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Das süße Mädchen von nebenan

1. KAPITEL

Die letzten langsamen Takte eines alten Songs von Johnny Cash erklangen aus einem kleinen Radio, das irgendwo auf dem Rasen des Parks stand. Amanda Davis, von allen nur Mandy genannt, hielt sich die Hand vor den Mund, um ein Gähnen zu unterdrücken.

Lieber Himmel, wie müde sie war. Sie hatte den gesamten gestrigen Tag damit verbracht, für das heutige Picknick zum vierten Juli zu kochen und zu backen. Den größten Teil des heutigen Morgens hatte sie dabei geholfen, den Marktplatz der kleinen Stadt zu schmücken.

Die Feierlichkeiten hier in Gabriel’s Crossing waren jedem ein Begriff, und Mandy half gerne, wo sie nur konnte. Aber jetzt war es elf Uhr abends, und sie war völlig erledigt. Sie wollte nur noch nach Hause gehen, sich ins Bett fallen lassen und eine ganze Woche schlafen … oder zumindest bis morgen Mittag.

Leider sah es nicht so aus, als würde sie allzu bald dazu kommen.

Sie sah über die Schulter zu ihrem Vater hinüber, der mit drei Freunden an einem Tisch saß und wohl die zwanzigste Runde Poker spielte. Im Gegensatz zu Mandy und so ziemlich allen anderen Besuchern der Feier, die schon vor Stunden nach Hause gefahren waren, schien ihr Vater noch lange nicht gehen zu wollen.

Mit einem leisen Stöhnen legte sie den Kopf auf die Arme und schloss die Augen. Wenn sie schon nicht in ihrem eigenen Bett schlafen konnte, dann würde sie es eben hier tun. In diesem Moment war sie nicht besonders wählerisch.

„Kann ich dich nach Hause fahren?“

Die tiefe raue Stimme riss Mandy aus ihren Gedanken, und sie hob den Kopf und begrüßte ihren Nachbarn mit einem Lächeln. Sie war mit ihm seit ihrer Kindheit befreundet. Aber er war nicht nur ein guter Freund für Mandy, sondern auch ihr heimlicher Schwarm, zumindest war sie auf der Highschool sehr in ihn verliebt gewesen.

Ach, wem wollte sie etwas vormachen? Sie brauchte Mitch Ramsey mit seinem pechschwarzen Haar und den aufregenden grauen Augen nur anzusehen, und schon klopfte ihr Herz schneller.

Eben noch war sie so müde gewesen, dass sie kaum geradeaus denken konnte, und jetzt war sie so wach, dass sie ohne Probleme einen flotten Twostepp hinlegen könnte … wenn Mitch ihn mit ihr tanzen würde.

Als sie nicht sofort antwortete, schlug Mitch seinen alten Stetson gegen seinen muskulösen Schenkel und lächelte. „Dein Vater scheint ziemlich in sein Pokerspiel vertieft zu sein, aber du siehst aus, als würdest du gleich vom Stuhl rutschen. Warum lässt du dich nicht von mir nach Hause fahren, dann kann er nachkommen, wann immer er fertig ist.“

Mein Held, dachte sie und hätte schwören können, dass ihr Herz einen Schlag aussetzte.

Es war schon immer so gewesen. Mitch brauchte sie nur anzulächeln, und schon schlug ihr Herz Purzelbäume. Er brauchte nur ihren Namen auszusprechen, und sie erschauerte am ganzen Körper. Und es war auch nicht das erste Mal, dass Mitch ihr zu Hilfe kam. Er war nun mal ein texanischer Gentleman, wie er im Buche stand.

„Das wäre großartig. Danke.“ Sie stand mühsam auf und strich mit den Händen nervös über ihre Jeans. „Lass mich Pop nur kurz sagen, dass ich schon gehe.“

Mitch nickte und sah ihr nach, während sie zu den bestens gelaunten Kartenspielern ging.

„Hi, Pop“, sagte sie, legte die Hände auf die Schultern ihres Vaters und gab ihm einen Kuss auf die bärtige Wange.

