jeansröcke, ich mochte Kinder nicht mal, um Himmels willen. Es stand einfach nicht zur Debatte. Vielleicht grassierte ein Magen-Darm-Virus – vielleicht würde ich dabei sogar ein paar Pfund abnehmen! Also, damit wurde ich fertig. Aber schwanger? Niemals. Ich nicht.

Auf dem Nachhauseweg ging ich in eine Drogerie, um Magentabletten und ein Klatschblatt zu kaufen. Als ich durch den Gang mit dem Familienplanungskram kam, starrten mich die Schwangerschaftstests aus ihren ordentlichen kleinen Regalbrettern heraus an. Natürlich würde er negativ ausfallen, und ich würde es genießen, morgen bei der Arbeit mit »Hab ich doch gesagt« aufzutrumpfen. Also was soll’s? Die zehn Dollar wären es wert, um meine Kollegen ins Unrecht zu setzen. Ich hatte in meinem Leben schon für viel frivolere Sachen Geld ausgegeben. Und so flog der kleine Test in meinen Einkaufswagen.

In der Wohnung riss ich die Packung auf und befolgte die Anweisungen. Während ich auf das Ergebnis wartete, blätterte ich durch das druckfrische People-Magazin, um den neuesten Jen-und-Brad-Klatsch zu verfolgen: Waren sie schwanger? Ging er fremd? Ging sie fremd? Wann hatte er sich das letzte Mal rasiert? Ihr Haar war ein bisschen zu blond, aber nicht wirklich schlimm. Würde meins in der gleichen Farbe gut aussehen? Es könnte mir stehen …

Diesen Fragen galt meine oberste Priorität. Bis zwei blaue Linien auf dem Test auftauchten. Plötzlich hatte ich viel größere Sorgen. Wer war noch mal Brad?

Hektisch rief ich meinen Mann bei der Arbeit an.

»Jeff«, stammelte ich. »Äh. Ich habe gerade einen Schwangerschaftstest gemacht … und er war positiv.« Totenstille am anderen Ende. Hallooo?

»Ich komme nach Hause«, flüsterte er schließlich und hängte ein. In Rekordzeit, bewaffnet mit überquellenden Tüten aus der Drogerie, stand er auf der Schwelle. Fünf Minuten später schmückte ein ganzes Arsenal von Schwangerschaftstests das Waschbecken im Bad. Sie unterschieden sich in Farbe, Größe und Marke, aber eines hatten sie alle gemeinsam, und darin bestand gar kein Zweifel: Das Leben, wie wir es kannten, war vorbei.

Eigentlich hätte es kein so großer Schock sein dürfen, denn schließlich hatte ich vor ein paar Monaten die Pille abgesetzt. Allerdings hatte ich das nicht getan, um schwanger zu werden! Teufel, nein. Ich wollte reinere Haut bekommen und meinem Körper eine Pause gönnen, bevor ich auf eine andere Pille umstieg. Die Ermahnung meines Frauenarztes, in der Zwischenzeit andere Verhütungsmethoden anzuwenden, schwirrte mir wie eine imaginäre Sprechblase um den Kopf.

Sobald der erste Schock und der Widerwille abgeklungen waren, versuchte ich das Positive zu sehen: Wir waren ein glücklich verheiratetes Paar. Und für glücklich verheiratete Paare ist es völlig akzeptabel, sich fortzupflanzen. Ich hatte meinen Mann sorgfältig ausgewählt, um mit ihm den Rest meines Lebens zu verbringen. Wenn ich mit irgendjemandem ein Kind bekommen sollte, war er derjenige, mit dem ich es tun wollte. Vielleicht sollte es einfach so sein, auf irgendeine bizarre, kosmische Art, die ich noch nicht erfassen konnte. Vielleicht war dieses Schwangerschaftsding gar nicht so schlecht.

Und dann übergab ich mich.

Die Übelkeit war nur der Anfang. Es verblüffte mich, dass ein kaum erdnussgroßes Geschöpf solche Verheerungen in meinem Körper anrichten konnte. Ich war so erschöpft wie nie zuvor in meinem Leben. Doch trotz der Müdigkeit konnte ich nicht schlafen. Was für ein unfairer Zustand. Auf meiner Haut blühten Pickel, als sei ich wieder ein Teenager mit Talgproblem. Mein Rücken tat weh. Meine Haare kringelten sich komisch. Meine Fingernägel brachen. Ich war ein Häufchen Elend. Das sollte schön sein? Bitte verrate mir jemand, was an diesem Scheiß toll sein soll, denn das ist mir offenbar entgangen.

Als ob ich mich nicht schon beschissen genug fühlte, waren mein Körper und meine Angelegenheiten plötzlich offenbar öffentliches Eigentum. Ich war noch nicht einmal Mutter und wurde bereits für Entscheidungen verurteilt, die ich noch gar nicht getroffen hatte. Man warf mich in den mütterlichen Konkurrenzkampf, an dem ich gar nicht teilnehmen wollte. Auf Restauranttoiletten sprachen mich Wildfremde an und fragten mich, ob ich vorhatte zu stillen. Was um alles in der Welt ging die das an? Alte Damen, die seit mindestens fünfzig Jahren nicht schwanger gewesen waren, tadelten mich, wenn ich Fleisch aß. Freunde erteilten mir ungebetene Ratschläge zu Stoffwindeln und Milchpumpen, als ich noch kaum wusste, was das überhaupt war. Und lasst mich erst gar nicht von Schlafrhythmen und Beschneidung anfangen. Sobald eine Frau ein Kind im Bauch trägt, hat alle Welt plötzlich eine Meinung zu jeder einzelnen ihrer Entscheidungen, obwohl es niemanden etwas angeht. Wieso ein solches Verhalten gesellschaftlich akzeptiert ist, übersteigt meinen Horizont. Besonders bei all den Hormonen, von denen schwangere Frauen high sind – hat denn noch nie eine genervte, im neunten Monat schwangere Frau die neugierigen Wichtigtuer verscheucht? Falls ich jemals wieder schwanger werden sollte, schwöre ich, diese Frau zu sein. Für euch.

