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Das letzte Geschenk deiner Liebe

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Widmung
  7. ERSTER TEIL: Sandkörner
    1. Eine schöne Familie
    2. Ein Wettstreit an Großzügigkeit
    3. Familienurlaub
    4. Alarmstufe Rot
    5. Abstieg in die Hölle
    6. Bauchgefühl
    7. Positive Visualisierung
    8. Was bedeutet schon ein Name?
    9. Ein neuer Morgen
    10. Kein Zuhause in der Fremde
    11. Surreales Drama
    12. Unwahrscheinliche Antworten
    13. Gepäckband-Sarg
    14. Die Bombe platzt
    15. Die Todesanzeige
    16. Letzter Wille und Testament
    17. Aufwachen zur Totenwache
    18. Wo sind die Zeichen?
    19. Die letzte Nacht
    20. Die Beisetzung: ein nüchternes, ernüchtertes Lächeln
    21. Die Einäscherung
  8. ZWEITER TEIL: Tiefe Wasser
    1. Keine Lösung für den Tod
    2. Asche zu Asche
    3. Eine alleinerziehende Mutter
    4. Liebe ohne Ego
    5. Der fürsorgliche Vater
    6. Identitätskrise
    7. Verzweifelt gesucht: Lösungen I
    8. Pilger werden
    9. Der Himmel stürzt ein
    10. Auf dem Sternenfeld
    11. Nächster Angehöriger
    12. Verzweifelt gesucht: Lösungen II
    13. Verzweifelt gesucht: Lösungen III
    14. Überlebensschuld
    15. Den Geistern entkommen
    16. Oxford-Blues
    17. Keine leichten Antworten
    18. Freude und Schmerz
    19. Gnade
    20. Fünfter Hochzeitstag
    21. Der vierzigste Geburtstag
    22. Das erste Weihnachten
    23. Zeit zum Trauern finden
    24. Alastair nah bei mir behalten I
    25. Alastair nah bei mir behalten II
    26. Alastair nah bei mir behalten III
    27. Alastair hätte nicht sterben sollen
    28. Ist es wahr?
    29. Loslassen
    30. Saat des Friedens
    31. Familienessen
    32. Ein Hauch von Frieden
  9. DRITTER TEIL: Perlen
    1. Eine Richtung finden
    2. Die Zauberinsel
    3. Synchronizität
    4. Brasilien oder Untergang
    5. Bemvinda heißt willkommen
    6. Eine Schule für uns alle
    7. Späte Einwanderer
    8. Keine zerbrochene Familie
    9. Die Wunderlampe
    10. Yogische Gelegenheiten
    11. Brasilianischer Charme
    12. Ein erstes Date
    13. Die Arbeit beginnt
    14. Die Welt entfaltet sich so, wie sie sollte
    15. Child Health Florianópolis: Alastairs Tochter
    16. Teenager-Ideale
    17. Familienglück
    18. Geben und Nehmen
    19. Gleichgewicht finden
    20. J.s Besuch
    21. Großzügige Mädchen
    22. Letzte Ruhestätte
    23. Freundlicher Empfang
    24. Auf eine neue Art zusammen
    25. Bedingungslose Liebe
    26. Mitgefühl
    27. Den Frieden wählen
    28. Liebe, eine Furt und Gelächter
    29. Ein Kreis schließt sich
  10. EPILOG: Aufbrechen
  11. NEUES LEBEN
  12. DANK
  13. Quellen, die ich am hilfreichsten fand

Über die Autorin

Bébhinn Ramsay ist in Dublin geboren und lebt heute mit ihren Söhnen in Florianópolis, Brasilien.

ARCH – der Alastair Ramsay Charitable Trust – wurde zum Gedenken an Alastair Ramsay gegründet und unterstützt Child Health Florianópolis, ein Hilfsprojekt für Familien mit Sitz in Brasilien.

Alle Erlöse aus dem Verkauf von Das letzte Geschenk deiner Liebe gehen direkt an ARCH.

www.alastairramsay.net

Bébhinn Ramsay

Das letzte Geschenk
deiner Liebe

Mit meinen kleinen Kindern
auf dem Jakobsweg

Aus dem Englischen von
Veronika Dünninger

Für Alastair Ramsay
– einen Mann, der sich für die kleinen Dinge begeisterte.

ERSTER TEIL
Sandkörner

»Geh nicht so fügsam in die gute Nacht,

… Wüte, ja wüte gegen das Sterben des Lichts.«

Dylan Thomas

Eine schöne Familie

Es ist ein friedlicher Sonntagnachmittag im April 2007. Ich stehe im sonnendurchfluteten Badezimmer eines Landgasthofs, nur eine Stunde südlich von London. Das Wasser plätschert über meine Hände, umrahmt vom weißen Porzellan des Waschbeckens. Draußen höre ich Kindergeschrei und Wellen von perlendem Gelächter. Mein ganzer Körper lächelt, selbst meine Zehen strecken sich vor Wonne, und ich wiege mich zufrieden sanft hin und her.

Als ich auf die Terrasse des Gasthofs trete und in die tief stehende Nachmittagssonne blinzele, wirft sich unser jüngster Sohn Liam gegen meine Beine, verzweifelt bemüht, den langen, kitzelnden Fingern seines Daddys zu entkommen. Ich umarme ihn schützend, beuge mich hinunter und vergrabe das Gesicht in seinen Haaren. Alastair seufzt gespielt entnervt auf und ändert die Richtung, um unserem Dreijährigen, Tom, nachzulaufen, der entzückt aufkreischt, unter einem Holzzaun hindurchhuscht und einen erbsengrünen grasigen Hügel hinunter halb läuft, halb rollt. Ich beobachte, wie Alastair über den Zaun springt und ihn fängt, bevor er mit ihm bis zum Ende des Hügels rollt.

Ich stehe am Zaun, den einjährigen Liam in meinen Armen, und sehe zu, wie Vater und Sohn lachend frisch gemähtes Gras ausspucken. Hinter ihnen stehen ein paar argwöhnische Schafe, die gleichmütig ihr eigenes Gras kauen. Eine Frau in den Fünfzigern sitzt an einem Tisch in der Nähe des Zauns, gebannt von demselben idyllischen Bild. Sie sieht strahlend zu mir hoch: »Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer schönen Familie.«

Sieben Jahre zuvor haben mich leuchtend gelbe Richtungspfeile dazu geführt, diese schöne Familie zu gründen. Diese Pfeile waren die Farbkleckse auf bröckelnden Steinmauern in halb verlassenen Dörfern am Jakobsweg in Nordspanien. Ich war ihnen gewissenhaft gefolgt: eine dreiundzwanzigjährige Hochschulabsolventin auf dem tausend Jahre alten Pilgerweg, der sich 800 Kilometer weit durch Europa erstreckt. Ich war allein und ohne Karte unterwegs, hielt mir mit meinem handgeschnitzten Wanderstab aus Eschenholz von Zeit zu Zeit einen Hund oder einen lüsternen Bauern vom Leib, während ich tagelang durch monotone ausgedörrte rötlich-braune Getreidefelder und endloses verbranntes Gras wanderte. Beim Anblick dieser leuchtend gelben Pfeile, an Bäume gesprüht oder auf Kacheln vor blauem Hintergrund an einem hölzernen Meilenstein angebracht, wurde mir jedes Mal leichter ums Herz: Ich war auf dem richtigen Weg.