Wyatt Davis lachte leise, legte seine Karten auf den Tisch und sagte: „Seht sie euch genau an, Jungs, und lasst euren Tränen freien Lauf.“ Mit seinem Full House schlug er eindeutig alle anderen, und er machte sich sofort daran, seinen Gewinn einzustreichen.

Dann sah er zu Mandy auf. „Na, mein Mädchen? Wie geht es denn so?“

„Ich bin müde und möchte nach Hause gehen.“ Bevor er ein langes Gesicht machen konnte, fügte sie hinzu: „Mitch hat mir angeboten, mich zu fahren, also kannst du noch bleiben und weiterspielen, so lange du möchtest.“

Wyatt sah erfreut zu Mitch hinüber. „Das ist wirklich nett von ihm. Hast du auch nichts dagegen?“

Sie lächelte. „Natürlich nicht. Amüsier dich noch schön. Aber nichts mehr trinken, sonst müssen wir noch jemanden finden, der dich dann nach Hause bringt.“

Er lachte und wies mit einem Nicken auf sein halbleeres Whiskyglas. „Mach dir wegen mir keine Sorgen, mein Schatz, ich werde den Rest der Nacht damit auskommen.“

„Okay.“ Sie küsste ihn auf die Stirn. „Bis morgen also. Macht es gut, Jungs“, sagte sie und winkte den Freunden ihres Vaters zu, während sie sich schon auf den Weg zu Mitch machte.

„Alles in Ordnung?“

Sie nickte, nahm ihre Tasche vom Picknicktisch und folgte Mitch zu seinem dunkelblauen Pick-up, der im Mondlicht fast schwarz aussah. Mitch hielt ihr die Tür auf, während sie hineinkletterte. Nachdem er sich hinter das Steuer gesetzt hatte, ließ er den Motor an, stellte die Klimaanlage ein und suchte im Radio nach einem Sender mit Countrymusic.

„Noch mal vielen Dank“, sagte Mandy leise, als eine Weile verging, ohne dass Mitch ein Gespräch in Gang brachte. „Ich hatte mich schon damit abgefunden, die Nacht auf dem Picknicktisch zu verbringen. Wenn ich gewusst hätte, dass Pop vorhat, die ganze Nacht Karten zu spielen, wäre ich mit meinem Wagen gekommen.“

„Keine Ursache. Ich fahre sowieso in deine Richtung.“ Er schenkte ihr ein knappes Lächeln.

„Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich dich wahrscheinlich schon vor Stunden gebeten, mich nach Hause zu bringen.“

Mitchs Ranch, die Circle-R-Ranch, grenzte an das Land ihres Vaters. Zwar waren ihre Häuser meilenweit voneinander entfernt, aber so wie die Dinge hier auf dem Land standen, waren sie trotzdem die nächsten Nachbarn.

„Und wieso warst du noch so spät dabei? Ich hätte eher erwartet, dass du dich bei der ersten Gelegenheit aus dem Staub gemacht hättest.“

Mitch liebte seine Heimatstadt und war immer zur Stelle, wenn Gabriel’s Crossing ihn brauchte. Aber seit seiner Scheidung von Suzanne vor vier Jahren verbrachte er die meiste Zeit allein auf seiner Ranch und kam nur in die Stadt, wenn er Vorräte einkaufen musste oder wenn ein besonderes Ereignis stattfand, so wie heute der Unabhängigkeitstag. Und auch dann erschien er nur ganz kurz und verabschiedete sich meist schon sehr bald, um zu seiner Ranch zurückzukehren.

„Chase hat Mom nach dem Feuerwerk nach Hause gebracht, und ich bin noch geblieben, um mich um den Abbau der Musikanlage zu kümmern.“ Er wies auf die Lautsprecher und das übrige Zubehör, das sich im hinteren Bereich des Pick-ups befand. „Morgen früh muss ich alles zurückbringen.“

„Und warum hast nicht du deine Mutter nach Hause gefahren?“, fragte sie, da sie wusste, dass er das viel lieber getan hätte, als bis zum Schluss bei der Feier zu bleiben.

