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Das kleine, rote Buch

Alfred J. Schindler

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DAS KLEINE, ROTE BUCH

 

Psychothriller

 

von

 

Alfred J. Schindler

 

 

 

 

VORWORT

 

 

Gestatten: Mein Name ist Michael Rost.

Frührentner.

56 Jahre.

Deutscher.

 

Ich blättere jedes Wochenende in unserer Tageszeitung und suche nach einem lukrativen 450-€-Nebenjob. Seit Wochen bin ich auf Suche, aber ich finde nichts Vernünftiges, was zu mir passt und was ich auch ausüben kann. Schließlich bin ich zu siebzig Prozent schwerbehindert. Ich kann nicht mehr schwer heben und meine Beine machen auch nicht mehr so recht mit. Meine Rente ist gering und ein Nebenjob muss sein.

 

Dringend!

 

 

 

Heute ist mein Glückstag. Bei den Stellenanzeigen finde ich eine kleine Anzeige:

 

„Gesucht wird ein Aushilfsfahrer für Pkw-Überführungen im Inland. Sehr gute Bezahlung. Eigener Pkw für die Anfahrten zum Fahrzeug, Führerschein–Klasse III, deutscher Pass und einwandfreier Leumund sind Voraussetzung. Tel. xxxxxxxx.

 

Ich erzähle meiner Frau Berta hocherfreut von meiner Entdeckung und sie ist begeistert: „Ja, Michael, das wäre genau der richtige Nebenjob für dich!“

„Berta, soll ich gleich anrufen?“

„Aber sicher!“

„Heute ist aber Samstag!“

„Na und? Versuche es! Sicher ist sicher! Du willst doch nicht, dass dir jemand den Job wegschnappt!“

 

Recht hat sie. Ich wähle die angegebene Nummer und nach langem Klingeln meldet sich eine weibliche Stimme, die sehr sexy klingt:

 

„Einen schönen guten Morgen. Was kann ich für Sie tun?“

„Mein Name ist Michael Rost. Ich rufe wegen des Nebenjobs als Aushilfsfahrer an!“

„Ich grüße Sie! Sie haben Glück, Herr Rost! Die Stelle ist noch nicht besetzt.“

„Wunderbar! Wann kann ich mich bei Ihnen vorstellen?“

„Könnten Sie Ihre Tätigkeit sofort aufnehmen?“

„Ja, sicher.“

„Bitte kommen Sie am kommenden Mittwoch um 10:30 Uhr in das Hotel „Zum Ochsen“ in Nürnberg. Ich schicke Ihnen noch eine email mit der Bestätigung und der Adresse des Hotels. Unser Vertriebsleiter, Herr Blümlein, wird dort sein. Sie brauchen für den Job einen gültigen Führerschein-Klasse III und einen zuverlässigen Wagen. Außerdem möchte Herr Blümlein gerne Ihren Pass oder Personalausweis sehen, wie es in der Anzeige steht. Einwandfreier Leumund ist Voraussetzung und möglichst keine Punkte in Flensburg.“

„Das geht in Ordnung. Alles klar. Ich komme pünktlich.“

„Ich kann also den Termin festhalten?“

„Ja, gerne. Bekomme ich einen Aushilfsvertrag?

„Ja, selbstverständlich. Wir sind ein renommiertes Unternehmen.“

„Das freut mich.“

„Ich brauche bitte Ihre email-Adresse!“

 

Ich gebe sie ihr.

 

„Dann wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende, Herr Rost!“

„Ihnen auch.“

„Sehr erfreut.“

„Ach, noch etwas: Das Erkennungszeichen im Hotel ist ein kleines, rotes Buch, das vor unserem Verkaufsleiter auf dem Tisch liegt.“

„Prima. Ein rotes Buch.“

„Ja, genau.“

„Sie erhalten die email-Bestätigung in zehn Minuten!“

„Danke!“

 

Das Gespräch ist zu Ende. Sie hatte ihren Namen gar nicht genannt. Was soll’s. Die Sache hört sich gut an. Leider vergaß ich bei dem Gespräch, nach Einzelheiten zu fragen, beispielsweise nach der Bezahlung, ob Übernachtungen nötig sind und wie ich vom Kunden wieder nach Hause komme. Aber all diese speziellen Fragen werde ich dem Verkaufsleiter stellen. Kein Problem.

 

Kurz darauf habe ich die email-Bestätigung auf dem Bildschirm.

Die Sache ist reell.

Das hoffe ich doch sehr!

 

„Berta, es sieht gut aus! Die Dame, mit der ich telefoniert habe, bestätigte den Termin in Nürnberg per email!“

„Wunderbar! Dann kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen! Die Sache macht mir einen guten Eindruck!“

 

 

 

Mittwoch – 7:00 Uhr. Heute findet das persönliche Vorstellungsgespräch in Nürnberg statt. Ich freue mich darauf und hoffe, den Job zu kriegen. Hoffentlich ist er langfristig, überlege ich. Das wollte ich die Dame am Telefon auch noch fragen, aber ich vergaß es.

 

„Die Fahrten sind aber nur in Deutschland, nicht wahr, Michael?“

„Ja.“

„Ich möchte, dass du nach jeder Autoüberführung noch am selben Tag nach Hause kommst.“

„Sicher, sicher, Berta.“

„Keine Übernachtungen!“ (Ist sie immer noch eifersüchtig? In unserem Alter?)

„Ja, Berta. Was soll ich anziehen?“

„Ein schönes Hemd mit bunter Krawatte, Jackett und saubere Schuhe! Dazu passende Socken.“

„Mach ich.“

„Und gehe vorher unter die Dusche!“

„Muss das sein?“

„Ja.“

„Und vergiss deine Papiere nicht!“

 

Das Frühstück ist vollzogen. Ich verabschiede mich mit einem Küsschen auf die Wange von meiner geliebten Berta. Ich bin ein wenig nervös und gehe zu meiner Garage. Ich habe die email ausgedruckt und halte sie in Händen. Der Name der Dame fehlt. Egal. Hat sie wohl vergessen. Langsam programmiere ich die bevorstehende Fahrt in mein kleines, tragbares Navigationssystem ein. Aha! 94 km. Fahrtdauer 55 Minuten. Es ist jetzt 09:00 Uhr. Genau die richtige Zeit, um loszufahren!

 

Der Tank ist halb voll. Das Benzin dürfte für die Hin- und Rückfahrt reichen.

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