Der Pilgerweg war ein Meilenstein zwischen meiner Kindheit und dem Erwachsenenleben. Ich hatte als siebtes von acht Kindern eine glückliche, ereignislose Kindheit in einem Mittelschichtsvorort von Dublin verbracht. Und hier war ich nun, mit einem Diplom in internationaler Finanzwirtschaft, einer Handvoll Fremdsprachen und einem begehrten Job samt großzügigem Einstiegsgehalt in der Tasche. Die Zukunft glitzerte verheißungsvoll wie das Sonnenlicht auf dem Meer.

Ich war ein Jahr in Peru gewesen und hatte im Rahmen eines Freiwilligendienstes in einer orthopädischen Klinik gearbeitet, und jetzt lagen drei freie Monate vor mir, bevor ich meinen Job in London antreten sollte. Der Pilgerweg war in jeder Hinsicht ein verlockendes und auch noch erschwingliches Abenteuer. In Peru hatte ich eine riesige Jakobsmuschel am Strand gefunden, und als ich sie einer Freundin aus Nordspanien zeigte, erzählte sie mir, diese Muschel sei das Symbol des Pilgerwegs, der zufällig durch ihr winziges Dorf führte. Auf dem Flug von Peru nach Europa hatte ich in der Bordzeitschrift einen vierseitigen Artikel über den Pilgerweg und seine tausendjährige Geschichte gelesen, und wieder zu Hause angekommen, erfuhr ich, dass meine Eltern sich seit Jahren heimlich dafür begeisterten. Da ich schon immer an glückliche Zufälle im Leben glaubte, ergriff ich die Gelegenheit, die das Leben mir so deutlich zeigte, beim Schopf.

Bevor ich zu meinem Pilgerweg aufbrach, hatte ich einen herzförmigen Stein gefunden und in meinen bescheidenen Rucksack gepackt, zusammen mit einer Wechselmontur, einem Schlafsack und einem Handtuch. Ich widmete diesen Pilgerweg der Liebe. Während ich ging, brach ein Sturm von Gedanken über die Vergangenheit und die Zukunft in mir los, der mich endlich zu einem Ort in der Gegenwart führte. Nachdem ich drei Wochen lang jeden Tag gelaufen war, verspürte ich bei jedem neuen Schritt ein Gefühl von Freude.

An einem nebligen Morgen kam ich zu einem gewaltigen Steinhaufen, der sich über dem Gipfel eines Hügels erhob, mit einem riesigen Kreuz in der Mitte. Jeder Stein stand für irgendjemandes Traum oder Sehnsucht. Ich stieg vorsichtig auf den Hügel und legte meinen herzförmigen Stein dazu. Mit all meiner Inbrunst sprach ich ein stilles Gebet und bat um wahre Liebe.

Im Nachglanz dieses Pilgerwegs lernte ich Alastair kennen, noch immer tief verwurzelt im Bewusstsein der Zeichen des Heiligen Jakobus.

Ich arbeitete seit sechs Monaten in London und bemühte mich um eine Stelle bei einem Projekt, das eine internationale Hilfsorganisation unterstützte. Man sagte mir, der Mann, mit dem ich reden müsse, sei Alastair Ramsay. Ich übte seinen Namen in dem gläsernen Aufzug, der mich langsam zu seinem Büro im fünften Stock hinaufbrachte. Dann stieg ich voller Überschwang aus dem Aufzug und betrat sein Büro, entschlossen, die Stelle im Team zu bekommen. Als ich eintrat, lehnte sich Alastair in seinem Bürosessel zurück und bat mich mit einer Handbewegung, Platz zu nehmen. Sein geistreicher Witz entwaffnete mich auf Anhieb. Er sorgte dafür, dass ich meine Taktik prompt aufgab und einen echten Kontakt zu ihm herstellte: Zweiunddreißig, leger gekleidet, die Ärmel seines Fleecepullovers über die Hände gezogen. Er war lang: lange Arme und lange Beine. Seine Augen hatten ein sanftes Graugrün, von einer schmalen Brille umrahmt. Er lächelte, während er lebhaft redete, und biss sich auf die Unterlippe, während er zuhörte. Er schien auf seinem Sessel ständig in Bewegung zu sein, während er mich durch das Gespräch steuerte, von der Herkunft meines Namens bis zum Vergleich der Vorzüge des Schlittschuhlaufens auf dem zugefrorenen Meer gegenüber einem zugefrorenen See.

Ich kannte seinen Hintergrund bereits aus der Who’s-who-Datenbank des Büros. Er war leitender Angestellter, hatte in London und San Francisco für die Firma gearbeitet und seinen MBA in Stanford gemacht. Danach hatte er ein Jahr lang als Geschäftsführer einer peruanischen Hilfsorganisation gearbeitet, und er war einer der wichtigsten Fürsprecher des gemeinnützigen Engagements der Firma. Ein leichtfüßiges, neckisches Geplänkel entwickelte sich zwischen uns, und als ich sein Büro verließ, beschwingte ein Lächeln meine Schritte.

Mein Überschwang machte sich bezahlt: Ich bekam den Job, und wir arbeiteten zwei Monate zusammen. Rückblickend sehe ich diese zwei Monate als Paarungstanz zwischen uns. Bald hielt ich die Luft an, wenn ich mein E-Mail-Postfach öffnete, um zu sehen, ob eine Nachricht von ihm da war. Bei seinen Besuchen im Teamraum ging ein Kribbeln durch meinen Körper, während ich vergeblich versuchte, mich auf das Whiteboard zu konzentrieren. Ich fühlte mich auf eine Art zu ihm hingezogen, die mich aus dem Gleichgewicht brachte. Das Universum beteiligte sich an der Verschwörung, als wir auf einer Dienstreise in Washington allein beim Abendessen saßen, nachdem ein anderes Teammitglied nicht aufgetaucht war. Bei diesem Abendessen überschritten wir den Rubikon. Während wir uns in einem gemütlichen Restaurant in Adams Morgan, Washingtons internationalem Bezirk, gegenübersaßen, klang in der Lebenseinstellung, die einer von uns vertrat, jeweils die Wahrheit des anderen nach, und wir lachten in unausgesprochenem gegenseitigem Erkennen.

An dem Tag, an dem unsere Zusammenarbeit endete, lud Alastair mich auf einen Kaffee ein. Wir trafen uns im Foyer des Büros in London, und er schlug vor, spazieren zu gehen. Ich nahm den Vorschlag insgeheim mit aufgeregter Verblüffung zur Kenntnis, und ich wagte kaum zu atmen, während wir gingen. Unser Gespräch und unsere Schritte führten uns in einen nahe gelegenen Park, wo wir schweigend auf einer Bank saßen und den Enten zusahen. Unser erster Kuss wurde vom Geflatter der Vögel begleitet, die sich Flügel schlagend in die Luft erhoben, und mein Herz schwang sich ungehindert mit ihnen empor.

Erst später fiel mir auf, dass der Park St. James’s Park hieß, und ich erfuhr, dass Alastairs zweiter Vorname James war. Die Wegweiserpfeile waren wieder einmal klar und deutlich, und mein Herz hüpfte: Ich war auf dem richtigen Weg.