Er verzog den Mund zu einem trockenen Lächeln. „Weil meine Familie glaubt, dass ich allmählich zum Einsiedler werde und mich etwas mehr unter Leute begeben sollte. Und dass ich heute Abend vielleicht ein nettes Mädchen kennenlernen würde, wenn ich nur lange genug bliebe. Ein Mädchen zum Heiraten …“

Sein Ton verriet ihr, wie wenig er von dieser Idee hielt, aber Mandys Herz machte unwillkürlich einen Sprung. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, musste sich jedoch räuspern, weil ihr die Stimme plötzlich nicht mehr zu gehorchen schien. „Und? Ich meine, hast du ein nettes Mädchen kennengelernt?“

„Nein“, antwortete er mit einem Hauch von Schärfe in der Stimme. „Aber ich habe auch nach keiner Ausschau gehalten.“

Der Hoffnungsfunke, der sich in ihr geregt hatte, fackelte kurz auf und erlosch. Mandy war nicht wirklich überrascht. Alle wussten, dass Suzannes Untreue und die Scheidung Mitch hart getroffen hatten. Er war vorher schon nicht besonders kontaktfreudig gewesen, aber nach der Scheidung war er noch mürrischer geworden. Und nichts schien ihn aus seiner düsteren Stimmung reißen zu können.

Mandy war für ihn nie mehr gewesen als eine Nachbarin und gute Freundin, sosehr sie sich wünschte, dass es anders sein könnte. Andererseits hatte sie auch nie etwas getan, um ihn für sich zu interessieren. Sie hätte ein wenig mit ihm flirten können oder ihm direkt sagen, dass sie verrückt nach ihm war. Stattdessen hatte sie ihre Gefühle für sich behalten und ihn von Weitem angehimmelt.

Gott, was war sie für ein Feigling. Wenn sie mutiger gewesen wäre, hätte er Suzanne vielleicht gar nicht erst geheiratet und sie wäre jetzt nicht so unglücklich.

Mandy schluckte und war erleichtert, als sie entdeckte, dass sie fast schon ihr Zuhause erreicht hatten. Die unbehagliche Stille im Pick-up war auch nicht länger auszuhalten.

Mitch hielt vor dem hellgelben Ranchhaus und stellte den Motor ab. „Soll ich dich zur Tür bringen?“

„Danke, aber ich muss noch kurz nach den Tieren sehen, bevor ich zu Bett gehe.“

Sie löste ihren Sicherheitsgurt und öffnete die Beifahrertür. Als sie sie hinter sich schließen wollte, sah sie erstaunt, dass Mitch ausgestiegen war und mit seinem herrlich lässigen Gang auf sie zukam. „Was machst du?“, fragte sie verblüfft.

„Ich will dir helfen, die Tiere zu versorgen.“

„Nein, das schaff ich schon allein.“ Es war vielleicht nicht ihre Lieblingsbeschäftigung, aber sie hatte schon von klein an auf der Ranch mitgeholfen und Ställe ausgemistet und die Pferde versorgt. Und auch heute noch half sie ihrem Vater täglich, natürlich zusammen mit mehreren Rancharbeitern. Es würde ihr keine Mühe machen, kurz mal eben nachzusehen, ob die Tiere noch frisches Wasser hatten, und vielleicht ein wenig Getreide nachzufüllen.

„Ich weiß, dass du das allein schaffst“, sagte er und legte seinen Arm um ihre Schultern. „Aber mit meiner Hilfe bist du eher fertig und kannst früher zu Bett gehen.“

Dieser Logik konnte sich nichts entgegensetzen, also sagte sie nichts und ging mit ihm über den Hof zu der großen grauen Scheune.

Eine Seite des breiten Tors stand offen. Sie gingen hinein, und Mandy knipste das Licht an. Die Glühbirne über ihnen leuchtete nicht besonders hell, aber sie konnten wenigstens sehen, was sie machten.

Mitch hatte in seiner Kindheit so viel Zeit auf der Double-D-Ranch verbracht, dass er sich hier genau auskannte. Die Pferde wieherten, und Mitch streichelte einigen von ihnen voller Zuneigung das Maul, als er an ihnen vorbeiging.