Und dann war da mein Mann. Mein süßer, wunderbarer und liebevoller Seelenverwandter von einem Mann, der, wie ich mir erfolgreich einredete, vielleicht tatsächlich imstande war, mir das einzige Kind auf der Welt zu machen, das ich jemals ertragen konnte. Unsere allerbesten Eigenschaften würden sich vermischen und in einem Baby Gestalt annehmen, das meine Ansichten über alle jungen Menschen im gesamten Land revidieren würde. Jeffs Anziehungskraft auf mich hatte offenbar etwas Archaisches. Unsere Schwangerschaft war vorbestimmt, dachte ich.

Aber plötzlich verwandelte sich dieser Mann, den ich auserwählt hatte, in das nervigste Geschöpf, das mir je untergekommen war. Was zum Teufel hatte ich getan? Der Humor, den ich bislang zum Schreien witzig gefunden hatte, ärgerte mich auf einmal. Sein Schnarchen brachte mich um den Schlaf. Vom Geruch seiner Haut wurde mir schlecht. Er besaß die Frechheit, mir zu sagen, schwangere Frauen sähen mit hohen Absätzen sexy aus – musste etwa er mit geschwollenen Zehen und Gleichgewichtsproblemen durch die Gegend watscheln? Er konnte einfach nichts richtig machen. Er nicht und auch kein anderer in diesem Universum.

Das gab mir zu denken. Wer sind diese Frauen, die fröhlich durch die Schwangerschaft schweben? Ich habe Freundinnen, die behaupten, jeden Moment ihrer Reise nach Babyhausen genossen zu haben. Sie hatten süße kleine Basketballbäuche und strahlende, reine Haut. Sie trugen Umstandsbikinis, trabten um den Swimmingpool und beschämten uns graue Mäuse mit unseren geschwollenen Venen und Schwangerschaftsstreifen. Wären sie nicht schwanger gewesen, hätte ich ihnen am liebsten in den Bauch getreten. Mit hohen Absätzen.

Und was ist mit diesen Frauen, die diese neun Monate überstehen, ohne überhaupt zu wissen, dass sie ein Kind erwarten? Ich meine, was sind das für Leute?! Bei meinen nachfolgenden Schwangerschaften, ich schwöre es, wusste ich es im Moment der Empfängnis. Die Welle von Übelkeit, die Verstopfung, die leichte Veränderung von allem an mir … Ich kann mir nicht vorstellen, all diese Dinge ein paar Wochen lang nicht zu bemerken, von mehreren Monaten ganz zu schweigen. Ich werde solche Frauen ewig beneiden. Und ich wünsche ihnen, dass sie Schreibabys mit Koliken bekommen. Das wäre nur gerecht.

Für kurze Zeit, als ich ungefähr im siebten Monat war, bekam ich eine Ahnung davon, wie es den anderen, den Glücklichen, ergeht. Einige wenige Wochen lang war ich keine rasende Höllenhexe. Ich übergab mich nicht mehr ständig, und mir schmeckte das Essen sogar wieder. So sehr, dass es mir gelang, fast 13 Kilo zuzulegen, was einem medizinischen Wunder glich, wenn man bedenkt, dass ich in den ersten paar Monaten nicht imstande war, irgendetwas zu verdauen. Endlich sah ich schwanger aus – nicht nur aufgequollen – und gewann eine gewisse Energie zurück. Es ging aufwärts. Und dann kam ich in den neunten Monat.

Ich wünschte, die Regierung könnte das Unbehagen gesetzlich verbieten, das dieses Schwangerschaftsstadium begleitet – das Aufquellen und die Schmerzen und Qualen und die Tritte des Babys. Ich glaube, wenn man das Männern antun könnte, würden selbst die stärksten von ihnen unter dem Druck zusammenbrechen. Es wäre die beste Foltermethode aller Zeiten. Hatte ich gedacht, der Anfang sei schlimm, dann hatte ich mich grausam getäuscht. Das Ende? Pures Elend.

Als ich in die neununddreißigste Woche kam, wachte ich mitten in der Nacht auf und fühlte mich seltsam. Ich war unruhig und verschwitzt und bekam Bauchkrämpfe. Nicht »Baby kommt«-Bauchkrämpfe, sondern »Ich muss ganz dringend ganz groß«-Bauchkrämpfe. So weit war ich sicher. Ich rief meine Mutter an und fragte, was ich nehmen sollte: Magentabletten? Abführmittel? Cola? Es fühlte sich definitiv nicht wie Wehen an, beharrte ich (natürlich hatte ich absolut keine Ahnung, wie zum Teufel Wehen sich tatsächlich anfühlten), und ich wollte mich besser fühlen. Es war ausgesprochen unangenehm.

»Honey«, erklärte Mum gelassen, »ganz genau so fühlen sich Wehen an. Das sind sie.«

Das war meine Einführung in die Mutterschaft. Wer konnte ...

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