Ein Wettstreit an Großzügigkeit

Zum Zeitpunkt des Ausflugs unserer schönen Familie im April 2007 waren Alastair und ich seit viereinhalb Jahren verheiratet. Er bezeichnete die Ehe gern als einen Wettstreit an Großzügigkeit. Ich führte seine idealistischen Ansichten über die Ehe darauf zurück, dass er seine Eltern nie hatte streiten sehen. Sein Vater, Tom, war gestorben, als Alastair fünf war; seine Mutter hatte nicht wieder geheiratet; sie sagte, sie hätte nie wieder einen Mann getroffen, der Tom das Wasser reichen konnte. Die Amateur-Psychologin in mir sah die Ursache für Alastairs romantische Vorstellungen von perfekten Beziehungen und harmonischen Ehen in seiner Kindheit. Er flüsterte mir oft zu, ich sei die Frau seiner Träume, und erklärte Freunden, die in ihren Liebesbeziehungen unsicher waren, gern wissend: »Wenn man es weiß, dann weiß man es, und wenn man es nicht weiß, weiß man es auch.« Bei Hochzeiten drückte er während der Ehegelübde meine Hand, und ich konnte spüren, wie er vor Zufriedenheit strahlte. Im Straßenverkehr fuhr er oft mit dem glatten Rand seines Eherings über seine lächelnden Lippen.

Der Romantiker in ihm traf auf die Romantikerin in mir. Meine Eltern feierten ihren vierzigsten Hochzeitstag, kurz nachdem Alastair und ich uns kennengelernt hatten. Mein Vater war seit jeher schrecklich romantisch gegenüber meiner Mutter, was der ewigen Jugendlichen in mir peinlich war. Doch hinter meiner Fassade einer Sehnsucht nach Alternativen verbarg sich die felsenfeste Überzeugung, dass eine liebevolle, lebenslange Ehe der Grundpfeiler eines glücklichen Lebens war.

Kurz nachdem wir ein Paar wurden, unternahmen wir eine gemeinsame Skireise. Wir saßen mit einem englischen Paar beim Abendessen und hatten die Geschichte unserer kurzen Beziehung zu Ende erzählt, bevor die Vorspeisen gebracht wurden. Nach dem Essen gingen wir allein durch die leeren, feuchtkalten Flure des Hotels, als Alastair sich auf einmal zu mir umwandte und mich an die Wand drückte. Ich schloss lächelnd die Augen, wartete auf den Kuss, berauscht von der eindringlichen Leidenschaft unserer intensiven frischen Beziehung. Aber nicht seine Lippen, sondern seine Worte suchten mich. »Wir müssen mehr Geschichten zusammen erleben«, flüsterte er mir mit Nachdruck zu. »Ich will ein Leben voller Geschichten mit dir erleben, und ich will sie jetzt.« Er küsste mich heftig, und ich verbuchte noch eine Geschichte mehr.

So begann der Wirbelwind. Wir steckten in alle Ecken und Winkel unseres Lebens irgendwelche Geschichten. Wir bereisten zwanzig Länder zusammen, und jede Reise wurde verewigt in den endlosen Geschichten, die Alastair im Laufe der Jahre vor Freunden immer wieder aufwärmte und ausschmückte: Erzählungen, wie wir mit dem Fahrrad durch die Straßen von Peking mit ihren unverständlichen Namen fuhren oder wie wir im Fernsehen die Papstaudienz unter freiem Himmel sahen, während wir nur ein paar Minuten entfernt in einem Hotel im Bett lagen. Erzählungen, wie wir in der Hitze einer Strandhochzeit in Mexiko oder bei einem betrunkenen Karaoke mit Freunden in Wales dahinschmolzen. Alastair kannte das Geheimnis, wie man eine Beziehung zementierte, wie man die flüchtigen Erinnerungen in unseren Köpfen in Beton goss. Binnen eines Jahres waren wir von London nach Rio de Janeiro in Brasilien gezogen, wo ein ständiger Besucherstrom unsere Zeit eher in einen verlängerten Urlaub als in einen gelebten Alltag verwandelte.

Als Alastair auf einer Heimreise im Januar 2002 schließlich vor mir auf die Knie ging, an einem wilden und windigen Tag an den zerklüfteten Klippen von Slieve League im Nordwesten Irlands, war unsere erste Begegnung zwei Jahre her, und er war längst Familie für mich. Das Meer unter uns schlug gegen die Klippen, während der Wind gegen meine Wangen peitschte, die von Freude und Kälte zu gleichen Teilen gerötet waren. Am Fuß des Berges verhakten wir unsere Finger im Guckloch eines alten keltischen Hochzeitssteins und versprachen uns die ewige Verbindung unserer beider Leben, wie es Tausende von Jahren zuvor im keltischen Irland Brauch gewesen war. Um uns herum bezeugte ein Feld mit Schafen und endlosen Steinmauern gütig unseren Bund, während am Himmel die Wolken vorbeizogen, und wir machten uns lachend auf den Weg zum Pub, um unsere Verlobung mit einem Bier zu besiegeln.

Wir heirateten etwas später in jenem Jahr mit einer katholisch-keltischen Zeremonie, gefolgt von einer Party mit irischen Céilidh-Tänzen, einem wilden Trubel in Sambakostümen und nächtlichem internationalem Liedersingen. Am Ende des Abends drückte meine Freundin S. mich fest an sich und flüsterte: »Herzlichen Glückwunsch zu eurem Märchen.«

Unser erster Sohn, Tom, wurde in jener Nacht gezeugt und rundete den schönsten Tag in unserem Leben perfekt ab.

Wenn Alastair romantisch in Sachen Ehe war, dann war er über die Maßen leidenschaftlich in Sachen Vaterschaft. Bald nachdem wir uns kennengelernt hatten, schrieb ich in meinem Tagebuch von seinem drängenden Wunsch, Kinder zu haben. Wieder führte ich das auf den Tod seines Vaters und die Tatsache zurück, dass ihm in seiner eigenen Kindheit eine Vater-Sohn-Beziehung versagt geblieben war. Im Jahr 2003 wurde Alastairs Leben mit Toms Geburt vollkommen. Das breite Grinsen blieb ihm wochenlang fest ins Gesicht geschrieben. Er war völlig vernarrt in seinen Sohn; dieser frischgebackene Vater wechselte Windeln und wiegte das Baby in den Schlaf wie ein Profi.

Bald nachdem Tom seine ersten Schritte tat, wünschten wir uns ein zweites Kind, und im August 2005 gesellte sich Liam zu unserer Familie. Jetzt war ich umgeben von Männern, die mich liebten, und das Leben war ein aufregendes, die meiste Zeit angenehmes Schiff, das wir steuerten. Kurz nach Liams Geburt kamen ein paar Freunde zum Abendessen zu uns. Wir ließen ihre beiden Kinder oben bei Tom und Liam schlafen, und Alastair und ich saßen flüsternd in der Diele.

»Na ja«, sagte ich, »so fühlt sich ein Zuhause mit vier schlafenden Kindern an.«

Alastair schlang die Arme um mich. »Das gefällt mir«, sagte er sehnsuchtsvoll. »Das ist die Art Zuhause, die mir gefällt.«

Jetzt, im Jahr 2007, ist Tom drei und Liam ein Jahr alt, und wir hoffen, noch zwei Kinder zu bekommen. Ich hatte zwei Fehlgeburten, aber wir sind voller Hoffnung, dass die nächsten Schwangerschaften erfolgreicher verlaufen werden.