Während Mandy jeden Trog auffüllte und nachschaute, ob die Tiere auch genug frisches Wasser hatten, schleppte Mitch einen Heuballen nach draußen. Er würde ihn ins Feld hinaustragen und ihn auf dem Boden verteilen, damit das Vieh in der Nacht etwas zu fressen fand.

Sie waren fast gleichzeitig fertig. Mandy wischte sich gerade die Hände an ihrer Jeans ab, als Mitch in die Scheune zurückgeschlendert kam und vor Mandy stehen blieb.

„Fertig?“, fragte er.

„Fast.“ Sie ging auf die Leiter zu, die zum Heuboden hinaufführte. „Ich möchte nur kurz noch nach dem neuen Wurf Kätzchen schauen, bevor wir gehen.“

Sie war in Sekundenschnelle auf dem Heuboden und machte sich auf allen vieren auf die Suche nach den Kätzchen. Das Licht hier oben war sogar noch schwächer, aber sie konnte die Umrisse einiger Heuballen sehen, also würde sie vielleicht auch die winzigen Fellbündel finden.

Einen Moment später hörte sie hinter sich ein Knarren. Mitch war ihr gefolgt. Mandys Magen zog sich nervös zusammen, als sie ihn sah, und sie musste schlucken.

„Du hättest nicht heraufzukommen brauchen“, flüsterte sie.

„Ich wollte aber“, sagte er genauso leise.

Daran konnte sie wohl nicht viel ändern, also suchte Mandy weiter nach den Kätzchen. Sie fand sie schließlich zu einem einzigen Ball zusammengerollt auf einem Strohhaufen in einer Ecke. Sie gaben ein entzückendes Bild ab und waren so winzig, dass Mandy sie alle auf einmal in beiden Handflächen halten könnte.

Es waren insgesamt fünf Kätzchen, zwei getigerte, ein scheckiges, ein weißes und ein schwarzes mit weißen Pfoten und einem weißen Fleck auf dem Näschen. Mandy hatte fast täglich ein wenig mit ihnen gespielt, seit sie sie entdeckt hatte. Sie waren alt genug, um die Augen öffnen zu können, aber noch so jung, dass sie ein wenig torkelten, wenn sie zu gehen versuchten.

Sie wollte sie nicht aufwecken und war schon dabei, sich zurückzuziehen, als die Katzenmutter kam, sich gemächlich an Mandys Beinen rieb und dann zu ihren Jungen ging und sich hinlegte, um sie zu säugen. Die Kleinen wachten sofort alle auf und fingen an, sich gegen den Bauch ihrer Mutter zu drängen. Mandy nutzte die Gelegenheit, ihnen über Köpfchen und Rücken zu streicheln.

„Niedlich“, sagte Mitch direkt neben ihr, und Mandy zuckte zusammen.

Sie richtete sich auf, die Hand ans Herz gedrückt. Einen Moment lang hatte sie seine Anwesenheit ganz vergessen, obwohl sie sich jetzt fragte, wie das möglich war. Seine hohe Gestalt, die breiten Schultern, alles an ihm war so aufregend, dass Mandy einen Augenblick der Atem stockte.

„Ich wollte nur kurz nach ihnen sehen“, sagte sie hastig und wich unwillkürlich vor ihm zurück. „Wir können gehen.“

Aber statt die Leiter hinunterzuklettern, schlenderte Mitch ohne Eile zu ein paar Heuballen hinüber, die an der Wand standen, und setzte sich darauf. „Warum hast du es so eilig?“, fragte er, lehnte sich zurück und stützte sich auf die Ellbogen, sodass er fast lag. „Wenn wir nur abwarten, bis die Kätzchen satt sind, kannst du sie vielleicht wieder streicheln.“

Mandy steckte verlegen die Hände in die Hosentaschen. Sie konnte jederzeit mit den Kätzchen spielen, und das wusste er ganz genau. Aber er schien noch ein wenig bleiben zu wollen, und sie bekam nicht oft die Gelegenheit, mit ihm zu reden – ganz besonders nicht unter vier Augen. Und so müde sie vorhin noch gewesen war, jetzt war Schlaf das Letzte, an das sie dachte.

