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Das kleine Café an der Mühle

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Widmung
  7. Der Brief
  8. Drei Stunden vorher
  9. Samstag, 27. August
  10. Die Entscheidung
  11. Mittwoch, 31. August
  12. Der Rechtsanwalt
  13. Unterwegs
  14. Ankunft
  15. Der Brief
  16. Der Morgen
  17. Der Mühlenhof
  18. Donnerstag, 1. September
  19. Drei Stunden vorher
  20. Peter
  21. Das Abendessen
  22. Drei Telefonate
  23. Samstag, 3. September
  24. Miri
  25. Henry
  26. Montag, 5. September
  27. Rückkehr
  28. Ausmisten
  29. Tischlerei Weibold
  30. Umbau
  31. Freitag, 16. September
  32. Das neue Mühlencafé
  33. Die Neueröffnung
  34. Angezählt
  35. Absturz
  36. Der Streit
  37. Die Pokerrunde greift ein
  38. Der Plan
  39. Miri hat Zweifel
  40. Samstag, 1. Oktober, weit nach Mitternacht
  41. Peter
  42. Heidi
  43. Rita wird aktiv
  44. Karin rechnet
  45. Die Predigt
  46. Eine Landhochzeit wird geplant
  47. Planänderung
  48. Gegen die Uhr
  49. Die Hochzeit
  50. Peter macht sich Sorgen
  51. Chaos
  52. Weltuntergang
  53. Montag, 17. Oktober
  54. Mehr als gut
  55. Kaffee ohne Seele
  56. Es geht aufwärts
  57. Neue Möglichkeiten
  58. Mittwoch, 2. November
  59. Die Silvesterparty
  60. Epilog
  61. Danksagung
  62. Kaffeeküsse – Rezepte
    1. Kaffeeküsse von Anke Schmidt
    2. Kaffeeküsse von Herbert Budweg
    3. Espressokuchen von Jean-Marie Dumaine
    4. Kaffeeküsse von Heike Hilberg/Dauner Kaffeerösterei
    5. Macarons mit Rotwein-Schokoladenkuss von Wein + Gut Oster
    6. Mokkacrème mit Mokka-Rum-Espuma von Nicole Anker (AnkerBuch) und Jean-Marie Dumaine (Vieux Sinzig)

Über dieses Buch

Sophie ist eine absolute Stadtpflanze, doch ihr Leben in Hamburg läuft eher schlecht als recht. Als sie dann auch noch vom Tod ihrer lieben Tante Dotti erfährt, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg. Aber Dotti hatte einen Plan für sie – und so findet sich Sophie kurze Zeit später in Wümmerscheid-Sollensbach wieder, einem idyllischen, wenn auch verschlafenen kleinen Ort zwischen Rhein und Mosel. Dort steht sie überrascht vor ihrem Erbe: ein renovierungsbedürftiges, altes Mühlengebäude mit einem Café im Erdgeschoss. Doch die Sache hat einen Haken, denn Sophie kann nur erben, wenn sie das Café weiterführt. Sie nimmt die Herausforderung an – trotz aller Widrigkeiten. Mit Improvisationstalent und viel Einsatz beginnt sie, das Café auf Vordermann zu bringen. Die sehr eigenwilligen Dorfbewohner sind ihr dabei keine große Hilfe. Aber zum Glück gibt es da ja noch ihren Nachbarn Peter Langen, alleinstehend und gutaussehend ...

Weitere Titel der Autorin:

Sommerzauber auf der kleinen Insel

Winterzauber im kleinen Café an der Mühle

Über die Autorin

Andreas J. Schulte ist freier Journalist und Autor. Christine Schulte hat bereits in ihrer Schulzeit zusammen mit einer Freundin ihren ersten Roman verfasst und arbeitet heute als technische Redakteurin. Das Ehepaar lebt mit seinen beiden Söhnen seit 25 Jahren in einer alten Scheune zwischen Andernach und Maria Laach. Unter dem Pseudonym Barbara Erlenkamp schreiben sie zusammen moderne, humorvolle Frauen- und Unterhaltungsromane. »Das kleine Café an der Mühle« war ihr erster gemeinsamer Roman.