Es gibt jedoch eine ständige Quelle der Anspannung in unserer Beziehung: Wir kämpfen darum, wie wir unsere Kinder großziehen und ihnen genug Zeit und Aufmerksamkeit schenken können, während wir beide weiterhin eine sinnvolle und lohnende Karriere verfolgen.

In den vergangenen vier Jahren habe ich mich auf die Kindererziehung konzentriert und meine Master-Abschlüsse und meine Entwicklungshilfearbeit hauptsächlich in Teilzeit gemacht. Aufgrund von Alastairs Sechzig-Stunden-Woche war es mir kaum möglich, echte Energie in meine eigene Karriere zu stecken oder mir die Kinder unter der Woche mit ihm zu teilen. Seit ich Kinder habe, hat sich mein Leben bis zur Unkenntlichkeit verändert, und ich wünsche mir mehr Ausgewogenheit.

Abends, wenn ich die Kinder ins Bett gebracht habe, sitze ich oft in unserem Haus in Wimbledon am Küchentisch, schwenke langsam ein Glas Rotwein in der Hand und warte darauf, dass Alastair von der Arbeit nach Hause kommt. Vierzehn Stunden Achterbahnfahrt mit den Freuden und kreischenden Forderungen unserer Kinder, mit Kochen und dem endlosen, endlosen Abwaschen fordern ihren Tribut. Ich spüre die vertraute schwelende Frustration, das Gefühl, dass ich wieder einmal auf den Beginn meines Abends warte; eine Geisel von Alastairs langen Arbeitszeiten. Auf das Piepsen einer SMS hin erhebe ich mich von meinem Stuhl. Ich schalte den Herd, auf dem das Abendessen steht, erschöpft zurück, dann lese ich die SMS, die mir bestätigt, dass er später kommen wird als geplant. Die Saat des Grolls wächst in mir, und an manchen Abenden fahre ich ihn an, sobald er müde zur Tür hereinkommt.

»Manchmal denke ich, es wäre leichter ohne dich«, schleuderte ich ihm einmal entgegen, als wollte ich mit Tellern nach ihm werfen. »Dann würde ich in dieser Familie immer noch alles tun, aber ich würde nicht von diesem verdammten Groll verzehrt.«

Erschöpft lehnte er am Küchentresen, von mir abgewandt.

»Hey«, wehrte er ab, »ich tue viel für diese Familie.« Er hielt sich am Küchentresen fest.

»Wir führen eine Ehe zu dritt«, knurrte ich ihn an. »Deine Arbeit ist deine verdammte Geliebte, und für mich ist kein Platz. Wie viele Partner in deiner Firma sind denn noch mit ihrer ersten Ehefrau zusammen? Wie viele?«

Er wandte sich wieder zu mir um, sah meinen wilden Blick und seufzte, bevor er auf mich zutrat und die Arme um mich legte. Langsam entspannte ich mich in seiner Umarmung. »Es wird nicht für immer so sein«, sagte er beschwichtigend. Er vergrub das Gesicht in meinen Haaren und flüsterte mir zu: »Ich verspreche dir, meine Liebe, ich werde dir helfen, alle deine Lebensziele zu erreichen.«

Anfang 2007, als ich das Gefühl hatte, dass mir meine Karriere vollends zu entgleiten drohte, beschloss ich, wieder Vollzeit zu arbeiten, für eine internationale Hilfsorganisation. Ich engagierte ein freundliches slowakisches Kindermädchen für die Jungen. Meine Arbeit drehte sich um eine Kampagne mit Bildungsmaßnahmen in Konfliktregionen. Ich plante eine Reihe von Evaluierungsworkshops in verschiedenen gefährlichen Ländern, darunter Haiti, Sudan und die Demokratische Republik Kongo, und ich war voller Vorfreude auf diese waghalsige Reise.

Doch Alastairs Schwager, ein weißer Afrikaner, der in Sambia geboren und aufgewachsen ist, versetzte meinem Gefühl von Aufregung und Abenteuer während eines gemeinsamen Skiurlaubs einen gehörigen Dämpfer. Statt mich für mutig zu halten, erklärte er mir, ich sei eine törichte, naive Frau, die im Nu entführt und ermordet werden könnte. Er sagte mir, ich solle lieber an das Wohlergehen meiner eigenen Kinder denken. Ich tat seine Bemerkungen mit einem verächtlichen Lachen ab, in dem sicheren Gefühl, das Leben im Griff zu haben. »Den Kindern wird es gut gehen«, entgegnete ich trotzig. »Sie haben Alastair. Wir haben vorher darüber geredet, und wenn einer von uns sterben wird, dann werde ich es sein. Alastair ist ohne Vater aufgewachsen, und das wollen wir unseren Kindern nicht antun.«

Nachdem alle anderen zu Bett gegangen waren, saßen Alastair und ich noch auf einer Couch im Foyer des Hotels und besiegelten die Abmachung bei einem nächtlichen Kaffee.

Ich bin froh, wieder zu arbeiten, meinen aufgestauten Ehrgeiz auszuleben, und ich verfluche mich im Stillen für all die Jahre, die ich es versäumt habe, mit meiner Karriere voranzukommen. Gleichzeitig vermisse ich die Jungen zutiefst, und ich frage mich, wie lange ich einen Vollzeitjob durchhalten können werde.

Ein paar Monate nachdem ich wieder zu arbeiten begonnen habe, werde ich für ein Doktorandenprogramm in Sozialpolitik an der Universität von Oxford angenommen, das im September beginnt, und ich spiele mit dem Gedanken, Kindererziehung und Studium zu kombinieren, was leichter unter einen Hut zu bringen sein wird. Alastair unterstützt diese Überlegung und denkt darüber nach, seine Arbeitszeiten im Laufe des Jahres zu verringern. All diese Pläne sind Teil unserer häufigen, von Wein beseelten Couchdiskussionen darüber, wie wir uns unser »ideales Leben« schaffen wollen.

Familienurlaub

Im Mai 2007 fliegen Alastair, die Jungen und ich zu einem zweiwöchigen Urlaub in die USA. Ausgangspunkt dafür war ein Treffen mit Alastairs Freunden von seinem MBA-Studium in Stanford. Der Sommer steht vor der Tür. Wir landen in San Francisco, im Jetlag und erschöpft, nachdem wir die schier unmögliche Aufgabe überstanden haben, den quirligen Liam während der zwölfstündigen Reise still und bei Laune zu halten. Wir checken in ein Motel ein, schleppen zwei verschlafene Jungen, Teddybären, Fläschchen und Windeln durch die fensterlosen Flure, schlafen ein paar Stunden und bleiben dann die restliche Nacht wach. Alastair und ich liegen mit den Kindern in einem Doppelbett und sehen uns im Fernsehen Händchen haltend B-Movies an. Liam, ein echtes Muttersöhnchen, krabbelt zwischen uns und kuschelt sich näher an mich. »Am Ende dieser Reise«, seufzt Alastair, während er ihn kitzelt, »wirst du mich genauso sehr wollen, wie du deine Mutter willst.«

Als wir die Vorhänge aufziehen, stellen wir fest, dass es Morgen ist. Unsere Körper haben jedes Zeitgefühl verloren. Wir sammeln rasch unsere Sachen ein und gehen nach unten. Das Motel bietet ein von Zucker nur so strotzendes Frühstück aus Frosties und Donuts an, auf Plastiktellern serviert. Willkommen in der Wegwerfgesellschaft … Wir checken rasch aus, steigen in unseren Mietwagen und fahren die kalifornische Küste hinunter nach Süden zu dem Haus am Meer, wo wir das Wochenende mit Alastairs Freunden verbringen werden. Die sanfte Bewegung des Wagens wiegt die Jungen und mich bald in Schlaf. Als ich meine bleischweren Augen aufschlage, bewundere ich Alastairs Fähigkeit, wach zu bleiben. Er lacht entspannt. »Schlaf nur, meine Liebe«, fordert er mich auf und stellt das Radio leise an, um sich wach zu halten. Als ich die Augen wieder schließe, wird mir bewusst, dass die Art, wie er seine schlafende Familie sicher fährt, Zufriedenheit ausstrahlt.