Langsam ging sie zu ihm hinüber und setzte sich neben ihn. Die Hände auf den Knien, den Rücken ganz gerade, saß sie da und suchte nach einem Gesprächsthema. Das Problem war nur, dass sich schon auf der Fahrt hierher ihr Vorrat an Small Talk erschöpft hatte. Sie hatte keine Ahnung, was sie noch sagen könnte, ohne allzu gezwungen oder neugierig zu klingen.

Zu ihrer Erleichterung brach Mitch die Stille. „Wie hat dir die Feier heute gefallen?“

„Bestens“, sagte sie. „Das Picknick zum Unabhängigkeitstag bringt mir immer Spaß.“

„Du engagierst dich ja auch sehr. Ich habe noch ein Stück von deinem Kirschkuchen probieren können, bevor er weg war. Sehr lecker.“

„Danke.“

„Du hast noch mehr für heute gekocht, nicht wahr? Jemand sagte, du würdest immer große Mengen für das Picknick vorbereiten.“

Sie nickte und erinnerte sich an all die vielen Male, da sie und Mitch und sein Bruder Chase wie jetzt zusammengesessen hatten. Meist war das an den langen Sommertagen gewesen, wenn es zu heiß für sie war, um in der Gegend herumzutollen. Sie hatten sich einen kühlen Schatten gesucht und einfach nur herumgelegen und stundenlang geplaudert. Die glücklichen Kindheitserinnerungen halfen ihr, sich zu entspannen.

„Meine Mutter kochte immer bergeweise für jede Feier in der Stadt. Nachdem sie gestorben war, habe ich sozusagen ihre Stelle eingenommen. Ich hatte ihre Rezepte, und ich wollte niemanden enttäuschen.“

„Das hätten die Leute schon verstanden“, sagte er ernst.

„Wahrscheinlich. Aber ich tue es gern, und ich glaube, Pop hat so ein wenig das Gefühl, dass Mom noch bei uns ist.“

„Sie machte jedenfalls den besten Kartoffelsalat in ganz Texas.“

„Ja, das stimmt“, sagte Mandy lächelnd.

„Deiner war auch sehr lecker.“

Sie musste lachen. „Woher willst du denn wissen, dass es mein Kartoffelsalat war, den du probiert hast? Es muss heute doch mindestens vier oder fünf verschiedene gegeben haben.“

Sein Mund verzog sich zu einem amüsierten Lächeln. „Weil ich dich ankommen sah und mitbekommen habe, wo du deine Schüssel hingestellt hast. Und dann sorgte ich dafür, dass ich schnell etwas davon bekam, solange noch was da war.“

Er hatte sich näher zu ihr gebeugt, und jetzt waren ihre Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt. Mandy nahm den Duft seines Rasierwassers wahr, das sie nicht gleich einordnen konnte. Aber was es auch war, es passte außerordentlich gut zu diesem aufregenden, starken Mann. Sie musste unwillkürlich daran denken, wie es sein mochte, in den Armen eines solchen Mannes aufzuwachen, ihm über das unrasierte Kinn zu streichen, die sinnlichen, warmen Lippen zu küssen und sich an seinen Körper zu schmiegen, bis die Leidenschaft in ihnen erwachte.

„Ich habe dich nicht gesehen, als ich kam“, erwiderte sie leise und konnte den Blick nur mit Mühe von seinem Mund reißen. „Erst viel später.“

„Ich habe mich versteckt, um nicht ständig mit den neugierigen Fragen belästigt zu werden, die man mir immer stellt, kaum dass ich mich in der Stadt sehen lasse. Aber ich habe trotzdem sehen können, was du die ganze Zeit gemacht hast.“

Sie erschauerte, als ihr klar wurde, was seine Worte bedeuteten. Mitch hatte sie während des Picknicks beobachtet, und sie hatte es nicht gemerkt. Sie war geschmeichelt und plötzlich ziemlich erregt.