Barbara Erlenkamp

   

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Für unsere Schwestern:

Susanne, Ulrike, Gisela und Brigitte

Der Brief

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Tagsüber war es ein milder Spätsommertag gewesen. Aber jetzt, am Abend, krochen die Feuchtigkeit und Kälte von der Alster herüber. Ein Vorgeschmack auf den nahenden Herbst. Eigentlich war es zu kühl, um hier draußen ohne Jacke zu stehen. Eigentlich gehörte sie hier gar nicht hin, sie wurde bestimmt schon drinnen gebraucht. Sophie starrte auf den Brief in ihren Händen. Dieses eine Stück Papier ließ sie den Rest um sie herum vergessen: die Mülltonnen da hinten in der Ecke, das alte Fahrrad, die leeren Getränkekisten, den Wagen vom Chef. Kein heimeliger Platz, um Pause zu machen oder um sich auszuruhen – nur ein Rückzugsort, ein Platz für sie selbst und diesen Brief. »Sophie? Sophie!«

»Ich komme, Elke, Augenblick.«

»Ach, hier steckst du. Was machst du denn hier draußen?«

»Ich wollte nur einen Moment …«

»Schon gut. Aber du musst jetzt noch den Wintergarten übernehmen. Da drinnen ist die Hölle los.«

»Den Wintergarten? Aber Anne ist doch …«

»Anne hat sich gerade in der Küche heiße Krabbensuppe über die Hand gegossen. Heute geht wirklich alles schief! Komm, Sophie, sei ein Schatz und kümmere dich um die Tische im Wintergarten. Die Busgesellschaft scharrt schon mit den Hufen. Wenn die nicht bald ihre Getränke bekommen, gibt es Ärger.« Elke Seebald musterte Sophie.

»Ist mit dir alles in Ordnung?«

Sophie nickte stumm, faltete unauffällig den Brief zusammen und schob ihn in ihre Hosentasche.

»Ja, sicher, ich musste nur einmal kurz Luft schnappen.« Den letzten Teil des Satzes hörte Elke schon gar nicht mehr, weil Claas von drinnen ihren Namen rief. Sophie blinzelte die Tränen weg, wischte sich einmal über die Augen und wünschte, sie hätte vor drei Stunden einfach Nein gesagt.

Drei Stunden vorher

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Als Sophie von Metten die Haustür aufschloss und ihr Fahrrad in den Flur des alten Mietshauses schob, lag ein ruhiger Abend vor ihr. Sophie wusste auch schon genau, was sie an diesem Abend machen wollte. Eine ganze Woche lang hatte sie geschuftet, hatte mehrere Interviewtermine hinter sich gebracht, hatte zwei zusätzliche Tage im Captain Claas gearbeitet. Aber der heutige Abend gehörte ihr allein. Sophie summte zufrieden vor sich hin, als sie den Briefkasten öffnete. Erst einmal würde sie ein Bad nehmen. Dann ein wenig Salat essen und ein Glas Weißwein genießen – mehr war wirklich nicht drin, die Jeanshose kniff immer noch am Bund. Und zur Feier des Tages würde sie diese herrliche Schnulze lesen, bis ihr die Augen vor Müdigkeit zufielen. Nach dieser Woche geht das wahrscheinlich ganz flott, dachte Sophie und nahm sich wieder einmal vor, ein paar grundlegende Dinge zu ändern. Veränderungen sind schön, Mädchen, aber du musst sie dir auch leisten können, ermahnte sie sich im Stillen, als sie die Briefe in ihren Händen flüchtig durchsah. Sophie sortierte die Umschläge, während sie die Treppe in den dritten Stock hochstieg: ein Brief von der Bank mit ihren Kontoauszügen, zwei Briefe mit Werbung, eine Mahnung von dem Versender, bei dem sie erst vor zwei Wochen eine traumhaft schöne Bluse bestellt hatte, und ein Umschlag, der aus Koblenz kam. Sophie schloss die Wohnungstür auf und warf die Post auf den kleinen Rauchtisch. Sie hatte ihn im letzten Monat auf dem Flohmarkt gefunden, hatte ihn abgebeizt und neu gestrichen, seitdem passte er wunderbar zu ihrer alten Garderobe.