In Santa Cruz, südlich von San Francisco, halten wir am Meer, um zu Mittag zu essen. Der Pier ragt in den Ozean hinaus wie Michelangelos träger Schöpfungsfinger. Die Seehunde unter dem Pier stoßen kreischende Laute aus, die die Jungen lachend nachahmen. Es ist ein warmer Tag, und die Promenade liegt an diesem Nachmittag unter der Woche fast verlassen da. Die Jungen und ich springen auf eine Bank, mit dem Meer im Hintergrund, und schneiden witzige Grimassen, als Alastair ein Foto von uns schießt. Wir sind alle wie beschwipst von der köstlichen Aufregung zu Beginn eines Urlaubs. Alastair legt mir beim Gehen einen Arm um die Schultern, während die Jungen vor uns herspringen. »Weißt du«, sagt er in einem bedächtigen, glücklichen Ton, »die Leute müssen dich ansehen und denken: ›Was für eine wundervolle Mutter und was für glückliche Kinder.‹« Ich schlinge die Arme um seinen Körper. »Und sie haben recht: Du bist es, und sie sind es.«

Ich lache und kitzele ihn zum Spaß unter dem Arm. »Hey, du gehörst auch dazu!«, rufe ich. Und dann schnappt sich jeder von uns ein Kind und schwingt es hoch in die Luft.

In dem Vergnügungspark am Pier setzt Alastair uns frech auf das Karussell, ohne zu bezahlen. Ich stehe zwischen den beiden Jungen und halte sie auf ihren kunstvoll verzierten Pferden, während sie auf- und abwippen und wir uns alle im Kreis drehen. Als die Pferde zum Stehen kommen, will ich zur Kasse gehen, um für die Fahrt zu bezahlen. Alastair sieht mich neckend an. »Leb ein bisschen«, lächelt er augenzwinkernd. Ich lache, ändere die Richtung und laufe mit den Jungen los, um unser ganzes US-Kleingeld dafür auszugeben, große Teddybären zu gewinnen, die wir gar nicht wollen. Unsere Versuche sind erfolglos, und bald zupfen die Jungen an unseren Hosenbeinen, um uns zur nächsten Aufregung zu ziehen. Wir kaufen Eistüten und setzen uns auf die sandigen Stufen der Uferpromenade. Ein glückliches Schweigen senkt sich über die ganze Familie, bis auf das schmatzende Geräusch, mit dem die Jungen konzentriert ihr Eis lecken. Ohne Vorwarnung tupft Alastair mir auf einmal mit seiner Eistüte auf die Nase. Ein Eiscremekampf bricht aus, unter schallendem Gelächter. Da sitzen wir, die ganze vierköpfige Familie, und lecken gebannt unsere Eistüten, die Nasenspitzen mit Vanilleeis bedeckt, während wir gemeinsam auf den endlosen Pazifischen Ozean hinaussehen.

Als wir wieder im Wagen sitzen, beginnen Alastair und ich zu reden. Ich habe eben ein Buch zu Ende gelesen, das mich dazu gebracht hat, über diese Phase unserer Beziehung nachzudenken. Ich bin einunddreißig, Alastair ist neununddreißig. Wir sind seit sieben Jahren zusammen und seit viereinhalb verheiratet. Wir hatten eine intensive Zeit zusammen, geprägt von Auslandsaufenthalten, endlosen Reisen, unserer Hochzeit und der Geburt zweier Kinder und zwei Fehlgeburten in rascher Folge. Die ganze Zeit arbeitete Alastair immer ziemlich viel und lange, und ich habe versucht, an einer Art Karriere festzuhalten.

Ich wende mich zu Alastair um, der am Steuer sitzt, und sage seufzend: »Weißt du, Al, ich habe das Gefühl, dass sich der Rhythmus unseres gemeinsamen Lebens letztendlich verlangsamt.«

»Ist das etwas Schlechtes?«, fragt er, während er sich auf die Straße vor sich konzentriert.

Ich schweige eine Weile, während ich zusehe, wie endlos viel Neues an meinem Fenster vorbeifliegt. »Ich glaube, unsere Beziehung hört jetzt auf, sich um immer mehr neue Erfahrungen zu erweitern. Ich glaube, jetzt geht sie mehr in die Tiefe; eher vertikal als horizontal, wenn du verstehst, was ich meine.« Ich halte kurz inne, um darüber nachzudenken. »Ich habe das Gefühl, dass unser wundervolles gemeinsames Leben von jetzt an noch reicher und tiefer werden wird.« Ich lege eine Hand auf seine über dem Automatik-Schalthebel, und wir fahren in zufriedenem Schweigen weiter die Westküste von Amerika hinunter.

Wir sind die Ersten, die bei dem Ferienhaus ankommen, das wir uns übers Wochenende mit Alastairs amerikanischen Freunden teilen werden. Nachdem wir das Haus erkundet haben, richten wir uns in einem großen Doppelzimmer mit Blick aufs Meer ein. Nach und nach trudeln Alastairs Freunde ein, und eine Flut von Geschichten, Witzen und Gelächter setzt ein. Alastair liebt seine Freunde. Dieser amerikanische Haufen ist eine schlaue und witzige Gruppe von Leuten, die es gut verstehen, über sich selbst und andere zu lachen und Alastairs englischen Sarkasmus zu erwidern.

Trotz der geografischen Entfernungen gibt Alastair sich immer große Mühe, seine Freundschaften zu pflegen. 2007 war ein gutes Jahr für Familienangehörige und Freunde. Sein bester Freund ist aus Kanada zurück nach England gezogen, sodass Alastair und er zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder im selben Land lebten. Er wohnte eine Zeit lang abwechselnd eine Woche bei uns und eine Woche woanders, bis er ein Zuhause für seine Familie fand. Nach zwei Jahren Abwesenheit ist ein enger Freund aus den USA in den letzten paar Monaten zweimal in England zu Besuch gewesen, wobei er einmal einen unerwarteten Schneefall im März mitbrachte und wir den Vormittag – Alastair hatte sich von der Arbeit freigenommen – damit verbrachten, in dem Park gegenüber unserem Haus Schneemänner zu bauen und uns und die Jungen mit Schneebällen zu bewerfen. Zufällig hatte Alastair auch über Ostern viele seiner Familienangehörigen und Freunde gesehen, als er zum ersten Mal mit seiner Schwester, ihrem Mann und seiner Nichte und seinen Neffen, die er über alles liebt, in Skiurlaub fuhr.