„Ich wünschte, ich hätte gewusst, dass du da bist“, sagte sie und berührte mutig sein Kinn. „Ich hätte dich um einen Tanz gebeten.“

Er nahm ihre Hand und küsste sie, und Mandy erschauerte. „Wir können ja jetzt tanzen“, schlug er leise vor.

Sie schüttelte den Kopf. „Wir haben keine Musik.“

„Ich weiß nicht“, sagte er und strich ihr leicht mit dem Daumen über die Unterlippe. „Mir kommt es so vor, als wäre die Luft voller Sphärenklänge.“

Und damit beugte er sich vor und küsste sie auf den Mund.

Mandys Herz setzte einen Schlag aus und klopfte dann so heftig, dass es sich wie die Hufe eines galoppierenden Pferdes anfühlte. Mitch Ramsey küsste sie. Endlich.

Seine Lippen waren fest und sehr geschickt. Er wusste offensichtlich genau, wie man eine Frau mit einem Kuss schwach machte. Der Kuss wurde leidenschaftlicher, fordernder, und ihre Zungen trafen sich.

Mitch berührte ihre Brüste, und Mandy spürte, wie ihre Brustspitzen hart wurden vor Erregung. Ihr ganzer Körper schien plötzlich in Flammen der Lust zu stehen.

Sie streichelte seinen Rücken und seine Schultern und genoss das Gefühl seiner harten Muskeln unter ihren Fingern. Ungeduldig zog sie an seinem Hemd, bis sie es aus dem Bund der Jeans befreit hatte und die Hände auf seine warme, nackte Haut legen konnte.

Mitch blieb nicht untätig. Er öffnete die Knöpfe ihrer Bluse, und Mandy tat alles, um es ihm so leicht wie möglich zu machen. Es war alles so wundervoll, so unglaublich schön. Genau wie sie es sich immer vorgestellt hatte.

Sie atmete schwer, als Mitch sie plötzlich bei den Schultern packte und leicht von sich schob. Auch er keuchte inzwischen, seine Augen waren dunkel vor Verlangen.

„Hör nicht auf“, bat sie ihn und zog ihn zu sich herab.

Sie hatte solche Angst, er könnte aufhören wollen oder sich entschuldigen und ihr sagen, dass es ein Fehler gewesen wäre, sie zu küssen. Aber es war kein Fehler, es war das, was sie sich seit Jahren mehr als alles andere wünschte.

„Bitte“, flehte sie leise, ohne sich darum zu kümmern, ob man ihr die Verzweiflung anhören konnte oder nicht. „Hör nicht auf.“

„Worauf du Gift nehmen kannst“, antwortete er atemlos, und dann küsste er sie wieder, und alles andere war vergessen.

2. KAPITEL

Mitch hatte das Gefühl, dass sein Körper in Flammen stand.

Es waren vier Jahre vergangen seit seiner Scheidung von Suzanne und vier Jahre, seit er mit einer Frau geschlafen hatte. Es war kein Wunder, dass die geringste Ermutigung reichte, um ihn die Kontrolle über sich verlieren zu lassen.

Und jetzt lag eine leidenschaftliche Frau in seinen Armen und schien genau dasselbe zu wollen wie er. Selbst wenn es Mandy war, seine Nachbarin und Freundin aus Kindheitstagen, die eigentlich tabu für ihn sein sollte.

Aber sie schmeckte nach Pfefferminz und duftete so herrlich nach Blumen. Sie erinnerte ihn außerdem an eine glückliche Zeit in seinem Leben – als sie noch Kinder waren und keine Sorgen kannten, oder als er frisch mit Suzanne verheiratet war und geglaubt hatte, dass ihre Liebe ein Leben lang halten würde.

Mandy war ihm so vertraut, und doch auch unglaublich sexy.

Warum war ihm das bis jetzt nie aufgefallen? Ihre kleinen, festen Brüste gefielen ihm, er fand ihren Mund unwiderstehlich, und er mochte ihr schulterlanges rotblondes Haar, das ihr hübsches, herzförmiges Gesicht perfekt einrahmte.