Den Brief aus Koblenz nahm sie mit in die Küche. Sie öffnete den Kühlschrank, nahm sich ein Radieschen aus einer Schale und prüfte die halb gefüllte Weißweinflasche in der Kühlschranktür. Zur Feier des Tages waren sicher auch zwei Gläser Weißwein drin. Eines, während das Wasser in die Wanne einlief, und später dann noch eins zum Essen.

In Sophies Jacke vibrierte das Handy. Sie zog es heraus und bereute das bereits im nächsten Augenblick. Sabine, ihre Literaturagentin, schrieb selten lange und ausführliche Mails, vor allem dann nicht, wenn sie schlechte Nachrichten weitergeben musste. »Drei neue Absagen. Shit. Sorry, Sophie, wird schon. LG, Sabine.« Sophie konnte den gesamten Mailinhalt bereits auf dem Display in der Vorabansicht durchlesen. Na ja, das Gute war immerhin, dass Sabine bei Absagen von Verlagen nicht lange um den heißen Brei herumredete. Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass der neue Reiseführer »Happy Travel« sich langsam, aber sicher zu einem Rohrkrepierer entwickelte. Sophie seufzte und holte die Weißweinflasche heraus, als das Handy in ihrer Hand erneut vibrierte, diesmal aber war es ein Anruf.

»Von Metten. Guten Abend.«

»Sophie? Claas hier. Mädchen, ich weiß, du hast deine zwei Tage schon hinter dir, aber wir haben heute drei Busgesellschaften reinbekommen, und der Markus hat mir gerade abgesagt. Elke und Anne können das unmöglich alleine stemmen.«

»Claas, heute ist mein erster freier Abend seit mehr als drei Wochen«, stöhnte Sophie, »was ist denn mit der Nele?«

»Habe ich schon versucht zu erreichen, da geht aber nur die Mailbox dran.« Sophie konnte Claas' verzweifeltes Gesicht geradezu vor sich sehen, zumal den Geräuschen im Hintergrund nach zu urteilen offensichtlich die Gäste des ersten Reisebusses gerade den Gastraum des Ausflugsrestaurants Captain Claas stürmten.

»Sophie, bitte!«

Sie wusste, dass Claas sie brauchte, freier Abend hin oder her, das war sie ihm schuldig. Wäre ihre Mailbox drangegangen, hätte sie jetzt gleich in der Wanne liegen können. Aber so … Sophie unterdrückte einen Seufzer. Wenn sie den Harvestehuder Weg nahm, konnte sie von der Erikastraße aus mit dem Rad in einer Viertelstunde an der Außenalster sein. »Also gut, Claas, ich komme. Ich ziehe mich nur schnell um, dann bin ich in zwanzig Minuten bei euch.«

»Sophie, du bist ein Schatz, ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann. Ich zahl dir auch die Sonderschicht.« Bevor Sophie ihn daran erinnern konnte, dass er ihr bereits seit drei Wochen Sonderschichten bezahlte, hatte Claas Lützel aufgelegt.

Sophie stellte die Weinflasche zurück in den Kühlschrank, nahm noch ein zweites Radieschen und lief dann kauend ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Als sie fünf Minuten später abfahrbereit war, nahm sie, ohne groß darüber nachzudenken, den Umschlag aus Koblenz und schob ihn in ihre Umhängetasche. Den Brief konnte sie später immer noch lesen. Drei Stunden danach stand sie mit tränenblinden Augen in Claas' Hinterhof und wünschte sich weit, weit weg.

Samstag, 27. August