An diesem ersten Abend mit Alastairs Freunden wird viel geredet. Neuigkeiten und alte Erinnerungen werden ausgetauscht. Alastair hat mit jedem von ihnen eine lustige Geschichte oder einen Witz gemeinsam, den er jedes Mal, wenn sie sich sehen, wieder aufwärmt und übertreibt. Bald trinken wir alle Bier und vertreiben lachend unseren Jetlag.

Alastair erzählt stolz, dass ich für ein Doktorandenprogramm in Sozialpolitik an der Universität von Oxford angenommen worden bin und dass wir ein richtiges Zuhause für unsere Familie gefunden haben, das wir nach unserer Rückkehr kaufen werden. Seine Freunde erkundigen sich nach seiner Arbeit und seiner möglichen Beförderung zum Direktor seiner Firma (die Resultate des Beförderungsverfahrens sollen Ende der Woche bekannt gegeben werden). Alastair arbeitet seit siebzehn Jahren für dieselbe Firma und war einer der jüngsten Partner, die je gewählt wurden. Jetzt wird er zum ersten Mal für den hochbegehrten Posten des Direktors in Erwägung gezogen, was eine der höchsten Beförderungsstufen innerhalb der Firma ist. »Na ja, die gute Neuigkeit«, sagt Alastair zögernd, »ist, dass mich noch niemand angerufen hat, um mich darauf vorzubereiten, dass ich die Beförderung nicht bekomme. Daher ist es gut möglich, dass ich sie bekommen habe, aber wissen werden wir es erst nächste Woche.«

»Die noch bessere Neuigkeit«, werfe ich aufgeregt ein, »ist, dass er, wenn er die Beförderung bekommt, nur noch drei Tage in der Woche arbeiten wird, sodass wir uns gemeinsam um die Kinder kümmern können und ich mich auf meine Doktorarbeit konzentrieren kann.« Wir stehen kurz davor, unser »ideales Leben« zu verwirklichen.

Nach dem Abendessen schleichen wir auf Zehenspitzen ins Bett, um unsere beiden in letzter Zeit ziemlich launischen Jungen nicht zu wecken, die in Kinderbetten bei uns im Zimmer schlafen. In dieser Nacht schlafen wir aneinandergekuschelt in einem erschöpften, glücklichen Dämmerzustand, nur noch bemüht, den Jetlag der Reise loszuwerden.

Mitten in der Nacht ist es aus mit dem Frieden.

Alastair wird von Fieber geschüttelt; er zuckt so heftig, dass ich neben ihm halb wach bleibe. Er steht auf und stolpert ins Bad, übergibt sich und hat Durchfall. Fast schlafwandelnd stehe ich auf, um ihm etwas Wasser zu holen und ihm halbherzig den Rücken zu reiben. Meine Hauptsorge ist jedoch, dass er um Himmels willen nicht die Jungen weckt. Sie brauchen ihren Schlaf, mehr noch als wir. Mein Körper spannt sich an, als Liam mit einem mürrischen Schrei aufwacht, und ich wiege ihn in unserem Bett wieder in den Schlaf. Sein Vater liegt neben uns, unkontrolliert zitternd, obwohl er in dieser warmen, frühsommerlichen Westküstennacht unter allen Decken liegt.

Den nächsten Tag verbringt Alastair im Bett, während der Rest der Gruppe zu Sea World fährt. Der einjährige Liam und ich bleiben ebenfalls zu Hause, schlafen auf der Couch und bringen Alastair den ganzen Tag über Wasser und Suppe. Alastairs Gesicht ist blassgrün, aber er setzt seine übliche fröhliche Miene dazu auf. Ein paar andere Freunde treffen ein, und er steht auf, albert benommen ein bisschen mit ihnen herum und legt sich dann wieder ins Bett. Wir führen seine Erkrankung auf eine Magenverstimmung zurück, vielleicht eine Lebensmittelvergiftung von dem Restaurant in Santa Cruz. Er hatte einen Hamburger und ich einen Chicken Burger, daher geben wir dem amerikanischen Rindfleisch die Schuld. Seine Freundin P., die Medizin studiert hat, bevor sie sich selbstständig gemacht hat, kommt zu demselben Schluss wie wir: dass er viel Ruhe und viel Flüssigkeit braucht. Daher bleibt Alastair im Bett, wo er den ganzen Tag über immer wieder für eine Weile einschläft. Ein giftiger Geruch von Krankheit liegt in der Luft, und ich öffne das Fenster einen Spaltbreit, um etwas frische Luft hereinzulassen. Alastair ist genervt davon, krank zu sein. »Entschuldige, Schatz«, sagt er, während er sich wieder in die Kissen sinken lässt, »das vermasselt uns irgendwie unseren Urlaub.«

Ich bin ebenso genervt wie er, aber ich lächele ihn an. »Jetzt ruh dich einfach aus, dann wird es schon wieder vergehen. In ein paar Tagen werden wir mit den Jungen in Yosemite zelten.«

An diesem Abend klagt Alastair über Schmerzen in der rechten Brust. Vielleicht, überlegen wir beim Abendessen, hat er sich einen Muskel gezerrt, als er sich so heftig übergeben hat. Der Abend verläuft eindeutig nüchterner als der zuvor, und ich gehe früh zu Bett. Zu Beginn der Nacht stehe ich immer wieder auf und hole Alastair Wasser, schleppe meinen halb schlafenden Körper roboterartig durchs Haus.

»Danke, mein Schatz, ich weiß, dass du erschöpft bist«, krächzt Alastair, als ich ihm ein Glas Wasser reiche.

Ich habe nur genug Energie für ein schläfrig gemurmeltes »Ich liebe dich, Alastair. Punktum.«

Um drei Uhr morgens wälzt sich Alastair immer noch hin und her, und eine Mischung aus Besorgnis und Verärgerung weckt mich so weit auf, dass ich ihn frage, ob es so schlimm ist, dass wir einen Arzt rufen sollen. Ich wecke zwei seiner Freunde, J. und P., und wir vier setzen uns im Wohnzimmer im Kreis zusammen, mit schlaftrunkenen Augen, im Pyjama. Wir flüstern, um die schlafenden Kinder nicht zu wecken. Unsere Körper, das heißt, alle bis auf Alastairs, hängen erschöpft in den Sesseln. Alastair kann nicht still sitzen, und er hat die Augen weit aufgerissen. Mithilfe seines BlackBerrys versuche ich einen Arzt in der Nähe zu finden, der Hausbesuche macht. Kein Glück. Wir sind am Rande einer Kleinstadt an der Westküste, rund drei Stunden südlich von San Francisco, daher beschließen wir, uns auf die Suche nach einem Krankenhaus zu machen. »Nur um auf Nummer sicher zu gehen«, beschwichtige ich Alastair, während ich ihm beim Anziehen helfe.