Sie zu streicheln und zu küssen, fühlte sich so gut an, als wäre es völlig natürlich, dass sie sich endlich gefunden hatten. Er konnte einfach nicht aufhören.

Sie stieß kleine, leise Seufzer aus und schmiegte sich dicht an ihn. Mitch schob ihr die Bluse endgültig von den Schultern und ließ sie achtlos auf den Heuballen fallen. Als er die Hand auf ihre linke Brust legte und den Daumen über die Stelle des zarten BHs gleiten ließ, wo ihre Brustspitze war, stöhnte Mandy leise auf.

Sie ließ den Kopf nach hinten sinken, und Mitch konnte nicht widerstehen. Er küsste ihren schlanken, langen Hals und fuhr mit der Zunge über den Punkt, wo ihr Puls immer heftiger schlug. Mit der freien Hand öffnete er den Verschluss ihres BHs und warf ihn der Bluse hinterher.

Er betrachtete bewundernd ihre jetzt nackten Brüste. Mit den kleinen rosigen Knospen erinnerten sie ihn an mit einer Kirsche verzierte Eisbecher, so süß sahen sie aus. Also hielt er sich auch nicht zurück, sondern umschloss eine Brustspitze mit seinen Lippen.

Mandy fuhr ihm mit der Hand durch das dichte Haar und presste seinen Kopf an sich, als wollte sie ihn nie wieder loslassen. Ohne sich genau bewusst zu sein, was sie tat, setzte sie sich rittlings auf Mitch und bog sich ihm lustvoll entgegen. Es war einfach unglaublich, Mitch zitterte vor Verlangen und süßer Sehnsucht.

Er hob den Kopf von ihrer Brust und presste seinen Mund auf ihre Lippen. Der Kuss wurde immer leidenschaftlicher, und gleichzeitig versuchte Mitch mit zitternden Fingern, den Reißverschluss ihrer Jeans zu öffnen.

Als er es geschafft hatte, glitt er mit beiden Händen unter den Bund ihres Spitzenslips, streichelte ihre Hüften und umfasste dann entschlossen ihren Po.

Als Mandy laut stöhnte und sich gegen den harten Beweis seiner Männlichkeit drängte, wusste Mitch, dass er nicht mehr lange warten konnte. Jedenfalls nicht, wenn er sich nicht in eine peinliche Situation bringen und sich und Mandy um ein Vergnügen bringen wollte, das – davon war er überzeugt – fantastisch sein musste.

Er half ihr behutsam, sich auf den mit Stroh bedeckten Boden zu legen, und befreite Mandy von Jeans, Schuhen und Slip. Dann zerrte er an seinem Hemd, öffnete seinen Gürtel und den Reißverschluss seiner Hose und legte sich, getrieben von einem ungeheuren Verlangen, auf Mandy.

Dann schlang er ihre Beine um seine Hüften und liebkoste sanft das feuchte Zentrum ihrer Lust. Welch herrliches Gefühl, ihre Erregung zu spüren. Sie war bereit für ihn, sie wollte ihn. Er sah ihr ins Gesicht und lächelte, und sie erwiderte sein Lächeln und zog ihn ungeduldig zu sich herab, um ihn zu küssen. Als er mit der Zunge ihren Mund erforschte, schob er die Hüften vor und drang mit einem einzigen, kräftigen Stoß tief ein.

Welch ein berauschender, magischer Moment, welch ein überwältigendes Lustgefühl! Sie schnappten beide nach Luft, und Mitch blieb sekundenlang regungslos. Er durfte sich keinen Millimeter bewegen, weil er sich sonst nicht zurückhalten könnte und dieser süße Wahnsinn viel zu schnell vorbei sein würde.

Also biss er die Zähne zusammen und konzentrierte sich darauf, tief und ruhig einzuatmen, bis das lodernde Feuer in ihm ein wenig nachließ und er Mandy wieder in das süße Gesicht sehen konnte, ohne die Kontrolle über sich zu verlieren. Sie sah ihn mit demselben verblüfften Ausdruck an, der sich wahrscheinlich auch in Mitchs Augen spiegelte.

Er stieß zitternd die Luft aus und küsste Mandy auf den Mund.

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