»Okay«, sagt er, »aber bleib du bei den Jungen.«

»Nein«, sage ich entschieden, »die Jungen sind hier gut aufgehoben. Ich komme mit.«

Ich bitte P., auf die Jungen aufzupassen; dann fahren J., Alastair und ich los zum Krankenhaus. Auf dem Weg nach draußen schnappe ich mir ein Handtuch, nur für den Fall, dass sich Alastair im Wagen übergeben sollte. Es ist kalt draußen, Alastair und ich setzen uns auf die Rückbank, und er legt den Kopf auf meine Knie. Er zittert. Die Nacht ist so finster, dass ich nur die Umrisse seines Gesichts unter mir sehen kann. Er atmet schnell, und er hat die Augen geschlossen. Ich streiche ihm sanft übers Haar, während er sich windet, um eine bequeme Position zu finden. Er hustet in das Handtuch. Als wir an einer der seltenen Straßenlaternen vorbeikommen, fällt das Licht auf einen purpurroten Fleck auf dem Handtuch.

Dieser rote Fleck versetzt mich in Alarmbereitschaft. Mein Herz verkrampft sich mit einem ersten Anflug von Panik, und ich atme tief durch und falte das Handtuch zusammen, damit Alastair das Blut nicht sehen kann. Wir erreichen das örtliche Krankenhaus, das in unheimliche Stille gehüllt ist. Alastair wird immer aufgeregter, während wir ihn zum Empfangsbereich schleppen. Das weiße Licht des Warteraums lässt uns abrupt innehalten und blinzeln. Ich überfliege den Raum und seine leeren, genormten weißen Plastikstühle und gehe auf eine halb dösende Empfangsangestellte zu, die hinter kugelsicherem Glas vor uns geschützt ist. Ich nenne ihr rasch Alastairs Namen und persönliche Daten, versichere ihr, dass er krankenversichert ist, und beschreibe seine Symptome: vierundzwanzig Stunden Erbrechen, Durchfall und Fieber, in letzter Zeit mit Schmerzen in der rechten Brust, und jetzt Blut hustend.

Bei der Erwähnung von Blut tritt die Empfangsdame mit einem Ruck in Aktion, und Alastair wird rasch eingewiesen, in einem kleinen, dunklen Raum auf ein schmales Bett gelegt und ruhiggestellt. Während Alastairs Körper sich beruhigt, spüre ich, wie ich ebenfalls ruhiger werde. Beschwichtigende Gedanken legen sich über meinen Verstand. Wir sind im Krankenhaus. Wir sind am bestmöglichen Ort für Alastair. Ich setze mich auf einen Stuhl neben seinem Bett und halte seine Hand. Ich versorge ein paar Ärzte, die kommen und gehen, mit Informationen. Sie stellen mir eine Reihe von Fragen, unter anderem nach seiner Krankengeschichte, wohin er in letzter Zeit gereist ist, nach seinen Symptomen und seinen Bewegungen in den letzten paar Tagen.

Ich sage ihnen, was ich weiß. Er ist neununddreißig und bei sehr guter Gesundheit: Er ist im November vom Arzt komplett durchgecheckt worden, und die Ergebnisse waren ausgezeichnet. Die einzigen Risikofaktoren, die mir einfallen, sind leicht erhöhte Cholesterinwerte und seine Auslandsreisen im vergangenen Jahr, unter anderem nach Ghana und Russland. Außerdem ist sein Vater im Alter von dreiundvierzig Jahren an nicht alkoholbedingtem Leberversagen gestorben. Ich rassele diese Informationen ruhig und knapp herunter, klammere mich an die Fragen und Antworten, um die aufkommende Besorgnis zu vermeiden, die durch meinen Körper strömt. Ich konzentriere mich ausschließlich auf die Fakten, auf die es jetzt ankommt.

Während ich mit den Ärzten spreche, kommt Alastair aus der Ruhigstellung zu sich. Sein Atem geht schwer. Die Ärzte schieben sein Bett den Korridor hinunter in einen größeren, helleren Raum und schließen ihn an Apparate an, um seine Sauerstoffzufuhr zu überwachen. Sie röntgen seine Lungen. Ein Arzt hält die Röntgenaufnahme ins Licht, und sie zeigt, dass die rechte Seite seiner Lunge fast völlig weiß ist. »Lungenentzündung«, lautet die Diagnose. Eine Diagnose! Meine Aufmerksamkeit stürzt sich darauf. Wie die Fragen und Antworten zuvor ist die Diagnose ein Trittstein, um nicht in die Flut von Gefühlen und beunruhigenden Gedanken zu stürzen, die in mir ständig ansteigt.

»Na ja, mein Schatz«, beschwichtige ich Alastair, »das erklärt die Schmerzen in deiner Brust.«

Die Lungenentzündung scheint jedoch eher ein Symptom als die Ursache zu sein. Das Tempo der Ärzte und Schwestern nimmt zu, ihre Schritte werden eiliger und ihre Mienen verschlossener, während sie kommen und gehen.

»Wir werden Ihnen intravenöse Antibiotika und eine Sauerstoffmaske geben, um Ihnen das Atmen zu erleichtern«, erklärt einer der unzähligen Ärzte und verschwindet dann schnell, bevor wir eine Frage stellen können.

Minuten später schlagen sie vor, einen Katheter zu legen. Alastair nimmt die Sauerstoffmaske ab. »Warum tun Sie das?«, fragt er, atemlos und ängstlich.

»Sie werden eine Weile bewegungsunfähig sein, bis Sie leichter atmen können, daher werden Sie nicht auf die Toilette gehen können«, informiert ihn der Arzt. Ich lege ihm die Maske sanft wieder über den Mund.

Ich halte einen der Ärzte am Arm fest, als er den Raum verlässt. »Was ist los?«, frage ich halb krächzend; meine Stimme bricht.

»Das wissen wir nicht«, erwidert er knapp und entzieht seinen Arm meinem Griff.

Ich taumele auf den Trittsteinen, und die Flut von Gefühlen wird noch gewaltiger. Unter Anstrengung schiebt Alastair die Sauerstoffmaske wieder zur Seite. »Ich bin ja so froh, dass du hier bei mir bist«, keucht er.

Ich lächele ihn an, versuche einen beruhigenden Eindruck zu erwecken. »Wo sollte ich denn sonst sein?«

Alarmstufe Rot

Die Ärzte versammeln sich im Flur vor Alastairs Zimmer, und ich höre ein gedämpftes Stimmengewirr. Auf einmal kommen zwei Ärzte rasch ins Zimmer, mit weißen Einmal-Gesichtsmasken.

»Wir vermuten, es ist Tuberkulose«, informieren mich die Ärzte, »von seiner kürzlichen Reise nach Russland.«

Mein Gesicht rötet sich vor Panik. »Wir haben zwei kleine Söhne«, sage ich zu ihnen, »im Alter von einem und drei Jahren, und sie waren bei uns im Bett. Sind sie in Gefahr? Sollte ich sie hierher bringen lassen?«

»Nein, nein«, versichern sie mir. »Es ist nicht nötig, sie ins Krankenhaus zu bringen, bis wir genau wissen, womit wir es zu tun haben.«

Alastair versucht wieder, seine Maske abzunehmen, aber er schafft es nicht allein, daher beuge ich mich über ihn, um ihm zu helfen. »Fahr zu den Jungen«, flüstert er beim Ausatmen.

»Nein«, sage ich entschieden. »Ich bleibe hier bei dir.«

Während Alastair langsam das Bewusstsein verliert, sitze ich an seiner Seite und googele wie wild Tuberkulose auf seinem BlackBerry. Während ich den winzigen Text überfliege, spüre ich, wie sich meine Schultern entspannen. Die Ergebnisse sind erstaunlich beruhigend. Tuberkulose ist weit verbreitet und mit einer zweijährigen Behandlung mit Antibiotika vollständig heilbar. Eine alte Erinnerung wird wach; mir fällt ein, dass mein eigener Vater als Junge Tuberkulose hatte, zu einer Zeit, als der medizinische Fortschritt noch längst nicht so weit war wie heute, und er führt seit Langem ein gesundes Leben. »Es wird alles gut werden«, beschwichtige ich mich selbst und Alastair, der jetzt immer wieder für eine Weile zu sich kommt. Neue Diagnose. Heilbare Diagnose. Noch ein segensreicher Trittstein.

Ein Arzt kommt in den Raum gestürzt. Er ist klein, mit einem verfilzten blonden Pferdeschwanz. Allmählich verliere ich bei den ganzen Ärzten den Überblick. Ein endloser Strom von ihnen scheint in einem fort zu kommen und zu gehen. Niemand scheint die Verantwortung zu haben. Er wendet sich nicht an Alastair, sondern sieht mich direkt an. »Wir werden Ihren Mann intubieren müssen«, sagt er. Dann wendet er mir den Rücken zu und beginnt, mithilfe einer stämmigen Krankenschwester die Schale für die Intubation vorzubereiten.

»Ist das wirklich notwendig?«, wende ich mich an seinen Rücken, mit entnervt angespannter Stimme. Der Arzt hält in seiner Vorbereitung inne und wendet sich um, um mich genau anzusehen. In einem klaren, langsamen, gedehnten Ton sagt er: »Ma’am, Ihr Mann ist schwer krank.«

Ich höre zu, ohne zu hören. Amerikaner!, denke ich in meinem inneren Monolog. Sie sind so melodramatisch.

Während der Arzt mit der Intubation beginnt, trete ich vom Bett zurück, um ihm Platz zu machen. Das Scheppern von Instrumenten auf Metallschalen fesselt meine Aufmerksamkeit. Der Arzt beugt sich über Alastair, und ich widme meine Aufmerksamkeit weiter der Schale neben dem Bett. Auf einmal lenkt ein spritzendes Geräusch meinen Blick zum Rücken des Arztes, und ich sehe rote Tropfen durch den Raum fliegen. »Scheeiiße«, sagt der Arzt, während er weiter durch seine blutbespritzte Brille intubiert. Ich stehe wie angewurzelt da, mit offenem Mund. Alle Trittsteine brechen prompt unter mir weg, und ich werde überwältigt von dem Gefühl, das in mir geschwelt hat. Ich werde von einer Panik ergriffen, die an meinem Magen vorbei gleich in meiner Kehle hochsteigt.

»Was machen Sie denn da?«, schreie ich mit schriller Stimme.

Der Arzt ignoriert mich und kümmert sich um Alastair. Die Frage hallt durch den Raum, unbeantwortet. Schließlich wendet sich der Arzt zu mir um. »In seiner Lunge ist Blut«, sagt er knapp, »und das ist kein gutes Zeichen.«

Die Alarmstufe in meinem Körper schaltet hoch auf Rot. Ich bin mir nicht sicher, ob die Ärzte für oder gegen uns sind. Ich brauche Hilfe. Ich brauche Verstärkung. Ich stürze aus dem Raum, um Alastairs Freundin P. anzurufen und sie zu bitten, zum Krankenhaus zu kommen. Ich gebe den Buchstaben P in mein Handy ein und scrolle die Liste durch bis zu ihrem Namen. Meine Finger sind unbeholfen, und es gelingt mir erst beim zweiten Anlauf. Verdammt, kein Klingelton.

»Vor dem Krankenhaus ist die Netzabdeckung besser«, sagt die Empfangsangestellte langsam. »Und wenn Sie fertig sind, könnten Sie dann zurückkommen, um uns die vollständigen Versicherungsdaten Ihres Mannes zu geben?«

»Zur Hölle mit Ihnen«, fluche ich lautlos, während ich die Schwingtür des Krankenhauses wütend aufschlage.

Aber wie sich herausstellt, werde ich es sein, die durch die Hölle geht.

Abstieg in die Hölle

In den nächsten sechs Stunden erlebe ich, wie meine schlimmste Angst wahr wird. Ein paar Monate zuvor war mir bewusst geworden, was meine schlimmste Angst war. Seit Toms Geburt bekam ich jedes Mal Panik, wenn ich mit den Kindern über Nacht allein zu Hause war. Alastair war viel auf Reisen, und seine Reisen bedeuteten für mich immer nächtelangen Schlafentzug. Tagsüber schalt ich mich dafür und sagte mir, dass diese Panik völlig irrational war, dass ich sie mit Vernunft in den Griff bekommen könnte und dass ich mich diesmal nicht von Angst überwältigen lassen würde. Aber wenn der Abend in die Nacht überging, konnte ich die Panik in mir aufsteigen spüren. Ich versuchte mich mit Wein sanft in den Schlaf zu trinken und sah mir witzige, leichte Filme an. Ich rief meine Mutter an und redete mit ihr, bis sie einnickte, dann schaltete ich die Alarmanlage ein und huschte nach oben. Aber spätestens um zwei Uhr morgens waren die beiden Jungen jedes Mal in meinem Bett, die Tür verbarrikadiert und mein unverzichtbarer Baseballschläger unter dem Kopfkissen. Jedes Ächzen und Knarren des Hauses hörte sich für mich wie die Schritte von Einbrechern an.

Ein paar Monate vor unserer Reise nach Amerika hatte mir meine Schwiegermutter eine Hypnotiseurin empfohlen, die mir vielleicht helfen könnte. Ich vereinbarte einen Termin, und als die Kliniktür aufging, wunderte ich mich, eine hochgewachsene, schöne blonde Frau vor mir zu sehen. Ihre natürliche, nüchterne Art zerstreute meine Zweifel an der Hypnose. Als Erstes forderte sie mich auf, meine schlimmste Angst zu beschreiben. Ich dachte kurz nach und antwortete dann: »Meine schlimmste Angst ist, dass jemand in unser Haus eindringt und meine Kinder im Zimmer nebenan leiden. Ich kann sie hören, aber ich kann absolut nichts tun, um ihnen zu helfen.« Die schlichte Artikulation dieser unbewussten Angst verschaffte mir ein Gefühl von Erleichterung. Der Kern meiner schlimmsten Angst war die Vorstellung, nichts tun zu können, um meinen leidenden Kindern zu helfen.

Ein paar Monate später, in diesem amerikanischen Krankenhaus, erlebe ich, wie diese Angst wahr wird – aber es sind nicht meine Kinder, die leiden, es ist mein Mann. Sein Blutdruck ist so tief abgefallen, dass man ihm keine Schmerzmittel geben kann, um keinen Herzstillstand zu riskieren. Sechs Stunden lang windet er sich vor Schmerzen, während ich versuche, ihm zu helfen, eine bequeme Position für seinen Körper zu finden. Die Schwester sagt mir, ich soll seine Hände nach unten drücken, damit er sich nicht die Schläuche herauszieht.

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